Der Zappelphilipp und die Traumsuse? Geschlechterreflexion als Gesundheitsprävention

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1 Der Zappelphilipp und die Traumsuse? Geschlechterreflexion als Gesundheitsprävention Anny Matthes, Fachstelle für Mädchenarbeit und Genderkompetenz in Sachsen Peter Bienwald, Landesfachstelle Jungenarbeit Sachsen

2 gender Begrifflichkeiten für Geschlecht gender sex = soziales Geschlecht - soziale Unterschiede - erlernt - veränderbar - unterschiedlich zwischen und innerhalb von Kulturen Bestimmt durch das Konzept von den Aufgaben, Funktionen und Rollen, welche die Gesellschaft im öffentlichen und privaten Leben den Männern und Frauen zuweist. = biologisches Geschlecht - biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen - reproduktionsbezogene Unterschiede - unterschiedliche äußere Merkmale Wir gehen in unserem Kulturraum von Zweigeschlechtlichkeit Mann / Frau aus, gesetzliche Regelungen sehen eindeutige Zuordnung vor Grundlagen Begriffe

3 gender Die Kategorie Geschlecht (gender) differenziert. Die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht wirkt vor - bestimmend für Lebenswege, Verhaltensmuster, gesellschaftliche Möglichkeiten, Ansprüche. Grundlagen Begriffe

4 Geschlechtsspezifische Verteilung psychischer Störungen Studien: Mannheimer Längsschnittstudie ( ), Bella-Studie ( ) -Mädchen und Jungen/ Männer und Frauen weisen unterschiedliche Erkrankungsprofile auf -bei Mädchen und Frauen treten eher internalisierte Störungen auf (Depression, Angststörungen, Essstörungen) nach innen gerichtete Bewältigungsstrategien -bei Jungen und Männer treten eher externalisierte Störungen auf (Dissoziale Persönlichkeitsstörungen, Aggression, Substanzmissbrauch) nach außen gerichtete Bewältigungsstrategien

5 Geschlechtsspezifische Verteilung psychischer Störungen Gesamtrate psychischer Störungen (nach Mannheimer Längsschnittstudie) % x x x 30 x 25 x x x x x 20 x x x 15 x x x x 10 5 Mädchen Jungen < Jahre

6 Geschlechtsspezifische Anforderungen an Mädchen und Jungen Mädchen weiblicher Schönheit entsprechen (Maßstab wird durch Werbung, TV, PC, Jungen und Männer gesetzt) Kontrolle bewahren (über den Körper und eine weibliche Präsentation; über unweibliche Gefühlsäußerungen, z.b. nach außen gerichtete Aggressionen) Beziehung halten (zu Mutter, Erzieherin, Lehrerin und Gleichaltrigen; als Schwester; unter Freundinnen, später in der eigenen Familie) Anpassungsgebot (den Erwartungen entsprechen müssen, wie z.b. hilfsbereit sein; ggf. eigene Bedürfnisse zurückstellen) Balance halten (zw. traditioneller Weiblichkeit und den vielen neuen (beruflichen) Möglichkeiten für Mädchen) Durchsetzungsfähigkeit gegenüber Mädchen, aber auch gegenüber anderen Jungen Kabbelei Kontrollieren von Situationen Beherrschen Allein-Sein Etwas auch alleine können, keine Hilfe benötigen, ein Abenteuer bewältigen Externalisierung Probleme im Außen verorten, wenig Reflexion, Bewegungsmaxime Rationalität Abwertung von Emotionen, Verstehen müssen, abstrahieren Körperferne Jungen

7 Mögliche Ursachen für geschlechtsspezifische Unterschiede nach Möller-Leimkühler -Geschlechtsunterschiede in Gesundheit und Krankheit sind weitestgehend auf unterschiedliche soziale Rollen (soziale Erwartungen, Risiko- und Schutzfaktoren) zurück zu führen -Risikofaktor bei Männern: Erwerbstätigkeit Grund: Geschlechteranforderung Leistungs- und Erfolgsorientierung (Bewältigung von Schwierigkeiten, ohne, dass Ängste und Probleme wahrgenommen/ zugegeben werden können) Hilfesuche ist im Männlichkeitsstereotyp nicht vorgesehen, da sie Inkompetenz und Abhängigkeit, Aufgabe von Autonomie und Selbstkontrolle signalisiert. -Risikofaktor bei Frauen: Familien-/ Berufsorientierung Grund: Geschlechteranforderung Beziehungs- und Familienorientierung (Mehrfachbelastung, Wahlmöglichkeit von Lebensformen, Verantwortungsgefühl für Beziehungsstrukturen) Bei Frauen stehen psychische Aspekte und soziales Wohlbefinden im Vordergrund. Sie sind emotionszentrierter und verfügen vor allem über nach innen gerichtete und selbstwertabträgliche Problemlösungsmuster.

8 Fazit nach Margitta Kunert-Zier die Adressat_innen sind nicht geschlechtsneutrale Kinder, Jugendliche und/oder Erwachsenen sondern: - Individuen - Angehörige von Geschlechtergruppen - Mädchen und Jungen, die sich aufeinander beziehen Für die Gesundheitsförderung bedeutet dies, dass Mädchen und Jungen frühzeitig und gleichermaßen unterstützt werden müssen. Mädchen und Jungen müssen die Möglichkeit bekommen abseits von stereotypen Geschlechterzuschreibungen ihre Individualität zu entwickeln.

9 Die Vielfalt der Individuen sollte nicht durch die Einfalt des Geschlechterkonstrukts beschränkt werden. Dr. Barbara Stiegler

10 Literatur Ihle, Laucht, Schmidt, Esser (2007): Geschlechtsunterschiede in der Entwicklung psychischer Störungen. Kunert-Zier (2005): Erziehung der Geschlechter, Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern. Möller-Leimkühler (2005): Geschlechterrollen und psychische Erkrankungen. Dr. Klasen (2012): Verläufe und Bedingungsfaktoren psychischer Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen.

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