Borussia. Werte/ Meinung/ MAGAZINE OF BUSINESS HANSE. Unser Markenkern heißt Intensität" "Our brand's core is intensity"

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1 MAGAZINE OF BUSINESS HANSE Borussia Dortmund Unser Markenkern heißt Intensität" "Our brand's core is intensity" Werte/ Values Multilateralismus muss die Welt noch lernen "Multilateralism is a lesson the world needs to learn" Deutschland 4,50 Meinung/ Opinion Europa kann nicht ohne Russland, Russland nicht ohne Europa" Nº 01 NOVEMBER 2014 "Europe cannot exist without Russia, Russia cannot exist without Europe"

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3 Editorial Marion Köhn Geschäftsführerin Wirtschaftsbund Hanse General Manager Business Hanse Gegen Grenzen im Kopf Wie mutig! und Das ist politisch aber schwierig waren Kommentare, die mich erreichten, nachdem ich die Unternehmerreise nach Russland ausgeschrieben hatte zu einer Zeit, in der wir alle entsetzt waren über den Flugzeugabschuss in der Ukraine und die Europäische Union durch Sanktionen das Verhältnis zwischen Europa und Russland neu zu definieren begann. Nach außen mag das Vorhaben mutig gewirkt haben. Doch wofür stehen wir eigentlich, wir, die Mitglieder des Wirtschaftsbundes Hanse und die Akteure aus den Hansestädten? Wir sind ein Netzwerk mit Kontakten zu Menschen in 183 Städten in 16 europäischen Ländern von Finnland bis Frankreich, von Island bis Russland. Mit Unterzeichnung des Ehrenkodex haben unsere Mitglieder Partnerschaft, Vertrauen und Verlässlichkeit versprochen. Unsere Philosophie und unser Selbstverständnis basieren auf Treue und Miteinander, wir bringen Menschen und Unternehmen zusammen. Unverständnis und Angst treiben sicher jeden von uns um, wenn wir sehen, was in der Ukraine passiert. Die Politik ist gefordert, friedliche Lösungen zu finden. Zugleich aber muss der Alltag weitergehen. Dies ist nicht nur volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch geboten, sondern auch notwendig, um keine neuen Fronten entstehen zu lassen. Auf beiden Seiten! Nur durch persönliche Gespräche können wir uns unabhängig von emotionalen Stimmungen und öffentlicher Propaganda ein Bild davon machen, was andere denken und wollen. Die Hanse hat in den vergangenen Jahrzehnten Grenzen und Vorurteile in unseren Köpfen abgebaut. Wir werden sie nicht wieder errichten. Nirgendwo in Europa. Bringing down borders in people's minds "How brave!" and "This is certainly politically difficult". These were some of the comments I received when I advertised a trip for business people to Russia at a time when we were all appalled by the downing of an airplane in Ukraine and when the European Union began to redefine the relationship between Europe and Russia by imposing sanctions. To the outside world, the project may have seemed brave, but what do we actually stand for as members of Hanse Business and business participants from the Hanseatic cities? We are a network that has built up contact with people in 183 cities in 16 European countries from Finland to France, from Iceland to Russia. By signing the Code of Honour, our members have promised partnership, trust, and reliability. Our philosophy and the way we understand ourselves are based on loyalty and co-operation. We bring people and enterprises together. Incomprehension and fear are stirred among all of us when we consider what is going on in Ukraine. Politicians are required to find peaceful solutions. At the same time, everyday business must go on. This is necessary not only from an economic and socio-political point of view but also to ensure that no new fronts are created. On either side! Only through personal meetings can we obtain an image of what others think and want, independently of emotions and public propaganda. The Hanseatic League has been instrumental in breaking down mental boundaries and prejudice over the past few decades. We will not bring those back into existence, anywhere in Europe. 3

4 INHALT CONTENT EDITORIAL Gegen Grenzen im Kopf Marion Köhn, Geschäftsführerin Wirtschaftsbund Hanse INHALT CONTENT 48 Impressum Legal notice 50 Mitglied werden membership Wirtschaft Economy Langfristiges Denken setzt sich durch Studie der Commerzbank Long-term thinking prevails Study by Commerzbank 08 Unser Markenkern heißt Intensität Thomas Treß, CFO von Borussia Dortmund "Our brand's core is intensity" Thomas Treß, CFO of Borussia Dortmund Bringing down borders in people s minds Marion Köhn, General Manager Business Hanse ÜBER DIE TIDING Tidin ge waren die Nachrichten, die die Hanse-Kaufleute im Mittelal ter jedem ihrer Kaufmannsbriefe bei legten. Das deutsche Wort Zeitung ist daraus entstanden. Auch im Englischen kennt man den Begriff: Ti dings ist ein altmodischer Ausdruck für neueste Nachrichten. ABOUT TIDING Tidinge were the messages en closed by Hanse merchants with each of their merchant letters in the Middle Ages. The German word for newspaper ( Zeitung ) derived from it. In English, the term is known as well: Tidings is an old-fashioned expression for latest news. 4

5 Meinung Opinion Ersetzen Werte den Anwalt? Vier Statements aus der Wirtschaftshanse Are Values Replacing Lawyers? Five statements from Business Hanse 17 Europa kann nicht ohne Russland, Russland nicht ohne Europa Yury Bobryschew, Bürgermeister der russischen Hansestadt Welikij Nowgorod "Europe cannot exist without Russia, Russia cannot exist without Europe" Yury Bobryshev, Mayor of the Russian Hanseatic City of Veliky Novgorod KULTUR CULTURE Hanse Sail Multilateralismus muss die Welt noch lernen Simon Anholt, Politikberater "Multilateralism is a lesson the world needs to learn" Simon Anholt, Policy advisor AKTUELLES NEWS Nur wer ein Schiff zu neuen Ufern aufbrechen lässt, kann auch neue Märkte erschließen Tim Kähler, Bürgermeister der Hansestadt Herford "Broaden your horizons to open up new markets" Tim Kähler, mayor of the Hanseatic city of Herford 37 Es werde Licht Erste HanseLicht-Konferenz in Lübeck Let there be light First HanseLicht Conference in Lübeck 46 Ein Titel, der immer beliebter wird 25 deutsche Städte tragen das Prädikat Hansestadt im Namen A title that becomes ever more popular 25 German cities carry the title of Hanseatic city in their name 5

6 Wirtschaft Economy Herausforderungen bei Investitionen Challenges for investments steigende oder schwankende Rohstoff- oder Energiepreise Mangel an geeigneten Fachkräften komplexe behördliche Genehmigungsprozesse unsichere gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen die angespannte wirtschaftliche Lage des Unternehmens increasing or fluctuating prices of raw materials and energy lack of suitable skilled labour complex official authorization process uncertain overall economic conditions uncertain legal framework conditions the company's tense economic situation Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen Data in per cent, Multiple answers Was heißt gute Unternehmensplanung heute? What does good company planning mean today? Eher auf Sicht fahren, kurzfristig planen und flexibel entscheiden." "Prefer to drive by sight, plan in the short term and make flexible decisions". 42 % % 56 % % Angaben in Prozent, an hundert Fehlende: keine Angabe Langfristiges Denken setzt sich durch Eher langfristige Entscheidungen treffen und die resultierenden Risiken eingehen." "Prefer to make long-term decisions and to take the resulting risks". Data in per cent, missing percentage up to 100: no response Mittelstand (gesamt) Small and mediumsized businesses (total) Fachkräftemangel und Bürokratie bremsen Investitionen des Mittelstandes Trendwende bei der langfristigen Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand: Eine Mehrheit von 53 Prozent aller Unternehmen ist derzeit bereit, wieder langfristig zu planen und entsprechende Risiken einzugehen. Vor zwei Jahren waren dies nur 38 Prozent. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der neuen Studie Vorsicht versus Vision: Investitionsstrategien im Mittelstand der Commerzbank. Es ist zwar sehr erfreulich, dass sich immer mehr Mittelständler vom reinen Fahren auf Sicht verabschieden und die Krisenjahre endgültig hinter sich lassen, so Markus Beumer, Vorstandsmitglied der Commerzbank und zuständig für das Mittelstandsgeschäft. Die Frage ist jedoch, wann und wie sich dies in konkretem Handeln niederschlägt. Antworten darauf, wie sich der Mittelstand auf die Trends von morgen einstellt, gibt die Commerzbank-Studie. TNS Infratest hat dazu mehr als mittelständische Unternehmer und Manager in ganz Deutschland und rund 70 Volkswirtschaftler an deutschen Hochschulen befragt. Die grundsätzliche Bereitschaft, langfristigere Entscheidungen zu treffen und die entsprechenden Risiken einzugehen, ist seit 2012 gestiegen. Der Fokus ist dabei durchaus wachstumsorientiert: 14 Prozent der Unternehmen investieren vor allem in Wachstum, acht Prozent ausschließlich in den Erhalt der Substanz. Unsichere wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen sind aber ein Investitionshindernis. Auch der Fachkräftemangel lässt Unternehmen zögern. Probleme bei der Finanzierung von Investitionen gibt es im gesamten Mittelstand kaum. Fremdfinanzierung ist allerdings äußerst unbeliebt, die Unternehmen versuchen, ihre Investitionen möglichst ohne Kredite zu tätigen. Das sieht die Mehrheit der Ökonomen kritisch und rät zu mehr Fremdfinanzierung. Die komplette Studie ist unter zu finden. 6

7 Wachstum des Unternehmens oder Erhalt der Substanz Growth of the company or preservation of assets Wir investieren... We invest... ausschließlich in den Erhalt der Substanz. exclusively in the preservation of assets. mehr in den Erhalt der Substanz als in Wachstum. more in the preservation of assets than in growth. gleichermaßen in Wachstum und in den Erhalt der Substanz. equally in growth and in the preservation of assets. mehr in Wachstum als in den Erhalt der Substanz. more in growth than in the preservation of assets Long-term thinking prevails Skilled labour shortages and bureaucratic red tape are impeding investments Reversal of the trend in the long-term willingness of German small and medium-sized businesses to invest: A majority of 53 per cent of all companies is currently ready to plan once again for the long term and to take corresponding risks. Two years ago, that number stood at only 38 per cent. This is one of the central findings of the new study "Caution versus vision: Investment strategies in small and medium-sized businesses" conducted by Commerzbank. "It is indeed very gratifying to see more and more small and medium-sized businesses moving away from a purely 'drive by sight' perspective and finally leaving the crisis years behind them", according to Markus Beumer, Executive Board member of Commerzbank and respon sible for the small and medium-sized business market. The question is however, when and how this translates into concrete action". The Commerzbank study provides answers as to how small and medium-sized businesses are adapting to the trends of tomorrow. For this purpose, TNS Infratest interviewed more than 4,000 small and medium-sized business entrepreneurs and managers throughout Germany and some 70 economists at German universities. Since 2012, the fundamental willingness to make long-term decisions and to take corresponding risks has increased. The focus is certainly growth-oriented: 14 per cent of the companies invest primarily in growth, eight per cent exclusively in the preservation of assets. Uncertain economic and legal conditions are obstacles to investment, however. The shortage of skilled labour also makes companies hesitant. There are hardly any problems in the financing of investments in the entire small and medium-sized business market. Debt financing is, however, extremely unpopular; companies attempt to make their investments without loans to the extent possible. The majority of economists take a critical view of this and advise more debt financing. The complete study can be found at 7

8 Wirtschaft Economy Borussia Dortmund Unser Markenkern heißt Intensität * English article on page 11 Thomas Treß, CFO von Borussia Dortmund, über den Einsatz von Schiedsrichtern in der Wirtschaft, über Werte im Fußball, Internationalität und Financial Fair Play Tiding: Fair Play ist im Sport und besonders beim Fußball sehr wichtig. Sollten solche Werte verstärkt auch in der Wirtschaft beachtet werden? Treß: Fair Play ist ein Grundsatz der westlichen Kultur: Man soll vernünftig miteinander umgehen und den anderen nicht überfordern. Das gilt im Sport wie in der Wirtschaft. Wenn man den anderen überfordert und nur den eigenen Vorteil im Blick hat, kommen Verträge in der Regel gar nicht zum Tragen oder werden nicht gelebt. Ein Fußballspiel wird von einem Schiedsrichter geleitet. Wäre so ein Schiedsrichter nicht in der Wirtschaft auch wünschenswert? Der Schiedsrichter beim Fußball ist ein Element der Veranstaltung. In unserer freien, pluralistischen, sozialen Marktwirtschaft brauchen wir das nicht. Im Grunde geht es ja darum, dass die Vertragsparteien vernünftig miteinander umgehen. In der Wirtschaft sind es die Gerichte, die aber erst dann hinzugezogen werden, wenn es gar nicht mehr anders geht. Aber das ist ja nicht das Ziel. Die Hanse ist sehr international. Welchen Erfolgsfaktor stellt die Internationalität für den BVB dar? Internationalität ist im Fußball extrem wichtig. Das gilt insbesondere für Klubs wie Borussia Dortmund, die sich in der Spitzengruppe der Bundesliga befinden und natürlich auch an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Im Fußball kann man kein Geld verdienen, wenn man nur an nationalen Wettbewerben teilnimmt, insoweit ist es eminent wichtig für den Erfolg, international zu spielen. Zum anderen ist es für den BVB auch wichtig, nicht nur innerhalb Deutschlands zu spielen, weil die Marke und die Fanbasis von Borussia Dortmund keine Grenzen kennen. Wir haben Fans im Ausland, wir haben sehr viele ausländische Sponsoringpartner und wir merken, dass Borussia Dortmund im Ausland eine immer stärkere Akzeptanz bekommt. Deshalb werden wir in Singapur ein Büro eröffnen, um den asiatischen Markt stärker zu bearbeiten. Bei unseren Sponsoren fallen Namen wie Huawei oder Turkish Airlines, wir haben polnische Sponsoringpartner. Und auch unser Fußballteam ist international. Fußball ist eine multikulturelle Veranstaltung, da kommen alle möglichen Glaubensrichtungen und Nationalitäten zusammen. 8

9 Wie bearbeitet man den internationalen Markt? Internationalisierung ist mehrschichtig: Wir müssen die Markenstrategie weiterentwickeln und deutlich machen, welche Werte die Marke in sich trägt, und diese dann angepasst auf andere Länder und Kulturräume kommunizieren. Nur dann werden wir nachhaltig international erfolgreich sein, was die Vermarktung betrifft. Um beim Beispiel Singapur zu bleiben: Hier wird einer unserer Angestellten sitzen und Kontakte schließen, um asiatische Sponsoren zu gewinnen und um die Bekanntheit des BVB in asiatischen Medien zu erhöhen. Sie überlegen, mit welchen Werten Sie die Marke nach außen aufladen wollen. Welche Werte sind das im Unterschied zur anderen großen Marke im deutschen Fußball: Bayern München? Borussia Dortmund hat als Markenkern das Thema Intensität als zentrale Komponente, drum herum aber viele Werte wie Bodenständigkeit und Ehrlichkeit, die natürlich auch mit der Region hier verhaftet sind. Dinge, die Borussia Dortmund speziell machen, sind die Offenheit und die Vereinnahmung der Menschen. Borussia Dortmund ist eine Marke, eine Fangemeinde, die die Menschen mitnimmt und nicht so sehr abgrenzt. Borussia Dortmund ist nicht so opportunistisch ausgerichtet, nicht so polarisierend. Das ist sicher der größte Unterschied zu den Bayern. Sie sagen, der Markenkern von Borussia Dortmund ist Intensität. Was genau versteht man darunter? Intensität ist vieles. Das fängt bei den Farben von Borussia Dortmund an. Sie sind schwarz-gelb, einen größeren Kontrast gibt es kaum. Dann haben wir ein intensives Fußballerlebnis im Stadion mit Menschen, davon auf Stehplätzen und allein Thomas Treß Thomas Treß, 48, ist seit 2006 als zweiter Geschäftsführer von Borussia Dortmund für Finanzen und Organisation verantwortlich. Davor war er als Niederlassungsleiter beim Wirtschaftsprüfer RölfsPartner federführend an der Sanierung des BVB beteiligt. Der gebürtige Oberschwabe hat Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitete von 1993 bis 1999 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Deutsche Revision auf der Südtribüne. Sie alle machen ein sehr intensives Erlebnis im Fußballstadion erst möglich. Wirtschaftlich waren die vergangenen Jahre auch sehr intensiv. Das stimmt, Borussia Dortmund war in der Vergangenheit sehr intensiv, was das Finanzielle betrifft: eine Fast-Insolvenz 2005 und dann eine harte Zeit der Restrukturierung und Konsolidierung. Heute sind wir überaus erfolgreich mit fast 260 Millionen Umsatz ohne Transfers. Demnächst werden wir überhaupt keine Finanzschulden mehr haben. Sollte die wirtschaftliche Solidität noch stärker Einzug halten im Fußball? Borussia Dortmund Ohne vernünftiges Wirtschaften kann Fußball mittel- bis langfristig nicht erfolgreich sein. Sie brauchen immer einen Mittelweg, eine Abwägung zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg, das muss miteinander kombiniert werden. Wenn sie kurzfristig sportlich erfolgreich sind, das aber zulasten der Ökonomie geht, können sie auch nachhaltig nicht sportlich erfolgreich sein. Man kann aber auch nicht nur auf die Ökonomie achten und das Sportliche außen vor lassen. Wenn man sich anschaut, welches Volumen, wie viel Geld man im Profifußball umsetzt, dann erfordert das eine starke Professionalisierung im Management. Wichtig ist, dass Fußballklubs verstärkt auch die Markenstrategie in den Fokus nehmen. Als ich bei Borussia Dortmund anfing, gab es kein Marketing. Und dabei ist doch die Marke Borussia Dortmund der größte Wert. Wir verkaufen ja kein Produkt, sondern haben ein Image, eine Fanbasis und Fanfamilie. Das ist das höchste Gut, das ein Fußballklub haben kann. Da sollte man schon wissen, was die wesentlichen 9

10 Wirtschaft Economy Auslöser sind, die wesentlichen Werte, die genau die Marke ausmachen und die die Fangemeinde an einen Klub binden. Dafür brauchen Sie professionelles Management. Wenn man in die Erste und Zweite Liga guckt, ist sicher hier und da noch Nachholbedarf. Aber man merkt auch, dass sich das in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat. Und wenn man ins Ausland guckt? Das ist unterschiedlich. In Großbritannien sind die Vereine hochprofessionell unterwegs, weil da schon länger sehr viel Geld umgesetzt wird. Wenn man nach Italien schaut, ergreift man besser die Flucht, weil das häufig die Spielwiese von reichen Familien ist, die dort Geld reinstecken. Die Klubs leben hauptsächlich von Transfers und TV-Erlösen, die Stadien sind nicht gut und es gibt extreme Fangruppen. In Spanien klafft das Bild weiter auseinander. In der Ersten und Zweiten Liga sind 50 Prozent der Klubs mehr oder weniger insolvent. Daneben gibt es Barcelona und Real Madrid, die die Liga dominieren. Das Financial Fair Play ist ein Reglement der UEFA, in dem finanzielle Kriterien geregelt werden. So soll die Verschuldung der Klubs aufgehalten werden, die aufgrund massiv ansteigender Spielergehälter und Ablösesummen zustande kommt. Nur durch Kredite oder den Einsatz von privatem Vermögen darf die Finanzierung eines Klubs nicht mehr gesichert werden. Wird das immer eingehalten? ob Sponsorenverträge mit Anteilseignern zu vernünftigen, marktgerechten Konditionen geschlossen wurden oder ob das Financial Fair Play umgangen wurde. Die ersten veritablen Strafen wurden jetzt verhängt gegenüber Manchester City und Paris Saint-Germain. Financial Fair Play wird dazu führen, dass man mehr ökonomische Vernunft walten lassen wird. Es wird nicht mehr möglich sein, durch externe Befeuerung Unsummen an Spielgeld zur Verfügung zu stellen. Fußball funktioniert nur, wenn Sie auch Menschen begeistern. Dortmund ist ja eine alte Hansestadt. Merkt man das? Wir haben eine andere Fangemeinde, als Sie das sonst im Ruhrgebiet finden. Dortmund ist weniger eine Arbeiterstadt, es gibt mehr mittelständische Kaufleute, mehr Handel. Borussia Dortmund ist auch kein Arbeiterverein im klassischen Sinne, das kann eher Gelsenkirchen mit Schalke 04 für sich in Anspruch nehmen. Die Menschen bei uns sind schon ein bisschen anders gestrickt. Das Gespräch führten Isabel Melahn und Bodo Scheffels. Schwarz-gelbe Highlights Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA gehört zu den Fußballklubs mit den höchsten Zuschauerzahlen in Europa. Der BVB besitzt zudem das mit knapp Plätzen größte Fußballstadion Europas, das in den vergangenen beiden Geschäftsjahren im Schnitt zu 99 Prozent ausgelastet war. Die durchschnittliche Zuschauerzahl lag 2012/2013 bei und damit vor Bayern München und zum zweiten Mal in Folge auch vor Manchester United und dem FC Barcelona Dauerkarten werden im Jahr verkauft, was als Allzeit-Rekord in der Bundesliga gilt, wahrscheinlich sogar europa- bzw. weltweit. Der Verein ist laut einer Studie der Technischen Universität Braunschweig der beliebteste Deutsche Fußballklub und laut Online-Meinungspanel Mafo.de die beste Marke im Brand- Feel Ranking 2013 der Fußball-Bundesliga. Die Gesellschaft geht zurück auf den 1909 gegründeten Ballspielverein Borussia 09 e.v. Dortmund. Im Oktober 2000 ging der BVB als erster deutscher Fußballklub an die Börse. Im Geschäftsjahr 2012/2013 erzielte der Konzern den Hauptteil der Umsätze mit Erlösen aus dem Ticketing, mit der Vermarktung von Fernsehrechten, Werbung, Verkauf von Merchandising-Artikeln und Transfers von Spielern. Die UEFA hat erst eine Lernkurve von ein paar Jahren, das Financial Fair Play wurde 2010 initiiert. Es wurden Datenbanken aufgebaut um zu prüfen, Umsatz: 305 Mio. Euro Ergebnis: 51,2 Mio. Euro aktuelle Marktkapitalisierung: rund 227,8 Mio. Euro (Stand ) Grundkapital: Euro Eigenkapitalquote: 46,5 Prozent (Brutto-) Finanzverbindlichkeiten: 45,3 Mio. Euro 10

11 Borussia Dortmund "Our brand's core is intensity" Thomas Treß, CFO of Borussia Dortmund, on the use of referees in the economy, about values in football, internationalisation and Financial Fair Play Tiding: Fair play is very important in sports and especially in football. Should such values also be respected more when it comes to the economy? Treß: Fair play is a principle of Western culture: People should deal with each other reasonably and not overtax each other. This applies both in sports and in business. If you put too much of a burden on other people and only consider your own benefit, contracts generally don't end up coming about or are not put into action. A football match is controlled by a referee. Wouldn't a referee also be desirable in economic life? The referee in football is a part of the event. In our free, pluralistic, social market economy, we don't need that. Basically, it's all about the parties dealing with each other sensibly. In business, there are the courts, but they are only consulted if there really is no other way of resolving the problem. But that's not the goal. Hanse is very international. How much of a factor is internationalisation in the success of BVB? Internationalisation is extremely important in football. This is especially true for clubs like Borussia Dortmund, who are at the top of the Bundesliga and of course participate in international competitions. In football you cannot make money if you only take part in domestic competitions, so playing internationally is vitally important in order to be successful. On the other hand, for BVB it is also important to play not only in Germany, because the brand and the fan base of Borussia Dortmund know no boundaries. We have fans abroad, we have many foreign sponsorship partners, and we realise that Borussia Dortmund is becoming increasingly well known in other countries. We will therefore be opening an office in Singapore to handle the Asian market better. Our sponsors include names such as Huawei or Turkish Airlines, we also have Polish sponsors. And our football team is international. Football is a multicultural event, where all possible faiths and nationalities come together. How does one deal with the international market? Internationalisation is multi-layered: we must continue to develop the brand strategy and make clear the values of the brand itself and then communicate this in a way that is adapted to other countries and cultural areas. Only then will we achieve sustainable international 11

12 Wirtschaft Economy success when it comes to marketing. To stay with the example of Singapore: We will have one of our staff members there work on establishing contacts to gain Asian sponsors and to increase the visibility of BVB in the Asian media. You are considering what values you want the brand to project to the outside. What are those values compared with the other major brand in German football: Bayern Munich? At the core of the Borussia Dortmund brand is the central component of intensity and around that many values such as being down to earth and honest, which are also naturally reflected here with the region. The things that make Borussia Dortmund special are its openness and ability to bring people together. Borussia Dortmund is a brand, a fan base that drives people rather than defining them. Borussia Dortmund does not focus on being opportunistic or polarising. This is certainly the biggest difference to Bayern Munich. You say that the essence of the Borussia Dortmund brand is intensity. What exactly do you mean by that? Intensity is many things. It starts with the colours of Borussia Dortmund. They are black and yellow; you can't really get a bigger contrast. Then we have an intense football experience at the stadium with 80,000 people, of which 27,000 are standing and 25,000 are in the south stands alone. All of this makes for a very intense experience in the football stadium. Economically, the past years have also been very intense. That's right, Borussia Dortmund has been very intensively involved in finances in the past: after coming close to bankruptcy in 2005, it went through a difficult period of restructuring and consolidation. Today, we are extremely successful with almost 260 million in revenue without transfers. Soon we will be completely out of debt. Should the economic soundness play an even greater role in football? Without reasonable financial management, football cannot be the successful in the medium to long term. You always need a balance, a balance between Thomas Treß As Deputy General Manager, Thomas Treß, 48, has been responsible for Finance and Organisation at Borussia Dortmund since Previously, he worked as Branch Manager at auditing firm RölfsPartner, spearheading the reorganisation of BVB. Born in Oberschwaben, he studied business administration and had worked for the auditing firm of PwC Deutsche Revision from 1993 to sporting and economic success, which must be combined. If you have sporting success in the short term, but that happens at the expense of the club's finances, you also cannot sustain the sporting success. But you cannot just pay attention to the finances and forget about the sports side. If you consider how much money is generated by professional football, then you can see that it requires very professional management. It is important that football clubs increasingly focus on their brand strategy. When I started at Borussia Dortmund, there was no marketing. And the Borussia Dortmund brand is our greatest asset. We do not sell a product but an image, with our fan base and family of fans. These are a football club's greatest assets. You should know what the main triggers are, the essential values that accurately represent the brand and tie the fan base to the club. For this, you need professional management. If you look at the next two leagues below the Bundesliga, some of the clubs definitely have some catching up to do. But you can also see that this has improved significantly in recent years. Borussia Dortmund And if you look abroad? That's different. In the UK, the clubs are highly professional because a lot of money has been generated there for a long time already. You are better off steering clear of Italy, because rich families sometimes just play at putting their money into teams there. The clubs live mainly on transfers and TV revenues, the stadiums are not good, and there are groups of extreme fans. In Spain, the gap between teams is growing wider. 12

13 In the first and second league, 50% of the clubs are more or less insolvent. Then there are Barcelona and Real Madrid, which dominate the league. Financial Fair Play is a set of rules of UEFA dealing with financial criteria. So the indebtedness of the clubs due to the massively increasing player salaries and transfer fees should be stopped. It should no longer only be possible to ensure the financing of a club through loans or the use of private assets. Are these rules always complied with? UEFA only has a learning curve of a few years; Financial Fair Play was launched in Databases were constructed to test whether sponsorship agreements with shareholders were closed at reasonable, market conditions or whether the Financial Fair Play has been circumvented. The first real penalties are now being imposed on Manchester City and Paris Saint-Germain. Financial Fair Play will result in more economic sense prevailing. It will not be possible to obtain enormous amounts of money to play with from external sources. Football only works if you inspire people, too. Dortmund is an old Hanseatic city. Is that noticeable? We have a different fan base than you might otherwise find in the Ruhr area. Dortmund is less of a working-class city; there are more medium-sized businesses, there is more trade. Borussia Dortmund is not a workers' team in the traditional sense, Gelsenkirchen and Schalke 04 lay more of a claim to that. The people around us are a bit different. The interview was conducted by Isabel Melahn and Bodo Scheffels. Black-Yellow Highlights Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA is one of the football clubs with the highest attendance numbers in Europe. In addition, BVB has the largest football stadium in Europe with a capacity of some 81,000, which was 99% filled on average in the past two fiscal years. The average attendance was 80,520 in 2012/2013, above Bayern Munich and for the second time in a row also above Manchester United and FC Barcelona. 54,000 season tickets are sold each year, which is considered an all-time record in the Bundesliga, probably even in Europe and around the world. According to a study by the Technical University of Braunschweig, Germany, the team is the most popular German football club and according to the online opinion panel Mafo.de, the best brand in the Bundesliga in the 2013 "BrandFeel Ranking". The club dates back to Ballspielverein Borussia 09 e.v. Dortmund, founded in In October 2000, BVB became the first German football club to go public. In fiscal year 2012/2013, the group generated the majority of its revenue with sales from ticketing, the marketing of television rights, advertising, merchandising article sales, and player transfers. Revenue: EUR 305 million Profit: EUR 51.2 million Current market capitalisation: about EUR million (status: 23 May 2014) Registered capital: EUR 61,425,000 Equity ratio: 46.5% (Gross) financial liabilities: EUR 45.3 million 13

14 Meinung Opinion Ersetzen Werte den Anwalt? Kann der Verhaltenskodex der Wirtschaftshanse juristischen Aufwand minimieren? Vier Statements aus der Wirtschaftshanse Are Values Replacing Lawyers? Can the Business Hanse Code of Conduct minimise Legal Expenses? Four statements from Business Hanse Michael Sønderskov Leiter der Anwaltskanzlei Advokatgruppen, Fredericia/Dänemark, und Vorsitzender des Wirtschaftsverbands von Fredericia Head of Advokatgruppen, Fredericia/Denmark, and Chairman of Fredericia Business Association Ein Verhaltenskodex sowie nationale und internationale Industriestandards sind allgemeingültige Richtlinien im Geschäftsleben und von besonderer Bedeutung, wenn es darum geht, Best Practice Beispiele und Entwicklungen zu vergleichen (zum Beispiel bei Corporate Social Responsability, Umweltverträglichkeitsprüfungen oder auch in der Buchhaltung). Rechtsberatung kann alle diese Themen umfassen wenn sie spezialisiert ist. Rechtsberatung ist ein ergänzendes Werkzeug zur Selbstregulierung von Unternehmen. Wenn Geschäftsprozesse scheitern, über Gesetzgebung und Haftungsklauseln gestritten wird oder sich Beschwerden häufen, können Gerichtsverfahren erforderlich sein." Codes of conduct and national and international industry standards are well-known guidelines in business opportunities and operations. These are essential in business when evaluating compliance to best practice and development (e.g., CSR, environmental impact or accounting). Legal advice may cover any of these topics if specialized. Legal advice is a supplementary tool to companies' self-regulations. If operations fail or where disputes about legislation, liabilities or complaints arise, legal procedures may be needed. Alexander Dietzel Diplom-Kaufmann, Unternehmer und Dozent für Controlling und Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule des Mittelstands, Bielefeld/Deutschland Business School Graduate, Entrepreneur, and College Lecturer in Financial Controlling and Economics at University of Applied Science Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld/Germany 14

15 Wer sich auf globalisierten Märkten durchzusetzen will, dem gelingt das vielfach nur durch Netzwerke oder Allianzen. Das verlangt von den einzelnen Unternehmern in gewissem Umfang, ihre eigenen Ziele zurückzustellen und den gemeinschaftlichen Interessen unterzuordnen. In einer konkurrierenden Welt mutet es fremdartig an, Autonomie aufzugeben, um mit einem externen Partner Synergieeffekte zu nutzen. Die Voraussetzung ist, dass sich die Partner untereinander fair verhalten und sich den gemeinsamen Zielen verpflichtet fühlen. Hier jedoch endet häufig das gegenseitige Vertrauen und man unterwirft sich juristischen Klauseln. Um die Lücke zwischen blindem Vertrauen einerseits und bürgerlichem Gesetzbuch andererseits zu schließen, kann ein solides Wertefundament helfen, mit dem sich die handelnden Personen identifizieren. Denn Unternehmer wünschen sich, dass sich der Gegenstand eines Vertrages nicht aus dem Kleingedruckten ergibt, sondern aus dem, was beide Parteien wollen. Insofern sind gemeinsame Werte ein Weg, dieser Sehnsucht näherzukommen. Schließlich kann eine Geschäftsbeziehung, die auf einem soliden Wertefundament fußt, Transaktionskosten wie beispielsweise die Gebühren eines Juristen für die Ausarbeitung eines Vertrages nachhaltig senken. Damit werden Vertrauen, Verlässlichkeit und Fairness messbare Bestandteile des unternehmerischen Erfolges. "Anyone who wants to succeed on globalized markets will often only be able to do so through networks or alliances. This means that companies have to defer their own goals to a certain extent and subordinate them to shared interests. In a world full of competition, it seems strange to give up your autonomy to take advantage of synergy effects with an external partner. The prerequisite is for the partners to behave fairly to each other and to feel an obligation towards the shared goals. Here, however, is where mutual trust ends and the partners submit themselves to legal clauses. A solid foundation of values with which the persons involved identify helps to fill the gaps between blind faith on the one hand and the Civil Code on the other hand. Business people do not want the subject of a contract to be based on the small print, but on the intention of both parties. In this respect, shared values are a way to get closer to this aspiration. After all, a business relationship that is based on a solid foundation of values can significantly reduce transaction costs, such as legal fees for the drafting of a contract. This means that trust, reliability, and fairness are measurable components in business success. Olga Torbich CEO, Moglino Sonderwirtschaftszone, Pskow/Russland CEO, Moglino Special Economic Zone, Pskov region/russian Federation Joint Ventures, Interessensverbände, Unternehmenszusammenschlüsse und Konzerne sind häufige Formen der Zusammenarbeit, die auf Partnerschaften basieren. Natürlich halten die Beteiligten dabei ihre vertraglichen Verpflichtungen ein, beachten Gesetze und andere Regeln der Zusammenarbeit. Da bei vielen Zusammenschlüssen aber mehrere Firmen beteiligt sind, wird die Unternehmenskultur immer wichtiger. Dabei sind Schlüsselfaktoren für eine gelungene Zusammenarbeit gegenseitiges Vertrauen, Ehrlichkeit, die Fähigkeit, zu seinem Wort zu stehen, miteinander zu reden und einander zuzuhören und dabei eben nicht Paragrafen zugrunde zu legen und bei Vertragsabschlüssen oder Streitigkeiten die Rechtsabteilungen einzuschalten. Meiner Meinung nach ist der Verhaltenskodex der Wirtschaftshanse eine wichtige Grundlage für Geschäftsbeziehungen, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt sowie lang anhaltenden historischen Traditionen begründet sind." 15

16 Meinung Opinion Today the most popular formats of doing business together are joint ventures, associations, unions and trusts, i.e. formats based on partner relationships. Naturally, such companies aim to follow their contractual obligations, abide the law and other rules of doing business together. However, because such unions include several companies at a time, business culture becomes a virtue of utmost importance. Hence, the key factors for cooperation here are mutual trust, honesty, being able to keep your word, communicate, listen to each other but not just following legal norms like concluding contracts, resolving disputes, and communicating through corporate lawyers. To my mind, Business Hanse Code of Conduct is a fundamental document providing for partner relationships based on mutual trust and respect as well as long lasting historical traditions. Bernhard Surmann Geschäftsführer, Miprotek, Gesellschaft für Automatisierungssysteme, Buxtehude/Deutschland General Manager, Miprotek, Gesellschaft für Automatisierungssysteme, Buxtehude/Germany Ja, ich bin der Meinung, dass Werte und Normen den Anwalt ersetzen und dass die Wirtschaftshanse dazu einen wertvollen Beitrag leisten kann. Wenn sich alle an die allgemeingültigen, althergebrachten Werte halten, finden Gier und Vorteilsnahme keinen nahrhaften Boden. Hielten sich alle an die Zehn Gebote, bräuchten wir keine Gerichte, kein BGB, HGB und keinen internationalen Gerichtshof. Die Werte der Hanse repräsentieren die seit jeher gültigen Grundsätze der vertrauensvollen, nach außen sichtbaren Beziehungen, also dem Geschäftsleben. Der moderne, aufgeklärte und durch die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung gut informierte Geschäftsmann findet eine ausreichend große Plattform von Gleichgesinnten. Für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung reicht so die Formulierung der realistischen Erwartungen und der möglichen Leistungs- und Lieferumfänge. Der übliche ausufernde weiche Inhalt vertraglicher Vereinbarungen und möglicher Strafen wird überflüssig. Gibt es eine größere, persönliche und wirtschaftliche Strafe, als Freunde zu verlieren, weil man einen Freund übervorteilt hat? "Yes, I think that values and standards can replace lawyers and that Business Hanse can make a valuable contribution. If everyone sticks to the universal, established values, greed and personal advantage will not take root. If everyone stuck to the ten commandments, we would not need courts, a Civil Code, Commercial Code, or an international court. The Hanse values represent the principles of trusting, outwardly visible relationships, meaning the business life. The modern, knowledgeable businessman who is well informed through the procurement of information is able to find a sufficiently large platform of like-minded people. For a successful business relationship, the formulation of the realistic expectations and possible scope of service and delivery are sufficient. The usual escalating content of contractual agreements and punishments becomes superfluous. Is there a greater personal or economic punishment than losing friends because you cheated a friend? 16

17 Alexander Kotschewnik Die Wolchow teilt Welikij Nowgorod: Im historischen Teil steht mit der Sophienkathedrale die älteste Kirche Russlands. Auf der anderen Flussseite sind Industrie und Handel zu finden. Ortsansässige Unternehmen arbeiten unter anderem mit Firmen in Deutschland, Großbritannien, Polen, den nordischen Ländern und den USA zusammen. Der Außenhandelsumsatz liegt bei circa 1,4 Mrd. US-Dollar jährlich. The Volkhov river divides Veliky Novgorod: Russia's oldest church, St. Sophia Cathedral, lies in the historical part of the city. Industry and trade can be found on the other side of the river. Local companies work together with firms in Germany, the UK, Poland, the Nordic countries, the USA, and other countries. Foreign trade accounts for revenue of some USD 1.4 billion annually. Europa kann nicht ohne Russland, Russland nicht ohne Europa * English article on page 19 Yury Bobryschew, Bürgermeister der russischen Hansestadt Welikij Nowgorod, im Gespräch Eine Delegation der Wirtschaftshanse aus Deutschland und Estland hat Ende September die russischen Hansestädte Welikij Nowgorod, Pskov und Kingissepp besucht. Die aktuelle politische Lage war bei den Treffen mit örtlichen Wirtschaftsvertretern und bei Gesprächen mit den Verantwortlichen im Rathaus immer präsent. Daher hat die Tiding Yury Bobryschew, den Bürgermeister der russischen Hansestadt Welikij Nowgorod, gefragt, wie wichtig die Hanse für ihn und seine Stadt ist, welche Verbindungen es in die Ukraine gibt und was er sich für die Zukunft wünscht. Tiding: Was verbinden die Bürger und Unternehmer in Welikij Nowgorod mit der Hanse? Bobryschew: In unserer Stadt fand 2009 der internationale Hansetag statt der erste in Russland. Gäste aus rund hundert Hansestädten aus 16 Ländern waren dabei, seitdem ist die Hanse ein Gesprächsthema bei uns. Die Bürger von Welikij Nowgorod haben eines erlebt: In der Hanse ist man eine große Familie. Unsere Stadt hat im Mittelalter eine wichtige Rolle in der Hanse gespielt. Das macht uns sehr stolz. Wie wichtig ist es für die Unternehmen in Ihrer Stadt, in der Hanse zu sein? Als wir 2009 den Hansetag ausrichten durften, haben wir bewusst daran erinnert, dass die Hanse im Mittelalter ein Wirtschaftsbund war und eben auch heute noch mehr sein kann als eine rein kulturelle Angelegenheit. Daher haben wir uns dafür eingesetzt, neben der touristischen Hanse auch einen Wirtschaftsbund zu bekommen, der den Begriff Hanse im Namen trägt. Der ist dann 2013 in der deutschen Hansestadt 17

18 Meinung Opinion Herford gegründet worden, was die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern noch verstärkt hat. In Welikij Nowgorod gibt es einige Joint Ventures zum Beispiel mit deutschen, niederländischen oder englischen Unternehmen, die für uns sehr wichtig sind. Wie wirkt sich die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftshanse im Einzelnen aus? Ende September/Anfang Oktober waren Unternehmer der Wirtschaftshanse aus Estland und Deutschland bei uns zu Besuch. Es ging hauptsächlich um die Themen Holzverarbeitung und Entsorgungswirtschaft. Solche Besuche und Gespräche bringen russische und ausländische Unternehmer zusammen. Darüber hinaus bleiben natürlich die Kontakte zwischen den Hansestädten und den Menschen, die dort wohnen. Das ist immer auch ein Austausch auf kultureller Ebene. Dabei entstehen Freundschaften, die wir gerade in unserer jetzigen Situation sehr gut gebrauchen können. Die Politiker sollten sich ein Beispiel an den guten Beziehungen zwischen den Hansestädten und ihren Bürgern nehmen. Für mich ist der Hansebund so etwas Ähnliches wie die EU: Schon im Mittelalter waren die Entscheidungen der Hansestädte wichtig. Heute sind wir sehr aktiv in der Hanse, denn wir wissen, dass wir dort Gleichgesinnte und Freunde treffen. Ich glaube, wenn auch in der Politik Kontakte entstehen wie innerhalb der Hanse, dann wird es auch dort funktionieren. Da können und müssen wir mit der Hanse ein Vorbild sein! Sie sprechen die derzeitige politische Lage an. Haben Sie selbst Kontakte in die Ukraine? Mein Bruder und meine Schwester leben in Kiew. Ich denke schon, dass Russen und Ukrainer ein Volk sind. Und ich verstehe nicht, warum es zu dieser verfahrenen Situation kommen musste und wie es weitergeht. Aber ich gehe stark davon aus, dass sich die Lage wieder beruhigen wird. Das wäre auch für uns sehr wichtig, denn die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Nowgorod und Kiew sind sehr eng. Sind einige Unternehmen in Ihrer Stadt von den Sanktionen betroffen, die gegen Russland verhängt wurden? Wir haben chemische Industrie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Holzverarbeitung und Lebensmittelproduktion. Diese Branchen und damit auch unsere Unternehmen sind noch nicht von den Sanktionen betroffen und werden hoffentlich auch in Zukunft nichts damit zu tun haben. Meiner Meinung nach wird es die Sanktionen sowieso nicht mehr lange geben. Was können wir tun, um zu einer Entspannung beizutragen? Das Wichtigste ist, die normalen Kontakte und Gespräche zwischen den Menschen nicht abreißen zu lassen. Wir waren im August zu Besuch in unserer Partnerstadt Moss in Norwegen, wo die Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Norwegen und Schweden vor 200 Jahren gefeiert wurde. Dort haben wir uns mit Delegationen aus den USA, aus Finnland, Dänemark und vielen anderen Ländern getroffen. Keiner redete über die Sanktionen, alle waren gleich, alle waren Freunde, es waren schöne, normale Treffen zwischen Menschen verschiedener Nationen und Kulturen. Sich so auszutauschen und normal miteinander umzugehen ist wichtig und nicht das, was ein oder zwei Personen aus der Politik sich wünschen. Wünschen sich denn die normalen Menschen etwas anderes als die Politiker? Ja, die normalen Menschen wollen Frieden. So große Staaten wie Deutschland und Russland sollten daran arbeiten. Es war doch alles in Ordnung. Wir haben uns gegenseitig in den Hansestädten besucht und miteinander geredet. Das sollten wir auch weiterhin so halten. Wie fühlen Sie sich: als Russe oder eher als Einwohner von Welikij Nowgorod oder vielleicht sogar als hanseatischer Europäer? Nowgorod ist eine der ältesten Städte des Landes und gilt als Wiege Russlands. Daher bin ich natürlich ein Kind meiner Stadt und Russe. Aber Nowgorod ist seit dem 12. Jahrhundert auch eine Hansestadt und seit damals eben eine europäische Stadt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Europa ohne Russland nicht existieren kann und Russland nicht ohne Europa. Das gehört einfach zusammen. Wir alle sind Europäer und müssen unsere Beziehungen pflegen. Das Gespräch führte Isabel Melahn und wurde aus dem Russischen übersetzt von Ekaterina Zaytseva. 18

19 Yury Bobryschew Yury Bobryschew, 63, hat 2009 als Bürgermeister der ältesten russischen Hansestadt Welikij Nowgorod gegen alle Vorbehalte zum ersten Mal einen Hansetag nach Russland geholt. Zur Feier kamen 16 Nationen und rund hundert Hansestädte in Welikij Nowgorod zusammen. Die Veranstaltungen und Aktionen kamen bei Besuchern und Einwohnern so gut an, dass die Medien in ganz Russland über den Hansetag berichteten. Yury Bobryschew ist Vorsitzender der russischen Hanse, hat sich von Anfang an für den Aufbau der Wirtschaftshanse und die stärkere Einbeziehung der Unternehmen in die Hanse stark gemacht. Konstantin Chalabov In 2009, against all reservations, Yury Bobryshev, 63, as mayor of the oldest Russian Hanseatic city, held a Hanseatic convention in Russia for the first time. 16 countries and some one hundred Hanseatic cities came together in Veliky Novgorod for the celebration. The events and activities were received so well by visitors and locals alike that the media reported on the Hanseatic convention throughout Russia. Yury Bobryshev is chairman of the Russian Hanse and has campaigned from the beginning for the establishment of Business Hanse and for the greater integration of companies into the Hanse. "Europe cannot exist without Russia, Russia cannot exist without Europe" Yury Bobryshev, Mayor of the Russian Hanseatic City of Veliky Novgorod, in an interview A Business Hanse delegation from Germany and Estonia visited the Russian Hanseatic cities of Veliky Novgorod, Pskov, and Kingissepp at the end of September. The current political situation was always present in the meetings with local business representatives and in the discussions held with the responsible persons at city hall. Therefore, Tiding asked Yury Bobryshev, the mayor of Veliky Novgorod, the largest and oldest Russian Hanseatic city, how important the Hanse is to him and his city, what connections exist to Ukraine and what he wishes for the future. Tiding: What connects citizens and entrepreneurs in Veliky Novgorod with the Hanse? Bobryshev: In 2009, the international Hanse convention was held in our city the first one in Russia. We hosted guests from some hundred Hanseatic cities from 16 countries. Since that time, the Hanse has been a topic of discussion here. The citizens of Veliky Novgorod have experienced one thing: In the Hanse we are one large family. In the Middle Ages, our city played an important role in the Hanse. This makes us very proud. How important is it for the companies in your city to be in the Hanse? When we organised the Hanse convention in 2009, we consciously recalled that in the Middle Ages the Hanse was an economic association and even today can still be more than a purely cultural matter. Therefore, our aim was in addition to the tourist Hanse association also to establish a business association, which bears the term Hanse in its name. This was then founded in 2013 in the German Hanseatic city of Herford, which has since strengthened the collaboration with our foreign partners. In Veliky Novgorod, there are some joint ventures, for example with German, Dutch or British companies, which are very important to us. What impact does the collaboration with Business Hanse have in detail? At the end of September/beginning of 19

20 Meinung Opinion October, Business Hanse entrepreneurs from Estonia and Germany paid us a visit. The focus of the discussions was primarily on wood processing and waste management. Such visits and meetings bring Russian and foreign entrepreneurs together. In addition, of course, the contacts between the Hanseatic cities and the people who live there, persist. This is also always an exchange on a cultural level, creating friendships that are of very good use especially in our current situa tion. Politicians should learn a lesson from the good relations between the Hanseatic cities and their citizens. For me, the Hanseatic League is something similar to the EU: Already in the Middle Ages, the decisions of the Hanseatic cities were important. Today, we are very actively involved in the Hanse, because we know that we are meeting like-minded people and friends. I believe that once the same type of contacts are developing in politics as they are within the Hanse, then it will also work in politics. Here we can and must be a model with the Hanse! Alexander Kotschewnik You are addressing the current political situation. Do you yourself have contacts in Ukraine? My brother and my sister live in Kiev. I think that Russians and Ukrainians are one people. And I do not understand Welikij Nowgorod mit seinem berühmten Jurjew-Kloster liegt im Nordwesten Russlands an der Europastraße 105, die Moskau mit St. Petersburg verbindet. Die Stadt ist das Verwaltungszentrum der Region Oblast Nowgorod, hier werden über 60 Prozent der Industriegüter produziert und rund 80 Prozent der Gewinne erwirtschaftet. Veliky Novgorod with its renowned Yuriev Monastery lies in Northwest Russia on European Route 105, which connects Moscow with St. Petersburg. The city is the administrative centre of the Novgorod Oblast region, where over 60 per cent of the industrial goods are produced and some 80 per cent of profits are generated. why it had to come to this impasse and how things will evolve. But I strongly expect that the situation will calm down again. That would also be very important for us, because the economic relations between Novgorod and Kiev are very close. Are some companies in your city affected by the sanctions, which were imposed on Russia? We have companies in the chemical industry, in machine building, electrical engineering, wood processing, and food production. These economic sectors and therefore also our companies have not yet been affected by the sanctions, and hopefully this will remain the case in the future. In my opinion, the sanctions will not be in effect for very long. What can we do to contribute to easing the tension? The most important thing is not to break off the normal contacts and discussions between people. In August, we visited our partner city Moss in Norway, where the signing of a peace treaty 200 years ago between Norway and Sweden was celebrated. There we met with delegations from the U.S., from Finland, Denmark, and many other countries. No one spoke about the sanctions. Everybody was equal, all were friends. Nice, normal meetings were held between people from different nations and cultures. To have such exchanges and to interact with each other normally is important and not what one or two politicians want. Do regular people then want something different than the politicians? Yes, regular people want peace. Large countries such as Germany and Russia should work on that. Everything used to be fine, after all. We visited each other in the Hanseatic cities and spoke to each other. We should continue to do so. 20

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