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1 Zusammenfassung, VL 3, Tutorium Hypothesen 1. deterministisch vs. probabilistisch deterministische Hypothese: gilt für alle in der Hypothese möglichen Fälle beansprucht universelle Gültigkeit (wie ein Naturgesetz) Beispiel: Wenn jemand Mathematik auf Lehramt studiert, dann wird er später Mathelehrer. (Ein Student, der Mathematik auf Lehramt studiert und später einen anderen Beruf ergreift, widerlegt die Hypothese) probabilistische Hypothese: gilt für die in der Hypothese eingeschlossenen möglichen Fälle mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit beansprucht keine Allgemeingültigkeit! Beispiel: Wenn jemand Mathematik auf Lehramt studiert, dann wird er später mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% Mathelehrer. (Ein Student, der Mathematik auf Lehramt studiert und später einen anderen Beruf er, greift, widerlegt die Hypothese nicht) oder: Je jünger ein Paar zum Zeitpunkt seiner Hochzeit ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Ehescheidung. 2. Wenn-dann-Hypothesen verwendet bei dichotomen (= ein nominalskaliertes Merkmal mit nur zwei Ausprägungen) Merkmalen/ Variablen Implikationsbeziehung : Wenn A, dann B; wenn Nicht-A, dann B oder Nicht-B (als Falsifikator bzw. verbotene Beziehung würde gelten: Wenn A, dann Nicht-B) Beispiel: Wenn ein Schüler eine Waffe bei sich trägt, dann wird er nicht in das Schulgebäude gelassen. Beispiel: A: Die Familiensprache des Kindes ist nicht Deutsch. und B: Der Schüler hat eine schlechte Deutschnote. Wenn A, dann B: Wenn ein Kind aus einer Familie kommt, in der kein Deutsch gesprochen wird, dann hat es eine schlechte Deutschnote. (A B) Äquivalenzbeziehung: Wenn A, dann B; wenn Nicht-A, dann Nicht-B ( Wennund-nur-wenn-dann ) (als Falsifikator bzw. verbotene Beziehung würde gelten: Wenn A, dann Nicht-B und Wenn Nicht-A, dann B) Beispiel: Wenn eine Person über einen PKW-Führerschein verfügt, dann darf diese Person am Autostraßenverkehr teilnehmen. (A B) probabilistische Äquivalenzbeziehung: Wenn ein Kind aus einer Familie kommt, in der kein Deutsch gesprochen wird, ist es wahrscheinlich, dass es eine schlechte Deutschnote hat.

2 Unterschied verdeutlichen: Implikation: Wenn ein Schüler eine Waffe bei sich trägt (A), dann wird er nicht in das Schulgebäude gelassen(b). Wenn A, dann B. Wenn Nicht- A, dann B oder Nicht-B. Äquivalenz: Wenn eine Person über einen PKW- Führerschein verfügt (A), dann darf diese Person am Autostraßenverkehr teilnehmen (B). Wenn A, dann B. Wenn Nicht-A, dann Nicht-B. 3. Je- desto- Hypothese verwendet bei mindestens ordinalem Skalenniveau unterschieden nach Art des Zusammenhangs: monoton steigend (je größer A, desto größer B); Beispiel: Je höher der Schulabschluss, desto höher die Anzahl der Zahnarztbesuche. oder monoton fallend (je größer A, desto kleiner B); Beispiel: Je höher der Zigarettenkonsum, desto geringer die Lebenserwartung. nicht monotone Zusammenhänge (Bsp.: u-förmig, umgekehrt u-förmig, s-förmig) 4. nach Kausalität Merkmalsassoziationen: Hypothesen, die nicht kausal interpretiert werden können (kein striktes Ursache- Wirkungs-Gefüge); Beispiel: Es besteht ein Zusammenhang zwischen Schulabschluss und Einkommen einer Person. Kausalhypothese: Hypothese, die von einem Ursache-Wirkungs-Gefüge ausgeht 5. nach Merkmalsebene Individualmerkmal: Merkmal, das einem Individuum ( Schüler/in, Fußballspieler/in etc.) zugeschrieben wird Kollektivmerkmal: Merkmal, das einem Kollektiv (also einigen bis vielen Personen, Gruppen) zugeschrieben wird (z. B. Anteile, Durchschnittswerte wie die Arbeitslosenquote) unabhängige Variable abhängige Variable Individualhypothese Individualmerkmal Individualmerkmal Kollektivhypothese Kollektivmerkmal Kollektivmerkmal Kontexthypothese Kollektivmerkmal Individualmerkmal

3 Individualhypothese: Beispiel: Je höher der Bildungsabschluss einer Person, desto höher ist ihr Nettoeinkommen. Je weniger ein Kind Deutsch spricht, desto schlechter ist seine Deutschnote. Kollektivhypothese: Beispiel: Wenn in einem Ort der Anteil an Arbeitern über dem Durchschnitt liegt, dann wird das Wahlergebnis für die SPD über dem Durschnitt liegen. Je höher der Anteil von Kindern, die selten Deutsch sprechen, in einer Klasse ist, desto schlechter ist die durchschnittliche Deutschnote der Klasse. Kontexthypothese: Beispiel: Je höher die soziale Integration in einer sozialen Gruppe, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Person, die Mitglied der sozialen Gruppe ist, abweichend verhält. 1 Wenn der Anteil der Kinder, die selten Deutsch sprechen, groß ist, ist die Deutschnote des Kindes XY schlecht. ökologischer Fehlschluss: Fehlerhafte Schluss von einer Kollektivhypothese auf eine entsprechende Individualhypothese ökologisch hat hier die gleiche Bedeutung wie kollektiv Beispiel aus VL: Aus Emile Durkheims These ( Je größer der Anteil Geschiedener in einem Land, desto höher ist die Rate der Selbstmorde. wird fälschlicherweise Folgendes geschlossen: Wenn eine Person geschieden ist, hat sie ein höheres Selbstmordrisiko. ) 1 Diekmann, Andreas (2008): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 135

4 Aufgaben mit Lösungen 1. Welche der folgenden Aussagen zum Thema Hypothesen trifft/ treffen zu? a) Eine probabilistische Hypothese gilt für alle in der Hypothese auftretenden Fälle. b) Wird von einer Kollektivhypothese auf eine Individualhypothese geschlossen, bezeichnet man dies als ökologischen Fehlschluss. c) Eine Hypothese muss verifizierbar sein. Lösung: b) 2. Welche der folgenden Hypothesen ist/sind eine Kollektivhypothese? a) Je höher der Anteil der Besserverdienenden in einer Stadt, desto öfter geht ein Bewohner in ein Restaurant. b) Je geringer der sozioökonomische Status (SES) einer Person, desto geringer ist deren Lesekompetenz. c) Wenn sich die Anzahl der Störche in Flensburg erhöht, dann erhöht sich dort auch die Geburtenrate. d) Je entfernter eine Person vom Stadtzentrum wohnt, desto häufiger benutzt sie das Auto. Lösung: c) 3. Bei welcher/n der folgenden Aussagen handelt es sich um eine Kontexthypothese? a) Jüngere Frauen wählen häufiger die Grünen als jüngere Männer. b) Je geringer die Stimmanteile der SPD in einem Wahlbezirk sind, desto größer ist der Kinderanteil in dem Bezirk. c) Je mehr Frauen es in einem Wahlbezirk gibt, desto häufiger wählen die Frauen dort die CDU. d) Selbständige wählen häufiger die CDU als unverheiratete Angestellte. e) Je höher die Wahlbeteiligung, desto häufiger wählen Männer Parteien rechts von der Mitte. Lösung: c) und e)

5 4. Die Hypothese Je geringer die Stimmenanteile der SPD in einem Wahlbezirk sind, desto größer ist der Kinderanteil in dem Bezirk gelte als gut bestätigt. Jemand leitet aus der Hypothese ab: SPD- Wähler haben weniger Kinder als andere Personen. Beurteilen Sie die Korrektheit des Schlusses und benennen Sie die Art des Schlusses! Lösung: Ökologischer Fehlschluss; geringere Kinderzahl kann auch auf ganz andere Gruppen der Parteipräferenz zurück gehen. 5. Um was für eine Art von Hypothesen handelt es sich jeweils? (Individual-, Kollektiv- oder Kontexthypothese) a.) Wenn ein Schüler mehr als 4 Stunden pro Tag fernsieht, dann zeigt er in der Schule schlechte Leistungen. b.) Wenn der Anteil an Studenten in einer Stadt steigt, dann steigt das Wahlergebnis für die Grünen. c.) Je höher das erreichte Bildungsniveau einer Person, desto höher ihr Einkommen. d.) Je höher der Anteil an Rentnern in einer Wohngegend, desto eher wird jemand, der sich in dieser Gegend aufhält, der Lärmbelästigung bezichtigt. Lösung: a.): Individualhypothese (Stunden, die ein Schüler am Tag fernsieht = Individualmerkmal; Leistung des Schülers = Individualmerkmal) b.): Kollektivhypothese (Anteil Studenten in einer Stadt = Kollektivmerkmal; Wahlergebnis für die Grünen in einer Stadt = Kollektivmerkmal) c.): Individualhypothese (Erreichtes Bildungsniveau einer Person = Individualmerkmal; Einkommen einer Person = Individualmerkmal) d.): Kontexthypothese (Anteil an Rentnern in einer Gegend = Kollektivmerkmal; Bezichtigung einer Person = Individualmerkmal) 6. Wandeln sie folgende Hypothese in eine probabilistische Hypothese um: Wenn der Sommer kalt und verregnet ist, dann kann ein Eiscafe-Besitzer sein Geschäft nicht kostendeckend betreiben. Lösung: Wenn der Sommer kalt und verregnet ist, dann kann ein Eiscafe-Besitzer sein Geschäft mit 90%iger Wahrscheinlichkeit nicht kostendeckend betreiben.

6 Informationsgehalt - Die Anzahl der Falsifikatoren gibt den Informationsgehalt eines Satzes an. - Je größer der Informationsgehalt des Wenn-Teils, desto kleiner der Informationsgehalt des gesamten Satzes. - Je größer der Informationsgehalt des Dann-Teils, desto größer der Informationsgehalt des gesamten Satzes. Aufgaben mit Lösungen 1. Welche der Hypothesen hat den größten, zweitgrößten und geringsten Informationsgehalt? H1: Wenn gutes Wetter ist, dann sinkt die Lernmotivation aller Studierenden. H2: Wenn gutes Wetter ist, dann sinkt die Lernmotivation von Studierenden des Faches Deutsch. H3: Wenn gutes Wetter in der vorlesungsfreien Zeit ist, dann sinkt die Lernmotivation von Studierenden. Lösung: - Der Wenn -Teil von Hypothese 3 hat einen größeren Informationsgehalt als der Wenn -Teil von Hypothese 1 und 2. Der Informationsgehalt von Hypothese 3 ist also geringer als der Informationsgehalt von Hypothese 1 und 2. Kurz: H3<H1; H3<H2 - Der Dann -Teil von Hypothese 1 hat einen größeren Informationsgehalt als der Dann -Teil von Hypothese 2. Implikation: A B (Aus A folgt B) Aus Lernmotivation aller Studierenden folgt Lernmotivation von Studierenden des Faches Deutsch. Der Informationsgehalt von Hypothese 1 ist also größer. Kurz: H1>H2. =Insgesamt: H3<H2<H1 2. Welche der Hypothesen hat den größten, zweitgrößten und geringsten Informationsgehalt? H1: Wenn ein Schüler aus einer kinderreichen Familie kommt, dann verhält er sich seinen Mitschülern gegenüber sozialer. H2: Wenn ein Schüler aus einer kinderreichen Familie kommt, dann verhält er sich gegenüber allen Menschen sozialer. H3: Wenn ein Schüler aus einer kinderreichen Familie und aus einem ländlichen Gebiet kommt, dann verhält er sich seinen Mitschülern gegenüber sozialer. Lösung: - Der Wenn -Teil von Hypothese 3 hat einen größeren Informationsgehalt als der Wenn -Teil von Hypothese 1 und 2. Der Informationsgehalt von Hypothese 3 ist also geringer als der Informationsgehalt von Hypothese 1und 2. Kurz: H3<H1; H3<H2 - Der Dann -Teil von Hypothese 2 hat einen größeren Informationsgehalt als der Dann -Teil von Hypothese 1.Der Informationsgehalt von Hypothese 2 ist also größer. Kurz: H1<H2 =Insgesamt: H3<H1<H2

7 3. Welche der folgenden Hypothesen hat den größten, zweitgrößten und geringsten Informationsgehalt? H1: Wenn eine Person Raucher ist und wenig Sport betreibt, ist ihre Kondition unterdurchschnittlich ausgeprägt. H2: Wenn eine Person Raucher ist, dann ist ihre Kondition unterdurchschnittlich ausgeprägt. H3: Wenn eine Person Raucher ist, dann ist ihre Kondition unterdurchschnittlich ausgeprägt und ihre Atemfrequenz höher. Lösung: H1<H2<H3

8 Forschungsprozess Quantitative Forschung Qualitative Forschung Wissenschaftstheoretische Objektivismus (Kritischer Konstruktivismus Grundposition Rationalismus) Ziel Beschreiben, Erklären Erkennen, Verstehen Hypothese zu Forschungsbeginn vorhanden? Ja Hypothesen prüfen Nein Hypothesen generieren Mögliche Forschungsfragen Wie groß ist der Anteil...? Wie stark ist der Zusammenhang...? Wie viel...? Welche Motive gibt es für...? Welche Eigenschaften hat...? Erhebung standardisiert Nicht standardisiert Fallauswahl Repräsentativität Auswertungsmöglichkeiten, Darstellungen Aufgaben mit Lösungen Zufällige Stichprobe (möglichst breit gestreut) Durch reine Zufallsauswahl aus der gegebenen Grundgesamtheit Statistik, Tabellen, Grafiken Einzelne Fälle (speziell ausgesucht) Nicht gegeben, da nur eine kleine Fallauswahl möglich (Typisierung über explorative Methode) Kategorienschema, Typenbildung 1. Sie wollen herausfinden, welche möglichen Gründe es dafür gibt, dass Ihre Schüler nach dem Mittagessen in der Schulkantine unkonzentriert und müde sind. Entscheiden Sie sich zwischen einer qualitativen und einer quantitativen Untersuchung. Begründen Sie Ihre Antwort. Lösung: - Eine qualitative Untersuchung wäre hier das Mittel der Wahl, da es hier gilt, Motive, Gründe, das warum zu erfragen. Laut der Aufgabenstellung sind diese Gründe noch nicht bekannt. - Eine quantitative Untersuchung könnte in einem weiteren Schritt lediglich feststellen, welchen Einfluss diese Gründe haben, mit welcher relativen Häufigkeit sie Auftreten, in welchen Schülergruppen sie auftreten etc. 2. Welche der Forschungsfragen sind der quantitativen und welche der qualitativen Forschung zuzuordnen? a) Wie stark hängen Geschlecht und die Lehramtsfächerkombination Deutsch und Religion zusammen? b) Mit welcher Motivation wandern einige Menschen in die USA aus? c) Was veranlasst Menschen dazu, die FDP zu wählen? d) Wie groß ist der Anteil der Dozenten, die in Flensburg ihren Erstwohnsitz haben? Lösung: a) quantitative Forschung; b) qualitative Forschung; c) qualitative Forschung; d) quantitative Forschung

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