Alter und Familie Frauen zwischen tradierten Normalitätsvorstellungen und neuen Gestaltungsanforderungen Cordula Kropp, Jana Türk und Sophia Post

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1 Alter und Familie Frauen zwischen tradierten Normalitätsvorstellungen und neuen Gestaltungsanforderungen Cordula Kropp, Jana Türk und Sophia Post Sektionsveranstaltung Alter(n) jenseits der Normalfamilie? Frankfurt, 35. Kongress der DGS am

2 Die moderne Altersphase im Wandel Herausbildung von Alter als eigenständige Lebensphase eng an Entwicklung moderner Gesellschaften gekoppelt Ändern sich das Alter und zugrunde liegende Deutungsmuster, wenn die industriemodernen Institutionen selbst massiven Veränderungsprozessen unterworfen sind? Von der industriellen in die reflexive Moderne: 1. Individualisierung und Pluralisierung der Altersbilder 2. Verstärkte Abhängigkeit von vorhergehender Erwerbsbiographie 3. Erosion zentraler Gewissheiten wie Ehe und Familie, lebenslange Erwerbstätigkeit und sozialpolitische Absicherung, nationalstaatliche Zugehörigkeit und kollektive Entpflichtung Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 2

3 Gemeinsame Fragestellung tradierte Vorstellungen vom Alter empirische Altersrealität Inwieweit werden Frauen neue Bewältigungsstrategien bei der Gestaltung ihres Ruhestands abverlangt? Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 3

4 Zwei explorativen Studien: Typen vergleichende Interpretation und Rekonstruktion drei typischer Muster - Die Autonome: eigenständige Gestaltungspraxis - Die Reagierende: Orientierung an situativen Möglichkeiten und Vorgaben Dritter - Die Treibende: eigenständige Lebensgestaltung überfordert Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 4

5 Zwei explorativen Studien: Kategorien Gemeinsame Auswertungskategorien - Normalitätskonstruktionen: Alter und Familie - Vorsorge- bzw. Selbstsorgepraxis - Zurechnung von Verantwortung - Ruhestand als Lebensphase Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 5

6 Die Autonome Normalitätskonstruktionen: Familie und Alter Vorsorge-/ Selbstsorgepraxis Es eigenständiges wäre für mich undenkbar Entscheiden von und einem Mann finanziell abhängig zu Handeln sein. Aussuchen passender Konzepte Selbstbestimmt rechtzeitige Vorsorge zu leben für ( ) das ich Alter mach es abhängig von meiner autonome Gestaltung der Befindlichkeit, das ist ne ganz große Selbstsorge Freiheit. Zurechnung von Verantwortung (positive) Selbstwirksamkeitserfahrung ich hab viele schwere Sachen ( ) alleine individuelle gemeistert Zurechnung und es gibt keinen Grund, zu denken, das wird jetzt nicht eigenverantwortliches Gestalten mehr so weitergehen ( ). erfolgreiches Handeln Ruhestand als Lebensphase gestaltbare Lebensphase Jetzt Lebensgenuss ist es toll, ich und hatte soziales zu wenig Zeit ( ) auch um viel Neues zu Engagement machen. Selbstverwirklichung 6

7 Die Reagierende Normalitätskonstruktionen: Familie und Alter Sie gewollte sagen: Ablösung,Ich bin alt, von ich hab nur Zeit traditionalen zum Fernsehschauen Schablonen und ich interessiere verinnerlichter mich für Imperativ nichts mehr, des fürs ganze Aktivseins Umfeld nicht. Das find ich schlimm. Zurechnung von Verantwortung eher begrenzte Handlungsspielräume "Das ergab sich einfach. ( ) Und da Übernahme von hab ich dann auch Lust g habt ( ). Eigenverantwortung gefühlte Kontrolle Vorsorge-/ Selbstsorgepraxis Reagieren auf äußeren Druck,Frau K. bewegen, tun Sie sich späte Vorsorge bewegen, das ist das A und O, sagt ja auch Lebensführungsautoritäten der Arzt. geben Anstoß zur Selbstsorge Ruhestand als Lebensphase Vertrauen in die eigene Drum Gestaltungskompetenz sag ich ja, ich brauch immer eine Notwendigkeit Beschäftigung der ( ) aktiven ich brauch schon Gestaltung immer irgendwas. permanente Geschäftigkeit 7

8 Die Treibende Normalitätskonstruktionen: Familie und Alter Festhalten an traditionalen Also Familienbildern, da lob ich mir trotz/wegen die Großfamilien. Wenn abweichender Not am Mann Erfahrungen war. Die fehlen in der Erkenntnis heutigen Zeit. der Diskrepanz führt zu Enttäuschung Vorsorge-/ Selbstsorgepraxis mangelnde Vorsorge Wenn Vertrauen ich allein tradierte wäre, ich kann mir schon Familienkonzepte vorstellen, dass das für mich mal zum Problem wird, bloß eine Überforderung von Notwendigkeit Lösung weiß ich nicht. der Selbstsorge Zurechnung von Verantwortung "Ich hab immer das Gefühl, mein Leben hab tiefgreifende ich noch nicht Verunsicherung gelebt. Komischerweise. Handlungsohnmacht Weil das Leben, das ich lebe, ist ja immer Streben wieder nachdurch Unterstützung äußere Einflüsse durch mit Dritte Mann oder sonst was oder Schulden, immer wieder passiert." Ruhestand als Lebensphase ( ) Gestaltung ist noch des sehr Ruhestands unklar für mich als dieser Verpflichtung Übergang, und ich hab Überforderung noch kein klares Empfinden Ziel vor von Augen, Wenn ich s hätte, Orientierungslosigkeit könnt ich s ansteuern. 8

9 Fazit Normalitätskonstruktionen: Familie und Alter starker Zusammenhang von Alter und Familie löst sich auf alte Sicherheiten zerfallen Zurechnung Vorsorge-/ Selbstsorgepraxis flexibler Umgang mit Leitbild der aktiven Alten (Autonome) Verinnerlichung des Leitbilds, motivierte Anpassung (Reagierende) gescheiterter Versuch der Anpassung (Treibende) Ruhestand als Lebensphase Zurechnung von Eigenverantwortung unabhängig von persönlicher Wahrnehmung eine Lebensphase jenseits gesellschaftlicher Verpflichtungen gibt es nicht mehr 9

10 Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Die vollständigen Teilstudien stehen auf folgender Webseite zum Download bereit: 10

11 ANHANG Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 11

12 Teilstudie A Titel: Individualisierung im sich wandelnden Sozialstaat Eine qualitative Studie am Beispiel von Lebensverläufen von Frauen am Rentenübergang Zielgruppe: Frauen im Übergang zum Ruhestand (60 67 Jahre) Hauptkategorien: Zurechnung von Lebensereignissen Institutioneller Kontext Unsicherheit/Sicherheitskonstruktionen Normalitätskonstruktionen (Familie, Arbeit, Bildung) Zukunftserwartungen Lebensphase Ruhestand Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 12

13 Teilstudie B Titel: Alter eine Lebensphase mit (Be-)Handlungsbedarf? Eine qualitative Studie zur Subjektkonstitution im Ruhestand Zielgruppe: ( gesunde ) Frauen und Männer im Ruhestand (65 bis 80 Jahre) Hauptkategorien: Konstruktion einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Subjektivität Gestaltung des Lebensverlaufs Normalitätskonstruktionen im Alter Generelles vs. Personales Altersbild Sozioökonomischer Status und soziale Selbstpositionierung Gestaltung und Wahrnehmung des Ruhestands Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 13

14 Sample aus beiden Studien Prof. Dr. Cordula Kropp, Dipl.-Soz. Jana Türk und Dipl.-Soz. Sophia Post 14

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