Schritt für Schritt zur häuslichen Pflege

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1 Checkliste Schritt für Schritt zur häuslichen Pflege Was sollten Sie wissen? Wen können Sie Fragen? Was müssen Sie tun? Ein Informationsmaterial im Rahmen des Projektes: Gesund und leistungsfähig: Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeverantwortung Ein Kooperationsprojekt von

2 Gesund und leistungsfähig: Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeverantwortung Das Projekt wird gefördert von: Projektleitung: Dr. Ulrike Pietrzyk, TU Dresden Herausgeber: Technischen Universität Dresden Fachbereich Psychologie Arbeitsgruppe Wissen-Denken- Handeln Dresden UV Sachsen Projektentwicklungs- & Verwaltungsgesellschaft mbh Riesaer Straße Leipzig Dresden/Leipzig, April 2014 Zur Erstellung dieser Publikation erteilten die Landesstelle Pflegende Angehörige NRW und das Kuratorium Deutsche Altershilfe als langjähriger Träger der Fachstelle die Genehmigung für den modifizierten Nachdruck der gleichnamigen, sehr erfolgreichen Broschüre der Landesstelle. Als Förderer der Landestelle Pflegende Angehörige NRW erteilten ebenso das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen und die Landesverbände der Pflegekassen die Genehmigung zum modifizierten Nachdruck. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bedanken.

3 Pflegebedürftigkeit bedeutet immer ein Wandel im Leben der Betroffenen und deren Angehörigen: Neue Verantwortlichkeiten werden von Angehörigen übernommen, neue Fertigkeiten müssen erlernt werden, der Alltag verändert sich für alle Beteiligten. Was Sie als Angehörige oder als Pflegebedürftige in jedem Fall brauchen, sind: umfassende Information und Beratung! Denn wichtig ist, schnellstmöglich das passende Pflegearrangement für die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen und für die Angehörigen zu finden. Diese Checkliste zeigt Ihnen, was Sie tun müssen wen Sie fragen können wonach Sie fragen müssen Ob die häusliche Pflege für Sie die Ideallösung ist oder eine Überbrückung bis zu einer stationären Versorgung Ihres Angehörigen darstellt, in jedem Fall gilt: Je besser Sie informiert und beraten sind, umso leichter fällt es Ihnen, den Pflegealltag und Ihren eigenen Alltag zu organisieren.

4 Was ist zu tun im Fall des Falles? Keine Angst, Sie brauchen nicht alles auf einmal zu tun; gehen Sie Schritt für Schritt in Ruhe vor. 1. Kontakt aufnehmen! Zur örtlichen Pflegeberatungsstelle oder bei Krankenhausaufenthalt auch zum Krankenhaussozialdienst. Pflegeberatungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie unter außerdem bieten die Pflegekassen Pflegeberatung an. Ihre Stadtverwaltung oder das Bürgertelefon (115) geben Ihnen ebenfalls Auskunft zu Anlaufstellen. Lassen Sie sich beraten, u. U. bei verschiedenen Stellen. Lassen Sie sich gezielt über die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Verschaffen Sie sich einen Überblick. Welches Pflegearrangement passt zu den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen und den Möglichkeiten der Angehörigen? Was sind die Wünsche der Beteiligten? häusliche Pflege (beim Pflegebedürftigen oder bei Ihnen zu Hause) ambulanter Pflegedienst Tagespflege Nachtpflege Betreutes Wohnen / Demenz-WG stationäre Pflege Welche Leistungen gibt es (u. a.)? Pflegegeld Pflegesachleistung Kombinationsleistung Verhinderungs- oder Ersatzpflege Kurzzeitpflege Leistungen für Pflegebedürftige mit besonderem Betreuungsbedarf (100 Euro bzw. 200 Euro monatlich) Leistungen des Sozialamts Weitere Unterstützung bei der häuslichen Pflege bieten z. B.: Pflegekurs Pflegehilfsmittel (z. B. Pflegebett) Techn. Hilfsmittel (z.b. Badewannenlifter, Rollator, etc.) Wohnungsanpassung Hauswirtschaftliche Hilfen Mahlzeitendienst Hausnotrufgerät

5 2. 5. Antrag stellen auf Pflegeeinstufung bei der Pflegekasse (Leistungsbeginn ab Antragstellung)! Fordern Sie das Antragsformular (telefonisch) bei der Pflegekasse an. Die zuständige Pflegekasse ist im Regelfall die Krankenkasse des Pflegebedürftigen. Zögern Sie nicht, denn die bis zur Bewilligung vergeht einige Zeit. 3. Antrag beim Sozialamt, falls erforderlich. Eine vorsorgliche telefonische Antragstellung ist möglich, dann gehen Ihnen keine Leistungen verloren. Maßgeblich für den Leistungsbeginn ist der Tag der Antragstellung. Der Leistungsbeginn gilt aber auch rückwirkend zum Zeitpunkt des Antrags bei der Pflegekasse. 4. Vorbereitung auf MDK-Begutachtung! Pflegetagebuch führen! Bei der Begutachtung dürfen weitere Angehörige anwesend sein. Pflegetagebücher erhalten Sie z.b. von der Pflegekasse oder von der Verbraucherzentrale. Hilfestellung zum richtigen Ausfüllen erhalten Sie in der Broschüre Ihr Pflegetagebuch (zu finden auf beruf-pflege.org). Einen Pflegekurs besuchen. Kostenlos! Pflegekassen und Pflegedienste bieten Pflegekurse an. Schulungen zu Hause sind auch möglich (Kurse finden unter: 6. Nach erfolgter Einstufung durch die Pflegekasse (auch bei Ablehnung einer Pflegestufe) das Pflegegutachten schicken lassen. Sorgfältig prüfen, ggf. erläutern lassen. Pflegeberatungsstellen helfen Ihnen bei der Prüfung des Pflegegutachtens. 7. Prüfen, ob die Voraussetzung für einen Schwerbehindertenausweis gegeben ist. Ihre Stadtverwaltung informiert darüber. Ein Schwerbehindertenausweis bringt unter Umständen Vergünstigungen bei den GEZ-Gebühren oder steuerliche Erleichterungen.

6 8. Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege prüfen. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber. Es gibt vielfältige Möglichkeiten neben einer Arbeitszeitreduzierung oder flexiblen Arbeitszeiten. Prüfen Sie Ihre pflegerischen Erfordernisse. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer gesetzlichen Pflegezeit. Berufstätige haben die Möglichkeit, bis zu sechs Monate Pflegezeit (Freistellung) zu nehmen. Die Familienpflegezeit ermöglicht bis zu 2 Jahre lang eine Arbeitszeitreduzierung bei Lohnausgleich. Suchen Sie das Gespräch und lassen Sie sich beraten! Unser Praxisleitfaden für Führungskräfte bietet Hilfestellung für Arbeitgeber mit Anregungen für eine pflegesensible Arbeitsgestaltung (zu finden auf beruf-pflege.org). 9. Möglichkeit von Tagespflege und anderen entlastenden Hilfen prüfen. Scheuen Sie sich nicht, Hilfen anzunehmen: ob professionelle Angebote wie die Tagespflege oder private Hilfe in der Familie und Freundeskreis oder durch ehrenamtliche Initiativen wie Pflegebegleiter (www.pflegebegleiter.de). 10. Bei einer Berufstätigkeit von 30 Stunden oder weniger pro Woche und mindestens 14 Stunden wöchentlicher Pflege besteht Rentenversicherungspflicht der Hauptpflegeperson! 11. Antrag bei der Pflegekasse stellen! Regelmäßig prüfen, ob 14 Stunden Pflegeaufwand erreicht sind. Vor evtl. Berufsaufgabe Gespräch mit der Agentur für Arbeit führen. Mögliche freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung auf eigene Kosten prüfen. Die Berufstätigkeit auf keinen Fall ohne Beratung aufgeben. 12. Bei Berufsaufgabe Weiterversicherung in der Krankenkasse prüfen. Falls keine Versicherung über den Ehepartner möglich ist und kein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, freiwillige Weiterversicherung auf eigene Kosten.

7 13. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung (falls gewünscht) besprechen. Lassen Sie sich beraten, zum Beispiel von einem örtlichen Betreuungsverein! Klare Absprachen sind hilfreich! Nach der Informationssammlung und Beratung sollte gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen und allen beteiligten Angehörigen entschieden werden, wie die Pflege den persönlichen Wünschen gerecht wird und von allen gemeinsam gestaltet werden kann. Bedenken Sie für die Pflege zu Hause: Organisieren Sie die Pflege zu Hause unter Beteiligung der gesamten Familie. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Angehörigen zu pflegen sowohl in seiner eigenen Wohnung als auch bei Ihnen zu Hause. Wichtig ist, dass Sie als Angehöriger frühzeitig Entlastungsangebote in Anspruch nehmen; achten Sie auf Ihr Wohlergehen! Lassen Sie sich beispielsweise von einem Pflegedienst unterstützen, schaffen Sie sich stundenweise Freiräume durch Betreuungsdienste. Auch eine Tagespflegeeinrichtung bietet erhebliche Entlastung. Darüber hinaus gibt es vielerorts Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, fragen Sie die örtlichen Pflegeberatungsstellen oder informieren Sie sich im Pflegenetz Sachsen.

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