journal Journal des Westdeutschen Tumorzentrums WTZ Essen Klatskin-Tumor Neues zu Diagnostik und Therapie des hilären Gallenwegskarzinoms

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1 ISSN ,- journal Journal des Westdeutschen Tumorzentrums WTZ Essen Klatskin-Tumor Neues zu Diagnostik und Therapie des hilären Gallenwegskarzinoms Thoracic Oncology Expert Meeting 2010 Aktuelle Strategien in der Therapie des NSCLC Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung WTZ als eines von acht Zentren aufgenommen Neuer Internet-Auftritt des WTZ Informationen für Patienten und Health Professionals

2 JAHRESTAGUNG2011 Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie Basel Tagungspräsident: Prof. Dr. med. Thomas Cerny St. Gallen, Schweiz Gesamtorganisation: DGHO Service GmbH Berlin, Deutschland dgho-service.de Tel.: +49 (0) /-14/-19 Abstracteinreichung bis 4. Mai 2011 Foto: Niklaus Bürgin

3 Liebe Leserin, lieber Leser, editorial 3 das Westdeutsche Tumorzentrum wird dabei sein, wenn das Konsortium Translationale Krebsforschung im nächsten Jahr als eines von sechs neuen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Zentren der Gesundheitsforschung an den Start geht. Zusammen mit sieben weiteren exzellenten Standorten werden wir in Essen dafür sorgen können, dass Erkenntnisse der Grundlagenforschung schneller in die klinische Versorgung Eingang finden. Über diese erneute Auszeichnung des WTZ freuen wir uns sehr. Was sie im Einzelnen bedeutet, darüber lesen Sie mehr auf Seite 14. Die klare Erwartung an das Konsortium ist die möglichst schnelle Entwicklung besser wirksamer Behandlungsstrategien gegen Darmkrebs, Lungenkrebs und andere maligne Tumoren, von denen sehr viele Menschen betroffen sind. Als Comprehensive Cancer Center stehen wir aber auch in der Pflicht, uns um eher seltene Krebserkrankungen zu kümmern. Um eine davon, die so genannten Klatskin-Tumoren, geht es im Schwerpunktbeitrag dieser Ausgabe. Aus den Gremien des WTZ gibt es Neues zu berichten: Wir freuen uns sehr, dass Dr. med. Stefan Palm uns seit dem 1. September als WTZ-Geschäftsführer unterstützt. Über seine Arbeit und seine Visionen spricht der ausgewiesene Qualitätsmanagement-Experte im Interview dieser Ausgabe auf Seite 12. Der Erscheinungstermin dieses WTZ-Journals fällt mitten in die Zeit zwischen den Jahren. Wir wünschen Ihnen von Herzen die Gelegenheit, ein wenig auszuspannen und Kraft zu tanken für ein wirklich gutes neues Jahr 2011, das sicherlich so manche Herausforderung, aber hoffentlich auch viele positive Überraschungen für Sie bereithalten wird. Herzlichst, Ihre Schwerpunkt Klatskin-Tumor Neues zu Diagnostik und Therapie des hilären Gallenwegskarzinoms von Gernot M. Kaiser Therapie Thoracic Oncology Expert Meeting 2010 Aktuelle Strategien in der Therapie des NSCLC von Wilfried Eberhardt Netzwerk Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung WTZ als eines von acht Zentren aufgenommen von Angelika Eggert und Martin Schuler Interview Wenn es um Vernetzung geht, ist Qualitätsmanagement von unschätzbarer Bedeutung Im Gespräch mit WTZ- Geschäftsführer Dr. Stefan Palm Panorama Neuer Internetauftritt des WTZ Medizinisches Hörbuch Mit Lungenkrebs leben DFG fördert Lungenkrebsforschung am WTZ Franceschetti-Syndrom: Essener Forscher finden zwei neue Gene Angelika Eggert Andreas Hüttmann 15 Alle Behandlungsprogramme im Überblick Geschäftsführende Direktorin des WTZ Redaktionsleiter des WTZ-Journals 15 Impressum

4 Diagnostik und Pathologie In der Einteilung nach Bismuth und Corlette wird unterschieden nach Tumoren, die direkt unterhalb der Gallengangsbifurkation enden (Typ I) oder die Bifurkation erreichen (Typ II). Beim Typ III ist die Bifurka tion vom Tumor überschritten mit Ausdehnung in den rechten (Typ IIIa) oder linken (Typ III b) Hauptgallens c h w e r p u n k t 4 Tumor Neues zu Diagnostik und Therapie des hilären Gallenwegskarzinoms Gernot M. Kaiser Tanja Trarbach Martin Stuschke Alexander Dechêne Hideo A. Baba Andreas Paul Abb. oben : Zentrale Lage eines Klatskin-Tumors im Leberhilus Karzinome des Gallenwegssystems sind seltene Tumore, auch wenn in den letzten Jahren die Inzidenz auf drei bis vier Neuerkrankungen pro Einwohnern stieg. Malig nome der Gallen gänge machen etwa zwei Prozent aller malignen Tumore aus und sind damit der fünft häufigste Tumor des Gastro - intestinaltraktes. Bis in die 1970-er Jahre galten zentrale Gallengangskarzinome als prinzipiell nicht resektabel. Erst in den letzten drei Jahrzehnten setzte sich zunehmend das radikal chirurgische Vorgehen mit Tumorresektion durch. Da sich ein kurativer Therapieansatz auch heutzutage nur bei etwa 30 Prozent aller Patienten erreichen lässt, ist die palliative Therapie für die meisten Patienten weiterhin von zentraler Bedeutung. Abb. 1 : Einteilung nach Bismuth und Corlette

5 s c h w e r p u n k t gang. Der Klatskin-Tumor Typ IV dehnt sich von der Bifurkation bis in den linken und rechten Hauptgallengang aus oder ist multizentrisch (Abb. 1). Bei typischerweise vorliegendem schmerzlosen Ikterus wird bei sonographisch erweiterten Gallenwegen mit einer Endoskopisch retrograden Cholangio-Pankreatografie (ERCP) oder mit einer perkutanen Cholangiographie (PTC) die Verdachtsdiagnose eines hilären Gallenwegskarzinoms gestellt (Abb. 2). Die bei der ERCP entnommene Bürstenzytologie oder Zangenbiopsie kann jedoch nur in bis zu 70 Prozent die Malignität sichern. Im Rahmen der Staging-Diagnostik sollten eine kontrastmittelverstärkte Computer tomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Abdomens sowie ein CT des Thorax erfolgen. Vielfach wird auch bereits eine Magnetresonanz-Cholangiographie (MRC) als Goldstandard diskutiert (Romaneehsen, Otto et al. 2004). Besonders hilfreich ist das kombinierte PET/CT zum Ausschluss von Fern - metastasen, zum Nachweis des Primär tumors und zum Monitoring der Therapie. Bei zentralen Gallengangstumoren lässt sich das tatsächlich vorliegende Tumorstadium über das primäre Staging nur sehr eingeschränkt beurteilen. Auch am Westdeutschen Tumorzentrum sind zehn Prozent der mit Verdacht auf maligne Gallenwegsstenosen operierten Fälle in der endgültigen Histologie doch benigne Strikturen, sogenannte Klatskin-Mimicking lesions (Juntermanns, Kaiser et al., im Druck). Zur präoperativen Einschätzung der Resektabilität hat sich nach Analyse der Essener Datenbank für Gallenwegskarzinome der Tumormarker CA 19-9 als geeignet erwiesen (Juntermanns, Radunz et al 2010). Ist dieser stark erhöht (> 1000 U/ml), halbiert sich die Rate an resektablen Tumoren auf 30 Prozent im Vergleich zu den Patienten mit gering oder moderat erhöhtem Tumormarker. Zu - dem korreliert die Höhe des Tumormarkers signifikant mit dem Tumorstadium nach UICC (Union Internationale contre le Cancer, Tab. 1). Als statistisch signifikante Prognosefaktoren des Klatskin-Tumors gelten tumorfreie Resektionsränder, Tumorgröße mit Ausdehnung der Umgebungsinfiltration, Vorliegen von Lymphknotenmetastasen, Fernmetastasen und damit insgesamt das UICC- Stadium (Lang, Kaiser et al. 2006). Die abschließende Bewertung des UICC-Stadiums ist erst nach Auswertung aller klinischen Befunde unter Einbeziehung der Bildgebung, der Einschätzung des Operateurs und des pathologischen Befundes möglich. Deutliche Verbesserung der Prognose Die einzige potenziell kurative Therapieoption stellt die komplette Tumorresektion (R0-Resektion) mit Gallengangsresektion kombiniert mit einer Hemihepatektomie oder Lebertransplantation nach Hepatektomie dar (Kaiser, Sotiropoulos et al. 2010). Durch erhebliche Fortschritte in der chirurgischen und interdisziplinären Therapie konnte die Prognose des zentralen Gallengangskarzinoms deutlich verbessert werden. Nach kurativer Tumorresektion lässt sich eine Fünf-Jahres-Überlebensrate zwischen 23 und 46 Prozent erreichen. Bei mikroskopisch nachgewiesenem Tumor am Resektionsrand liegt diese lediglich noch bei 9 bis 34 Prozent (Lang, Kaiser et al. 2006). Grund dafür sind zum Einen die nur geringen Sicherheitsabstände, die durch die zentrale Lage der Tumoren im Leberhilus bedingt sind, zum Anderen die diskontinuierliche Ausbreitung von Gallengangskarzinomen. Chirurgie der extrahepatischen Gallenwegskarzinome Der aktuelle chirurgische Standard besteht in der ausgedehnten Resek - tion der extrahepatischen Gallenwege, und zwar vom Duodenum beginnend unter Einschluss der Gallengangs - bifurkation mit regionaler Lymphadenektomie sowie der Hemihepatektomie. Angestrebt wird eine erweiterte Hemihepatektomie rechts, die eine Abb. 2a [links] : Typischer PTC-Befund vor Papillotomie und Stentimplantation bei Klatskin- Tumor Typ IIIa nach Bismuth-Corlette. Abb. 2b [rechts] : Befund eines PET/CT im Sagittalschnitt mit Darstellung des zentral im Leberhilus sitzenden Tumors und der abdominellen und thorakalen Metastasen über gesteigerter Glucoseutilisation mit FDG-Uptake am Tumorgewebe. 5

6 s c h w e r p u n k t Tabelle 1. Einteilung der UICC-Tumorstadien I-IV ist auf der Basis der TNM-Klassifikation von 2009 (7. Auflage). 6 Klinisches Stadium 0 IA IB IIA IIB III IV Primärtumor (pt) cis T1 T2a T2b T3 T1 T2a T2b T3 T4 Tumor auf Gallengang beschränkt Tumor infiltriert benachbarte Weichgewebe Tumor infiltriert Leberparenchym Tumor infiltriert unilateral Äste der V. Portae oder A. hepatica communis Tumor auf Gallengang beschränkt Tumor infiltriert benachbarte Weichgewebe Tumor infiltriert Leberparenchym Tumor infiltriert unilateral Äste der V. Portae oder A. hepatica communis Tumor infiltriert Hauptstamm/bilateral der V. portae/a. hepatica communis oder unilateral Gallengang 2. Ordnung mit Infiltration kontra - lateral V. porta/a. hepatica com. jedes T Regionäre Lymphknotenmetastasen (N) N0 Keine N0 Keine N0 Keine N0 Keine N0 Keine N1 Regionäre Lymphknotenmetastasen (D. cystikus/choledochus, A. hep. com. und V. portae) jedes N jedes N Fernmetastasen (M) M0 Keine M0 Keine M0 Keine M0 Keine M0 Keine M0 M0 M1 Keine Keine Fernmetastasen 5-Jahresüberlebensrate von fast 50 Prozent ermöglicht. Zudem kann eine Resektion der Pfortadergabel im Rahmen einer En-bloc-Resektion erforderlich werden. Bei bilateraler Leber-, Gefäß- oder Pankreasinfiltration lässt sich der Tumor meist nicht vollständig entfernen. Wie bei einer Fernmetastasierung ist die Behandlung dann palliativ ausgerichtet. Für Patienten, die nicht kurativ behandelt werden können, ist die Gallengangsdrainage zum Funktionserhalt und der Vermeidung einer Cholangitis wichtig. Eine Hepaticojejunostomie oder bei kompletter Verlegung der zentralen Gallenwege eine Hepatojejunostomie auf die Segmente III und V kann sinnvoll sein, um eine intermittierende endoskopische oder perkutane Schienung der Gallenwege zu vermeiden (Kaiser, Frühauf et al. 2008). Interventionelle gastroenterologische Behandlung Die endoskopisch applizierte photo - dynamische Therapie hat der alleinigen Drainagetherapie gegenüber einen Vorteil, der über die Abfluss - verbesserung durch intraductalen Tumorabtrag hinauszugehen scheint. Bei diesem neuen Verfahren konnte im Vergleich zum alleinigen Stenting der Gallenwege die Überlebenszeit bei selektionierten Patienten ohne extraduktale Tumormanifestationen von 7 auf 21 Monate signifikant verbessert werden (Zoepf, Jakobs et al. 2005). Lebertransplantation als Option Nach intraoperativer Exploration des Abdomens, wird die Resektabilität in der Leber geprüft. Ist sie unmöglich oder unklar, wird eine Trans planta tion als mögliche Therapie option evaluiert. Die Lebertransplantation bietet einen Ausweg auch bei lokal ausgedehnten Befunden, denn im Rahmen der Hepa - tektomie wird die gesamte Leber zusammen mit dem extrahepatischen Gallenweg entfernt. Damit sind sowohl die Forderungen nach kompletter Tumor resektion inklusive erforder - lichem Sicherheitsabstand als auch die nach zentraler Gallengangsresek - tion erfüllt. Moderne onkologische Therapie Weitere Optionen sind die Radiatio, die intraoperativ, intraduktal und extern appliziert werden kann, sowie die systemische Chemotherapie. Die Ergebnisse sind jedoch unbefriedigend. In einer randomisierten Multicenter- Studie hatten allerdings solche Patienten einen signifikanten Überlebensvorteil, die eine Kombinationstherapie mit Cisplatin und Gemcitabin absolvierten (Valle, Wasan et al. 2010). Neuere onkologische Therapieansätze, Übersichtschema des Behandlungsprotokoll Essen Alle operationsfähigen und einwilligungsbereiten Patienten mit zentralem Gallengangstumor Histologische Diagnosesicherung mittels ERCP Alternativ gelten auch beweisend hohe Tumormarker Ausschluss von Fernmetastasen im PET-CT Besprechung des Einzelfalls in der onkologisch-chirurgischen Konferenz Patienten mit lokal resektablem Tumor ohne Metastasen Zentrale Gallengangsresektion mit Hemi - hepatektomie und Lymphaden ektomie bei lokal resektablem Tumor Besprechung des Einzelfalls in der onkologisch-chirurgischen Konferenz Adjuvante Radiochemotherapie nur bei inkompletter Tumorresektion (R1) oder Metastasen in der endgültigen Histologie Patienten mit Transplantation bei lokal resektablem Tumor ohne Metastasen Explorative Laparotomie mit Lymphadenektomie bei lokal ohne Transplantation nicht resektablem Tumor Besprechung des Einzelfalls in der onkologisch-chirurgischen Konferenz und der Lebertransplantationskonferenz Neoadjuvante Radiochemotherapie Lebertransplantation Patienten mit nicht resektablen Tumoren oder intraoperativ festgestellten Metastasen Explorative Laparotomie bei lokal nicht resektablem Tumor und/oder Fernmetastasen Besprechung des Einzelfalls in der onkologisch-chirurgischen Konferenz Palliative Behandlung mit Chemotherapie/Radiochemotherapie/photodynamischer Therapie

7 s c h w e r p u n k t die auch sogenannte Biologicals wie Inhibitoren des Vascular endothelial growth factor (VEGF) oder des Epidermal growth factor receptors (EGFR) einbeziehen, erscheinen in vitro ebenso wie in ersten klinischen Studien sehr vielversprechend (Wiedmann, Mössner 2010, Malka, Trarbach 2009). Möglichkeiten der Strahlentherapie Moderne Bestrahlungstechnik mit intraoperativer Strahlentherapie, stereotaktischer 3-D-Bestrahlung oder in Zukunft mit der Protonentherapie soll die lokale Tumorbehandlung bei weitestgehender Schonung der dem Tumorbett angrenzenden Strukturen intensivieren. Die intraoperative Bestrahlung beim Klatskin- Tumor kann vor allem in der pallia - tiven Situation das Überleben der Patienten deutlich verlängern (Kaiser, Frühauf et al. 2008). Vielversprechende Daten kommen aus der Mayo-Klinik in Rochester, USA. Vor der Lebertransplantation absolvieren Patienten dort zunächst eine neoadjuvante Radiochemotherapie. Damit ließen sich Fünfjahresüber - lebensraten von bis zu 82 Prozent erreichen (Rosen, Heimbach et al. 2010). Erste Ergebnisse aus Essen bestätigen diesen Trend (Kaiser, Sotiropoulos 2010). Tumornachsorge Die Tumornachsorge wird im ersten Jahr alle drei Monate, im zweiten Jahr alle sechs Monate und danach jährlich durchgeführt. Die erforderlichen Untersuchungen sind Anamnese und körperliche Untersuchung, Routine - labor und Tumormarker-Verlaufs - kontrolle, sowie Röntgen-Thorax und CT-Abdomen. Optional sind darüber hinaus eine Magnetresonanz- Cholangio-Pankreatografie (MRCP), CT-Thorax und PET/CT. Fazit Das Universitätsklinikum Essen verfügt als Zentrum für hepatobiliäre Chirurgie in Deutschland in der Behandlung von Klatskin-Tumoren über langjährige Erfahrungen. Dank des Angebotes aller modernen und innovativen Verfahren in den Kliniken für Radiologie, Strahlentherapie, Onkologie, Gastroenterologie und Chirurgie bietet das Westdeutsche Tumorzentrum beziehungsweise das Westdeutsche Magen-Darm- Zentrum alle therapeutischen Optionen bis hin zur Lebertransplantation. Literatur auf Anfrage. Bitte schreiben Sie eine an 7 Anzeige WISSEN MACHT STARK IHR WEG DURCH DIE CHEMOTHERAPIE Unter bieten wir Ihnen viel Wissenswertes rund um die Themen Krebs und Chemotherapie. Sie haben dort auch die Möglichkeit, eine Vielzahl von Informationsbroschüren kostenlos zu bestellen. Klicken Sie vorbei und informieren Sie sich wir freuen uns auf Ihren Besuch! Ein Service der AMGEN GmbH Hanauer Straße München Telefon: Telefax:

8 t h e r a p i e 8 Aktuelle Strategien in der Therapie des NSCLC Thoracic Oncology Expert Meeting 2010 Wilfried Eberhardt Beim elften Essener Thoracic Oncology Expertentreffen Anfang Juli dieses Jahres wurde einmal mehr deutlich, dass die Individualisierung der NSCLC-Therapie weiter voranschreitet. Das Ziel besteht darin, dem einzelnen Patienten die individuell aussichtsreichste Therapie zur Verfügung zu stellen. Eines der grundlegenden nicht invasiven Therapiekonzepte bei Lungentumoren besteht darin, körpereigene Wachstumssignale für den Tumor möglichst vollständig zu blockieren. Wachstumssignale werden durch Substanzen unterbunden, die den entsprechenden Signalweg an definierter Stelle blockieren. EGF-R-Tyrosinkinase-Inhibitoren beispielsweise unterbrechen die intrazelluläre Übertragung eines Wachstumssignals an den Zellkern. Von einer solchen Behandlung profitieren aber nur Patienten, bei denen eine Mutation im Tumor dazu führt, dass der EGF-R- Signalweg dauerhaft pathologisch aktiviert ist. Dieser positive Befund einer EGF-R-Mutationsanalyse im NSCLC-Tumorgewebe ist deshalb Voraussetzung für die Wirksamkeit von EGF-R-Tyrosinkinase-Inhibitoren (EGF-R-TKI). Die Mutation stellt sozusagen den Biomarker dar, mit dessen Hilfe sich Patienten selektieren lassen, für die eine EGF-R-TKI-Behandlung aussichtsreich erscheint. Korrekte Stadieneinteilung essentiell Neben dieser Selektion durch jeweils geeignete Biomarker ist aber die korrekte Stadieneinteilung der Erkrankung für die adäquate Therapiefestlegung von entscheidender Bedeutung (Tab. 1 und 2). Dr. Christoph Dooms von der Universität Leuven (Belgien) unterstrich in seinem Beitrag die Bedeutung des initial durchzuführenden PET-CT und der Endosonographie. Die endobronchiale Endosonographie (EBUS) und der endoskopische Ultraschall (EUS) spielen neuerdings eine her aus ragende Rolle. Diese akribisch durchgeführte Stadieneinteilung ist Voraussetzung für die Identifizierung geeigneter multimodaler Behandlungsoptionen. Multimodale Behandlungskonzepte Die multimodalen Behandlungskonzepte für Patienten im noch kurativ anzugehenden Stadium III des NSCLC präsentierte Professor Kathy Albain von der Loyola University in Chicago (USA). Danach sind neben der kombinierten simultanen Radio- Chemotherapie, die in kurativer Absicht durchgeführt wird, für bestimmte Patientengruppen auch neoadju - vante Induktionstherapie verfahren sinnvoll, an die sich eine Opera tion anschließt. Dr. Wilfried Eberhardt von der Inneren Klinik (Tumorforschung, im Bild links zusammen mit Professor Martin Schuler) ergänzte hierzu die langjährigen sehr positiven Erfahrungen aus der Essener Arbeitsgruppe mit multimodaler Behandlung in - klusive Chirurgie. Patienten, die für eine Operation nicht (mehr) in Frage kommen, können von weiter entwickelten simultanen Radio-Chemotherapie-Verfahren profitieren. Die Arbeitsgruppe von Professor Francoise Mornex vom Universitätshospital in Lyon prüft derzeit den Einsatz von Cetuximab, einem Antikörper, der in den EGF-R- Signalweg eingreift, in Kombination mit einer simultanen Radiotherapie.

9 - Anzeige - Aktion Rückenwind in Essen Informationstag für Patienten und Angehörige Am Mittwoch, den 23. März 2011, findet im Atlantic Congress Hotel Essen von bis Uhr eine Informationsveranstaltung der Aktion Rückenwind Hilfe bei Lungenkrebs statt. Sie richtet sich an Betroffene und ihre Angehörigen. Die Veranstaltung ist eine Initiative der Lilly Deutschland GmbH in Kooperation mit dem Westdeutschen Tumorzentrum und dem Westdeutschen Lungenzentrum des Universitätsklinikums Essen. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa Männer und Frauen an Lungenkrebs. Eine solche Diagnose verursacht Ängste und Sprachlosigkeit. Aber nicht nur die Patienten selbst sind von der erschütternden Diagnose betroffen, auch Familie und Freunde wissen nicht, wie es weiter gehen soll. In Zusammenarbeit mit den Lungenkrebsexperten des Universitätsklinikums Essen möchte die Aktion Rückenwind beiden Seiten Informationen und Hilfestellungen bieten. Nach einer Einführung zu medizinischen und psychologischen Aspekten der Erkrankung können sich die Besucher in Gesprächsinseln mit Experten, anderen Betroffenen und Angehörigen austauschen. Von ihren per- sönlichen Erfahrungen als Betroffene beziehungsweise Mit-Betroffener erzählen Barbara Baysal, die selbst vor Jahren an Lungenkrebs erkrankt ist, und Moritz Krebs, Sohn des an Lungenkrebs verstorbenen Schauspielers Diether Krebs. Es ist sehr hilfreich, dass Betroffene und Angehörige sich in dieser schwierigen Zeit gegenseitig erzählen, wie sie die Erkrankung erleben, was sie denken und fühlen, betont Moritz Krebs. Mit seiner Teilnahme möchte er den Betroffenen und den Angehörigen Mut machen, über die Erkrankung zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen. Weitere Informationen zur Aktion Rückenwind finden Sie unter Einladung zur Infoveranstaltung Rückenwind für Lungenkrebspatienten und Angehörige Aktion Rückenwind Hilfe bei Lungenkrebs Eintritt frei! Mittwoch, bis Uhr ATLANTIC Congress Hotel Essen Raum 1 und 2, EG Norbertstr. 2a Essen Infos zu Erkrankung, Therapie und seelischer Unterstützung Experten, Patienten, Angehörige im Gespräch Kooperationspartner: DEALM00303 Nähere Informationen unter Eine Initiative von

10 t h e r a p i e 10 Tabelle 1. Beschreibung der TNM-Kategorien (7. Fassung) T1 3 cm T1a 2 cm T1b >2 cm aber 3 cm Professor Martin Schuler von der Inneren Klinik (Tumorforschung) in Essen konnte bereits überzeugende Ergebnisse zu neuen Substanzen präsentieren, die in der Lage sind, EGF- R-Tyrosinkinasen irreversibel zu inhibieren beziehungsweise eine multierb-inhibition herbeizuführen. T2 T3 N1 N2 N3 M1a M1b T2a T1b > 3 cm aber 7 cm oder Invasion der viszeralen Pleura, Hauptbronchus 2 cm von der Karina, partielle Atelektase >3 cm aber 5 cm >5 cm aber 7 cm > 7 cm oder Infiltration von Brustwand, Zwerchfell, Nervus phrenikus, mediastale Pleura, Perikard, Hauptbronchus < 2 cm von Karina, totale Atelektase, getrennter Tumorherd im selben Lappen ipsilaterale peribronchiale / hiläre Lymphknoten ipsilaterale mediastinale / subkarinale Lymphknoten kontralaterale mediastinale, hiläre, ipsi- oder kontralaterale Skalenus- oder supraklavikuläre Lymphknoten Tumorherd in kontralateraler Lunge, pleurale Tumorherde, Pleura- und Perikarderguss Fernmetastasen Die neuesten Entwicklungen im VEGF-R-System schließlich diskutierte Dr. David Planchard vom Institut Gustave Roussy in Villejuif (Frankreich). Mit der so genannten VEGF- Falle (VEGF-trap) soll VEGF aus dem Serum abgefangen werden. Zu dieser Behandlungsstrategie wird derzeit eine Phase-III-Studie durchgeführt. Die Patienten-Rekrutierung ist abgeschlossen, erste Ergebnisse werden im ersten Quartal 2011 erwartet. Sollten die Ergebnisse positiv sein, so würde damit erstmals eine VEGF-R-Intervention zur Zweitlinientherapie des NSCLC zur Zulassung gelangen. Tabelle 2. TNM-Stadieneinteilung (7. Fassung) Stadium T = Tumor N = Lymphknoten M = Metastasen IA jedes T1 N0 M0 IB T2a N0 M0 IIA jedes T1 N1 M0 T2a N1 M0 T2b N0 M0 IIB T2b N1 M0 T3 N0 M0 IIIA jedes T1 N2 M0 jedes T2 N2 M0 T3 N1, N2 M0 T4 N0, N1 M0 IIIB jedes T1 - T3 N3 M0 T4 N2, N3 M0 IV jedes T jedes N jedes M1 Einladung zum zwölften Expertentreffen Das Essener Thoracic Oncology Expert Meeting wurde mittlerweile zum elften Mal von Dr. med. Wilfried Eberhardt aus der Inneren Klinik (Tumorforschung) organisiert. Das zwölfte Treffen soll im Dezember 2011 ebenfalls in Essen stattfinden. Folgende Schwerpunkte sind derzeit geplant: Früherkennung und Screening des Lungenkarzinoms Multimodale Therapie früher und lokal begrenzter Tumorstadien Integration der Protonentherapie. Neue Strategien und Substanzen Mit der Einführung der EGF-R-TKI in die Behandlung gut selektionier - barer Subgruppen von Patienten in fortgeschrittenen NSCLC-Stadien hat die Personalisierung der Therapie gerade erst begonnen. Professor Kenneth O Byrne vom St. James Hospital in Dublin präsentierte weitere Forschungsergebnisse zu c-met-inhibitoren, EML4-ALK- Inhibitoren und DNS-Reparatur-Modifikationen, zu denen derzeit erste klinische Studien aufgelegt werden. Ständig aktualisierte Informationen dazu werden auf veröffentlicht.

11 n e t z w e r k Deutsches Konsortium für translationale Krebsforschung Westdeutsches Tumorzentrum ist dabei 11 Seit dem 8. November ist es sozusagen amtlich: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gab an diesem Tag bekannt, dass das Westdeutsche Tumorzentrum (WTZ) in Essen am neu zu etablierenden Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DZK) zusammen mit sieben weiteren Zentren beteiligt sein wird. Nach der Anerkennung als Onkologisches Spitzenzentrum der Deutschen Krebshilfe im April 2009 ist die jetzige Aufnahme des WTZ in das Konsortium für translationale Krebsforschung bereits die zweite wichtige Auszeichnung seit der Neugründung vor drei Jahren. Zweite wichtige Auszeichnung Wir haben das alle sehr euphorisch auf - genommen, bestätigt Professor Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) und Mitglied im Direktorium des WTZ. Zusammen mit der geschäftsführenden Direktorin, Professorin Angelika Eggert, freut sich Schuler, dass Essen das internationale Gutachtergremium überzeugen konnte. "Als einziger Vertreter aus Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundeslandes der Republik, kommt dem WTZ im Deutschen Kon - sortium für translationale Krebsforschung eine besondere Verantwortung zu." Eine herausragende Stärke des WTZ ist die Bandbreite der dort etablierten klinischen Forschungsprojekte, so Schuler. Basis hierfür sei die hohe Kompetenz des Universitätsklinikums Essen in der Behandlung aller Krebserkrankungen. In deutschlandweit einzigartiger Weise werden neuartige Behandlungs- und Diagnoseverfahren für Krebspatienten entwickelt und wissenschaftlich kontrolliert angewandt auch Phase-I- und Phase-II-Projekte initiiert und durchgeführt. Kernzentrum mit sieben Partnerstandorten Das neu gebildete Konsortium soll dazu beitragen, aktuelle Forschungsergebnisse schneller als bisher in die Patientenversorgung zu übertragen. Die acht ausgewählten Standorte sind nun aufgefordert, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, in dem die Forschungsschwerpunkte des Konsortiums für die kommenden fünf Jahre festgelegt werden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) in Heidelberg wird in diesem Zusammenhang die Rolle eines Kernzentrums übernehmen. Das dkfz ist als eine international führende Institution der Krebs- Grundlagenforschung außer - ordentlich erfolgreich, erläutert Martin Schuler, dies ist eine hervorragende Ausgangssituation für das neu gegründete Konsortium. Durch die Vernetzung mit sieben forschungsstarken Universitätsklinika besteht eine einma lige Chance, den dramatischen Erkenntnisgewinn der letzten Jahrzehnte in direkten Nutzen für Krebspatienten umzusetzen." Essener Schwerpunkte für das DZK-Gesamtkonzept In seinem Antrag hatte das Westdeutsche Tumorzentrum seine besondere Expertise für Lungenkrebs, neuroektodermale Tumoren wie das maligne Melanom und das Neuroblastom sowie in der Behandlung von Gehirnmetastasen herausgestellt. Dies, so Martin Schuler, werde ideal ergänzt durch die besondere Kompetenz des WTZ für klinische Blutstammzelltransplantation - Essen verfügt über das größte europäisches Zentrum sowie für Strahlentherapie inklusive Protonentherapie und für modernste Bildgebung, wie PET/CT, PET/MRT sowie das 7 Tesla MRT. Mit diesem Portfolio können wir wichtige Bausteine für das Deutsche Konsortium bereitstellen, unterstreicht Schuler. Zunächst aber gelte es, gemeinsam mit den sieben anderen Partnern ein überzeugendes Gesamtkonzept zu erarbeiten. Der zeitliche Rahmen dafür ist eng, denn das Gutachtergremium, dem international renommierte Forscher aus Finnland, Schweden, Irland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und Spanien angehören, will das Gesamtkonzept bereits im ersten Quartal 2011 vorgelegt bekommen, um dann im Sommer eine endgültige Entscheidung zu treffen. Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DZK): Ausgewählte Partnerstandorte Charité Comprehensive Cancer Center, Universitätsmedizin Berlin Universitäts-KrebsCentrum, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden Westdeutsches Tumorzentrum, Universitätsklinikum Essen Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT), Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer Comprehensive Cancer Center Freiburg, Universitätsklinikum Freiburg Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und Klinikum der Technischen Universität München Südwestdeutsches Tumorzentrum Comprehensive Cancer Center, Universitätsklinikum Tübingen

12 i n t e r v i e w 12 Interview mit Dr. Stefan Palm, Geschäftsführer des Westdeutschen Tumorzentrums Wenn es um Dr. med. Stefan Palm ist seit dem 1. September 2010 neuer Geschäftsführer des Westdeutschen Tumorzentrums. Der zusätzlich als Master of Science Health Care Management qualifizierte Mediziner hat von 2003 bis 2010 in der Stabsstelle Qualitätsmanagement des Universitätsklinikums Tübingen gearbeitet, seit Mai 2009 als deren Leiter. Eines der großen Projekte in Tübingen war die Zertifizierung des Gesamt-Klinikums. Stefan Palm ist 39 Jahre alt und verheiratet. Vernetzung geht, ist Qualitätsmanagement von unschätzbarer Bedeutung Herr Dr. Palm, warum benötigt das Westdeutsche Tumorzentrum einen Geschäftsführer? (lacht) Das müssen Sie Frau Professorin Eggert fragen. Aber im Ernst: Es reicht für ein Tumorzentrum nicht, ausschließlich hervorragende medizinische Kompetenz bereitzuhalten. Es gilt zusätzlich Rahmenbedingungen sicherzustellen, die es ermöglichen, die Qualität weiter zu verbessern und objektiv zu überprüfen. Ein Tumorzentrum ist immer eine interdisziplinäre Veranstaltung. Das heißt Schnittstellen-Management, gemeinsame Dokumentationsstandards und die Zentrums-Entwicklung insgesamt sind zusätzliche, neben der reinen Medizin zu bearbeitende Themen. Aber das hat doch in Essen zumindest in den letzten drei Jahren auch schon gut funktioniert. Absolut, in Essen ist Wegweisendes geleistet worden. Hier existieren ausgezeichnete Strukturen, in denen wirklich gemeinsam zum Wohle des Patienten gearbeitet wird. Gemeinsame Einrichtungen wie die WTZ-Ambulanz funktionieren hier ja tatsächlich hervorragend. Nicht zuletzt deshalb ist das WTZ im April 2009 als onkologisches Spitzenzentrum anerkannt und im November 2010 in das Deutsche Konsortium Translationale Krebsforschung aufgenommen worden. Aber gerade diese rasante Entwicklung macht nun eine Erweiterung der Organisationsstrukturen notwendig. Gibt es konkrete Projekte, die Sie vorantreiben wollen? Eines der großen Projekte ist die Verbesserung in der elektronischen Dokumentation. Wir wollen am WTZ eine so genannte Tumorakte etablieren.

13 i n t e r v i e w Also eine neue Art von Patientenakte? Ja und nein. Wir wollen diese Akte unbedingt im bestehenden Dokumentationssystem des Universitätsklinikums etablieren. Andererseits hat sie tatsächlich etwas Neues, denn Tumorpatienten werden unter Umständen über Jahre behandelt und betreut, und das nicht notwendigerweise durchgängig im WTZ. Deshalb ist eine Dokumentation über den einzelnen Behandlungsabschnitt hinaus notwendig, die den Patienten während der gesamten Behandlung begleitet. Für eine erfolgreiche Behandlung werden aber Angaben wie diese benötigt: Wie war der Zustand des Patienten, als die Erkrankung erstmalig auftrat? Wo kommt der Patient her, wo geht er nach der Behandlung hin? Welche Behandlungen wurden bereits durchgeführt? Und nicht zuletzt ist es von großer Bedeutung zu erfahren, ob die Behandlung erfolgreich war und wie lange er oder sie mit der Erkrankung überlebt hat. Das hört sich nach viel Recherche- Arbeit an. Das ist es ohne Zweifel. Wir haben deshalb hier am WTZ das Follow-Up- Zentrum gegründet. Dort dokumentieren Mitarbeiter den weiteren Verlauf der Krankheitsgeschichten von Patienten, die bei uns am WTZ behandelt worden sind. Das hört sich fast nach einem klinischen Krebsregister an. Genau das ist es, und wir sind im Rahmen des WTZ auch gerade dabei, die dazu notwendigen Prozesse zu definieren. Stichwort Interdisziplinarität: Gerade interdisziplinär zu lösende Aufgaben scheitern manchmal an den Partiku - lar interessen der Beteiligten. Wie sehen Sie diese Gefahr in Essen? Grundsätzlich halte ich es für wichtig und fruchtbar, wenn man sich als Gruppe gerade nicht auf die Nicht- Gemeinsamkeiten konzentriert, sondern auf Dinge, von denen man anerkanntermaßen gemeinsam profitiert. Konkret bedeutet das unter anderem, dass wir hier am WTZ das Rad nicht immer neu erfinden müssen. Das heißt beispielsweise, dass wir nicht eine komplett neue Biobank etablieren müssen, sondern zunächst für eine bessere Vernetzung der bestehenden Strukturen zu sorgen haben, damit Forscher möglichst problemlos auf die benötigten Daten zugreifen können. Das WTZ als Servicedienstleister für seine Forscher? Durchaus. Wir verfügen genau aus diesem Grund über das WTZ Research Support Office, eine Einrichtung, die von unseren Wissenschaftlern sehr gern genutzt wird. Dort kann man von zwei naturwissenschaftlich tätigen englischen Muttersprachlern internationale Fördergeldanträge oder Publikationen sprachlich überprüfen lassen. Auf Wunsch kann man sich dort auch gezielt in Wissenschafts-Englisch weiterbilden lassen. Wie sieht bei Ihnen ein ganz normaler Arbeitsalltag aus? Den gibt es eigentlich gar nicht. Eine gewisse Arbeits-Routine gibt es natürlich, aber derzeit geht es noch darum, die vielen verschiedenen Projekte kennenzulernen und gegebenenfalls mögliche Synergie-Effekte zu finden. Ein Schwerpunkt ist derzeit die Einführung einer Regelkommunikation. Das heißt, ich möchte Strukturen für einen regelmäßigen auch anlassunabhängigen Informationsaustausch schaffen. schließlich zu Tumorboards und Spezialsprechstunden treffen? Ich plädiere nicht für die Einführung von langweiligen Pflichtsitzungen. Vielmehr geht es darum, herauszufinden wie ich Informationen anderen regelhaft zugänglich mache, die davon ebenfalls profitieren würden. Das beginnt mit der internen Kommuni - kation in der WTZ-Geschäftsführung und ist mit der kommunikativen Einbindung von externen Kooperationspartnern noch nicht zu Ende. Sie sind ausgewiesener QM-Experte. Welche Rolle wird das Qualitätsmanagement bei Ihrer Arbeit spielen? Eine kaum zu überschätzende. QM ist von zentraler Bedeutung, erst Recht, wenn es um Vernetzung geht. Einzelne unserer 14 Behandlungsprogramme sind ja bereits als Organzentren zertifiziert. In diesem Sinne ist die stetige Verbesserung der überprüfbaren Qualität voranzutreiben. Das heißt konkret, man sollte genau überlegen, nach welchem System weitere Zertifizierungen vonstattengehen; denn langfristig wird es auch darum gehen müssen, das WTZ als onkologisches Zentrum zertifizieren zu lassen. Eine Frage zum Schluss: Wo sehen Sie den wesentlichen Unterschied zu Ihrer Arbeit in Tübingen? In Essen ist mein Aufgabenspektrum breiter. Hier geht es nicht in erster Linie um ein Qualitätsmanagement nach innen. Wenn Sie so wollen, hat meine Arbeit nun mehr Fenster nach außen; denn das WTZ verfügt über wichtige externe Kooperationspartner, die mit eingebunden werden sollen, und das WTZ ist selbst Mitglied in wichtigen nationalen und internationalen Netzwerken. Das macht die Arbeit hier so interessant. 13 Sie wollen also, dass sich die unterschiedlichen Experten nicht aus- Herr Dr. Palm, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch.

14 p a n o r a m a 14 Neuer Internet- Auftritt des WTZ oder Seit dem 23. Dezember 2010 ist der neue Internetauftritt des Westdeutschen Tumorzentrums online. Der neue Auftritt wird mehr sein als eine elektronische Visitenkarte, wie WTZ-Geschäftsführer Dr. Stefan Palm betont. Patienten und interessierten Besuchern soll die neue Web-Präsenz eine bessere Orientierung bieten. Für WTZ-interne Experten sowie externe Kooperationspartner wird sie hoffentlich schon bald als Plattform für den fachlichen Austausch unverzichtbar sein. Patienten finden unter alles Wichtige zur WTZ- Ambulanz, zu Behandlungsprogrammen und Spezialsprechstunden sowie weitergehende Informationen zu einzelnen Krebs- und bösartigen Bluterkrankungen. Für alle Zielgruppen interessant sein dürfte das umfassende Veranstaltungsverzeichnis, in dem alle Fortbildungsund Informationsveranstaltungen des WTZ und seiner Kooperationspartner gelistet werden. Fachbesucher der neuen Website können darüber hinaus in einem nur für ärztliche Fachkreise zugänglichen Teil des Auftritts Patienten elektronisch anmelden oder auch kollegialen Rat einholen. In diesem Bereich findet sich auch das Verzeichnis der am WTZ durchgeführten Tumorkonferenzen, an denen man auch als externer Kooperationspartner teilnehmen kann. Nicht zuletzt kann man hier im Archiv des WTZ-Journals stöbern, dessen gedruckte Form viermal jährlich erscheint. Ein Internetportal lebt von der Interaktion mit seinen Benutzern. Rückmeldungen zur neuen Internetpräsenz sind deshalb ausdrücklich erwünscht. Schreiben Sie eine Mail an oder an Medizinisches Hörbuch Mit Lungenkrebs leben für Betroffene und Angehörige Die Reaktion ist einfach, dass man Angst hat, dass man einfach keinen Halt mehr hat, dass einem der Boden weggezogen wird. Patienten berichten über ihre ganz persönlichen Erfahrungen und ihren Umgang mit der Erkrankung. Das Hörbuch ist vergleichbar mit einer gut gemachten Radiosendung, die das Thema Lungenkrebs näher beleuchtet. In gut verdaubaren Einzelkapiteln erfährt der Hörer alles Wissenswerte über die verschiedenen Lungenkrebsarten, über das genaue Vorgehen bei der Diagnostik und über die derzeit verfügbaren Behandlungsoptionen. Aber das Hörbuch beschränkt sich nicht auf die Vermittlung nüchternen Wissens. Auch die spezielle psychische Belastung von Lungenkrebspatienten sowie die Unterstützungsmöglichkeiten, die eine psycho-onkologische Betreuung bietet, werden näher beleuchtet. Dieses Hörbuch ist eine Empfehlung für alle, die mit Lungenkrebs zu tun haben. Die CD ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag (www.lukon.de) erhältlich. Gesamtspieldauer: 47 Minuten ISBN: LUKON-Verlag, München Preis: 24,50 DFG fördert Lungenkrebsforschung am WTZ Mit Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten drei Jahren ein Forschungsprojekt am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) des Universitätsklinikums der Universität Duisburg-Essen. Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professor Dr. Martin Schuler in der Inneren Klinik (Tumorforschung) untersucht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie biologische Mechanismen des nicht kleinzelligen Lungenkrebses, genauer: von Adenokarzinomen, um eine individuell abgestimmte Krankheitsbehandlung zu ermöglichen.

15 p a n o r a m a Franceschetti-Syndrom: Essener Forscher finden zwei neue Gene Gesichtsveränderungen, wie nach außen abfallende Lidachsen, unterentwickelte Jochbögen, kleine fehlgebildete Ohren und ein kleines Kinn sind die auf fälligsten Kennzeichen einer vererb - baren Erkrankung namens Franceschetti-Syndrom (Treacher Collins-Syndrom). Bislang führte man sie nur auf Veränderungen in einem bestimmten Gen, TCOF1, zurück. Dass auch Defekte in zwei weiteren Genen (POLR1D und POLR1C) diese Krankheit verur sachen, haben jetzt 20 europäische Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Lohmann und Prof. Dr. Dagmar Wieczorek vom Institut für Humangenetik am Uni - versitätsklinikum Essen herausgefunden. Die renommierte Wissenschaftszeitschrift Nature Genetics publizierte ihre Ergebnisse in der Ausgabe vom 5. Dezember. Die Forscher kommen aus Essen, Regensburg, München, Mönchengladbach, Erlangen, Leiden, Nimwegen, Den Haag, Rotterdam, Manchester, Oviedo und Handaye. WTZ-Journal ISSN: by Westdeutsches Tumorzentrum Essen und LUKON- Verlagsgesellschaft mbh, München Redaktion PD Dr. med. Andreas Hüttmann (Redaktionsleitung, verantwortlich); Prof. Dr. med. Angelika Eggert; Günter Löffelmann, Ludger Wahlers ( ; Anschrift wie Verlag Anzeigen Manfred Just ( ; M. Anschrift wie Verlag Herausgeber Direktorium Westdeutsches Tumor - zentrum Essen WTZ) vertreten durch Frau Prof. Dr. med. Angelika Eggert Hufelandstraße 55, Essen, Verlag LUKON Verlagsgesellschaft mbh Landsberger Straße 380 a, München Fon: , Fax: Abonnement Das WTZ-Journal erscheint viermal jährlich zum Einzel preis von 4,00. Der Preis für ein Jahres abonne ment beträgt 15,00. Die genannten Preise verstehen sich zuzüglich Versand - kosten: Inland 3,00 ; Ausland: 12,00. Die Bezugsdauer beträgt ein Jahr. Der Bezug verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn es nicht spätestens sechs Wochen vor Ablauf des Bezugsjahres schriftlich gekündigt wird. Für Mitglieder des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ) ist der Bezug Impressum des WTZ-Journals im Mitgliedsbeitrag bereits enthalten. Layout, Gestaltungskonzept und Illustration Charlotte Schmitz, Haan Bildnachweis Alle Grafiken und Illustrationen: Charlotte Schmitz, Haan; Seite 5: Dr. Gernot M. Kaiser, Essen; Seite 8 (2 x): Dr. Wilfried Eberhardt, Essen; Seite 11: WTZ Essen; Seite 12: Dr. med. Stefan Palm, Essen Druck DDH GmbH, Hilden Printed in Germany Urheber- und Verlagsrecht Die Zeitschrift und alle in ihr ent - haltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Mit Annahme des Manuskripts gehen das Recht zur Veröffentlichung sowie die Rechte zur Übersetzung, zur Vergabe von Nachdruckrechten, zur elektronischen Speicherung in Datenbanken, zur Herstellung von Sonderdrucken, Fotokopien und Mikrokopien an den Verlag über. Jede Verwertung außerhalb der durch das Urheberrechtsgesetz festgelegten Grenzen ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. In der unaufgeforderten Zusendung von Beiträgen und Informationen an den Verlag liegt das jederzeit widerrufliche Einver ständnis, die zugesandten Beiträge beziehungsweise Informa - tionen in Datenbanken ein zustellen, die vom Verlag oder Dritten geführt werden. Auflage Exemplare Alle Behandlungsprogramme im Überblick Programm 1: Tumorerkrankungen des Magen-Darm-Traktes (Westdeutsches Magen-Darm-Zentrum) Kontakt: Frau Dr. T. Trarbach, Innere Klinik (Tumorforschung) Telefon: Mail: Programm 2: Tumorerkrankungen der Lunge und der Thoraxorgane (Lungenkrebs zentrum am Westdeutschen Tumorzentrum) Kontakt: Dr. W. Eberhardt, Innere Klinik (Tumorforschung) Telefon: Mail: Programm 3: Hämatologische Onkologie (Leukämien, Lymphome und Myelome) Kontakt: Prof. Dr. U. Dührsen, Klinik für Hämatologie Telefon: Mail: Programm 4: Gynäkologische Tumoren Kontakt: Prof. Dr. R. Kimmig, Klinik für Frauenheilkunde und Geburts hilfe Telefon: Mail: Programm 5: Neuroonkologie Kontakt: Prof. Dr. U. Sure, Klinik für Neuro chirurgie Telefon: Mail: Programm 6: Urologische Tumoren Kontakt: Prof. Dr. Dr. h.c. H. Rübben, Klinik für Urologie Telefon: Mail: Programm 7: Pädiatrische Hämatologie/ Onkologie Kontakt: Frau Prof. Dr. A. Eggert, Zentrum für Kinder und Jugendmedizin, Klinik für Kinderheilkunde III Telefon: Mail: Programm 8: Hauttumoren Kontakt: Prof. Dr. D. Schadendorf, Klinik für Dermatologie Telefon: Mail: Programm 9: Endokrine Tumoren Kontakt: Prof. Dr. K. Mann, Klinik für Endokrinologie und Zentrallabor, Bereich Forschung und Lehre Telefon: Mail: Programm 10: Kopf-/Hals-Tumoren Kontakt: Prof. Dr. S. Lang, Klinik für HNO-Heilkunde Telefon: Mail: Programm 11: Augentumoren Kontakt: Prof. Dr. N. Bornfeld, Zentrum für Augenheilkunde, Erkrankungen des hinteren Augenabschnitts Telefon: Mail: Programm 12: Knochen- und Weichteiltumoren Kontakt: PD Dr. G. Taeger, Klinik für Unfallchirurgie Telefon: Mail: und Programm 13: Knochenmarktransplantation Kontakt: Prof. Dr. D. W. Beelen, Klinik für Knochenmark - transplantation Telefon: Mail: Programm 14: Tumorerkrankungen des älteren Patienten, Geriatrische Onkologie Kontakt: Dr. W. Eberhardt, Innere Klinik (Tumorforschung) Telefon: Mail: 15

16 Immer für Sie da! Dr. Reinhold A. Kudielka Kooperation mit zum Mitvertrieb von Caphosol die starke Lösung bei oraler Mukositis a l i s.com

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