Der neue Masterstudiengang Rechtspsychologie an der Uni Bonn: Interview mit Prof. Dr. Rainer Banse

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1 12 Neues aus den Hochschulen Der neue Masterstudiengang Rechtspsychologie an der Uni Bonn: Interview mit Prof. Dr. Rainer Banse An der Universität Bonn soll ab dem Wintersemester 2013 ein berufsbegleitender Studiengang Rechtspsychologie eingeführt werden. In einem Interview stand Prof. Dr. Rainer Banse, Inhaber des Lehrstuhls Sozial- und Rechtspsychologie an der Universität Bonn und einer der Initiatoren des Studiengangs, Rede und Antwort. Das Interview führte Berenike Waubert de Puiseau. Der Masterstudiengang Rechtspsychologie Der Masterstudiengang ist ein berufsbegleitender zwei- bzw. dreijähriger Studiengang für Bachelor- oder Master- bzw. Diplom-Absolventen der Psychologie, die bereits mindestens ein Jahr qualifizierende Berufstätigkeit vorweisen können und sich für eine Tätigkeit als rechtspsychologische/r Gutachter/in oder im Vollzug interessieren. Die Studiengebühren belaufen sich auf 5000 pro Studienjahr (bei Master- oder Diplom-Absolventen entfällt das erste Jahr). In seiner Form ist der Studiengang in Deutschland bislang einzigartig. Die Akkreditierung des Studiengangs läuft zurzeit. Berenike Waubert de Puiseau: Lieber Herr Banse, vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns von dem neuen Studiengang zu erzählen, den Sie an der Universität Bonn ins Leben rufen möchten! Im Folgenden geht es vor allem um organisatorische und inhaltliche Aspekte des Studiengangs. Zunächst einmal die Frage, an wen sich das neue Masterprogramm eigentlich richtet? Rainer Banse: Der Studiengang Rechtspsychologie ist berufsbegleitend und als Weiterbildungsstudiengang konzipiert. Das heißt, zunächst einmal richtet er sich an Interessenten, die schon im Feld arbeiten und sich weiterqualifizieren möchten. Er richtet sich aber auch an Psychologen, die in anderen Feldern arbeiten wie bspw. einer Erziehungsberatungsstelle, und die gerne in das rechtspsychologische Feld wechseln möchten. Aus relativ vielen Anfragen von Interessenten weiß ich aber auch, dass viele Studierende sich einfach für das Feld Rechtspsychologie interessieren und nach einem Studienabschluss und vielleicht einigen Praktika gerne in dieses Berufsfeld gehen möchten. Auch für diese Personen ist es möglich, dieses Studienangebot zu nutzen. Idealerweise wäre es dann so, dass die bereits in einer Gutachtenpraxis oder im Vollzug oder in einer anderen Institution des rechtspsychologischen Bereichs gearbeitet haben oder einer Teilzeitbeschäftigung nachgegangen sind und dann eben dieses berufsbegleitende Studienangebot nutzen. BWdP: Aber die Studenten müssten ein Jahr komplett gearbeitet haben? RB: Es ist eine Vorgabe des nordrheinwestfälischen Hochschulgesetzes, dass solche Weiterbildungsstudiengänge Berufserfahrung voraussetzen. Allerdings wird diese Regelung nicht ganz so streng ausgelegt. So muss es sich bei der Berufserfahrung nicht unbedingt um eine bezahlte Berufstätigkeit handeln, sondern es kann auch ein Praktikum oder eine Teilzeitbeschäftigung sein. Zudem muss diese Berufstätigkeit auch nicht direkt im rechtspsychologischen Bereich erfolgt sein, es sollte sich aber schon um einen Psychologienahen Bereich handeln. Was den zeitlichen Aspekt angeht, so muss ein Jahr Berufstätigkeit zusammenkommen. BWdP: Soll der Master die Zertifizierung des Fachpsychologen Rechtspsychologie vom BDP ergänzen? RB: Es gibt eine vom Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) angebotene Ausbildung zum Fachpsychologen Rechtspsychologie. Das ist ein alternatives Modell einer sehr guten Weiterqualifizierung, die ebenfalls berufsbegleitend stattfindet, man

2 13 muss für die Zertifizierung also auch schon einer praktischen Tätigkeit nachgegangen sein. Die Weiterqualifizierung enthält große Praxisanteile. Unser Studiengang hingegen orientiert sich an Masterstudiengängen in Großbritannien, in den Niederlanden und auch anderen Ländern, wo ein solches Angebot eher universitätsbasiert ist und weniger Praxisanteile hat, dafür aber mit dem Erwerb eines Hochschulabschlusses endet. Es gibt also einen akademischen Grad und nicht nur eine Zertifizierung. Inhaltlich gibt es zwischen der Fachpsychologen-Weiterbildung und unserem Studiengang durchaus Überschneidungen. Aufgrund seiner universitären Ausbildung ist der Master etwas wissenschaftlicher ausgerichtet, versucht aber sehr praxisorientiertes Wissen zu vermitteln. Die Fachpsychologen-Weiterbildung hingegen hat stärkere Praxisanteile, die in die Ausbildung intergriert sind. Beides hat Vor- und Nachteile.. BWdP: Ist der Master eher forschungs- oder anwendungsorientiert? RB: Das Curriculum ist sehr, sehr reichhaltig. Wir versuchen, das empirische und theoretische Wissen in den jeweiligen Bereichen wie Vollzug, Kriminalität, Kriminalpsychologie und auch Begutachtung zu vermitteln. Damit ist die Ausbildung auch eine hervorragende Vorbereitung für eine eigene wissenschaftliche Tätigkeit. Diesem Aspekt wird in der Masterarbeit auch Rechnung getragen. Es ist zum Beispiel möglich, diese Arbeit komplett anwendungsorientiert, quasi als Gutachten-basierte Arbeit, zu schreiben. Aber wie in jedem normalen grundständigen Master kann man auch eine Forschungsarbeit durchführen und eine wissenschaftliche Veröffentlichung anstreben. Ich sehe es so, dass der Masterstudiengang für eine Berufstätigkeit sehr gut qualifizieren, aber durchaus auch die methodischen, empirischen und theoretischen Kenntnisse vermitteln soll, um selber in der Forschung tätig zu werden. BWdP: Richtet sich der Master dann eher an Studierende mit einem Bachelorabschluss oder eben auch an solche, die bereits ein Diplom oder einen Masterabschluss haben? RB: Beides ist möglich. Für Studierende, die einen Bachelorabschluss in Psychologie haben, bieten wir einen dreijährigen berufsbegleitenden Abschluss an, der mit einem etwas breiteren und grundlagenorientierteren Einstieg in die Angewandte Psychologie beginnt. Wenn jemand schon einen Master oder ein Diplom in Psychologie vorweisen kann, verkürzt sich die Studienzeit auf zwei Jahre und es geht direkt mit einer Einführung in die Rechtspsychologie los, die Fragestellungen sind also gleich sehr viel rechtpsychologischer und spezifischer. Somit können Bachelor- und Masterabsolventen ein angemessenes und auf sie zugeschnittenes Studienangebot wahrnehmen. BWdP: Wie genau unterscheiden sich die Inhalte, die Bachelorabsolventen vermittelt bekommen, von denen, die alle vermittelt bekommen? RB: Der Unterschied ist das erste Studienjahr. Für Studierende mit Bachelorabschluss in Psychologie haben wir ein zusätzliches Jahr mit dem Titel Grundlagen der angewandten Psychologie vorgesehen. In diesem Jahr werden Fächer wie Sozial- und und Organisationpsychologie, aber auch Methoden der Diagnostik und Evaluation sowie Vertiefungen in Entwicklungs-, Pädagogischer und Klinischer Psychologie unterrichtet. All diese Fächer sind Grundlagen, die für die Rechtspsychologie sehr wichtig sind. Rechtspsychologen haben zum Beispiel mit devianten Entwicklungsverläufen und Biographien zu tun, dafür ist es ganz wichtig, eine Idee zu haben, wie die normative Entwicklung abläuft. Rechtspsychologen wollen oftmals Verhalten verändern, dazu muss man wissen, wie normale Lernprozesse im Erwachsenenalter ablaufen. Dies hat beispielsweise die pädagogische Psychologie zum Gegenstand. Wir versuchen also, Bachelorabsolventen die wesentlichen Grundlagen zu vermitteln, die im Allgemeinen Masterund Diplompsychologen auszeichnen, da sie diese in ihrem Studium noch nicht hinreichend gelernt haben. Wir gehen davon aus, dass wir so die unterschiedliche Voraussetzungen von Studierenden mit verschiedenen Hochschulabschlüssen ausgleichen können. Wenn alle

3 14 Studierenden dann über etwa gleiches Vorwissen verfügen, können sie sich auf einem hohem Niveau mit den spezifischen Fragen der Rechtspsychologie beschäftigen. BWdP: Könnten Sie die Inhalte der anderen beiden Studienjahre, die von allen Studierenden absolviert werden, noch ein wenig genauer erläutern? RB: Für das dreijährige Studienprogramm geht es im ersten Jahr um die Grundlagen der Angewandten Psychologie. Im zweiten Studienjahr (bzw. im ersten Studienjahr für Studierende, die bereits einen Master oder ein Diplom haben) geht es dann um die Grundlagen der Rechtspsychologie. Das fängt an mit den rechtlichen Grundlagen und einer Überblicksveranstaltung. Aber auch die Teilgebiete wie z.b. die Psychologie der Polizei, wo auch einige rechtspsychologisch tätige Psychologen arbeiten, werden behandelt. Außerdem gibt es noch mal einen methodischen Schwerpunkt in der Diagnostik speziell mit einem Fokus auf der Exploration. Diese ist eine der wichtigsten Methoden der Rechtspsychologie, jedoch wird sie normalerweise an der Universität kaum gelehrt. Wir möchten das Explorationsgespräch als zentrale Methode gerne praxisnah unterrichten und auch üben, damit die Studierenden die Technik beherrschen. Im dritten Studienjahr gibt es dann die Spezialisierungsrichtung, entweder für Gutachten im Straf- und Zivilverfahren oder Psychologie im Straf- und Maßregelvollzug. Hier geht es dann also wirklich um die praktische Arbeit. In der Gutachtenvertiefung fokussieren wir also die Glaubhaftigkeitsbegutachtung bei Zeugenaussagen und familienrechtspsychologische Begutachtungen. Das sind die wichtigsten Betätigungsfelder in der rechtspsychologischen Begutachtung. Es gehören aber auch Randgebiete wie das Vormundschafts- und Betreuungsrecht dazu. Wichtig ist natürlich auch die Durchführung der Masterarbeit im letzten Studienjahr. In der Psychologie im Straf- und Maßregelvollzug geht es dann vor allem um die Therapie von Straftätern im Vollzug und Maßregelvollzug und die psychologische Begutachtung von Straftätern. Hier geht es vor allem um die Kriminalprognose und begutachtung und solche Fragestellungen, die im Vollzug sehr wichtig sind. BWdP: Aber die Voraussetzung ist schon ein Bachelor bzw. Master oder Diplom in Psychologie und nicht in einem vergleichbare Fach? RB: Ja! Das ist eine ganz wichtige strategische Entscheidung. Wir glauben, dass es sich bei der Rechtspsychologie um eine qualifizierte, anspruchsvolle und schwierige Tätigkeit handelt. Deshalb möchten wir Absolventen eines generischen Studiengangs Psychologie haben, die Kenntnisse in allen Teildisziplinen der Psychologie und ihrer Methodik haben. Es gibt vielleicht mal Grenzfälle, dass jemand Wirtschaftspsychologie oder eine andere angewandte Spezialisierung in der Psychologie studiert hat. In einem solchen Fall würde es darauf ankommen, wie viel psychologische Inhalte, insbesondere im Hinblick auf die Methoden der Psychologie, studiert wurden. Im Zweifelsfall ist es vielleicht doch möglich, diese Kandidaten zuzulassen. Grundsätzlich richtet sich das Angebot aber an Absolventen eines grundständigen Studiengangs in Psychologie, entweder auf Bachelor- oder Masterbzw. Diplomebene. BWdP: Die Message an solche Kandidaten, die einen Abschluss in Wirtschaftspsychologie o.ä. haben, ist diese, dass sie sich im Zweifelsfall einfach mal bewerben sollen, und dann werden ihre Bewerbungen geprüft? RB: Ja, genau. BWdP: Welche Kosten kommen auf die Studenten zu? RB: Der Studiengang wird komplett aus den Gebühren finanziert. Um das leisten zu können, brauchen wir einen Studienbeitrag von im Jahr. Also für den zweijährigen Studiengang würden sich die Kosten sich auf etwa für die Gebühren belaufen plus einige Kosten, die dazu kommen, wie etwa Fahrtkosten und Unterbringungskosten, wenn man an den Präsenzveranstaltungen hier teilnimmt.

4 15 Bachelor-Abschluss Master- oder Diplomabschluss 1. Studienjahr: Grundlagen der Angewandten Psychologie 2. Studienjahr: Grundlagen der Rechtspsychologie (1. Berufspraktikum) 3. Studienjahr: Spezialisierung Begutachtung in Straf- und Zivilverfahren Spezialisierung Wahl 3. Studienjahr: Spezialisierung Psychologie im Straf- und Maßregelvollzug Spezialisierung Struktur des Studiengangs BWdP: Haben Sie da eine Kooperation mit einer Jugendherberge oder einer ähnlichen Unterkunft? RB: Wir sind im Gespräch mit verschiedenen Fortbildungszentren, die sowohl günstige Übernachtungsmöglichkeiten bieten als auch eine Verpflegung, dass man während dieser langen Wochenende essen kann. Und wir hoffen, dass wir da kostengünstige und trotzdem sehr gute Angebote haben werden. BWdP: Vielleicht ein paar Sätze zu den Voraussetzungen wer wird zum Studiengang zugelassen? RB: Es gibt eigentlich nur zwei Kriterien für die Zulassung. Das eine ist ein Abschluss eines Studiengangs in Psychologie mit einer Abschlussnote von 2,5 oder besser, denn wir glauben, dass es für diese anspruchsvolle Tätigkeit wichtig ist, über gute Kenntnisse der Studieninhalte zu verfügen, damit man dann wirklich kompetent als eigenständig arbeitender Gutachter oder Mitarbeiter im Vollzug auch verantwortlich als Rechtspsychologe arbeiten kann. BWdP: Wird dann ausschließlich nach Note vergeben oder werden auch die Lebensläufe angeschaut und das Ausmaß der Erfahrung im rechtspsychologischen Bereich berücksichtigt?

5 16 RB: Formal werden neben der mindestens einjährigen psychologienahen Berufstätigkeit nur der Studienabschluss und die Mindestnote berücksichtigt. Dann werden so viele Studienplätze vergeben, wie vorhanden sind. Sollte die Nachfrage das Angebot an Plätzen übersteigen, entscheidet die Abschlussnote. Aber ich denke, dass es im Moment kein Problem sein sollte, einen Studienplatz zu bekommen, wenn man die Voraussetzungen erfüllt. BWdP: Wie hat man sich das Studienprogramm und das Curriculum vorzustellen? RB: Es gibt Präsenzphasen, doch diese finden ausschließlich am Wochenende statt. Der Studiengang ist so konzipiert, dass Teilnehmer, die voll berufstätig sind das Studium sinnvoll absolvieren können. Unter Umständen empfiehlt es sich, die Berufstätigkeit auf maximal 60% oder 70% zu reduzieren, um das Pensum zu bewältigen. BWdP: Gibt es denn, wenn man schon berufstätig ist, noch zusätzliche Praxisphasen? RB: Im zweiten und dritten Studienjahr sind Praktika vorgesehen, die auch relativ lang sind, um die neun Wochen. Aber das gilt natürlich vor allem für Teilnehmer, die nicht schon in diesem Feld berufstätig sind. Es ist ja auch möglich, während des Studiums einer ganz anderen Tätigkeit nachzugehen, die mit Psychologie nicht viel zu tun hat. Dann ist es aber eben wichtig, dass man im Rahmen eines Studiums einen Zugang zur rechtspsychologischen Praxis findet. Dies geht über ein Praktikum in einer rechtspsychologischen Praxis oder im Vollzug, das einem die Möglichkeit eröffnet, auch einen praktischen Zugang zur Studienmaterie zu bekommen. Wenn aber jemand schon in einer Gutachtenpraxis oder im Vollzug oder in einer ähnlichen Institution arbeitet, würden diese Praxisphasen natürlich angerechnet werden und es würde nicht noch ein zusätzliches Praktikum anfallen. BWdP: Was ist vorgesehen, was die Absolventen des Masters dann mit ihrem Studium machen? RB: Es gibt zwei Spezialisierungsrichtungen im letzten Studienjahr. Auf der einen Seite steht die Spezialisierung Gutachten im Straf- und Zivilverfahren, die sich an all jene richtet, die als sachverständige Gutachter vor Gericht tätig werden möchten. Auf der anderen Seite gibt es die Spezialisierung Psychologie im Straf- und Maßregelvollzug. Hier ist eben eine Tätigkeit im Vollzug angestrebt. Diese beiden Spezialisierungen entsprechen faktisch den zwei Hauptberufsfeldern in der Rechtspsychologie. Die jeweilige Spezialisierungsrichtung soll die Absolventen qualifizieren, sehr schnell selbstständig in diesen Berufen tätig zu werden. Dabei muss ich jedoch einschränkend hinzufügen, dass ich für eine Gutachtentätigkeit sehr empfehlen würde, die Anbindung an etablierte rechtspsychologische Gutachtenpraxis zu suchen und mit Unterstützung eines erfahrenen psychologischen Sachverständigen die eigene Gutachtentätigkeit aufzunehmen. BWdP: Gibt es denn schon Kooperationspartner, zum Beispiel JVAs, die Praktikanten nehmen würden? RB: Wir haben gute Kontakte zu einer ganzen Reihe von Institutionen, sowohl Gutachtenpraxen als auch im Vollzug. Allerdings möchten wir es schon den Studierenden überlassen, je nach ihren Bedürfnissen auch wo sie zu Hause sind etc. Anbindung zu suchen. Wir erleichtern das, aber wir geben keine Praktikumsplätze vor. Aber ich denke, wir haben sehr gute Kontakte, die es erleichtern werden, Praktikumsplätze zu finden, wenn die Studierenden nicht schon selbst eine Anbindung haben. BWdP: Wer sind die Dozenten? RB: Wir haben uns sehr bemüht, eine ganze Reihe von hochqualifizierten Experten für den Studiengang zu gewinnen. Das sind zum Teil Hochschullehrer, die vor allem die grundständigen Fächer, also z.b. Methoden der Diagnostik und Evaluation, lehren. Und wir

6 17 haben Dozenten, die ein starkes praktisches Profil haben, also selbst als Gutachter vor Gericht oder im Maßregelvollzug tätig sind. In der Regel sind es entweder Hochschullehrer, die eine sehr gute und große Erfahrung in der akademischen Lehre an der Hochschule haben. Oder es sind Dozenten, die einerseits als Praktiker arbeiten, aber die auch wissenschaftlich ausgewiesen sind. Kurzum, die Dozenten sind eigentlich durchgängig promoviert oder Professoren, arbeiten aber sehr stark in der Praxis. Wir möchten sicherstellen, dass die Dozenten selbst auch über das praktische Wissen verfügen, das die Studenten brauchen, um in diesem Bereich selbst beruflich erfolgreich zu sein. BWdP: Was hat Sie dazu bewegt, einen Masterstudiengang Rechtspsychologie ins Leben zu rufen? RB: In der Fachgruppe Rechtpsychologie bei den in Deutschland tätigen Rechtspsychologen gibt es schon lange die Diskussion, dass die Rechtspsychologie an der Universität immer mehr an Boden verliert, dass die immer schon nicht sehr zahlreichen Angebote weiter eingeschränkt wurden durch die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge. Ich denke, dass es einfach wichtig ist, diesen Zweig an der Universität weiter zu verfolgen, eben gerade mit einer universitären Anbindung. Ich habe ja einige Jahre in England gelebt und dort in einem Masterkurs in Applied Forensic Psychology gelehrt. Dort habe ich viele Anregungen mitgenommen. Ich denke, dieses Ausbildungsangebot des Masterstudiengangs ist einfach zeitgemäß, weil es auf die Bachelor- und Masterstruktur Bezug nimmt. Es soll das universitäre Angebot im Bereich Rechtpsychologie ergänzen. Es gibt ja bereits einige Angebote in Psychologiestudiengängen wie z.b. in Berlin, in Kiel und in Bonn. In Heidelberg ist ein Masterstudiengang an einer privaten Fachhochschule in Vorbereitung. Aber ein richtiger universitärer Master Rechtspsychologie sollte eigentlich vielen rechtspychologisch interssierten Psychologen entgegenkommen und würde diese Lücke eines fehlenden universitären Ausbildungsangebots schließen. BWdP: Die existierenden Angebote gibt es bislang also nur im Rahmen grundständiger Psychologie-Studiengänge? RB: Ja genau. Häufig sind es auch nur wenige Module im Bereich Rechtspsychologie und das reicht eigentlich nicht als eine berufliche Qualifikation. Es muss dann noch sehr viel nachgeholt werden, bspw. über die Fachpsychologen-Weiterbildung. Ich denke, es ist einfach Zeit, diese Lücke durch ein universitäres Angebot zu schließen. BWdP: Die Weiterbildung zum Fachpsychologen Rechtspsychologie ermöglicht es ja auch den Richtern zu erkennen, wer über fachlich fundiertes Wissen im Bereich der Rechtspsychologie verfügt. Der Master würde dies entsprechend auch signalisieren? RB: Wir hoffen hier eben eine optimale Qualifikation zu bieten, sodass dann Sachverständige vor Gericht, aber auch Psychologen im Vollzug gut vorbereitet sind und wirklich ein breites und fundiertes Wissen vorzuweisen haben. Das wird sich dann vor Gericht und im Vollzug bemerkbar machen. BWdP: Was macht den Masterstudiengang besonders abgesehen davon, dass man Rechtspsychologie studieren kann, was sonst in Deutschland ja fast nicht möglich ist? RB: Es sind verschiedene Dinge. Der Studiengang bietet ein komplettes Ausbildungsangebot an einer Universität, ist aber sehr praxisbezogen und eben berufsbegleitend, sodass man dieses Studienangebot eben nicht nur als Vollzeitstudent, sondern auch wenn man schon im Berufsleben steht oder wenigstens teilzeitbeschäftigt ist, nutzen kann. Man kann sozusagen parallel zu seiner beruflichen Karriere die Weiterqualifikation absolvieren und diese dann mit einem Hochschulabschluss krönen. BWdP: Nnoch mal zusammengefasst: Warum sollte man den Master Rechtspsychologie studieren? Was hebt den Studiengang von anderen ab? Was ist

7 18 die Empfehlung an die Studenten, die sich jetzt überlegen, sich zu bewerben? RB: Ich denke, dieser Studiengang bietet in einer sehr kompakten Weise eine sehr vollständige, reichhaltige und akademisch fundierte Ausbildung für den Bereich Rechtspsychologie an, die qualifiziert, in diesem Beruf zeitnah auch tatsächlich zu arbeiten. BWdP: Besser und schneller kriegt man das nicht hin? RB: Es gibt natürlich Alternativen, aber wenn man als Bachelorabsolvent einen Fuß schon im Beruf hat, dann kann man innerhalb von drei Jahren diese Qualifikation erwerben. Bei allen anderen Angeboten muss man erstmal einen grundständigen Masterstudiengang absolvieren, bevor man dann die Fortbildung zum Rechtspsychologen anstreben kann. Das wird in aller Regel drei Jahre länger dauern und letztlich teurer werden. BWdP: Herr Banse, vielen Dank für dieses Gespräch! Wie wünsche Ihnen und Ihren Kollegen einen guten Start mit dem Masterstudiengang und sind gespannt, wie sich die Dinge entwickeln! Detailierte Informationen zum Studiengang können auf der Website oder auf der Facebook-Website https://www.facebook.com/rechtspsychologie?fref=ts eingesehen werden. Das Interview wurde am 21. November 2012 an der Universität Bonn geführt. Prof. Dr. Rainer Banse ist seit 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Sozial- und Rechtspsychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er promovierte 1995 an der Universität Genf, war Dozent an der University of York und ist seit 2012 Mitglied des Correctional Services Advisory and Accreditation Panel des National Offender Management Service im Justizministerium des Vereinigten Königreiches. Prof. Dr. Banse forscht überwiegend zu indirekten Maßen sexueller Präferenz und Aggressivität sowie Zufriedenheit und Partnerattraktivität in gegen- und gleichgeschlechtlichen Beziehungen sowie arrangierten Ehen. Außerdem ist er Teil des BMBF-geförderten MiKADO-Projekts zur Erforschung von Missbrauch an Kindern.

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