Prof. Ray Bull - Ein Gastvortrag. an der SRH Hochschule Heidelberg. Metakognitive Aspekte von Vergewaltigungsmythen, eine Artikelzusammenfassung

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1 Ma rz 2013 NEWSLETTER fü r Psychologiestüdierende mit Interesse an Rechtspsychologie Ψ Prof. Ray Bull - Ein Gastvortrag Introducing: Akademische Vereinigungen in der Rechtspsychologie S. 7 an der SRH Hochschule Heidelberg Metakognitive Aspekte von Vergewaltigungsmythen, eine Artikelzusammenfassung S. 22 Aktuelle Forschung: Zeugenvernehmung von kindlichen Missbrauchsopfern S. 29 S. 4 Konsekutiver Masterstudiengang Rechtspsychologie Gesichter der Rechtspsychologie stellen sich vor: Hedwig Eisenbarth Udo Undeutsch - Ein Nachruf S. 13 S. 27 Rechtspsychologische Konferenzen der S. 35 kommenden Monate S. 33

2 2 Vorwort Liebe Leserinnen und liebe Leser, es ist wieder so weit ein Newsletter liegt fertig in meinen Händen und muss nur noch um ein Vorwort ergänzt werden. Es hat sich personell in der Redaktion ein wenig getan. Da die Erstellung eines solchen Newsletters viel Arbeit macht und entsprechend sehr viel Zeit kostet, bin ich sehr froh und dankbar, mit Arvid Hofmann und Carolin Meschede zwei großartige Unterstützer im Rücken zu haben und aus dem Solo- ein Team-Projekt machen zu können. Ohne die beiden wäre dies vermutlich ein Mai- oder Juni- Newsletter geworden, was nicht nur aufgrund der Deadline für den Nachwuchsförderpreis der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs, die am endet, sehr schade gewesen wäre. Wie schon im Dezember lebt dieser Newsletter aber vor allem von zahlreichen Personen, die sich bereit erklärt haben, Beiträge zu verfassen. Mein Dank geht an Dr. Hedwig Eisenbarth, die trotz ihres nur kurz zurückliegenden Umzugs von Deutschland in die USA die Zeit gefunden hat, uns ihren sehr spannenden Werdegang in der forensischen Psychologie zu schildern. Yuki Salmon hat mich und damit die liste nicht nur über den Vortrag von Prof. Ray Bull am Forensischen Institut der Berliner Charité informiert, sondern auch einen wunderbaren Beitrag über seinen Besuch geschrieben. Ich bin begeistert von dieser Initiative und bedanke mich herzlich. Bedanken möchte ich mich auch bei Pascale Reinke und Carolin Meschede, die für die Leserschaft zwei sehr spannende neue Forschungsartikel zusammengefasst haben. Um den Leserinnen und Lesern dieses Newsletters aufzuzeigen, wie weit das Feld der Rechtspsychologie ist und welche Möglichkeiten es gibt selbst aktiv zu werden oder auch einfach nur teilzuhaben, stellen sich zahlreiche wissenschaftliche Assoziationen und Gesellschaften aus aller Welt vor. Mein Dank gilt den Ansprechpartnerinnen und -partnern, die meiner Bitte nachgekommen sind, mir ein paar Worte zu schicken. 500 Mitglieder. In Anbetracht der Tatsache, dass dies rund drei Mal so viele Mitglieder wie in der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs sind, kann man fast von hellem Wahnsinn reden. Diese große Anzahl steht jedoch in einem krassen Missverhältnis zu dem Angebot, das deutsche Universitäten im Bereich der Rechtspsychologie machen. So dominiert das Thema Studienmöglichkeiten Rechtspsychologie in Deutschland die Beiträge auf der liste seit ihrer Gründung. Mit dem M.Sc. Rechtspsychologie an der SRH Hochschule Heidelberg wird nun neben dem Bonner der zweite Studiengang in diesem Bereich ins Leben gerufen, jedoch sind die dort angebotenen Plätze wohl kaum genug, um dem Interesse und dem Bedarf an gut ausgebildeten Rechtspsychologen nachzukommen. In der aktuellen Ausgabe des Newsletters steht Prof. Dr. Niels Habermann, Studiendekan Rechtspsychologie der SRH Heidelberg Rede und Antwort zu dem neuen Studiengang. Ich danke ihm sehr für die Zeit, die er sich für das Interview genommen hat, und die Bereitschaft, umfassend Informationen für die Leserschaft zusammenzutragen. Wenn wir die Studierenden der Psychologie und damit die zukünftigen Wissenschaftler, Gutachter, Forensischen Psychologen etc. unser Fach stärken wollen, müssen wir uns vor allem auf die Kommunikation konzentrieren. Es liegt an uns, ein zunächst deutschlandweites (und später auch Europa oder die Welt umfassendes) Netz zum Ideen- und Informationsaustausch aufzubauen und zu pflegen. Dieser Newsletter kann ein Teil dieses Netzwerks sein. Damit ich auch weiterhin Newsletter zusammenstellen und verbreiten kann, brauche ich Eure Unterstützung. Außerdem wünsche ich mir noch mehr Diversität und den Einfluss anderer Köpfe auf Dauer wird der Newsletter sonst zu einseitig. Ich lade Euch deshalb noch einmal herzlich ein, mir Beiträge zu schicken, und bin gespannt darauf, was Ihr produziert. Habt viel Spaß beim Lesen und startet gut ins kommende Sommersemester! Die liste (https://wwwmail.uni-duesseldorf.de/ mailman-lists/listinfo/psychlaw-stud) hat mittlerweile fast Viele Grüße aus Düsseldorf von Nike

3 3 Das Newsletter-Team am Ende der Redaktionsarbeit v.l.n.r.: cand.psych. Arvid Hofmann, Dipl.-Psych. Berenike Waubert de Puiseau, cand.psych. Carolin Meschede Kontakt: Dipl.-Psych. Berenike Waubert de Puiseau Diagnostik und Differentielle Psychologie Institut für Experimentelle Psychologie Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Universitätsstr Düsseldorf t.: +49 (0) bwdp-at-uni-duesseldorf.de

4 4 Ein Gastvortrag von Herrn Professor Ray Bull, Professor of Forensic Psychology an der University of Leicester Am hielt Professor Ray Bull im Rahmen des Kolloquiums der Forensischen Psychiatrie und Psychologie am Institut für Forensische Psychiatrie, Berlin, einen Vortrag zum Thema Research on helping to improve the interviewing of suspects. Ray Bull, Professor für Forensische Psychologie an der Universität Leicester, England, spezialisierte sich in seiner mehr als 25-jährigen Karriere in der Wissenschaft auf den Bereich Investigative Interviewing und beschäftigt sich mit den psychologischen Aspekten der Vernehmungssituation. Er ist Autor des Buches Psychologie der Vernehmung, das zum ersten Mal in den 90er Jahren in England veröffentlicht und inzwischen schon in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Seine Forschung trug dazu bei, dass die Vernehmungspsychologie immer mehr an Relevanz gewinnt. Durch seine enge Zusammenarbeit mit Polizeibeamten und den Behörden in England schafft er es, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse anerkannt und in die Praxis umgesetzt werden. Sein Anliegen für diesen Gastvortrag war es, uns zu veranschaulichen, welchen Einfluss die Forschung im Bereich der Vernehmungspsychologie auf die praktische Tätigkeit von Polizeibeamten hat. Lange Zeit wurde die Psychologie der Vernehmung sowohl von der Wissenschaft als auch von den Berufen, in denen die Vernehmung eine wichtige Rolle spielt, vernachlässigt. Die Art und Weise, wie Verdächtige vernommen werden, wurde nicht wissenschaftlich untersucht. Nicht unüblich war es unter Polizeibeamten, ein Geständnis zu erzwingen wenn nötig mit allen möglichen Druckmitteln. So verbreitete sich in der Gesellschaft auch ein negatives, wenig humanes Bild von Vernehmungssituationen. Man findet viele Ratgeber, verfasst von erfahrenen Polizeibeamten, deren Ratschläge nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, sondern lediglich auf deren vermeintlichem Erfolg in Vernehmungen, Geständnisse zu erlangen. Statt Trainingsprogramme für Vernehmungssituationen einzuführen, war es üblich, auf die Erfahrung der Polizeibeamten zu vertrauen. Auf der anderen Seite wurden Fälle öffentlich, in denen unschuldige Menschen ihrer Freiheit beraubt wurden, da sie ein erzwungenes Geständnis abgaben. Dies lässt die Arbeit von Polizeibeamten anzweifeln in dem Sinne, dass die Methoden, mit denen die Polizeibeamten Geständnisse erzeugen, eventuell nicht effektiv, wenn nicht sogar kontraproduktiv sein könnten. Immerhin ist die Vernehmungssituation essenziell für die Erkenntnisgewinnung und ausschlaggebend für das richterliche Urteil. Mit der Einführung der Regelung in den 80er Jahren, dass jede polizeiliche Vernehmung aufgenommen werden muss, begannen auch die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen und nationale Reviews zu Vernehmungssituationen. Aus der engen Zusammenarbeit von Polizeibeamten und Psychologen entstand die Einführung der Sieben Prinzipien der Vernehmungssituation, welche vom Home Office, die dafür verantwortliche Behörde in England, 1992 veröffentlicht wurde. Aus denen geht unter anderem hervor, dass das primäre Ziel einer Vernehmung nicht das Erlangen eines Geständnisses sein sollte, sondern vielmehr die Gewinnung von akkuraten, relevanten Informationen mittels unvoreingenommener Einstellung gegenüber den Verdächtigen. Es entstand eine Arbeitsgruppe, bestehend aus erfahrenen Polizeibeamten und Psychologen, die gemeinsam neue, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Vernehmungsmethoden erarbeiteten. Ein Trainingsprogramm, das aus dieser Bewegung entstand, nennt sich PEACE Approach. Diese Methode besteht aus den folgenden 5 Phasen: Planning and Preparation: Die ausführliche Vorbereitung auf die bevorstehende Vernehmung mit der Zusammenstellung aller bis dahin erlangten relevanten Informationen Engange and Explain: Das Ermutigen der Verdächtigen und die Einführung in die Vernehmungssituation Account: Das Erlangen eines Berichts mittels offener Fragen und Unvoreingenommenheit Closure: Der Abschluss der Vernehmung inklusive Zusammenfassung des Berichts des Verdächtigen Evaluation: Die Evaluation der Vernehmungssituation und die Überprüfung der erlangten Informationen Aktuell entwickelt Herr Professor Ray Bull einen neuen Vernehmungsansatz, in der neue wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem im Bereich der Beweispräsentation, integriert wurden. In Vernehmungssituationen werden häufig Personen befragt, die aufgrund von relevanten Hinweisen verdächtigt werden. Bisher wurde jedoch wenig erforscht, wie solche Informationen innerhalb einer Vernehmung zum Einsatz kommen. In einer seiner Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die schrittweise Präsentation solcher Beweismaterialien während eines Interviews, im Ge-

5 5 gensatz zur späten oder frühen Präsentation, zu der höchsten Rate an aufgedeckten Lügnern führte und dass diese Methode für die Probanden kognitiv am anspruchsvollsten war. Sein neuer Ansatz, GRIMACE Approach, erweitert den PEACE Approach in dem Punkt, dass die Vernehmung mit schrittweiser Präsentation von relevanten Beweisen erfolgen soll. Sowohl der GRIMACE als auch der PEACE Approach wurden von verschiedenen Polizeibehörden erfolgreich eingeführt und finden auch international immer mehr Anerkennung. konnte, habe ich eine Liste mit relevanter Literatur zusammengestellt: Bull, R. & Milne, R. (2003). Psychologie der Vernehmung. Die Befragung von Tatverdächtigen, Zeugen und Opfern. Bern: Hans Huber. Bull, R. & Milne, R. (2004). Attempts to improve police interviewing of suspects. In G. D. Lassister (Hrsg.): Interrogations, confessions and entrapment. New York: Plenum. Herr Professor Ray Bull beendete seinen Vortrag mit dem Satz I hope that this presentation has demonstrated the impact that research is having on the improving of interviews with suspects. Für mich, eine Psychologiestudentin, die sich bis zu dem Zeitpunkt nicht mit der Vernehmungspsychologie beschäftigt hatte, war dieser Vortrag von Herrn Professor Ray Bull ein Anlass, mich in die einführende Literatur der Vernehmungspsychologie einzulesen, denn er hat mir wieder einmal vor Augen geführt, welche praktische Relevanz wissenschaftliche Forschung hat. Für diejenigen, deren Interesse ich nun auch durch diese kleine Einführung in die Vernehmungspsychologie wecken Bull, R. Valentine, T. & Williamson T. (2009). Handbook of psychology of investigative interviewing. Chichester: Wiley. Clarke, C., Milne, R. & Bull, R. (2011). Interviewing suspects of crime: The impact of PEACE training, supervision, and the presence of a supervisor. Journal of Investigative Psychology and Offender Profiling, 8, Weitere Literatur findet man auch auf der Universitätsseite von Herrn Professor Ray Bull (http://www2.le.ac.uk/ departments/psychology/ppl/rhb10). Es werden alle Publikationen genannt, auch mit der Anmerkung, dass er bereit ist, seine Studien nach Anfrage gern per Mail zu schicken. v.l.n.r.: Yuki Sallmon (Studentin der Psychologie an der FU Berlin und Autorin dieses Textes), Prof. Ray Bull und Prof. Renate Volbert (außerplanmäßige Professorin an der FU Berlin und Leiterin des Kolloquiums der Forensischen Psychiatrie und Psychologie am Institut für Forensische Psychiatrie an der FU Berlin)

6 6 Posterpreis für Studierende Unter dem Motto Forschen, Evaluieren, Anwenden findet vom 18. bis 20. September 2013 die 15. Fachgruppentagung Rechtspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Bonn statt. Zum ersten Mal vergibt die Fachgruppe dieses Jahr einen Preis für das beste studentische Poster! Posterbeiträge können vom bis eingereicht werden. Alle von Studierenden vorgestellten Poster nehmen automatisch teil. Voraussetzung ist, dass der/die Erstautor/in an einer Universität eingeschrieben und auf der Konferenz anwesend ist. Kriterien sind: Inhalt der Studie (Innovation, Relevanz, methodische Versiertheit) Verständlichkeit der Präsentation der Studie Design des Posters Der Preis ist mit einem Preisgeld dotiert (1. Platz 200, 2. Platz 100 )! Bitte weisen Sie Studierende auf den Posterpreis hin und ermutigen Sie sie, einen Beitrag für die Konferenz einzureichen. Für Studierende gelten vergünstigte Teilnahmegebühren (early bird Rate bis zum 30. Juni 2013: 40, danach 60 ). Darüber hinaus wird es auf der Konferenz Veranstaltungen zur Förderung der Vernetzung unter den Studierenden der Rechtspsychologie geben. Weitere Informationen erhalten Sie vom Organisationsteam (Ansprechpartner: Prof. Dr. Rainer Banse, sowie auf der Tagungswebsite Wir sind gespannt und freuen uns auf zahlreiche Posterbeiträge!

7 7 Introducing: Akademische Vereinigungen in der Rechtspsychologie EAPL-S (European Association of Psychology and Law) The EAPL-S is a motivated team of international scholars in psychology and law, and we are pleased to offer both a strong community and a number of valuable resources to our members. By building bridges between students and professionals in psychology and/or law throughout the world, the EAPL-S hopes to support the students of today and the scientific community of tomorrow. As part of this support, we provide funding opportunities to increase student mobility and research to students around the world. This year we have 6 merit-based awards available at the upcoming EAPL conference in Coventry, and we have a competitive small research grant available to support promising research conducted by students. We also encourage collaborations between students and provide opportunities to guest author our APA distributed peer-reviewed articles, in addition to providing opportunities to be part of our peer-review process. We also establish student-oriented events and information sessions at the annual EAPL conference. This year we will be hosting a special symposium on publishing and grant writing targeting students and early career professionals, presented by leading experts in the field. We also provide publications and resources specifically targeting students and early career professionals on our website, including being the web's best source for information on studying psychology and law internationally, and finding a job in psychology and law around the world. Finally, we provide opportunities for students to network with other students in the field and to meet their favourite experts at the annual EAPL conference. By joining the EAPL as a student member (discounted rate), you automatically become a member of the EAPL-S and gain access to all of these funding and networking opportunities. If you are a motivated student in any field related to Psychology and Law, we would love to welcome you as a member of our student society. Julia Shaw University of British Columbia Kelowna, BC, Canada V1V 1V7 EAPL-S Founder and President AP-LS (American Psychology Law Society) Message from the American Psychology-Law Society Student Section Committee Chair: The American Psychology-Law Society (AP-LS) is a division within the American Psychological Association and is primarily concerned with investigating the relationship between psychology and the law. The Student Section Committee of AP-LS mirrors this goal but also provides students with information concerning internships, fellowships, grants, research, teaching, clinical training and other resources. We would like to encourage your to take advantage of the resources we offer from our website (www.ap-ls.org/students) and become a fan of our Facebook page to stay up to date on all of our initiatives (search American Psychology-Law Society Student Section on Facebook). One resource that may be of particular interest to you would be our Interviews: The AP-LS Student Section Officers asked psychologists who currently work in the field of psychology and the law to offer students and new psychologists in the field some advice. If you have any questions about AP-LS, please do not hesitate to ask! Alana N. Cook Simon Fraser University Burnaby, BC, Canada V5A 1S6 Chair, APA Div. 41 (AP-LS), Student Section Committee

8 8 ISJR (International Society for Justice Research) The International Society for Justice Research (ISJR) is a scientific organization dedicated to the interdisciplinary study of justice and the related phenomena of morality and ethics. ISJR fosters international and interdisciplinary collaboration and promotes the exchange of new ideas, research, and theories relevant to justice and related phenomena. ISJR facilitates such collaboration and exchange through the conduct of biennial scientific conferences, the publication of a scientific journal (Social Justice Research), regular newsletters, and informal discussion by means of a listserv. Through these activities ISJR connects scholars in a wide variety of disciplines and geographic locations who are all focused on the study of justice. ISJR is a scientific organization of moderate size but representing many of the key social scientists working in the area of justice. Its biennial conferences are always a highlight. Marked by a collegial and friendly atmosphere, they provide a great platform for exchange and discussion. The next meeting in June 2014 will be in New York and should be particularly exciting! Aside from the conferences, ISJR has a quarterly newsletter where members can post any relevant news items, as well as a listserv which anyone can join, whether they are members or not. However, for students the ISJR membership fees are very low anyhow: $10 per year, or $40 per year including a year s subscription to ISJR s official journal: Social Justice Research (for information about the journal go to It is easy to become a member: And in order to subscribe to the ISJR listserv, go to https://listserver.flinders.edu.au/mailman/listinfo/isjr_list For more information about ISJR visit our website: Michael Wenzel, PhD Flinders University Adelaide, SA 5001, Australia ISJR - International Society for Justice Research President SPSSI (Society for the Psychological Study of Social Issues) SPSSI is an international association of approximately 3000 psychologists, allied scientists, and others who are interested in the application of research on the psychological aspects of important social issues to public policy solutions. SPSSI's Graduate Student Committee represents graduate student interests to the association and serves as a voting party on SPSSI Council. SPSSI offers many financial aid opportunities to students in the form of research grants, policy fellowships, and travel awards. For more information about SPSSI, please find us on Facebook through this link (www.facebook.com/ SPSSIGraduateStudents) or simply search for "SPSSI Graduate Students". Kala J. Melchiori Loyola University Chicago Chicago, IL 60660, USA Chair Graduate Students Committee, SPSSI

9 9 ATSA (Association for Treatment of Sexual Abusers) My name is Leslie Helmus. I am a PhD student in forensic psychology at Carleton University in Ottawa, Canada. I am also the student representative for the Association for the Treatment of Sexual Abusers (ATSA). Over the years I have been amazed at ATSA s dedication to welcoming students into this field and promoting their professional development. They offer students some of the best discounts for conference attendance and membership that I have seen in any professional organization. Membership costs $35 USD for students (compared to $180 for non-students), and with this membership students receive the same level of benefits as other members. These benefits include (among many others) access to a list-serve where professionals from around the world share resources and best practices on a daily basis (there is also an additional list-serve just for students), a database where students can identify and connect with agencies/ professionals who have access to data and are potentially willing to collaborate, free subscription to Sexual Abuse: A Journal of Research and Treatment, and online access to Sage s criminology journal collection. Membership also provides discounts for registering for the annual ATSA conference. I cannot recommend this conference highly enough for any students interested in this field. Depending on the location, between 1,200 and 2,000 people attend every year. They receive a large number of submissions each year, resulting in an amazingly diverse collection of the highest-quality presentations (never at any other conference have I had so many difficult decisions about which talks to attend!). The conference is a wonderful place to meet other students from across the world, as well as all the leading researchers and clinicians in the sex offender field. The ATSA conference offers an outstanding experience on both the social and professional level. On the social level, I have been attending the ATSA conference for 7 years now and have made lasting friendships with many students (most from Europe, actually) these friendships have led to amazing collaborative experiences as well as some fantastic trips in Europe. At a professional level, I have met and networked with some of the most amazing people in the field. ATSA works particularly hard to make the conference as accessible as possible to students. I think one of the best things that the conference has to offer is the student reception they hold each year. All student conference attendees are invited to this special event (with free food!) and ATSA also invites nearly 100 of the most successful people in all different domains of the sex offender field. If you can think of the top 10 sex offender researchers you have been reading and are dying to meet, I suspect most of them will be at this reception, and their sole goal for the evening is to get to know you. The experts in the field who attend this event are incredibly generous with their time and are happy to provide all kinds of information and career advice to the students they meet. Often at these student receptions, the experts outnumber the students! This is a unique opportunity where they are free from all other distractions at the conference and are available just for you. For most students, this reception is the highlight of their conference experience, and is worth the travel alone! Now is a great time to become a member of ATSA. The ATSA Board of Directors has always been committed to attracting and mentoring students, but in particular they have set a goal to attract more international members. This year s conference is in Chicago from October 30 to November 2 nd and I hope to see you there!. ATSA also offers several scholarships/ grants that can help with the cost of travel. More information about ATSA, their scholarships/awards, and the conference can be obtained from their website, Additionally, you are welcome to contact me with any additional questions. Leslie Helmus Carleton University Ottawa, ON, Canada K1S 5B6 Student Rep, Association for the Treatment of Sexual Abusers

10 10 LSA (Law and Society Association) The Law and Society Association is an interdisciplinary scholarly organization committed to social scientific, interpretive, and historical analyses of law across multiple social contexts. For sociolegal scholars, law is not only the words of official documents. Law also can be found in the diverse understandings and practices of people interacting within domains that law governs, in the principled claims that different people make for legal redress of grievances and injustices, and in the coercive power exercised to enforce lawful order. Sociolegal scholars also address evasions of law, resistance and defiance toward law, and alternatives to law in structuring social relations. Approximately every five years we hold an international meeting that is co-sponsored by sociolegal organizations from several countries. In pursuit of our core vision, LSA is committed to: Supporting scholarly research and publishing in the field of sociolegal studies, broadly defined Bringing together present and future scholars across disciplines, across countries and regions, and across theoretical and methodological traditions Recognizing outstanding examples of sociolegal research Assisting members in developing their academic careers Promoting the study of law as part of a liberal education Disseminating sociolegal research about important public issues to a broad array of audiences Advocating the causes of diversity and inclusion in academic and social life Decentering the United States in intellectual analysis and organizational activity LSA does not have a special section for students, but we welcome graduate students to submit papers to our annual meeting and to participate in other ways in our organization. Most years we have a Graduate Student Workshop for a day and a half prior to the annual meeting. Admission is competitive, and some financial support is provided those accepted. Graduate students also get involved in our Collaborative Research Networks (http://www.lawandsociety.org/ crn.html), informal scholarly groups on a wide range of topics. One CRN in which I know a number of psychologists are involved is Lay Participation in Legal Systems. Its website is at lay_participation_in_law/. The program is complete for our 2013 meeting in Boston, Massachusetts, on May 30-June 2, but registration for attendance is open for a few more months. We would welcome you at our next meeting in Minneapolis, Minnesota, on May 29-June 1, 2014, which will be our 50 th anniversary. You can create a profile in our database for no cost (https://netforum.avectra.com/eweb/dynamicpage.aspx?site=lsa&webcode=verify), which will ensure you receive information about upcoming events. If you have other questions, Susan M. Olson, Ph.D University of Utha Salt Lake City, UT 84112, USA Executive Officer, Law and Society Association

11 11 IACA (International Association of Crime Analysis) What is the IACA? We are a non-profit, 501(c)(3) professional association made up of criminal justice professionals. The IACA Executive Board and various committee positions are filled by individuals working in the field who volunteer their time to improve the profession. We offer training, literature, support, and other services at nominal rates to cover costs and support our members' agencies. What is Crime Analysis? Crime analysis is not just about data, mapping, and statistics. It is about interpreting data to help law enforcement to interfere with crime patterns, trends, series, hot spots and long-term problems. Crime analysis is not about technology. It was a profession before any police agency had a computer, and to this day many of the skills necessary to be a good crime analyst have nothing to do with computer applications. Crime analysis requires training. Just as your sworn officers must refresh their training and skills each year, so must crime analysts. Crime analysis is not just for large agencies. Any police agency that experiences crime patterns and series, or has to deal with hot spots or chronic problems, or wants to allocate its resources more effectively, can benefit. There are ways to implement crime analysis at your agency, even if your population is too small to justify a full-time position. Whatever the size of your agency, the IACA can help you develop a crime analysis program or get better use out of the one you already have. The IACA offers many benefits of membership to include: Professional Development, Technical Assistance, Certification, Networking, Literature and Training. Members also are able to participate in on-line discussions with other members in reference to a number of topics. Please visit our website at and view additional membership and benefit information. Dawn Clausius The International Association of Crime Analysts Overland Park, Kansas 66212, USA IACA Secretary

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13 13 Konsekutiver Masterstudiengang Rechtspsychologie an der SRH Hochschule Heidelberg An der SRH Hochschule Heidelberg wird zum kommenden Wintersemester ein neuer Studiengang der M.Sc. Rechtspsychologie eingeführt. Im folgenden Interview erläutert der Studiendekan Prof. Dr. Niels Habermann ( NH ), Hintergründe, Inhalte und Ablauf des Studiums sowie Zukunftsperspektiven der künftigen Absolventen. Das Interview führte Berenike Waubert de Puiseau ( BWdP ). BWdP: Lieber Herr Habermann, vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, den neuen Masterstudiengang Rechtspsychologie, der im kommenden Wintersemester an der SRH Hochschule in Heidelberg starten soll, in einem Interview genauer zu erläutern. Fangen wir gleich an: Was ist das für ein Studiengang, den Sie da planen? NH: Der Studiengang ist der bislang einzige akkreditierte Masterstudiengang Rechtspsychologie in Deutschland, der BWdP: An wen richtet sich der Master vor allem? NH: Vor allem an Bachelor-Absolventen mit länger bestehendem Interesse an der Rechtspsychologie. Wir wollen mit unserem Angebot möglichst viele Interessenten ansprechen bzw. möglichst wenige von vornherein ausgrenzen, d.h. bei uns dürfen sich Uni-Absolventen genauso bewerben wie FH-Absolventen mit der bereits genannten Voraussetzung eines anerkannten Psychologiestudiums. Box 1 Vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) anerkannte Bachelor- und Masterstudiengänge Mit Abschaffung der Diplom-Studiengänge war auch der BDP gezwungen, seine Aufnahmeregularien anpassen. Während zuvor der Erwerb eines Diploms in Psychologie hinreichend für die Aufnahme qualifizierte, wurden im Zuge der Bologna-Reform alle Studiengänge geprüft. Die Beurteilung orientiert sich dabei an den Kriterien des European Psychology Certificate (EuroPsy) sowie am ehemaligen Diplomstudiengang. Das Ergebnis ist auf den Websiten des BDP einsehbar. Voraussetzung für die Aufnahme ist das Absolvieren einer der gelisteten Studiengänge. ohne einschlägige Berufserfahrung absolviert werden kann. Das heißt, Studierende mit einem Bachelorabschluss in der Psychologie wobei wir uns an den vom BDP im Hinblick auf eine Mitgliedschaft anerkannten psychologischen Studiengängen orientieren (siehe Box) können diesen Masterstudiengang regulär wie jeden anderen Studiengang konsekutiv, also direkt im Anschluss an einen Bachelorabschluss studieren. Gerade im Bereich der Rechtspsychologie, wo man es oft mit schwierigen Klienten zu tun hat, ist es meines Erachtens sehr wichtig, möglichst gut ausgebildet in den Beruf zu gehen, also zuerst die notwendigen Kompetenzen für die angestrebte rechtspsychologische Tätigkeit zu erwerben, und dann in den Beruf einzusteigen. Dies dürfte zum einen die Qualität der in der Praxis geleisteten rechtspsychologischen Arbeit maßgeblich erhöhen, zum anderen dazu beitragen, dass der Beruf mittel- und langfristig nicht nur fachlich erfolgreich, sondern auch mit einem Gefühl von beruflicher und persönlicher Zufriedenheit ausgeübt werden kann, weil die dafür nötigen Kompetenzen relativ früh erworben wurden. Theoretisch können also auch Bachelorabsolventen z. B. aus der Gesundheits-, Rehabilitations- und Wirtschaftspsychologie bei uns landen. Dies macht übrigens inhaltlich durchaus Sinn, weil sich in der Praxis gerade auch von Seiten von Kliniken und Gesundheitsbehörden sowie Wirtschafts- und Industrieunternehmen ein zunehmender Bedarf an psychologischen Gutachten konstatieren lässt, den Rechtspsychologen mit einem entsprechendem Bachelor- Hintergrund dann besonders gut abdecken können. Natürlich schauen wir in allen Fällen genau auf die persönliche Motivation für das Studium sowie bereits erworbene Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Rechtspsychologie. Je weniger Vorerfahrung zum Beispiel in Form von Praktika oder bereits absolvierten rechtspsychologischen Vertiefungs-, Wahl- oder Nebenfächern ein Bewerber mitbringt, desto genauer prüfen wir Motivation, Persönlichkeit sowie kognitive, soziale und emotionale Kompetenzen. Ggf. können Bewerber ihr fundiertes Interesse auch nach dem Erstgespräch noch nachweisen, indem sie z. B. ein entsprechendes Praktikum absolvieren, einschlägige Literatur lesen und Gerichtsverhandlungen besuchen. Natürlich steht der Studiengang auch Master- und Diplom-

14 14 Absolventen offen. Allerdings müssen auch diese das volle Programm durchlaufen. Kurzum: Bei uns soll jeder mit echtem, ernstem und tiefgehendem Interesse an der Rechtspsychologie eine Chance haben. Insbesondere weil es sich bei der Rechtspsychologie um ein Anwendungsfach handelt und wir selber eine Fachhochschule sind, hätte ich ein Problem damit, nur Uni- Absolventen aufzunehmen. Ich sehe eine FH mit ihrer traditionell starken Anwendungsorientierung bzw. dem gegenüber Unis viel stärkeren Praxisbezug vielmehr klar als einen geeigneten Standort für ein Masterprogramm, das auch Uniabsolventen ansprechen kann und soll. Insofern handelt es sich dabei meines Erachtens mitnichten um ein Downgrade, wenn Bachelor-Psychologen von der Uni zu uns kommen; im Gegenteil bedient dieses Angebot doch einen offensichtlich wachsenden Bedarf von Seiten rechtspsychologisch interessierter Psychologiestudierender, den die psychologischen Fakultäten der Universitäten in den letzten Jahrzehnten nicht oder nur unzureichend erfüllen konnten oder wollten wie besonders an dem eklatanten Mangel an eigenständigen Lehrstühlen für Rechtspsychologie an den deutschen Unis erkennbar wird. BWdP: Sie setzen also überhaupt keine praktische Erfahrung voraus? NH: Es ist für die Zulassung zu unserem Master nicht notwendig, bereits rechtspsychologisch zu arbeiten oder gearbeitet zu haben. Es geht vielmehr darum, mehr als eine nur abstrakte oder medial geprägte Vorstellung von der Rechtspsychologie zu haben. Unser Ziel ist es, die Studierenden optimal auf die Berufstätigkeit vorzubereiten. Daher gibt es bei uns auch eine klare Reihenfolge: Erst die gründliche Ausbildung, dann der vollwertige Einsatz. Wir bieten als bislang einziger Standort die rechtspsychologische Ausbildung vor dem Einstieg ins Berufsleben an. In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns auch deutlich vom Master Rechtspsychologie der Uni Bonn und von der Weiterbildung zum Fachpsychologen Rechtspsychologie, welche beides berufsbegleitende Angebote sind. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist sicherlich die bei uns viel weniger forcierte Schwerpunktsetzung in einem bestimmten Anwendungsgebiet bereits in der Ausbildung. Nach meinem Verständnis besteht Rechtspsychologie nicht nur aus Gutachtenerstellung oder der Tätigkeit im Strafoder Maßregelvollzug. Auch die traditionelle Einteilung in Forensische Psychologie und Kriminalpsychologie halte ich für obsolet. Es gibt zunehmend Bedarf an rechtspsychologischen Dienstleistungen z. B. in den Bereichen Beratung von Opfern einer Straftat, Prävention von Jugendgewalt sowie Konzeptentwicklung, Implementierung und Evaluation von theoretisch gut fundierten und zugleich ökonomischen ambulanten forensischen Interventionen. All diese Tätigkeiten erfordern eine umfassende methodische und diagnostische Ausbildung. Diese ist bei uns dadurch gewährleistet, dass unser Curriculum sehr eng an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.v. (DGPs) zur Einrichtung eines M. Sc. in Psychologie mit anwendungsorientiertem Profil angelehnt ist. Wie dort vorgeschlagen, gibt es bei uns zwei Anwendungsmodule mit insgesamt 24 Credit Points. In dem einen geht es speziell um rechtspsychologische Diagnostik, in dem anderen um rechtspsychologische Interventionen, Begutachtung und Evaluation; d. h. bei uns liegt der Schwerpunkt nicht in einem bestimmten Tätigkeitsfeld, sondern klar im Anwendungsbezug der methodischen und diagnostischen Ausbildung. Unsere Master-Studierenden können somit während des Studiums herausfinden, welche Bereiche sie besonders interessieren und sich mit dem Abschluss im Prinzip auf die gesamte Palette rechtspsychologischer Jobangebote hin bewerben. Insofern bin ich auch der Meinung, dass der Titel Master Rechtspsychologie bei uns hält, was er verspricht, nämlich die Qualifikation für eine Vielzahl spannender Tätigkeiten im Überlappungsbereich von Recht und Psychologie. BWdP: Auch wenn Sie die Frage quasi schon beantwortet haben: Ist der Studiengang eher forschungs- oder anwendungsbezogen? NH: Der Studiengang ist ganz klar anwendungsorientiert, wobei auch die Forschung garantiert nicht zu kurz kommt, wie z.b. daran deutlich wird, dass für die Abschlussarbeit das gesamte letzte halbe Jahr zur Verfügung steht und der Fortgang der Arbeit in dieser Zeit regelmäßig in einem Kolloqium erörtert wird. Über die Thesis/Abschlussarbeit kommt die wissenschaftliche Kompetenz, über das Praktikum die praktische Erfahrung. Die Ausbildung umfasst also sowohl wissenschaftliche wie auch praktischanwendungsbezogene Anteile, das beste von beidem. Unser Hauptziel ist jedoch nicht, Vollblut-Forscher auszubilden, sondern belastbare Praktiker, die in ihrem Anwendungsfeld auch forschen können und wollen. Wer im Bereich der Rechtspsychologie vor allem forschen möchte, braucht dafür meines Erachtens auch keinen speziellen Master, sondern eine entsprechende institutionelle Anbindung, bestenfalls in einer Einrichtung mit Zugang zu forensischem Klientel. Unsere Absolventen hingegen sind über die angewandte Diagnostik für sämtliche rechtspsychologische Tätigkeiten gut aufgestellt, insbesondere auch für die Gutachtertätigkeit. Es ist doch erschreckend, wie viele mangelhafte Gutachten weiterhin trotz inzwischen etablierter

15 15 Mindeststandards kursieren. Das Problem in der Praxis ist, dass viele Psychologen Gutachten schreiben, ohne hinreichend fachlich und methodisch qualifiziert zu sein. Wir qualifizieren die Studierenden, indem wir ihnen die Mindestkriterien beibringen und das Schreiben und auch die mündliche Darstellung immer wieder üben lassen, bevor es wirklich ernst wird. Aufgrund meiner eigenen Gutachtertätigkeit könnte es durchaus möglich sein, einzelne Studierende in Absprache mit den Auftraggebern an echten Gutachten mitarbeiten zu lassen, ggf. sogar gegen Vergütung z. B. für testpsychologische Zusatzuntersuchungen. Eine gezielte Ausbildung in diesem Bereich sollte dazu beitragen, dass die Qualität der Gutachten stetig zunimmt und somit auch Juristen zunehmend besser Gutachten von Schlechtachten unterscheiden können. BWdP: Wie viele Studienplätze gibt es und nach welchen Kriterien werden die Studierenden ausgewählt? NH: Es stehen zunächst 15 Studienplätze zur Verfügung. Dadurch ist eine sehr intensive Betreuung bzw. Lernbegleitung der Studierenden gewährleistet. So können wir im Zuge der Ausbildung individuelle Stärken gezielt fördern sowie auch eventuell auftretende Probleme schnell erkennen und gegensteuern. Formal werden zunächst die bereits beschriebenen Zulassungsvoraussetzungen geprüft, d. h. ob es sich um einen anerkannten Psychologie-Studiengang handelt und mindestens ein Notendurchschnitt von 2.5 vorliegt. Zudem ist in diesem ersten Schritt ein Motivationsschreiben einzureichen, in dem das persönliche Interesse an einem Master Rechtspsychologie möglichst gut begründet werden soll. Wer z. B. Rechtspsychologie nur deswegen studieren möchte, weil er die Serie Criminal Minds oder CSI Miami so spannend findet, wird es bei uns schwer haben. Mit jedem Bewerber, der die notwendigen Unterlagen eingereicht hat, wird zeitnah ein Termin für ein persönliches Gespräch mit der Studiengangleitung vereinbart, in dem die persönlichen Ziele und Erwartungen an den Studiengang von Seiten des Bewerbers mit den realen Möglichkeiten abgeglichen werden. Ergebnis eines Gesprächs kann die Zusage, Ablehnung oder eine Verlängerung der Entscheidungsfindung sein, wobei wir uns sehr transparent verhalten und jedem Bewerber jederzeit reinen Wein bzgl. der Einschätzung einschenken; d.h. die Zulassung müssen wir genauso gut begründen können wie eine Ablehnung. Falls noch keine Erfahrungen im Bereich der Rechtspsychologie vorliegen, empfehlen wir in der Regel zuerst ein Praktikum zu absolvieren, Fachliteratur zu lesen, öffentliche Gerichtsverfahren zu besuchen, bei einer Begutachtung dabei zu sein u.a., also Aktivitäten nachzugehen, die helfen können, die Grundlage für eine Entscheidung zu verbessern. Mit Einverständnis der Bewerber können in dieser Phase auch psychodiagnostische Verfahren zum Einsatz kommen. Es bringt den Bewerbern letztlich nichts, wenn sie aufgrund der formalen Voraussetzungen durchgewunken werden und dann nach einem Jahr feststellen, das ist doch nicht das Richtige. Daher nehmen wir uns für das Kennenlernen lieber mehr Zeit, um alle Fragen im Vorfeld klären zu können. Unser Anspruch ist, wer das Studium beginnt, soll es auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich abschließen und direkt im Anschluss einen guten Job finden können. Sollte es mehr Bewerber als Plätze geben, entscheidet die Kombination aus den verschiedenen Kriterien, wobei die Sozial- und Selbstkompetenz sehr wichtig sind. Denn es geht mir auch darum, dass die Masterstudierenden in der Gruppe gut zusammenarbeiten können. Ich wäre froh, wenn für den Anfang eine gute Mischung erreicht werden könnte aus einigen Bachelor-Absolventen aus eigenem Hause, einigen Bachelor- und Master-Absolventen von verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, sowie vielleicht etwas Salz aus der Gruppe der bereits im Berufsleben stehenden DiplompsychologInnen, die schon rechtspsychologische Erfahrungen mitbringen. Ganz entscheidend ist aber letztlich neben der Abschlussnote wobei wir besonders auf die Ergebnisse der für den Studiengang wichtigen Fächer wie Diagnostik, Statistik und Entwicklungspsychologie achten das nachhaltige Interesse an Rechtspsychologie, das sich wie beschrieben in unterschiedlicher Form ausdrücken kann. BWdP: Der Master Rechtspsychologie an der Uni Bonn findet vor allem am Wochenende statt wie ist das bei Ihnen? NH: Unser Master ist als Kontaktstudium akkreditiert, d. h. die Präsenz der Studierenden wird vorausgesetzt. Sämtliche Veranstaltungen finden in der Regel wochentags zwischen 9 und 17 Uhr statt. Das Wochenende ist frei. Das Studium an unserer Hochschule hat einige Besonderheiten (siehe Box 2). So ist unser Studienjahr zum Beispiel nicht in Semester, sondern in Fünf-Wochen-Blöcke unterteilt. In der Lehre kommen v.a. aktivierende Lehrmethoden zum Einsatz, z. B. Fallarbeit, Gruppenarbeit, Problemorientiertes Lernen, Rollenspiele u.a., wobei die Studierenden vor allem mit praxisnahen Aufgaben konfrontiert werden. Konventionelle Vorlesungen mit stundenlangem Frontalunterricht kommen in diesem Studienmodell praktisch nicht mehr vor.

16 16 Box 2 Das CORE-Prinzip: Fünf-Wochen-Blöcke Klassische Vorlesungen gibt es nur wenige. Stattdessen befassen sich die Studieren den fünf Wochen lang intensiv mit einer praxisnahen Fragestellung. Vielzahl an Lehr- und Prüfungsmethoden Lern- und Lehrformen sowie Prüfungsmethoden wie Projektarbeit, Fallstudien, Lerntagebuch etc. orientieren sich konsequent an dem Lernziel. Eigenverantwortlichkeit der Studierenden Nur wer eigenverantwortlich handelt und lernt, kann über sich hinauswachsen, Wissen und Kompetenzen erwerben und Verantwortung übernehmen für sich selbst und für andere. Bildungspartnerschaft Als Mentoren und Coaches betreuen die Dozenten die Studierenden intensiv fachlich, organisatorisch, persönlich. Employability Das Ziel: Unsere Absolventen sollen in der Lage sein, sich nach dem Studium in der Praxis zu beweisen. Innovation und Forschung Wir sind immer auf dem neuesten Stand. Quelle: BWdP: Kommen wir zum Eingemachten was sind die Inhalte des Studiums? NH: Unterrichtet werden Forschungsmethoden, Psychologische Diagnostik, Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse sowie Grundlagen und rechtspsychologische Anwendungen (z.b. Rechtspsychologische Diagnostik, Interventionen und Begutachtung). Außerdem gibt es Nebenfächer (Recht und Psychiatrie), ein zwölfwöchiges Praktikum und eine Masterthesis (siehe Box). In den Lehrveranstaltungen werden in jedem Fach direkte Bezüge zwischen Theorie und Praxis hergestellt, um den Studien- BWdP: Gibt es bestimmte Vorschriften, wo das Praktikum zu absolvieren ist, bzw. haben Sie Kooperationspartner für Praktikumsplätze? NH: Das Praktikum erfolgt zu Beginn des zweiten Studienjahres, wenn die Studierenden bereits einiges an rechtspsychologischen Inhalten und Methoden gelernt haben, was sie dann auch anwenden können. Das Praktikum kann in jedem rechtspsychologischen Bereich absolviert werden. Der Betreuer vor Ort sollte einer rechtspsychologischen Tätigkeit im weiteren Sinne nachgehen, d. h. es sollte dort um die Anwendung von Psychologie im Kontext Box 3 Studiengangsmodule Modul A: Forschungsmethoden Modul B: Psychologische Diagnostik Modul C: Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse Modul D: Nebenfächer (Psychiatrie und Recht) Modul E: Grundlagenmodul Module F & G: Anwendungsmodule Modul H: Projektmodul gang interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Auch in den nicht anwendungsbezogenen Fächern orientieren wir uns an dem, was für die Rechtspsychologie relevant ist. So liegt der Schwerpunkt im Grundlagenmodul im Bereich der Biopsychologie und der Neurowissenschaften. Die starke Anwendungsorientierung der Studiengangs wird in dem großen Anteil der rechtspsychologischen Anwendungsmodule sichtbar, die insgesamt fast 1/3 der Credit Points, die in Lehrveranstaltungen erworben werden, ausmachen. von Rechtsfragen gehen. In der Regel werden Praktika in Straf- oder Maßregelvollzugseinrichtungen absolviert werden, ggf. kommt aber auch eine Allgemeinpsychiatrie in Frage. Möglich sind auch Praktika in forensischen Ambulanzen sowie in Instituten und Praxen mit Gutachtertätigkeit, Behörden, Ausbildungsstätten, Polizeiliche Einrichtungen, Forschungseinrichtungen etc. Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in der rechtspsychologischen Praxis bin ich in Deutschland, Österreich, der Schweiz, England und Kanada gut vernetzt. Außerdem sind wir ständig dabei, unser Netz zu erweitern. So stre-

17 17 ben wir zurzeit eine regionale Vernetzung, vor allem in Baden-Württemberg (JVA Mannheim, PKH Wiesloch, FAB Karlsruhe) an. Heidelberg liegt durch seine Nähe zu Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern zudem bundeslandübergreifend strategisch sehr günstig. So können wir auch die verschiedenen Rechtslagen in den Ländern im Auge behalten und in der Ausbildung thematisieren. So freue ich mich auch, dass mit Martin Rettenberger ein Freund und Kollege an der Uni Mainz zum Juniorprofessor für Forensische Psychologie berufen wurde. Weiterhin bestehen gute und enge Kontakte zur Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, zum Psychiatrisch-Psychologischen Dienst in Zürich sowie zur Justiz in Hamburg und Berlin. BWdP: Wo wir gerade von Personen und Kontakten sprechen wer sind die Dozenten, die im Studiengang unterrichten werden? NH: Die Veranstaltungen leiten vor allem Dozenten der Fakultät für Angewandte Psychologie, an welcher der Studiengang in Zukunft angesiedelt sein wird. Hier gibt es hervorragende Methodiker und Kliniker, außerdem können wir auf ein etabliertes Tutorensystem zurückgreifen. Ich persönlich werde für die Anwendungsfächer einstehen. Hinzu kommen externe Lehrbeauftragte und Gastdozenten, wobei die Rechtspsychologen-Szene in Deutschland ja durchaus überschaubar ist, sodass wir sicherlich mehrere erfahrene Kolleginnen und Kollegen aus Psychologie, Rechtswissenschaften und der Forensischen Psychiatrie als Gastdozenten gewinnen können. Prof. Dr. Denis Köhler, Vorsitzender der Sektion Rechtspsychologie im BDP sowie Mitglied des Sprecherteams der Fachgruppe Rechtspsychologie in der DGPs wird als ursprünglicher Initiator des Studiengangs sicherlich auch mal vorbeischauen. BWdP: Was ist das Ziel des Studiengangs, was sollen die Absolventen später mal beruflich damit machen? NH: Das Ziel ist, dass die Absolventen alle derzeit und in naher Zukunft in der Praxis nachgefragten rechtspsychologischen Tätigkeiten grundsätzlich ausüben können. Viele werden sicherlich versuchen, über kurz oder lang als selbstständige oder delegierte Gutachter in einem bestimmten Bereichen tätig zu werden. Hier ist mein Ziel, den Studierenden deutlich zu machen, dass es neben den bekannten Fragestellungen aus dem Straf- und Familienrecht eine ganze Menge weiterer spannender Bereiche gibt, in denen Rechtspsychologen gutachterlich tätig werden können. Ich denke dabei z. B. an einen aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung zunehmenden Bedarf an Spezialisten im Betreuungsrecht, im Arbeits- und Sozialrecht oder auch im Verwaltungsrecht, wo insbesondere das Waffengesetz und das Verkehrsrecht zweifellos spannende Fragestellungen aufwerfen. Rechtspsychologen können aber auch für andere staatliche und private Organisationen wie z.b. Arbeitsagenturen, Versicherungsträger, Krankenkassen sowie wirtschaftliche Unternehmen oder auch die Bundeswehr oder Polizei tätig werden, wobei es in den letztgenannten Bereichen v.a. um Berufseignung, Personalauswahl und Laufbahnberatung gehen dürfte. Klar, das klingt erstmal weniger sexy als die Begutachtung von Schwerverbrechern, aber hier gilt es den Studierenden möglichst früh aufzuzeigen, dass auch diese Tätigkeiten sehr spannend und herausfordernd sein können, und sich hier gerade für Berufsstarter bessere Chancen auftun, als in den bereits gut abgedeckten klassischen Gebieten strafrechtliche Verantwortlichkeit und Schuldfähigkeit, Kriminalprognose, Glaubhaftigkeit und Familienrecht. Ein weiteres klassisches Tätigkeitsfeld v.a. für Rechtspsychologen, die eine Festanstellung anstreben, ist der Strafund Maßregelvollzug. Hier gibt es nach meiner Erfahrung durchgängig interessante Stellenangebote gelegentlich sogar explizit für Berufsstarter - in ganz Deutschland. Ich denke in den nächsten Jahren werden zudem die Bereiche Prävention und Nachsorge einen steigenden Bedarf an Fachkräften haben, wobei wir unsere Studierenden dazu qualifizieren möchten, eigene Konzepte bzw. Projekte für diese Bereiche entwickeln, implementieren und evaluierenzu können. Wie bereits ausgeführt geht es mir dabei um eine zeitgemäße Erweiterung des konventionellen Spektrums rechtspsychologischer Tätigkeit entsprechend dem gesellschaftlichen Bedarf. In diesem Sinne möchte ich die Absolventen von Beginn an ermutigen, mehrgleisig zu fahren, also z.b. neben einer Anstellung selbstständig Dienstleistungen anzubieten wie Gutachten, Beratung, oder Evaluation, wobei eine Anbindung an eine Forschungseinrichtung dazu sicherlich sinnvoll wäre. Eine Idealvorstellung wäre für mich auch, dass sich einige Master-Absolventen zusammenschließen und eine eigene rechtspsychologische Praxis eröffnen, mit der sie verschiedene Bereiche bedienen. Der Markt kann qualifizierte Konkurrenz sehr gut gebrauchen, auch damit die Auftraggeber mit der Zeit ein besseres Gefühl für die Qualität rechtspsychologischer Arbeit bekommen. Darüber hinaus halte ich die Rolle von methodisch-diagnostisch besonders gut ausgebildeten Rechtspsychologen als Qualitätsmanager, die Interventionen unabhängig von den Anbietern bzw. Durchführenden evaluieren und beurteilen können, für zunehmend wichtig.

18 18 BWdP: Welche Kosten kommen auf die Studierenden zu und gibt es Fördermöglichkeiten? NH: Als private Hochschule finanziert sich die SRH Hochschule Heidelberg fast ausschließlich über Studiengebühren. Die Kosten des Studiengangs liegen bei 670 pro Monat, das macht für die zwei Studienjahre. Die SRH Hochschule Heidelberg berät gerne zu Möglichkeiten der Studienfinanzierung. Die Studiengebühren können z. B. über Bafög oder Stipendien verschiedener Stiftungen finanziert werden. Es besteht auch die Möglichkeit, sich an der Hochschule für Förderstipendien zu bewerben. Eine Option wäre auch die Aufnahme eines Bildungskredits. Die Studiengebühren sollten niemanden davon abhalten, den Studiengang in Erwägung zu ziehen. Zu bedenken ist dabei, dass psychologische Zusatzqualifikationen generell viel Geld kosten, denken Sie z. B. an die Kosten einer Weiterbildung zum psychologischen Psychotherapeuten. Mit dem Master Rechtspsychologie werden Absolventen zudem eine deutlich bessere Chance als nicht spezialisierte Psychologen haben, neben einer Festanstellung z.b. in einer Justizvollzugsanstalt auch Gutachtenaufträge zu bekommen, so dass sich die Ausbildungskosten schneller amortisieren können. BWdP: Was hat Sie dazu bewegt, einen Masterstudiengang zu konzipieren und anzubieten? NH: Die Rechtspsychologie wurde und wird in Deutschland weiterhin leider eher stiefkindlich behandelt. Die universitären Angebote sind sehr überschaubar und stark abhängig von den Neigungen einzelner Professoren. Wenn diese dann weg sind, verschwinden schnell auch die Angebote. Ich hätte mir vor 20 Jahren solche Angebote gewünscht, wie wir und die Bonner es jetzt auf den Weg bringen. Ich habe selbst durch gute Kontakte den Weg gefunden, da waren auch glückliche Zufälle im Spiel, aber das kann und sollte nicht die Regel sein für den Weg in die Rechtspsychologie. Was postgraduale Weiterbildung zum Fachpsychologen für Rechtspsychologie angeht, die ich selber absolviert habe, bin ich ehrlich gestanden etwas ambivalent. Nach meiner Erfahrung war die Qualität der Veranstaltungen sehr schwankend bzw. sehr abhängig von den Dozenten. In den Seminaren saßen stets auch nicht wenige Teilnehmer, die sich vermutlich wegen bereits erfolgter Spezialisierung für das Thema nicht sonderlich interessierten bzw. nur auf Hinweise bezüglich der Prüfungsfragen zu warten schienen. Hinzu kamen organisatorische Probleme, ich musste Anerkennungen und Unterschriften hinterherlaufen, es gab nicht genügend Fachteams, also habe ich selber eins gegründet, was viel Arbeit mit sich brachte usw. Die ursprüngliche Idee, dass die Gerichte ausschließlich oder auch nur bevorzugt Gutachtenaufträge an Fachpsychologen vergeben, hat sich meines Wissens zudem bisher nicht durchgesetzt und ich bin mir nicht sicher, ob das noch zu erwarten ist. Gerichte werden auch in Zukunft v.a. Sachverständige beauftragen, die gute Arbeit abliefern, ob mit oder ohne Zertifikat. Ich denke daher, die Weiterbildung zum Fachpsychologen ist auch in Zukunft weiterhin v.a. für diejenigen Psychologen interessant, die bereits fest im Beruf stehen und darauf setzen, dass mit einer nachwachsenden Juristen-Generation vielleicht doch zunehmend Fachpsychologen beauftragt werden. Wobei mit dem Angebot aus Bonn dazu jetzt ja auch eine Alternative besteht, die vielleicht den Vorteil einer stärkeren universitären Verankerung hat. Insofern bin ich sehr froh, dass wir Heidelberger im Vergleich der bestehenden drei Möglichkeiten klar ein Alleinstellungsmerkmal haben, nämlich das einzige Angebot einer Spezialisierung vor dem Berufseinstieg, was besonders taufrische Bachelor-Absolventen ansprechen dürfte. Während meiner Zeit in der Schweiz habe ich ebenfalls beobachten können, wie wichtig die grundlegende Ausbildung möglichst vor bzw. zu einem frühen Beginn der Berufstätigkeit in der Rechtspsychologie ist. Es wird ja auch keiner Elektriker und hat dann beim ersten Auftrag das erste Mal einen Lötkolben oder Spannungsmesser in der Hand. Es ist doch irrsinnig, junge Leute mit zwar starkem Interesse, aber wenig bis gar keiner Kenntnis, wie es in diesen Bereichen in der Praxis zugeht, als Rechtspsychologen tätig werden zu lassen. Hier auf learning by doing zu setzen, halte ich in doppelter Hinsicht für fahrlässig, nämlich sowohl hinsichtlich der Folgen, die Fehler für das Wohlbefinden der Berufseinsteiger selbst haben, als auch hinsichtlich der möglicherweise gravierenden Folgen für die von Ungeübten bzw. nicht hinreichend Ausgebildeten behandelten Klienten - insbesondere wenn es z. B. um Arbeit mit persönlichkeitsgestörten Straftätern geht. Und da müssen sich auch die Universitäten, an denen in den letzten 20 Jahren mit Ausnahme einiger Standorte wie z. B. Bonn, Braunschweig, Bremen, Erlangen oder Kiel rechtspsychologisch wenig passiert ist, Kritik gefallen lassen. Insofern können sich eigentlich alle freuen, dass endlich vernünftige Studienangebote entwickelt werden, die speziell für dieses Berufsbild qualifizieren und dann den direkten Einstieg ermöglichen. Eine gute Ausbildung ist auch wichtig, um die künftigen Rechtspsychologen vor Burnout, Zynismus und anderen Abwehrreaktionen auf die tägliche Konfrontation mit teils gravierenden menschlichen Problemen zu schützen. Aus diesem Grund beinhal-

19 19 tet unser Ausbildungskonzept übrigens auch ein Mentoring, d.h. unser Ziel ist es, dicht an der Entwicklung der Studierenden dran zu sein, ihre Stärken und Schwächen zu kennen und sie individuell zu unterstützen. Dabei sind wir als Lehrkörper oder Coaches erreichbar, präsent und zugänglich. BWdP: Ein Master signalisiert also Qualität für Anwender wie z.b. Auftraggeber von Gutachten und Anwendende, also die Absolventen? NH: Genau. Insbesondere im Bereich der Gutachten. Die benötigten Methoden werden im Studium intensiv eingeübt, quasi bis die Studierenden davon träumen. Gleichzeitig lernen die Studierenden, Gutachten im Hinblick auf ihre Qualität zu überprüfen. Aber auch die Beurteilung der Qualität von stationären oder ambulanten Interventionen wie z.b. einer deliktorientierten Behandlung wird gelernt, denn diese Aufgaben werden uns in den nächsten Jahren mit Blick auf veränderte Rechtslagen z. B. verschärfte Führungsaufsicht, zunehmende Therapieweisungen, Aufbau spezieller Einrichtungen für Sicherungsverwahrte nach dem EGMR-Urteil, Frage der Therapiefähigkeit - zunehmend beschäftigen. Ausgebildete Rechtspsychologen könnten diesbezüglich eines Tages die Funktion unabhängiger Qualitätsmanager einnehmen. BWdP: Was macht den Master besonders? NH: Als einziger Masterstudiengang qualifiziert er explizit VOR dem Berufseinstieg, wodurch professionelles Denken und Handeln vom ersten Tag der Berufstätigkeit an auf einem hohen Niveau gewährleistet ist. Natürlich ersetzt auch dieser Master nicht die im Berufsleben gewonnene praktische Erfahrung, jedoch ist die anwendungsorientierte Ausbildung eine sehr gute Vorbereitung für die praktische Tätigkeit, die darüber hinaus in den Anwendungsfächern, im Praktikum und ggf. in der Masterthesis wenn beispielsweise mit forensischem Klientel gearbeitet wird bereits erprobt wird. Auch das Mentoring, die Teilnahme an Explorationen im Rahmen von Begutachtungen sowie das CORE-Prinzip in der Lehre sind in diesem Zusammenspiel bislang einzigartig in Deutschland. Wir legen zudem großen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden, benutzen dazu auch psychotherapeutische Methoden wie Selbsterfahrung, Lerntagebuch oder Rollenspiele, trainieren den Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten, z. B. durch komplementäre Beziehungsgestaltung, sowie immer wieder auch die Wahrnehmung der eigenen Ressourcen, Bedürfnisse und Grenzen. BWdP: Noch kurz zum Abschluss: Warum sollte man den Master Rechtspsychologie in Heidelberg studieren? NH: Wer mit einer Berufstätigkeit im Bereich Rechtspsychologie langfristig zufrieden sein möchte, sollte sich so gut wie möglich ausbilden lassen, bevor er/sie anfängt, sich vielleicht mangels spezifischer Kompetenz Eigenarten anzugewöhnen, die in diesem Bereich schädlich oder sogar gefährlich sein können. Rechtspsychologie ist ein spannendes Berufsfeld, es wird nicht langweilig, man hat mit vielen verschiedenen Facetten menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns zu tun und man kann mit einer professionellen Herangehensweise auch gesellschaftlich viel Gutes bewirken. Insbesondere die Gutachtertätigkeit ist durch den Wechsel aus Aktenanalyse, Untersuchung des Probanden und Schreiben eines Gutachtens sehr abwechslungsreich und erfordert verschiedene Kompetenzen.. Ein Gutachten vor Gericht zu erstatten kann ein Flow sein, ebenso wie die Arbeit mit Straftätern. Jedoch muss man sich auch im Klaren darüber sein, dass man viel mit den dunklen Seiten von Menschen zu tun bekommt, was mitunter auch sehr belastend sein kann. Deshalb ist es sehr wichtig, und damit knüpfe ich an den Beginn unseres Gesprächs an, sich möglichst früh und intensiv ausbilden zu lassen. Schneller und besser als bei uns ist die grundlegende, den direkten Berufseinstieg ermöglichende rechtspsychologische Qualifikation in Deutschland derzeit nicht zu haben.

20 20 Box 4 Faktenvergleich: M.Sc.-Studiengänge Rechtspsychologie Universität Bonn Anwendungsorientiert Dauer: 4 Semester für Studierende mit Diplom- oder Masterabschluss; 6 Semester für Studierende mit Bachelorabschluss Berufsbegleitend, mind. ein Jahr Berufserfahrung erforderlich Fokus auf Gutachten und Strafvollzug, Vermittlung umfassender Grundlagen der Psychologie Zulassungsvoraussetzung: Möglichst einschlägige Berufserfahrung, Bachelor- (Master-/Diplom-)Abschluss in einem vom BDP anerkannten psychologischen Studiengang mit Note 2.5 oder besser Kosten: pro Studienjahr, also mit dem Bachelor jedoch Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit neben dem Studium SRH Hochschule Heidelberg Anwendungsorientiert Dauer: 4 Semester, unabhängig von Qualifikation Konsekutiv, keine Berufserfahrung erforderlich Kein spezifischer Fokus, jedoch hoher Stellenwert rechtspsychologischer Methodik und Diagnostik Zulassungsvoraussetzung: Bachelor-(Master-/Diplom-)Abschluss in einem vom BDP anerkannten psychologischen Studiengang mit Note 2.5 oder besser, Motivationsschreiben & persönliches Auswahlgespräch, ggf. psychodiagnostische Verfahren Kosten: 670 pro Monat, also für den gesamten Master; bei Bedarf berät Hochschule zur Studienfinanzierung Prof. Dr. Niels Habermann ist seit 2012 Professor für Rechtspsychologie und Studiendekan an der SRH Hochschule Heidelberg. Nach dem Abschluss seines Studiums der Psychologie an der Universität Mainz im Jahr 1999 war er zunächst freiberuflich als Sachverständiger in Strafverfahrenssachen sowie als Methodiker im Salus-Therapiezentrum Friedberg tätig. Es folgte eine Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie wurde er von Prof. Max Steller an der FU Berlin über Jugendliche Sexualmörder promoviert. Nebenher arbeitete er stets als Psychologischer Sachverständiger mit dem Schwerpunkt auf Prognose-Gutachten über jugendliche bzw. jungerwachsene Sexual- und Gewaltstraftäter war Prof. Dr. Habermann stellvertretender therapeutischer Leiter der Forensisch- Psychiatrischen Abteilung der JVA Pöschwies und Mitarbeiter im Psychiatrisch-Psychologischen Dienst Zürich beendete er die Weiterbildung zum Fachpsychologen für Rechtspsychologie BDP/DGPs. Seit 2010 absolviert er die Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Ursachen und Prävention von Jugenddelinquenz, Behandlung von Straftätern mit sexuellen Präferenzstörungen, Persönlichkeitsstörungen und Psychopathie, Psychodiagnostische Verfahren und Prognoseinstrumente sowie Evaluation und Qualitätsmanagement in der forensischen Psychotherapie.

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