Südwind Aktuell 08/08. Aktuell im Herbst 2008

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1 Südwind Aktuell 08/08 Aktuell im Herbst 2008 Brot oder Benzin? n Migration i ist weiblich i ist pflegend e Die Arbeit, die sie meinen e n Let s make money Einladung n zur Generalversammlung e e r a m l n FIAN Österreich

2 Liebe FreundInnen, Die neue Veranstaltungsreihe von Herbst bis Sommer nächsten Jahres - haben wir Nord Süd: miteinander oder gegeneinander genannt. Innerhalb dieser Reihe sollen die Themen Agrarpolitik/Ernährungssicherheit/Hunger, Arbeit und Arbeitsbedingungen und Migration und Integration diskutiert werden. Eine inhaltliche Annäherung an diese drei Themenbereiche findet auch in dieser Ausgabe des Südwind Aktuell statt (Seiten 2 bis 4). Neben dem Diskutieren kommt es uns auf zwei weitere Aspekte an: den Zusammenhang zwischen Nord und Süd herzustellen und zu verdeutlichen, dass Lösungsansätze gemeinsam gefunden werden müssen. Wir laden jeweils eine/n VertreterIn aus dem Süden und aus dem Norden ein, zuvor wird ein/e Expertin das Thema eröffnen. Wie wirken sich die Phänomene in Nord und Süd aus? Von welchen persönlichen und politischen Erfahrungen berichten unsere Gäste? Welche gemeinsamen Interessen gibt es, wie könnte gemeinsam vorgegangen werden? Wir starten am in der VHS Liesung zum Thema Brot oder Benzin? und dürfen dabei interessante Gäste begrüßen (siehe beigelegte Einladung). Moderiert wird die Veranstaltung von Téclaire Ngo Tam, womit gesichert ist, dass auch hin und wieder gelacht werden darf. Ein spannender Abend wartet auf uns. Wir hoffen auf zahlreiches und diskussionsfreudiges Publikum. Wir freuen uns, dass wir diese Veranstaltungsreihe wieder mit den Wiener Volkshochschulen durchführen. Unsere Generalversammlung findet am , 19.00, statt. Wir freuen uns auch hier auf rege Beteiligung. Wir bitten um den Mitgliedsbeitrag 2008 in Höhe von 35 (ermäßigt für Erwerbslose/StudentInnen 15,-) BA-CA, (BLZ 12000) lautend auf Südwind. Wir bedanken uns dafür im Voraus sehr herzlich. Mit solidarischen Grüßen, Gundi Dick / Obfrau Südwind Wien Wien,

3 Nord Süd: miteinander oder gegeneinander? Brot oder Benzin? Wir stellen uns Fragen: Wieso sind die Lebensmittel bei uns teurer geworden? Wieso kann der Hunger im Süden nicht besiegt werden, wieso hungern immer mehr? Sind die Agrartreibstoffe die Preistreiber? Kann die Energiekrise durch Soja, Weizen und Mais bewältigt werden? Macht es Sinn, dass im Süden immer mehr Land für Plantagen, die für den Export produzieren (Baumwolle, Bananen, Ölpalmen, Soja, Orangen, Zucker, Kaffee) in Anspruch genommen wird, während den kleineren Bäuerinnen und Bauern, die die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen sollen, das Land weggenommen wird? Und die dann in die Slums der Städte abwandern müssen? Macht es Sinn, dass es im Norden durch die Agrarsubventionen eine Überproduktion gibt und durch gestützte Exporte in den Süden die dortige Lebensmittelproduktion unrentabel wird? Und wodurch bei uns das nationale und EU - Budget schwer belastet wird? Was heißt das alles für die Umwelt, wohin führt die Rodung der letzten Urwälder zugunsten von Plantagen für den Export, was bedeutet das für den Wasserhaushalt, für das Klima, für die Böden? Und schließlich, wer gewinnt und wer verliert bei dieser weltweiten Agrarpolitik, wer oder was ist verantwortlich dafür? Sind wir machtlos gegen die Interessen der Konzerne? Wissen wir überhaupt Bescheide, welche Folgen die Abkommen über den Welthandel für uns und für die Menschen im Süden haben? Welche Alternativen gibt es, wohin soll der Weg führen? Welche Maßnahmen wären von uns selbst, von der EU und im Welthandel zu setzen? Was kann davon unabhängig jede/r Einzelne tun? Gibt es gemeinsame Interessen der Bevölkerung des Nordens und des Südens? Wie können wir zusammenarbeiten, wie können wir gemeinsam kämpfen? Bei unserer Veranstaltung zum Thema im Rahmen der Reihe Nord Süd: miteinander oder gegeneinander? suchen wir nach Antworten auf diese Fragen (siehe Termine auf Seite 8). Herbert Berger

4 Nord Süd: miteinander oder gegeneinander? Migration ist weiblich ist pflegend Die Hälfte aller internationalen MigrantInnen sind weiblich: 95 Millionen. Frauen erleben bei der Migration eine doppelte Diskriminierung: Durch die Rolle als Frau und durch die Migrationssituation. Frauen sind häufig als Haushaltshilfen oder als Krankenschwestern tätig, sorgen für Kinder, pflegen ältere Menschen, arbeiten in der Industrie und tragen somit zur Lebensqualität und Produktivität ihrer Zielländer bei. Sie leisten zugleich aber auch einen enormen Beitrag für Transferleistungen nicht nur im familiären Bereich, sondern auch im Bereich der sozialen Infrastruktur in ihren Herkunftsländern. Frauen sind aber auch konfrontiert mit Armut, Benachteiligung durch ihr Geschlecht, Ausbeutung, Frauenhandel und Gewalt. Etwa im Gesundheitsbereich bedeutet der brain-drain in der Herkunftsregion einen Verlust an qualifizierten Arbeitskräften, bei gleichzeitig geringeren Staatsbudgets für die Gesundheitsversorgung. Wie sieht die Situation einer Krankenschwester mit Migrationshintergrund in Österreich aus? Welche Stellung hat sie unter ihren KollegInnen? Wie wird sie von den PatientInnen behandelt? Was bedeutet die Migration für ihr Herkunftsland und für ihre Familie? Wie begegnet sie strukturellem - und Alltagsrassismus? Wann überwiegt Konkurrenz, wann Zusammenarbeit innerhalb des Gesundheitspersonals? Welche gewerkschaftlichen und organisatorischen Möglichkeiten helfen zur Überwindung von Diskriminierung und Ausbeutung? Wie sollte Migration gestaltet sein, sodass sie eine win-win-situation für beide Länder bedeutet? Bei unserer Veranstaltung wird ein/e ExpertIn den Einstieg in das Thema Migration, Frauen und Pflege liefern, je ein Gast aus dem Süden und Norden berichtet von seinen/ihren persönlichen und beruflichen Erfahrungen. Positive Ansätze interkultureller Zusammenarbeit und gelungener Integration sowie die Notwendigkeit einer die Menschen- und Arbeitsrechte achtenden Migrationspolitik werden an diesem Abend diskutiert (siehe Termine auf Seite 8). Gundi Dick

5 Nord Süd: miteinander oder gegeneinander? Die Arbeit, die sie meinen Ausbeutung am Arbeitsplatz, das Fehlen existenzsichernder Löhne, Angst vor drohender Arbeitslosigkeit diese Dinge betreffen Menschen auf der ganzen Welt, wenn auch in unterschiedlichen Dimensionen. Jene scheinbar unaufhaltsamen Prozesse, die mit der wirtschaftlichen Globalisierung einhergehen, haben die Situation für viele verschärft. Arbeitsplätze werden vom Norden in den Süden exportiert, während die schlechten Arbeitsbedingungen vom Süden in den Norden importiert werden. Wer davon profitiert, sind in erster Linie große Konzerne. Adila lebt in einer Wellblechhütte in den Slums von Dacca, Bangladesch. Tagsüber arbeitet sie in einem der Nähzentren, die Kleidung für ausländische Konzerne produzieren, oft bis spät in die Nacht hinein, manchmal sieben Tage die Woche. Im Nähzentrum ist es unerträglich heiß, staubig und laut, Sicherheitsvorkehrungen gibt es keine. Von ihrem Lohn kann Adila überleben. Mehr aber auch nicht. Sabine lebt als Alleinerzieherin mit ihren beiden Kindern in einer Gemeindewohnung in Wien. Sie arbeitet als freie Dienstnehmerin in einem Call Center. Ihre Arbeitszeiten kann sie nur beschränkt mitbestimmen, ihr Lohn reicht kaum für Kinderbetreuung, Miete und Essen. Betriebsrat gibt es keinen, und man munkelt, es sei auch keiner erwünscht. Sabine hofft, dass sie nicht im Zuge von geplanten Auslagerungen ins Ausland entlassen wird. Was unterscheidet ArbeiterInnen in Nord und Süd, und welche Probleme und Anliegen vereinen sie? Wie entsteht Widerstand gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen? Und wie kann der Kampf für faire Arbeitsbedingungen weltweit aussehen? Bei unserer Veranstaltung zum Thema werden Betroffene aus Nord und Süd sowie ExpertInnen gemeinsam mit dem Publikum dies und noch mehr diskutieren (siehe Termine auf Seite 8). Nora Holzmann

6 LET S MAKE MONEY Filmstart 31. Oktober (Weltspartag) The best time to buy is when there is blood on the streets Mark Mobius (Präsident of Templeton Emerging Markets Singapur) Nach We Feed the World, der spektakulären Dokumentation über unsere Nahrungsmittel hat der Filmemacher Erwin Wagenhofer einen neuen, aufrüttelnden Dokumentarfi lm für das Kino gedreht: In Let s make MONEY folgt er der Spur unseres Geldes im weltweiten Finanzsystem. Wagenhofer blickt hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken und Versicherern. Was hat unsere Altersvorsorge mit der Immobilienblase in Spanien zu tun?wir müssen dort kein Haus kaufen, um dabei zu sein. Sobald wir ein Konto eröffnen, klinken wir uns in die weltweiten Finanzmärkte ein ob wir wollen oder nicht. Die Bank speist unser Guthaben in den globalen Geldkreislauf ein. Ob unsere Bank das Geld an einen spanischen Bauentwickler verleiht? Wir Kunden wissen es nicht. Möglicherweise verborgen Banken, Versicherer oder Pensionsfonds unser Geld auch an einen Spekulanten. Wo unser Schuldner lebt und was er tut, um uns die Zinsen zu bezahlen, bleibt im Verborgenen. Die meisten von uns interessiert es auch nicht, weil wir gerne dem Lockruf der Banken folgen: Lassen Sie ihr Geld arbeiten! Doch Geld kann nicht arbeiten: arbeiten können nur Menschen, Tiere oder Maschinen. Let s make MONEY folgt dem Weg unseres Geldes, dorthin wo spanische BauarbeiterInnen, afrikanische Bäuerinnen und Bauern oder indische ArbeiterInnen unser Geld vermehren und selbst arm bleiben. Der Film zeigt uns die gefeierten Fondsmanager, die das Geld ihrer KundInnen jeden Tag aufs Neue anlegen. Zu sehen sind Unternehmer, die zum Wohle ihrer Aktionäre ein fremdes Land abgrasen solange die Löhne und Steuern niedrig und die Umwelt egal ist. Wir erleben die allgegenwärtige Gier und die damit verbundene Zerstörung, die mit unserem Geld stattfindet. Der Film zeigt uns mehrere Ebenen des Finanzsystems.

7 Wir erfahren auch, warum es auf dem Globus zu einer unglaublichen Geldvermehrung gekommen ist. Wir lernen deren Konsequenzen für unser Leben kennen. Täglich fließen Milliardensummen mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus, die möglichst hoch verzinst werden sollen. Let s make MONEY zeigt uns einige Zwischenstationen, so wie Jersey. Warum ist die Kanalinsel das reichste Land Europas? Steueroasen nutzen Konzerne und Reiche um Steuern zu sparen. Bislang hat die Politik dies nicht verhindert. Dabei setzen die Regierungen die Spielregeln für das weltweite Geldsystem fest. Seit den 70er Jahren erleichterten sie den Geldfluss und schufen so die Grundlage für den Boom der weltweiten Finanzindustrie mit ihren Zentren in London, New York oder Frankfurt. Es ging dabei immer um Interessen von wenigen Mächtigen. So konnten der Internationale Währungsfonds und die Weltbank vielen Entwicklungsländern eine Privatisierung von Altersvorsorge, Stromerzeugern oder Baumwollfabriken aufzwingen, nachdem deren Regierungen durch eine hohe Verschuldung erpressbar geworden waren. Dies eröffnet neue Anlagemöglichkeiten für unser Geld. Doch dieser Ausverkauf von sozialen Errungenschaften wie Gesundheitssystem, Pensionswesen, Energieversorgung und öffentlicher Verkehr passiert nicht nur in der fernen dritten Welt. Wir alle sind direkt davon betroffen. Und genau davon handelt der Film. Wir erleben keine Finanzkrise, sondern eine Gesellschaftskrise die wir mit unserem Geld beeinfl ussen können. Am Ende bezahlen es immer der so genannte kleine Mann und die so genannte kleine Frau! Hermann Scheer (Träger des alternativen Nobelpreises und Bundestagsabgeordneter - Berlin) Text von:

8 Einladung zur Generalversammlung des Vereins Südwind Entwicklungspolitik Wien mit Wahl des neuen Vorstandes Wann: Donnerstag, , 19 Uhr Wo: Südwind Agentur, Laudongasse 40, 1080 Wien Weitere Termine: Nord Süd: miteinander oder gegeneinander? Thema Ernährungs(un)sicherheit, Brot oder Benzin? Wann: Donnerstag, , 18:30 Wo: Volkshochschule Brigittenau, Raffaelgasse 11, 1200 Wien Nord Süd: miteinander oder gegeneinander? Thema Migration - Frauen - Pflege Wann: Donnerstag, , 18:30 Wo: Volkshochschule Brigittenau, Raffaelgasse 11, 1200 Wien Nord Süd: miteinander oder gegeneinander? Thema Arbeitsbedingungen Wann: Donnerstag, , 18:30 Wo: Volkshochschule Brigittenau, Raffaelgasse 11, 1200 Wien Impressum: Verlegerin: Südwind Agentur Herausgeberin: Südwind Entwicklungspolitik Wien Redaktion: Nora Holzmann, Herbert Schindler Anschrift der Redaktion: Laudongasse 40, 1080 Wien Tel: 01/ Fax: 01/

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