Shi-Yeon Sung gewinnt den 3. Internationalen Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in Frankfurt am Main Seite 2

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1 Kulturexpress Unabhängiges Magazin print on demand September Zeitschrift für Kunst, Kultur, Philosophie, Wissenschaft und Wirtschaft Je Woche 2. Jahrgang 2006 ISSN Kulturexpress verpflichtet sich unabhängig über wirtschaftliche, politische und kulturelle Ereignisse zu berichten. Kulturexpress ist deshalb ein unabhängiges Magazin, das sich mit Themen zwischen den Welten aus Wirtschaft und Kultur aber auch aus anderen Bereichen auseinandersetzt. Das Magazin bemüht sich darin um eine aktive und aktuelle Berichterstattung, lehnt jedoch gleichzeitig jeden Anspruch auf Vollständigkeit ab. No. 37 Inhalt Ausgabe 37 Konzert Shi-Yeon Sung gewinnt den 3. Internationalen Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in Frankfurt am Main Seite 2 Ausstellung "A Story of Deception" (Patagonien 2006) von Francis Alÿs ist ein Versuch dem Phänomen Luftspiegelung in flirrender Hitze auf die Spur zu kommen Wirtschaft Seite 4 Single Euro Payment Area (SEPA) wonach ab 1. Januar 2008 alle Zahlungen im Euro-Zahlungsraum wie inländische behandelt werden Bilderbuch Seite 5 Architektur Denken. Ein Buch mit Bildern von Peter Zumthor aus dem Birkhäuser Verlag. Acht Vorträge zum Thema Leidenschaft und Schönheit Seite 7

2 Kulturexpress Shi-Yeon Sung gewinnt den 3. Internationalen Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in Frankfurt am Main Veröffentlicht am 10. September 2006 durch Alte Oper Frankfurt vom 10. September 2006 Foto. HU-Berlin Der 3. Internationale Dirigen tenwettbewerb Sir Georg Solti ist entschieden: Gewinnerin des ersten Preises ist die 31jährige Koreanerin Shi-Yeon Sung. Der zweite Preis geht an den Amerikaner Shizuo Kuwahara (30 Jahre), den dritten Preis erhält der Australier Matthew Coorey (32 Jahre). Zum ersten Mal gewinnt damit eine Frau den international renommierten Wettbewerb. Der erste Preis ist mit Euro, der zweite Preis mit Euro und der dritte Preis mit Euro dotiert. Die Gewinner des ersten und zweiten Preises erhalten zudem Einladungen zu Dirigaten des Frankfurter Museumsorchesters und des hr-sinfonie-orchesters sowie zu weiteren deutschen und internationalen Orchestern. Shi-Yeon Sung erhält außerdem den Ingrid zu Solms- Kulturpreis 2006 der gleichnamigen Stiftung in Höhe von Euro. Diese gemeinnützigen und wissenschaftlichen Zwecken dienende Stiftung zeichnet u.a. jährlich kulturelle Leistungen von Eliteformat von Frauen aus. Beim öffentlichen Abschlusskonzert am heutigen Sonntagvormittag in der Alten Oper Frankfurt dirigierten die drei Finalisten am Pult des Frankfurter Museumsorchesters folgende Werke: Der wunderbare Mandarin von Béla Bartók (Matthew Coorey), Richard Strauss Tondichtung Tod und Verklärung (Shizuo Kuwahara) und die Fantasie-Ouvertüre Romeo und Julia von Peter I. Tschaikowsky (Shi-Yeon Sung). Zum Abschluss des spannenden Vormittags dirigierte die Gewinnerin Shi-Yeon Sung Ludwig van Beethovens Egmont-Ouvertüre. Der Jury-Vorsitzende Rolf-E. Breuer verkündete nach einer kurzen Beratungspause die Entscheidung und sagte u.a.: (...)Die Jury war sich einig, dass das Niveau der Finalisten extrem hoch war. Das machte die Auswahl natürlich sehr schwer. (...) Es sei ferner wichtig zu wissen, dass nicht nur das heutige Dirigat in die Entscheidung eingingen, sondern auch die Vorrunden und die Probenarbeit. Und: Was wir hier fördern wollen, sind das Talent und die Entwicklungsmöglichkeiten eines Dirigenten. Das ist der Sinn des Wettbewerbs. Die Jury der heutigen Endausscheidung setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Lady Valerie Solti (Schirmherrin des Wettbewerbs und Witwe des 1997 verstorbenen legendären Dirigenten Sir Georg Solti), Paolo Carignani (Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt), Peter Ruzicka (Intendant der Salzburger Festspiele, künstlerischer Leiter der Münchener Biennale, Komponist und Dirigent), Ulrich Edelmann (Konzertmeister des hr-sinfonieorchesters) sowie Wolfgang Sandner (Musikkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt). Die Deutsche Bank Stiftung hat durch ihr großzügiges finanzielles Engagement zum dritten Mal den Wettbewerb ermöglicht. Sie übernimmt zudem auch wieder die Preisgelder. Impressum Herausgeber und Redaktion Rolf E.Maass Anschrift Postfach Frankfurt am Main mobil +49 (0) Voic +49 (0) Kontodaten: Rolf Maass Deutsche Kreditbank KTO: BLZ: internationale Site Kulturexpress in gedruckter Form erscheint wöchentlich ISSN St-Nr.: USt-idNr.: DE Kulturexpress - Unabhängiges Magazin

3 Mehr als 500 Kandidaten aus 72 Ländern zwischen 20 und 35 Jahren hatten sich zum diesjährigen Wettbewerb beworben. 24 von ihnen waren zu den beiden Vorrunden mit dem hr-sinfonieorchester vom 4. bis 7. September 2006 in Frankfurt (im hr-sendesaal) eingeladen worden, aus denen die drei Finalisten hervorgegangen waren. Zu den Gewinnern 1. Preisträgerin: Die 31jährige Süd-Koreanerin Shi-Yeon Sung begann ihre musikalische Karriere im Alter von 4 Jahren als Klavierschülerin; mit 13 Jahren gab sie ihren ersten Soloabend nahm sie ihr Dirigierstudium bei Prof. Rolf Reuter an der Hanns Eisler Musikschule in Berlin auf und debütierte schon im Folgejahr mit Mozarts Zauberflöte. Danach assistierte sie an den Theatern in Görlitz und Potsdam und leitete dort zahlreiche Opernaufführungen. Im Januar 2004 wurde Shi-Yeon Sung in das Dirigentenforum des Deutschen Musikrates aufgenommen, im gleichen Jahr gewann sie den 3. Solinger Dirigentenwettbewerb für Frauen. Die junge in Berlin lebende Dirigentin hat bereits mit dem Berliner Sinfonie-Orchester, den Berliner und Nürnberger Symphonikern sowie zahlreichen weiteren deutschen Orchestern zusammengearbeitet. Kulturexpress 3. Preisträger: Matthew Coorey, 1974 in Sydney geboren, ist z. Zt. Conductor in Residence beim Royal Liverpool Philharmonic Orchestra. Dem studierten Hornisten wurde 1999, nach nur 6-monatigem Dirigierstudium, von Seiji Ozawa ein Stipendium beim Tanglewood Festival zugesprochen. Hier arbeitete er mit renommierten Dirigenten wie André Previn, Jorma Panula und Seiji Ozawa zusammen. Meisterkurse führten ihn u.a. zu Edo de Waart, Peter Eötvös, Ton Koopman und Lorin Maazel. Matthew Coorey stand u.a. bereits am Pult des Sydney und des Melbourne Symphony Orchestra und des Moskauer Sinfonieorchesters. Kürzlich debütierte er bei den London Mozart Players, dem Hallé Orchestra und dem Seattle Symphony Orchestra. Der Internationale Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti ist ein Gemeinschaftsprojekt der Alten Oper Frankfurt, der Frankfurter Museums-Gesellschaft e.v., des Hessischen Rundfunks und der Oper Frankfurt, ermöglicht durch die Deutsche Bank Stiftung. Die Schirmherrschaft hat Lady Valerie Solti. Oper Frankfurt am Main Teilbetrieb der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main GmbH 2. Preisträger: Der junge amerikanische Dirigent Shizuo Kuwahara wurde 1976 in Tokio geboren. Er studierte an der Yale University und der Eastman School of Music, wo er mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet wurde. Er besuchte Meisterkurse u.a. bei David Zinman und Leonard Slatkin. Shizuo Kuwahara ist derzeit Stipendiat der American Symphony Orchestra League als Assistent von Christoph Eschenbach beim Philadelphia Orchestra. Kürzlich wurde er zum Assistant Conductor des Pacific Music Festival in Sapporo sowie zum künstlerischen Leiter der IPPO Philharmoniker ernannt. Geschäftsführer: Bernd Fülle Intendant der Oper Frankfurt: Bernd Loebe Untermainanlage Frankfurt am Main Telefon: 069 / (Für telefonischen Kartenverkauf bitte Ticket-Hotline 069 / wählen) Telefax: 069 / Kulturexpess - Unabhängiges Magazin 3

4 Kulturexpress "A Story of Deception" (Patagonien 2006) von Francis Alÿs ist ein Versuch dem Phänomen Luft-spiegelung in flirrender Hitze auf die Spur zu kommen Ausstellung im Portikus Alte Brücke vom 2. September bis 15. Oktober 2006 vom 12. September 2006 Fotos: Maass Die Ausstellung von Francis Alÿs "A Story of Deception" hat einen gleichnamigen Film zum Inhalt, der im Frühjahr 2006 in Zusammenarbeit mit Olivier Debroise und Rafael Ortega an der Südspitze Südamerikas entstanden ist. Hier auf dem Foto der hagere Mann ist Francis Alÿs neben Daniel Birnbaum, Städelschule. Das Projekt spielt in der Weite Patagoniens, wo sich das Volk der Tehuelche einmal im Jahr versammelt, um ein Exemplar des Laufvogels Nandu über viele Kilometer hinweg zu verfolgen, bis dieser vor Erschöpfung nicht mehr weiter kann. Francis Alÿs meint dazu: Ich war fasziniert von der Einfachheit der Methode, und natürlich vom Gebrauch des Gehens als Waffe, als eine Methode des Jagens. Der etwa zwei Minuten lange 16mm Film zeigt hauptsächlich eine Fahrt auf einem Highway und den durch die Hitze verschwommenen Horizont in einiger Entfernung, der jedoch nicht zu erreichen ist. Die haptische Qualität der Filmspule und des Filmstreifens und das ewige Weiterdrehen der Spule verstärkt zum einen das Flimmern des Trugbildes, zum anderen verdichtet sich die wiederholende Monotonie der Landschaft zum puren Bild von Bewegung. Kaum scheint das imaginäre Bild an der Horizontlinie in greifbarer Nähe zu liegen, verschwindet es sogleich wieder. Francis Alÿs sagt: Ohne die Bewegung des Beobachters, würde eine Illusion nichts anderes sein als ein unbeweglicher Flecken, lediglich eine optische Vibration in der Landschaft. Zur Ausstellung zeigt Francis Alÿs in verschiedenen Abschnitten auf einem Tisch unter Glasplatte die Entstehungsgeschichte von "A Story of Deception". Zusätzlich wird anschaulich der Einblick in Francis Alÿs Arbeitsweise gegeben. Das Interessante daran ist, daß die Ausstellung viel anregender wirkt als der Film selbst, den man sich zur Not auch abends auf Video oder im Kinosaal auf Leinwand anschauen könnte. Die Art der Präsentation in den Vitrinen ist viel eindringlicher und wirkt auf den Besucher. Die Verspieltheiten bei der Dekoration des Tisches auf dem die Manuskripte zur Einsicht gelagert sind. Kleine Holzleitern und Schlangen aus Plastik, die bei weitem nicht so gefährlich sind, wie sie vielleicht aussehen mögen. Genauso gehört der Blick aus dem Fenster - wirklich eine einzigartige Location für Frankfurter Verhältnisse auf der Maininsel - Das Bedeutsame ist, daß Luftspiegelungen ein Phänomen sind, die sich nicht nur in Patagonien finden, sondern in allen Ländern in denen es heiß wird und die Luft zu vibrieren anfängt. Den Menschen aus Südamerika ist dabei immer eine besondere Rolle zuzuschreiben, wenn es darum geht geheimnisvolle oder verborgene Welten zu eröffnen. Für einen Menschen aus Südamerika setze ich Francis Alÿs einmal, obwohl der 1959 in Antwerpen geboren wurde. Es ist noch nicht deutlich geworden, welche Absicht Francis Alÿs mit seinem Film verfolgt. Ist das Ergebnis letztlich nur Sophismus oder will uns der Künstler auf eine andere Bewußtseinsebene bringen? Das ist schwer zu sagen. Genaugenommen handelt es sich dabei um eine Begleiterscheinung für etwas ganz anderes, nämlich Nandu fangen. Das jemand per Zufall dabei etwas ganz anderes entdeckt, ist auch nicht neu. Aber die wissenschaftliche Untersuchung für das Phänomen wird nicht gemacht, sondern die künstlerische Umsetzung gesucht. Geht es darum, das Spiel mit dem Ungreifbaren Phänomen bis ins Unendliche weiterzutreiben? Das wäre dann mathematisch gesehen wie eine Hyperbel, die immer näher kommt, aber niemals die Achse ereichen wird. Eine naturwissenschaftliche Sondierung sollte im Spiel sein bei diesen Phänomenen. Rolf E.Maass 4 Kulturexpress - Unabhängiges Magazin

5 Francis Alÿs A Story of Deception vom 2. September Oktober 2006 Ausstellung PORTIKUS Alte Brücke 2 Maininsel Frankfurt am Main Deutschland TEL FAX: ÖFFNUNGSZEITEN Dienstag - Sonntag Uhr Kulturexpress Mittwoch Montag Uhr geschlossen zusätzlich geschlossen während des Ausstellungsumbaus. EINTRITT FREI Vom Flughafen: Alle S-Bahnen Richtung City, Haltestelle Konstablerwache Vom Hauptbahnhof: U-Bahn Nr. 4, 5, Haltestelle Römer Bus: 30/36, Haltestelle Schöne Ausicht Parkhaus Römer Kulturexpress Single Euro Payment Area (SEPA) wonach ab 1. Januar 2008 alle Zahlungen im Euro- Zahlungsraum wie inländische behandelt werden Auf Basis von IBAN und BIC wird eine Umstellung systematisch vorangetrieben. Hubert Piel sieht immerhin Einschränkungen in einer konsequenten Durchsetzung bis 2010 vom 13. September 2006 Fotos: Maass Hans Georg Fabritius, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundes-bank und Hubert Piel, Vorstand Zentraler Kre-ditausschuß (ZKA), rechts im Bild, stellten am 28. August im Gästehaus der Deutschen Bundesbank das Single Euro Payment Area (SEPA) als politisches Projekt mit internationaler Tragweite vor. Danach sollen im Euro-Zahlungsraum ab 1. Januar 2008 alle Zahlungen wie inländische behandelt werden. Im SEPA wird dann nicht mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen unterschieden. Die Nutzer dieses Angebots können bargeldlose Euro- Zahlungen von einem einzigen Konto vornehmen und hierbei einheitliche Formulare für Überweisung, Lastschrift und Kartenzahlungen verwenden. SEPA wird am 1.Januar 2008 jedes Kreditinstitut, jedes Wirtschaftsunternehmen und jeden Verbraucher betreffen. Schwerpunktmäßig geschieht das in den 12 Euroländern. Andere europäische Länder, die nicht dem Euroraum angehören, haben die Möglichkeit, die Regelwerke, Verfahren und Standards ebenfalls anzuwenden. Fabritius erklärte, daß neben dem SEPA Neuverfahren als Parallelphase und in Übergangszeit auch die Altverfahren noch gültig bleiben. Hier scheint mir ein Einschnitt zu sein, quasi eine Zäsur, denn wer nicht zum Euroraum gehört und sich nicht beteiligt, schottet sich automatisch gegenüber den Euroländern ab. Das sind gar nicht wenige Länder, wie Schweden und Schwedische Kronen, die Schweiz und der Schweizer Franken, Großbritannien und das Englische Pfund, die betroffen wären. Das sind bedeutende Währungen im europäischen Raum. Es wird immer schwerer an diese Währungen heranzukommen, sie ein- oder umzutauschen. Beispielsweise nimmt die hiesige Landeszentralbank außer Euro gar keine Fremdwährungen mehr an. Das grenzt schon an Diskriminierung gegenüber Nicht-Euroländern. Wenn von deutscher Seite ein solcher Vorstoß kommt, dann werden bestimmt viele hellhörig und schon aus Ressentiment dagegen sein. Der Pan-Europäische Vorstoß ist dabei genauso abzulehnen wie der Pan- Germanische. Andererseits wäre es schön, wenn solche Länder, die noch nicht dabei sind, sich überwinden könnten und Kulturexpess - Unabhängiges Magazin 5

6 den Euro als geltende Währung anerkennen. In Ländern wie der Schweiz oder in Schweden ist das auch Gang und Gebe. Wer dort in Grenznähe mit Euro bezahlt, kann das ohne Probleme tun. Umgekehrt stellt sich immer wieder die Frage, inwieweit die Euro Nationen nicht wieder zu ihrer eigenen Währung zurück wollen? Die Deutsche Mark war eine stabile Währung und gelegentlich ist zu vernehmen, wenn es um Geld geht, wird nicht vom Euro gesprochen sondern von der Mark. Inwieweit dies nur ein syntaktisches Problem ist oder ob vielleicht doch mehr dahinter steckt? Täglich werden im Euroraum 183 Millionen nicht in bar vorgenommene Zahlungstransaktionen getätigt. Davon entfallen fast 85 Prozent auf Überweisung, Lastschrift und Kartenzahlung. Mit der Einführung des Euro als gemeinsame Währung wurden schon die Grundlagen gelegt für einen einheitlichen Euro- Zahlungsraum. Die Einführung des Euro führte jedoch nicht zur Verwirklichung eines einheitlichen Binnenmarktes. Die Märkte sind immer noch stark fragmentiert. Jedes Land verfügt über eigene technische Standards, zum Beispiel in Bezug auf die Kontonummern- Systematik oder das Datenformat für den Zahlungsaustausch. Mit SEPA sollen diese Strukturen aufgebrochen werden. Im Jahr 2002 wurde EPC (European Payment Council) gegründet. Der EPC hat zur Zeit 64 Mitglieder aus 27 europäischen Ländern. Neben den europäischen Bankenverbänden sind vor allem nationale Bankenver-bände sowie große Kreditinstitute vertreten. Auf nationaler Ebene ist das deutsche Kreditgewerbe durch den ZKA (Zentraler Kreditausschuß) unter Mitwirkung der Deutschen Bundesbank beteiligt. Zu diesem Zweck wurde die EPC-Gremienstruktur auf nationale Verhältnisse übertragen. Bereits heute existiert in Deutschland mit der EU- Standardüberweisung ein vergleichbar standardisiertes Verfahren zur Abwicklung von Euro-Überweisungen bis Euro in andere EU- und EWR-Staaten. So werden Überweisender und Empfänger durch IBAN und BIC identifiziert. Die Überweisungsdauer darf dann maximal drei Bankarbeitstage dauern, unabhängig Kulturexpress davon in welchem Land des SEPA der Empfänger sein Konto unterhält. Im Zuge des Neuverfahren sollen internationale Bankleitzahlen eingeführt werden. Den Organisatoren des SEPA Systems schwebt ein marktgetriebener Übergang vor, Migration. Für die Nutzung der alten nationalen Instrumente soll ein Endtermin bis 2010 definiert werden. Danach ist der Übergang zum SEPA unumkehrbar geworden. Hans Georg Fabritius erläuterte, für die Akzeptanz der neuen Produkte und die Erreichung der kritischen Masse an Erstnutzern soll verstärkt geworben werden. Laut Fabritius sind es gerade die öffentlichen Kassen, die für das neue Verfahren mit Zusatzleistungen angeworben werden. Höhere Kosten durch das neue Verfahren für Master- und VISA Card, sollen nicht entstehen. Inwieweit sie billiger werden, hängt allein vom Wettbewerb ab. Hubert Piel wendete immerhin ein, daß Rationalisierungserfolge nur langsam erreicht werden, was bis 2010 nicht vollständig überwunden sein wird. Ein verstärkter Wettbewerb unter den Banken wird sich auf den gesamten SEPA Zahlungsraum ausdehnen. Das bedeutet dann, einzelne Banken können Kunden werben, unabhängig in welchem Euroland sie sind. Ein Kunde kann in Spanien ein Konto eröffnen, der vielleicht in Deutschland wohnt, weil die Bank ihm das Versprechen für günstigere Dispo-Zinsen gibt als die Heimat. Oder die Bank im Ausland Zusatzangebote offeriert, die dem Kunden erstrebenswert erscheinen. Erste bilaterale Pilotprojekte konnten bereits zu einer Allianz umgesetzt werden. Dazu zählen Eufiserv, electronic cash, Pago Bancomat, Euro 6000, MB Multibanco und das britische Link. Die Marktanteile setzen sich wie folgt zusammen. Deutschland setzt sich mit 23 Prozent fast zu einem Viertel des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der EU ab. Großbritannien trägt immerhin 20 Prozent und Frankreich 22 Prozent. Rolf E.Maass 6 Kulturexpress - Unabhängiges Magazin

7 Kulturexpress Architektur Denken. Ein Buch mit Bildern von Peter Zumthor aus dem Birkhäuser Verlag. Acht Vorträge zum Thema Leidenschaft und Schönheit Zweite aber erweiterte Auflage Architektur Denken des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Im Mittelpunkt stehen acht Vorträge, die man voll und ganz als Selbstreflexion bezeichnen kann vom 13. September 2006 Cover: Birkhäuser Eine Anschauung der Dinge, begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Architektur. Zumthor steigen innere Bilder auf, wie aus der Kindheit in der Erinnerung verankert. Gleichzeitig sind es Raumbeschreibungen, die vorgenommen werden. Beinahe etwas nüchtern, nicht unbedingt prosaisch. Er wundert sich über den sinnlichen Einsatz des Materials und weiß doch, daß es ihm bei der Beschreibung der Räume um etwas anderes geht. Es sind sozusagen Vorahnungen auf ein zukünftiges Projekt, die betrieben werden, um Ideen das notwendige Leben einzuhauchen. Es folgt der Satz: Wenn ich Gebäude entwerfe, versuche ich, diesen eine ähnliche Präsenz zu verleihen. Ein Bauwerk kann über künstlerische Qualitäten verfügen. Das muß aber nicht sein, könnte man den Satz vervollständigen. Eine Distanziertheit spricht aus den Gedanken. Ganz vorsichtig sind immer Grundkonzeptionen des architektonischen Entwurfs daran beteiligt, wenn über Geometrie nachgedacht wird, als gehöre sie zur Wohnungsein-richtung. Die praktische Vernunft obliegt. Der harte Kern der Schönheit, das Bauwerke in der Lage sind Emotionen hervorzurufen, ist schon ein starkes Stück. Die kalte Materie als Sinngeber, wie es Peter Zumthor versteht. Interessant, daß Italo Calvino in seinen "Lezione americani" die Sinnerfüllung der Wahrnehmung im Offnen, im Vagen und Unbestim-mten findet. Architektur als Denkform-Theorie wie das zwei Kollegen, Herzog und de Meuron tun, ist für Zumthor Anlaß über die Bedeutung der nicht mehr vorhandenen Ganzheit in der Architektur nachzudenken. Eine Antwort dazu liegt in den künstlerischen Prozessen, die bei der Frage, immer wieder die Präsenz der Ganzheit in der Architektur hervorrufen. Wenn Peter Handke sich als Schriftsteller der Orte bezeichnet und damit die Sachverhalte meint, um Bauwerke als Sachverhalte zu denken. Was hier aufscheint, ist die Reduktion auf die Sachen und Dinge, die sind. Der Architekt, der das Ding geschaffen hat, ist zwar nicht anwesend, aber er spricht ohne Unterlaß aus den Details des Gebäudes. Das Gedicht des amerikanischen Lyrikers Wallace Stevens Bouquet of Roses in the sunlight dient Zumthor um über Harmonie nachzudenken. Er meint Calvino würde ähnlich argumentieren, wenn er allein eine Idee der Literatur habe. Dann bringt Zumthor den Gedanken über den Aufenthalt bei den Dingen aus dem bekannten und vielmals gelesenen Aufsatz Bauen, Wohnen, Denken von Martin Heidegger. Von den Leidenschaften zu den Dingen, ist der Versuch Urbanität der Stadt Basel mit dem Bauerndorf in Graubünden zu vergleichen, in welchem Zumthor lebt. Er kennt eben viele Orte. Viel Leidenschaft findet sich gar nicht im Text. Es sind Erinnerungen aus der Jugend, die der Leser zu hören bekommt. Es sind Einzelheiten und das was ihm daran gefallen hat, wie der Saal mit der Sitznische. Körper der Architektur, ein Film von Aris Kaurismäki bringt die Wärme zurück, die fehlte. Es sind Reisebeschreibungen und Eindrücke auch von architektonischen Gebäuden. Relativ normal beschrieben. Könnte auch aus dem Tagebuch von ihm sein. Oftmals bleiben Andeutungen ungenau. Das neugebaute Haus eines Architekten. Welcher Architekt ist gemeint? Eine Stadt mit Häusern aus dem 19. Jahrhundert. Welche Stadt ist gemeint? Wo soll diese Rhetorik hinführen, ins Guggenheim-Museum, um dort das Schaffen der Künstlerin Meret Oppenheim anzuschauen? Architektur lehren, Architektur lernen mit Studenten. Architekturerfahrungen lehren ist schon schwieriger, weil sie nur aus Materie besteht und nicht abstrakt ist. Es sind Übungen, wie Kartonmodelle herstellen, das Zeichnen maßstäblicher Pläne und das Denken in Bildern. Hat Schönheit eine Form? Ein Bild von Rothko, vibrierende Farbfelder, reine Abstraktion. Wieder Beschreibungen, die wie Ortsbegehungen klingen. Um Schönheit zu erreichen, sagt Peter Zumthor, muß er ganz bei sich Kulturexpess - Unabhängiges Magazin 7

8 sein. Die besondere Substanz, welche Schönheit erkennt, liegt in ihm selbst, in seiner Sache. Lyrik der Dichterin Inger Christensen über Aprikosenbäume und Brombeeren befördern den ins Unendliche ansteigenden Rhythmus der Ficcano-Zahlrenreihe. Es ist eine Verdichtung aus Wörtern die funkeln. Die Magie des Realen und Das Licht der Leidenschaft sind eine Hymne an die Architektur, mehr läßt sich darüber nicht sagen. Andrzej Stasiuk beschreibt in seinem Buch Die Welt hinter Dukla Ereignisse und Gegenstände, die verschwinden, aufhören zu existieren oder unter ihrem eigenen Gewicht zerfallen. Der Autor Tanizaki Jun ichira vom Lob des Schattens schreibt, daß er auf den Besuch des Ishyama-Tempels verzichten wollte, als er hörte, daß man dort die Mondscheinsonate bei voller Beleuchtung abspielen wollte. Das Licht in der Landschaft ist von Friederike Mayröcker geschrieben worden. Ein autobiographischer Text, wie Zumthor meint, der teilweise sehr verschattet wirkt und über dem ein Bild mit der Titelaussage steht. Tanziko Jun ichiro lobt den Schatten. Rolf E.Maass Peter Zumthor wurde 1943 in Basel geboren und war Möbelschreiner, Gestalter und Architekt an der Kunstgewerbeschule in Basel und am Pratt Institute, New York. Seit 1979 führt er ein Architekturbüro in Haldenstein in der Schweiz und ist Professor an der Accademia di architectura Università dela Svizzera italiana. Peter Zumthor Architektur Denken Birkhäuser Verlag, Basel 2006 (1998) 2. erweiterte Auflage 96 Seiten, gebundene Ausgabe ISBN: Preis: 29, 90 uro ISSN Werbeangebot Bitte bei der Eingabe Ziffer 5000 verwenden. Danke! Kostenloses Online-Konto! Weltweit kostenlos Bargeld an allen Geldautomaten aller Banken Kostenlose VISA + EC-Karten und Partnerkarten 3,05 % Spareinlage ab dem ersten Euro 7,9 % Überziehungszinsen Auch als Zweitkonto verwendbar Sicherheit des Bankpartners durch Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds der öffentlichen Banken *

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