Mehr Europa. treffpunkt.europa. Wo die EU mehr Kompetenzen braucht. Zeitschrift der Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland.

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1 03/07 Ausgabe 03/2007 Mehr Europa Wo die EU mehr Kompetenzen braucht Zeitschrift der Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland 1

2 03/07 Liebe Leserinnen und Leser, Unser Schwerpunkt Mehr Europa Wo die EU mehr Kompetenzen braucht auf den Seiten 4 bis 9 geht der Frage nach, in welchen Bereichen die EU eine stärkere Rolle spielen sollte. Von den Bürgerinnen und Bürgern werden im eurobarometer vor allem die Terrorismusbekämpfung, der Umweltschutz und die Verteidigungs- und Außenpolitik genannt. Die EU-Bürger also sehen die Notwendigkeit von mehr EU, aber in vielen Politikbereichen sperren sich die Staaten gegen eine weitere Übergabe von Kompetenzen an die EU. Helmut Kuhne, MdEP, schreibt in seinem Artikel auf den Seiten 4 und 5: Wer die Europäische Integration vorantreiben will, braucht eine realistische Vorstellung davon, wie stark das Prinzip nationaler Souveränität immer noch ist. Im zweiten Teil des Heftes findet Ihr wie gewohnt den Artikel des Bundesvorsitzenden. Auf den Seiten 10 bis 12 gibt Jan Schubert vor dem anstehenden Bundeskongress in Köln einen Rückblick über die Ereignisse des vergangenen JEF-Jahres und schlägt den Bogen zu zukünftigen Projekten und Aktivitäten. Auf den bunten Seiten ab Seite 13 gibt es wieder frohe Botschaften über Neugründungen von JEF-Kreisverbänden, dieses Mal im Märkischen Kreis und in Stuttgart. Ihr könnt Alberta Acri, unsere neue Europäische Freiwillige im Bundessekretariat kennenlernen und Berichte über ein Theaterstück mit dem Namen Ich, Europa, ein altbekanntes Seminar auf Ventotene und eine Reise nach Rumänien und Bulgarien lesen. Viele Grüße nach Europa und viel Spaß beim Lesen wünscht Redaktionsschluss... der nächsten Ausgabe ist der 20. November Egal ob Ihr einen Themenartikel oder einen Bericht schreiben wollt, oder Ideen für externe Beiträge habt: Kontaktiert mich bitte rechtzeitig unter karen. Dann erfahrt Ihr, wie viel Platz es noch gibt und bekommt auch ein paar Tipps fürs Schreiben. Für unaufgefordert eingesandte Artikel gibt es keine Abdrucksgarantie. 2

3 03/07 inhalt Schwerpunkt: Mehr Europa Wo die EU mehr Kompetenzen braucht Der in Aussicht stehende Reformvertrag der EU geht vielen Pro-Europäern und vor allem uns Föderalisten nicht weit genug. Die Staats- und Regierungschefs hatten wohl immer noch die negativen Referenden ueber den Verfassungsvertrag in Frankreich und den Niederlanden im Hinterkopf, als sie entschieden, eine Reihe der ehrgeizigsten Regelungen des Verfassungsvertragsentwurfes zu streichen. Dabei denken die Bürgerinnen und Bürger der EU in vielen Bereichen viel weiter. Schwerpunkt Das Gewicht der EU international zur Geltung bringen 4 Hohe Standards für ganz Europa 5 Alles was möglich ist 7 Terrorismusbekämpfung in Europa - Taten statt Worte 8 Blickpunkt JEF-Jahr: Den Blick nach vorn und auch zurück 10 Reformvertrag: Guter Wille reicht nicht aus 13 Intern Ein Jahr Europa in Berlin 14 Extern indigo: Heimweh nach irgendwo 15 Lokal JEF erobert den Märkischen Kreis 16 Der JEF-Stuttgart neuen Atem eingehaucht 17 JETZT ANMELDEN: Einwanderungsgesellschaft Europa! 18 Umwege durch Sofia und Bukarest 19 Einmal mehr als eine Kosten-Nutzen-Funktion 20 Europäisch Web 2.0 in der JEF-Europa 21 Planschen mit der Kaiserstochter 22 Diese Publikation wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, BMFSFJ. Impressum Vierteljahresschrift der Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland, Ausgabe 03/2007 Herausgeber: Junge Europäische Föderalisten Deutschland, Young European Federalists Germany V.i.S.d.P.: Karen Matzke Redaktion: Karen Matzke Layout: Dörte Matzke Titelbild: Europäische Kommission Druck: Fata Morgana, Verlag: Eigenverlag Redaktionsanschrift: JEF-Deutschland, Sophienstr. 28/29, Berlin Homepage: Die Redaktion behält sich vor, Artikel zu kürzen. Namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. 3

4 03/07 Mehr EU? Das Gewicht der EU international zur Geltung bringen Es geht nicht um Kompetenzen über Ergebnisse des Gipfels vom Juni 2007 hinaus. Dort sind die Versuche der britischen Regierung gescheitert, die früher von ihr unterschriebenen Kompetenzen des EU-Außenministers (der allerdings nicht so heißen darf) zu verwässern. Eine realistische Zielsetzung für die EU besteht darin, die hoffentlich bald gültigen neuen Kompetenzen effektiv zu nutzen. Das erwarten die BürgerInnen selbst in Großbritannien. Obwohl der Europäische Außenminister offiziell nur Hoher Beauftragter heißen darf bedeuten seine künftige Doppelrolle auch als Vizepräsident der EU-Kommission und die Schaffung eines diplomatischen Dienstes der EU eine deutliche Stärkung dieser Position, die ihre eigene Dynamik entfalten wird. Warum eine gestärkte EU-Außenpolitik? Sollen etwa im Falle des Scheiterns einer Kosovo-Regelung im UN-Sicherheitsrat die USA durch einseitige Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo gegen die Europäer die Entwicklung auf unserem Kontinent bestimmen, die Europäer aber die Folgen tragen? Glaubt jemand, ein einzelner EU-Mitgliedstaat hätte Gespräche mit dem Iran wegen seines Atomprogramms beginnen können? Ein gemeinsames EU-Vorgehen hat die Weltgemeinschaft geeint und mindestens bis jetzt verhindert, dass die USA das Problem militärisch angehen. 4

5 03/07 Eine europäische Armee wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Die Verfügungsgewalt über das Militär ist klassischer Kernbereich nationaler Souveränität. Wer die Europäische Integration vorantreiben will, braucht eine realistische Vorstellung davon, wie stark das Prinzip nationaler Souveränität immer noch ist. Nicht zufällig bleibt auch nach den Ergebnissen des Juni-Gipfels 2007 dieser Politikbereich in der Zuständigkeit der nationalen Regierungen. Im Laufe von 2007 wird die EU 13 sog. Gefechtsverbände haben, die für militärische Operationen mit hoher Intensität rasch verlegbar sind. Diese Einheiten bestehen aus ca. je 1500 Soldaten, die aus verschiedenen Mitgliedsstaaten im Krisenfall schnell zusammengeführt werden können. Für militärische EU-Missionen steht eine eigene Einsatzzentrale zur Verfügung, falls kein nationales Hauptquartier eines Mitgliedsstaates benannt wurde. Bereits der Verfassungsvertrag enthielt richtigerweise die Vorschrift, wonach militärischen Maßnahmen der Europäischen Union auf der Basis der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen stattfinden müssen. Die nächsten notwendigen sowie möglichen Schritte integrativer Vertiefung liegen in der Schaffung gemeinsam nutzbarer Lufttransportkapazitäten sowie interoperabler Aufklärungs- und Kommunikationsinstrumente. Integrative Wirkung wird auch von einer Erhöhung der demokratischen Kontrolle über die gemeinsame Außenund Verteidigungspolitik durch die nationalen Parlamente und das Europäische Parlament ausgehen. Angesicht der dominanten Stellung der Mitgliedsstaaten in diesem Bereich werden effektive Kooperationsstrukturen zwischen dem EP und den nationalen Parlamenten benötigt. Autor: Helmut Kuhne, Mitglied des Europäischen Parlaments für die SPE (SPD) Mehr EU? Hohe Standards für ganz Europa Hochwasser, Klimaveränderungen, Luftverschmutzung oder Umweltgifte machen an nationalen Grenzen nicht halt. Genauso halten unsere Grenzen Terror und organisierte Kriminalität nicht mehr ab. Eine europäische in manchen Fällen sogar eine weltweite Zusammenarbeit ist dringend erforderlich, um auf diese Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren. Die Europäische Union ist dafür unser Instrument. Im Bereich der Umweltpolitik hat die EU eine Vielzahl von Kompetenzen, die sie nutzt, um auf Herausforderungen wie den Schutz der Artenvielfalt, den Schutz vor Umweltgiften, aber auch den Schutz vor Hochwasserkatastrophen zu reagieren. So hat zum Beispiel die Hochwasserrichtlinie gezeigt, dass es durch die europäische Politik möglich ist, unsere hohen deutschen Schutzstandards für alle EU-Staaten verbindlich zu machen. Dies stärkt den Umweltschutz in ganz Europa genauso wie unsere Stellung innerhalb der EU. Einheitliche hohe Schutzstandards in der EU, die in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten festgelegt werden, sind daher ein geeignetes Mittel, um die Bürgerinnen und Bürger besser zu schützen. 5

6 03/07 Dennoch gibt es meiner Meinung nach auch Bereiche, in denen die Europäische Union in Zukunft mehr Kompetenzen als heute braucht so zum Beispiel in der Energiepolitik. Wir müssen ein gemeinsames europäisches Energiekonzept entwickeln. Und dies kann nur auf der Ebene der EU passieren. Wir brauchen zudem eine gemeinsame Energieaußenpolitik, um dieses Konzept in der Welt nachdrücklich vertreten zu können. Ziel muss es dabei sein, die Importabhängigkeit vom Nicht-EU-Ausland zu verringern, die Energieversorgungssicherheit zu erhöhen, die gemeinsamen Klimaziele weiterzuentwickeln und auf der ganzen Welt Partner für unseren Kampf gegen den Klimawandel zu finden. Auch in der Terrorbekämpfung und dem Kampf gegen organisierte Kriminalität halte ich weitere europäische Kompetenzen für notwendig. Die Anschläge in Madrid und London sowie der vereitelte Angriff in Deutschland haben gezeigt, dass die Terrorgefahr auch in Europa groß ist. Wir sollten nicht in Panik verfallen. Aber gerade im Kampf mit weltweit tätigen Kriminellen wie Terroristen, Drogen- und Menschenhändlern braucht die EU in der Zukunft mehr Kompetenzen, damit unser Schutz stärker wird. Was ich für die Kompetenzfrage in der EU aber auch fordere, ist eine klare und deutliche Kompetenzabgrenzung. Die EU braucht Kompetenzen und sie muss zum Beispiel in den angesprochenen Bereichen weitere hinzubekommen. Aber es gibt auch Lebensbereiche und Politikfelder, aus denen sich die europäische Ebene heraushalten sollte. Für diese Bereiche muss eine klare Kompetenzabgrenzung gelten. Wo die Mitgliedstaaten mit ihren eigenen Mitteln etwas genauso gut oder besser regeln können, brauchen wir keine EU-Kompetenz. Diese Klarstellung war im Entwurf zum Verfassungsvertrag so vorgesehen; ich bin überzeugt, dass dies im Reformvertrag, der derzeit verhandelt wird, so übernommen wird. Denn wenn deutlicher wird, als dies heute der Fall ist, wer für was zuständig ist, werden die Menschen in Europa dem Projekt EU wieder mehr Vertrauen entgegenbringen. Autorin: Dr. Anja Weisgerber, Mitglied des Europäischen Parlaments für die EVP-ED (CSU) 6

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8 03/07 Mehr EU? Alles, was möglich ist Spätesten seit den Anschlägen auf die New Yorker Zwillingstürme am 11. September 2001 wird die politische Agenda der Innen- und Justizpolitik der Europäischen Union von einem Thema dominiert: Terrorismusbekämpfung. In den vergangen 6 Jahren sind zahlreiche Maßnahmen der Europäischen Union ergangen, die in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden und die nationalen Maßnahmen ergänzen sollen. Langsam, aber mit zunehmender Deutlichkeit müssen wir wahrnehmen, wie die politische Vorgabe, den Terror überall und mit allen Mitteln zu bekämpfen, unsere Gesellschaften verändern. Die Waage, die Sicherheit und Freiheit in einer sorgsam austarierten Balance halten soll, hat Schlagseite bekommen. Keine der Maßnahmen, deren Zielsetzung die Bekämpfung des internationalen Terrorismus zum Ziel hat, hat nicht einen Eingriff in die Grundrechte europäischer Bürger zur Folge. In den meisten Fällen ist das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung betroffen und damit unmittelbar der Datenschutz berührt. Die Liste der auf europäischer und nationaler Ebene beschlossenen Maßnahmen ist lang: Die Aufnahme biometrischer Merkmale in Ausweisdokumente, die Erfassung und Speicherung von Auftraggeberdaten bei Überweisungen, die Vorratsdatenspeicherung, die Übermittlung von Fluggastdaten, der Aufbau nationaler DNA-Datenbanken, der digitale Austausch von Kfz-Daten, Fingerabdrücken und DNA-Daten, die Videoüberwachung öffentlicher Plätze, die Rasterfahndung u.v.m. Doch da all dies den Terrorismus scheinbar nicht erfolg- reich zu bekämpfen scheint ist die Liste der Vorhaben mindestens genauso lang: Es wird nach einer Lösung gesucht, den großen Lauschangriff doch noch durchführen zu können; das Gleiche gilt für das auch vom Bundesverfassungsgericht gekippte Luftsicherheitsgesetz, das den Abschuss entführter Passagierflugzeuge ermöglichen sollte. Der Bundesinnenminister versucht, die Online-Durchsuchung von Computern durchzusetzen, dank SAFEE werden in Zukunft Videokameras und Mikrophone Fluggäste während des Fluges im Auge behalten und OP- TAG wird Bewegungen auf dem Flughafengelände nachvollziehbar machen. Aber Gott sei Dank haben wir alle ja nichts zu verbergen wir sind anständige Bürger und haben daher nichts zu befürchten. Bis auf ein Eindringen in unsere Privatsphäre, denn diese zu verbergen ist Jedermanns Recht. Vor längerer Zeit schon ließ der EuGH in einem Urteil verlauten, dass die Mitgliedstaaten acht geben müssten, dass sie mit den Maßnahmen, die sie zwar legaler Weise erlassen dürfen, nicht das Gegenteil von dem herbeiführen, was sie wollen, nämlich letzten Endes unsere freie Gesellschaft gefährden. Mit einiger Verzögerung hat diese Nachricht das Europäische Parlament erreicht. Seit Beginn des Jahres 2007 häufen sich fraktionsübergreifend die Forderungen, dass alle Maßnahmen, die die EU auf dem Feld der Terrorismusbekämpfung erlassen hat, einer Evaluierung unterzogen werden und auf ihre Effizienz im Verhältnis zu dem Eingriff in die Freiheiten der Bürger überprüft werden. Es bleibt die Hoffnung, dass dem Parlament die Luft nicht ausgeht. Abschließend muss festgehalten werden, dass es an der Zeit ist, das politische Handeln wieder gerade zu rücken: Zukünftig muss wieder der Eingriff in Freiheitsrechte gerechtfertigt werden und nicht die Verteidigung von Freiheitsrechten, wie es heute de facto der Fall ist. Und nicht zuletzt muss das Verhältnismäßigkeitsprinzip als Grundsatz der Terrorismusbekämpfung reanimiert werden. Es geht eben nicht alles, was möglich ist. Autor: Alexander Alvaro, Mitglied des Europäischen Parlaments für die ALDE (FDP) 8

9 03/07 Mehr EU? Terrorismusbekämpfung in Europa Taten statt Worte ein Amt ohne Befugnisse? Benötigen wir überhaupt neue Organisationen und Ämter? Ein weiteres sensibles Thema, das weite Teile der Bevölkerung bewegt, ist die Überwachung im Land. Für die einen ein legales und effektives Mittel zur Terrorismusbekämpfung, für die anderen ist das Mittel selbst eine Bedrohung. Auch wenn diese Maßnahmen in der Antiterror-Debatte eine große Rolle spielen, ist die EU an der Entscheidung nicht beteiligt. Im Europäischen Parlament werden endlose und verzögernde Diskussionen geführt aber es gibt wenig Entscheidungen. Im Ziel sind sich die Europäer einig: Dem Terrorismus muss schnell und effektiv begegnet werden. Doch die Wege dahin sind nicht einfach. Eine Kernfrage lautet: Wie viel Europa braucht der Kampf gegen den Terrorismus? Spätestens die Anschläge in Madrid und London haben verdeutlicht, dass auch Europa nicht vor extremistischer Gewalt geschützt ist. Sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene beraten Politiker, Geheimdienste, Polizei, Grenzschutz etc. über Konsequenzen. Eins wird immer deutlicher: Es gibt viele Vorschläge und Diskussionen - eine effiziente Umsetzung von gemeinsamen Maßnahmen ist jedoch noch ausgeblieben. Aber welche Maßnahmen sind nun die richtigen und welche gefährden die freiheitliche Bürgerrechte? Es steht außer Frage, dass die Europäische Union bei der Terrorismusbekämpfung eine entscheidende Rolle spielen muss. Der Terrorismus kennt schließlich auch keine nationalen Grenzen. Wir müssen Mut für weit reichende, gemeinschaftliche und vernetzte Entscheidungen haben. Die aktuellen Entscheidungen für den Bereich Justiz und Inneres im neu formulierten Reformvertrag können uns da weiterbringen. Europa bekommt mehr Kompetenzen in diesem Bereich. Diese Chance müssen wir nutzen. Jetzt reichen Ausreden nicht mehr. Europa wird in Zukunft Entscheidungen treffen müssen und zwar für wirkungsvolle Instrumente zur Terrorismusbekämpfung! Autor: Herbert Reul, Mitglied des Europäischen Parlaments für die EVP-ED (CDU) Verstärkte Zusammenarbeit ist das Schlagwort. Allerorten ist zu hören, dass Polizei, Justiz und Geheimdienste sich gemeinsam dem Kampf gegen den Terror stellen sollen. Über ein EU-weites Informationboard sollen künftig Daten rasch und wirksam ausgetauscht werden. So hätten in Zukunft alle Mitgliedsländer Zugriff auf wichtige aber auch sensible Informationen. Allerdings gibt es auch hier einige Umsetzungslücken, die es auszubessern gilt. Um dem Kampf gegen den Terror Stimme und Gesicht zu verleihen, haben die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer auf dem Gipfel einen Sicherheitskoordinator ernannt: Allerdings ist der Niederländer Gijs de Vries, bereits im Februar 2007 zurückgetretenen und der Posten wurde seitdem nicht mehr besetzt. Warum nicht? Ist es 9

10 03/07 Straßenaktion in München im Rahmen der Referendumskampagne JEF-Bundesverband Den Blick nach vorn und auch zurück Die Zeit um den jährlichen Bundeskongress ist prädestiniert für die Beantwortung der Frage nach der Strategie für das kommende Jahr und die weitere Ausrichtung unseres Verbandes. Auf unserem 54. Bundeskongress, der Anfang Oktober in Köln als Zukunftskongress mit dem Titel Unser Europa, unsere Zukunft stattfinden wird, wird dieses Thema im Mittelpunkt stehen. Nicht nur in der JEF-Deutschland arbeiten wir alle gemeinsam gerade unser Konzept für die Reaktion auf den Reformvertrag, die Wahlen zum Europäischen Parlament im Jahr 2009 und die Zukunft Europas aus. Auch in unserem europäischen Dachverband, der JEF-Europa findet eine rege Zukunftsdiskussion statt, u.a. vorangetrieben durch die in diesem Jahr stattfindenden Wahlen auf dem Europakongress (siehe dazu den Beitrag von Samuele Pii aus Seite 21 ). Eine Art Aufbruchsstimmung liegt in der Luft. Unsere nächsten Schritte sollten aber immer auch an die bereits gemachten Schritte anknüpfen andernfalls müssten wir uns jedes Jahr unseren Weg von neuem bahnen. Und das letzte Jahr war für die JEF in Deutschland ein unglaublich aktives Jahr. Begünstigt durch die Deutsche Ratspräsidentschaft standen uns in punkto Projektumsetzung und öffentlicher Wahrnehmung viele Möglichkeiten offen. Davon haben wir gemeinsam, d.h. alle Landesverbände, der Bundesverband und der Europaverband dergestalt Gebrauch gemacht, dass wir uns bei der Ergebnispräsentation auf den Landesversammlungen und dem Bundeskongress nicht verstecken müssen. Das politische Jahr 2006/2007 Den Anfang und somit die Einstimmung auf die bevorstehenden Ereignisse machte die Formulierung von Forderungen an die Ratspräsidentschaft aus Sicht junger Europäer. Diese Forderungen wurden mit leichten Modifikationen im Herbst von der Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings übernommen. Hier sind wir unserem Ziel, als der europapolitische Fachverband Schrittmacher der Diskussion des Themas Europa in anderen Jugendverbänden in Deutschland zu sein, gerecht geworden. Eine gemeinsame Positionierung mit den Mitgliedsorganisationen des Rings Politischer Jugend, also den Jugendparteien folgte Ende Januar mit der Forderung Austausch für alle. Diese Forderung wurde Anfang Februar Außenminister Steinmeier überreicht. Für die JEF waren Karen Matzke und Lutz Gude dabei. Auch in den Schulprojekttag im Januar klinkten wir uns mit gut vorbereiteten Unterrichtseinheiten und vielen vielen Vorträgen im ganzen Bundesgebiet ein. Es folgte die europaweite Belarus-Aktion in der Nacht vom 18. auf den 19. März, dem Jahrestag der Präsidentschaftswahlen in diesem Land. In mehr als 30 Ländern und 60 Städten forderten JEFfer in öffentlichen Aktionen unter dem Motto Europas Statuen so stumm wie die Menschen in Belarus Demokratie und Bürgerrechte im Staat Belarus ein. 10

11 03/07 Der nächste politische Meilenstein war die Verabschiedung der Berliner Erklärung durch die Staats- und Regierungschefs am 25. März. Eine kritische Bewertung dieser Erklärung wurde auf Einladung der JEF und der Europa- Union im drei Tage später stattfinden Parlamentarischen Forum Europas Verfassung im Berliner Reichstag vorgenommen. Im April wurde in München der europaweite Start der bereits im März in Deutschland begonnenen Unterschriftensammlung für die ambitionierteste Kampagne der JEF und ihrer Partnerorganisationen seit langem gefeiert - der Referendumskampagne zur Sammlung von einer Millionen Unterschriften zur Untermauerung der Forderung nach einem konsultativen Referendum über den Verfassungsvertragsentwurf. In den Folgemonaten fanden in vielen Städten Tagesaktionen zur Sammlung von Unterschriften statt. Zurzeit befindet sich das Projekt aufgrund der Aufgabe des Verfassungsvertrages zugunsten eines Reformvertrages in der Schwebe. In der Folgezeit konzentrierte sich unsere politische Aktivität auf die kritische Begleitung der Verhandlungen über den Verfassungsvertragsentwurf. Im Juni schickten wir gemeinsam mit anderen JEF-Sektionen an die Regierungschefs der EU-Mitglieder einen offenen Brief mit sechs Forderungen für die weiteren Verhandlungen. Unter anderem wandten wir uns gegen das Sherpa-Verfahren und forderten mehr Transparenz in den Verhandlungen über Europas Zukunft. Diese Forderung unterstützten wir eine Woche später mit einem Mailing an über 6000 Empfänger. In diesem veröffentlichen wir einen Tag vor Beginn der Verhandlungen in Brüssel, den Wortlaut des Verhandlungsmandats für die Regierungskonferenz, über das am Folgetag beraten werden sollte. Direkt nach dem Ende dieser Beratungen antwortete der Bundesausschuss auf die Verhandlungsergebnisse mit der Aussage: Das war nicht der große Wurf. Der Bundesvorstand legte Anfang Juli nach dem Ende der deutschen Ratspräsidentschaft mit einer Gesamtbewertung der vorangegangenen 6 Monate nach und stellte fest: Geschafft wurde, was zu schaffen war. Wir konnten in dieser europapolitisch spannenden Zeit zeigen, dass wir schnell und professionell reagieren können, auch wenn die Gemengelage komplex und unübersichtlich ist. Zu einer Auswertung der Ratspräsidentschaft, gemeinsam mit den anderen Jugendorganisationen in Deutschland, luden wir mit dem Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) Ende August nach ANZEIGE 11

12 03/07 Berlin. Auch hier haben wir wieder das Ziel verfolgt, die anderen Jugendverbände zum Thema Europa an einen Tisch zu holen und Schrittmacher der Diskussion zu sein. Das Projektjahr 2006/2007 JEF gelingt gemeinsam Schaustelle Europa, Speak Up Europe, YOUrope sind die Schlagworte, die sicher treffend in Erinnerung rufen, an wie vielen Projektumsetzungen wir im vergangenen Jahr zusätzlich zu unseren üblichen Projekten beteiligt waren. Um ein paar Zahlen herauszugreifen: Allein im Rahmen von Speak Up Europe haben wir in Deutschland insgesamt 13 Projekte umgesetzt. Um dies zu schaffen, gab es mit insgesamt 8 Landesverbänden eine sehr enge und erfolgreiche Kooperation manche Landesverbände waren gleich in mehrere Projektumsetzungen involviert. Erweitert man den Fokus auf alle Projekte, waren insgesamt 11 von 14 Landesverbänden an einem Kooperationsprojekt beteiligt. An dieser Stelle kann ich allen Beteiligten nur herzlich für die investierte Arbeit und Mühe danken. Um bezüglich der Wortwahl eine Anleihe bei der deutschen Ratspräsidentschaft zu machen: JEF gelingt gemeinsam. Dieser Satz sagt meines Erachtens aus, was wir in diesem Bereich im vergangenen Jahr gelebt und erlebt haben. Diese beispielhafte Aufzählung ist nicht vollständig, verleiht dem Bild aber schärfere Konturen: Einsteigerseminar in Würzburg, Einsteigerseminar in Dresden, Veranstaltung im Kieler Landtag, Podiumsdiskussion und Straßenaktion in München, Berlinseminar, Ausrichtung des FC der JEF-Europa, Mitausrichter des Parisseminars, Seminar in Erfurt, Bildungsseminar in Marburg, Podiumsdiskussion in Berlin, Seminar in Tübingen, 2 Simulationen des Europäischen Parlaments usw. auch in den nächsten Monaten JEF leben wollen. Genaue Termine und Anmeldemöglichkeiten erfahrt ihr in unserem Bundessekretariat und natürlich bei den ausrichtenden Landesverbänden. Im Ergebnis ergibt sich für mich folgendes Bild: Der Motor läuft auf vollen Touren und wir dürfen uns meines Erachtens für die nächsten Jahre viel zutrauen. Und das ist auch erforderlich. Denn auch wenn mit der politischen Einigung auf einen Reformvertrag vieles geschafft wurde, was wir lange fordern, bleibt doch der bittere Nachgeschmack, dass im Ergebnis nur eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner möglich war. Europa demokratischer, transparenter und in den wichtigen Politikbereichen handlungsfähiger zu machen, bleibt eine wichtige Aufgabe aus dieser Zieldefinition sollten wir unsere zukünftigen Forderungen ableiten. Rückenwind für unsere Idee eines zunehmenden politischen Zusammenwachsens Europas, gibt das Eurobarometer. Danach erwarten immerhin 54 Prozent der Deutschen, dass Europa irgendwann in der Zukunft einen direkt gewählten Präsidenten haben wird und mehr als 80 Prozent der Bundesbürger wünschen sich eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Mehr Europa ist nicht out. Auf ins nächste JEF-Jahr. Jan Schubert, Bundesvorsitzender der JEF Natürlich bringt viel Arbeit auch immer mal wieder Reibereien mit sich. Aber im Ergebnis zählt, dass wir im vergangenen Jahr mit unseren Aktivitäten viele Leute in unserem Alter erreicht haben, die vorher weniger mit dem Thema Europa zu tun hatten, die vielleicht eine Möglichkeit gesucht haben, sich mit Europa auseinanderzusetzen und denen wir dafür eine Plattform bieten konnten. Nebenbei haben diese Leute auch uns, die JEF, kennengelernt. Und das ich wichtig für uns, denn als Organisation junger Menschen leben wir davon, dass ständig Leute zu uns stoßen und sich für unsere Arbeit begeistern. In diesem Jahr stehen noch weitere Projekte an. Der Bundeskongress in Köln, der Europakongress in Kopenhagen, das Migrationsseminar in Frankfurt, die Parlamentssimulation in Berlin und Hamburg, die Straßburger Gespräche und viele andere Aktivitäten sind ein Angebot an alle, die 12

13 03/07 Reformvertrag Guter Wille reicht nicht aus Andrew Duff MdEP (GB) berichtete über Regierungskonferenz Berlin Das Parlament sitzt mit am Tisch, es wird zumindest toleriert. Das ist ein Fortschritt gegenüber den alten Geheimverhandlungen bei Regierungskonferenzen bekräftigte Andrew Duff, EP-Abgeordneter aus England im Paul-Löbe-Haus in Berlin. Als einer von drei Vertretern des Europäischen Parlamentes, die in die Regierungskonferenz eingebunden sind, hat Andrew Duff auf Einladung der Jungen Europäischen Föderalisten und Markus Löning MdB rund 70 Bürgerinnen und Bürger einen Einblick in die aktuellen Verhandlungen gewährt. Darunter auch eine große Gruppe aus der norwegischen JEF-Sektion. Gegenwärtig befindet sich die EU in einer enorm spannenden Phase, in der sich die Zukunft des europäischen Projektes entscheide. Duff beendete seine Ausführungen mit dem mahnenden Appell: Wenn wir es diesmal nicht schaffen, dann fürchte ich, das die Europäische Integration für eine ganze Generation zurückgeworfen wird. Lutz Gude Geschäftsführender Bundessekretär der JEF-Deutschland Andrew Duff zeigte sich zuversichtlich, dass bei allen Beteiligten der Wille zur Einigung bis Oktober vorhanden sei. Es sei allerdings sehr schwierig aus einem guten Willen einen konsensfähigen Vertragstext zu formulieren. Auf dem Weg zum EU-Reformvertrag sieht Duff daher noch Hindernisse. Ein möglicher Opt-out der Briten bei der der dritten Säule der EU polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit sowie die Nichtanwendung der Grundrechtcharta durch einige Mitgliedsstaaten, wodurch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft auf europäischer Ebene entstehen könne, sind in diesem Prozess problematisch. 13

14 03/07 Europäischer Freiwilligendienst Ein Jahr Europa in Berlin Seit Mitte Juli hat die JEF-Deutschland Verstärkung aus dem sonnigen Süden Europas. Alberta Acri aus Rom ist die neue Europäische Freiwillige im Bundessekretariat in Berlin. traf Alberta auf einen Kaffee und fragte sie nach ihrer Arbeit bei der JEF und nach ihrem Leben in Berlin. Alberta: Ich habe in Rom Übersetzen und Dolmetschen studiert und war für mein Erasmus schon einmal in Deutschland. Und jetzt habe ich mir gerade ein Vokabelheft gekauft und schreibe jedes neue Wort gleich auf. Das letzte Wort darin ist Kassenprüfung, aber das brauche ich glaube ich im richtigen Leben nicht so oft! tp: Wie lebt es sich in Deutschland? Gibt es viele Unterschiede zu Italien? Alberta und andere Freiwillige während des Einführungsseminars für Europäische Freiwillige in Deutschland tp: Alberta, wie kamst Du eigentlich auf die Idee, für ein Jahr als Europäische Freiwillige zur JEF nach Berlin zu kommen? Alberta: Ich war letztes Jahr auf dem Ventotene-Seminar und hab dort die JEF kennengelernt. Und weil ich mit dem Studium fertig war und ich noch eine Auslandserfahrung in Deutschland sammeln wollte, habe ich mich um die EVS-Stelle bei der JEF-Deutschland beworben. Bis ich dann wirklich in Berlin war, hat es aber noch eine ganze Weile gedauert. tp: Und was genau machst Du jetzt bei der JEF? Alberta: Ich bin im Bundessekretariat zur Hälfte für mehrere Projekte verantwortlich, zur anderen Hälfte mache ich ganz normale Büroaufgaben wie s beantworten und telefonieren. Für das Migrationsseminar im November bringe ich meine Ideen mit ein und versuche sie umzusetzen. Dann organisiere ich die Einbindung der European Vibes -Ausstellung in den Bundeskongress und für die Berliner schreibe ich an einem Papier über die Haltung Italiens zu verschiedenen Politikfeldern. Das Papier wird dann für die Simulation des Europäischen Parlaments im Herbst verwendet. tp: Woher kannst Du eigentlich so gut deutsch? Alberta: Mir gefällt es gut hier, besonders in Berlin. Man hat so viele Möglichkeiten hier, die Leute sind offen, man könnte nackt auf der Straße gehen und es würde niemanden groß interessieren... Auf der anderen Seite halten sich die Deutschen zu sehr an Regeln. Wenn man auf der Post ist und ein Päckchen verschicken will, das nur ein Gramm zu schwer ist, heißt es gleich: Oooh, das ist jetzt aber schon ein Paket!! Das Arbeiten ist auch ganz anders als in Italien. Man arbeitet viel selbstständiger und im Büro wird nicht so viel geredet. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen. tp: Was wäre denn Dein Traumprojekt bei der JEF? Alberta: Ich würde am liebsten etwas mit Kultur machen, das interessiert mich am meisten. Ein kleines Kinofestival mit Filmen aus ganz Europa oder eine europäische Kunstausstellung. Aber das Migrationsthema finde ich auch sehr spannend. tp: Und zum Schluss noch die Frage: Was ist Europa für Dich? Alberta: Italien und Europa, daher komme ich. Ich fühle mich als Europäerin. Nach dem EVS-Einführungsseminar saß ich mit einer Französin und einem Spanier im Zug nach Berlin und hab mit ihnen über Politik diskutiert, da hab ich mich sehr europäisch gefühlt. tp: Danke für das Gespräch! 14

15 03/07 Heimweh nach irgendwo Was haben Polen, Portugiesen und der Rest Europas gemeinsam? Die Gründer des Europa-Magazins indigo haben eine simple Antwort: ein Lebensgefühl. Die EU-Fahne muss brennen. Am besten auf der Titelseite, hatte der niederländische Redakteur vorgeschlagen. Die Schlagzeile wäre dann Who cares?. Der Fotoredakteur wiederum wollte ein knutschendes Pärchen vor blauem Schäfchenwolkenhimmel als Coverbild, innen dann das gleiche Pärchen vor Gewitterwolken: vom Blitz getroffen, mit versengtem Haar und irrem Blick: Quo vadis, Europa? So ungefähr verlief im März diesen Jahres die Diskussionen um die Frontseite der ersten Ausgabe von indigo. Unser Anspruch war hoch das erste europäische Lifestyle Magazin gründen doch die Mittel ziemlich gering: Enthusiasmus und, nicht zu unterschätzen, Netzwerke. Die meisten der Gründer kamen aus Berlin und sind mit der Deutschen Jugendpresse und der European Youth Press (EYP) groß geworden. Da sich europäisches Lebensgefühl nicht mit einem deutschen Team journalistisch umsetzten lässt, ist die indigo-redaktion heute auf dem ganzen Kontinent verteilt. Die Internetzeitung cafebabel. com unterstützte uns mit einem Link auf ihrer Seite im Januar 2007 kamen so 25 junge Journalisten aus acht Ländern zum ersten Redaktiontreffen nach Dortmund. Dort entstand auch der Titel. Der Art Director behauptete, Indigo sei die Farbe der EU-Flagge. Stimmt zwar nicht, passt im Nachhinein aber besser zum Konzept, das dort erarbeitet wurde: indigo sollte in mehreren Sprachen erscheinen und das Lebensgefühl junger Europäer ausdrücken. Die Themen müssen relevant sein und dürfen eines so wenig wie möglich beinhalten: die EU und ihr Institutionen. Europa ist für die Zielgruppe viel mehr. Es duftet nach fremden Städten, erfrischt mit Sprachver- wirrung, überwältigt mit Freiheit, ist Musik und Rhythmus. Wer das Magazin liest, soll Heimweh nach der Fremde bekommen Homesick for Europe wurde zum Slogan von indigo. Mittlerweile ist das Team auf 160 Mitarbeiter aus dutzenden Ländern angewachsen: Redakteure, Autoren, Übersetzer, Layouter, Organisatoren, Grafiker oder Comiczeichner, es gibt Teams die Distributionswege aufbauen, Anzeigen aquirieren und Förderanträge bei der EU einreichen. Ohne geht es kaum. Selbst langfristig kann ein Europa-Magazin kommerziell kaum erfolgreich sein. Ein europäischer Anzeigenmarkt wächst nur sehr langsam, herkömmliche Kiosk-Distribution auf dem ganzen Kontinent ist unerschwinglich. Die Produktionskosten des Magazins wären immens, würden auch nur die Übersetzer ein Honorar verlangen. Trotzdem hat die EU, hoffentlich, ein großes Interesse daran, uns auf die Beine zu helfen: Niemand muss Gesetzgebungsverfahren zwischen Rat und Kommission toll finden, um Europa zu lieben. Der Autor, Ingo Arzt, ist Chefredakteur von indigo indigo...ist das erste europäische Lifestyle Magazin. Die Zielgruppe fühlt sich jung, studentisch, urban und verbindet mit Europa ein Lebensgefühl. Die erste Ausgabe erschien zum 50. Jahrestag der römischen Verträge am 25. März 2007 als pdf auf Spanisch, Italienisch, Englisch, Deutsch, Polnisch, Niederländisch und Französisch. Die zweite Ausgabe erscheint im November 2007, wird von der Allianz Kulturstiftung gefördert, der Druck durch Anzeigenerlöse finanziert. Ehrenamtliche, verlässliche Mitarbeiter sind willkommen vor allem Finanz- und Verlagsmanager. Mehr unter Fragen an 15

16 03/07 Neugründung Junge Europäische Föderalisten erobern den Märkischen Kreis Die Mitglieder der Jungen Europäischen Föderalisten im Märkischen Kreis trafen sich am 6 Mai im Iserlohner Rathaus, zu den ersten Vorstandswahlen. Zum Vorsitzenden des Kreisverbandes wurde Pavlos Xanthopoulos- Segovia (Werdohl) gewählt. Er bekleidet das Amt zum ersten Mal. Wir werden im Märkischen Kreis viel Einsatz zeigen, um möglichst viele Neumitglieder für die JEF zu gewinnen, so der Vorsitzende. Schwerpunkt unserer Arbeit soll vorerst die Einrichtung eines regelmäßig stattfindenden Stammtisches sein. Für jeden Stammtisch soll ein spezifisches Europa-Thema ausgewählt werden. Wir wollen zu diesen Veranstaltungen auch Experten einladen, um eine konstruktive Diskussionsgrundlage zu schaffen, erklärt Segovia. Die JEF-MK haben im Jahr 2007 ein abwechslungsreiches Programm vor sich. Zu stellvertretenden Kreisvorsitzenden wurden Matthias Quaschnik (Hemer), Europabeauftragter der Stadt Iserlohn sowie Mitorganisator der Europatage, und Anna Hollstegge (Menden) gewählt. Die Kasse der JEF wird von Jan Kuschmiersz aus Werdohl geführt. Das Amt des Schriftführers und Neumitglieder-Beauftragten wird von Philipp Potthoff (Menden) bekleidet. Weiter wurden die Beisitzer Patrick Sommer und Sarah Löwenstein aus Menden in den Kreisvorstand gewählt. Matthias Eggers unterstützt die JEF-MK als Kassenprüfer. Als Gäste aus dem Landesvorstand der JEF konnte Segovia Dana Friedrich und Alexander Finke begrüßen. Beide sicherten der neu gegründeten Gruppe ihre volle Unterstützung zu. Dr. Adalbert Düllmann, der Vorsitzende der Europa-Union (MK), gratulierte dem neuen Vorstand. Es würde mich freuen, wenn wir einander bei unseren Vorhaben unterstützen und gemeinsam den heimischen Schulen bei der Erfüllung ihres Auftrags helfen, das Bewusstsein einer europäischen Identität in den jungen Menschen zu wecken., so Düllmann. Auch der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schick gratulierte dem neuen Vorstand während seines Besuchs auf dem Europafest am Nachmittag. Dort hatten die JEF-Mitglieder einen Informationsstand aufgebaut und mit einem Europaquiz den Kenntnisstand der Iserlohner Bevölkerung zu Europa getestet. Weitere Informationen unter: und Autorin: Anna Hollstegge 16

17 03/07 Simona Haas, Alexander Götz, Geronimo Fritsch, Viktorija Gierer, Simon Widmann von der JEF-Stuttgart Neugründung II Der JEF-Stuttgart neuen Atem eingehaucht Vier lange Jahre lag der Patient JEF-Kreisverband Stuttgart im Koma. Dank eines Rettungseinsatzes einer kleinen Gruppe junger Europäer weilt er jetzt wieder unter den Lebenden. Das Großhirn des Patienten ist als so genannter Vorstand wieder voll funktionsfähig und aktiv. Die ersten Impulse an alle Organe lauten: Bringt den Menschen in der Region Stuttgart das zusammenwachsende, demokratische, solidarische und föderale Europa näher! So aktiv kann der Patient nur wieder sein, weil er viele unterschiedliche Bestandteile hat. Ob Schüler, gerade fertige Abiturienten, Studenten, Promovierende oder auch bereits Berufstätige all diese unterschiedlichen Wissens- und Altersgruppierungen mit unterschiedlichen Begabungen bieten einen funktionstüchtigen JEF-Körper. Und so soll JEF sein: Unterschiedliche junge Menschen, die aus unterschiedlichen Ländern stammen, arbeiten gemeinsam für die Europäische Identität, die als gelebte Gemeinschaft zu verstehen ist. Durch zahlreiche Veranstaltungen leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu, diese allen Menschen zugänglich zu machen. So ist es sehr erfreulich, dass gerade in Stuttgart die Mitgliederzahl steigt und ein weiteres Steigen absehbar ist. Erfreulich, denn schon jetzt ist JEF in über 30 Ländern Europas mit mehr als Mitgliedern aktiv! Um die Erfolge in Stuttgart langfristig aufrecht erhalten zu können, sind die nächsten Ziele klar: Webseite gestalten, Konto eröffnen, mit der Europa-Union Stuttgart Etatfragen klären, die neuen JEF-Mitglieder mit Europa-Union-Mitgliedern vertraut machen usw. Denn gerade durch Kooperation mit den alten Hasen soll vor allem bei jungen Menschen neue Begeisterung für ein gemeinsames, vereintes Europa geweckt werden. Dafür setzen sich die neue Vorsitzende Viktorija Gierer, die stellvertretenden Vorsitzenden Simon Widmann und Geronimo Fritsch, der Schatzmeister Goce Peroski und die Beisitzer Alexander Goetz, Ulrich Walter und Theodoros Koinaris gemeinsam mit allen anderen JEF-Mitgliedern in und um Stuttgart ein. Und wenn alle Organe gut zusammenarbeiten, wird der Mensch JEF langfristig gesund bleiben und noch weiter wachsen. Die JEF Stuttgart freut sich über jedes neue Mitglieder in und um Stuttgart! Weitere Infos unter oder per Mail über Viktorija Gierer Autorin: Simon Widmann 17

18 03/07 JEF-Seminar Einwanderungsgesellschaft Europa! Vom November 2007 findet in Frankfurt am Main ein internationales JEF-Seminar zum Thema Einwanderungsgesellschaft Europa statt. Wer dabei sein will, kann sich jetzt bewerben. Mitten in Europa, mitten in Deutschland, einer Stadt mit vielen Migranten wollen wir zwischen Wolkenkratzern und Flughafen über Migration in und nach Europa diskutieren. Welche Gründe gibt es für Migration? Was sind die Auswirkungen auf die Einwanderungsgesellschaften? Mit welchen Problemen werden Auswanderungsgesellschaften konfrontiert? Mit Fachleuten aus Migrantenorganisationen, Politik, Wissenschaft und Ausländerbehörden sprechen wir über illegale Migration, Asyl, Integration und qualifizierte Einwanderung nach Europa. Im Seminar wechseln sich interaktive Workshops mit Diskussionen und Vorträgen ab und auch das Rahmenprogramm wird bunt. Neben internationalem Essen und internationalen Teilnehmern werden wir die Partymetropole Frankfurt erkunden und - wenn alles gut geht - eine Exkursion zum Frankfurter Flughafen organisieren, einer der größten Flughäfen in Europa und einer der Ankunftspunkte von Immigranten und Asylbewerbern. Der Teilnahmebeitrag beträgt 40 Euro (50 Euro für Internationale Teilnehmer) inkl. Übernachtung und Verpflegung. Die Fahrtkosten werden zu den bekannten Konditionen erstattet. Für lokale Teilnehmer beträgt der Beitrag OHNE Übernachtung und Frühstück 20 Euro. Die Anmeldung zu diesem Seminar sind ab sofort möglich unter oder Mehr Infos gibts auf 18

19 03/07 eu_checker Umwege durch Sofia und Bukarest Wunschvorstellungen oder Projektionen die wenig mit der Wirklichkeit gemein haben. In den Ländern haben wir zunächst also auch über uns selber sprechen müssen, über die Fallstricke der Wahrnehmung und über die Interessen, die unsere Erkenntnisse bisher geleitet haben oder leiten könnten. Die JEB-Reisegruppe vor dem Ceausescu-Palast in Bukarest Nach links, rechts die Rolltreppe runter oder einfach immer geradeaus? Bulgarisch beherrscht niemand von uns, das kyrillische Alphabet kennt erst recht keiner. Die Wegweiser sind scheinbar keine Hilfe, um uns in der Hauptstadt zurecht zu finden. Um Frau Shikova, Adviser für Information und Kommunikation in der Vertretung der Europäischen Kommission in Sofia, doch noch rechtzeitig zu treffen, nehmen wir ein Taxi. Ingrid Shikova faltet die Hände und lächelt. Das kyrillische Alphabet ist auch ein Beitrag Bulgariens zur Europäischen Union. Das passt schließlich zur Losung der EU, Einheit in Vielfalt. Wir, die Junge Europäische Bewegung Berlin Brandenburg, haben in diesem Jahr die neuen EU Beitrittsländer besucht. Unsere Reise führte uns von der bulgarischen Hauptstadt Sofia über die Grenzstadt Russe nach Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens und zuletzt nach Sybio, der Kulturhauptstadt Die Jungen Europäischen Föderalisten, die in über dreißig Ländern Europas präsent sind, bieten ohne Frage die Möglichkeit für die Europäische Jugend sich untereinander kennen zu lernen. Die Landesverbände der JEF- Deutschland tragen durch ihre internationalen Seminare dazu bei. Ein Land zu besuchen, um es kennen zu lernen, ist mit der Anstrengung verbunden, sein angelesenes Wissen in Relation mit dem zu stellen was man in dem Land selber erleben wird. In Gesprächen mit Mitarbeitern von NGOs wie Transparency International oder mit dem bulgarischen Europaabgeordneten der PSE, Kristian Vigenin, hatten wir Gelegenheit neues über die Länder zu erfahren. Im Ergebnis war dieser Austausch der Anfang, die Vielfalt in Bulgarien und Rumänien zu erkennen; um die Länder zu verstehen, bedarf es allerdings mehr als ein Seminar. Die Offenherzigkeit und Gastfreundschaft, das Interesse der Bulgaren und Rumänen an den Besuchern aus Deutschland ermöglichte es sehr schnell sich kennen zu lernen. Den JEF Sektionen vor Ort haben wir zu danken, denn sie haben das Seminar maßgeblich mitgetragen. Die vibrierende Neugier nach nie erfahrener Menschlichkeit schrieb Thomas Mann, liegt der eigentlichen Reiselust zu Grunde. Wir haben im weiteren Verlauf der Reise übrigens auf Taxis verzichtet. Schließlich lernt man die Wegweiser der Länder nur dann kennen, wenn man sich auch die Mühe macht Umwege in Kauf zu nehmen. Autor: Felix Baumert Wir bedanken uns bei den JEF Sektionen in Bulgarien und Rumänien, der Politikfabrik e.v. und dem Medienlabor sowie bei der Unterstützung der JEF Freiburg! Unsere Reiseberichte findet ihr unter Wenn sich unser Vorwissen, auf die Aneinanderreihung einzelner Medienberichte und parteipolitischen Äußerungen zu den neuen Mitgliedsländern beschränkt, dann entstehen daraus leicht Interpretationen, Zerrbilder, 19

20 03/07 Ich, Europa! Einmal mehr als eine Kosten-Nutzen-Funktion Selbst unter wahren Europa-Fans wird die EU meistens mit dem Hinweis auf ihren Nutzen gerechtfertigt: Schilder an Autobahnen die von der EU mitfinanziert sind, Hinweise auf Broschüren und Internetseiten. Es geht auch anders. Es ist das alte Spiel: Immer wieder verfallen die Verfechter der EU in dieselben defensiven Argumentationsmuster und wählen dafür stets dieselbe Form: Podiumsdiskussion für Podiumsdiskussion bleiben wir sachlich. Die Schaustelle Europa der Europäischen Bewegung Deutschland bot indes die Gelegenheit, einen neuen Zugang zu Europa zu erforschen. Gemeinsam mit dem Regisseur und Autor Mottel Schuscha produzierten wir ein Stück, das die Geschichte der mythologischen Europa aufgreift und auf einer emotionalen Ebene den Brückenschlag zwischen den Emotionen des Individuums und der Geschichte des Kontinents wagt. Der Sage nach entführt Zeus die phönizische Königstochter Europa nach Kreta, wo er sie verführt. Anschließend verlässt er sie dort. Um die Herzzerbrochene zu trösten, benennt Aphrodite den Kontinent nach ihr. Das Stück konzentriert sich voll und ganz auf das emotionale Innenleben der verlassenen Frau. Fast wirr vor Trauer gibt sie ihre innersten Ängste preis und offenbart dabei das Prinzip Europas: Hoffen, scheitern und dennoch weitermachen. Die Geschichte dieser Frau ist die Geschichte Europas. Durch Schlüsselwörter und Bilder werden Parallelen zur Geschichte unseres Kontinents hergestellt: Der Strand an dem Europa mit sich selbst kämpft erweckt unmittelbare Assoziationen mit den Stränden der Normandie, von einem Wächter, der nicht einlässt ist da die Rede -- wie die Wächter an unseren Grenzen, die so vielen Einwanderern den Zugang verwähren. Das Klagelied der verlassenen Europa, das Mottel Schuscha mit seinem Text geschaffen hat, ist zugleich ein Bekenntnis zu dem schweren und doch unvermeidbaren Weg des historischen Europas, dessen Geschichte vom Morden und von der Versöhnung, dem Leiden und dem Lieben geprägt ist. Das Stück konzentriert sich somit auf die Substanz dessen, was wir heute Europa nennen. Es konzentriert sich auf das Prinzip der Hoffnung, das dem europäischen Einigungsprozess zugrunde liegt. Ein menschliches und politisches Stück. Autor: Sebastian Gröning, Junge Europäische Bewegung Berlin-Brandenburg 20

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