Hier stimmt die Chemie

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1 Aktie der Woche WKN: BAS F11 Div.-Rendite: 4,5 % Kurs: 56 b Börse: Frankfurt DSR: PAR 20//5 12/9/4 Branche: Chemie Nächste Div.: Mai 2013 Börsenwert: 48 Mrd.b Pressefoto BASF Öl & Gas 16 % Pfl anzenschutz 6 % Sonstige 9 % Umsatzverteilung 73,5 Milliarden b Chemikalien 18 % Kunststoffe 15 % Hier stimmt die Chemie Systemlösungen 15 % Veredelung 21 % BASF ist ein erstklassig aufgestellter Chemiekonzern, der auf Jahre hinaus mit satten Wachstumsraten glänzen dürfte. Außerdem locken eine attraktive Dividendenrendite und eine günstige Bewertung. BASF ist innerhalb der Chemiebranche breit aufgestellt. Die Badische Anilin- & Soda-Fabrik (BASF) ist ein Urgestein der deutschen Wirtschaft und mit einem Jahresumsatz von über 73 Milliarden Euro der größte Chemiekonzern der Welt. Trotz seiner Tradition und Größe hielten wir das Unternehmen lange Zeit für wenig interessant, da die Chemiebranche im Allgemeinen als sehr konjunkturabhängig gilt. Doch in den letzten Jahren hat bei BASF ein Umbruch eingesetzt: weg vom klassischen Chemiegeschäft, hin zu weniger zyklischen Bereichen. Das Management will den eingeleiteten Wandel in den kommenden Jahren konsequent weiterführen. Bis 2020 sollen die Chemiegeschäfte, die weniger von der Konjunktur abhängig sind, vom Konzernumsatz 70 Prozent ausmachen. BASF richtet sich auf attraktivere Chemiegeschäfte aus. Hierzu passt die jüngste Übernahme von Equateq; die Schotten sind führend bei Omega-3-Fettsäuren, die in der Nahrungsmittelund Pharmaindustrie benötigt werden. Beides Bereiche, die weniger zyklisch sind. Nutzt nachhaltige Chancen Bei der Neuausrichtung hält BASF gezielt nach globalen Trends Ausschau, die langfristig vielversprechend sind. Beispielsweise sieht man nachhaltige Wachstumschancen im Bereich Wasseraufbereitung, in der Pfl anzenbiotechnologie oder in der Gasversorgung. Ein weiterer interessanter Zukunftsmarkt sind chemische Speichertechnologien, wie sie beispielsweise in Batterien zum Einsatz kommen. Das Management hat beschlossen, in großem Stil in das Geschäft einzusteigen, schließlich gewinnen Stromspeicher im Zuge der Energiewende immer mehr an Bedeutung. Gerade bei erneuerbaren Energien mit unregelmäßiger Stromproduktion wie der Solar- und Windenergie wird die Nachfrage nach Speichersystemen in den kommenden Jahren stark anziehen. Als weltweit größter Automobilzulieferer in der Chemieindustrie wird BASF auch immer mehr vom Trend zu Elektroautos profi tieren. Die Ludwigshafener wollen dafür sorgen, dass das Herzstück die Batterie bezahlbar, leicht und alltagstauglich wird. Fundamentaler Aufwärtsdrang Wer in BASF investieren möchte, sollte trotz aller guten Aussichten nicht vergessen, dass der Konzern kein typischer Wachstumswert ist wie beispielsweise Aktien aus der Gesundheits- oder Nahrungsmittelindustrie. An der langfristigen Gewinnentwicklung sieht man die Branchenherkunft: Hier gibt es zum Teil enorme Schwankungen, allerdings mit langfristig klar steigender Tendenz. Wir sind optimistisch, dass sich die Gewinnentwicklung im Zuge der weiteren Umstrukturierung auf nachhaltige Trends glätten wird. In den nächsten zehn Jahren hat sich BASF zum Ziel gesetzt, jährlich um mindestens zwei Prozentpunkte schneller zu wachsen als die Chemiebranche allgemein. Der Umsatz soll um jährlich sechs Prozent zulegen. Das Ziel für 2012 lautet: das Spitzenergebnis aus dem Vorjahr zu übertreffen. Ein Blick auf die Aktie Was den Aktienkursverlauf angeht, gibt es wenig zu mäkeln, auch wenn die Schwankungen zwischendurch etwas heftiger ausfallen können (2008/2009). Trotz des optisch hohen Aktienkurses liegt das Papier bei einem moderaten KGV von 9. Auch für Dividendenjäger wird hier einiges geboten: In den fast 60 Jahren, seit BASF an der Börse notiert ist, fi el die Dividende kein einziges Mal aus. Alles in allem kann man bei unserer Aktie der Woche sagen: Für Wachstumsstrategen stimmt hier die Chemie.

2 Deutsche Aktien Steigerungsfähig Deutsche Aktien (DAX)? An den Märkten drückt nach wie vor die Schuldenkrise auf die Gemüter der Börsianer und damit auf die Aktienkurse. Dabei vergessen viele, dass die Unternehmen weiterwirtschaften und sogar in die Zukunft investieren. Das eröffnet Kaufchancen, denn die Aktienkurse haben viel Luft nach oben Wohin läuft der deutsche Leitindex? Nach oben ist noch jede Menge Luft. Im Kampf für den Klimaschutz Die Sto-Aktie gehört zu den deutschen Börsenstars der vergangenen Jahre. Was ist so Besonderes an dem Hersteller, den man vor allem wegen seiner Farben, Lacke und Lasuren kennt? Das Unternehmen aus dem beschaulichen Stühlingen an der Schweizer Grenze profi tiert von der neu entfl ammten Liebe der Deutschen zur Immobilie. Weil viele Bürger aus Angst vor Infl ation ihr hart erarbeitetes Geld lieber ins eigene oder in ein neues Häuschen stecken, statt es aufs Sparbuch zu legen, werden mehr Baustoffe verkauft. Hinzu kommt die stärkere staatliche Förderung von Wärmedämmungen, einem weiteren wichtigen Standbein der Firma. Bis 2050 soll in Deutschland der Energieverbrauch um 80 Prozent reduziert werden, das versorgt den Bauzulieferer mit einer Menge Zukunftsfantasie. Grundsätzlich haben wir nichts gegen Sto einzuwenden, mit seinen Mitarbeitern und über eine Milliarde Euro Jahresumsatz hat das Unternehmen eine ordentliche Größe. Dennoch tun wir uns schwer, eine Firma aus einem eher zyklischen Wirtschaftsbereich zum Kauf zu empfehlen. Die Themen Immo-Boom und Klimaschutz treiben zwar momentan die Gewinne und den Kurs, irgendwann könnte aber auch mal wieder die Luft aus der Aktie raus sein. Neuer Dividendenstar? In den letzten Jahren lief es für den Finanzdienstleister MLP mittelprächtig. Der Umsatz stagnierte und der Jahresgewinn schrumpfte zuletzt auf 12 Millionen Euro zusammen. Immerhin rutschte man in der Krise nicht in die roten Zahlen, was nicht jeder Finanzkonzern von sich behaupten kann. Interessant ist auch die Dividende. Letzte Woche wurden 60 Cent pro Aktie ausgeschüttet, damit liegt die aktuelle Rendite bei Prozent. Dividenden jäger sollten aber nicht gleich überstürzt MLP-Aktien ordern, denn bei der Verdoppelung der Ausschüttung (im Vorjahr waren es noch 30 Cent je Aktie) handelt es sich um eine Art Sonderdividende. Weil der ehemalige Wachstumskonzern auf der Suche nach lohnenden Übernahmeobjekten nicht fündig wurde, hat sich der Konzern entschieden, die überfl üssige Liquidität abzubauen, so MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg in einem Interview. Nächstes Jahr dürfte die Dividende wieder niedriger ausfallen. Um die Zukunft von MLP machen wir uns keine Sorgen, schließlich wächst die wichtigste Kundenzielgruppe, die der Hochschulabsolventen, weiter. Trotzdem ist das Unternehmen aus dem badischen Wiesloch meilenweit von den zuverlässigen Steigerungsraten der Neunzigerjahre entfernt. Wir bleiben bei unserer Einschätzung von drei Diamanten. Es hagelt Großaufträge 2737 Meter lang, 67 Meter hoch, sechs Fahrspuren breit: die Golden Gate Bridge ist das Wahrzeichen von San Francisco. In den Dreißigerjahren durch den Deutsch-Amerikaner Joseph B. Strauss errichtet, legen nun wieder die Deutschen Hand an. Genauer gesagt geht es um die neue Zufahrt zum Südende der Golden Gate Bridge, die der Baukonzern Hochtief gemeinsam mit einem amerikanischen Partner entwerfen, bauen und betreiben soll. Der Auftrag hat für Hochtief einen Wert von 0 Millionen Euro. Im Mittleren Osten haben die Essener ebenfalls einen dicken Fisch an Land gezogen: Vor der Küste Abu Dhabis wird Hochtief für 2 Millionen Euro eine künstliche Insel anlegen, wo über Mitarbeiter eines Ölfeldes leben sollen. Auch die Arbeiten an der Hamburger Elbphilharmonie sollen nach monatelangem Stillstand wieder aufgenommen werden musste Hochtief noch ein saftiges Minus ausweisen, dieses Jahr dürften trotz des verlustreichen ersten Quartals unter dem Strich wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Nachhaltiges Wachstum ist aber nicht in Sicht, was in der Baubranche sowieso kaum möglich ist. Weiterhin drei Diamanten für Hochtief. Schlechte Nachrichten aus München Die Lufthansa war dafür, die Bürger dagegen: Nach dem Votum der Münchner wird es wohl nicht zum Bau einer dritten Startbahn auf dem Franz-Josef-Strauß-Flughafen kommen. Der Lufthansa raubt das Wachstumsmöglichkeiten, schließlich ist ein starker

3 Heimatmarkt auch im Luftfahrt geschäft enorm wichtig. Auch an den anderen großen Drehkreuzen Deutschlands sieht es mit Wachstumschancen eher bescheiden aus. In Frankfurt gibt es zwar seit Kurzem eine vierte Bahn, dafür macht das Nachtfl ugverbot Probleme. In Berlin dürft trotz großen Hickhacks irgendwann der Flughafen eröffnen, dafür werden zwei andere geschlossen. Zwar gibt es auch in anderen Ländern Expansionsmöglichkeiten, doch dort werden Landerechte an ausländische Fluggesellschaften eher zurückhaltend vergeben. Nicht dass man uns falsch versteht: Der Münchener Bürgerentscheid wird die größte Fluglinie Deutschlands sicherlich nicht in die Bredouille bringen, verbessert hat er die Wachstumsperspektiven aber auch nicht. Spektakulärer Aufkauf Tom Tailor ist fi t wie ein Turnschuh. Gerade mal zwei Jahre ist die Hamburger Modefi rma an der Börse und jetzt das: Für 220 Millionen Euro übernimmt sie den Wettbewerber Bonita und verdoppelt damit auf einen Schlag den Umsatz. Vorstandsvorsitzender Dieter Holzer kommentiert euphorisch: Wir werden aus dem Stand zu einem Schwergewicht im europäischen Modemarkt. Auf den ersten Blick passen die beiden gut zusammen: Während Tom Tailor vor allem auf die Kundschaft unter 25 Jahren blickt, holt Bonita seine Erlöse zu 80 Prozent von über 45-Jährigen. Diese Zielgruppe besitzt eine hohe Kaufkraft und ist weniger von der Konkurrenz umworben. Hinzu kommt, dass Bonita neben seinen 950 Läden noch ein gut ausgebautes Logistiksystem mitbringt, das Tom Tailor bislang fehlte. Ob sich die Übernahme in der Praxis auszahlt und ob Kunden gehobenen Alters auch für einen Aufschwung an der Börse sorgen, muss sich jedoch erst noch zeigen. Wir setzen lieber auf gestandene Konzerne, die seit Jahrzehnten beweisen, dass sie konstantes Wachstum hinbekommen. So wie zum Beispiel H&M auf Seite 9. Auf und nieder Der TecDAX ist der Nachfolger des legendären Neuer-Markt-Indexes NEMAX 50. Hier findet man viele Aktien kleinerer Unternehmen, mit denen sich die Börsianer den schnellen Reibach erhoffen. Nachdem zuletzt viele Solaraktien den Index verlassen mussten, wurden die Lücken durch Firmen aus anderen Branchen aufgefüllt. Eine davon ist Sartorius, ein Unternehmen das sich der Biotechnologie und Mechatronik verschrieben hat. Die Firma aus Göttingen stellt unter anderem Messgeräte für Labore sowie Einwegprodukte für Gesundheitstherapien her. Bei sterilen Einwegbeuteln sind die Göttinger sogar Weltmarktführer. Dank der erfolgreichen Positionierung in aussichtsreichen Nischenmärkten ist Sartorius seit einigen Jahren auf Wachstumskurs. Nach dem Rekordjahr 2011 will der Konzern weiter wachsen und den Umsatz bis 2020 mehr als verdoppeln. Für Börsianer klingt das verlockend, allerdings weist der Aktienchart zum Teil erhebliche Schwankungen auf. Im Krisenjahr 2008 fi el das Papier von knapp 50 auf 6 Euro, doch so schnell wie es runterging, marschierte der Kurs auch wieder nach oben. Mit der Aktie kann man gutes Geld verdienen wenn man rechtzeitig einund aussteigt. WKN: Div.-Rendite: 1,4 % Kurs: 51 b Börse: Frankfurt DSR: PAR 20//5 11/2/-1 Branche: Kosmetik Nächste Dividende: April 2013 Börsenwert: 13 Mrd.b Schönes aus Hamburg Auch wenn die deutsche Fußballelf schon im EM-Halbfi nale die Koffer packen musste, bleibt Jogi Löw ein Sympathieträger auch für Beiersdorf. Werbung macht momentan auch die Aktie für das Unternehmen. Mit einem Plus von 16 Prozent in diesem Jahr schlägt die Nivea-Aktie den Markt um Längen. Nach der Sortimentsbereinigung im vergangenen Jahr ist der Hamburger Traditionskonzern wieder in die Wachstumsspur zurückgekehrt. Laut Bloomberg wird sich der Gewinn dieses Jahr auf über 4 Millionen Euro fast verdoppeln. Erfreulich: Beide Geschäftsbereiche, sowohl die Konsumentenprodukte als auch die Klebesparte Tesa, tragen zu diesem Wachstum bei. Regional betrachtet verzeichnet Beiersdorf derzeit besonders starkes Wachstum in Osteuropa und in Amerika, sodass der Konkurs des Großkun- Wer in den letzten Wochen ordentlich Nivea-Produkte kaufte, bekam ein Jogi-Shirt obendrauf. Auch der Aktienkauf dürfte sich auszahlen. den Schlecker (betrifft etwa fünf Prozent des Gesamtumsatzes von Beiersdorf) mehr als ausgeglichen wird. Der neue Konzernchef Stefan Heidenreich will den Konzern auch in Zukunft auf Wachstumskurs halten. Das Rezept des ehemaligen Managers von Procter & Gamble und Reckitt Benckiser: stärkere Expansion in die Schwellenmärkte, Innovationstempo steigern und die Kosten im Griff haben. Große Stücke auf die Arbeit von Stefan Heidenreich hält auch seine Ehefrau: Ellen- Brigitta Heidenreich hat im April Aktien im Wert von fast fünf Millionen Euro gekauft. Entweder rechnet sie mit kurzfristig weiter steigenden Kursen oder sie sieht es wie wir: Auf längere Sicht gibt es auf dem deutschen Kurszettel fast nichts Interessanteres als Beiersdorf.

4 Wo Aktionäre ihren Schnitt machen: Billigheimer im Vergleich Gut, günstig, erfolgreich Geld sparen alle gern, private Verbraucher ebenso wie Unternehmen. Billigheimer haben deshalb praktisch immer Konjunktur, gerade in Krisenzeiten gelingt es ihnen oft, sich von negativen Börsentrends abzusetzen. Wir haben uns umgesehen, wo auch Aktionäre gut abschneiden können. GBP HON HAI TWD , WKN: A1J TC1 Div.-Rendite: 2,0 % Kurs: 6,60 b WKN: Div.-Rendite: 1,7 % Kurs: 4,70 b WKN: Div.-Rendite: 2,2 % Kurs: 55 b Börse: London DSR: PAR 20//5 --/--/-- Börse: London DSR: PAR 20//5 --/--/-- Börse: Frankfurt DSR: 18 % PAR 20//5 8/2/7 Branche: Verkehr Nächste Div.: März 2013 Börsenwert: 3 Mrd.b Branche: Outsourcing Nächste Div.: Aug Börsenwert: 26 Mrd.b Branche: Einzelhandel Nächste Div.: 4. Sep Börsenwert: 185 Mrd.b Geschäftskunden im Blick Vielen Airline-Managern bereitet der hohe Kerosinpreis schlaflose Nächte. Easyjet- Vorstandschefi n Carolyn McCall dagegen kann steigenden Treibstoffausgaben durchaus auch Positives abgewinnen: Die hohen Spritkosten stärken die Starken und schwächen die Schwachen. Dem Billigfl ieger kommt zugute, dass die Flugzeugfl otte jünger ist als die der Konkurrenz, sie bläst deshalb deutlich weniger Sprit durch die Triebwerke und fl iegt somit kostengünstiger. Auf die billigen Tickets fl iegen längst nicht mehr nur Privatpassagiere. Seit auch viele Unternehmen nicht mehr automatisch in der Businessclass buchen, drängt Easyjet in den Markt für Geschäftsreisende. Der Erfolg bleibt nicht aus, im Mai gab die Fluggesellschaft bekannt, dass sie die Passagierzahlen innerhalb eines Jahres um über sieben Prozent steigern konnte. Auch beim Gewinn schlägt sich das verstärkte Werben um Firmenkunden nieder, im vergangenen Geschäftsjahr (endete im September 2011) konnte Easyjet den Gewinn auf 260 Millionen Euro fast verdoppeln. Für 2012 allerdings erwarten Branchenbeobachter bereits wieder einen leichten Rückgang. Im Bereich der Fluggesellschaften ist Easyjet sicherlich eines der besser aufgestellten Unternehmen. Der Chart macht dennoch keine rechte Lust auf einen Einstieg. Mehr als drei Diamanten geben wir Easyjet deshalb nicht. Will höhere Margen Ob Kunden auf Smartphones von Apple, Samsung oder Nokia schwören, dürfte Terry Gou letztlich egal sein. Der Gründer von Hon Hai hat sein Unternehmen Schritt für Schritt zum größten Billig-Auftragsfertiger der Welt ausgebaut. Zur Kundschaft zählt die Crème de la Crème der Hightech-Industrie, die sich in China ihre Handys, Fernseher und Computer zusammenschrauben lässt. Doch die Billigproduktion wirft mittlerweile nur noch bescheidene Margen ab. Um den Auftrag für das iphone zu bekommen, soll der Konzern sogar komplett auf Gewinn verzichtet haben. Hon Hai hat deshalb in den vergangenen Jahren eigene Entwicklungskapazitäten aufgebaut und kann für seine Kunden längst selbstständig Produkte entwerfen. Erklärtes Ziel ist es, sich vom Billigheimer zum Hightech-Produzenten zu wandeln. Den Aufbau einer eigenen Marke, um beispielsweise Smartphones direkt an den Endverbraucher zu verkaufen, plant das Unternehmen aber nicht seine Kunden wären darüber vermutlich auch wenig erfreut. Günstig produzieren wird dennoch weiter großgeschrieben bei dem asiatischen Riesen. Angesichts steigender Löhne in China will Hon Hai künftig verstärkt auf Roboter setzen. Wir dagegen setzen im Elektronikbereich lieber auf Samsung. Die Südkoreaner sind ähnlich breit aufgestellt, können aber mit weitaus höheren Margen glänzen. Bewährte Rezepte Obwohl der weltgrößte Einzelhändler auch während der Finanzkrise seinen Gewinn weiter steigerte, ging es an der Börse nicht voran. Die Investoren waren skeptisch, weil Wal-Mart sein Image als günstiger Anbieter bei der Kundschaft eingebüßt hatte viele Verbraucher waren in der Krise zu noch billigeren Konkurrenten und Ein-Dollar-Läden abgewandert. Mittlerweile besinnt sich die Supermarktkette wieder auf das, was sie groß gemacht hat: dauerhaft niedrige Preise für eine breite Produktpalette. Zudem rückt der Konzern wieder näher an seine Kundschaft heran: In den USA eröffnet Wal-Mart verstärkt sogenannte Nachbarschaftsmärkte, also innenstadtnahe Filialen, die auch ohne Auto erreichbar sind. Die Rückkehr zu niedrigen Preisen macht sich bereits bezahlt. Nicht nur konnte die Kette aus Arkansas ihren Gewinn im ersten Quartal weiter steigern, mittlerweile ziehen auch die Umsätze in den seit mindestens einem Jahr eröffneten Filialen wieder an. Bereits für das laufende Geschäftsjahr rechnen Branchenexperten mit einem Gewinnplus von 9 Prozent, auch 2013 soll der Gewinn um 9 Prozent zulegen. Und auch die Börse hat endlich reagiert: In den vergangenen zwölf Monaten hat der Kurs um 30 Prozent zugelegt. Zuletzt notierte die Wal- Mart-Aktie fast auf Allzeithoch. Wir erwarten, dass der größte US-Einzelhändler (auch an der Börse) weiteres Steigerungspotenzial hat.

5 In wirtschaftlich unsicheren Zeiten halten viele Verbraucher ihr Geld lieber zusammen. Unternehmen mit Tiefpreisstrategie profi tieren. SEK WKN: Div.-Rendite: 3,9 % Kurs: 28 b WKN: Div.-Rendite: 3,1 % Kurs: 70 b Börse: Frankfurt DSR: 30 % PAR 20//5 22/9/0 Börse: Frankfurt DSR: 27 % PAR 20//5 11/12/12 Branche: Mode Nächste Div.: Mai 2013 Börsenwert: 46 Mrd.b Branche: Gastronomie Nächste Div.: Sep Börsenwert: 72 Mrd.b Will günstig bleiben Verliert H&M seinen Preisvorteil gegenüber der Konkurrenz? Die Schweden hatten in den vergangenen Monaten unter steigenden Kosten für Baumwolle zu leiden genau wie die Konkurrenz. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern haben die Schweden bislang aber ihre Preise strikt niedrig gehalten. So gelang es H&M im vergangenen Jahr, den Rivalen Marktanteile abzujagen. Der Billigkurs drückt allerdings auf die Rendite, einige Experten glauben deshalb, dass der schwedische Modekonzern seine Niedrigpreisstrategie auf lange Sicht aufgeben und die Preise anheben wird. Eine so kurzfristige Sicht der Dinge kommt für H&M-Chef Karl-Johan Persson aber nicht infrage. Eine zusätzliche Steigerung der Gewinne sei kein Problem, versichert der Topmanager. Statt aber einmalig den Quartalsgewinn nach oben zu treiben, setzt er lieber den langfristigen Expansionskurs in alten und neuen Märkten fort. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass einige Spekulanten und Investoren der Aktie zwischenzeitlich den Rücken kehren. Wir sagen: Bravo! Eine solche langfristig ausgerichtete Unternehmensphilosophie entspricht genau unserer Anlagestrategie. Zudem hat das Unternehmen mit den jüngsten Quartalszahlen bewiesen, dass es auch ohne Preiserhöhungen bestens verdienen kann: Von März bis Mai legte der Gewinn um über 20 Prozent auf fast 600 Millionen Euro zu. Attraktiv für alle Billig sein, ohne billig zu wirken: Mit diesem Rezept hat McDonald s in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Konsequent hat der Burgerbrater seine Restaurants renoviert, der Mief früherer Jahrzehnte gehört längst der Vergangenheit an. Trotz schicker neuer Einrichtung steht McDonald s aber weiterhin vor allem für schnelles und vergleichsweise preiswertes Essen ein Versprechen, das in wirtschaftlich schwächeren Zeiten bei vielen Verbrauchern zieht. Mit seinem Konzept punktet der Restaurantgigant nicht nur bei einkommensschwachen Schichten, auch Gutverdiener ordern ihr Menü bei der Fast- Food-Kette. Gerade in unsicheren Zeiten halten viele Menschen ihr Geld zusammen, ein Essen bei McDonald s ist deshalb attraktiv für große Teile der Bevölkerung. Zuletzt spürte allerdings auch der Burgerbrater die Krise in Europa. Dennoch legte der Maiumsatz bereinigt um Währungsschwankungen um fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Beim Gewinn gab sich der Konzern zurückhaltend und warnte, Europas Wirtschaftsschwäche könne auf das Ergebnis des zweiten Quartals drücken. Aus unserer Sicht wäre das schade, aber kein Beinbruch: Zwar hat der Kurs in den vergangenen Monaten nachgegeben, doch billiges Essen wird weiterhin gefragt sein. Langfristig hat die Aktie deshalb beste Aussichten.

6 Amerikanische Aktien Die Großen fressen die Kleinen Viele Wachstumswerte schlucken regelmäßig kleinere Konkurrenten, so sichern sie sich zusätzliches Know-how und neue Märkte. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass einer unserer Wachstumswerte eine Übernahme ankündigt. Zuletzt sorgte Walgreen mit einer milliardenschweren Offerte für Gesprächsstoff. Aber auch andere Konzerne haben zugeschlagen und sich dadurch zusätzliches Wachstumspotenzial gesichert WKN: Div.-Rendite: 3,4 % Kurs: 54 b Börse: Frankfurt DSR: 12 % PAR 20//5 9/0/0 Branche: Pharma Nächste Div.: Sep Börsenwert: 157 Mrd.b Leseraktie der Woche Richard P. aus Halle fragt nach Cabot Seit letztem Jahr empfehlen Sie BASF. Ich bin jetzt auf Cabot gestoßen, auch die sind im Bereich Spezialchemie tätig. Wie schätzen Sie die Aussichten ein? Antwort Der Konzern aus Boston hat sich auf Spezialfl üssigkeiten und -metalle und technische Ruße ausgerichtet und beliefert beispielsweise Kunden aus der Reifenindustrie und Ölkonzerne. Cabot setzt damit wie BASF auf das Geschäft mit Spezialchemie. Jetzt peilt das Unternehmen die Übernahme der nicht börsengelisteten Norit an, der Zukauf ist dem Management 1,1 Milliarden Dollar wert. Norit verkauft Filtersysteme auf Aktiv-Kohlebasis, die etwa zur Luft- und Wasserreinhaltung eingesetzt Megadeal genehmigt Auf Herz und Nieren prüften die US- und EU-Kartellwächter die Mega-Übernahme des Medizintechnikers Synthes. Nachdem Johnson & Johnson einen Teil des Orthopädiegeschäfts abgestoßen hatte, gibt es nun, ein gutes Jahr später, endlich grünes Licht für die 20 Milliarden Dollar schwere Übernahme. Johnson & Johnson will mithilfe der Schweizer seine Stellung im lukrativen Orthopädiemarkt ausbauen. Vor allem bei Implantaten und Zubehör für Chirurgen kann Synthes große Erfahrung vorweisen. Bereits im kommenden Jahr soll die Neuerwerbung zwischen und 15 Cent Gewinn je Aktie beisteuern. Auch in den anderen Sparten will Johnson & Johnson wieder durchstarten. In den kommenden Quartalen sollen mehrere aussichtsreiche Produkte eingeführt werden, unter anderem ein Aidsmedikament und das Krebsmittel Zytiga. In den vergangenen Jahren lief die Aktie des Gesundheits- und Konsumgüterriesen seitwärts, Rückrufaktionen und Patentabläufe drückten auf den Gewinn. Auch dank der Übernahme sind wir aber zuversichtlicher werden, aber auch bei der Nahrungsmittelund Medikamentenherstellung. Mit der Übernahme baut Cabot das Portfolio weiter um. Das Ziel: höhere Margen einfahren und weniger konjunkturabhängig werden. Zudem soll Norit durch den Zusammenschluss die nötigen Mittel bekommen, um verstärkt in den Schwellenländern zu expandieren. Cabot vereint aussichtsreiche Geschäftszweige. BASF ist durch seine breite Aufstellung und seine Größe aber interessanter und bietet Anlegern mehr Sicherheit (siehe Seite 2) denn je, dass der Aktienkurs wieder den Weg nach oben fi ndet WKN: A1C Z4H Div.-Rendite: 3,3 % Kurs: 54 b Börse: New York DSR: 7 % PAR 20//5 7/8/0 Branche: Versorger Nächste Div.: Sep Börsenwert: 22 Mrd.b Der Sonnenkönig Dank des hohen Anteils von Gaskraftwerken, Solarfarmen und Windrädern produziert NextEra seinen Strom relativ umweltfreundlich. Bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie ist der Versorger sogar die Nummer 1 in den USA. Weitere Großinvestitionen sind geplant, vor allem in der kalifornischen Mojave-Wüste sollen zusätzliche Solarfarmen ans Netz gehen. Ziel ist es, die installierte Solarkapazität zwischen 2012 und 2016 zu vervierfachen, alles in allem steckt NextEra bis Ende des Jahres mehr als zwei Milliarden Dollar in den Ausbau des Sonnenstroms. Und dabei wird es nicht bleiben, auch die Windkraft genießt weiterhin Top-Priorität: Megawatt sollen in den kommenden Jahren zusätzlich installiert werden. Übernahmen standen dagegen zuletzt nicht auf dem Plan, der Versorger aus Florida setzt vielmehr auf organisches Wachstum. Die Aktionäre kommen dabei aber nicht

7 schlechter weg, im Gegenteil: In den letzten Jahren konnten Anleger ihr Geld mit Next Era mehr als verdreifachen, vorausgesetzt, sie reinvestierten die Dividenden in Aktien. Mit einer Dividendenrendite von aktuell 3,3 Prozent kann sich der Versorger in jedem Depot sehen lassen WKN: Div.-Rendite: 1,7 % Kurs: b Börse: New York DSR: 22 % PAR 20//5 --//6 Branche: Verpackungen Nächste Div.: Aug Börsenwert: 3 Mrd.b 1 0, WKN: Div.-Rendite: 0,8 % Kurs: 23 b Börse: Frankfurt DSR: PAR 20//5 24/13/6 Branche: Software Nächste Div.: 3. Aug Börsenwert: 1 Mrd.b Profi tabel, profi tabler, Oracle Larry Ellison muss auch im Privatleben hin und wieder zeigen, dass er der Größte ist: Nun kauft sich der Oracle-Chef für geschätzte 500 Millionen Dollar seine eigene Insel auf Hawaii. Das mag protzig erscheinen, doch dank glänzend laufender Geschäfte kann sich Ellison den Kauf nun mal locker leisten. Auch die übrigen Oracle-Aktionäre dürfen mit dem Ende Mai abgeschlossenen Geschäftsjahr zufrieden sein: Der Konzernumsatz wuchs um 4 Prozent auf gut 37 Milliarden Dollar, der Gewinn um 17 Prozent auf knapp Milliarden Dollar. Die Softwaresparte überzeugte dabei erneut mit starken Verkäufen, während das von Sun Microsystems übernommene Hardwaregeschäft weniger Kunden fand. So oder so gehört Oracle zu den profi tabelsten Hightechunternehmen der Welt. Ach ja, natürlich hat auch Oracle in den vergangenen Monaten wieder mehrere Zukäufe unter Dach und Fach gebracht. Doch hier gehört das ja schon fast zum Pflichtprogramm. Für mehr Aufmerksamkeit bei den Aktionären dürfte deshalb das jüngste Aktienrückkaufprogramm gesorgt haben: Für zusätzliche Milliarden Dollar will das Unternehmen eigene Anteile einsammeln. Dem Gewinn pro Aktie dürfte das guttun! Fischt in Übersee Die Aptargroup ist nicht nur unser jüngster Wachstumswert, sondern auch der kleinste. Allerdings sind die Amerikaner in einem äußerst interessanten Bereich tätig: Sie stellen Verschlüsse, Plastikspender und Druckköpfe für Pharma- und Konsumgüterkonzerne her und haben damit zuverlässige Abnehmer für ihre Produkte. Vor wenigen Wochen schlugen die Aptar- Manager in Frankreich zu: Für 165 Millionen Euro kaufte das Unternehmen den Plastikspezialisten Stelmi vorausgesetzt allerdings, die Behörden genehmigen die Übernahme. Mit Verpackungen und Komponenten für Pharmahersteller fuhr Stelmi im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 80 Millionen Euro ein. Auch aus der Sicht der Aptargroup sind die Franzosen damit ein eher kleiner Fisch: Aptar setzte im vergangenen Jahr gut 2,3 Milliarden Dollar um. Dafür wird die Pharmasparte durch den Kauf auf einem Gebiet verstärkt, das relativ krisensicher ist: Spritzen, Glasflaschen und Pipetten sind schließlich immer gefragt. Stelmis Know-how dürfte deshalb dazu beitragen, Umsatz und Gewinn der Aptargroup weiter zu steigern. Letzterer kletterte schon innerhalb der letzten 5 Jahre um fast 80 Prozent. Die Aktie bleibt ein glasklarer Kaufkandidat WKN: Div.-Rendite: 3,0 % Kurs: 23 b Börse: New York DSR: 19 % PAR 20//5 /-2/-8 Branche: Pharmahandel Nächste Dividende: 12. Sep Börsenwert: 20 Mrd.b Schmiedet Weltmarktführer Die USA sind nicht (mehr) genug: Walgreen expandiert nach Europa und nimmt dafür viel Geld in die Hand. Für 6,7 Milliarden Dollar will die Drogeriekette 45 Prozent des britischschweizerischen Wettbewerbers Alliance Boots übernehmen. Zudem erhält Walgreen die Option, in drei Jahren auch die restlichen Anteile zu kaufen. Vier Milliarden Dollar legt der Angreifer bar auf den Tisch, der Rest wird mit eigenen Aktien bezahlt. Als einer der führenden Pharmahändler Europas ist Alliance Boots eine attraktive Beute für unseren Wachstumskonzern, auf einen Schlag breitet sich Walgreen damit in rund 20 weitere Länder aus. Gemeinsam könnten die beiden Unternehmen womöglich außerdem höhere Rabatte bei den Pharmakonzernen aushandeln immerhin entsteht durch den Walgreens Beteiligung an Alliance Boots mischt die Pharmabranche auf. Zusammenschluss der weltgrößte Käufer verschreibungspfl ichtiger Medikamente. Konkret erwarten die Manager bis 2016 Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Dollar. Bei aller Freude über den geplanten Kauf: An der Börse hat Walgreen Nachholbedarf, seit Jahren kommt der Kurs nicht in die Gänge. Dabei hat sich der Gewinn in den letzten Jahren von knapp 900 Millionen Dollar auf 2,7 Milliarden Dollar verdreifacht. Auch die Steigerung der Dividende ist mustergültig, seit 37 Jahren wird sie ohne Unterbrechung angehoben. Die nächste Ausschüttung im September wird mit 27,5 US-Cent je Aktie um 22 Prozent höher ausfallen als die letzten Zahlungen. Wir drücken allen Aktionären die Daumen, dass nach der Übernahme auch der Kurs bald wieder mehr Freude macht.

8 Höhen und Tiefen im ersten Halbjahr Zwischenstand: 1 : 0 für Aktien Die Fußballeuropameisterschaft ist entschieden, Spanien hat gewonnen, an der Börse hingegen wurde gerade erst die zweite Halbzeit angepfi ffen. Die erste Hälfte hat den Anlegern bereits einiges an Kondition abverlangt. Wir werfen einen Blick auf die ersten sechs Monate und präsentieren die bisherigen Überfl ieger und Schlusslichter Eurokrise kein anderes Wort tauchte in den Schlagzeilen der Wirtschaftspresse im ersten Halbjahr öfter auf. Das Dilemma um die hoch verschuldeten Länder der Währungsunion überschattete auch das Börsengeschehen, Wirtschaftsdaten und Unternehmensgewinne wurden links liegen gelassen. Natürlich sind die Probleme rund um Griechenland, Spanien, Italien und den Euro eklatant die Milliardenpakete, die die Regierungen schnüren, übersteigen längst die Vorstellungskraft jedes Normalbürgers. Die Staaten erkaufen sich damit wichtige Zeit; ob der Euro in seiner heutigen Form in ein paar Jahren aber noch Bestand Das erste Halbjahr stand im Schatten des Euro- Rettungsschirms. haben wird, kann bisher niemand sagen. Überwiegend grüne Vorzeichen Dennoch oder vielleicht gerade deshalb haben sich die Aktienmärkte dieses Jahr unter dem Strich positiv entwickelt. Aktien solider Unternehmen gewinnen immer mehr Fans. Verstärkt realisieren Anleger nicht nur, dass sie mit festverzinslichen Papieren ihr Geld der Inflation ausliefern, sondern auch, dass Aktien, als eine Form von Sachwerten, in einer soliden Geldanlage nicht fehlen dürfen. Den Börsen der besonders gefährdeten Euroländer half diese Einsicht in der ersten Jahreshälfte freilich wenig, hier überwogen klar die wirtschaftlichen Ängste. So hat der griechische Aktienmarkt 2012 bislang knapp Prozent verloren, der spanische 17 Prozent und der italienische rund 5 Prozent. Aktien großer, etablierter Märkte mit verhältnis mäßig starken Volkswirtschaften zählen hingegen zu den Gewinnern: Viel Geld der internationalen Investorengemeinde strömte in die USA. Der Dow Jones gewann seit Jahresanfang über 5 Prozent und der breitere S&P 500 über 8 Prozent an Wert. Besonders positiv war die Stimmung im lange darbenden Technologiebereich, der Hightech- Index Nasdaq kletterte trotz des gefl oppten Facebook-Börsengangs zur Jahresmitte um fast 13 Prozent. Auf der anderen Seite des Atlantiks stach vor allem Deutschland hervor, mit einem Plus von Prozent im DAX. Auch die Performance unserer Wachstumswerte kann sich sehen lassen: Sie legten im Durchschnitt um 9 Prozent zu. Whole Foods erneut spitze Beim Blick auf die Top-Aktien sticht einmal mehr Whole Foods ins Auge. Die US-Biolebensmittelkette, die 2008 eine schwere Krise durchlebte, schickt sich an, das vierte (!) Jahr in Folge alle anderen Wachstumsaktien abzuhängen. 41 Prozent Plus stehen zur Jahresmitte auf dem Konto, damit hat sich % 2012 Die Biolebensmittelkette steht zur Halbzeit auf Platz 1. der Kurs seit dem Tief 2008 verelffacht. Die Geschäfte des Unternehmens laufen weiter hervorragend, im jüngsten Quartal hat Whole Foods den Gewinn um 31 Prozent gesteigert und die Jahresprognose angehoben. An Whole Foods Fersen hat sich Essilor geheftet. Die Aktie des französischen Brillenglasspezialisten kommt nach den ersten sechs Monaten auf ein sattes Plus von 36 Prozent. Natürlich kann nach so einem Anstieg auch einmal eine Korrektur oder Seitwärtsbewegung folgen, langfristig ist das Potenzial des Konzerns jedoch enorm. Einerseits, weil in den Industrienationen die Menschen immer älter werden und deshalb die Brillennachfrage steigen dürfte. Und andererseits, weil sich in den Schwellenländern Millionen Menschen nach und nach überhaupt zum ersten Mal eine Sehhilfe leisten können. EUR % Nur Whole Foods war dieses Jahr bislang besser als der Brillenglasspezialist. Während Essilor erst seit eineinhalb Jahren auf unserer Empfehlungsliste steht, ist Walt Disney ein echter Oldie unter den Wachstumswerten. Aber kein fußkranker,

9 Gewinner & Verlierer Wachstumswerte schlagen sich gut Entwicklung 2012 NASDAQ DAX Unsere Wachstumswerte S&P 500 Dow Jones Schweiz Großbritannien EuroStoxx Italien Griechenland Spanien Quelle: Bloomberg + 12,7 % +,2 % + 9,0 % + 8,3 % + 5,4 % + 2,9 % + 0,6 % 0,8 % 4,8 % 9,5 % 16,7 % wie die jüngste Performance verdeutlicht: Plus 33 Prozent. Dahinter folgt der dänische Diabetesspezialist Novo Nordisk, dessen Anteilscheine um 31 Prozent kletterten. Rund drei Viertel unserer Empfehlungen weisen zur Halbzeit positive Vorzeichen auf, Aktien mit deutlichen Kursverlusten gibt es wenige. Ganz am Ende der Tabelle notieren die Anteilscheine von Telefónica, die rund ein Fünftel an Wert verloren haben. Der von der Wirtschaftskrise in Spanien gebeutelte Konzern will nun mit einem oder mehreren Börsengängen seinen Schuldenberg abbauen und somit auch die stattliche Dividende sichern. Die Zeiten sind nicht leicht für das Unternehmen, aber langfristig überwiegen unserer Meinung nach klar die Chancen. 21 % 2012 Schlusslicht: Der spanische Telekomkonzern hat Federn lassen müssen. Turbulenzen erlebt momentan auch Hewlett-Packard. Der Konzern ist zwar nach wie vor die Nummer 1 bei PCs, jedoch macht den Kaliforniern die Konkurrenz durch Tablet-Computer und Smartphones zu Sechs Monate sind eigentlich kein Zeitraum für Langfristanleger, spannend ist ein Blick auf die Gewinner und Verlierer unter unseren Wachstumswerten jedoch allemal. Aktie Branche Kurs + / Aktie Branche Kurs + / Whole Foods Einzelhandel ,6 % Essilor Brillengläser ,8 % Walt Disney Medien ,7 % Novo Nordisk Pharma ,5 % Home Depot Einzelhandel ,4 % Gilead Sciences Biotech ,3 % Prudential Versicherung 9, ,4 % Wells Fargo Banken ,8 % EMC² Hardware ,4 % Harley-Davidson Motorradbau ,0 % HSBC Banken 7, ,4 % Microsoft Software ,3 % Altria Tabak ,1 % Wal-Mart Einzelhandel ,1 % Swedish Match Tabak ,9 % General Electric Mischkonzern ,6 % Oracle Software ,1 % Starbucks Gastronomie ,1 % Abbott Labs Pharma ,3 % SAP Software ,8 % Serco Outsourcing 6, ,6 % Beiersdorf Kosmetik ,4 % Amgen Biotech ,5 % Heineken Getränke ,4 % ITW Mischkonzern ,3 % NextEra Energy Versorger ,3 % Colgate-Palmolive Hygiene ,9 % Stryker Medizintechnik ,8 % Samsung Elektronik ,6 % Coca-Cola Getränke ,4 % L Oréal Kosmetik ,4 % H&M Mode ,0 % Philip Morris Tabak ,3 % Danaher Mischkonzern ,2 % Com. Bank Banken ,1 % Omnicom Werbung ,6 % 3M Mischkonzern ,5 % Yum! Gastronomie ,3 % Reckitt Benckiser Hygiene ,2 % Intel Hardware ,9 % PepsiCo Getränke ,2 % schaffen. Bislang reagiert das Management darauf vor allem mit Sparmaßnahmen. Aktien sind ein Muss Unter dem Strich können wir mit dem Jahresverlauf bisher zufrieden sein. Wenngleich man beachten sollte, dass sechs Monate an der Börse kein Zeitraum sind, um die Qualität einer Aktie oder gar einer ganzen Anlageform zu beurteilen. Fakt ist, dass im BAT Tabak 0 + 9,4 % IBM IT-Service ,9 % Scotiabank Banken ,3 % Nestlé Nahrungsmittel ,6 % Roche Pharma ,8 % Air Liquide Chemie ,6 % Johnson & J. Gesundheit ,6 % BASF Chemie ,2 % Lindt & SprüngliNahrung ,0 % Woodside Öl ,9 % ADP Outsourcing ,4 % E.ON Versorger ,9 % Medtronic Medizintechnik ,4 % Sysco Nahrungsmittel ,4 % Vodafone Mobilfunk 2, ,2 % Becton Dickinson Medizintechnik ,0 % ExxonMobil Öl ,5 % Apache Öl ,4 % Emerson Elektronik ,1 % BHP Billiton Rohstoffe ,9 % Afl ac Versicherung ,3 % Aptargroup Verpackungen 0 + 0,8 % Novartis Pharma ,8 % Unilever Nahrungsmittel ,3 % Schlumberger Öl ,2 % General Mills Nahrungsmittel ,2 % BP Öl 5,30 0 2,4 % ING Finanzdienstl. 5, 0 3,0 % Avon Kosmetik ,5 % Cisco Systems Internet ,7 % Royal Dutch Öl ,2 % Oxy Öl ,7 % Procter & Gamble Hygiene ,8 % Canon Elektronik ,0 % Vale Rohstoffe ,8 % Total Öl ,6 % Fortum Versorger ,9 % Walgreen Pharmahandel ,6 % McDonald s Gastronomie 70 0,0 % Hewlett-Packard Hardware ,4 % Telefónica Telekom, 0 21,4 % Quelle: Bloomberg derzeitigen Umfeld von Schuldenkrise und Inflationssorgen solide Aktien in jedem Depot ein elementarer Baustein in der Vermögensanlage sein sollten. Umso schöner, dass Aktien nach wie vor günstig sind und oft stattliche Dividendenrenditen aufweisen. Uns würde es deshalb nicht wundern, wenn Aktien auch künftig auf rege Nachfrage stoßen und die Kurse weiter klettern. Auf geht s ins zweite Halbjahr!

10 Börsen-Weltreise, Teil 4: Wachstums star Australien Von Südamerika geht es weiter nach Australien. Nach dem längsten Flug unserer Börsenweltreise nehmen wir die Wirtschaft des fünften Kontinents unter die Lupe. Australien, fl ächenmäßig sechstgrößter Staat der Erde, umfasst als einziges Land einen ganzen Kontinent. Die moderne Geschichte Australiens begann 1788 mit der Deportierung englischer Strafgefangener. Dem Land scheint die Bevölkerung aus Gaunern und Verbrechern aber nicht geschadet zu haben, es steht heute bombig da: niedrige Arbeitslosenrate, sehr geringe Verschuldung und stetiges Wachstum. Die Wirtschaft hat im Schnitt der letzten zehn Jahre um 3 Prozent zugelegt. Selbst von der weltweiten Finanzkrise haben die Australier kaum etwas gespürt: Im Jahr 2009 blieb das Land als einzige Industrienation von einer Rezession verschont. Im ersten Quartal 2012 wuchs die Wirtschaft um fabelhafte 4,3 Prozent! Das war das stärkste Wachstum seit 2007 und das höchste aller Industrieländer weltweit. Reich an Rohstoffen Die wichtigste Säule der australischen Wirtschaft ist und bleibt der Rohstoffsektor. Und der profi tiert vom gewaltigen Boom in Asien. Chinesen, Inder und Südkoreaner kaufen wie wild Eisenerz und Kohle, die Japaner bekommen Flüssiggas aus Australien, auch Gold und Öl sind wichtige Exportgüter. Die Rohstofffi rmen haben dermaßen viel zu tun, dass sie zeitweise nicht genügend Arbeitskräfte fi nden. Mancher Lastwagenfahrer in entlegenen Gebieten verdient deshalb umgerechnet über Euro im Jahr. Wo liegen die Risiken? Grundsätzlich ist das Land extrem abhängig vom Rohstoffsektor. Wächst die Weltwirtschaft langsamer, leiden darunter natürlich die Rohstoffverkäufe. Vor allem, wenn die Lokomotive China stärker abbremsen sollte, bekäme das Land dies zu spüren. In den letzten 20 Jahren sind die Exporte Australiens nach China von einer Milliarde auf 70 Milliarden Dollar gewachsen. Zusätzlich belastet wird die Bergbaubranche von einer neuen CO 2 -Steuer, die im Juli in Kraft tritt. Sie dürfte das Wirtschaftswachstum etwa um einen viertel Prozentpunkt abschwächen. Günstige Lage Trotz der allgemeinen Krisengefahr sind die Perspektiven für Australien besser als für viele andere Industrieländer. Als Nachbar des immer noch schnell wachsenden Chinas und als großer Rohstoffförderer werden der fünfte Kontinent und seine Konzerne auf Dauer weiter wachsen. Vergessen darf man bei einer möglichen Australieneuphorie allerdings nicht, dass das Land nur 22 Millionen Einwohner hat. Allein aufgrund der Größe der Volkswirtschaft sollte man nicht sein ganzes Geld in Australien anlegen, sondern das Depot nur selektiv mit Titeln von dort ergänzen. Unsere Empfehlungen BHP Billiton mit Hauptsitz in Melbourne ist der weltgrößte und am breitesten aufgestellte Rohstoffkonzern. Unter anderem fördert BHP Kohle, Öl, Gas und Metalle. Die Nähe zu China bringt niedrige Transportkosten mit sich. Langfristig besteht aus unserer Sicht kein Zweifel daran, dass die Welt hungrig auf Rohstoffe bleibt. Als interessanteste Ölaktie des Kontinents erachten wir Woodside Petroleum. Doch Woodside fördert beileibe nicht nur das schwarze Gold, der Konzern ist auch eines der weltweit führenden Unternehmen in Sachen Flüssiggas. Gerade dabei verzeichnete der Konzern jüngst Erfolge. Die Australien-Favoriten Branche WKN Div.-Rend. Kurs BHP Billiton Rohstoffe ,9 % 23 b Com. Bank Banken ,1 % 43 b Woodside Öl ,3 % 25 b Geht es der Wirtschaft gut, verdienen in der Regel auch die Banken prima. Die Commonwealth Bank of Australia profi tiert zudem von der Struktur des australischen Bankenmarktes: Die vier größten Institute operieren in einigen Bereichen wie ein Oligopol die Konkurrenz und der Kostendruck halten sich in Grenzen. Auch die Dividendenrendite von 6,5 Prozent kann sich wahrlich sehen lassen. Mit dem nächsten Flieger geht es nun weiter nach Asien. Wir wollen sehen, ob das Wachstum dort hoch bleibt und welche Aktien sich am besten zur Anlage eignen.

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