Der erste Teil dieses Buches setzt sich grundlegend mit Postfix auseinander. Wir beginnen mit einer Einführung in das SMTP-Protokoll, dann bereiten

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1 I. Grundlagen

2 Der erste Teil dieses Buches setzt sich grundlegend mit Postfix auseinander. Wir beginnen mit einer Einführung in das SMTP-Protokoll, dann bereiten wir das Umfeld und das Betriebssystem für den Einsatz von Postfix vor und enden mit einer Basiskonfiguration für eine Internetdomain. Ziel ist es, Sie erst einmal mit der Konfigurationssyntax bekannt zu machen und Ihnen einige der am häufigsten verwendeten Module von Postfix samt Hilfswerkzeugen vorzustellen. Hier ist ein Überblick der Inhalte der sechs Kapitel im Einzelnen: Einführung in Postfix In Kapitel 1 zeigen wir Ihnen, welche Rolle Postfix als Message Transport Agent bei der -Zustellung spielt. Wir vergleichen Postfix mit anderen MTAs, damit Sie nachvollziehen können, warum wir Postfix heute für das beste Produkt seiner Klasse halten. SMTP-Kommandos im Überblick Mit wenigen Ausnahmen, und das sind nur unbestätigte Gerüchte, hat keiner die Kommandos des SMTP-Protokolls mit der Muttermilch auf den Weg bekommen. In Kapitel 2 legen wir den Grundstein für das Verständnis von Postfix und das erfolgreiche Testen von Konfigurationen. Systemvorbereitung Ein Mailserver stellt bestimmte Anforderungen an das Netzwerk, in dem er betrieben wird, und an das Betriebssystem, auf dem er installiert wird. Kapitel 3 zeigt Ihnen, welche Anforderungen vorausgesetzt werden und wie Sie diese erfüllen können. Mailserver für eine Domain einrichten Jede zuverlässige Postfix-Konfiguration beginnt mit dem Einrichten einer»single-domain«-konfiguration. Die in Kapitel 4 beschriebene Vorgehensweise zeigt Ihnen, wie Sie dieses Ziel erreichen und sicherstellen können, damit Sie von dort aus auch komplexere Vorhaben realisieren können. Mailserver als Einwahlserver einrichten Vom»Single-Domain«-Server zum kostensparenden Einwahlserver ist es nur ein Katzensprung. Kapitel 5 zeigt die wenigen und doch wichtigen Veränderungen, die dieses Szenario erfordert. Aufbau und Architektur von Postfix Wietse Venema sagt:»in Wirklichkeit ist Postfix ein Router«, einer der ganze Nachrichten anstatt einzelner IP-Pakete routet. In Kapitel 6 setzen wir uns detailliert mit dieser Systemmetapher auseinander und zeigen Ihnen, wie das Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile von Postfix funktioniert.

3 3 1 Einführung in Postfix If we add stuff to Postfix that makes it harder to understand then we are making it worse. Wietse Venema Postfix ist ein so genannter Message Transport Agent (MTA) oder kürzer: ein Mailserver. Mit Hilfe des Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) transportiert er Nachrichten von einem Mail User Agent (MUA) also von -Programmen wie Mutt, Outlook oder Apple Mail zu einem anderen Mailserver. Zu seinen Aufgaben zählt auch, eine Nachricht von einem entfernten Mailserver anzunehmen und diese lokal in der Mailbox eines Anwenders abzulegen oder sie an andere MTAs weiterzuleiten. Mit der Zustellung bzw. der Weiterleitung endet die Aufgabe und Verantwortung eines SMTP-MTAs. Ab diesem Punkt sind andere Mailserver dafür verantwortlich, dem Anwender die Nachrichten zuzustellen. POP- oder IMAP-Server, die ebenso MTA genannt werden, sind nun dafür zuständig, die Nachricht von der Mailbox zum MUA des Anwenders zu transportieren. Auf den ersten Blick scheinen die Aufgaben eines MTA ziemlich einfach gestrickt zu sein, aber dieser Eindruck täuscht. Verglichen mit anderen serverseitigen Diensten nimmt ein Mailserver eine Sonderstellung ein, denn er ist gefordert, über die eigenen Netzwerkgrenzen hinweg mit Mailservern in anderen Netzwerken zu kommunizieren und mit diesen Inhalte auszutauschen. Selbstverständlich wird heute jeder, der ein Computernetzwerk betreibt, Maßnahmen ergreifen, um die Server und deren Daten vor Angriffen zu schützen. Genauso selbstverständlich scheint es, dass dazu nur eine Firewall nötig ist, um die ein- und ausgehenden Verbindungen zu kontrollieren. Aber damit ist es bei nicht getan! Firewalls kontrollieren zwar die Verbindungen zwischen Geräten, aber sie verfügen typischerweise nicht über die Fähigkeit, den Inhalt, der dabei ausgetauscht wird, zu kontrollieren. Im Regelfall erkennen sie lediglich die Hostrechner, die Ports und das Transport-Layer-Protokoll, das zur Kommunikation verwendet wird, aber nicht den Inhalt. Doch genau darauf kommt es bei Mailservern heute besonders an. Inhaltsanalyse ist eine komplexe Aufgabe und verlangt den Einsatz spezialisierter Software. Deren

4 4 1 Einführung in Postfix Aufgabe ist es, den transportierten Inhalt zu analysieren und zu bestimmen, ob er nützlich oder schädlich ist. Genau hierin liegt die zentrale Aufgabe heutiger MTAs. Abgesehen davon sollte ein moderner MTA schnell, zuverlässig und sicher sein, denn er transportiert nur so nebenbei bemerkt die Daten der populärsten Anwendung des größten Computernetzwerks dieser Welt: . Mittlerweile stehen uns Administratoren eine Vielzahl leistungsfähiger MTAs zur Auswahl. Einer kritischen Betrachtung halten selbst die populärsten nicht immer Stand. Ein MTA hat beispielsweise ein brilliant einfaches Sicherheitsmodell, aber er wird inzwischen von einer zu großen Entwicklergemeinde betreut, und das öffnet erfahrungsgemäß Tür und Tor für Fehler oder sogar ernsthafte Sicherheitslöcher. Ein anderer MTA ist Teil einer sehr populären Groupware, aber es erweckt den Anschein, als hätten die Entwickler zu viel Zeit mit Groupware-Funktionalitäten verbracht und dabei völlig vergessen, den MTA-Teil an die sich entwickelnden Internet-Standards anzupassen und zusätzlich neue Herausforderungen wie Spam und Abwehr von Angriffen auf den SMTP-Dienst anzunehmen. Und letztlich gibt es einen MTA, der es locker mit den Standards aufnehmen kann, aber dessen Historie von Sicherheitslöchern so erschreckend lang ist, dass es eines Experten bedarf, um binnen kurzem die Notfallmaßnahmen zu ergreifen, wenn mal wieder ein weiteres Sicherheitsloch bekannt wurde. Wer Postfix einsetzt, muss kein Experte sein, denn Postfix versucht von Haus aus schon so sicher wie möglich zu sein. Sicherheit beginnt für Postfix bei der Konfiguration. Eine Neuinstallation, die von Haus aus sicher ist und deshalb keine Änderung benötigt, macht es leicht, einen sicheren Mailserver zu betreiben. Darüber hinaus verfügt Postfix über eine so klare und strukturierte Syntax für Parameter und Optionen, dass es leicht ist, sein Verhalten erfolgreich und sicher zu beeinflussen. Zusätzlich verfügt Postfix über eine modulare Softwarearchitektur, bei der jedes Modul mit den zur Zielerreichung jeweils niedrigsten erforderlichen Privilegien (least privilege) betrieben wird. Sicherheit ist ein umfassendes und doch einfach zu realisierendes Konzept von Postfix und die Auseinandersetzung damit beginnt nicht erst beim Programmieren. Postfix ist erstaunlich leistungsfähig, weil es sich bewusst auf die zentralen Aufgaben von Message Transport beschränkt. Anstatt Funktionalitäten anderer Applikationen zu reimplementieren, stellt Postfix Schnittstellen zur Verfügung, um diese zu nutzen. Dabei nutzt Postfix im MTA-Alltag ebenso konsequent die Stärken von Unix, um seine Aufgaben abzuwickeln. Seine Konformität mit Unix macht es deshalb so leicht, externe Applikationen mit in den Message Transport einzubinden, und sie trägt ebenso maßgeblich zu seiner Leistungsfähigkeit bei. All diese Kriterien tragen dazu bei, dass Postfix heute mit Recht als der zentrale Bestandteil eines Message Transport Dienstes gelten darf. Die Abb. 1-1 zeigt Postfix umgeben von spezialisierten Applikationen und Werkzeugen, die eine effektive Kontrolle von Inhalt, Verbindung und Relaying ermöglichen.

5 5 Relay Inhalt Postfix Verbindung Abb. 1-1: Postfix zentraler Bestandteil eines umfassenden Message-Transport-Dienstes Dieses Buch wird Ihnen zeigen, wie Sie Postfix zum Gebrauch in einem kleinen Netzwerk, als Gateway, als Virenfilter und als unternehmensweiten Mailserver in eine zeitgemäße IT-Architektur einbinden können. Auf Ihrem Weg durch dieses Buch werden Ihnen dabei Theoriekapitel und Tutorien zur Seite stehen, deren Umfang weit über die online verfügbare Dokumentation hinausgeht. Sie sollen Ihnen helfen, das Beste aus dieser außergewöhnlichen Software herauszuholen.

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