Internationaler Handel und theoretische Erklärungsansätze: Warum findet internationaler Handel statt?

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1 Internationaler Handel und theoretische Erklärungsansätze: Warum findet internationaler Handel statt?

2 Bezug zum Bildungsplan LPE 12: Aussagekraft theoretischer Erklärungsansätze für den internationalen Handel Analyse und Bewertung klassischer Handelstheorien: z.b. differente Umweltbedingungen oder Produktionstechniken (Ricardo Modell / komparative Vorteile), Opportunitätskostenansatz, differente Faktorausstattungen (Heckscher Ohlin Modell)

3 Ökonomische Perspektive: Was SuS schon wissen Knappheit als grundlegende ökonomische Kategorie Arbeitsteilung als Reaktion auf die Knappheit Ziel ist die Steigerung der Gesamtwohlfahrt

4 Bedeutung der Arbeitsteilung zur Steigerung der Wohlfahrt Adam Smith: Verdeutlicht in seinem Nadel Beispiel die Vorteile der Arbeitsteilung. Steigerung der Wohlfahrt durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität. Adam Smith / David Ricardo: Zeigt auf, wie Arbeitsteilung zwischen Volkswirtschaften zu Wohlfahrtsgewinnen führt. Prinzip der absoluten / komparativen Kostenvorteile.

5 A.Verfügbarkeit

6 B. Adam Smith:_Absolute Kostenvorteile

7 B. Adam Smith:_Absolute Kostenvorteile Wohlfahrtsüberschüsse gibt es auch ohne Ausfuhrüberschüsse: Internationale Arbeitsteilung steigert die internationale Produktivität. Maximale Steigerung der Wohlfahrt durch den Außenhandel, wenn sich jedes Land auf jene Güter spezialisiert, die es am kostengünstigsten herstellen kann. Um die Vorteile von Arbeitsteilung und Spezialisierung realisieren zu können, wird internationaler Handel gebraucht und gleichzeitig gefördert.

8 C. David Ricardo: Die Regel vom komparativen Vorteil Ricardo unterscheidet in Anlehnung an Smith: Absolute Vorteile: Der Produktivitätsvorteil eines Produzenten bei der Erzeugung eines bestimmten Guts. Komparative Vorteile: Der Opportunitätskostenvorteil eines Produzenten bei der Erzeugung eines Guts. Entscheidend für den internationalen Handel seien die komparativen Kostenvorteile und diese schaffen die Handelsgewinne.

9 Didaktischer Zugriff Schülerinnen und Schüler können: Erläutern, wie die Gesamtwohlfahrt durch Arbeitsteilung gesteigert werden kann (ökonomische Perspektive). Beurteilen, wie im Rahmen der Globalisierung der Wohlfahrtsgewinn verteilt wird (politische Dimension). Didaktischer Pfad: Möglichkeiten 1) Robinson Ökonomie 2) Rechtsanwältin Beispiel 3) Handel in der EU

10 1. Robinson Ökonomie: Ausgangssituation Robinson kann an einem Tag entweder 40 Nüsse sammeln oder 20 Fische fangen, bzw. alle Punkte auf seiner Transformationskurve / Produktionsmöglichkeitenkurve verwirklichen.

11 1. Robinson Ökonomie: Freitag kommt auf die Insel Freitag ist in beiden Bereichen produktiver. Er besitzt absolute Kostenvorteile. Auf den ersten Blick würde man sagen, dass es keinen Sinn macht für Freitag, mit dem schwächeren Robinson zusammen zu arbeiten.

12 1. Robinson Ökonomie: Produktion ohne Arbeitsteilung Produktion von Robinson und Freitag ohne Arbeitsteilung: Robinson Freitag Summe Nüsse Fische

13 1. Robinson Ökonomie: Komparative Kostenvorteile Macht es Sinn, wenn sich die beiden auf die Produktion von Gütern spezialisieren? Ricardos Theorem der komparativen Kostenvorteile: Jeder soll das Gut herstellen, das er relativ am billigsten produzieren kann (auch: Opportunitätskosten). Robinson Freitag Für eine zusätzliche Nuss Für einen zusätzlichen Fisch ½Fisch 1 Fisch 2 Nüsse 1 Nuss

14 1. Robinson Ökonomie: Wer macht was? Ricardos Theorem der komparativen Kostenvorteile: Jeder soll das Gut herstellen, das er relativ am billigsten produzieren kann. Robinson Freitag Für eine zusätzliche Nuss Für einen zusätzlichen Fisch ½Fisch 1 Fisch 2 Nüsse 1 Nuss Robinson hat einen komparativen Kostenvorteil beim Nüsse sammeln. Freitag hat einen komparativen Kostenvorteil beim Fischfang.

15 1. Robinson Ökonomie: Ergebnis verbessert? Robinson soll möglichst viele Nüsse sammeln. Freitag möglichst viele Fische fangen. Produktion mit Arbeitsteilung: Robinson Freitag Summe Nüsse (50) Fische (40)

16 1. Robinson Ökonomie: Fazit? Arbeitsteilung lohnt sich, denn die Wohlfahrt ist um 10 Nüsse gestiegen. Es lohnt sich auch für Freitag, obwohl er absolute Kostenvorteile hat. Entscheidend sind die komparativen Kostenvorteile. Problem: Wie werden die 10 Nüsse verteilt?

17 2. Das Rechtsanwältin Beispiel Die beste Rechtsanwältin in einer Stadt eine Staranwältin mit Spitzenhonoraren stellt fest, dass sie auch die beste Schreibkraft im Ort und weitaus besser und schneller als ihre Sekretärin ist. Soll sie nun ihre Sekretärin entlassen und auch alle Schreibarbeiten in ihrer Kanzlei selbst erledigen? Quelle: Institut für Ökonomische Bildung, Oldenburg

18 2. Das Rechtsanwältin Beispiel Nein! Zeit der Anwältin ist kostbarer, wenn sie als Anwältin arbeitet: Opportunitätskosten = entgangenes Honorar Sekretärinnengehalt. Sie besitzt einen relativen oder komparativen Vorteil.

19 3. Handel in der EU Quelle: Bauer, J. u.a.: Wirtschaftsgeographie, Braunschweig 2004, S.12

20 Bezug zum Bildungsplan LPE 12: Aussagekraft theoretischer Erklärungsansätze für den internationalen Handel Analyse und Bewertung klassischer Handelstheorien: z.b. differente Umweltbedingungen oder Produktionstechniken (Ricardo Modell / komparative Vorteile), Opportunitätskostenansatz, differente Faktorausstattungen (Heckscher Ohlin Modell)

21 D. Faktor Proportionen Theorem nach Heckscher / Ohlin Einfluss der Faktorausstattung eines Landes: Je reichlicher ein Land mit einem bestimmten Faktor ausgestattet ist, desto relativ günstiger werden die Preise des Faktors sein. Beispiele?

22 D. Faktor Proportionen Theorem nach Heckscher / Ohlin Deutschland exportiert kapitalintensive Produkte, z.b. Maschinen.

23 D. Faktor Proportionen Theorem nach Heckscher / Ohlin Deutschland importiert arbeitsintensive Produkte, z.b. Jeans.

24 D. Faktor Proportionen Theorem nach Heckscher / Ohlin Fazit: Entscheidend für die komparativen Kostenvorteile sind die Proportionen, in denen unterschiedliche Produktionsfaktoren in verschiedenen Ländern verfügbar sind und in der Produktion eingesetzt werden.

25 D. Faktor Proportionen Theorem nach Heckscher / Ohlin Aber (Teil 1):

26 D. Faktor Proportionen Theorem nach Heckscher / Ohlin Das Leontief Paradoxon: empirische Untersuchung, wonach die Kapitalintensität der US amerikanischen Exporte im Jahr 1947 geringer war als die Kapitalintensität der US Importe Erklärungsansätze für das Paradoxon: a) unterschiedliche Nachfragepräferenzen, unterschiedliche Produktionstechnologien, Marktunvollkommenheiten b) Mängel im Testverfahren: Verzerrung der Daten, Nichtberücksichtigung von Arbeitskraft und natürlichen Ressourcen

27 Aber (Teil 2): Nicht Länder treiben Handel, sondern Unternehmen!

28 E. Produktlebenszyklustheorie (Vernon / Hirsch) Wie aber ändern sich komparative Kostenvorteile im Laufe der Zeit? Einführungsphase: qualifizierte Arbeitskräfte / heimischer Markt Wachstumsphase: Etablierung und Export / Produktmengenexpansion / Imitationen Sättigungsphase: Serienfertigung / Massenproduktion / Produktionsverlagerung

29 F. Wettbewerbsmodell: Diamantentheorie (Porter) Bedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sind gut oder weniger gut. Sie hängen von verschiedenen Elementen ab:

30 F. Wettbewerbsmodell: Diamantentheorie (Porter) Kriege, Entdeckungen, Krisen Anzahl der konkurrierenden Unternehmen, Intensität des Wettbewerbs, Unternehmensstruktur (privat staatlich) Infrastruktur, Qualifikation der Arbeitskraft Marktgröße, Anspruchsniveau der Konsumenten Förderung von Wettbewerbsvorteilen international wettbewerbsfähige Unternehmenscluster

31 G. Intraindustrieller Handel Der Handel der hoch entwickelten Länder ist mit ca. ¾ des Gesamthandels intraindustriell. Die beteiligten Länder sind auf einem vergleichbaren technologischen Stand.

32 G. Intraindustrieller Handel: Ursachen Bedürfnisse der Konsumenten werden immer spezieller und weiten sich aus. Technologische Entwicklungen ermöglichen immer neue Produktvarianten und Innovationen.

33 Ökonomische Perspektive: Thesen Arbeitsteilung ist zwischen Volkswirtschaften immer möglich, wenn es komparative Kostenvorteile gibt. Auch Entwicklungsländer profitieren von der Arbeitsteilung. Die weltweite Arbeitsteilung erhöht den Wohlstand innerhalb der Volkswirtschaften (vgl. Autarkie). Arbeitsteilung führt dazu, dass Volkswirtschaften nicht mehr alles produzieren, was sie konsumieren. Ricardo erklärt den Welthandel nicht.

34 media/sendung/ts22896.html

35 LPE 12: Literaturangaben Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, München Darin: Die Arbeitsteilung ist die Mutter unseres Wohlstandes, S Gregory Mankiw: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Stuttgart Darin: Interdependenz und die Handelsvorteile, S Hans Kaminski: OEC. Ökonomie. Grundlagen wirtschaftlichen Handels, Braunschweig Darin: Warum gibt es internationalen Handel?, S

36 Meinungsaustausch Basiswissen: Überlegen Sie in Ihrer Gruppe, über welches Wissen SuS in Bezug auf das Schwerpunktthema verfügen sollten. Aufgaben: Formulieren Sie Ihnen geeignet erscheinende Übungsaufgaben zu den vorgetragenen Aspekten.

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