Sozialleistungen. bei Krebserkrankungen

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1 Sozialleistungen bei Krebserkrankungen

2 Impressum 2 Herausgeber: Berliner Krebsgesellschaft e.v. Robert-Koch-Platz Berlin Telefon (030) Telefax (030) Aktualisierungen: Dipl.-Päd. (Rehab.) Anja Böhm, Dr. med. Hubert Bucher 2. Auflage 2015, Berlin Mit freundlicher Genehmigung der Krebsgesellschaft Nordrhein Westfalen e.v. Urheber: Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.v. Fotonachweis Titel: Fotolia.com Autorin: S. Deiss, Krebsgesellschaft NRW Redaktion/Layout: A. Arning, D. Oelschläger, Krebsgesellschaft NRW M. Müller, Berliner Krebsgesellschaft e.v. Alle Rechte, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Über - setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der Krebsgesellschaft NRW reproduziert werden.

3 Inhalt Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen... 7 Ärztliche Zweitmeinung zu Diagnose und Therapie vorschlag... 7 Arznei-, Heil- und Hilfsmittel... 8 Krankenhausbehandlung Fahrtkosten Häusliche Krankenpflege Haushaltshilfe Praxisgebühr Zuzahlung und Belastungsgrenze Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit Übergang in die nachstationäre Versorgung Medizinische Rehabilitation Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen Zeitpunkt, Ort und Dauer medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen Ergänzende Leistungen zur onkologischen Rehabilitation Rehabilitationssport und Funktionstraining Leistungen der Pflegeversicherung Definition von Pflegebedürftigkeit Antrag auf Pflegeleistungen Pflegestufen Leistungen der häuslichen/ambulanten Pflege Ersatzpflege (Verhinderungspflege) Kurzzeitpflege Pflegehilfsmittel Ambulante Pflegedienste Leistungen für nicht professionelle Pflegepersonen Verbindung von Beruf und Pflege eines Angehörigen Wohnungsanpassung/Wohnumfeldverbesserung Teilstationäre und stationäre Pflege Stationäre Pflege... 46

4 Inhalt Hilfe zur Pflege als Leistung der Sozialhilfe Pflegeberatung Schwerbehinderung Zuständigkeit und Antragstellung Merkzeichen Übersicht über Nachteilsausgleiche für schwerbehinderte Menschen Gültigkeit und Verlängerung des Schwerbehindertenausweises Rückkehr in den Beruf Stufenweise Wiedereingliederung Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben Kostenträger Krankengeld Einkommensarten Wegfall des Krankengeldes (SGB V 51) Abgestufte Erwerbsminderungsrente Rente auf Zeit Weitere Rentenarten Grundsicherung Härtefonds der Deutschen Krebshilfe Palliative Versorgung Was ist Palliativmedizin? Einleitung von palliativer Versorgung Finanzierung der stationären palliativen Versorgung Ambulante Hospizarbeit Spezialisierte ambulante Palliativversorgung Musterseite Pflegetagebuch Anhang... 73

5 Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, Eine Tumorerkrankung wirft nicht nur medizinische Fragen auf. Oft müssen kurzfristig auch sozial- und versicherungsrechtliche Angelegenheiten geklärt werden. Doch wer hilft weiter, wenn es um die Therapiekosten geht? Wer unterstützt bei der Beantragung einer Rehabilitation? Wie können sich Angehörige bei der Pflege helfen lassen? Welche Rechte hat man als Krebspatient am Arbeitsplatz? Wer kennt sich aus mit dem Thema Schwer - behinderung und in Rentenfragen? Es ist nicht einfach, sich in kürzester Zeit mit allen relevanten Regelungen vertraut zu machen und einen Überblick über Zuständigkeiten, Anträge und Fristen zu gewinnen. Diese Broschüre soll eine erste Orientierung bieten. Sie beschreibt, welche Leistungen Kranken- und Pflegeversicherungen gewähren, welche Mög - lich keiten der finanziellen Absicherung es gibt und welche anderen viel - fältigen Hilfen im Krankheitsfall zur Verfügung stehen. 5 Wir empfehlen den Betroffenen sich gleich zu Beginn ihrer Therapie umseitig zu informieren, damit die unterstützende Hilfe auch rechtzeitig beantragt wird, um diese zu gegebener Zeit in Anspruch nehmen zu können. Denn neben der medizinischen Versorgung trägt auch die sozialrechtliche Absicherung wesentlich zum Erhalt der Lebens qualität bei. Alle Patienten der Kliniken haben Anspruch auf eine Beratung durch den Sozialdienst. Die Mitarbeiter des Sozialdienstes haben die Aufgabe und das Ziel, Patienten und Angehörige bei der Bewältigung von persön - lichen oder sozialen Problemen in Bezug auf die Entlassung zu informieren, zu beraten und zu unterstützen. Weitere Ansprech partner rund um die Themen Sozialleistungen, Selbsthilfe und psycho soziale Beratung finden Sie im Anhang. Ihre Berliner Krebsgesellschaft e.v.

6 6 Wichtiger Hinweis In dieser Broschüre wird das Leistungsspektrum von Krankenkassen, Pflegediensten, Rentenversicherungsträgern und anderen Institutionen für krebserkrankte Menschen vorgestellt. Es werden gesetzliche Regelungen erläutert wie sie zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Broschüre bestehen. Da diese jedoch regelmäßig geändert werden, können die nach folgen - den Informationen insbesondere zu finanziellen Leistungen das Gespräch mit dem Sachbearbeiter der Krankenkasse, des Rentenversicherungsträgers oder des Sozialamtes nicht ersetzen.

7 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen sowie mitversicherte Familien - angehörige haben Anspruch auf Kostenübernahme der Krankenbehand - lung. Die Krankenbehandlung umfasst alle Maßnahmen, die notwendig sind, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung abzuwehren oder Beschwerden zu lindern. Die Krankenkassen sind auch An sprech part ner für Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und für die medizi nische Rehabilitation. Welche Kosten im Einzelnen für welche Leistungen übernommen werden, sollte mit der Krankenversicherung ab ge klärt werden. Erste Informationen finden Sie in der Regel auf der Webseite der Krankenkasse. Darüber hinaus haben die meisten Kassen zentrale Servicenummern oder Sie nehmen ein persönliches Beratungs - ge spräch in der Geschäftsstelle vor Ort in Anspruch. Ärztliche Zweitmeinung zu Diagnose und Therapie vorschlag 7 Grundsätzlich können für Versicherte unter den Kassen ärzten frei wählen. Dies gilt auch für die Krankenhauswahl. Es muss allerdings eine ärzt liche Einweisung für das gewählte Krankenhaus vorliegen. Wenn eine Krebs - diagnose gestellt und ein Therapievorschlag unterbreitet wurde, besteht die Möglichkeit, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Hierunter versteht man eine zweite Bewertung von Diagnose und Therapie durch einen unabhängigen, bisher an der Betreuung des Patienten nicht beteiligten, Arzt. Dies kann wichtig sein für die Einschätzung des Krank heitsstatus, die Beurteilung von Risiken oder Chancen einer medika men tösen Therapie oder eines operativen Eingriffs. Zur Einholung einer ärzt lichen Zweitmeinung empfehlen sich onkologische Fachabteilungen in Kranken - häusern und Universitätskliniken, andere auf Krebstherapie spezialisierte Zentren sowie niedergelassene Onkologen. Jeder Patient hat das Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung. Die Kosten werden jedoch nicht in jedem Fall von den Krankenkassen übernommen. Deshalb sollten Sie im ersten Schritt bei Ihrer Kasse nachfragen, unter welchen Voraussetzungen eine Kosten über nahme möglich ist.

8 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Arznei- und Verbandmittel Generell übernimmt die Krankenkasse die Kosten für ärztlich verordnete Arznei- und Verbandmittel in voller Höhe abzüglich der gesetzlich zu leistenden Zuzahlung. Die Zuzahlung für Arznei- und Verbandmittel beträgt für Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, zu den vom Arzt per Kassenrezept verordneten Medikamenten 10 % des Preises, mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro. Die Mindestzuzahlung fällt erst ab einem Preis von 5,01 Euro an. Bei Mitteln, deren Preis bis zu 5 Euro beträgt, wird anstelle der Zuzahlung der komplette Verkaufspreis erhoben. 8 Nach dem Arzneimittelversorgungswirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) wurden bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel und Arznei mittel - wirkstoffe von der Zuzahlung befreit. Diese können auf den Internetseiten der gesetzlichen Krankenversicherungen eingesehen werden (www.gkvspitzenverband.de). Weiterhin können Medikamente von Arzneimittelher - stellern, mit denen die Krankenkassen einen Rabattvertrag geschlossen haben, ganz oder teilweise zuzahlungsfrei sein. Ärzte, Apotheker und Krankenkassen erteilen hierzu detaillierte Auskünfte. Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel werden nicht mehr von der Krankenkasse beglichen. Dazu gehören Bagatell arznei mittel wie Mittel gegen Erkältungskrankheiten, Abführmittel, Mittel gegen Reisekrankheit und andere. Ausnahmen: Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, die bei der Be handlung von schwerwiegenden Erkrankungen wie z. B. Krebs als Thera pie standard gelten, können vom Arzt mit entsprechender medizinischer Begründung verordnet werden. Diese Medikamente sind im Internet unter (OTC-Übersicht) einsehbar. Die Liste wird fortlaufend aktu alisiert. Weitere Ausnahme: Für versicherte Kinder bis zum vollendeten 12. Lebens - jahr (endet einen Tag vor dem 12. Geburtstag) und versicherte Jugend liche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit Entwicklungsstörungen (endet

9 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen einen Tag vor dem 18. Geburtstag) sind nicht rezeptpflichtige Medikamente weiterhin auf Rezept zu bekommen, sofern sie nicht anderweitig durch die Arzneimittel-Richtlinie ausgeschlossen wurden. Heilmittel Jeder gesetzliche Krankenversicherte hat grundsätzlich Anspruch auf Heil - mittel, muss aber, wenn er das 18. Lebensjahr vollendet hat, zu den Kosten der Heilmittel eine Zuzahlung leisten ( 32 SGB V). Zu den Heil mitteln gehören beispielsweise Maßnahmen wie Physiotherapie bzw. Krankengymnastik, Lymphdrainage, Massagen, Wärmebehandlung, medizinische Bäder sowie Sprach- und Ergotherapie (bei Hirntumoren oder nach Operationen). Bei Heilmitteln und häuslicher Krankenpflege beträgt die Zuzahlung 10 % vom Abgabepreis oder der Kosten der Anwendung (min. 5 Euro, höchstens 10 Euro) sowie 10 Euro je Verordnung. Heilmittelverordnungen außerhalb des Regelfalls Schwer chronisch kranke Patienten, die langfristig Heilmittelbehandlungen wie Physiotherapie oder Lymphdrainage benötigen, können sich diese Behandlungen von ihrer Krankenkasse für einen geeigneten Zeitraum genehmigen lassen. 9 Wenn Ihr Arzt eine langfristige Heilmittelbehandlung für sinnvoll hält, sollten Sie sich von ihm eine Bescheinigung darüber ausstellen lassen und bei Ihrer Kranken kasse einen entsprechenden Antrag auf Genehmigung stellen. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen über den Antrag entscheiden. Wenn die Krankenkasse die Therapie als langfristige Heilmittelbedarf genehmigt, fallen die Verordnungen nicht ins Praxisbudget. Dafür wird der Arzt mit hohen bürokratischen Aufwendungen konfrontiert. Wenn die Kranken - kasse Genehmigungen für langfristige Heilmittelbehandlung nicht ausstellt, belasten Verordnungen weiter das Budget des verordnenden Arztes. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin rät Patienten auf jeden Fall einen Antrag bei ihrer Krankenkasse zu stellen. Wenn die Kasse den Antrag genehmigt, sollte der Vertragsarzt die Genehmigung kopieren und erst

10 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen dann eine Verordnung ausstellen. Im Falle einer Prüfung kann er die gesammelten Genehmigungen vorlegen, um sie aus seinem Praxisbudget heraus rechnen zu lassen. Hilfsmittel Auch die Versorgung mit Hilfsmitteln, die den Erfolg der Behandlung sichern, eine Behinderung ausgleichen oder einer drohenden Behin de - rung vorbeugen, kann von der Krankenkasse übernommen werden. Dies geschieht entweder in Form eines Festpreises, in Höhe von Vertrags - sätzen oder im Einzelfall auch nach Kostenvoranschlag. 10 Beispiele für Hilfsmittel sind Rollstühle, Gehhilfen, Hörhilfen, orthopädische Hilfen, Prothesen (auch: Brustprothesen), Stomaartikel, Inkontinenzhilfen, Hilfen zur Kompres sions - therapie oder Perücken. Sehhilfen und Brillen werden nur für schwer sehbeeinträchtigte Menschen sowie für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren von der Krankenkasse übernommen. Bei Hilfsmitteln, für die mit Vertragspartnern der Krankenkasse ein Fest - betrag festgesetzt wurde, übernehmen die Kassen nur die Kosten bis zur Höhe dieses Betrages. Sind die tatsächlichen Kosten höher als der Festbetrag, müssen Versicherte den Differenzbetrag selbst zahlen (Eigenanteil). Wenn Sie dies vermeiden wollen, sollten Sie sich vorab die Vertragspartner der Krankenkasse nennen lassen. Die Kassen sind zur Auskunft verpflichtet. Hilfsmittel mit Festbetrag sind z. B. Inkontinenzhilfen, Stomaartikel und Hilfen zur Kompressionstherapie. Die Krankenkassen haben auch die Möglichkeit, gebrauchte Hilfsmittel wie z. B. Rollstühle und Gehhilfen zur Verfügung zu stellen oder Hilfsmittel leihweise zu überlassen. Auch bei Hilfsmitteln, die zum Verbrauch bestimmt sind (z. B. Einlagen bei Inkontinenz) müssen 10 % des Packungspreises selbst gezahlt werden, höchstens jedoch 10 Euro im Monat.

11 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind von einer Zuzahlung für Hilfsmittel freigestellt. Krankenhausbehandlung Die Krankenkasse übernimmt die Kosten einer Krankenhausbehandlung in einer zugelassenen Vertragseinrichtung in Höhe der vereinbarten Ver - gütung mit dieser Einrichtung. Darüber hinausgehende zusätzliche Kosten z. B. für Chefarztbehandlung oder Unterbringung in einem Zweibettzimmer sind vom Versicherten zu übernehmen. Die Kranken haus behandlung kann stationär, teilstationär oder ambulant erfolgen. Die Zuzahlung für die Krankenhausbehandlung (vollstationär) beträgt 10 Euro pro Tag für maximal 28 Tage pro Kalenderjahr. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fällt keine Zuzahlung an. 11 Fahrtkosten Fahrtkosten zu ambulanten Behandlungen werden von den Kranken - kassen nur in folgenden Fällen übernommen: J Fahrten zur Dialysebehandlung J Fahrten zur Chemotherapie J Fahrten zur Strahlentherapie J Fahrten von Patienten mit Schwerbehindertenausweis mit den Kennzeichen ag (außergewöhnliche Gehbehinderung) Bl (blind) oder H (hilflos) J Fahrten von Personen mit Pflegestufe II und III oder mit vergleichbar schweren Erkrankungen, die über längere Zeit ambulant behandelt werden müssen

12 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Die Zuzahlung bei medizinisch angeordneten Fahrten beträgt 10 % der Fahrtkosten, mindes tens 5 Euro, maximal 10 Euro pro Fahrt. Die Regelung gilt auch für Fahrten von Kindern und Jugendlichen. 12 Zuzahlungen bei Behandlungsserie Unter bestimmten Voraussetzungen wird bei einer Serie von Fahrten eine Zuzahlung lediglich für die erste und die letzte Fahrt fällig. Das gilt z. B., wenn eine ambulante Chemotherapie mehrere Zyklen umfasst und die Fahrten von der Wohnung aus immer dasselbe Ziel (Krankenhaus oder onko logische Praxis) haben. Der voraussichtliche Zeitraum der Behand - lung sollte bereits in der ärztlichen Verordnung für Krankenfahrten ange - geben werden, so dass nicht jede Fahrt einzeln genehmigt werden muss. Auch regelmäßige Fahrten, die unmittelbar im Zusammenhang mit der Chemo- oder Strahlentherapie stehen, etwa wöchentliche Blutbild - kontrollen, fallen unter diese Regelung. Die Fahrten zur ambulanten Behandlung müssen vor ihrer Inanspruchnahme von der Krankenkasse genehmigt werden! Fahrtkosten bei Krankenhauswechsel: Wenn ein Patient aus medizi - nischen Gründen von einem Krankenhaus in ein anderes verlegt werden muss, übernimmt die Krankenkasse die gesamten Fahrtkosten. Häusliche Krankenpflege Unter häuslicher Krankenpflege werden Pflegeleistungen verstanden, die in direktem Zusammenhang mit der Behandlung einer Erkrankung stehen. Sie wird von der Krankenkasse bewilligt, wenn neben der ärztlichen Be - handlung weitere gezielte medizinische und krankenpflegerische Betreuung durch einen Pflegedienst zu Hause erforderlich ist. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die häusliche Krankenpflege, wenn J die Pflege ärztlich verordnet wurde, um die Sicherung der ärztlichen Behandlung zu gewährleisten,

13 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen J eine Krankenhausbehandlung nicht möglich ist (z. B. Bettenmangel) oder ein Krankenhausaufenthalt durch eine häusliche Versorgung vermieden bzw. verkürzt werden kann, J keine andere im Haushalt lebende Person den Patienten in erforder - lichem Umfang pflegen und versorgen kann. In der häuslichen Krankenpflege werden folgende Bereiche unterschieden: J Behandlungspflege Hierunter versteht man medizinische Hilfe - leistun gen bei Injektionen, Verbandwechsel, Verabreichung von Medika men ten und dem Wechsel von Kompressionsstrümpfen. J Grundpflege Hierunter fallen nichtmedizinische Leistungen wie Körper - pflege, Hilfe im hygienischen Bereich oder bei der Nahrungsaufnahme. J Hauswirtschaftliche Versorgung Darunter werden Tätigkeiten wie Zubereitung von Mahlzeiten, Einkaufen, Putzen, Waschen zusammengefasst. Ohne Notwendigkeit von Behandlungspflege wird von der Krankenkasse keine Grundpflege übernommen. Daher muss die Verordnung des Arztes immer auch die Behandlungspflege einbeziehen. Für Grundpflege ohne Behandlungspflege können unter bestimmten Voraussetzungen Leistun gen aus der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden (vgl. Seite 31ff). 13 Die Krankenkassen übernehmen die Vermittlung von Pflegediensten, die eine verordnete Versorgung übernehmen. Wenn die Krankenkasse keine Pflegekraft stellen kann, übernimmt sie die Kosten für eine selbst beschaff te Hilfe in angemessener Höhe. Dies muss jedoch unbedingt vorher mit der Krankenkasse abgesprochen und von dieser genehmigt werden! Im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt werden Behandlungs- sowie Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung (Regelleistung) bis zu 28 Tagen pro Kalenderjahr bezahlt, wenn dadurch der Krankenhausaufenthalt abgekürzt oder weitere Aufenthalte vermieden werden können. In medizinisch begründeten Fällen kann die Kostenüber nahme für die Krankenhausvermeidungspflege verlängert werden. Die Prüfung der Notwendigkeit erfolgt durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK).

14 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Die Krankenpflege wird ohne zeitliche Begrenzung übernommen, wenn diese zur Sicherung des Ziels der ärztlichen Behandlung notwendig ist. Wenn ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt oder die zu pflegende Person bereits in eine Pflegestufe eingruppiert wurde, übernimmt die Krankenkasse die Grundpflege oder hauswirtschaftliche Versorgung nicht mehr. Kostenträger hierfür ist dann die Pflegekasse. Die Behandlungspflege wird jedoch weiterhin von der Krankenkasse gezahlt. Zuzahlungen für die häusliche Krankenpflege Die Zuzahlung beträgt 10 % der Kosten pro Tag begrenzt auf 28 Tage im Kalenderjahr zuzüglich 10 Euro je Verordnung. 14 Haushaltshilfe Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine Haushaltshilfe, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind: J wenn aufgrund einer Krankheit oder einer Rehabilitationsmaßnahme kann der Haushalt nicht selbständig geführt werden kann und J im Haushalt mindestens ein Kind lebt, welches das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder wegen einer Behinderung auf Unter - stützung angewiesen ist und keine andere Person den Haushalt führen kann. Eine andere im Haushalt lebende Person (Ehepartner, ältere Kinder) ist nicht verpflichtet, sich zwecks Weiterführung des Haushalts von seiner Berufs tätigkeit, Berufs- oder Schulausbildung beurlauben zu lassen. Dauer und Umfang der zu gewährenden Hilfe im Haushalt kann jede Krankenkasse in ihrer Satzung festlegen. Einige Krankenkassen bieten auch für Versicherte, die kein im Haushalt lebendes kleines oder behindertes Kind haben, eine Haushaltshilfe als Leistung an. Es ist ratsam, die Kasse nach ihren Leistungskriterien zu fragen.

15 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Zuzahlung zu den Kosten für eine Haushaltshilfe Bei Inanspruchnahme einer Haushaltshilfe beträgt die Zuzahlung 10 % der Kosten pro Tag, jedoch mindestens 5 Euro, höchstens 10 Euro. Haushalts - hilfen werden von den Krankenkassen oder vom Sozialamt vermittelt. Oft übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten für eine selbst be schaff te Kraft in angemessener Höhe. Dies muss jedoch unbedingt vorher mit der Krankenkasse abgesprochen und von dieser genehmigt werden! Praxisgebühr Seit dem 1. Januar 2013 braucht der Patient keine Praxisgebühr mehr zu entrichten. Zuzahlung und Belastungsgrenze 15 Alle Zuzahlungen für Medikamente, Verband-, Heil-, und Hilfsmittel sollten sie sich immer von den Apotheken, Physiotherapeuten, Sanitätsfachgeschäften, Fahrdiensten, Kranken häusern quittieren lassen. Die Quittungen dienen als Voraussetzung für die Feststellung der Überschreitung der Belastungs - grenze (s. folgenden Abschnitt) und des Vorliegens eines Härtefalles. Versicherte müssen gemäß 61 SGB V ff. Zuzahlungen leisten. Um eine finanzielle Überforderung zu vermeiden, sind diese Zuzahlungen nur bis zu einer bestimmten Belastungsgrenze zu leisten ( 62 SGB V). Wird die Belastungsgrenze innerhalb eines Kalenderjahres erreicht, stellt die Krankenkasse eine Bescheinigung darüber aus, dass für den Rest des Kalenderjahres keine Zuzahlungen mehr zu leisten sind. Diese müssen Sie unter Einreichung aller Belege über geleistete Zuzahlungen bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Die maximale jähr liche Eigenbeteiligung liegt bei 2 % des jährlichen Bruttoeinkommens der Haushaltsmitglieder. Dieses so genannte Familienbruttoeinkommen um fasst das Bruttoeinkommen des Versicherten und aller Angehörigen des Ver sicherten, die mit ihm in einem gemeinsamen Haushalt leben.

16 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Sonderregel für chronisch Kranke Bei anerkannter schwerwiegender chronischer Erkrankung eines Haus - haltsmitglieds, das sich wegen dieser chronischen Erkrankung in Dauer - behandlung befindet, beträgt die jährliche Eigenbeteiligung maximal 1 % des Bruttoeinkommens aller Mitglieder des Haushaltes. Als schwerwiegend chronisch krank werden Personen eingestuft, die nachweisen können, dass sie im letzten Jahr wegen der selben Erkrankung wenigstens einmal im Quartal in ärztlicher Behandlung gewesen waren. 16 Zusätzlich muss eine weitere der folgenden Bedingungen erfüllt sein: J Pflegestufe II oder III J Schwerbehinderung von mindestens 60 % GdB (Grad der Behinderung) J Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 60 % J Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung, dass die Erkrankung eine kon - tinuierliche medizinische Versorgung notwendig macht, ohne die ein lebensbedrohlicher Zustand, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten wäre. Hinsichtlich der Sonderregel für chronisch Kranke ist die Beratungspflicht, die seit dem aufgrund eines Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses gilt, zu beachten! Die Pflicht zur Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen ist zwar nicht vorgeschrieben, seit 1. Januar gilt allerdings die Beratungspflicht. Versicherte müssen sich beim Arzt über Krebsfrüherkennung beraten lassen, wenn sie später im Falle einer Erkrankung nur ein und nicht zwei Prozent ihres Einkommens für Zuzahlungen (z. B. zu Medikamenten, Heilmitteln usw.) aufbringen wollen. Die Regelung gilt zunächst, unter Berücksichtigung der gesetzlich vorgegebenen Stichtagsregelungen, nur für Früherkennungsuntersuchungen von Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs.

17 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Folgender Personenkreis muss sich beraten lassen: J gesetzlich krankenversicherte Frauen, geboren nach dem J gesetzlich krankenversicherte Männer, geboren nach dem Die Beratung muss nicht zwangsläufig zu der Entscheidung der Durch - führung der jeweiligen Untersuchung führen. Sie muss jedoch linnerhalb von zwei Jahren nach Beginn der jeweiligen Anspruchs berechtigung wahrgenommen werden. Dies bedeutet für: J Frauen ab dem 20. Lebensjahr: Beratung über Früherkennungsunter - suchungen zu Gebärmutterhalskrebs J Männer ab dem 50. Lebensjahr: Beratung über Früherkennungsunter - suchungen zu Darmkrebs Wird die entsprechende Beratung versäumt und es tritt eine der oben genannten Krebserkrankungen auf, kann der Patient nicht von der Chronikerregelung profitieren. 17 Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit Wird ein Antrag auf Leistungen der Agentur für Arbeit (ALG I und ALG II/ Hartz IV) gestellt, muss die bisherige gesetzliche Krankenversicherung ange ge ben werden. Ebenso muss die Krankenkasse darüber informiert werden, dass ein Antrag auf Leistungen bei der Agentur für Arbeit gestellt wurde. Ist eine arbeitslose Person privat krankenversichert, ist die Situation etwas komplizierter. Es besteht die Möglichkeit in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln oder von der Versicherungspflicht befreit zu werden. In diesen Fällen sollte eine Beratung bei der Krankenkasse, der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter erfolgen.

18 Medizinische Versorgung: Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und Zuzahlungen Wird ALG I oder ALG II (Hartz IV) bewilligt, zahlt die Agentur für Arbeit bzw. bei ALG II die zuständige Arbeitsgemeinschaft (ARGE) die Beiträge für die Krankenversicherung. Eine Erkrankung muss der Agentur für Arbeit oder der ARGE unverzüglich gemeldet werden. Die Leistungen werden, soweit es sich um ALG I handelt, in der Regel sechs Wochen weiter gezahlt. Ist jemand länger als sechs Wochen krank, übernimmt die Krankenkasse die Leistungen in Form von Krankengeld. Anschließend muss bei Bezug von ALG I das Arbeitslosengeld erneut beantragt werden. Bei Bezug von ALG II zahlt die zuständige ARGE das ALG II ohne Unterbrechung weiter. Es besteht kein Krankengeldanspruch. 18

19 Übergang in die nachstationäre Versorgung Alle Krankenhäuser verfügen über einen klinischen Sozialdienst, der für die Einleitung der nachstationären Versorgung zuständig ist. Themen eines Beratungsgesprächs mit dem Sozialdienst: J Übersicht über Praxen und Rehabilitationseinrichtungen J Einleitung einer Anschlussheilbehandlung/Anschlussrehabilitation J Informationen über ambulante psychosoziale Beratung und/oder psychoonkologische bzw. psychotherapeutische Unterstützung J Maßnahmen zur wirtschaftlichen Sicherung J Schwerbehinderung, (Erwerbsminderungs-)Rente J häusliche Pflege und hauswirtschaftliche Hilfe J Pflegeübernahme in ambulante oder vollstationäre Einrichtungen und Sicherstellung der Pflegekontinuität Der klinische Sozialdienst stellt für Patienten auch die notwendigen Anträge an entsprechende Leistungsträger, so etwa einen Antrag auf Anschlussheilbehandlung (vgl. Seite 22ff). 19 Bereits während des Krankenhausaufenthaltes sollten Sie einen Termin mit dem klinischen Sozialdienst vereinbaren, um im Gespräch den indi viduellen Bedarf an nachstationärer Unterstützung abzuklären. Die Ein beziehung von Angehörigen ist möglich.

20 Medizinische Rehabilitation Rehabilitationsleistungen werden von den verschiedenen Sozialversiche - rungs trägern, d.h. von den gesetzlichen Kranken-, Renten- und Unfall - versicherungen erbracht. Folgende Bereiche werden hierbei unterschieden: J medizinische Rehabilitationsmaßnahmen J berufliche Rehabilitation/Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben J ergänzende Leistungen zur Rehabilitation Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen 20 Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen haben zum Ziel, einer drohenden Behinderung oder Pflegebedürftigkeit vorzubeugen, diese zu beseitigen oder Verschlechterungen des Gesundheitszustandes zu verhüten. Hierzu zählen J Anschlussheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlussrehabilitation (AR) J onkologische Nachsorgeleistungen bzw. onkologische Rehabilitations - leistungen Alle gesetzlich Versicherten haben einen Anspruch auf eine Anschluss heil - behandlung/anschlussrehabilitation. Für Krebspatienten ist die medizini - sche Rehabilitation neben der Behandlung durch niedergelassene Ärzte und der Krankenhausbehandlung fester Teil der Behandlungskette. Alle operierten, strahlen- und chemotherapierten Patienten sollten die Mög lich - keit einer Anschlussheilbehandlung/Anschlussrehabilitation in Anspruch nehmen. Die medizinische Rehabilitation für Krebspatienten umfasst vor allem die Behandlung krankheits- und/oder therapiebedingter Funktions - einschränkungen wie allgemeine Schwäche, Schmerzen, Bewegungsein - schränkungen, Einschränkungen durch Organverlust, psychische Folgen der Erkrankung und Behandlung. Aber auch die Stärkung des allge mei - nen Gesundheitszustandes sowie Hilfe bei der Neuorientierung und der Rückkehr in den Lebens- und Berufsalltag gehören zur Anschlussheilbehandlung.

21 Medizinische Rehabilitation Zeitpunkt, Ort und Dauer medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen sollen unmittelbar an die Primärbzw. Akutbehandlung der Krebserkrankung anschließen (Operation, Chemo-, Strahlentherapie). Unmittelbar heißt, dass die Anschlussheil - behandlung/anschlussrehabilitation innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss der Akutbehandlung angetreten wird. Eine Fristverlängerung ist aus zwingenden tatsächlichen und medizinischen Gründen möglich, zum Beispiel bei starken Beschwerden in Zusammenhang mit einer Bestrahlung. Ist die gesetz liche Rentenversicherung Kostenträger der AHB bzw. AR, kann der Reha antritt bis zu 6 Wochen nach Ende der Therapie erfolgen. In bestimmten Fällen z. B. Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich ist eine Fristverlängerung auf zehn Wochen möglich. Weitere Fristver länge rungen können genehmigt werden, wenn die individuelle Situation dies verlangt. Die Anschlussheilbehandlung/Anschlussrehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen. Bei einer stationären Rehabilitationsmaßnahme wohnt der Patient in einer spezialisierten Rehabilitationsklinik. 21 Bei einer ambulanten Rehabilitationsmaßnahme sucht der Patient wäh rend der Woche täglich für fünf bis sieben Stunden eine Rehabilitations einrich - tung am Wohnort oder in der Nähe auf und ist nachts und am Wochenende zu Hause. Manche Einrichtungen bieten einen Fahrdienst an. Die Dauer der Anschlussrehabilitation beträgt drei Wochen, kann in Einzel - fällen jedoch auch verlängert werden. Beantragung medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen Die Wege für die Beantragung von medizinischen Rehabilitationsmaß - nahmen unterscheiden sich hinsichtlich der Art des Rehabilitationsver - fahrens (Anschlussrehabilitation, onkologische Rehabilitation) und der zuständigen Kostenträger. Im Folgenden wird zunächst die Beantragung einer Anschlussrehabilitation erläutert und daran anschließend ein Überblick zur Beantragung onkologischer Rehabilitationsmaßnahmen gegeben.

Sozialleistungen. bei Krebserkrankungen

Sozialleistungen. bei Krebserkrankungen Sozialleistungen bei Krebserkrankungen Impressum 2 Herausgeber: Berliner Krebsgesellschaft e.v. Robert-Koch-Platz 7 10115 Berlin Telefon (030) 2 83 24 00 Telefax (030) 2 82 41 36 info@berliner-krebsgesellschaft.de

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