Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

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1 compendio Bildungsmedien Schweizerisches Institut für Finanzausbildung (SIF) Anwendungsorientierte Forschung Financial Services Herausgegeben von: Prof. Dr. Stefanie Auge & Prof. Dr. Bernhard Koye Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz Stefanie Auge, Annett Baumast, Christian Fichter, Bernhard Koye

2 Departement Wirtschaft SIF Schweizerisches Institut für Finanzausbildung Herausgeben von: Prof. Dr. Stefanie Auge Prof. Dr. Bernhard Koye Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz Ergebnisse einer Befragung von Kundinnen und Kunden Schweizer Banken Stefanie Auge Annett Baumast Christian Fichter Bernhard Koye Januar 2012

3 Impressum Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz. Ergebnisse einer Befragung von Kundinnen und Kunden Schweizer Banken (2012) Download unter: Autorinnen und Autoren Auftraggeber Studienleitung AKAD Banking+Finance Prof. Dr. Stefanie Auge-Dickhut Jungholzstrasse 43 Dr. Annett Baumast 8050 Zürich Prof. Dr. Christian Fichter Prof. Dr. Bernhard Koye Wissenschaftliche Mitarbeitende Yves Schuster Kontakte SIF Schweizerisches Institut für Finanzausbildung Prof. Dr. Stefanie Auge-Dickhut Leiterin angewandte Forschung Prof. Dr. Bernhard Koye Institutsleiter Hohlstrasse Zürich Tel.: +41 (0) Mobil: +41 (0) Artikelnummer: 9959 ISBN: Auflage: 1. Auflage 2012 Ausgabe: N1012 Sprache: DE Code: QBW 003 Kalaidos Fachhochschule Schweiz Forschung & Entwicklung Prof. Dr. Christian Fichter Hohlstrasse Zürich kalaidos-fh.ch Tel.: +41 (0) Mobil: +41 (0) baumast. kultur & nachhaltigkeit Dr. Annett Baumast Bahnhofstrasse 30 Postfach 5600 Lenzburg 2 Tel.: +41 (0) Mobil: +41 (0) Alle Rechte, insbesondere die Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Der Inhalt des vorliegenden Buchs ist nach dem Urheberrechtsgesetz eine geistige Schöpfung und damit geschützt. Die Nutzung des Inhalts für den Unterricht ist nach Gesetz an strenge Regeln gebunden. Aus veröffentlichten Lehrmitteln dürfen bloss Ausschnitte, nicht aber ganze Kapitel oder gar das ganze Buch fotokopiert, digital gespeichert in internen Netzwerken der Schule für den Unterricht in der Klasse als Information und Dokumentation verwendet werden. Die Weitergabe von Ausschnitten an Dritte ausserhalb dieses Kreises ist untersagt, verletzt Rechte der Urheber und Urheberinnen sowie des Verlags und wird geahndet. Die ganze oder teilweise Weitergabe des Werks ausserhalb des Unterrichts in fotokopierter, digital gespeicherter oder anderer Form ohne schriftliche Einwilligung von SIF Schweizerisches Institut für Finanzausbildungist untersagt. Copyright 2012, SIF Schweizerisches Institut für Finanzausbildung 2 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

4 Vorwort Die Kalaidos Bildungsgruppe ermöglicht es Ihren Studierenden, ihre Ausbildungsbedürfnisse in den verschiedenen Karrierephasen stufen- und erfahrungsgerecht abzudecken. Die AKAD Höhere Fachschule Banking und Finance AG (AKAD HFBF) führt im Auftrag der Schweizerischen Bankiervereinigung den Studiengang zum dipl. Bankwirtschafter HF durch (Tertiär B). Das Weiterbildungsangebot des SIF Schweizerischen Instituts für Finanzausbildung an der Kalaidos Fachhochschule (Tertiär A) fokussiert sich auf ECTS-Punkt-relevante Weiterbildung in der Finanzbranche auf Fachhochschul- und Managementebene und knüpft mit den staatlich anerkannten MAS-, DAS- und CAS-Ausbildungen an die Karrierepfade der AKAD HFBF an. Als Weiterbildungsinstitution ist es der AKAD Höhere Fachschule Banking und Finance AG ein Anliegen, die Studierenden nicht nur mit aktuellem Bankfachwissen zu versorgen, sondern auch auf kommende Herausforderungen zu sensibilisieren. Immer mehr Schweizer Unternehmen haben in den letzten Jahren visionär erkannt, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen nicht nur Mitarbeiter- und Kundenbindungen erhöht, sondern auch langfristig imagefördernd und gewinnbringend ist. Wie steht das im Finanzsektor? Gerade hier hat Nachhaltigkeit eine enorme Hebelwirkung. Sie steuert die Finanzströme in nachhaltige Projekte und Unternehmen, was sich wiederum langfristig positiv auf die Verbesserung der Umwelt, der Gesellschaft und der Ökonomie auswirkt. Die vorliegende Studie zeigt aus Sicht der Kunden interessante Unterschiede zwischen den Banken und beim Potential in der Vermarktung nachhaltiger Produkte auf. Es zeigt sich ein Handlungsbedarf, welcher vor allem durch entsprechende Ergänzungen in der Weiterbildung gedeckt werden kann. Ich wünsche Ihnen viel Spass bei der Lektüre und hoffe, dass Sie daraus nachhaltige Erkenntnisse für sich gewinnen können. Daniel Amstutz Unternehmensleiter AKAD Höhere Fachschule Banking und Finance AG Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 3

5 4 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

6 Management Summary In dieser Studie untersuchen wir im Auftrag der AKAD Höhere Fachschule Banking und Finance AG die Einstellung von Bankkundinnen und -kunden zum Thema Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften anhand ihrer Einschätzung nachhaltiger Investments, nachhaltiger Finanzierung und der Nachhaltigkeit der Banken an sich. Ein besonderer Fokus wird auf den Informationsstand und den Informationsbedarf der Befragten sowie ihre Einschätzung zu Renditen und Zufriedenheit mit nachhaltigen Investments gelegt. Bankkunden interessieren sich für nachhaltige Investments Bankkundinnen und -kunden sind am Thema Nachhaltigkeit interessiert. Fast zwei Drittel der Befragten hat sich bereits mit nachhaltigen Investments beschäftigt. Rund 40 % der Befragten haben bisher konventionell investiert, ungefähr ein Drittel mit einem Mix aus beiden Anlageformen. Ein Viertel aller Befragten hat keine Gelder investiert. Der Anteil der Befragten, die ausschliesslich nachhaltig investieren, ist mit 3 % sehr niedrig. Nachhaltige Investments gelten als weniger rentabel machen aber zufriedener Die Rendite von nachhaltigen Anlagen wird als geringer eingeschätzt als diejenige von konventionellen Anlagen. Vergleicht man diese Einschätzung mit verschiedenen Metastudien (z. B. UNEP FI/Mercer 2007), wird deutlich, dass es sich hierbei um eine Fehleinschätzung handelt. Tendenziell schätzen konventionelle Anlegerinnen und Anleger die Renditen nachhaltiger Anlagen niedriger ein als Personen, die einen Investitionsmix haben. Investorinnen und Investoren, die auch nachhaltig investieren, sind tendenziell zufriedener mit ihrem Investment als Personen, die ihre Gelder konventionell investieren. Faire Arbeitsbedingungen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind für Anlegerinnen und Anleger deutlich wichtiger als der Ausschluss bestimmter Branchen Für die Befragten sind faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen wichtiger als ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen. Die Vermeidung bestimmter Branchen wie z. B. des Waffensektors oder der Kernenergie hat die geringste Wichtigkeit. Nicht nur nachhaltige Anlagen, sondern auch nachhaltige Finanzierungen gewinnen an Bedeutung Mit dem Thema nachhaltige Finanzierung haben sich zwar mehr als die Hälfte der Befragten bereits beschäftigt, praktische Erfahrung mit dem Thema haben aber nur knapp zehn Prozent. Die Hälfte der Befragten sieht eine Förderung von nachhaltigen Projekten bei der Kreditvergabe von Banken als wichtig oder sehr wichtig an. Die Nachhaltigkeit der eigenen Bank ist vielen Kundinnen und Kunden noch nicht so wichtig Nur knapp der Hälfte der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ist die nachhaltige Unternehmenskultur ihrer Bank wichtig und noch weniger (37 %) haben sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt. Von denjenigen Befragten, denen bekannt ist, dass ihre Bank einen Nachhaltigkeitsbericht publiziert hat, haben zwei Drittel diesen auch gelesen. Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 5

7 Grossbanken werden als Banken mit einem weniger nachhaltigen Angebot wahrgenommen Während die Kantonalbanken, die Alternative Bank Schweiz (ABS) und die Raiffeisenbanken als «nachhaltigste» Banken wahrgenommen werden, geben die Befragten an, dass sie UBS und CS zu den am wenigstens nachhaltigen Banken zählen. Es besteht eine Informationslücke zu nachhaltigen Investitionen und Finanzierungen, aber auch zu nachhaltigem Banking Es gibt einen grossen Nachholbedarf bezüglich Informationen zu nachhaltigen Investitionen und nachhaltiger Finanzierung. Über 70 % der Befragten, die bisher noch nicht nachhaltig investiert haben, glauben, dass es ihre Anlagepolitik beeinflussen würde, wenn sie zum Thema Nachhaltigkeit besser informiert wären. Rund 72 % aller Studienteilnehmenden fühlen sich im Bereich nachhaltige Finanzierung noch nicht hinreichend informiert. Kundinnen und Kunden informieren sich überwiegend selber über die Nachhaltigkeit ihrer Bank Weniger als ein Drittel der Befragten geben an, von ihrer Bank bzw. ihrem Kundenberater oder ihrer Kundenberaterin Informationen zu nachhaltigen Investments, nachhaltigen Finanzierungen und/oder zu einer nachhaltigen Unternehmenskultur erhalten zu haben. Fast zwei Drittel der Studienteilnehmenden haben sich zu einem oder zu mehreren dieser Themen selber Informationen beschafft. Frauen ist Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften wichtiger Den weiblichen Befragten sind ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und der Schutz der Umwelt, faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen und der Ausschluss bestimmter Branchen bei ihren Investitionen wichtiger als den männlichen Studienteilnehmern. Auch das Angebot nachhaltiger Bankprodukte sowie die Nachhaltigkeitsaktivitäten einer Bank selber werden von den Kundinnen als wichtiger eingestuft. 6 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

8 Handlungsempfehlungen Beratungsbedarf besser erfüllen Über 70 % der Befragten haben einen Informationsbedarf hinsichtlich nachhaltiger Finanzierung und Investitionen. Diesen Informationsbedarf gilt es zu befriedigen. Bisher wird aus Sicht der Kundinnen und Kunden der Beratungsbedarf nicht adäquat erfüllt, die Informationsbeschaffung geht vom Kunden aus. Diese Aussage gilt auch dann, wenn man die Selbstselektion der Befragten aufgrund ihres Interesses für das Thema Nachhaltigkeit in Betracht zieht. Qualitativ hochwertige Informationen zur Verfügung stellen Aus Sicht der Anlegenden nimmt die Qualität der durch die Banken zur Verfügung gestellten Informationen mit deren Menge ab. Es gilt daher nicht unbestimmte, sondern qualitativ hochwertige Informationen zur Verfügung zu stellen. Zufriedenere Kundinnen und Kunden durch nachhaltige Anlagen Anlegerinnen und Anlegern, die in einen Mix von konventionellen und nachhaltigen Anlagen investieren, sind zufriedener mit ihren Investments als diejenigen, die rein konventionell investieren. Angesichts der hohen Wechselbereitschaft könnte dies ein Hinweis für die Banken sein, dass durch das Angebot von nachhaltigen Anlagen die Zufriedenheit der Anlegenden und damit die Kundenbindung verbessert wird. Aufklärung zu Renditen nachhaltiger Anlagen notwendig Aus Sicht der Investorinnen und Investoren besteht Aufklärungsbedarf im Hinblick auf die Renditen nachhaltiger Investments. Auf Basis verschiedener Metastudien ist nachgewiesen, dass nachhaltige Anlagen keine geringeren Renditen besitzen als konventionelle Investments. Eine der ersten europäischen Studien aus dem Jahr 2011 deutet darauf hin, dass sich durch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeits-Kriterien bei der Aktienauswahl das Risiko von Portfolios optimieren lässt. An Nachhaltigkeit interessierte Anlegerinnen und Anleger nichts für Grossbanken? Die beiden Schweizer Grossbanken werden als Banken mit einem wenig nachhaltigen Angebot erlebt. Hier müssen die Grossbanken für sich prüfen, ob der oben beschriebene Befragtenkreis eine Zielgruppe ist, die für sie zu vernachlässigen ist. Kundinnen auf Nachhaltigkeit ansprechen Frauen ist das Thema Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften deutlich wichtiger als Männern. Hier gilt es für Banken, sich diesen Ansprüchen zu stellen und Kundinnen auf das Thema Nachhaltigkeit vermehrt anzusprechen und mit qualitativ hochwertigen Informationen zu versorgen. Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 7

9 8 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

10 Inhaltsverzeichnis Impressum... 2 Vorwort... 3 Management Summary... 5 Handlungsempfehlungen... 7 Inhaltsverzeichnis Einführung Nachhaltige Investments Investitionsverhalten der Befragten Zufriedenheit mit verschieden Anlageformen Renditeeinschätzung der verschiedenen Anlageformen Welche Auswahlkriterien sind den Befragten bei der Auswahl nachhaltiger Investments besonders wichtig? Nachhaltige Finanzierung Inanspruchnahme nachhaltiger Finanzierung Bedeutung der Förderung von nachhaltigen Projekten durch die Banken Nachhaltigkeit bei Banken Ranking von Bankenmerkmalen Nachhaltigkeitsberichtserstattung Nachhaltige versus nicht nachhaltige Banken Beratungsansatz der Banken Nachhaltige Bankgeschäfte aus Sicht der Kundinnen Diskussion Anhang I: Online-Befragung Anhang II: Demographie Literaturverzeichnis Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 9

11 10 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

12 1 Einführung Das Forschungsprojekt «Nachhaltigkeit im Banking» zielt darauf ab, den aktuellen Informationsbedarf an nachhaltigen Anlage- und Finanzierungsmöglichkeiten bei Retailkunden (Massengeschäft) sowie deren Interesse am nachhaltigen Wirtschaften der Banken zu erfassen. Nach der Vorstellung des Forschungsdesigns und einem kurzen Exkurs zum Begriff «Nachhaltigkeit» werden im Folgenden diese drei Themenblöcke vorgestellt. Forschungsdesign Dieser Forschungsbericht basiert auf einer Online-Befragung, an welcher sich 302 Personen beteiligt haben. Die Auswahl der Befragten ist nicht bevölkerungsrepräsentativ, sondern bildet eher eine bildungsnahe Schicht der Schweizer Bevölkerung nach (rund 60 % der Befragten haben einen Fachhoch- bzw. Hochschulabschluss, das verfügbare Haushaltseinkommen liegt bei rund 40 % der Studienteilnehmenden über CHF). Zu den demographischen Details der Untersuchung vgl. den Abschnitt Demographie im Anhang. Was bedeutet «Nachhaltigkeit»? Unter Nachhaltigkeit wird in diesem Kontext das sogenannte Drei-Säulen-Modell bzw. das Dreieck der Nachhaltigkeit verstanden, das im englischen Sprachraum als Idee der Triple Bottom Line fungiert. Gemeinsam ist diesen Ansätzen die gleichberechtigte Verknüpfung und gleichzeitige Berücksichtigung einer sozialen, ökonomischen und ökologischen Dimension (people, profit, planet) zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung. Nachhaltigkeit auch im Sinne der Brundtlandschen Definition: «Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.» (Hauff, S. 46) Nachhaltigkeit bei Finanzprodukten Neben den betrieblichen Prozessen eines Finanzdienstleisters spielt vor allem die Produktseite eine wichtige Rolle in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit. Finanzdienstleister verleihen und/oder verwalten Geld und haben bezüglich der Vergabe- bzw. Verwaltungskriterien sehr viele Möglichkeiten für die Integration von Nachhaltigkeitsthemen. Gelder können damit in eine Richtung gesteuert werden, die eine nachhaltige Entwicklung unterstützt. Im Hinblick auf die bewegten Volumina nehmen die Finanzdienstleister somit eine zentrale Rolle in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung ein. Je nachdem, an welche Kriterien ein Kredit oder ein Vermögensverwaltungsmandat geknüpft ist, kann positiv zu einer nachhaltigen Entwicklung beigetragen werden (vgl. z.b. Baumast 2012). Das Kreditgeschäft kennt bereits seit den 1990er Jahren die ökologische Kreditprüfung, bei der im Vorfeld einer Kreditvergabe ökologische Risiken wie beispielsweise Altlasten abgeklärt werden. Zusätzlich wird heute statt einer sozialen eher eine ethische Kreditprüfung durchgeführt und zwar im Hinblick auf Reputationsrisiken des Kreditgebers. Im Kreditbereich gibt es zudem die Möglichkeit, bessere Konditionen für einen Kredit an bestimmte Nachhaltigkeitskriterien zum Beispiel energieeffizientes Bauen nach Minergie-Standard zu knüpfen und somit ebenfalls positiven Einfluss auf Bestrebungen für eine nachhaltige Entwicklung nehmen. Nachhaltige Anlagen Während im Passivgeschäft und bei den Dienstleistungen ähnliche Überlegungen bezüglich der Integration nachhaltiger Kriterien gelten, heben sich die Massnahmen im Investmentgeschäft davon ab. Nachhaltige Anlagen sind nicht erst seit ein paar Jahren, sondern bereits seit den 1920er Jahren ein Thema. Damals begannen u. a. die nordamerikanischen Quäker damit, ethische Kriterien an Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 11

13 ihre Investments anzulegen und bestimmte, nicht ethische Bereiche für ihre Investitionen komplett auszuschliessen. Mitte bis Ende der 1990er Jahre entstand das, was heute im deutschen Sprachraum primär unter Nachhaltigkeitsfonds verstanden wird. In Ergänzung zu den auch «Negativkriterien» genannten Ausschlusskriterien wurden ökologische, soziale und ökonomische Positivkriterien entwickelt. Mit diesen wird die sogenannte Best-in-Class-Bewertung vorgenommen, die den oder die jeweils Nachhaltigkeitsbeste(n) einer Branche ermittelt. Diese «Branchenleader» bilden dann das Ausgangsuniversum für nachhaltige Investments. Neben der Berücksichtigung von Negativ- und Positivkriterien bei der Konstruktion nachhaltiger Anlageprodukte haben sich drei weitere Bereiche nachhaltiger Anlagen entwickelt. Das sogenannte Engagement bezeichnet die Auseinandersetzung von Investoren mit den jeweiligen Unternehmen, um im nachhaltigen Sinne positiv auf das Unternehmen einzuwirken. Geht ein Unternehmen nicht auf das Angebot dieses sogenannten Management-Dialogs ein, erfolgt im schlimmsten Fall eine Desinvestition. Die Stimmrechtswahrnehmung zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung kann sowohl das Sammeln von Stimmrechten für einen nachhaltigen Zweck, um die Stimmmacht zu erhöhen, als auch das Einbringen von Aktionärsanträgen umfassen. In den letzten Jahren betrifft dies häufig das aus Governance-Sicht negative Doppelmandat von Verwaltungsratsvorsitz und Geschäftsführung oder die gerechte Entlohnung von Geschäftsleitungsmitgliedern. Einen dritten Trend nachhaltiger Anlagen stellt das sogenannte Mainstreaming dar. Dabei werden Nachhaltigkeitsaspekte in das Research sowie den gesamten Anlageprozess eines Asset Managers integriert. Dies stellt sozusagen die Königsdisziplin nachhaltiger Anlagen dar: die gleichberechtigte Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Kriterien. Betriebliche Nachhaltigkeit Auf der betrieblichen Seite stellt sich die Frage einer strategischen sowie organisatorischen Verankerung des Themas Nachhaltigkeit. Neben einem Nachhaltigkeitsleitbild oder einer Nachhaltigkeitspolitik, welche die strategische Ausrichtung einer Bank in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit oder Einzelaspekten von Nachhaltigkeit (z. B. in Form einer Klimastrategie) festhalten, können sich Banken auf die 1991 veröffentlichte und 1997 überarbeitete UNEP-Erklärung der Finanzinstitute zur Umwelt und zur nachhaltigen Entwicklung verpflichten. Knapp 200 Unterzeichnende sind dem Aufruf der UNEP Finanzinitiative (UNEP FI) bis dato gefolgt. Zentral ist für Finanzdienstleister die strategische Auseinandersetzung mit den Themen Corporate Governance und Ethik. Während Good Corporate Governance schon seit einigen Jahren vor allem bei international operierenden und börsenkotierten Unternehmen aufgrund der Berichterstattungspflichten einen wichtigen Stellenwert einnimmt, entstand die Ethikdiskussion mit speziellem Bezug auf die Banken vor allem auch aus der letzten Finanzkrise. Nicht wenige Banken haben sich in der Folge mit dem Thema Ethik auseinandergesetzt und beispielsweise einen Ethikkodex veröffentlicht, bei dem jedoch die zentrale Frage lautet, inwieweit dieser auch umgesetzt und im Unternehmen gelebt wird. Die Übernahme sozialer/gesellschaftlicher Verantwortung durch Banken, heute unter dem Begriff Corporate (Social) Responsibility (C[S]R) zusammengefasst, wird von immer mehr Anspruchsgruppen gefordert und ist strategisch ebenfalls auf Ebene eines allfälligen Leitbilds zu integrieren. Auf der organisatorischen Ebene gibt es die Möglichkeit der Einrichtung einer Nachhaltigkeitsabteilung bzw. einer für das Thema verantwortlichen Person oder Stelle sowie des Aufbaus von Nachhaltigkeitssystemen. Während man davon ausgeht, dass die wirtschaftliche Dimension der Nachhaltigkeit bereits ausreichend durch bestehende Systeme gemanagt wird, werden für die ökologische und soziale Dimension häufig getrennte, seltener 12 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

14 integrierte Nachhaltigkeitssysteme aufgebaut. Die bereits erwähnte Zertifizierung nach der UMS-Norm ISO wird inzwischen auch von Finanzdienstleistern angestrebt, eine Zertifizierung nach der SA 8000, einem 1989 publizierten internationalen Standard zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmenden, ist jedoch selten. Zu den konkreten Umweltmassnahmen bei Finanzdienstleistern zählen beispielweise die Einsparung von Ressourcen (Energie, Papier, Wasser) oder die Umstellung von Geschäftsreisen auf umweltfreundliche Mobilitätsarten. Die Massnahmen sind vielfältig und je nach Art des Finanzinstituts individuell adaptierbar. Immer stärker im Vordergrund steht heute die Senkung von CO2-Emissionen bis hin zur Erreichung einer CO2-Neutralität. Auf der sozialen Seite geht es zum Beispiel um die Sicherstellung der Gesundheit der Mitarbeitenden (z. B. durch ein Angebot von medizinischen Check-Ups oder Kursen) oder das Anstreben von Diversity (Vielfalt) im eigenen Unternehmen. Dazu zählt unter anderem die Abbildung der Zusammensetzung der Belegschaft (z. B. Frauen/Männer, Einheimische/Ausländische, Junge/Alte) auf Geschäftsleitungsebene und an der Beratungsfront. Mit der zunehmenden Aktivität im Nachhaltigkeitsbereich sowie durch den Druck von externen Anspruchsgruppen wie Aktionären oder Investorinnen hat auch in der Finanzindustrie die Nachhaltigkeitsberichterstattung in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Während in einigen Ländern (Dänemark, Frankreich, Schweden) die Berichterstattung zu Nachhaltigkeitsaspekten für börsenkotierte Unternehmen bereits Pflicht ist, setzen sich bei der freiwilligen Berichterstattung die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI, immer mehr durch. So wurden im Jahr 2010 weltweit knapp Nachhaltigkeitsberichte auf der Basis der GRI-Richtlinien erstellt und von der Organisation selber anerkennt, 255 davon stammten aus der Financial Services-Branche. Für diese sowie einige weitere Branchen hat die GRI Ergänzungsrichtlinien erarbeitet, welche branchenspezifische Themen eruieren und zusätzliche Kriterien für die Berichterstattung vorschlagen. Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 13

15 14 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

16 2 Nachhaltige Investments Den Befragten wurde die folgende Definition gegeben: Mit nachhaltigen Investments wird neben einer wirtschaftlichen Rendite die Berücksichtigung sozialer, ethischer und ökologischer Aspekte angestrebt. Beispielsweise werden bestimmte Tätigkeiten wie die Förderung fossiler Brennstoffe oder Kinderarbeit ausgeschlossen. Nachhaltige Investments werden heute in fast allen Anlagekategorien angeboten (z. B. Aktien, Anleihen, Fonds, Derivate). 2.1 Investitionsverhalten der Befragten Der grösste Anteil aller Befragten (rund 40 %) ist konventionell investiert, Der Anteil derjenigen Investorinnen und Investoren, die konventionelle und nachhaltige Anlagen mischen, liegt bei rund einem Drittel. Fast ein Viertel der Befragten hat keine Gelder investiert und nur ein sehr kleiner Anteil investiert ausschliesslich in nachhaltige Anlagen. N = 302 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 15

17 2.2 Zufriedenheit mit verschieden Anlageformen Generell sind rund ein Viertel der Personen, die auch nachhaltig investieren, mit ihrem Investment zufrieden bzw. sehr zufrieden. Dies liegt deutlich über den rund zehn Prozent der Befragten, die mit ihren konventionellen Investments zufrieden bzw. sehr zufrieden sind. n = 110 n = Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

18 2.3 Renditeeinschätzung der verschiedenen Anlageformen Zwar schätzt knapp die Hälfte der Befragten die Rendite von konventionellen im Vergleich mit nachhaltigen Anlagen als etwa gleich ein. Insgesamt werden nachhaltige Anlagen aber immer noch als weniger rentabel eingeschätzt. Nachhaltige Anlagen werden im Vergleich zu konventionellen Anlagen als weniger rentabel eingeschätzt. Wer konventionell investiert, schätzt die Rendite nachhaltiger Anlagen als schlechter ein, als derjenige, der selber über nachhaltige Anlagen verfügt. Bei dieser Einschätzung kann es sich auch um einen Konsistenzeffekt handeln. Das heisst grundsätzlich, dass die Befragten ihre Antworten in einem Zusammenhang sehen und sich bemühen, widerspruchsfrei (konsistent) ihre Antworten aufeinander abzustimmen. Ein Investor, der nachhaltig investiert, würde eine inkonsistente Antwort geben, wenn er die Rendite seines eigenen nachhaltigen Investments schlechter einschätzt als diejenige der konventionellen Anlage. Grundsätzlich zeigen verschiedene Meta-Studien, dass nachhaltige Anlagen zumindest nicht mit einer geringeren Rendite verbunden sind als konventionelle Anlagen (vgl. u. a. UNEP FI/Mercer 2007, Margolis, J. D. / Walsh, J. P. 2001). Im Hinblick auf die Analyse des Risiko-Rendite Profils von Anlageportfolios werden zur Zeit erste Untersuchungen durchgeführt, die darauf hindeuten, dass nachhaltige Anlagen dazu genutzt werden können, das Risiko-Rendite-Profil von Investments zu optimieren (Allianz Global Investors 2011). N = 302 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 17

19 2.4 Welche Auswahlkriterien sind den Befragten bei der Auswahl nachhaltiger Investments besonders wichtig? Die Befragten wurden gebeten, auf einer Skala von eins (überhaupt nicht wichtig) bis sieben (sehr wichtig) zu werten, wie wichtig ihnen ist, dass ihre Investments folgende nachhaltige Aspekte unterstützen: Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und Schutz der Umwelt Faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen Keine Investitionen in bestimmte Branchen wie den Waffensektor, die Kernenergie, das Glücksspiel, und/oder die Tabakindustrie. Die Einhaltung «fairer und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen» ist den Entscheidern wichtiger (wichtig oder sehr wichtig: 66,5 %), als der «verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und der Schutz der Umwelt» (58,3 %). Dass mit den Investitionen bestimmte Branchen wie z. B. die Rüstungsindustrieoder Kernenergie vermieden werden, wird von den Entscheidern hingegen als weniger wichtig erachtet (48,3 %). Je wichtiger ein Investor oder eine Investorin das Thema des verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen oder das Vermeiden bestimmter Branchen einschätzt, desto eher hat er bzw. sie bereits nachhaltig investiert. N = Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

20 3 Nachhaltige Finanzierung Folgende Definition wurde den Nutzern der Online-Umfrage zum Thema nachhaltige Finanzierung gegeben: Bei der nachhaltigen Finanzierung (z. B. Vergabe von Krediten oder Hypotheken) werden von Kreditinstituten neben wirtschaftlichen Aspekten auch ökologische und/oder soziale Aspekte berücksichtigt. 3.1 Inanspruchnahme nachhaltiger Finanzierung Von den 28 Befragten, die eine nachhaltige Finanzierung in Anspruch genommen haben, gehören jeweils vier Personen zu der Gruppe, die auch ausschliesslich nachhaltig bzw. konventionell investiert hat. Die grösste Gruppe von 15 Personen entstammen der Gruppe, die einen Investitionsmix bevorzugt. Der restliche Teil entfällt auf Personen, die noch nicht investiert sind. 3.2 Bedeutung der Förderung von nachhaltigen Projekten durch die Banken Knapp die Hälfte der Befragten sehen eine Förderung von nachhaltigen Projekten bei der Kreditvergabe von Banken als wichtig oder sehr wichtig an. N = 302 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 19

21 4 Nachhaltigkeit bei Banken Folgende Definition wurde den Nutzerinnen und Nutzern der Online-Umfrage zum Thema nachhaltige Finanzierung gegeben: Banken können insgesamt durch ihre Aktivitäten zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, indem sie auch ökologische, ethische und soziale Anforderungen verschiedener Interessengruppen berücksichtigen (z. B. Mitarbeitende, Gemeinden). 4.1 Ranking von Bankenmerkmalen In einem Ranking verschiedener Bankenmerkmale, nimmt die «Nachhaltige Unternehmenskultur» die vierte Position von insgesamt acht ein: 47,2 % der Umfrageteilnehmenden geben an, dass diese ihnen «wichtig» oder «sehr wichtig» ist. Fast der Hälfte der Befragten ist eine nachhaltige Unternehmenskultur bei einer Bank wichtig bis sehr wichtig. Deutlich wichtiger sind ihnen allerdings die finanzielle Stärke und Sicherheit der Bank (77,8 %), das Eingehen auf persönliche Bedürfnisse (68,7 %) und die Reputation einer Bank (51,2 %). Während das Angebot nachhaltiger Finanzierungsmöglichkeiten auf den letzten Platz fällt (37,5 %), ist das Angebot nachhaltiger Investmentmöglichkeiten einer Bank noch 44,5 % der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern wichtig oder sehr wichtig. n = Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

22 4.2 Nachhaltigkeitsberichtserstattung Die Frage nach einem Nachhaltigkeitsbericht der eigenen Bank(en) konnte nur knapp ein Drittel aller Befragten beantworten. 69 % gaben an, dass sie nicht wissen, ob ihre Bank über einen Nachhaltigkeitsbericht verfügt. n = 300 Von denjenigen, die angeben, dass ihre Bank einen Nachhaltigkeitsbericht publiziert, haben über zwei Drittel (66,2 %) diesen auch gelesen. n = 74 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 21

23 4.3 Nachhaltige versus nicht nachhaltige Banken Werden die Studienteilnehmenden nach den Banken mit dem nachhaltigsten bzw. am wenigsten nachhaltigen Angebot befragt, ergibt sich ein deutliches Bild. In ihrer Wahrnehmung zählen die Kantonalbanken, die Alternative Bank Schweiz (ABS) und die Raiffeisenbanken zu den Banken mit einem nachhaltigen Angebot. Mit der Umweltbank bzw. der GLS Gemeinschaftsbank werden auch ausländische Banken angeführt, die in der Schweiz über keine Niederlassungen verfügen und somit im Retailgeschäft keine Rolle für den Schweizer Markt spielen. Als Banken mit einem weniger nachhaltigen Angebot werden mit deutlichem Abstand die zwei Schweizer Grossbanken UBS und CS von 40 bzw. 38 der Befragten genannt. Auch Grossbanken allgemein, Investment- und Privatbanken sowie amerikanische Banken jeweils ohne Nennung konkreter Namen zählen die Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen zu den Banken mit einem weniger nachhaltigen Angebot. Anders als bei den Banken mit einem als nachhaltig wahrgenommenen Angebot, bei denen neben den drei Toppositionen auch noch weitere Banken als solche mit einem nachhaltigen Angebot eingestuft werden, konzentriert sich die Einschätzung der Banken mit dem am wenigsten nachhaltigen Angebot auf die zwei Grossbanken. 22 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

24 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 23

25 5 Beratungsansatz der Banken Danach befragt, inwieweit sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage selber zu den Themen nachhaltige Investments, nachhaltige Finanzierungen und nachhaltige Unternehmenskultur (ihrer Bank) informiert haben, gaben über ein Drittel (39,4 %) an, bislang noch nicht aktiv geworden zu sein. N = 302 Fast die Hälfte (46,4 %) haben sich Informationen zu nachhaltigen Investments beschafft, während sich ungefähr ein Viertel zu den Themen Nachhaltige Finanzierungen (24,8 %) informiert hat. Obwohl fast die Hälfte der Befragten angeben, dass ihnen eine nachhaltige Unternehmenskultur wichtig bis sehr wichtig ist, hat sich lediglich ein gutes Viertel (26,8 %) bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit bei Banken beschäftigt. Von diesen griffen gut ein Viertel auf verschiedene Medien zurück (Internet, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel). Knapp ein Fünftel dieser Gruppe haben sich im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit (als Bankmitarbeitende, aber auch Tätige anderer Branchen) zur nachhaltigen Unternehmenskultur bei Banken informiert. Auch Fachveranstaltungen und Ausbildung (Schule, Studium) werden als Informationsquelle genannt. Noch weniger aktiv als die Befragten selber sind die Banken: Über zwei Drittel der Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen (67,5 %) haben zu keinem der drei genannten Themen Informationen von ihrer Bank bzw. ihrem Berater oder ihrer Beraterin erhalten. 24 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

26 N = 302 Ungefragt informieren Banken nur sehr sporadisch zu nachhaltigen Themen. Obwohl relevant, kommunizieren Banken nur marginal über ihre nachhaltige Unternehmenskultur. Am häufigsten wird zum Thema «Nachhaltige Anlagen» von den Banken informiert ein Viertel der Befragten (25,2 %) haben hierzu Informationen erhalten. Über die nachhaltige Kultur der Banken wurde den Studienteilnehmenden am wenigsten häufig Informationen zur Verfügung gestellt. Weniger als ein Zehntel (8,6 %) wurden hierzu von ihren Banken informiert. Die Qualität der zur Verfügung gestellten Informationen nimmt mit der Menge offenbar ab. Während 42,3 % der Befragten die Informationen ihrer Bank zum Thema nachhaltige Unternehmenskultur auf einer Skala von eins («sehr schlecht») bis sieben («sehr gut») mit einer 6 oder 7 bewerten, ist dies bei der nachhaltigen Finanzierung nur bei 33,4 % der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer der Fall. Noch weiter ins Mittelfeld rutscht die Qualität bei den Informationen zu nachhaltigen Investments. Hier vergeben nur gut ein Viertel (27,6 %) die Werte 6 oder 7. (Zur Qualität von Informationen vgl. z. B. auch Schläpfer et al ) Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 25

27 Diejenigen, die Informationen von ihrem Kundenberater bzw. ihrer Kundenberaterin erhalten haben, beurteilen diese zu 42,3 % als gut oder sehr gut. Nur 7,6 % schätzen die Informationen als schlecht oder sehr schlecht ein. Bietet eine Bank Informationen zu nachhaltiger Unternehmenskultur an, werden diese zu einem hohen Anteil als qualitativ gut bis sehr gut eingestuft. 26 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

28 6 Nachhaltige Bankgeschäfte aus Sicht der Kundinnen Während die an der Befragung teilnehmenden Kundinnen und Kunden in den meisten Bereichen die gleichen oder zumindest ähnliche Aussagen treffen, unterscheiden sich die Antworten in Bezug auf die Einschätzung nachhaltiger Aspekte ihrer Investments deutlich. Der Anteil der Frauen an der Befragung beträgt rund ein Viertel. Von diesen geben deutlich über drei Viertel (79.7 %) an, dass ihnen auf einer Skala von 1 bis 7 wichtig bis sehr wichtig ist (Kategorien 6 und 7), dass ihre Investments einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und den Schutz der Umwelt unterstützen. Bei den männlichen Befragten ist dies nur bei gut der Hälfte der Fall (52,9 %). Auch bezüglich der Unterstützung fairer und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen gewichten dies die Frauen höher (84,1 % geben eine 6 oder 7 an) als die Männer (61,7 %). Bei den Ausschlusskriterien geht die Schere noch weiter auf: 73,9 % der Frauen geben an, dass ihnen wichtig ist, dass ihre Investitionen bestimmte Branchen nicht unterstützen, während dies nur bei weniger der Hälfte der Männer der Fall ist (41,4 %). n = 296 Für Frauen spielen nachhaltige Aspekte ihrer Investitionen eine deutlich grössere Rollen als dies bei Männern der Fall ist. Gleiches gilt für das Angebot von Banken. Auch hier spielt eine nachhaltige Produktpalette für Frauen eine grössere Rolle: Knapp zwei Drittel (62,3 %) der Frauen geben an, dass ihnen das Angebot nachhaltiger Investitionsmöglichkeiten bei einer Bank wichtig bis sehr wichtig ist (6 oder 7 auf einer Skala von 1 bis Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 27

29 7). Bei den männlichen Befragten spielt dies nur für gut ein Drittel eine wichtige bis sehr wichtige Rolle (39,2 %). Bei den nachhaltigen Finanzierungsmöglichkeiten liegen die Geschlechter etwas näher beieinander: Während knapp die Hälfte der Frauen (49,3 %) angibt, dass dies für sie eine wichtige bis sehr wichtige Rolle spielt, ist dies nur bei einem Drittel der Männer der Fall (33,9 %). Auch die nachhaltige Unternehmenskultur einer Bank ist den Frauen wichtiger: Fast zwei Drittel (62,3 %) von ihnen geben an, dass diese ihnen wichtig oder sehr wichtig sei. Bei den Männern treffen deutlich weniger als die Hälfte dieses Aussage (42,3 %). n = 296 Den männlichen Befragten ist eine nachhaltige Angebotspalette sowie das Nachhaltigkeitsengagement einer Bank nicht so wichtig wie den weiblichen Studienteilnehmerinnen. 28 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

30 7 Diskussion Bislang ist nur wenig zur Einstellung von Schweizer Bankkundinnen und -kunden in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften bekannt. Spielt Nachhaltigkeit bei Investitionen und Finanzierungen überhaupt eine Rolle? Wie wird die Rendite nachhaltiger Anlageprodukte wahrgenommen? Was weiss die Kundschaft über die Nachhaltigkeitsbestrebungen ihrer Bank? Wie informieren Kundenberaterinnen und Kundenberater zum Thema Nachhaltigkeit? Um diese Informationslücke zumindest ein Stück weit zu schliessen, untersuchten wir in dieser Studie die Einstellung von Bankkundinnen und -kunden zum Thema Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften anhand ihrer Einschätzung von nachhaltigen Investments, nachhaltiger Finanzierung und der Nachhaltigkeit der Banken an sich. Ein besonderer Fokus wurde auf den Informationsstand und den Informationsbedarf der Befragten sowie ihre Einschätzung zu Renditen und Zufriedenheit mit nachhaltiger Investments gelegt. Klares Interesse an nachhaltigen Anlagen, aber wenig Informationen Die 302 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie signalisieren ein klares Interesse an einem Angebot nachhaltiger Anlage- und Finanzierungsprodukte durch ihre Bank. Das nachhaltige Engagement der Banken selber, also der Bereich, in dem die Schweizer Banken heute vor allem aktiv sind, steht dabei (noch) nicht so stark im Vordergrund des Interesses. Beim Informationsverhalten der Banken zum Thema Nachhaltigkeit zeigt sich ein deutliches Verbesserungspotenzial. Ein Grossteil der Befragten wurde bislang noch nicht von ihrem Berater bzw. ihrer Beraterin auf das Thema angesprochen, sondern hat sich eigenständig darüber informiert. Zwischen dem Anspruch der Bankundinnen und -kunden und dem Angebot der Banken im Bereich Nachhaltigkeit klafft somit eine deutliche Lücke, die es zukünftig zu schliessen gilt. Nachhaltige Investments gelten als weniger rentabel machen aber zufriedener Die Befragten bestätigen das «klassische» Vorurteil nachhaltigen Anlagen gegenüber und schätzen die Rendite nachhaltiger Anlagen im Vergleich zu konventionellen Anlagen als geringer ein. Vergleicht man diese Einschätzung mit verschiedenen Studien und Metastudien, wird deutlich, dass sich dieses Vorurteil nicht halten lässt. Dafür zeigt die vorliegende Studie aber auch, dass Personen, die nachhaltig investieren, tendenziell zufriedener sind als solche, die ihre Gelder in einem Mix anlegen. UBS und CS werden als Banken mit einem wenig nachhaltigen Angebot wahrgenommen Bei der Nachfrage nach den Banken mit dem «nachhaltigsten» Angebot rangieren die Schweizer Grossbanken am unteren Ende der Skala. Trotz umfangreicher Anstrengungen in der letzten Zeit, sich um die Nachhaltigkeit im eigenen Hause zu kümmern, schneiden sie bei den Befragten am schlechtesten ab. Die Bankenkrise und die wahrgenommene Beteiligung der Grossbanken scheinen hier in die Beurteilung mit einzufliessen und die Kantonalbanken, die Alternative Bank Schweiz und die Raiffeisenbanken in ein nachhaltigeres Licht zu rücken. Nachhaltige Anlagen sind ein wichtiges Frauenthema Rund ein Viertel der Befragten waren Frauen. Diesen sind nachhaltige Aspekte bei ihren Investitionen deutlich wichtiger als den männlichen Befragten. Auch das Angebot nachhaltiger Bankprodukte sowie die Nachhaltigkeitsaktivitäten einer Bank selber werden von den Kundinnen als wichtiger eingestuft. Dieses Potenzial wird bislang von den Banken weitestgehend noch nicht ausgeschöpft. Kundinnen werden heute noch nicht speziell auf das Thema Nachhaltigkeit angesprochen, ob- Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 29

31 wohl es ihnen deutlich wichtiger ist als den männlichen Bankkunden. Es besteht zusätzlicher Forschungsbedarf Die vorliegende Untersuchung konnte ein erstes Schlaglicht auf die Einstellung von Kundinnen und Kundinnen zum Thema Nachhaltigkeit beim Banking werfen. In vielfacher Hinsicht besteht hier jedoch noch Forschungsbedarf. Dies gilt vor allem für die folgenden Themen: Einfluss externer Faktoren auf die Entscheidung von Kundinnen und Kunden für oder gegen nachhaltige Anlagen Einschätzung von Risiko und Rendite nachhaltiger Anlagen durch Kundinnen und Kunden Informationsverhalten der Banken zum Thema Nachhaltigkeit im Kontext der Servicequalität Möglichkeit der Bindung der Kundinnen und Kunden durch bedürfnisgerechte Beratung bei nachhaltigen Bankprodukten. 30 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

32 Anhang I: Online-Befragung Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 31

33 32 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

34 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 33

35 34 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz

36 Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften in der Schweiz 35

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