Finanzierung in der Schweizer Hotellerie

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1 Konzeptionelle Grundlagen Basel II Empirische Untersuchung als Lizentiatsarbeit im Hauptfach Betriebswirtschaftslehre an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern eingereicht am Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus (FIF) bei Prof. Dr. Hansruedi Müller Betreuender Assistent: Andreas Heller, lic.rer.pol. von Eveline Wittwer aus Trub/BE im 10. Semester Matr.-Nr Ziegelmattstrasse Rubigen Tel Bern, den 16. August 2005

2 I.Inhaltsverzeichnis I. Inhaltsverzeichnis I. INHALTSVERZEICHNIS... I II. III. IV. ABBILDUNGSVERZEICHNIS... IV TABELLENVERZEICHNIS... V ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS... VI V. ANHANGSVERZEICHNIS... VIII 1. EINLEITUNG AUSGANGSLAGE UND PROBLEMSTELLUNG ZIEL DER ARBEIT FORSCHUNGSFRAGEN UND HYPOTHESEN Kapitalstruktur und Investition Basel II und die Auswirkungen METHODISCHES VORGEHEN AUFBAU DER ARBEIT BEGRIFFLICHE ABGRENZUNGEN Hotellerie Finanzierung FINANZIERUNG IN DER SCHWEIZER HOTELLERIE FINANZIERUNG Verschiedene Finanzierungsarten Finanzierung als Existenzgründung Finanzierung als Existenzsicherung KAPITALSTRUKTUR MÖGLICHKEITEN DER INNENFINANZIERUNG Die Umsatzfinanzierung Finanzierung durch einbehaltene Gewinne Finanzierung mit Abschreibungen Finanzierung mit Rückstellungen Die Finanzierung durch Vermögensumschichtungen Finanzierung durch Kapitalfreisetzung im Anlagevermögen Finanzierung durch Kapitalfreisetzung im Umlaufvermögen Bewertung der Möglichkeiten der Innenfinanzierung MÖGLICHKEITEN DER AUSSENFINANZIERUNG I

3 I.Inhaltsverzeichnis Die Beteiligungsfinanzierung Die Kreditfinanzierung Der Bankkredit Kredite von Bund und Kanton Mischformen Finanzierungsalternativen Leasing Factoring Stockwerkeigentum Bewertung der Möglichkeiten der Aussenfinanzierung ENTWICKLUNG DER FINANZIERUNG IN DER HOTELBRANCHE ZUSAMMENFASSUNG BASEL II WIE ES ZU DER EIGENKAPITALVEREINBARUNG BASEL I KAM BASEL I UND SEINE SCHWACHSTELLEN BASEL II Säule I: Mindesteigenkapitalanforderungen Kreditrisiko Standardmethode IRB-Ansatz Operationelles Risiko Basisindikatoransatz (BIA) Standardansatz Ambitionierte Messansätze (AMA) Marktrisiko Säule II: Bankenaufsicht Säule III: Marktdisziplin DAS RATING VON UNTERNEHMEN MÖGLICHE AUSWIRKUNGEN VON BASEL II AUF FINANZIERUNG IN DER HOTELLERIE ZUSAMMENFASSUNG EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG UNTERSUCHUNGSZIELE METHODIK Methodik der Untersuchung Studiendesign Universum II

4 I.Inhaltsverzeichnis Untersuchungsmethode Stichprobengrösse Stichprobeverfahren Methodik der Datenauswertung ERGEBNISSE DER EMPIRISCHEN BEFRAGUNG Allgemeiner Überblick über die Resultate der Befragung Ergebnisse zu Kapitalstruktur und Finanzierung der Investition Resultat der ersten Hypothese Resultat der zweiten Hypothese Resultat der dritten Hypothese Resultat der vierten Hypothese Ergebnisse zu Basel II und die Auswirkungen Resultat der fünften Hypothese Resultat der sechsten Hypothese Resultat der siebten Hypothese Resultat der achten Hypothese KRITISCHE METHODENBEURTEILUNG Beurteilung der Methode der schriftlichen Befragung Kritische Beurteilung der Durchführung dieser Studie ZUSAMMENFASSUNG VERGLEICH DER RESULTATE MIT ERKENNTNISSEN DER FACHLITERATUR KAPITALSTRUKTUR BASEL II UND DIE AUSWIRKUNGEN ZUSAMMENFASSUNG SCHLUSSBETRACHTUNGEN ZUSAMMENFASSUNG ANHANG LITERATURVERZEICHNIS SELBSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG III

5 II. Abbildungsverzeichnis II. Abbildungsverzeichnis Abbildung 1-1: Touristische Beherbergungsformen... 8 Abbildung 2-1: Finanzierungsarten Abbildung 2-2: Branchenvergleich Anlagevermögen Abbildung 2-3: Verschuldungsgrad in % nach Hotelkategorie Abbildung 2-4: Möglichkeiten der Innenfinanzierung Abbildung 2-5: Möglichkeiten der Aussenfinanzierung Abbildung 2-6: Eigenkapitallücke in der Schweizer Hotellerie Abbildung 2-7: Klassifizierung der Hotelbetriebe Abbildung 3-1: Die drei Säulen von Basel II Abbildung 3-2: Risiken aus dem Kreditgeschäft Abbildung 3-3: Formel zur Gewichtung der Risiken Abbildung 3-4: Methoden der Messung des Kreditausfallrisikos Abbildung 3-5: Methoden zur Bewertung des operationellen Risikos Abbildung 3-6: Längerfristige Branchenpositionierung Abbildung 4-1: Formen der Befragung Abbildung 4-2: Aufteilung der Gebiete in Schweizer Hotellerie Abbildung 4-3: Verteilung der Hotels auf Gebiete Abbildung 4-4: Phasen der Datenauswertung Abbildung 4-5: Häufigkeit der Investitionen Abbildung 4-6: Hotelklassierungen der antwortenden Hotels Abbildung 4-7: Bettenkapazität der Hotels Abbildung 4-8: Bekanntheit von Basel II Abbildung 4-9: Verteilung der Finanzierungsarten Abbildung 4-10: Verteilung Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierung Abbildung 4-11: Anteil Fremdfinanzierung an der Investitionssumme Abbildung 4-12: Zusammenhang zwischen Bettenkapazität und Eigenkapitalanteil Abbildung 4-13: Wurden die Hotels geratet? Abbildung 4-14: Kündigung von Altkrediten Abbildung 4-15: Veränderungen des Zinssatzes Abbildung 4-16: Veränderung der Konditionen des neuen/erhöhten Kredits Abbildung 5-1: Vergleich Fremdkapitalanteil Abbildung 5-2: Vergleich Bettenkapazität Abbildung 5-3: Vergleich Rating Hotels KMU Abbildung 5-4: Vergleich Zinssatzentwicklung IV

6 III. Tabellenverzeichnis III. Tabellenverzeichnis Tabelle 2-1: Entwicklung Kreditbemessungsgrundlage Tabelle 3-1: Klassifizierung der Kredite nach Basel I Tabelle 3-2: Quantitative und qualitative Faktoren beim Rating Tabelle 3-3: Klassifizierung der Kredite nach Basel II Tabelle 4-1: Aufbau des Fragebogens Tabelle 4-2: Rücklauf- und Ausschöpfungsquote Tabelle 4-3: Anzahl Fragebogen pro Frageblock Tabelle 4-4: Bettenkapazität nach Hotelkategorie Tabelle 4-5: Durchschnittlicher Fremdkapitalanteil an Investition nach Kategorie Tabelle 4-6: Mittelwert Fremdkapital vor und nach der Investition Tabelle 4-7: Durchschnittlicher Eigenkapitalanteil nach Hotelkategorie Tabelle 4-8: Rangliste der Wichtigkeit verschiedener Kriterien Tabelle 4-9: Vergleich Mittelwerte quantitative - qualitative Kriterien Tabelle 4-10: Mittelwert der verschiedenen Aussagen Tabelle 4-11: Ergebnisse der Hypothesenüberprüfung V

7 IV. Abkürzungsverzeichnis IV. Abkürzungsverzeichnis Abb. AG AMA BFS BIA BIS bzw. CHF CS DCF Dr. EBK et al. etc. Abbildung Aktiengesellschaft Advanced measurement approaches Bundesamt für Statistik Basisindikatoransatz Bank for international settlements beziehungsweise Schweizer Franken Credit Suisse Discounted Cash Flow Doktor Eidgenössische Bankenkommission et alii (und andere) et cetera f. folgende ff. FIF HKG Hrsg. IHG IRB KMU LIBOR Lic.rer.pol. Matr.-Nr. Mio. Mrd. fortfolgende Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus Bundesgesetz über Förderung des Hotel- und Kurortkredites Herausgeber Investitionshilfegesetz Internal ratings based approach Kleine und mittlere Unternehmen London inter bank offered rate Licentiatus rerum politicarum Matrikel-Nummer Million Milliarde VI

8 IV.Abkürzungsverzeichnis MW n o.o. Prof. r s Mittelwert Stichprobenumfang ohne Ortsangabe Professor Korrelationskoeffizient Standardabweichung S. Seite seco SGH u.a. UBS usw. vgl. ZGB z.b. z.t. Staatssekretariat für Wirtschaft Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit unter anderem United Bank of Switzerland und so weiter vergleiche Zivilgesetzbuch zum Beispiel zum Teil VII

9 V. Anhangsverzeichnis V. Anhangsverzeichnis Anhang 1: Begleitbrief zum Fragebogen Anhang 2: Fragebogen Anhang 3: Signifikanztest Mittelwertunterschiede Hypothese VIII

10 1. Einleitung 1. Einleitung Im ersten Kapitel dieser Lizentiatsarbeit werden zuerst kurz Ausgangslage und Problemstellung der Finanzierung in der Schweizer Hotellerie umrissen. Forschungsfragen und Hypothesen, die helfen sollen, die zuvor erläuterten Ziele der Arbeit zu erreichen, werden ebenso wie die Vorgehensweise beschrieben und begründet. Zum besseren Verständnis werden zum Schluss dieses Kapitels die beiden Begriffe Finanzierung und Hotellerie definiert und abgegrenzt. 1.1 Ausgangslage und Problemstellung Hotelfinanzierungen waren in der Schweiz zu keiner Zeit problemlos. Zu diesem Schluss kommt Nanzer (Nanzer 1998). Dies hat nicht nur mit dem wirtschaftlichen Umfeld zu tun, sondern ebenso mit einigen Besonderheiten, die die Hotelleriebranche aufweist (Nanzer 1998): Die Schweizer Hotellerie ist sehr kleinstrukturiert, knapp 73% der Betriebe verfügen nur bis zu 50 Betten. Die Hotellerie ist eine Branche mit hoher Anlageintensität und weist damit einen überdurchschnittlichen Kapitalbedarf auf. Gerade in touristischen Regionen wie in Berggebieten ist die Hotellerie stark saisonabhängig. Schwankungen des Währungskurses wirken sich auf die Hotellerie aus. In den 90er Jahren spitzten sich die Probleme in der Hotellerie aufgrund der schwachen Konjunktur zu, die Logiernächtezahlen waren stark rückläufig, was zu sinkenden Erträgen führte. Zusätzlich wirkten sich die Änderungen in der Bankenbranche ungünstig aus. Auch die Banken kämpften mit grossen Schwierigkeiten, sie mussten nach der Immobilienkrise Verluste in Milliardenhöhe verkraften. Eine Folge davon war, dass sie Ratingsysteme einführten, um die Bonität der Schuldner zu beurteilen, damit zukünftige Kreditausfälle minimiert werden können. Ebenfalls in den 90er Jahren fand ein Methodenwechsel bezüglich Neuausrichtung von Unternehmensfinanzierungen statt. Für die Bemessung von Finanzierungen gilt nicht mehr der vergangenheitsbezogene Substanzwert als Basis, sondern die kapitalisierte zukünftige und nachhaltige Ertragskraft. Eine andere Entwicklung begann bereits in den 80er Jahren. Bei Banken war international ein Trend feststellbar zu einer stetigen Verringerung des Eigenkapitals im Vergleich zu den eingegangenen Risiken. Damit wuchs die Gefahr, dass die Banken bei einer Verschlechterung des Kreditportfolios selber in finanzielle Probleme geraten konnten. Mit Eveline Wittwer 1

11 1. Einleitung dem Ziel, die Stabilität des Finanzsystems zu stärken, verabschiedete der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht eine Eigenkapitalvereinbarung, genannt Basel I, die verlangt, dass die Banken 8% eines Unternehmenskredits mit Eigenmitteln unterlegen. (Sigrist 2004, S. 5) Das Bankgeschäft hat sich seither allerdings stark verändert, was zur Folge hatte, dass Basel I überarbeitet wurde. Daraus resultierte die neue Eigenkapitalvereinbarung Basel II, die am in Kraft treten soll. Neu im Vergleich zu Basel I ist die Berücksichtigung des operationellen Risikos. Die erforderliche Kapitaldeckung hat sich nach dem tatsächlichen Ausfallrisiko, also nach der Bonität des Kunden zu richten, was sich Risk Adjusted Pricing nennt. Die Bonität der Kunden wird mittels eines Ratings beurteilt. Da die meisten Schweizer Banken nach den grossen Verlusten in den frühen 90ern bereits Ratingsysteme entwickelten, ist dies keine grosse Neuerung (Vincenz 2004, S.30). Die ohnehin schon schwierige Lage der Hotels anfangs der 90er Jahre wurde also durch die Auswirkungen der Veränderungen in der Bankenbranche noch zusätzlich belastet. Die Banken senkten ihr Kreditvolumen drastisch und in der Hotellerie bildete sich ein Investitionsstau in Milliardenhöhe. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den Branchen Hotellerie und Banken soll nun in dieser Lizentiatsarbeit eine Bestandesaufnahme gemacht werden, wie sich die Veränderungen im Zusammenhang mit Basel II auf die Hotelfinanzierung auswirkten und noch auswirken werden. Bei Hotels, die in den letzten vier Jahren investiert haben, wird eine Befragung durchgeführt. Untersucht werden sollen die Kapitalstruktur vor und nach der Investition und allfällige Zusammenhänge zwischen Finanzierung bzw. Bettenkapazität und Eigenkapitalanteil. Ausserdem soll erfasst werden, wie die Hotels ihre Investition finanziert haben, ob sie hauptsächlich Eigenkapital zum Beispiel in Form von einbehaltenen Gewinnen investiert haben, oder ob hauptsächlich Fremdkapital zur Finanzierung verwendet wurde. Im Zusammenhang mit Basel II interessiert, wie der Kreditvergabeprozess bei Hotels, die mit Fremdkapital finanzierten, aussah: Sind die Hotels betroffen von schlechteren Kreditkonditionen? War es für sie schwieriger, Investitionen zu finanzieren in den letzten vier Jahren? Was sind aus Sicht der Hotels wichtige Kriterien, um einen Kredit zur Finanzierung von Investitionen zu erhalten? Zusätzlich soll bei Hotels, die bereits vor dem untersuchten Zeitraum grössere Investitionen getätigt haben, ein Vergleich gemacht werden, ob sich der Kreditvergabeprozess und die Kreditkonditionen verändert haben. Eveline Wittwer 2

12 1. Einleitung Das Thema Finanzierung von KMU wurde in den letzten Jahren viel diskutiert, es gibt viele Fachbücher und vor allem Expertenartikel in der Fachliteratur (vgl. Haltiner 2004, Mati 2004, Neuhaus 2004 etc.) Von Institutionen wie der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) und von Banken existieren auch Publikationen, die speziell das Thema Finanzierung im Tourismus und die Auswirkungen von Basel II behandeln (vgl. Nanzer 1998, Deuber 2002, Stucki 2000, hotelleriesuisse 2005 etc.). 1.2 Ziel der Arbeit Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, ob und was sich aufgrund der Anpassungen an Basel II bei der Finanzierung in der Schweizer Hotellerie in den letzten vier Jahren verändert hat. Folgende Aspekte stehen im Mittelpunkt: Erfassung der aktuellen Kapitalstruktur von Hotels Vergleich der Veränderung der Kapitalstruktur vor und nach einer grösseren Investition Untersuchung von möglichen Zusammenhängen zwischen Betriebsgrösse bzw. Klassierung des Hotels und der Kapitalstruktur Untersuchung, mit welchen Finanzierungsarten die Investitionen finanziert wurden Ableitung der Faktoren, die aus Sicht der Hotellerie massgeblich sind beim Kreditvergabeprozess durch die Banken Vergleich der Kreditkonditionen bei Hotels, die bereits vor dem Jahr 2001 Bankkredite hatten Vergleich zwischen Fachliteratur und den Resultaten der im Rahmen dieser Lizentiatsarbeit durchgeführten Umfrage Aufgrund der genannten Ziele werden konkrete Forschungsfragen abgeleitet. 1.3 Forschungsfragen und Hypothesen Um eine Studie strukturiert durchzuführen, müssen vorgängig Forschungsfragen und Hypothesen aufgestellt werden. In den nachfolgenden beiden Unterkapiteln werden getrennt zu den zwei Themen Kapitalstruktur und Investition und Basel II und seine Auswirkungen die Forschungsfragen und Hypothesen aufgeführt und begründet Kapitalstruktur und Investition Forschungsfragen: - Wie wurde die Investition finanziert? - Wie sah die Kapitalstruktur vor und wie sieht sie nach einer grossen Investition (ab 0.5 Mio. CHF) aus? Eveline Wittwer 3

13 1. Einleitung - Lassen sich Zusammenhänge feststellen zwischen der Betriebsgrösse bzw. zwischen der Klassierung des Hotels und der Kapitalstruktur? Hypothese 1 Investitionen werden vorwiegend mit Fremdkapital finanziert, da Hotels zu wenig Eigenmittel zur Finanzierung von Investitionen generieren. Begründung: Die Branche der Hotellerie ist gekennzeichnet von Überkapazitäten und hoher Wettbewerbsintensität (SGH 2004a, S. 5). Demzufolge herrscht ein grosser Preis- und Kostendruck, was sich negativ auf die erwirtschafteten Erträge und somit auch auf die Gewinne auswirkt. Die Hotels sind daher nicht in der Lage, Investitionen mit erwirtschafteten Gewinnen zu finanzieren. Unter den gegebenen Umständen ist eine Eigenkapitalerhöhung schwierig, da Investoren es vorziehen, in risikoärmere Branchen zu investieren. Hypothese 2 Der Fremdkapitalanteil ist nach der Investition grösser als vorher. Begründung: Diese Hypothese steht in engem Zusammenhang mit der ersten Hypothese, sie ist quasi die logische Schlussfolgerung. Wenn die Investitionen vorwiegend mit Fremdkapital finanziert werden, dann nimmt der Fremdkapitalanteil an der Kapitalstruktur unweigerlich zu im Verhältnis zum Eigenkapital. Hypothese 3 Je besser ein Hotel klassiert ist, desto grösser ist der Anteil des Eigenkapitals in der Kapitalstruktur. Begründung: Es stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Eigenkapitalanteil und Hotelklassierung. Hotels einer höheren Kategorie haben höhere Preise, dafür aber auch deutlich höhere Kosten, zum Beispiel für den Unterhalt eines Wellnessbereiches etc. Dennoch wird die Hypothese aufgestellt, dass sie einen höheren Eigenkapitalanteil haben, da es für Hotels höherer Kategorien mit ihrer grösseren Bekanntheit vermutlich einfacher ist, Eigenkapitalinvestoren zu finden. Eveline Wittwer 4

14 1. Einleitung Hypothese 4 Je höher die Bettenkapazität eines Hotels ist, desto grösser ist der Anteil des Eigenkapitals in der Kapitalstruktur. Begründung: Diese Hypothese beruht auf der Überlegung, dass grosse Unternehmen wirtschaftlicher sind und Economies of Scale haben, also Kostenersparnisse aufgrund der Grösse. Überträgt man diese Überlegung auf die Hotelbranche, müssten Hotels, die eine grössere Bettenkapazität haben und somit zu den grösseren Unternehmen zählen, ebenfalls grössere Kostenersparnisse haben und somit genügend Mittel generieren, um Investitionen zu finanzieren, was zu einer Steigerung des Eigenkapitalanteils führt Basel II und die Auswirkungen Forschungsfragen: - Welche Faktoren wurden bei der Kreditvergabe der Banken aus Sicht der Hotels am meisten gewichtet? - War es in den letzten vier Jahren schwieriger, Geldgeber zu finden als bei früheren Investitionen? - Waren die Hotels von Basel II konkret betroffen, entweder durch Zinserhöhung oder Kapitalrückforderung der bestehenden Kredite oder durch schlechtere Kreditkonditionen der neuen Kredite, die zur Finanzierung der Investition notwendig waren? Hypothese 5 Aus Sicht des Hotels sind die wichtigsten Kriterien zur Kreditvergabeentscheidung Finanzdaten aus der Vergangenheit wie Bilanz und Erfolgsrechnung. Begründung: Es ist einfacher, aufgrund von sogenannt harten Daten wie den Finanzdaten eine Kreditvergabeentscheidung zu treffen. Qualitative Daten sind schwieriger zu ermitteln, zu vergleichen und zu analysieren. Deshalb wurde die Annahme getroffen, dass so wichtige Entscheide auf der Basis von harten Daten getroffen werden, denn Finanzdaten sind ohne Zweifel sehr aussagekräftig. Hypothese 6 In den letzten vier Jahren war es schwieriger, Geldgeber zu finden, was sich unter anderem daran zeigte, dass der Kreditvergabeprozess länger dauerte und die Banken mehr Informationen über das Hotel wollten. Eveline Wittwer 5

15 1. Einleitung Begründung: Die Banken sind bereits damit beschäftigt, ihre Struktur an die Rahmenbedingungen von Basel II anzupassen. Da Unternehmen, die Kreditanträge stellen, im Zuge des Kreditvergabeprozesses geratet werden, fordern die Banken mehr Informationen und um diese zu verarbeiten, dauert der Kreditvergabeprozess länger. Hypothese 7 Die Kreditkonditionen bestehender Kredite vor den Investitionen änderten sich nicht negativ, es gab weder eine Zinssatzerhöhung noch eine Kapitalrückforderung. Begründung: Es stellt sich die Frage, ob die Änderungen von Basel II bereits Auswirkungen haben auf die bestehenden Kreditverträge oder ob lediglich die neu abzuschliessenden davon betroffen sind. Bei der Formulierung dieser Hypothese wurde angenommen, dass sich die Auswirkungen von Basel II beim Abschluss neuer Kredite zeigen, die Kreditbedingungen bestehender Kredite jedoch unverändert bleiben. Hypothese 8 Die Kreditkonditionen für Neukredite zur Finanzierung der Investition sind grösstenteils schlechter, was sich durch höhere Zinssätze oder durch eine kürzere Amortisationsdauer Begründung: Die Hotels werden durch die Bank geratet, also nach verschiedenen qualitativen und quantitativen Faktoren beurteilt. Da der Tourismus und somit natürlich auch die Hotellerie als wichtiger Bestandteil davon schon lange mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist davon auszugehen, dass das Rating eher tief ausfallen wird. Dies zeigt sich in erster Linie in höheren Zinssätzen, da der Risikozuschlag höher wird. 1.4 Methodisches Vorgehen Der theoretische Teil dieser Arbeit wird mit Hilfe eines Literaturstudiums erarbeitet. Im Vordergrund des Literaturstudiums steht die Fachliteratur zu den Themen Finanzierung in der Hotellerie, Finanzierungsarten im Allgemeinen und zu Basel II. Analysiert werden daneben aber auch Expertenartikel in Fachzeitschriften, Publikationen von Grossbanken und von Institutionen wie der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH), der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) etc. ausgewertet. Eveline Wittwer 6

16 1. Einleitung Im empirischen Teil wird eine quantitative schriftliche Befragung bei Hotels in der Deutschschweiz durchgeführt. Wichtigstes Auswahlkriterium, ob ein Hotel befragt wird, ist, dass es in den letzten vier Jahren mindestens eine Grossinvestition von 0.5 Mio. CHF getätigt hat. Angestrebt werden 40 bis 50 auswertbare Fragebogen, was wegen der tendenziell schlechten Rücklaufquote bei schriftlichen Umfragen eine Stichprobengrösse von ungefähr 250 Hotels bedingt. Zur Durchführung der Befragung wird ein standardisierter Fragebogen verwendet, da davon ausgegangen wird, dass so die Rücklaufquote gesteigert werden kann. Zudem sind die Daten auf diese Weise besser auszuwerten und zu vergleichen. 1.5 Aufbau der Arbeit Nach diesem einleitenden ersten Kapitel folgt der theoretische Teil der Arbeit. Er ist aufgeteilt in zwei Kapitel. Im ersten dieser beiden Kapitel steht die Finanzierung in der Schweizer Hotellerie im Vordergrund. Einerseits werden generell die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen aufgezeigt, andererseits soll auch gezeigt werden, welche Finanzierungsmöglichkeiten von der Mehrheit der Hotels genutzt werden können. Weiter wird auch auf die Kapitalstruktur eingegangen, die für die Zukunft eines Unternehmens von grosser Bedeutung ist. Im zweiten Kapitel steht die Eigenkapitalvereinbarung Basel II im Zentrum. Es wird kurz auf die Gründe eingegangen, warum die Eigenkapitalvorschriften der Kreditinstitute überhaupt entstanden sind und wann sie in Kraft treten. Auf die drei Säulen, auf denen Basel II beruht, wird in drei Unterkapiteln näher eingegangen. Am ausführlichsten wird die Säule I, die Mindesteigenkapitalanforderungen, behandelt. Die Säulen II und III, die Bankenaufsicht und die Marktdisziplin werden ebenfalls dargestellt. Das Rating von Unternehmen spielt künftig beim Kreditvergabeprozess durch die Banken eine wichtige Rolle. Im zweiten Kapitel werden deshalb Ratingprozess und Vor- und Nachteile des Ratings näher betrachtet. Um den Zusammenhang zur Hotellerie wieder herzustellen, werden im letzten Unterkapitel des theoretischen Teils die möglichen Auswirkungen von Basel II auf die Finanzierung in der Hotellerie skizziert. Der Schwerpunkt der Lizentiatsarbeit liegt auf dem empirischen Teil. Es wird eine Umfrage durchgeführt bei Hotels, die in den letzten vier Jahren investiert haben. Ziel dieser Untersuchung soll sein, die aktuelle Finanzstruktur und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Grössen zu erfassen, die Finanzierung der Investition zu betrachten, die aus Eveline Wittwer 7

17 1. Einleitung Sicht der Hotels wichtigen Faktoren bei der Kreditvergabe der Banken herauszufinden, sowie festzustellen, ob die Hotels von den Auswirkungen von Basel II konkret betroffen sind. Als Hilfsmittel dienen dabei die in Kapitel 1.3 genannten Forschungsfragen und Hypothesen. Im abschliessenden letzten Teil werden die Ergebnisse der empirischen Forschung verglichen mit Erkenntnissen aus der Fachliteratur und mit anderen Studien und Statistiken. Dabei sollen Übereinstimmungen und Unterschiede herausgearbeitet und analysiert werden. 1.6 Begriffliche Abgrenzungen Nachfolgend werden zum besseren Verständnis der Arbeit die beiden Begriffe Finanzierung und Hotellerie definiert und erläutert Hotellerie Im Tourismus gibt es vielfältige Formen von Beherbergungsbetrieben. Sie werden unterteilt in die zwei Hauptkategorien Hotellerie und Parahotellerie, wie in Abbildung 1-1 dargestellt. Abbildung 1-1: Touristische Beherbergungsformen Beherbergung Hotellerie Parahotellerie Synonyme: Traditionelle Hotellerie Eigentliche Hotellerie Synonyme: Zusätzliche Beherbergung Ergänzende Hotellerie - Hotel - Gasthof - Pension - Motel - usw. Aparthotel Zweitwohnung - Appartement - Ferienwohnung - Ferienhaus - umgebautes Bauernhaus - Camping - Caravaning - Privatzimmervermietung - Jugendherberge - Kollektivunterkünfte - Massenlager - Ferien- / Vereinsheime - Berg- und Skihütten - Naturfreundehäuser - Militärbaracken - andere Unterkünfte Quelle: Kaspar 1991, S. 80 Eveline Wittwer 8

18 1. Einleitung Die wichtigste Beherbergungsform in der Hotellerie ist der klassische Hotelbetrieb, der von hotelleriesuisse (Müller 2003a, Vorlesungsunterlagen Hotellerie) wie folgt definiert wird: Das Hotel ist ein Betrieb, der über eine vollständige Einrichtung für den Empfang, den Aufenthalt, die Unterkunft und die Verpflegung seiner Gäste verfügt. Sein Angebot umfasst Vollpension, Halbpension, Zimmer und Frühstück sowie in der Regel auch Restauration. Er zeichnet sich durch einen angemessenen Standard und Wohnkomfort und durch entsprechende Dienstleistungen aus. Er weist mindestens zehn Gästezimmer auf. Alle Zimmer haben fliessendes Warm- und Kaltwasser. Neben dem klassischen Hotelbetrieb gehören noch zahlreiche andere Formen, die zum Teil sehr unterschiedlich definiert werden, zur Hotellerie (vgl. Müller 2002, S. 137): Hotel Garni: Hotelbetrieb, der nur Beherbergung, Frühstück und Getränke anbietet Motel: Betrieb, der durch seine Verkehrslage, Bauart etc. auf die Bedürfnisse vom Autotourismus ausgerichtet ist Pension: Betrieb, der im Vergleich zum Hotel bescheideneren Komfort und eingeschränkte Dienstleistungen anbietet Gasthof: Betrieb in ländlicher Gegend, der den Bedürfnissen der Verpflegung dient und mindestens fünf Zimmer anbietet Eine Zwischenform zwischen Hotellerie und Parahotellerie stellt das Aparthotel dar, auf das hier allerdings nicht weiter eingegangen wird. In der empirischen Umfrage wurde nicht unterschieden zwischen den verschiedenen Beherbergungsformen in der Hotellerie. Sofern die in Kapitel 1.4 aufgestellten Kriterien erfüllt wurden, kamen sowohl Hotels, Garnihotels, Motels, Pensionen und auch Gasthöfe in die Stichprobe. Einzig Aparthotels wurden nicht berücksichtigt Finanzierung Der Begriff Finanzierung wird durch Übelhör (Übelhör/Warns 2004a, S.13) folgendermassen definiert: Finanzierung ist die Beschaffung und Bereitstellung finanzieller Mittel. Aufgrund der Tatsache, dass der Kapitalbedarf und der Kapitalrückfluss eines Unternehmens zeitlich divergieren, entsteht ein Finanzierungsbedarf, welcher entweder durch Eigen- oder Fremdkapital gedeckt werden muss. Im Zusammenhang mit Finanzierung wird der Begriff der Investition als die Verwendung der Finanzmittel betrachtet. (Übelhör/Warns 2004a, S.13) Eveline Wittwer 9

19 2. Finanzierung in der Schweizer Hotellerie 2. Finanzierung in der Schweizer Hotellerie Im zweiten Kapitel werden die verschiedenen Finanzierungsarten aufgezeigt, getrennt nach Möglichkeiten der Innenfinanzierung und Aussenfinanzierung. Auch die Themen Kapitalstruktur und Entwicklung der Finanzierung in der Hotelbranche sind wichtige Aspekte. 2.1 Finanzierung In den nachfolgenden Kapiteln werden die Finanzierungsarten graphisch dargestellt und es wird umschrieben, in welchen Situationen die Finanzierung ein wichtiges Thema ist Verschiedene Finanzierungsarten Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Klassierung der Finanzierungsarten. Grundsätzlich stehen den Unternehmen zwei Möglichkeiten der Finanzierung zur Verfügung (vgl. Übelhör/Warns 2004b, S. 16 ff.): Finanzierung durch Eigenkapital (Eigenfinanzierung): Einlagen der Gesellschafter oder Aktionäre sowie Finanzmittel, die durch den Umsatzprozess erarbeitet werden Finanzierung durch Fremdkapital (Fremdfinanzierung): Finanzierung über Kredite oder Anleihen (deshalb häufig auch Kreditfinanzierung genannt) In der Abbildung 2-1 sind die verschiedenen Finanzierungsformen graphisch dargestellt. Abbildung 2-1: Finanzierungsarten Finanzierungsarten Eigenfinanzierung (durch Eigenkapital) Fremdfinanzierung (durch Fremdkapital) Selbstfinanzierung (Stille/Offene Selbstfinanzierung, neues Eigenkapital von innen) Beteiligungsfin. (im weiteren Sinne, neues Eigenkapital von aussen) Kreditfinanzierung (Banken, Lieferanten, Gesellschafter, etc.) Innenfinanzierung Aussenfinanzierung Quelle: Übelhör/Warns 2004b, S. 16 Eveline Wittwer 10

20 2. Finanzierung in der Schweizer Hotellerie Wie in der Grafik ersichtlich ist, gibt es noch eine andere Möglichkeit, die Finanzierungsarten zu unterscheiden. Die Kapitalbeschaffung von aussen wird unter dem Begriff Aussenfinanzierung zusammengefasst, die Kapitalbeschaffung durch den internen betrieblichen Umsatzprozess wird als Innenfinanzierung definiert. (Übelhör/Warns 2004b, S. 16 f.) In dieser Arbeit werden die verschiedenen Finanzierungsarten nach dem Kriterium Aussen- und Innenfinanzierung getrennt dargestellt, wie es auch in der Fachliteratur gemacht wird (vgl. Übelhör/Warns 2004b, S. 34 ff., Henschel 2001, S. 283 ff.) Zu erwähnen ist noch, dass nicht alle Finanzierungsarten abschliessend dargestellt werden, sondern lediglich diejenigen, die in der Hotelbranche am gängigsten sind Finanzierung als Existenzgründung Die Finanzierung ist für Unternehmen in zwei Situationen sehr wichtig, einerseits bei der Existenzgründung, andererseits zur Sicherung der Existenz. Bei der Gründung einer Hotelunternehmung besteht das Problem, dass der Geldkreislauf beginnt, bevor das Hotel eröffnet wird und Umsätze generiert werden. Das Hotel muss zuerst gebaut werden, Mitarbeiter müssen eingestellt werden, Anlagen und Vorräte eingekauft werden etc. Diese anfallenden Kosten nennt man Pre-Opening-Kosten. (Henschel 2001, S. 257) Auf die Gründungsfinanzierung wird allerdings in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen, da nur die Finanzierung von Investitionen bereits bestehender Hotels untersucht wird Finanzierung als Existenzsicherung Nach der Finanzierung zur Hotelgründung wird dann die Finanzierung zur Existenzsicherung wichtig. Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit sind die Hotelbetriebe gezwungen, ihr Angebot den sich ständig ändernden Bedürfnissen ihrer Gäste anzupassen (Henschel 2001, S. 257). Dies bedeutet gemäss Henschel (Henschel 2001, S. 258), dass auf Grund des hohen Konkurrenzdruckes und der Notwendigkeit auf die Markterfordernisse einzugehen, kontinuierliche Modernisierungs- und Anpassungsinvestitionen in ein marktfähiges Hotelprodukt notwendig sind. Charakteristisch für Investitionen sind die relativ langfristige Bindung von Kapital und die relativ hohen Kapitalbeträge, die eingesetzt werden (Corsten 2000, S. 393). Henschel unterscheidet zwischen Investitionen ins Anlagevermögen und Investitionen ins Umlaufvermögen. Investitionen ins Anlagevermögen sind Investitionen, die bei Neubau, Erweiterung und Modernisierung auftreten und die das Anlagevermögen des Betriebs erhöhen, ersetzen oder erneuern. Zum Anlagevermögen eines Hotels gehören Boden, Gebäude, Einbauten und sämtliche Einrichtungen und Maschinen. Investitionen ins Anlagevermögen sind langfristige Investitionen, was bedeutet, dass diese einen langfristigen Kapitalbedarf haben. Investitionen ins Umlaufvermögen hingegen haben nur einen Eveline Wittwer 11

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