Kollektivschutzmontage mit PSA gegen Absturz

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1 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz in der Praxis: Kollektivschutzmontage mit PSA gegen Absturz Brückenbaustelle Malters 2011 Version 1.0 / / Beteiligte: Bernhard von Mühlenen / Suva Systementwicklung Roman Stalder / Schweiz. Metallbautechnikerschule Basel Herstellung & Prüfung Stefan Roider / Schweiz. Metallbautechnikerschule Basel der Pfostensysteme René Fischer / Sicherheitskonzept Blattenbrücke Porr Suisse AG / Bauunternehmung Lehrgerüst- & Netzmontage, Brückenbau

2 Ausgangslage: Suva: «Vision 250 Leben» Die Suva will 250 Menschenleben retten In der Schweiz verunfallen jedes Jahr rund Menschen bei der Arbeit. Es trifft jeden fünften Bauarbeiter, jeden vierten Gerüstbauer, jeden dritten Forstarbeiter und sogar jeden zweiten Forstlehrling. Besonders tragisch sind diejenigen Unfälle, bei denen Menschen ihr Leben verlieren. Im Durchschnitt der letzten Jahre waren in den Betrieben rund 100 Todesfälle zu beklagen. Ebenso viele Unfälle enden mit schwerer Invalidität. BU-Todesfallrisiko senken «Vision 250 Leben» heisst die Antwort der Suva auf die hohe Anzahl schwerer Arbeitsunfälle. Ziel ist, in den nächsten zehn Jahren 250 Berufsunfälle (BU) mit Todesfolge und ebenso viele schwere Invaliditätsfälle zu verhindern. Dazu braucht es mehr als eine Halbierung der Anzahl schwerer Unfälle, das sind höchstens 35 Todesfälle pro Jahr. Fokus auf hohe Risiken Der Fokus in der Prävention wird künftig noch gezielter als bisher auf die Arbeitsplätze mit hohen Risiken gelegt. Etwa die Hälfte der Schwerstunfälle lassen sich auf folgende Risikoschwerpunkte zurückführen: Absturz, Krane, Instandhaltung, Stolpern, Gerüste, Leitern, Forst/Holzernte. 2

3 «Lebenswichtige Regeln» Im Zentrum der «Vision 250 Leben» stehen die «Lebenswichtigen Sicherheitsregeln». Sie werden für diejenigen Branchen und Themen mit den höchsten Risiken erarbeitet. Was das Einhalten dieser Regeln betrifft, gilt Null-Toleranz. Das bedeutet, wenn Gefahr für Leben und Gesundheit droht, heisst es STOPP, die Arbeiten einstellen und die gefährliche Situation beseitigen. Denn keine Arbeit ist es wert, dafür sein Leben zu riskieren. Die Suva wird ihre Arbeitsplatzkontrollen gezielt auf die Sicherheitsregeln ausrichten und prüfen, ob die Regeln eingehalten und durchgesetzt werden. Was können die Betriebe tun? Die Suva stellt den Betrieben für die Schulung der «Lebenswichtigen Regeln» gebrauchsfertige, branchenbezogene Instruktionshilfen zur Verfügung. Damit können die Vorgesetzten die Mitarbeitenden vor Ort praxisnah und anschaulich für die grössten Risiken sensibilisieren. Im Rahmen der Vision 250 Leben engagiert sich die Suva auch in der Grund- oder Weiterentwicklung von Systemen zur Verhinderung von Berufsunfällen. Im folgenden wird eine Anwendung von einem durch die Suva entwickelten Pfostensystem für horizontale Lifelines als Absturzsicherung bei Bauarbeiten präsentiert. 3

4 Grundsätze PSA gegen Absturz: Wo arbeiten mit PSA gegen Absturz unvermeidbar sind, ist sicherzustellen, dass die Mitarbeiter dahingehend fachmännisch ausgebildet sind (mind. 1 Tag) und dass die Rettung raschmöglichst innerhalb von max. 20 Minuten erfolgen kann (www.absturzrisiko.ch ) Beim Arbeiten ist darauf zu achten, dass die drohende Sturzhöhe durch geschickte Wahl der Verbindungsmittel und möglichst über / nahe beim Kopf gelegene Anschlagpunkte jederzeit möglichst gering ist. Die Suva veröffentlicht bis Ende 2011 verschiedene Dokumente zum Thema - unter anderem 8 lebenswichtige Regeln für Arbeiten mit PSA gegen Absturz Arbeiten mit PSA gegen Absturz (Anseilschutz) dürfen nur von nachweislich ausgebildeten Personen durchgeführt werden (Dauer mind. 1 Tag) Die Rettung einer Abgestürzten Person muss jederzeit durch eigene Mittel sicher gestellt sein. Definition der Anschlagpunkte (möglichst über Kopf) und Planung der Rettung vor Arbeitsaufnahme Normkonforme Ausrüstung bestehend aus mind. Auffanggurt (EN361), Helm mit Kinnband (EN397 / 12492), geeignetes Verbindungsmittel (EN355) etc. Instruktion der Systempriorisierung 1. Rückhaltesystem 2. Positionierungssystem 3. Sturzauffangsystem Herstellerangaben einhalten Pendelsturzgefahr entgegenwirken Schlaffseil vermeiden!! Ordnung am Arbeitsplatz Buddycheck: gegenseitige Kontrolle der PSA gegen Absturz und der Anschlagpunkte Fehlverhalten gegenseitig unverzüglich korrigieren. Rückhaltesystem Positionierungssystem Sturzauffangsystem 4

5 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz in der Praxis: Kollektivschutzmontage mit PSA gegen Absturz auf einer Brückenbaustelle Ausgangslage: In Malters wird 2011 in Stahl-Beton-Verbundbauweise eine Strassenbrücke über die kleine Emme erstellt. Fotomontage der fertigen Brücke Hierfür muss zuerst eine Stahlkonstruktion als Brückenlehrgerüsts montiert werden. Diese Arbeiten erfolgen bei Absturzhöhen über 3.0m und teilweise direkt über dem Fluss. Diese Montagearbeiten können noch nicht mit Kollektivschutz erfolgen. Bei der Montageplanung stellte sich heraus, dass ein normales Arbeiten mit PSA gegen Absturz sehr schwierig und unpraktikabel werden dürfte. Der von der Bauunternehmung Porr Suisse AG beigezogene Sicherheitsspezialist René Fischer (www.sicheramseil.ch) kannte das neu entwickelte HLL-Pfostensystem und sorgte dafür, dass diese Pfosten in ausreichender Anzahl vorhanden waren. Vorteile des Pfostensystems für horiz. Lifelines Das Pfostensystem lässt sich in äusserst kurzer Zeit direkt ab LKW auf die Stahlprofile montieren und kann so bereits zum Abhängen vom Kran benutzt werden. Die Lifeline dient zugleich als Handlauf beim Laufen über den Träger und als Absturzsicherung. Durch geschickte Wahl eines kurzen oder längenverstellbaren Verbindungsmittels ist die Sturzhöhe und dadurch auch ein Verletzungsrisiko sehr gering Durch die leichte Pfostenneigung nach aussen, kann problemlos über die Trägerflansche marschiert werden. 5

6 Bilder horizontale Lifeline (HLL): Vormontage der HLL am Ufer Träger mit vormontierter HLL 6

7 Vormontierte HLL - gut sichtbar die leicht nach aussen geneigten Pfosten Bei der Trägermontage 7

8 Idealer Verkehrsweg für PSA gegen Absturz 8

9 Montage des Auffangnetz 9

10 Die Netzmontage erfolgte durch ausgebildete Industriekletterer Stufe 1 & Stufe 2 der Firma Porr Suisse teilweise am hängenden Seil (Infos: 10

11 11

12 Das Auffangnetz kurz vor der Fertigstellung: Bernhard von Mühlenen / / 12

13 Anhang: Entwicklung eines polyvalenten Pfostensystems für horizontale Lifelines (HLL) Mangels geeigneter höherliegenden Anschlagpunkten kommen in Nordamerika seit Jahrzehnten bei Stahlbaumontagearbeiten sogenannte horizontale Lifelines (HLL) zum Einsatz. In Europa sind solche Systeme noch wenig verbreitet, insbesondere flexible geprüfte Pfostensysteme dazu. Zur Zeit gibt es keine Anbieter in der Schweiz, welche praktikable, für verschiedene Branchen einsetzbare und nach europäischen Normen geprüfte Systeme anbieten. So entschloss sich die Suva, die Entwicklung eines solchen Systems selber in die Hand zu nehmen, wie sie das bereits vor Jahrzehnten mit Sicherheitszubehör für Kreissägen, Pressen etc. gemacht hat. Entwicklung des HLL-Pfostensystems Ende 2009 hat die Suva in Zusammenarbeit mit zwei Studenten der Schweizerischen Metallbautechnikerschule Basel ein polyvalentes Pfostensystem für horizontale Lifelines entwickelt. Dies sollte mit beliebigen am Markt erhältlichen Seilsystemen eingesetzt werden können. Aus dem Pflichtenheft: Das System muss sowohl im Stahlbau wie auch im Holzbau, allg. Hochbau, Rückbauarbeiten etc. Anwendung finden können. Weiterentwicklung des Firstüberspannsystem "RaWü" der beiden jungen Zimmermänner Jürg Ramseier & Andreas Wüthrich aus dem Emmental 13

14 Beschrieb Foto Beschrieb Foto Prüfung des Pfostensystems nach SN EN795 (Klasse A & C): Um unsere life-line Tests durchführen zu können, benötigten wir einen geeigneten Versuchsort. Entscheidende Kriterien musste die Infrastruktur erfüllen: a. Ein Hallenkran der in alle Richtungen (x-, y- und z-achse) bewegbar ist b. Betonboden für Montage der Holzbalken, Stahlträger und Konsolen Typ 4 (für Beton) c. Eine ausreichende Geschosshöhe (für Aufnahme des Durchhanges und der Absturzhöhe) und genügend grosser Durchmesser der Bodenöffnung (min. 5m) d. Messtechnik zur Messung der Kräfte einrichtbar (Industriepartner: Fachhochschule Nordwestschweiz) e. Absturzsicherungen für die Sicherheit der Tester Fotos des Versuchsorts Sicht von oberem Podest (3.OG) der Lagerhalle. In vorderem 10-Eck wurden die Tests für sämtliche Konsolen durchgeführt. Der Hallenkran verläuft oben an den Stahlträgern entlang. Sicht von 1.OG auf Bodenöffnung im 2.OG, wo Fallkörper hinunterfällt. Die Betätigung für die Auslösung des Fallkörpers wurde mittels einer Schnur von diesem Geschoss aus gemacht. Höhe von Podest bis Bodenöffnung 5.8m. Da der untere Boden im 1.OG nur aus Gitterrosten besteht, mussten für ein allfälliges Systemversagen Vorkehrungen getroffen werden. Der Dämpfer wurde jedoch nie beansprucht. Frontansicht life-line System Typ 1 vor dem Fallversuch Seitenansicht des life-line Systems Typ 4 vor dem Fallversuch Seitenansicht des life-line System Typ 3 vor dem Fallversuch 14

15 Testgeometrie Seitenansicht Fallversuch Frontansicht Fallversuch Grundriss Bodenöffnung 15

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