Allgemeine Anforderungen (Ergonomie)

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1 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz Art. 23 Artikel 23 Allgemeine Anforderungen (Ergonomie) Arbeitsplätze, Arbeitsgeräte und Hilfsmittel sind nach ergonomischen Gesichtspunkten zu gestalten und einzurichten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sorgen für ihre sachgerechte Benutzung. 1. Allgemeines Befinden und Verhalten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird in erster Linie durch technische, wirtschaftliche, soziale und organisatorische sowie durch menschliche Faktoren beeinflusst. Sie sind ein Teil des Arbeitssystems. Neben der Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsmitteln sind deshalb auch die Organisation der Arbeitsausführung und die menschlichen Bedürfnisse zu berücksichtigen. (Entsprechende Informationen sind in Art. 2 Abs. 1 Buchst. d der ArGV 3 sowie ausführlich im Anhang enthalten.) Dabei muss die Arbeitsplatzsituation als Gesamtes betrachtet werden. Ergonomisch optimal gestaltete Arbeitsplätze lassen sich deshalb nur im Zusammenwirken mehrerer Partner (Planer, Einrichter, Arbeitsorganisatoren, Benutzer) und unter Einbezug der oben genannten Faktoren erzielen. Bei Bedarf sind Fachpersonen wie z.b. Ergonomen, beizuziehen. Bei der Anpassung von Arbeitsmitteln (z.b. Bildschirme), des Arbeitsplatzes (z.b. Bildschirmtisch) und der Arbeitsumgebung (z.b. Lärm, Klima) an den Menschen sind ergonomische Erkenntnisse zu befolgen. Teilgebiete der Ergonomie sind die Produktegestaltung, Arbeitsplatzgestaltung, Gestaltung der Arbeitsumgebung, Arbeitsablauf- und Interaktionsgestaltung. Hier gilt insbesondere zu beachten, dass die Ressourcen, Fähigkeiten und Eigenschaften der Beschäftigten unterschiedlich sind; zwischen der Beanspruchung durch Arbeit, der Leistung und allfälligen Gesundheitsproblemen enge Beziehungen bestehen; eine Dauerleistung nur unterhalb einer bestimmten Belastung (Dauerleistungsgrenze) möglich ist; einseitige Belastungen besonders schnell ermüdend wirken Informationen über die Planung und die Ergebnisse der Arbeit für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wichtig sind (vgl. Art. 2, 5 und 6 ArGV 3) und ihre Mitwirkung berücksichtigt wird. Bei der technischen Einrichtung von Arbeitsplätzen, Arbeitsgeräten und Hilfsmitteln dienen die arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse als Basis. Dazu gehören z.b. Einschränkungen, die sich durch die individuellen Körpermasse und die Anatomie des Menschen ergeben; die Notwendigkeit, dass Kraftanforderungen den körperlichen Fähigkeiten entsprechen; Erkenntnisse über die physiologischen und psychologischen Gegebenheiten der menschlichen Wahrnehmung. 1.1 Körpermasse Für die Gestaltung von Arbeitsplätzen und Betriebsmitteln sind die Körpermasse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von grosser Bedeutung. Diese allein genügen für die Dimensionierung von Arbeitsplätzen, Maschinen und Werkzeugen aber nicht, da immer auch die Bewegungen des Körpers und die Bedingungen der Arbeitsaufgabe zu beachten sind. Häufig sind die erforderlichen Grössenbereiche nur durch Verstellmechanismen erreichbar. Im Einzelfall ist es hilfreich, die Dimensionierung des Arbeitsplatzes (Bewegungsraum, Höhe und Erreichbarkeit von Bedie- SECO, August

2 Art. 23 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz nungselementen und Werkstücken) mittels zeichnerischer Darstellung zu überprüfen. 1.2 Körperkräfte Die Körperkräfte des Menschen sind abhängig von Alter, Geschlecht, Grösse und Gewicht. Sie sind bei 20 bis 30-jährigen Männern am grössten. Die Körperkräfte werden durch Energieumsatz in Muskeln erzeugt. Bei der Muskelarbeit ist zu unterscheiden zwischen statischer und dynamischer Muskelbelastung. Als Dauerleistungsgrenze für statistische Muskelarbeit gelten 15 Prozent der Maximalkraft. Die Grösse der mit Armen und Beinen ausgeübten Kraft ist von der Körperhaltung, der Bewegungsrichtung und der Lage des Kraftangriffspunktes abhängig (weitere Angaben siehe Art. 25 ArGV 3; siehe dazu auch Abbildungen bis 323-4). 2. Prinzipien der Ergonomie Definition: Siehe Artikel 2 ArGV 3 Grundlagen: ISO 6385 bzw. ENV Prinzipien der Ergonomie in der Auslegung von Arbeitssystemen 2.1 Dimensionierung und Körperhaltung Die Arbeitshöhe soll der Körpergrösse und der Art der Arbeit angepasst sein. Sitz, Arbeitsfläche und/oder Tisch sind als Einheit zu gestalten, um eine bevorzugte Körperhaltung zu ermöglichen, und diese sind auf die anatomischen und physiologischen Merkmale sowie die Art der Tätigkeit des jeweiligen Benutzers einzustellen. Für Körperbewegungen, insbesondere des Kopfes, der Arme, Hände, Beine und Füsse soll ausreichend Raum vorgesehen sein. Stellteile, Werkzeuge oder Werkstücke müssen im funktionellen Greifraum liegen (siehe Abb ). Griffe sind der Form und Funktion der Hand und der Arbeitsaufgabe anzupassen. Wenn starke Muskelkräfte eingesetzt werden müssen, ist eine geeignete Körperhaltung zu ermöglichen und für Abstützungen zu sorgen, damit der Kraftweg oder die Drehmomentvektoren durch den Körper kurz und einfach gehalten werden. Abbildung 323-1: Dynamische und statische Körperkräfte. Kraft in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht (Maximalkraft des Mannes = 100 Prozent) Abbildung 323-2: Dynamische und statische Körperkräfte. Maximale Dauer einer statischen Muskelarbeit in Abhängigkeit vom Kraftaufwand

3 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz Art. 23 Zwischen den einzelnen Körperbewegungen ist eine gute Abstimmung anzustreben, und bei hohen Anforderungen an die Genauigkeit sind grössere Körperkräfte zu vermeiden. Bei Bedarf sind Hilfsmittel einzusetzen. Zone I: Zone II: Zone III: Häufige Arbeiten Kurzzeitige Arbeiten Seltene Arbeiten Abbildung 323-3: Greifraum Mindestanforderungen 2.2 Körperkräfte, Körperbewegungen Kraftanforderungen müssen mit den körperlichen Fähigkeiten des Arbeitnehmers im Einklang stehen, und die beteiligten Muskelgruppen müssen für die jeweiligen Kraftanforderungen stark genug sein. Um die Kraftanforderungen zu verringern, sollen technische Hilfsmittel in das Arbeitssystem eingebracht werden. Optimale Kraftrichtungen sind nur in Richtung Kraftangriffspunkt Körperachse möglich Abbildung 323-4: Dynamische und statische Körperkräfte 2.3 Signale, Anzeigen, Stellteile Art und Anzahl der Signale und Anzeigen müssen dem Charakter der Information und den Wahrnehmungsfähigkeiten entsprechen und der zuverlässigen schnellen Orientierung dienen. Eine eindeutige Wahrnehmung muss gewährleistet sein, insbesondere für Gefahrensignale. Bei länger andauernden Beobachtungs- und Überwachungstätigkeiten sind durch Gestaltung und Anordnung von Signalen und Anzeigen Über- und Unterforderungen zu vermeiden. Stellteile (Bedienungselemente, Schalter, Hebel) sind so zu gestalten und anzuordnen, dass sie den Eigenschaften und Bewegungsmöglichkeiten des Körperteils entsprechen, mit dem sie betätigt werden. Die Funktion von Stellteilen muss leicht erkennbar sein. Kritische Stellteile sind gegen unbeabsichtigtes Betätigen zu sichern. 2.4 Werkzeuge, Geräte Werkzeuge und Geräte müssen der Anatomie des Menschen, z.b. der Hand, und der Bewegungsphysiologie entsprechen. Wo nötig, ist auf individuelle Bedürfnisse (z.b. Geschlecht, Linkshändigkeit) Rücksicht zu nehmen. Längere statische Muskelanspannungen sind zu vermeiden. Wartungs- und Servicearbeiten müssen von einem sicheren Standort aus in entspannter Körperhaltung vorgenommen werden können. Kontroll- und Justierpunkte, Beschriftungen, Messpunkte etc. müssen gut sichtbar und unmissverständlich angeordnet sein. 2.5 Gestaltung des Arbeitsablaufs Über- und Unterforderung, welche aus der Überschreitung von oberen bzw. unteren Grenzen der Bandbreite physischer und/oder psychischer Funktionen resultieren, sind zu vermeiden. SECO, August

4 Art. 23 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz Bei zusammenhängenden Abläufen soll eine extreme Aufteilung in einzelne Arbeitsschritte vermieden und durch eine Erweiterung des Arbeitsund Handlungsspielraums ersetzt werden. Wo immer möglich und sinnvoll, ist ein Arbeitsplatzwechsel zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen zu fördern (Job-rotation). Die Bildung von Teams, möglichst innerhalb autonomer Arbeitsgruppen, ist ein Vorteil. Dabei sind die individuellen Unterschiede des Leistungsvermögens, altersbedingte Änderungen, sowie Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung zu beachten. 2.6 Sachgerechte Benutzung Eine hinreichende Information über die sachgerechte Benutzung von Arbeitsplätzen, Arbeitsgeräten und Hilfsmitteln ist auch aus ergonomischer Sicht unerlässlich (siehe auch Art. 5 ArGV 3). Die besonderen Anstrengungen für ergonomisch gut gestaltete Einrichtungen und Geräte sind weitgehend nutzlos, wenn diese nicht den individuellen Gegebenheiten angepasst oder falsch eingesetzt werden. einseitige körperliche Belastungen wegen gleichbleibender Arbeits- und Sitzhaltung, Belastungen durch falsche Anordnung der EDV- Geräte und des Mobiliars sowie durch schlechte Bedingungen der Arbeitsumgebung (z.b. ungünstige Beleuchtung, Raumklima), schlecht gestaltete Benutzeroberfläche (Software mit wenig flexibler Menüsteuerung, fehlender Einflussnahme auf Antwortzeichen des Systems, Verständigungsschwierigkeiten durch Abkürzungen), Belastungen durch fehlende Übersicht über Arbeitszusammenhänge, Leistungsverdichtung, Einschränkung von Kommunikation und Kooperation. Aufgrund dieser Belastungen können je nach Leistungsfähigkeit körperliche und psychische Beanspruchungen entstehen: 3. Bildschirmarbeit 3.1 Allgemeines Bildschirmgeräte als Arbeitsmittel für verschiedenste Anwendungen gehören heute zur täglichen Arbeit. Von Bedeutung ist die sachgerechte individuelle Anpassung der Arbeitsmittel, deren Nutzung und ausreichende Bewegung des Körpers. Dazu braucht es Schulung und Mitarbeit, aber vor allem auch Selbstverantwortung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. 3.2 Gesundheitliche Beschwerden Bei Nichtbefolgen ergonomischer Erkenntnisse treten Belastungen auf, die zu unterschiedlichen Gesundheitsstörungen bei den Beschäftigten führen. Folgende Belastungen können auftreten: Augenermüdung durch konzentriertes Arbeiten am Bildschirm, häufigem Blickwechsel zwischen Vorlage, Bildschirm und Eingabegerät, Abbildung 323-5: Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes. Einschlägige Literatur über die Arbeit an Bildschirmgeräten gibt Auskunft über die speziellen Anforderungen. Allgemeine Grundlagen können auch Artikel 15 und 22 sowie Artikel 24 Absatz 1 bis 5, entnommen werden. Die heute angebotenen Geräte erfüllen im allgemeinen die ergonomischen Anforderungen. Die einzelnen Komponenten müssen aber richtig auf- und eingestellt werden. Gerätetechnische Hinweise sind den Merkblättern zu entnehmen! 323-4

5 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz Art. 23 Augenbeschwerden (Augenbrennen, Tränen, Rötung, Doppelbilder usw.), Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Übermüdung, Abgeschlagenheit, Nervosität, Hals-, Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Sehnenscheidenentzündungen, RSI (Krankheit infolge einförmiger, repetitiver Bewegungen). 3.3 Besondere Anforderungen bei der Beschaffung der Hard- und Software Informations- und Dialoggestaltung Mit zunehmender Komplexität der Aufgaben wird die «Softwareergonomie» immer wichtiger. Darunter wird die grafische Gestaltung der Benutzeroberfläche zur Erleichterung der Mensch-Computer-Interaktion verstanden. Bei Neuanschaffungen ist eine diesbezügliche Analyse besonders wichtig Bildschirmgeräte, Tastaturen Es sollten nur Bildschirmgeräte berücksichtigt werden, die den schwedischen Prüfnormen MPR2 oder TCO entsprechen. Diese strengen und weltweit akzeptierten Standards (bezüglich physikalischen Einwirkungen) werden heute von den meisten Herstellern eingehalten. Eine von der Standard-Tastatur abweichende Tastenanordnung, die der natürlichen Handstellung Abbildung 323-6: Der natürlichen Handstellung nachempfundene Tastatur nachempfunden ist (z.b. im Winkel verstellbare Halbtastatur für die linke und rechte Hand) kann bei andauernder Betätigung etwas vor Beschwerden schützen. 3.4 Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes Die wichtigsten Grundsätze sind: Tischplatte Ausreichende Fläche für Akten und handschriftliche Arbeiten, Mindestlänge 120 cm (für handschriftliche Eintragungen), besser 160 cm, Mindesttiefe bei Bildschirmaufstellung auf Tischplatte 80 cm, Reflexionsgrad kleiner 50% (matt/seidenmatt) und der Umgebung angepasste Helligkeit. Tischhöhe, Bildschirmhöhe Einstellbarkeit von 68 bis 76 cm ermöglicht eine Anpassung an die individuelle Körpergrösse; 72 bis 75 cm bei nicht verstellbarer Tischhöhe; Anpassen der richtigen Körperhaltung nur durch Einstellung der Sitzhöhe möglich; rutschsichere, verstellbare Fussstützen sind unerlässlich (optimale Fläche grösser 70x70 cm). Bewegungsraum, Beinraum (Mindestabmessungen) Breite 58 cm / Tiefe 60 cm (siehe auch Art. 24 Abs. 1 ArGV 3). Arbeitsstuhl, Fussstützen Nebst einem guten, richtig eingestellten Arbeitsstuhl ist das richtige Verhalten beim Sitzen sehr wichtig. Bewegung hilft Beschwerden vermeiden, u.a. durch häufiges Anpassen der Sitzhaltung. Dazu muss der Arbeitsstuhl folgende Merkmale haben: Sitzhöhe leicht verstellbar, Sitzfläche gepolstert und geformt, Sitzvorderkante abgerundet, Neigung der Rückenlehne leicht verstellbar und arretierbar, SECO, August

6 Art. 23 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz Rückenlehne mit auf Lendenhöhe ergonomisch geformter Stütze. Die Sitzhöhe sollte zwischen 40 cm und 55 cm einstellbar sein. Bei 42 cm Einstellungshöhe erübrigen sich in der Regel Fussstützen (Frauen), die richtige Tischhöhe vorausgesetzt. Siehe auch Ausführungen zu Artikel 24 Absatz 2 ArGV 3. Künstliche Beleuchtung, Tageslicht Die optimale Beleuchtung hängt von der Art der Tätigkeit ab: 300 Lux für überwiegende Informationsaufnahme via Bildschirm bis 500 Lux für überwiegende Informationsaufnahme vom Beleg Ältere Personen benötigen mehr Licht, ab ca. 55 Jahren 1000 Lux. Vermeiden von Direktblendung durch Leuchten, z.b. durch Verwendung von Rasterleuchten und richtiger Anordnung. Begrenzen der Reflexblendung durch Reduzierung der mittleren Leuchtdichte auf 200 cd/m 2, Blendschutz oder leichte Neigung des Bildschirms nach vorn. Anordnen der Arbeitsplätze hinsichtlich der Hauptblickrichtung parallel zu den Fenstern. Vermeiden von Direkt- und/oder Reflexblendung vorzugsweise mit senkrechten Lamellenstoren (Blick ins Freie bleibt dadurch erhalten). Belege, Beleghalter Anordnen des Beleghalters und weiterer Arbeitsunterlagen unter oder neben dem Bildschirm in richtiger Sehdistanz. 3.5 Arbeitsfläche Büro- / Bildschirmarbeitsplätze In kleineren Büros mit bis zu 3 Personen soll die Mindestfläche je Arbeitsplatz einschliesslich allgemein üblicher Möblierung, Bewegungsfläche und anteiliger Verkehrsfläche im Raum mindestens 10 m 2 betragen. Für kombinierte Arbeitsplätze mit Schreibtisch und Bildschirmarbeitsplatz sind mindestens 12 m 2 vorzusehen. Die freie unverstellte Fläche am Arbeitsplatz muss so bemessen sein, dass sich die Arbeitnehmer bei ihrer Tätigkeit ungehindert bewegen können. Die freie Bewegungsfläche soll an jeder Stelle mindestens 1,0 m betragen und eine Mindestfläche von 1,5 m 2 aufweisen. Mehrpersonenbüros / Gruppenbüros Für den Flächenbedarf in Gruppenbüros mit mehr als 2 Personen gilt: für die Unterbringung der ersten zwei Personen werden 18 m 2 veranschlagt, für jede weitere Person sind zusätzliche 6 m 2 erforderlich. Grossraumbüros / Call Center Bei der Einrichtung von grossen Räumen (in der Regel ab 400 m 2 ) beträgt die Mindestfläche pro Büro- und Bildschirmarbeitsplatz 8 m 2, für kombinierte Arbeitsplätze 12 m 2. Angesichts des höheren Verkehrsflächenbedarfs und der grösseren Störwirkung (z.b. Lärmbelästigung, Lichtverhältnisse) werden in der Praxis eher höhere Flächenmasse empfohlen. Aufgabenbedingte Zusatzausstattung Für eine aufgabenbedingte Zusatzausstattung, wie z.b. Empfangstheke, grosse Geräte usw., muss die zusätzlich benötigte Fläche ermittelt und zum Flächenbedarf addiert werden. Arbeitsorganisation Anstreben einer zusammenhängenden ganzheitlichen Aufgabenstellung (Arbeitsteilung vermeiden). Vorsehen eines angemessenen Handlungsspielraums, z.b. hinsichtlich Reihenfolge, Arbeitstempo, Vorgehensweise. Arbeitsumgebung Von grossem Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit sind das Raumklima, die Lärmeinwirkung (siehe Art. 16 und 22 ArGV 3) und die Raumgestaltung. Mittels farblicher Gestaltung der Arbeitsmittel gegenüber dem Hintergrund kann die visuelle Wahr

7 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz Art. 23 nehmung verbessert werden. Eine farbliche Gliederung der Raumstruktur und Abstimmung mit den Einrichtungen unterstützt die Orientierung. Eine gute farbliche Gestaltung fördert das Befinden. Monotonie und Ermüdungserscheinungen können verringert werden. Leistungsbereitschaft, wird gefördert, Fehlleistungen werden reduziert. Es wird empfohlen, bei grösseren Flächen Farben mit ähnlichem Reflexionsgrad zu wählen. Gesättigte, kontrastreiche Farben sollen zurückhaltend eingesetzt werden. Für grosse Flächen sind vorzugsweise Hellpastelltöne anzuwenden. Die Wirkung verschiedener Farben sind in untenstehender Tabelle zusammengefasst: Farbe 3.8 Besondere Anforderungen Sehanforderung Im Zusammenhang mit dem Sehen gibt es bisher keine Hinweise, dass sich das Sehvermögen bei der Arbeit am Bildschirm verschlechtert. Vielmehr resultieren Augenbeschwerden aus einem Ungleichge- Distanzwirkung Temperaturwirkung Tabelle 323-1: Psychologische Farbwirkungen Psychologische Stimmung Blau Entfernung kalt beruhigend Grün Entfernung kalt bis sehr beruhigend neutral Rot Nähe warm sehr aufreizend und beunruhigend Orange sehr nahe sehr warm anregend Gelb Nähe sehr warm anregend Braun sehr nahe, neutral anregend einengend Violett sehr nahe kalt aggressiv, beunruhigend, entmutigend Grundlagen - SUVA-Merkblatt Die Arbeit am Bildschirm - SUVA-Merkblatt Bildschirmarbeit, Informationen für Benützerinnen und Benützer - SECO-Broschüre d Sitzen bei der Arbeit - SECO-Faltblatt Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz - Richtlinie 90/270/EWG (Bildschirmarbeit) 3.6 Arbeitsplatzbewertung Die ergonomischen Anforderungen bei der Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen richtet sich nach der Einsatzdauer und der Arbeitsweise am Bildschirm. Eine Einteilung dazu zeigt Tabelle Arbeitszeit und Pausen Die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ändert sich im Laufe eines Arbeitstages. Ein Wechsel der Tätigkeit oder Veränderungen im Arbeitstempo sind daher menschliche Bedürfnisse. In Anbetracht der Vielzahl verschiedener Tätigkeiten kann jedoch nicht allein aus der Tatsache, dass am Arbeitsplatz ein Bildschirm steht, eine Arbeitszeitregelung mit Nutzungsdauer des Bildschirms und Pausenregime abgeleitet werden. Wird ausschliesslich und intensiv mit dem Bildschirm gearbeitet, so ist die Tätigkeit so zu organisieren, dass die tägliche Arbeit am Gerät regelmässig durch Pausen oder andere Aufgaben mit verstärkter körperlicher Betätigung unterbrochen wird. Häufige, individuell wählbare Pausen, die ein gutes Verhältnis zwischen Arbeits- und Erholungszeit ermöglichen, sind anzustreben. Sie vermeiden langandauerndes Sitzen ohne Haltungswechsel und repetitiv einseitige Bewegungsmuster. Empfehlung: ½ Minute auf 10 Minuten oder 3 Minuten auf 50 Minuten Wird den ganzen Tag an einem Bildschirm gearbeitet, so sollen am zweiten Halbtag, zusätzlich zu den Kurzpausen, zwei Arbeitsunterbrechungen von je 10 Minuten gewährt werden. Kurze und häufig durchgeführte Lockerungs- bzw. Bewegungsübungen helfen, die verkrampfte Muskulatur zu dehnen und besser zu durchbluten. SECO, August

8 Art. 23 Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz wicht zwischen Sehanforderung und Sehfähigkeit (Augenermüdung). Gefährdet sind insbesondere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Hornhautverkrümmung und latentem Schielen sowie Benutzer mit beginnender oder fortgeschrittener Alterssichtigkeit. Brillenträger und Träger von Kontaktlinsen klagen häufiger über Augenbeschwerden als Nichtbrillenträger. Die individuelle Beratung von Personen mit Sehbeschwerden durch den Augenarzt oder Optiker sowie gezielte Verbesserungen der Sehvoraussetzungen sind wichtig. Tabelle 323-2: Bildschirmarbeitsplätze 323-8

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