Grußwort Marion Reinhardt Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz; Referatsleitung Pflege

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1 Grußwort Marion Reinhardt Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz; Referatsleitung Pflege anlässlich der Veranstaltung Abschlussveranstaltung des Caritasprojektes IspAn Aufbau und Förderung der Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger am 5. März 2010 in Mainz, Erbacher Hof Redezeit: ca. 7 Minuten Gliederung: 1. Begrüßung 2. Angehörige als Experten in eigener Sache 3. Menschen pflegen 4. Dank und Ausblick

2 Begrüßung Sehr geehrte Frau Wunderlich, meine sehr geehrten Damen und Herren, herzlichen Dank für die Einladung zur Abschlussveranstaltung des Caritasprojektes Aufbau und Förderung der Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger. Ministerin Malu Dreyer grüßt Sie ganz herzlich. Sie ziehen heute nicht nur Resümee über den Aufbau und die Erfahrungen aus den vier Modellstandorten in Baden- Württemberg und Hessen. Sie nutzen die Veranstaltung heute auch dazu, den Blick in die Zukunft der Interessenselbstvertretung in der Pflege zu lenken.

3 Angehörige als Experten in eigener Sache Angehörige von pflegebedürftigen Menschen sind Experten in eigener Sache. Ihr Erfahrungsschatz und ihre Kompetenzen sind in der Pflege und Betreuung unverzichtbar. Wie wichtig es ist, dass sie eine Stimme erhalten, mitreden und gehört werden, wurde sehr anschaulich aufgezeigt. Deutlich wird dabei ein hohes Engagement aber auch Mut, sich für die Mitsprache pflegender Angehöriger einzusetzen. Angehörige leisten tagtäglich harte Pflegearbeit, auch in der Betreuung ihrer demenzkranken Angehörigen, und setzen ihre eigenen Bedürfnisse oft an die zweite oder dritte Stelle. Ihr Engagement verdient Respekt und Anerkennung, Wir alle kennen die Prognosen: Gegenwärtig gibt es 2,2 Mio. Menschen in Deutschland, die pflegebedürftig sind, 2020 dürften es rund 2,6 Mio. sein. Gleichzeitig wird durch den Geburtenrückgang, die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, kleinere Haushaltsgrößen und die zunehmende Mobilität von Menschen das Potential unterstützender Angehöriger geringer.

4 - 4 - Ich will so lange wie möglich zu Hause bleiben das ist der Wunsch der meisten Pflegebedürftigen. Und es sind vor allem die Familien und sozialen Netzwerke in Nachbarschaft und Gemeinde, die helfen, diesen Wunsch zu erfüllen. Pflege wird in unserer Gesellschaft insgesamt noch zu wenig öffentlich thematisiert und häufig nur in ihren belastenden Dimensionen wahrgenommen. Sozialministerin Malu Dreyer tritt dafür ein, dass Pflege als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe eine Gemeinschaftsaufgabe - verstanden wird. Ziel ist es, pflegende Angehörige und Menschen, die sich ehrenamtlich in der Pflege und Betreuung engagieren, zu unterstützen und ihnen Mitsprache zu ermöglichen.

5 Menschen Pflegen Die Pflegepolitik ist ein zentraler Schwerpunkt der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Bereits Ende 2002 hat Sozialministerin Malu Dreyer die Initiative Menschen pflegen ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt der Initiative der Ministerin stehen die Menschen, und zwar pflegebedürftige Menschen, ihre Angehörigen, das soziale Umfeld und die professionell Pflegenden. Ministerin Dreyer hat die Mitbestimmung und Teilhabe in der Pflege zu Eckpfeilern der Initiative Menschen pflegen entwickelt. Weil die meisten der ca pflegebedürftigen Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz zu Hause im Wohnumfeld versorgt werden wollen, hat der Grundsatz ambulant vor stationär erste Priorität. Zwei Drittel aller pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause gepflegt und der überwiegende Teil ausschließlich durch die Familie und ohne Einsatz von Pflegediensten.

6 - 6 - Das zeigt, dass die Familie nach wie vor der größte aller Pflegedienste ist und dies bedarf höchster Wertschätzung. Die Ministerin hat mit unterschiedlichen Maßnahmen die Voraussetzungen geschaffen, um Sozialräumliche Pflegestrukturen aufzubauen, pflegende Angehörige zu entlasten; Pflege und Beruf besser zu vereinbaren und bei allen Maßnahmen besonders die Betroffenen einzubeziehen. Ich möchte einige Beispiele aufzeigen, wie Mitwirkung und Teilhabe dabei mit Leben gefüllt werden: Ein Beispiel sind die Regionalen Pflegekonferenzen. Die Regionalen Pflegekonferenzen in den Städten und Kreisen sind Foren, in denen alle an der Pflege Beteiligten auch Selbsthilfegruppen - ihre Anliegen und Vorstellungen rund um die Pflege und Betreuung einbringen können.

7 - 7 - Ein weiteres Beispiel für die Beteiligung von Angehörigen und Betroffenen ist die Pflegestrukturplanung. Die Planung der Kreise und Städte umfasst nicht nur die Pflegedienste und stationären Einrichtungen sondern auch ehrenamtliche und niedrigschwellige Angebote. Wir haben in 10 Kreisen und Städten die Planungsansätze unter Beteiligung der Betroffenen erprobt. Es hat sich dabei gezeigt, dass durch einen geregelten Austausch zwischen der Kommunalpolitik und den bürgerschaftlich Engagierten in der Ortsgemeinde die Erfahrungen und Erkenntnisse vor Ort in die Politik transportiert werden. Politische Entscheidungen zur Verbesserung der Strukturen in den Gemeinden werden dadurch angestoßen. Ein weiteres Beispiel sind die Pflegestützpunkte. In Rheinland-Pfalz konnten wir auf den vorhandenen 135 Beratungs- und Koordinierungsstellen aufbauen, die zu wohnortnahen Pflegestützpunkten weiterentwickelt wurden.

8 - 8 - Auch Pflegestützpunkte binden Ehrenamtliche, pflegende Angehörige und Selbsthilfeorganisationen in ihre Arbeit ein. Pflegestützpunkte und Regionale Pflegekonferenzen sind eng verbunden. Dadurch wird sichergestellt, dass auch auf diesem Weg die Interessen und Anliegen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen wahrgenommen werden und in Entscheidungen einfließen können. Ein Forum für Angehörige, ehrenamtlich Engagierte und auch hauptamtliche Kräfte sind die Pflegestammtische, die Ministerin Dreyer im Jahr 2008 initiiert hat. Pflegestammtische sollen besonders Menschen, die andere pflegen, eine Plattform zum Austausch geben. Hier sollen sie über Probleme, aber auch über gute Beispiele reden. Dass für solche Gespräche Bedarf ist, zeigten die bisherigen Stammtischtreffen. Themen rund um die Pflege werden diskutiert und direkt an die Ministerin herangetragen. Der Stammtisch vor wenigen Tagen befasste sich mit der Frage Ist Pflege ein Frauenthema? und hat gezeigt, wie wichtig es ist, Pflege und Beruf miteinander verbinden zu können aber auch, wie wichtig es ist, Männer zu motivieren, sich für die Pflege und die Pflegeberufe zu öffnen.

9 - 9 - Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Initiative Menschen pflegen ist ein flexibler und dynamischer Prozess, der von allen Beteiligten beeinflusst und vorangetrieben werden kann und soll. Menschen pflegen, das bedeutet neben aller Fachlichkeit und sozialpolitischen Maßnahmen vor allem die persönliche Zuwendung von Mensch zu Mensch. Diese Menschlichkeit ist Teil von Pflege. Sie ist nicht in Cent und Euro auszudrücken, kann aber für Pflegebedürftige und Pflegende gleichermaßen eine große Bereicherung sein. Sie macht schließlich den tiefen Sinn von "Menschen pflegen" aus.

10 Meine sehr geehrten Damen und Herren, Ihre Projekte haben gezeigt, dass sich pflegende Angehörige als Experten in eigener Sache aktiv für die Belange pflegender Angehörigen und für die Weiterentwicklung pflegerischer Strukturen einbringen sollen und können. Nichts über uns ohne uns. Dieses Motto aus dem Bereich der Politik für Menschen mit Behinderungen ist auf die Pflege übertragbar und bedeutet, dass Angehörige von uns als Experten in eigener Sache und Teil des Pflegesystems wahrgenommen und gehört werden. Ich wünsche Ihnen bei Ihrer weiteren Arbeit viel Erfolg und Ihnen allen noch eine spannende Veranstaltung. Vielen Dank.

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