Erstellen eines Freizeitportals für Menschen mit Einschränkungen am Beispiel des Projekts VOWiki

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1 Erstellen eines Freizeitportals für Menschen mit Einschränkungen am Beispiel des Projekts VOWiki Siegfried Kreutzer S E M I N A R A R B E I T eingereicht am Fachhochschul-Diplomstudiengang Engineering für Computer-basiertes Lernen in Hagenberg im Juni 2007

2 Zusammenfassung Das Projekt VOWiki wird um ein Portal erweitert, welches Informationen über die Freizeitgestaltung von Menschen mit körperlichen Einschränkungen beinhaltet. Die vorliegende Arbeit beschreibt die Vorgehensweise der Projektgruppe bei der Planung dieser Aufgabe, durchleuchtet welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen und welche Besonderheiten zu beachten sind. Der Leser erhält einen Einblick in die Bedürfnisse der Zielgruppe im Bezug auf deren Freizeitgestaltung. Des weiteren geht diese Arbeit auf das Problem ein, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu ermitteln und aus diesen Informationen ein Werkzeug zu schaffen, welches diese Bedürfnisse befriedigt. Diese Arbeit entsteht parallel zum Freizeitportal, daher ist keine Evaluation der Ergebnisse zum Zeitpunkt der Erstellung möglich. 1 Einleitung Menschen mit Einschränkungen sind auch Menschen. In unserer Gesellschaft wird dieser Personengruppe häufig mit Ignoranz begegnet. Mittlerweile gibt es Gesetze, wie das BGStG 1, welche die Rechte dieses Personenkreises sichern. Organisationen mit unterschiedlichsten Förderprogrammen und Integrationshilfen nehmen sich dieser Menschen an. Das Virtual Office ist eine dieser Organisationen. Die dreijährige Maßnahme richtet sich an junge Menschen mit Einschränkungen, welche aufgrund ihrer Behinderung keine Beschäftigung, in der ausgeprägte manuelle Fähigkeiten erwartet werden, anstreben können. Die KlientInnen sind hauptsächlich Spastiker, Muskeldystrophiker und Menschen mit neurologischen Störungen, welche sich in motorischen Einschränkungen äußern. Die Ziele des Virtual Office, entnommen aus dem Curriculum [9], sind: bestmögliche Förderung von bis dato nicht entwickelten Potentialen bestmögliche Verbesserung der Lebensqualität bestmögliche Qualifizierung für eine Beschäftigung am Arbeitsmarkt unter Verwendung des Computers Im Jahre 2006 entwickelte die Studentin Michaela Buchhas im Rahmen eines Praktikums eine Plattform für die Trainer des Virtual Office, welche Informationen über Assistierende Technologien 2 bietet. Technisch wurde dieses Projekt mit der Software MediaWiki 3 umgesetzt. Darauf aufbauend, soll nun ein Freizeitportal für die KlientInnen des Virtual Office entstehen. 1 Bundesgesetz über die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGStG), zuletzt besucht am 16.April Assistierende Technologien, Technologien, zuletzt besucht am 23.April MediaWiki, 1

3 2 Problemstellung Menschen mit Einschränkungen werden häufig als Behinderte bezeichnet. Schmutzler [8] verweist darauf, dass der Begriff Behinderung im Sinne von anormal seit 1958 in der Heilpädagogik verwendet wird. Eine Person gilt als behindert, wenn sie wegen einer Schädigung im körperlichen, geistigen oder seelischen Bereich soweit eingeschränkt ist, dass die Teilnahme am Leben, der Gesellschaft oder die Entwicklung zur selbständigen Lebensführung erschwert wird. Barrierefreiheit [2, 6 Abs. 5] ist der Begriff, welcher in diesem Zusammenhang in aller Munde ist. Allgemeines Ziel dieses Begriffes ist es, Einrichtungen und Gegenstände in einer Form und Funktionsweise derart zu gestalten, dass Menschen mit Behinderungen diese uneingeschränkt nutzen können. Die folgende Sektion beschreibt im Speziellen die Einschränkungen der KlientInnen des Virtual Office und die sich daraus ergebenden Bedürfnisse für die Freizeitgestaltung. Aus diesen Bedürfnissen ergeben sich Anforderungen an das Freizeitportal, die es zu erfüllen gilt. 2.1 Bedürfnisse und Barrieren Die KlientInnen des Virtual Office sind Personen von 16 bis 24 Jahren. Diese leiden an Tetraporese [1], Diplegie (ebenda), Hemiporese (ebenda) welche alle dem spastischen Formenkreis angehören, Muskeldystrophie (ebenda) oder anderen motorischen Störungen. Vielfach ist auch die Wahrnehmung und Kognition eingeschränkt. Die Folge daraus ist, dass viele KlientInnen auf den Rollstuhl angewiesen sind. In der Regel leiden diese Personen an einer Mehrfach-Behinderung. Beispielsweise geht eine Sehschwäche meist mit einer Leseschwäche einher. Die Entwicklungsstufe vieler KlientInnen ist ihrem Alter nicht angemessen und hinkt meist hinterher. Aus den oben angeführten Gründen ist es verständlich, dass diese Menschen besondere Bedürfnisse haben. Sie benötigen zumeist Betreuung bei den Tätigkeiten des täglichen Lebens. Sie sind darauf angewiesen, dass bauliche Strukturen wie Gebäude, Lifte, Toilettanlagen, Wege, etc. für ihre Mobilität geeignet sind. Ohne persönliche Betreuung oder entsprechende Infrastruktur bleiben ihnen viele Türen verschlossen. Eine ähnliche Situation liegt bei Menschen mit Sehschwäche oder kognitiven Einschränkungen vor. Bild und Schrift ist oft zu klein oder zu unverständlich um von diesen Menschen gelesen, betrachtet oder verstanden zu werden. Hilfsmittel, unter dem Begriff Assistierende Technologien 4 zusammengefasst, versuchen die Schwächen zumindest teilweise zu kompensieren. Ein weiteres Problem stellt die soziale Ausgrenzung dar. Die Mitmenschen reagieren oft mit Flucht, Meidung, Angst, Verspottung oder Mitleid auf behinderte Personen. Schmutzler [8] nimmt in seinem Buch aus- 4 Assistierende Technologien, Technologien, zuletzt besucht am 23.April

4 führlich dazu Stellung. Er beschreibt die Probleme der sozialen Ausgrenzung und gibt Anregungen, wie sich beide Seiten verhalten können um gegenseitige Akzeptanz zu schaffen. In ihrer Freizeit stoßen die KlientInnen immer wieder auf Hindernisse und Barrieren, welche ihnen die Freizeitgestaltung erschweren. Der Bedarf nach einem Informationspool, in welchem die KlientInnen passende Informationen darüber erhalten wie sie ihre Freizeit gestalten können, war gegeben. Im Jahre 2006 entstand die Idee, ein Web-Portal für genau diesen Bedarf zu gestalten [3]. 2.2 Freizeitportal Das Freizeitportal 5 wird von einer Studentengruppe des Jahrgangs 2004, Fachrichtung Engineering für computerbasiertes Lernen CBL der FH Hagenberg erstellt. Beweggründe für die Erstellung des Freizeitportals im VOWiki: bereits vorhandenes Wiki, welches den KlientInnen des Virtual Office bekannt ist keine neue Software sowie Änderung der Infrastruktur nötig für jeden zugänglich und editierbar Die Herausforderung besteht darin, dieses Portal an die Bedürfnisse der KlientInnen anzupassen. Es soll ihnen dabei helfen ihre Freizeit besser zu gestalten, Erfahrungen auszutauschen, Gleichgesinnte oder Freizeitpartner zu finden, schneller Informationen zum Thema Freizeit zu finden und die Motivation für Neues zu steigern. 3 Bedarfserhebung Das Projektteam entschied sich zur Erhebung des Bedarfs eine Befragung durchzuführen. Elf KlientInnen wurden mittels eines Fragebogens [4] befragt. Die Anzahl sowie die Auswahl der Befragten legte der Leiter des Virtual Office fest. Die Gründe hierfür waren: sprachliche Ausdrucksfähigkeit sowie der repräsentative Querschnitt durch die KlientInnen. Lueger und Froschauer sprechen davon, dass diese Methode hervorragend für die Analyse von Gruppen geeignet ist [6, 7]: 5 VOWiki - Freizeitportal, URL:http://www.vowiki.at/index.php?title=VOWiki:Portal, zuletzt besucht am 19.April

5 Die Ausführungen zum Qualitativen Interview konzentrieren sich in diesem Zusammenhang auf Gespräche als Forschungsmethode, weil diese nicht nur am häufigsten in der Praxis Verwendung finden, sondern auch zur Analyse sozialer Systeme hervorragend geeignet sind. Eine alternative Erhebungsmethode, wie zum Beispiel die Beobachtungsanalyse (ebenda), schied aus Zeitmangel aus. 3.1 Durchführung der Befragung Die Interviews wurden in zwei Etappen durchgeführt. Das erste informelle Gespräch gab einen Überblick über die derzeitigen Freizeitaktivitäten der Jugendlichen. Ein wichtiger Aspekt dabei war es, entsprechend sensibilisiert und einfühlsam vorzugehen. Dadurch öffneten sich die KlientInnen den Befragern und es wurden qualitativ gute Ergebnisse erzielt. Aus den Erkenntnissen und der Zusammenfassung [5] der ersten Befragung wurden wertvolle Informationen für die zweite Befragung gewonnen. Diese zielte bereits in Richtung Web-Portal und Wunschvorstellungen der KlientInnen ab. Laut dem Leiter des Virtual Office wissen die KlientInnen teilweise nicht, welche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung es gäbe. Manche von ihnen haben bisher nur wenig unternommen und können ihre Wünsche nicht artikulieren. Daher war es für die Befrager besonders wichtig, den KlientInnen Beispiele zu nennen. 3.2 Ergebnisse der Befragung Nach den beiden Interviews wurden die Ergebnisse zusammengefasst [4, 5] und bewertet. Die Aussagen wurden qualitativ und quantitativ ausgewertet. Interessen, Wünsche und Aktivitäten der KlientInnen konnten auf diese Weise festgestellt werden. Aus den Erkenntnissen der Befragung konnte das Projektteam die Kategorien für das Freizeitportal festlegen. Dabei versuchte das Projektteam, die Interessen und Wünsche zusammenzufassen und Überbegriffe für die verschiedenen Interessensgebiete zu finden. Um das System überschaubar zu halten und um die Benutzer nicht unnötig zu verwirren, sollten es nur wenige Kategorien sein. Gleichzeitig sollten die Kategorien alle nur denkbaren Freizeitbereiche aufnehmen können. Es entstanden sieben Kategorien, welche einerseits alle Ergebnisse der Befragung abdecken und andererseits so grob gefasst sind, dass neue Interessen und Freizeitbeschäftigungen auch diesen Kategorien zugeordnet werden können. Weitere Kategorien würden sich darüber hinaus jederzeit hinzufügen lassen. Die sieben Kategorien sind: Unterhaltung & Medien (Computerspiele, Gesellschaftsspiele, Fernsehen, Kino,...) 4

6 Natur (Tierpark, Haustiere, Gartenarbeit,...) Veranstaltung (Konzerte, Messen, Ausstellungen, Märkte, Theater, Oper, Zeltfest,...) Location (Standortbeschreibung für einen interessanten Platz, Ort, Geschäft, Gebäude,...) Reisen (Camping, Badeurlaub, Club, Städte, Behindertencamps, betreutes Reisen,...) Kunst & Kreativ (musizieren, malen, Gedichte schreiben,...) Sport (aktiv Sport betreiben, Behindertenolympiade,...) Die Befragung ergab auch ein allgemeines Interesse der KlientInnen an dem Portal. 4 Planung der Umsetzung Bei den Überlegungen zur Umsetzung wurden Vergleichsprojekte begutachtet. Das Projektteam fand ein ähnliches Projekt des IBFT 6. Bei diesem Projekt war jedoch die Eintragung von Freizeitangeboten mit entsprechendem administrativen Aufwand verbunden und den KlientInnen nicht zumutbar. Der Projektauftrag lautet jedoch ein Portal zu schaffen, in welchem die KlientInnen selbständig Artikel erstellen und suchen können. Die einzelnen Planungsschritte sind wie folgt festgelegt: Erstellen einer Themenübersichtsseite (Assistierende Technologien und Freizeit) Adaptierung der vorhandenen Einstiegsseite Erstellen der Portalseite Freizeit Anlegen der Kategorien sowie Erstellung der dazugehörenden Templates Recherche und Anlegen von Beispielartikeln Adaptierung der vorhandenen Hilfe Abhalten eines Einführungs-Workshops für die KlientInnen des Virtual Office 5 Reflektion und Ausblick Diese Sektion befasst sich mit der Reflektion der bisherigen Arbeit, interpretiert Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf weiterführende Ziele. 6 IBFT - URL:http://www.ibft.at/de/start 5

7 5.1 Interpretation der Ergebnisse Nach der Auswertung der Befragungen mit den KlientInnen und nach Gesprächen mit den Trainern, Beschäftigten und den KlientInnen des Virtual Office kommt der Autor zu dem Schluss, dass es einen konkreten Bedarf an Hilfsinstrumenten gibt, mit welchen Menschen mit Einschränkungen ihre Freizeit besser gestalten können. Die bestehenden Lösungen stoßen derzeit auf zu geringe positive Akzeptanz. Zu diesem Schluss kam der Autor durch Befragung der KlientInnen des Virtual Office. 5.2 Kritische Reflektion Eine Kooperation mit bestehenden Lösungen, konnte aus Zeitgründen und aus dem Auftrag heraus ein eigenes Portal zu schaffen, nicht berücksichtigt werden. In Zukunft wären folgende Projekte einer Prüfung zwecks Kooperation zu unterziehen: IBFT Infoplattform Barrierefreier Tourismus in Österreich URL, REHAkids Das Forum für besondere Kinder URL, AGR Aktion Gemeinsam Reisen URL, Freizeit-PSO Winter- & Abenteuersport für Menschen mit Behinderung URL, Motary Die Infoplattform für Menschen mit Bewegungseinschränkungen URL, ONLINE Behinderten Menschen Helfen URL, NatKo Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle e.v., Deutschland URL, MIS Mobility International Schweiz URL, 5.3 Konsequenzen der Arbeit Die Umsetzung des Portals Freizeit für das Virtual Office ist als eine Maßnahme zu sehen, welche den KlientInnen dabei helfen soll, ihre Freizeit effektiver zu planen. Als positiver Zusatznutzen soll das Gemeinschaftswesen, der Kontakt zu Gleichgesinnten und die positive Stimulanz, einen eigenen Artikel verfasst zu haben, gefördert werden. 6

8 5.4 Ausblick auf mögliche weiterführende Arbeiten Nach der Einführungsphase im Juni 2007 soll im Herbst 2007 eine Evaluation des Portals durchgeführt werden. Notwendige Adaptierungen und Anpassungen sollen einer regionalen Bekanntmachung vorausgehen. Die Plattform soll letztendlich öffentlich zugänglich sein und als Standard von Menschen mit Einschränkungen im österreichischen Raum benutzt werden. 7

9 Literatur [1] Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch. Nr Auflage. de Gruyter, [2] Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz BGStG. Bundesgesetzblatt 82, Österreichischer Nationalrat, August [3] Buchhas, M.: VOWiki - Die Portal Idee. URL, index.php?title=vowiki Diskussion:Portal, November zuletzt besucht am 24.April [4] Kreutzer, S., J. Mair, D. Pühringer und B. Füchsl: Befragung V2. Internes Dokument, April [5] Kreutzer, S., D. Nösterer, J. Mair, D. Pühringer und B. Füchsl: Befragung V1 - Zusammenfassung. Internes Dokument, April [6] Lueger, M.: Grundlagen qualitativer Feldforschung. Methodologie Organisierung Materialanalyse. Wiener Universitätsverlag, UTB Stuttgart, [7] Lueger, M. und U. Froschauer: Das qualitative Interview zur Analyse sozialer Systeme. Wiener Universitätsverlag, [8] Schmutzler, H. J.: Handbuch Heilpädagogisches Grundwissen. Einführung in die Früherziehung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder. Herder, [9] Tauber, M. (Hrsg.): Curriculum. FAB GW Virtual Office, Juni Internes Dokument. 8

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