Streifzug. Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus: Frühling am Wasser: Zweiteilige Emmenwanderung mit der BLS

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1 Kundenmagazin der BLS Frühling 2011 Streifzug Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus: «Wandern hat etwas Therapeutisches.» ab Seite 8 Frühling am Wasser: Zweiteilige Emmenwanderung mit der BLS ab Seite 20 Neuer Doppelstöcker: So wird der Zug aussehen ab Seite 34

2 Angebot gültig bis Beim GA-Kauf 1 Gratiseintritt ins Verkehrshaus der Schweiz. Beim Kauf Ihres Generalabonnements schenken wir Ihnen einen Einzeleintritt. bls.reisezentren

3 EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser Gehen laufen rennen: eigentlich ist das Zu-Fuss- Gehen seit je her nur Mittel zum Zweck, um von A nach B zu gelangen. Doch seit grössere Distanzen auf Rädern schneller überwunden werden, hat die natürliche Art der Fortbewegung eine neue Dimension und Aufgabe erhalten und sich als «Wandern» verschiedenster Art zu einem Volkssport entwickelt. Wandern ist in, Walking ist überall hör- und sichtbar, Jogging gehört weitherum zum Stadt-, Land- und Fitnessbild. Und damit haben Start und Ziel nicht mehr Priorität der Weg bekommt einen immer höheren Stellenwert. Das Erlebnis, die Herausforderung und der Genuss landschaftlich, kulturell und kulinarisch bestimmen nicht nur Anfangsund Endpunkt, sondern auch den Weg dazwischen. Dieser Entwicklung trägt Schweiz Tourismus Rechnung, wie es Direktor Jürg Schmid in seinem Titelinterview darlegt. Und wir von der BLS leisten gerne unseren Beitrag dazu: Wir erschliessen sowohl die grossen Wandergebiete im Alpenraum, (ver-) führen Sie aber auch gerne mit dieser Ausgabe des «Streifzug» auf die Wanderwege im Emmental und Entlebuch, die dank der BLS und den regionalen Bus- und Postautolinien bestens erschlossen sind. Das Wandern wird auch in den weiteren Ausgaben 2011 im Mittelpunkt stehen. Viel Bewegung, wenn auch mit Rädern, versprechen die SlowUps. An diesen Tagen ist beispielsweise am Murtensee die Fortbewegung aus eigener Kraft Trumpf und der Weg wird erst recht zum Ziel. Entspannter geht s an Bord der Schiffe auf dem Thuner- und Brienzersee zu und her. Der Bericht über das MS Berner Oberland im Trockendock zeigt den permanent grossen Aufwand, den es braucht, um eine Schifffahrt zum unbeschwerten, komfortablen Erlebnis zu machen. Und schliesslich hat auch der Doppelstöcker noch einen langen Weg vor sich, bis er im 2012 erstmals im Raum Bern zu sehen ist. Auf welche Art Sie sich auch immer fortbewegen: Wir bringen Sie zum Start, damit Ihr Weg zum erlebnisreichen Ziel wird. Aber wir bringen Sie anschliessend auch wieder sicher nach Hause. Auf Ihren (Wander-)Wegen wünsche ich Ihnen erlebnisreiche Stunden und Begegnungen. Herzliche Grüsse Bernard Guillelmon CEO BLS AG PS. Herzlichen Dank für die zahlreichen Antworten auf unsere Leserumfrage. Eine Auswahl, wie der «Streifzug» beurteilt wird, ist auf den Seiten 32/33 nachzulesen. 3

4 Weggis Vitznau Rigi die Wellness- und Wohlfühlregion Schon Berühmtheiten wie Queen Victoria, Goethe oder Mark Twain zeigten sich von der Ferienregion Weggis Vitznau Rigi begeistert. Heute ist die Wellness- und Wohlfühlregion am Vierwaldstättersee der ideale Ausgangspunkt für faszinierende Wanderungen und Ausflüge auf dem See oder auf den bekannten Ausflugsberg Rigi. Natürliche Wohlfühlfaktoren wie frische Bergluft und Natur pur garantieren erholsame Tage. Lassen Sie sich vom südländisch anmutenden Klima der Luzerner Riviera, wo Palmen und Orchideen gedeihen, und den fünf führenden Wellnesshotels in Ferienstimmung bringen! Entdecken Sie die Essenz der Schweiz Logieren Sie direkt am See in Weggis oder Vitznau oder mit wunderschöner Panoramasicht auf der Rigi und geniessen Sie mit dem Tell-Pass freie Fahrt mit den Bergbahnen, dem Schiff und der Bahn. ab CHF 310 ab CHF Übernachtungen im Hotel inkl. Frühstück und 2-Tages Tell-Pass 4 Übernachtungen im Hotel inkl. Frühstück und 5-Tages Tell-Pass Naturerlebnis Rigi Entdecken Sie das Erlebnis- und Erholungs-Paradies Rigi: Rigi-Bahn-Dampffahrten, Pferdekutschenfahrten, botanische Exkursionen, 120 km Wander- und Spazierwege, gedeckte Grillplätze, Rigi Schwing- und Älplerfest, Jazz-Weekend und zahlreiche Festanlässe. ab CHF 169 ab CHF Übernachtungen im Hotel in Weggis oder Vitznau inkl. Frühstück und 1-Tages Rigi Bahnpass 2 Übernachtungen im Hotel auf der Rigi inkl. Frühstück und 3-Tages Rigi Bahnpass Wellness am Fusse der Rigi Geniessen Sie Erholung für Geist und Körper in einer einzigartigen Naturlandschaft. Kulinarische Köstlichkeiten und unzählige Möglichkeiten von gemütlichen Spaziergängen bis zu sportlichen Herausforderungen runden das Angebot ab. ab CHF 385 Im Preis inbegriffen: 2 Übernachtungen mit Frühstück im Wellnesshotel, Willkommensdrink, Benutzung der Wellnessanlage im Hotel, 1 Ganzkörpermassage, Tageskarte für die Rigi Bahnen, Kutschenfahrt auf Rigi-Kaltbad Weitere Informationen und Buchungen: Luzern Tourismus Tourist Information Weggis Seestrasse 5 CH-6353 Weggis Tel. +41 (0) Fax +41 (0)

5 Gastrotipp, Restaurant Schwellenmätteli Seite 25 INHALTSVERZEICHNIS Jürg Schmid im Interview Seite 8 Stefanie Heinzmann, Sängerin Seite 42 INHALTS- VERZEICHNIS 3 Editorial Leserumfrage Seite 32/33 5 Inhaltsverzeichnis/Impressum 6 Blickfang: Historischer Händedruck im Lötschbergtunnel 8 Interview: Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus 12 Pinboard 14 Thema: MS Berner Oberland im Trockendock 20 Reportage: Zweiteilige Emmenwanderung zum Frühlingsbeginn 25 Gastrotipp: Restaurant Schwellenmätteli in Bern 29 BLS-Tipp 1: Frühlingsaktion Thunersee «3 aus 4» 31 BLS-Tipp 2: SlowUp Murtensee 32 Leserumfrage Streifzug: die Resultate 34 Fokus: Angenehmer pendeln im neuen Doppelstöcker 36 Kiosk 39 Pendlerporträt: Pia Süess-Kronenberg, aufmerksame Zugfahrerin 41 Agenda 42 Porträt: Stefanie Heinzmann mit der BLS auf Weltreise 44 BLS-Shop 45 Suchbild: Wo ist das BLS-Logo versteckt? 47 Endstation: Kolumne Roland Jeanneret 48 Streifzug So kommen Sie zu Ihrem Gratisabo 49 BLS-Streckennetz IMPRESSUM Herausgeberin: BLS AG, Personenverkehr Marketing, Damian Pfister, Christian Schneider, Markus Hügli, Genfergasse 11, CH-3001 Bern, Redaktion: textatelier.ch, Biel: Thorsten Kaletsch, Peter Bader, Erich Goetschi, Maria Hofmann, This Rutishauser, Mike Sommer. Mitarbeiter/-innen dieser Ausgabe: Thomas Andenmatten, Bea Artico, Manu Friedrich, Rob Lewis, Peter Mosimann, Roland Jeanneret, Regula Tanner. Grafik/Layout: Republica AG, 360 Kommunikation, Bern. Koordination, Anzeigenakquisition und Druck: AST & FISCHER AG, CH-3084 Wabern, Daniel Linder, Daniel Haid (Anzeigen). Printed in Switzerland. 5 Titelbild: Jürg Schmid in seinem Büro in Zürich. Foto: Rob Lewis

6 BLICKFANG Historischer Händedruck Der Durchschlag des 14,6 km langen Lötschberg-Scheiteltunnels am 30. März 1911 war ein bedeutsamer Schritt für die BLS: Er legte die Basis für die Lötschbergbahn, die noch heute regionale, nationale und internationale Verbindungsaufgaben wahrnimmt. Im Jahr 2013 wird die BLS AG 100 Jahre Lötschberg-Bergstrecke feiern. Händeschütteln der beteiligten Ingenieure nach dem Durchschlag des Lötschberg-Scheiteltunnels vor 100 Jahren: Von links Unternehmer Viriot und Prud'homme, Oberingenieur Süd Moreau, Oberingenieur Nord Rothpletz und Generaldirektor EGL (Entreprise général du Lötschberg) Zürcher. Foto: BLS-Archiv

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8 INTERVIEW «Das Gute liegt oft so nah.» Jürg Schmid Jürg Schmid Interview Direktor Schweiz Tourismus Text: Thorsten Kaletsch Fotos: Rob Lewis Jürg Schmid «Meine Begeisterung für die Bahn ist grenzenlos» 8 Jürg Schmid schätzt die therapeutische Wirkung des Wanderns, die Bahn und die Schönheiten unseres Landes. Im Interview verrät der Direktor von Schweiz Tourismus, wohin man wichtige Gespräche vorzugsweise verlegt, wie er seine Kinder für Ausflüge begeistert und welche Herausforderungen auf das Ferienland Schweiz zukommen.

9 Streifzug: Herr Schmid, wann haben Sie Ihre letzte Bahnreise gemacht? Jürg Schmid: Das war letzten Freitag, als ich geschäftlich von Zürich nach Bern reiste. Der letzte touristische Ausflug führte mich von Chur durch den Albulatunnel ins Engadin. Fahren Sie oft Zug? Ja, sehr oft. Ich habe ein GA. Welches ist Ihre Lieblingsstrecke? Ich finde, dass die spektakulären Panoramafahrten mit dem GoldenPass Panoramic und dem Glacier Express etwas Einzigartiges sind. Welche Bedeutung hat der öffentliche Verkehr für den Tourismus in der Schweiz? Eine riesige! Der öv ist ein touristischer Differenzierungsfaktor. Bei jeder Medienreise, die wir organisieren und wir führen jährlich 1800 Journalistengruppen durch die Schweiz ist der öv ein wichtiger Bestandteil. Was für uns in der Schweiz selbstverständlich ist, müssen wir im Ausland aber immer erklären: Dass der öffentliche Verkehr angenehm, bequem und ein Erlebnis ist. Oft glaubt man uns nicht, weil die Bahn- und öv-systeme im Ausland so schlecht sind. Wenn man einem Engländer sagt, er solle vom Flughafen mit dem Zug weiterfahren, wird er zuerst reflexartig einen Mietwagen vorziehen. Weil er unser öv-system nicht kennt? Genau weil er von dem ausgeht, was er aus seinem Land kennt. Der öffentliche Verkehr erfüllt zudem die Anforderungen des Megatrends Nachhaltigkeit. Das Bedürfnis, nachhaltig zu reisen, nimmt gewaltig zu. Und in der Schweiz sind wir dank unserem öv hervorragend positioniert. Was bei uns so fantastisch ist: Man kann den Zug nehmen, anschliessend mit dem Schiff den See überqueren und mit der Bergbahn auf den Gipfel fahren und das alles mit einem integrierten Fahrplan! Vom Flughafen mit einem Ticket auf die Bergspitze das gibts sonst nirgendwo. Der Swiss Pass, den wir im Ausland anbieten, ist eine tolle Sache: Es ist ein Ferien-GA, in das auch Museumseintritte integriert sind. Sie haben auch persönliche Erfahrungen in einem Bahnunternehmen gemacht: Als Leiter Personenverkehr der SBB haben Sie 2010 noch innerhalb der Probezeit gekündigt. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück? Mit vielen positiven Erinnerungen und einer nach wie vor grenzenlosen Begeisterung für das Produkt Bahn. Ich kann in meiner jetzigen Funktion sehr viel für die Bahn tun und ich mache das mit Überzeugung. Welches sind Ihre Assoziationen zum Stichwort BLS? Die BLS ist ein hervorragend gemanagtes Unternehmen, das die Gäste durch einige der schönsten Landschaften der Schweiz führt und auch durch die strategisch so wichtigen Lötschbergtunnels. Haben Sie selber einen Ausflug in der BLS- Region speziell in Erinnerung? Abgesehen von der S-Bahn Bern war das letzte Produkt der BLS, das ich nutzte, ein Kombiangebot: eine Schifffahrt von Interlaken Ost aus über den Brienzersee zu den Giessbachfällen, eine Fahrt mit der Giessbachbahn und ein Mittagessen im Grandhotel Giessbach. Der See und dann dieses Hotel das war wunderschön, fast schon kitschig. Die BLS bietet viele solcher Tagesausflüge an. Welche Bedeutung haben diese innerhalb des gesamten Tourismus der Schweiz? Die immer bessere Erschliessung der touristischen Ziele führt dazu, dass die Tagesausflüge zunehmen derzeit ist der Tagestourismus ein 8-Milliarden-Franken-Geschäft. Die Bahn hat in diesem Segment einen grossen Anteil, den sie meines Erachtens noch steigern muss. Per se ist der Tagestourismus für die Umwelt die unverträglichste Reiseform. Da ist es ganz wichtig, dass die Bahn die Ausflügler mit attraktiven Angeboten auf die Schiene holt. Mit vielen Packages und Tagesangeboten machen die Bahnen schon jetzt einen sehr guten Job. Von Ihnen weiss man, dass Sie schon von Kindsbeinen an immer Wanderungen unternommen haben und jetzt auch mit Ihren eigenen Kindern regelmässig Ausflüge unternehmen. Gibts da nicht Widerspruch von der Jungmannschaft? Meine Kinder sind 11, 14 und 15 Jahre alt. Da braucht es schon gute Anreize, damit es auf den Wanderungen kein Gejammer gibt. Es ist das Alter, in dem man den Wert der Natur und die Kraft, die sie einem gibt, noch nicht so erkennen kann. Allein mit Zureden kann man das nicht vermitteln. Es braucht Anreize schöne Erlebnisse auf dem Weg oder einen kompetitiven Ansatz. Sonst macht man auch sich selber keinen Gefallen. Sie selber schwören ja auf das Meditative beim Wandern. Sie sagten einmal, die Menschen sollten viel mehr wandern und so zu einander und zu sich selber finden. Es ist eine Tatsache, dass sich der Körper bei einer sanften Aktivität wie dem Wandern entkrampft und die Gespräche dadurch weniger positionsverankert sind. Auf einem «Mister Schweiz Tourismus» Der Betriebsökonom Jürg Schmid (49) ist seit elf Jahren Direktor von Schweiz Tourismus mit einem kurzen Abstecher als Leiter Personenverkehr zur SBB. Er ist verantwortlich für den nationalen und internationalen Auftritt der Schweiz als Ferien-, Reise- und Kongressland. In seiner Funktion arbeitet er eng mit den Schweizer Bahnunternehmen zusammen. Schmid ist verheiratet und hat drei Kinder im Teenageralter. 9

10 eidgenössisches jodlerfest interlaken 2011 «zyt für gmüetlechkeit» Sind Sie dabei wenn JodlerInnen, Fahnenschwinger und AlphornbläserInnen sowie Besucher Interlaken in ein Jodlermekka verwandeln. das festprogramm im überblick donnerstag, 16. juni 2011 Ab Uhr: Nationaler Final für Nachwuchsjodler und Jungmusikanten im Kongresszentrum Interlaken freitag, 17. juni 2011 Ab Uhr: Festbetrieb im Jodlerdörfli mit Freinacht Nachmittags und abends: Wettvorträge samstag, 18. juni 2011 Ab 6.00 Uhr: Festbetrieb im Jodlerdörfli mit Freinacht Ganzer Tag: Wettvorträge Uhr: SF Live-Sendung «Hopp de Bäse!» sonntag, 19. juni 2011 Ab 6.00 Uhr: Festbetrieb im Jodlerdörfli Ab 9.30 Uhr: Offizieller Festakt mit Fahnenübergabe Ab Uhr: Grosser Festumzug durch das Zentrum reservation unterkunft ihr ticket zum jodlerfest! Mit dem Festabzeichen Besucher erhalten Sie für CHF 30. während dem ganzen Fest freien Eintritt für: Festgelände, Vortragslokale, Festakt und Festumzug. Zudem fahren Sie kostenlos mit dem lokalen öv und dem Nachtshuttle in die umliegenden Ortschaften. profitieren sie jetzt vom vorverkauf Erhalten Sie das Festabzeichen Besucher mit CHF 5. Rabatt exklusiv bei den Vorverkaufsstellen von: fest-information Eidgenössisches Jodlerfest 2011 Interlaken Postfach, 3800 Interlaken, Tel. +41 (0)

11 Auch der Trend der Sinnsuche trägt zur Attraktivität des Wanderns bei. Ja, die Wiederentdeckung der Werte führt dazu, dass man bemerkt, dass das Gute oft so nah liegt. Es gibt Menschen, die reisen ans Ende der Welt auf die Fidschi-Inseln und hoffen, dort Antworten auf ihre Lebensfragen zu finden. Sie kommen dann frustriert zurück, weil sie zwar eine schöne Insel gefunden, ihre Probleme aber wieder mit nach Hause genommen haben. Und auf einmal entdecken sie, dass es im eigenen Land auf Wanderungen gewaltige Sachen zu entdecken gibt und dass darin sehr viel Sinn und Inspiration liegt. «Sogar Prada produziert heute Wanderschuhe.» Jürg Schmid über die Beliebtheit des Wanderns. Spaziergang oder einer Wanderung führt man das bessere Gespräch, als wenn man sich am Tisch in Kampf- und Verteidigungsbereitschaft befindet und beim Gegenüber mit höchster Konzentration den nächsten Einwand zu entkräften versucht. Die sanfte Vorwärtsbewegung beim Wandern hat wirklich etwas Therapeutisches und Meditatives. Allen, die ein wichtiges Gespräch führen müssen, empfehle ich, dies an einem schönen Ort zu tun, an dem einem die Natur automatisch in eine relativierende Position bringt. Wenn man ein wunderbares Panorama vor Augen hat, fühlt man sich selber plötzlich nicht mehr so wichtig und so zentral. Wandern, der Volkssport Nummer 1 in der Schweiz, hatte ja früher eher ein verstaubtes Image. Wieso ist es jetzt plötzlich wieder trendy, genau wie das Jassen? Das hat unterschiedliche Gründe. Jassen ist wieder «in», weil Authentizität der grosse Gegentrend zur Globalisierung ist. Globalisierung schafft immer mehr vom genau Gleichen. Die Einkaufsstrassen dieser Welt gleichen sich immer mehr. Brauchtum und Tradition gewinnen vor diesem Hintergrund gewaltig an Bedeutung, man sucht wieder Halt und Echtheit. Die Attraktivität des Wanderns und von Aktivferien spielt in den Megatrend Gesundheit/ Wellness/Nachhaltigkeit hinein. Viele Menschen wollen in den Ferien nicht nur passiv an einem Ort verweilen, sondern aktiv etwas unternehmen und sich selber etwas Gutes tun. Man achtet auf gesunde Ernährung und genügend Bewegung. Das Wandern ist die perfekte Antwort auf diese Bedürfnisse man kann sich in der Natur bewegen und dabei etwas entdecken und erleben. Die Bekleidungsindustrie hat mit modischer und alltagstauglicher Functional Sportswear dazu beigetragen, dass Wandern vom Rotsocken-Image weggekommen ist. Sogar Prada produziert heute Wanderschuhe. Und mit dem Genusswandern wird auch die Kombination Bewegung und Gastronomie immer attraktiver. Der Tourismus ist im Zuge der Globalisierung vielen Veränderungen unterworfen. Die Herkunftsländer der Touristen ändern immer wieder. Statt aus den USA und Japan kommen jetzt viele Feriengäste aus China, Indien, Brasilien und Polen in die Schweiz. Es können immer mehr Menschen aus ferneren Ländern anreisen. Und der Antrieb, das Andere, das Exotische, zu entdecken, war seit jeher stark. Diesen Trend der Exotik gibt es noch immer. Aus diesem Grund wollen ja die Schweizer auch einmal in die Südsee. Umgekehrt spielt das auch: Für einen Brasilianer, der sein Land kennt, ist die Schweiz mit ihrer Bergwelt, ihren grünen, saftigen Wiesen und den überschaubaren Städten der absolute Kontrapunkt. Deshalb haben wir ja auch in China und Indien als Reiseland einen so hohen Beliebtheitsgrad. Die Touristen aus Japan und den USA sind noch immer wichtig für die Schweiz, aber innerhalb Asiens haben sich die Reiseströme total verschoben. Von Tokio aus gibt es täglich 100 Direktflüge nach China der Fokus der Japaner richtet sich nicht mehr primär nach Europa. Dafür öffnet sich China und da spielt das Gesetz der Zahl. Sie warnen seit Längerem von einer Fokussierung auf den Winter und setzen sich für eine Stärkung des Sommergeschäfts ein. Warum? Die Klimaerwärmung führt dazu, dass der Sommer zur Chance und der Winter zur Bedrohungsseite für den Schweizer Tourismus wird. Die Sommermonate in der Schweiz werden wärmer und trockener und genau das suchen ja die Sommergäste. Künftig wird die Temperatur am Mittelmeer in den Hauptreisemonaten Juli und August permanent um die 40 Grad betragen. Viele Menschen mögen das, viele andere reisen aber unter diesen Umständen lieber im Frühling und Herbst ans Mittelmeer. Stattdessen reisen sie im Sommer in die Höhe, wo es etwas frischer, aber immer noch warm ist. Hier kann die Schweiz eine Alternative bieten. Aber die müssen wir zuerst entwickeln das ist eine unserer grossen Herausforderungen. Fragen Sie Jürg Schmid Möchten Sie etwas wissen von Jürg Schmid? Auf der BLS-Website gibt es jetzt die Möglichkeit dazu. Formulieren Sie Ihre Frage eine Auswahl davon beantwortet der Direktor von Schweiz Tourismus auf der Website. 11

12 Bahnhof Utzenstorf im Umbruch Seit Anfang Jahr ist der Bahnhof von Utzenstorf Baustelle. Für die Anwohner und die Bahnkunden bringt das zeitweilig einige Unannehmlichkeiten mit sich. Dafür erhält die Bevölkerung einen Bahnhof, der kaum noch Wünsche offen lässt. So werden alle Kundenbereiche künftig behindertengerecht gestaltet sein stufenloses Einsteigen inklusive. Die beiden Aussenperrons werden mit einer Personenunterführung erschlossen. Geplant ist auch die Erneuerung der Perrondächer, die Verlängerung der Perrons und der Angebotsausbau für Park & Ride sowie Bike & Ride. Und schliesslich gehören auch eine neue, ferngesteuerte Stellwerkanlage, die Sanierung der Gleis- und Fahrleitungsanlagen und die Erneuerung von zwei Bahnübergängen zum 18,5 Millionen Franken teuren Projekt. Mehr Komfort und Sicherheit für die Benützer und eine verbesserte Fahrplanstabilität sind die Ziele dieser Gesamterneuerung, die im Herbst 2012 abgeschlossen sein wird. 12 S-Bahn Luzern West auf Kurs Die Übernahme der S-Bahn Luzern West durch die BLS am 12. Dezember 2010 brachte für die Kundinnen und Kunden zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen. Mehrheitlich positive Reaktionen gab es für die Gelenktriebwagen GTW, die auf den Linien S6 und S7 eingesetzt werden. Klimatisierung, Vakuum-Toiletten, Videoüberwachung, optische und akustische Fahrgastinformation sowie die breiten Niederflureinstiege gehören nun zum Standardkomfort. Bewährt hat sich das Flügelzugkonzept auf der S6. Dabei fahren die Züge ab Luzern nach Wolhusen, wo sie getrennt werden. Der vordere Teil fährt weiter nach Langnau, der hintere nach Langenthal. Wer in den richtigen Zugteil einsteigt, erspart sich das Umsteigen (Zuganschriften beachten!). Ins: Alle Destinationen unter einem Dach In Ins finden Einheimische und Gäste nun alle Informationen rund ums Reisen in die Ferne und um die Highlights der Region neu an einer einzigen Adresse. Das Tourismusbüro der Gemeinde ist nämlich ins BLS-Reisezentrum am Bahnhof gezogen. Dass Ins immer wieder ein lohnendes Ausflugsziel ist, liegt unter anderem am Maler Albert Anker, dessen Geburtshaus mit Atelier fast unverändert erhalten geblieben ist und besichtigt werden kann.

13 eite 16 eite 27 Der öv als Zankapfel der Politik eite 19 Der öffentliche Verkehr war in der Schweiz schon immer Anlass für emotionale Debatten. Davon zeugt eine Ausstellung des Verbandes öffentlicher Verkehr mit Plakaten zu 24 Abstimmungen, bei denen sich die Bevölkerung zum öv äussern konnte von der Gründung der SBB bis zu den aktuellen Finanzierungsfragen. Die Ausstellung im Geschäftssitz am Dählhölzliweg 12 in Bern ist bis Ende April während der Bürozeiten zugänglich.www.voev.ch Zwei Neue in der BLS-Geschäftsleitung Die Geschäftsleitung der BLS AG hat zwei neue Mitglieder. Am 1. Februar hat Peter Fankhauser die Leitung des neu geschaffenen Geschäftsbereichs Bahnproduktion übernommen. Neuer Leiter Personenverkehr ist Andreas Willich. Der bisherige stellvertretende Leiter Fernverkehr bei der SBB stösst per 1. Mai zur BLS. Neues zum Lötschberger Im April 2011 wird die überarbeitete Website des Lötschberger aufgeschaltet, auf der neu auch Kurzfilme der schönsten Ausflugsziele hinterlegt sind. Zudem wird die bestehende Fahrzeugflotte bis Ende 2011 mit Längsgepäckträgern ausgerüstet. Stadttangente Bern Anfang März sind die Arbeiten zur Gesamterneuerung der Autobahn-Stadttangente Bern wieder aufgenommen worden. Diese können bis zum Herbst 2011 wiederum Rückstaus auf dem Felsenauviadukt verursachen. Die Alternative: auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Billettverkauf in der Poststelle Wiler Wegen sinkender Nachfrage in der bedienten Verkaufsstelle Goppenstein passt die BLS den Billettverkauf im Lötschental an. Dieser wird in die Poststelle von Wiler ausgelagert, die schon heute öv-fahrscheine anbietet. Im Gegenzug hat die BLS ihr Reisezentrum im Bahnhof Goppenstein per Ende Februar geschlossen. Der Kassenverkauf des Autoverlads erfolgt auch in Zukunft mit persönlicher Bedienung. LESERFRAGE Ich pendle täglich und finde oft keinen Sitzplatz, obwohl ich ein Libero-Abo besitze. Kann ich mich in die 1. Klasse setzen? Antwort: Nein, Reisende der 2. Klasse haben keine Berechtigung, in der 1. Klasse Platz zu nehmen. Wenn Sie von Zeit zu Zeit in der 1. Klasse reisen möchten, empfehlen wir den Kauf eines Multiklassenwechsels (6 Klassenwechsel für die gewünschte Strecke), der vor Antritt der Fahrt entwertet wird. Ein Klassenwechsel im Zug selber ist in den InterCity-, EuroCity-, InterRegio- und einigen Regio Express-Zügen möglich. Übrigens: Mit der Beschaffung von 28 neuen Doppelstock-Zügen wird das Platzangebot in der S-Bahn ab 2013 schrittweise vergrössert (vgl. Artikel S. 34). Begeistert oder enttäuscht von der BLS? Der BLS ist es wichtig, ihren Fahrgästen ein angenehmes und problemloses Reisen zu ermöglichen. Jede Art von Feedback ist also wichtig: Egal, ob es sich um Anregungen, Kritik oder Lob handelt. Kontaktadresse: BLS AG, Personenverkehr, Kundenecho, Genfergasse 11, 3001 Bern, Tel (Montag bis Freitag, 8.00 bis Uhr). 13

14 THEMA Facelifting im Trockendock 14 Die Thunerseeschiffer kennen keinen Winterschlaf. Im Winter tauschen sie Uniform gegen Übergewand und halten mit Pinsel, Fräse und Motorenöl die Flotte in Stand. Denn für die Sommersaison wollen sie alle wieder mit frisch gebügelten Uniformen auf Deck stehen auf einem der Schiffe der «weissen Flotte» auf dem Thunersee.

15 Winterschlaf in der Werfthalle weit und breit keine Spur, auch wenn draussen der See spiegelglatt liegt und die einzigen Wellen von landenden Schwänen geworfen werden. Einzig der Regenmantel für den Kapitän hängt verlassen im Schrank oben auf der Brücke, die Kaffeemaschine daneben ist ausser Betrieb und kalt. Sie haben ihre Seefahreruniformen gegen Malerkittel und Überkleider getauscht. Denn im Winter sind die Kapitäne, Schiffsführer, Kassierer und Matrosen Handwerker und halten die Schiffe der Thunerseeflotte in Stand. Mehrheitlich sind es Männer, die den Schiffsfahrplan mit Wochenend- und Abendfahrten gegen einen geregelten Arbeitsplan tauschen. Vorbei sind die unregelmässigen Arbeitszeiten, während denen die Ausflügler den See geniessen wollen und die Seeleute das Schiff steuern und Festmacherleinen werfen. Pausenkaffee und Arbeitsende sind genau geplant und jeden Tag gleich. Im Winter gibt es das belebende Heissgetränk immer um punkt 15 Uhr, im Sommer reicht es vielleicht auf der langen Fahrt durch den Kanal vor Interlaken West für einen Kaffee. Die «Berner Oberland» im Trockendock Thema Schifffahrt Berner Oberland Text: This Rutishauser Fotos: Rob Lewis Das Klopfen klingt nach Schwerarbeit. Der Gummihammer schlägt gegen den massiven Schiffsrumpf, und das Echo hallt durch die Werfthalle im Thuner Lachenquartier. Ab und zu klirrt auch Metall auf Metall. Auf dem Vorderdeck jault eine Handfräse und beisst sich mit Gedröhne durch die Holzplanken. Aus allen Radiogeräten schallt dazu die Nachmittagsunterhaltung. Der Geruch von Motorenöl, Sägemehl und Lackfarben liegt in der Luft. Und ohne kalte Nasenspitze hätte man glatt vergessen, dass kürzlich erst das Jahr 2011 angefangen hat. Von Millimeterarbeit mit Leinen und Richtgabel Doch in den Wintermonaten gibt es «keine Pause» auf dem See. Denn Mitte Dezember haben die Seeleute das MS «Berner Oberland» Millimeter genau auf den Slipwagen verholt. Massarbeit liefern die Seeleute nicht nur auf dem See, sondern auch beim Stapelgang für die Fahrt in die Werfthalle. Das gesamte Mobiliar und der unnötige Ballast auf Deck wurden vor dem Stapelgang bereits vom Schiff geräumt und alle Treibstoff- und Wassertanks sorgfältig bis auf den letzten Tropfen geleert. Nun ist die «Berner Oberland» so leicht wie möglich. Trotzdem brauchte es viel rohe Manneskraft, um das 420 Tonnen schwere Motorschiff mit Leinen und Trossen genau an der Stelle über dem Slipwagen zu platzieren, den die Schreiner zuvor mit den passenden Holzstücken ausgerüstet hatten. Eine kleinste Neigung, nur ein wenig zu weit vorne und das grösste Schiff der Thunerseeflotte hätte die Holzbalken der Hallendecke berührt. Mit den Richtgabeln schoben die Werftarbeiter das Schiff noch genauer in die korrekte Position. An der gewünschten Stelle zurrten sie das 57 Meter lange Schiff fest. Nach dem mehrstündigen Stapelvorgang in die trockene Halle blieben am Schluss noch zwei Faust breit Raum zwischen Schiff und Dach. «Einen halben Tag haben wir benötigt, um die Berner Oberland präzise justiert ins Trockendock zu ziehen», sagt Werftleiter Stefan Wiedmer. Jetzt steht die «Berner Oberland» bis Mitte März in der Halle und macht dann dem Dampfschiff «Blümlisalp» Platz, damit dieses bis zur ersten Fahrt im Mai auch wieder mit den reparierten, justierten Schaufelrädern ausgerüstet werden kann. In der Werfthalle der «Blümlisalp» Beide Schiffe müssen Kamin und Topmast vor der Halle stehen lassen. Denn sonst wären sie zu gross für die alte Halle. Am Kopfende der Halle steht in einem Nebenraum die Originalseilwinde, die 1905 das neu gebaute Dampf- 15

16 Ablegen. Aufleben. Herzhaft brunchen. Jeden Sonntag vom 24. April bis 16. Oktober Am 22. April, 2. Juni, 13. Juni und 1. August 2011 Jodlerbrunch. Telefon +41 (0) oder

17 «Der schnellste Maler vom Thunersee»: Im Sommer steht Emilio Negro wieder am Steuer des MS «Berner Oberland». Kapitän Beat Krähenbühl und Daniela Hotz: Im Winter hantieren sie mit Pinsel und Farbe. schiff «Blümlisalp» zu Wasser gelassen hat. Es riecht nach Motorenöl im ungeheizten Raum, und die Drahtseile sind präzis gespannt, damit auch das moderne Motorschiff hundert Jahre nach der «Blümlisalp» nur geplant in den See zurückgleitet. «Die Steuerung der Winde und die Mechanik sind original», erklärt Stefan Wiedmer. Die Jahre der Halle sind wohl aber bald gezählt, denn Heizkosten und das alternde Gemäuer böten nicht mehr einen zeitgemässen Arbeitsplatz. Die Projektplanung ist im Gang. Ob damit auch andere traditionelle, fast historische Utensilien aus der Halle verschwinden ist ungewiss. Der Pechofen zum Kochen der Dichtungsmasse zwischen den Holzplanken ist staubiger als heiss, und die alten Handwagen mit Holzspeichenrädern dienen zum Ablegen vom Mast mit dem grünen Ball, das Zeichen der Kursschifffahrt, die vor allen anderen Fahrzeugen den Vortritt hat. Kein «flächendeckendes Überpinseln» Zum zweiten Mal steht das 14-jährige Motorschiff mit dem modernen Decksaufbau wieder in der Halle. Bereits im Winter 2006 musste die «Berner Oberland» wegen einem Propellerschaden erstmals aus dem Wasser gezogen werden. «Eigentlich hätte sie einen kompletten Neuanstrich verdient», wünscht sich Kapitän Beat Krähenbühl. In neuem Glanz soll sie strahlen, sagt der Seemann, der in der Winterzeit als Malermeister arbeitet. Doch soweit kommt es nicht. «Wir nehmen nur die notwendigen Reparaturen und Verschönerungen vor», sagt Stefan Wiedmer. Denn die Schifffahrt auf den Voralpenseen kann sich kein «flächendeckendes Überpinseln leisten wie bei den grossen Schiffen auf dem Meer», erklärt der Werftleiter. Wintermalermeister Krähenbühl sucht nach den fehlerhaften Stellen, damit er kommenden Sommer trotzdem wieder ein schönes Motorschiff präsentieren kann. Eine weisse Flotte wird es immer sein auf dem Thunersee. Denn ein ästhetisch ansprechendes Auftreten ist zusammen mit der Sicherheit das oberste Credo der Seeleute der BLS. Die Ästhetik ist das eine, die Sicherheit das andere, worüber Kapitän Beat Krähenbühl spricht, während er mit Farbkübel und Pinsel in der Hand an der Reling steht. «Es ist nicht jedem sein Ding, in der Nacht, bei Nebel, Wind und Sturm mit mehreren hundert Passagieren über den See zu fahren und für alle die Verantwortung zu tragen.» Kapitän Krähenbühl spricht von Repräsentationspflichten, Teamfähigkeit und Loyalität und Schiffsführerpatenten, vom Steuern mit einem Joystick und modernsten Satellitennavigationsmitteln. Bald steigt er zusammen mit Daniela Hotz wieder auf das Dach des Steuerhauses, um die Metallrahmen auszubessern und anschliessend das Sonnendeck frisch zu streichen. Heute ist er Handwerker. Die Arbeiten laufen in diesem Jahr nach einem genauen Plan ab, die der Werftleiter mit den Teamchefs aus der Schreinerei, Malerei, Schlosserei, mit dem Elektriker 17

18 Der letzte Schliff: Schreiner Thomas Hofer fräst die Planken auf dem Vordeck. nen Rostflecken kratzen die beiden ab, bevor der ganze Innenraum einen neuen Anstrich erhält. Dank der Platzierung der beiden 490 PS starken Detroit-Motoren im Heck müssen zumindest keine langen Wellen gewartet werden. Getriebe und Steuerhydraulik, die Schrauben und Ruderblätter bewegen, glänzen schon wieder, und die Schallisolation wird bald wieder montiert werden. 18 Blitzblank: Dank Mechapraktiker Romeo Zurbriggen glänzt der Motorenraum wie neu. und dem Sanitärinstallateur zusammengestellt haben. Ein neuer Küchenboden, neue Fugen und Plankenstücke auf dem Hauptdeck, wo nötig, ein frisch gestrichenes Sonnendeck für die 1.-Klasspassagiere und jede Menge Ausbesserungen hinter der Kulisse haben die Handwerker angepackt. Die Passagiere werden im kommenden Sommer davon nicht viel sehen. Neue Schwimmwesten, überholte Ankerkette Rund 20 Leute arbeiten täglich auf dem Schiff, besorgen die normalen Unterhaltsarbeiten. «Einen grossen Teil der Arbeit verwenden wir auch, um die neuen Sicherheitsbestimmungen des Bundesamts für Verkehr umzusetzen», sagt Stefan Wiedmer. Neu muss für jede der 1000 Passagiere eine Schwimmweste an Bord sein. Und dazu braucht es viele neue Aufbewahrungsorte, so dass die Bänke auf dem Achterdeck ersetzt und mit Kisten ergänzt neu geschweisst und gezimmert werden müssen. Überholt werden auch die tonnenschwere Ankerkette, damit sie im Notfall sicher fallen kann, und das Bugruder für die Rückwärtsfahrten durch die Kanäle in Thun und Interlaken. Im Motorenraum balancieren Romeo Zurbriggen und Bernhard Tschanz über die Metallverstrebungen. Alle Bodenplatten haben sie entfernt, damit der Blick in die hintersten und untersten Ecken frei wird. Auch die klei- Derweil lobt sich Emilio Negro als «schnellsten Maler vom Thunersee». Vom Holzgerüst aus malt er die Aussenseite der Bordwand, die im Sommer wieder unter Wasser liegen wird. «Der frische Anstrich macht das Schiff wieder zehn Prozent schneller.» Er wird im Sommer die «Berner Oberland» selber wieder steuern und bald merken, ob sie immer noch so «zappelig und doch ohne Drift» durchs Wasser fährt. Vorerst hält Negro noch Pinsel und Roller in der Hand. Sonnenuntergangsbild im Hinterkopf Feierabend auf der Werft. Die Handwerker werfen die Plastikbecher für den Kaffee in die blaue Tonne. Auf die Minute genau ist Schluss am Lachenweg, während draussen der Januarnebel über den See zieht. Mit klammen Händen in den Taschen denken die Seeleute im Winterlager an den Sommer, die Uniform und die langen Fahrten zwischen Thun und Interlaken. Der Winter hat erst richtig begonnen, doch schon juckt es den einen oder anderen bereits wieder unter den Nägeln. «Ich arbeite gerne im Winter hier in der Werft, nach einer langen Saison mit unregelmässigen Arbeitszeiten und vielen Aufregungen mit den Passagieren. Das ist keine Frage», sagt Schlossermeister André Moser. Und ergänzt mit der Hand auf der Türfalle: «Aber ehrlich gesagt und unter uns: Gibt es etwas Schöneres, als an einem Augustabend mit dem «Fyrabeschiff» von der Beatenbucht Richtung Merligen in den Sonnenuntergang hinein zu fahren?» Saisonstart am Karfreitag Am 22. April starten die BLS-Flotten auf dem Thuner- und Brienzersee in die Saison Die Dampfschiffe «Blümlisalp» und «Lötschberg» verkehren ab dem 15. Mai.

19 Sonderausstellung im Tropenhaus Warum ist die Erde warm? Treten Sie eine Reise zum Erdmittelpunkt an! An der Sonderausstellung im Tropenhaus Frutigen entdecken Sie, wie sich aus den Tiefen der Erde Energie gewinnen lässt. Spezielle Installationen zum Beispiel ein begehbarer Findling oder ein Lift ins Erdinnere machen den Besuch zu einem Erlebnis für alle Sinne.

20 REPORTAGE Zweimal Hasle und zweimal Emme Frühling = Wanderzeit: Entlang eines Flusses zeigt sich das Erwachen der Natur von der schönsten Seite. Ein zweiteiliger, erquickender Ausflug entlang der Emme im Berner Emmental und der Kleinen Emme im Luzerner Entlebuch. 20 Zweimal Hasle, zweimal Emme: Unsere originelle Zugwanderung beginnt im Emmental bei Hasle-Rüegsau und führt über Hasle im Luzernischen nach Entlebuch. Für die Verbindung der beiden Wanderungen sorgt die BLS die Teilstücke an den beiden Emmen können beliebig mit der Bahn kombiniert werden. Der erste Teil führt also der Berner Emme entlang: Sie entspringt zwischen Hohgant und Augstmatthorn, genau an der Grenze zum Kanton Luzern. Am Emmenspitz bei Solothurn mündet sie schliesslich in die Aare. Wir verfolgen ihren Lauf von Hasle-Rüegsau bis nach Zollbrück. Ein Stück Berner Geschichte Als wir beim Bahnhof Hasle-Rüegsau starten, glänzen noch Tautropfen an den Grashalmen. Die längste Holzbogen-Spannbrücke Europas lockt uns zuerst zehn Minuten in die «falsche» Richtung: Sie wurde 1839 vom Zimmermann Schmid aus Oberburg gebaut und blickt

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