Medienzentren und Medieneinrichtungen an Hochschulen. Medienkompetenz und Dienstleistungen für Lehre, Studium und Forschung

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1 Medienzentren und Medieneinrichtungen an Hochschulen Medienkompetenz und Dienstleistungen für Lehre, Studium und Forschung November 2010

2 Rahmenbedingungen und Anforderungen an Hochschulen Unsere Hochschulen müssen sich stetig neuen Herausforderungen stellen. Hierzu zählen: Globalisierung und Internationalisierung eine rasante technologische Entwicklung der zunehmende Wettbewerb unter den Hochschulen Anforderung der Exzellenz in Forschung und Lehre steigende Relevanz des lebenslangen Lernens neue Formen der Kooperationen zwischen den Hochschulen Effizienzsteigerung durch Prozessorientierung und zielgerichtete Organisationsentwicklung Durch die Globalisierung und den Bologna-Prozess mit den mittlerweile als notwendig erachteten Korrekturen in Bezug auf Realisierbarkeit des Studiums und Arbeitsbelastung aller Beteiligten ergeben sich neue Anforderungen. Das kontinuierliche Streben nach besserer Qualität in der Lehre drückt sich unter anderem in zahlreichen Initiativen zur Optimierung der Lehre aus. Nach Lösung des Problems des doppelten Abiturjahrganges erschließen die Hochschulen als Reaktion auf die demographische Veränderung in der Gesellschaft neue Zielgruppen. Weiterbildung und berufsbegleitende Studiengänge werden zunehmend wichtiger. Alle diese Faktoren führen zu einem wachsenden Wettbewerb unter den Hochschulen. Für die einzelne Hochschule gewinnt die Steigerung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit zukünftig an Bedeutung. Dies umso mehr als die ständig wachsenden Herausforderungen regional zu vernetzten Kooperationsmodellen mit übergreifenden Aufgaben führen. Gleichzeitig findet eine rasante technologische Entwicklung statt, die Informationstechnologie und Medien zusammenführt. Dies betrifft insbesondere die Entwicklung der Vernetzung und die steigende Leistungsfähigkeit der IT-Systeme sowie das umfangreiche Eindringen digitaler Technologie in alle Bereiche des Lebens. Medien sind weitgehend digital oder digitalisiert. Mobilität und mobile Nutzung digitaler Technik werden zunehmend wichtiger natürlich auch bei Studierenden. Digitale Medien sind allgegenwärtig und jederzeit und von jedem Ort aus zugänglich. Interaktion und Kommunikation gewinnen an Bedeutung und ermöglichen zunehmend handlungsorientierte interaktive Lernformen. Selbstgesteuertes Lernen, die Verbindung von virtuellen und sozialen Lernszenarien, vernetztes Denken und Problemlösen in komplexen Systemen werden immer wichtiger und verändern sich mit der globalen Vernetzung des Wissens. Nicht nur das Lernen und Lehren, sondern die gesamte Arbeitsweise der Hochschule auch in Forschung und Verwaltung sind davon betroffen. Nach der Exzellenzinitiative zur Optimierung der Forschung wird nun eine Exzellenzinitiative zur Optimierung der Hochschullehre gefordert. Der Wissenschaftsrat stellt bereits in seinen Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung 2

3 von Studium und Lehre 1 fest, dass eine exzellente und zukunftsfähige Lehre auf die Komponente E-Learning nicht verzichten kann und dass deshalb Ansätze des E- Learning und der Verbindung von Präsenzveranstaltungen und computergestützten Lehrangeboten (Blended Learning) weiterzuentwickeln und breiter zu nutzen sind. Die Hochschulen sind aufgefordert, die sich mit den digitalen Medien eröffnenden Chancen und Potenziale zu nutzen, um so den oben genannten Herausforderungen der kommenden Jahre erfolgreich begegnen zu können. Dies betrifft selbstverständlich die gesamte Hochschule, insbesondere aber die Service-Einrichtungen der Hochschule. Rolle der Medieneinrichtungen im Kontext des integrierten Informationsmanagements Die technologische Entwicklung führt notwendigerweise zu einer Integration von Serviceleistungen. Informationsinfrastrukturen und Dienstleistungen für Forschung und Lehre sowie für die Verwaltung wissenschaftlicher Einrichtungen wachsen zusammen 2. Die organisatorische und infrastrukturelle Entwicklung der Hochschulen in den letzten Jahren, unterstützt z.t. durch die DFG-Förderinitiative auf dem Gebiet des integrierten Informationsmanagements, führte zur Umsetzung einer Reihe neuer organisatorischer Modelle der Zusammenarbeit bzw. Integration der Service-Einrichtungen und damit zur unterschiedlichen strukturellen Verankerung der Medieneinrichtungen. Unabhängig von der strukturellen Verankerung bleibt das angebotene Dienstleistungsspektrum entscheidend für den Erfolg. Sinnvoll erscheint eine Konzentration der Funktionalität und des Dienstleistungsangebotes der Serviceeinrichtungen. Die Nutzer sollten dabei im Vordergrund stehen. Service aus einer Hand ist das anzustrebende Ziel, dessen Erreichen vor dem Hintergrund neuer technischer Entwicklungen immer wieder von den Serviceeinrichtungen gemeinsam überprüft werden sollte. Die Medieneinrichtungen nehmen bei der Gestaltung des Dienstleistungsspektrums in Kooperation mit anderen Serviceeinrichtungen ihre Verantwortung wahr, die der wachsenden Relevanz der digitalen Medien in der Hochschule entspricht. 1 Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium, Drs Berlin, , 2 Vergleiche auch DINI Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.v.: Informations- und Kommunikationsstruktur der Zukunft Zehn Thesen, Oktober 2008, 3

4 Die Kernkompetenzen und zentralen Aufgaben der Medieneinrichtungen Medieneinrichtungen an Hochschulen können auf eine lange Tradition in ihrer zentralen Rolle als Kompetenzzentren zum Einsatz von Medien in Lehre, Studium, Forschung, aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit zurückblicken. Im Zeitalter der Informationsgesellschaft und der zunehmenden Konvergenz der Medien sind ihre Erfahrungen unverzichtbar, um die sich mit der rasanten Technologie- Entwicklung eröffnenden Chancen und Potenziale effektiv an den Hochschulen nutzen zu können. Zu dem umfangreichen Aufgabenspektrum der Medieneinrichtungen gehören daher oft neben der Produktion verschiedener Medien und der Gestaltung dazugehöriger Prozesse auch die Entwicklung und Implementierung von adäquaten, methodisch und didaktisch sorgfältig durchdachten Einsatzkonzepten und -szenarien. Die Forderung nach entsprechend hoher Medienkompetenz bei Lehrenden und Studierenden rückt an den Hochschulen zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses. Dies verlangt nach einem angepassten Angebot an Training und Fortbildung, das in der geforderten Breite und Tiefe kompetent von Medieneinrichtungen gestaltet werden kann. Die Fähigkeit, an den Schnittstellen zwischen Technologie, Inhalten, Didaktik und Gestaltung zu agieren, gehört zu den unverzichtbaren Stärken der Medieneinrichtungen und stellt in den Hochschulstrukturen ein einmaliges Merkmal dar. Aufgrund von unterschiedlichen Rahmenbedingungen, Bedürfnissen und Anforderungen an den einzelnen Hochschulen sowie der jeweiligen organisatorischen Verankerung und Aufgabenverteilung sind die Medieneinrichtungen in ihren Aufgabenschwerpunkten durchaus heterogen ausgerichtet. Die folgenden Kernkompetenz- Bereiche sind daher an den jeweiligen Einrichtungen zu unterschiedlichen Anteilen vertreten oder werden sich zukünftig mit unterschiedlicher Intensität entwickeln: Medienproduktion Die Medienproduktion schließt alle bei der Konzeption, Produktion und Bearbeitung der Medien anfallenden Prozessschritte ein. Um qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen, sind dabei je nach Medientyp Kompetenzen zu Konzept- und Drehbuchentwicklung, Layout und Design, Bild- und Tongestaltung, Video- und Audiotechnik, Computeranimation und Visualisierung, Editing, Softwareentwicklung und didaktischem Design erforderlich. Die Produktpalette reicht von den Printmedien, Web-Auftritten und Fotografie über Video, Audio, 3D-Animation bis hin zu Podcasting, Lecture Recording, interaktiven multimedialen Lernmaterialien und didaktischen Simulationen. Dabei wird 4

5 großer Wert auf Optimierung und Anpassung der Medienprodukte an moderne Online-Distributionswege wie Internet oder mobile Endgeräte gelegt. Die Kompetenzen der Medieneinrichtungen werden an vielen Orten genutzt, um studentische Fernsehprojekte (Campusfernsehen) zu initiieren, zu betreuen und gestalterisch sowie technisch zu realisieren. In diesem Zusammenhang wird auch eine Reihe weiterer Dienstleistungen im Bereich der Medienbearbeitung wie z.b. Formatwandlung, Aufzeichnung, Live-Videostreaming, Vervielfältigung etc. angeboten. Unterstützung der Lehre mit IT- und Medientechnologie Der rapide Fortschritt in der Entwicklung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie hat einen immer stärker werdenden Einfluss auf die Hochschullehre und die Lehr- und Lernszenarien. Wesentlich dafür sind auch die konkreten didaktischen Ansätze, die immer wieder neu überdacht und in neue Konzepte überführt werden müssen. Diese sollten in die strategischen Überlegungen der Hochschulen zur Verbesserung der Lehre eingebunden werden. Viele Medieneinrichtungen haben auf diesem Gebiet umfangreiche und breit gefächerte Kompetenzen entwickelt, die zum Teil in Kooperation mit den Fachbereichen in konkrete erziehungswissenschaftliche Forschungsvorhaben einfließen. Die Medieneinrichtungen bieten im Bereich Studium und Lehre eine Vielzahl von zentralen Services an, wie Bereitstellung und Pflege der zentralen Lernplattformen, Autorensoftware sowie anderer Systeme und Werkzeuge. Sie leisten Unterstützung bei der Entwicklung und Implementierung von E-Learning-, Blended- Learning- und Teleteaching-Szenarien, pädagogisch-didaktische Beratung und Begleitung sowie professionellen Support für die Entwicklung von multimedialen Lernmaterialien. In einigen Fällen sind sie darüber hinaus mit der zentralen Koordination dieses Themenbereiches an ihren Hochschulen beauftragt. Sie kooperieren mit den Bibliotheken und Rechenzentren im Bereich der Einrichtung und Gestaltung von Lernzentren und physischen und virtuellen Lernumgebungen an ihren Hochschulen. Vermittlung von Medienkompetenz Medienkompetenz ist seit längerer Zeit der Schlüsselbegriff, wenn es um Einsatz der Medien in den Lehr- und Lernprozessen geht. Mit einem zeitgemäßen und differenzierten Lehr- und Weiterbildungsangebot leisten die Medieneinrichtungen einen äußerst wichtigen Beitrag, den Studierenden und Wissenschaftlern Medienkompetenz zu vermitteln. Hierzu zählt auch die vorher erwähnte fachliche Beratung zu Produktion und Einsatz von geeigneten Medien in Lehre, Studium und Forschung. 5

6 Besonders wichtig erscheint die Vermittlung von Kompetenzen zur Konzeption und Realisierung von professionellen multimedialen Lernmaterialien an den Lehrstühlen und Fachbereichen sowie zur Implementierung der Lernszenarien unter Einsatz der aktuellen Learning Management Systeme für eigene Lehrveranstaltungen. Medientechnischer Service Erfolgreicher Medieneinsatz in Lehre, Studium und Forschung setzt eine aktuelle medientechnische Ausstattung voraus. Medieneinrichtungen entwickeln in diesem Zusammenhang geeignete Konzepte und begleiten schon frühzeitig Planungsprozesse. Sie unterhalten zentrale technische Ressourcen und Gerätepools und beraten bei der Beschaffung von Medientechnik. Sie bieten Dienstleistungen, wie medientechnischen Service und Wartung auch im Bereich der Hörsaaltechnik, sie ermöglichen moderne Medienpräsentationen, Videokonferenzen und betreuen Veranstaltungen mit Medienunterstützung, wie Kongresse, Konferenzen, Messen u.v.m. Weitere Kompetenz- und Aufgabenbereiche Insbesondere durch die zunehmende kooperative Vernetzung mit Hochschulrechenzentren und Hochschulbibliotheken haben sich an ausgewählten Medieneinrichtungen weitere Kompetenz- und Aufgabenfelder in Verbindung mit einem entsprechenden Spektrum an angebotenen Dienstleistungen etabliert. Dazu zählen beispielsweise die Mediendokumentation und -archivierung, die Unterstützung bei speziellen Fragen zum Medienrecht vor allem im Hinblick auf Urheberrecht bei Medienproduktionen Unterstützung von Services im Bereich des Campus Managements und des Student Lifecycle Managements sowie die stärker mit den Forschungsaufgaben verbundenen Themen, wie virtuelle Forschungsumgebungen oder Repositorien für Forschungsdaten. Rahmenbedingungen für die Arbeit der Medieneinrichtungen Voraussetzungen für die nachhaltige Absicherung der dargestellten Kompetenzbereiche und Bereitstellung der Dienstleistungen für die Hochschulen ist qualifiziertes und spezialisiertes Personal. Hier bringen sich Medienentwickler, Didaktiker, Designer, IT-Spezialisten, Medientechniker, Bild- und Tonexperten, in vielen Fällen begleitet durch Medienwissenschaftler, mit ihrem Fachwissen und ihren Fertigkeiten ein. Charakteristisch und zwingend notwendig ist dabei ein hohes Maß an interdisziplinärer Kooperation und Bereitschaft zur fortwährenden intensiven Weiterqualifizierung, um mit der rasanten Technologieentwicklung Schritt zu halten. 6

7 Will man den Anforderungen an den innovativen, zukunftsorientierten und zunehmend intensiveren Einsatz der Medien in den Hochschulen entsprechen, so müssen diese Kompetenzen ständig gefördert werden. Die Entwicklungsplanung der Hochschulen muss daher in Hinblick auf innovative Medien- und Informationsinfrastrukturen neben der fortlaufenden Ergänzung und Modernisierung der professionellen medientechnischen Infrastruktur vor allem für eine qualifizierte personelle Ausstattung Sorge tragen. Eine zusätzliche Herausforderung für Medieneinrichtungen stellt die zunehmende Tendenz dar, ein immer breiteres Spektrum an Dienstleistungen abdecken zu müssen bei gleichzeitig begrenzten Ressourcen. Die zur Effizienzsteigerung erforderliche Optimierung der Prozesse und Stärkung kooperativer Ansätze kann das Problem nur zu einem gewissen Teil lösen. AMH als Plattform für die Vernetzung der Medieneinrichtungen Die Arbeitsgemeinschaft der Medienzentren an Hochschulen e.v. (AMH) bietet seit 1991 bundesweit eine Plattform für Vernetzung, Zusammenarbeit und Austausch der Medieneinrichtungen an den Hochschulen. Als Partnerorganisation der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.v. (DINI e.v.) ist die AMH bestrebt, gemeinsam mit den Hochschulbibliotheken, Hochschulrechenzentren und IuK-Gesellschaften die Informations- und Kommunikationsdienstleistungen und die dafür notwendige Entwicklung der Informationsinfrastrukturen an den Hochschulen und Fachgesellschaften zu verbessern und sowohl regional als auch überregional zu fördern. Die AMH ist im Vorstand, Hauptausschuss und Beirat von DINI vertreten. In ihrem Arbeitsprogramm ist die AMH ständig bemüht, die für Medieneinrichtungen an Hochschulen aktuellen und relevanten Themen zu identifizieren und sich fachlich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dazu tragen die von der AMH organisierten Tagungen und Workshops, Online-Informationsplattformen, Empfehlungen, Best-Practice- Beispiele und Referenzmodelle bei. Durch ihre Arbeit unterstützt die AMH notwendige Handlungsansätze im Sinne von Interdisziplinarität und Synergie. Die spezifischen Fachkompetenzen der in der AMH zusammenarbeitenden Medieneinrichtungen sind zur Bewältigung der in den Hochschulen anstehenden Herausforderungen von großem Vorteil. 7

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