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2 Bibliographische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über abrufbar. ISBN-10: Bestell-Nr ISBN-13: , Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co. KG Niederlassung München Redaktionsanschrift: Postfach, Planegg Hausanschrift: Fraunhoferstraße 5, Planegg Telefon: (089) Telefax: (089) Lektorat: Dipl.-Kffr. Kathrin Menzel-Salpietro Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie die Auswertung durch Datenbanken, vorbehalten. Redaktion und DTP: Peter Böke, Berlin Umschlag: HERMANNKIENLE, Stuttgart Druck: Bosch-Druck GmbH, Ergolding Zur Herstellung dieses Buches wurde alterungsbeständiges Papier verwendet.

3 Finanz- und Liquiditätsplanung in kleinen und mittleren Unternehmen von Monika Haunerdinger und Hans-Jürgen Probst Haufe Mediengruppe Freiburg München Berlin Würzburg

4 Inhaltsverzeichnis So arbeiten Sie mit diesem Buch 6 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung 8 1 Grundlagen der Finanz- und Liquiditätsplanung Strategische und operative Unternehmensplanung Aufgaben der Finanz- und Liquiditätsplanung Die Bilanz: Spiegel der Finanzstruktur eines Unternehmens 22 2 Finanzierung: Beschaffung und Disposition von Finanzmitteln Klassische Außenfinanzierung: Finanzmittel aus externen Quellen Beteiligungsfinanzierung Kreditfinanzierung Weitere Möglichkeiten langfristiger Fremdfinanzierung Subventionsfinanzierung Sonderformen der Finanzierung: Leasing und Factoring Klassische Innenfinanzierung: Nutzung interner Mittel Innovative Finanzierungsinstrumente: Alternativen zum Bankkredit Mezzanine-Kapital Private Equity Forfaitierung Asset Backed Securities (ABS) 99 3 Werkzeuge der Finanz- und Liquiditätsplanung Kurz- und mittelfristige Planung: Cashmanagement Langfristige Planung: Die strategische Sicht Risikoanalyse Portfolioanalyse Frühwarnung 126 4

5 Inhaltsverzeichnis 4 Investitionen: Die Zukunft des Unternehmens steuern Investitionsplanung: Über Investitionen sicher entscheiden Investitionsrechnung: Werkzeuge zur Entscheidungsfindung Optimierungsmöglichkeiten bei der Finanzierung Datenquelle: Externes Rechnungswesen Finanzierungsregeln: Optimale Strukturen Vertikale Finanzierungsregel Horizontale Finanzierungsregel Kritik an den Finanzierungsregeln Finanzkennzahlen: Mit wenigen Zahlen alles im Griff Kennzahlen der Finanzanalyse Erfolgsanalyse Finanzberichtswesen Der schnelle Überblick Rating: Tipps für den Umgang mit der Bank Was ist Rating? Der Ratingprozess Erfolgreich im Ratinggespräch Sanierung des Unternehmens: Wege aus der Krise Sanierungsstrategien und -instrumente Sonderfall: Buchtechnische Sanierung So könnte eine Sanierung ablaufen 219 Anhang 222 Finanzmathematische Tabellen 223 Weiterführende Hinweise 231 Abbildungsverzeichnis 234 Tabellenverzeichnis 235 Verzeichnis der Checklisten 236 Stichwortverzeichnis 237 5

6 So arbeiten Sie mit diesem Buch Betrachten Sie dieses Buch mit der CD-ROM als eine Art Werkzeugkasten. Sie finden die gängigsten und wichtigsten Werkzeuge zu dem Problem, wie Sie ein Unternehmen finanzieren. Wie es im Handwerk kein Universalwerkzeug für alle Probleme gibt, gibt es auch bei der Finanzierung keine allgemein gültigen Lösungen, die für alle passen. So ist dieses Buch ein sorgfältig gepacktes Paket aus verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten, Methoden, Rechnern, Checklisten, Praxisbeispielen und Tipps für die optimale Finanzierung. Finanzierungsmodelle Alles, was Sie zur Finanzierung wissen müssen, wird in diesem Praxisratgeber behandelt. Angefangen mit der Planung und Kapitalbedarfsermittlung, des Weiteren klassische und neue Finanzierungsformen. Denn heutzutage dürfen Sie innovative Instrumente des Finanzmarktes nicht vergessen. Natürlich werden auch unverzichtbare Tools zur Liquiditätssteuerung vorgestellt. Ferner werden wichtige Praxisthemen angesprochen, wie Kennzahlen, Rating, Sanierung usw. Rechner Auf der CD-ROM finden Sie eine Fülle von Excel-Anwendungen als konkrete Arbeitshilfen bei der Finanzierung. Diese Rechner stehen in direktem Zusammenhang mit den Inhalten bzw. Methoden im Buch. Sie sind bewusst einfach gehalten und können ohne hohen Aufwand sofort eingesetzt werden. Alle Excel-Anwendungen sind schon einmal in der Praxis eingesetzt worden und haben sich dort bewährt. Checklisten Die Checklisten unterstützen Sie in Ihrer praktischen Arbeit: Man vergisst nichts Wesentliches, kann systematisch vorgehen und sozu- 6

7 So arbeiten Sie mit diesem Buch sagen nach und nach die Dinge abhaken. Natürlich finden Sie diese Checklisten auch auf der CD-ROM. Mit einem Mausklick können Sie sie in Ihre Textverarbeitung übernehmen. Praxisbeispiele und Tipps Sicherlich wollen Sie wissen, ob und wie sich die verschiedenen Finanzierungsinstrumente auch in der Praxis bewährt haben: Was ist gut gelaufen und wo kann man aus Fehlern lernen. Deswegen finden Sie im Buch eine Reihe von Praxisbeispielen. Und natürlich gibt es eine Vielzahl von Tipps zur Finanzierung. Um die Inhalte dieses Buches zu verstehen, müssen Sie kein betriebswirtschaftlicher Experte sein. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich und betriebswirtschaftliches Grundwissen wird dort vermittelt, wo es für das Verständnis notwendig ist. Zum Abschluss möchten wir darauf hinweisen, dass wir aus Gründen der guten Lesbarkeit auf unterschiedliche Geschlechtsformen verzichtet haben. Selbstverständlich sind auch immer Kolleginnen oder Mitarbeiterinnen gemeint. Und jetzt geht es los. Der Verlag und die Autoren wünschen Ihnen viel Erfolg. München, Sommer 2006 Monika Haunerdinger und Hans-Jürgen Probst 7

8 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Leider ist häufig festzustellen, dass Finanzierungsvorhaben scheitern. Dies kann vielerlei Gründe haben: Die Finanzierung ist zu teuer. Es wird die falsche Finanzierungsform gewählt. Finanzmittel werden falsch eingesetzt. Letztlich muss man sagen, dass Finanzierungsfehler meist Managementfehler sind! Hier erfahren Sie, welche allgemeinen Fehler und Fallen bei der Finanzierung schon im Vorfeld vermieden werden können. Die folgenden 10 Fehler bei der Planung und Durchführung von Finanzierungsvorhaben werden von Beratern, Banken, Beteiligungsgesellschaften, Ratingagenturen usw. immer wieder beklagt. Fehler 1: Die Finanzierung ist schlecht vorbereitet Oft fehlen wesentliche Unterlagen Auch wenn das Tagesgeschäft sämtliche zeitlichen Kapazitäten in Anspruch nimmt, sollte immer Zeit bleiben, sich um das anstehende Finanzierungsvorhaben zu kümmern. Aber die Praxis, insbesondere die Erfahrung der Banken mit kleinen und mittelständischen Unternehmen spricht häufig eine andere Sprache. Da trifft man schon mal den Unternehmer, der unvorbereitet die Filiale betritt und außer dem Kreditwunsch nichts weiter vorweisen kann. Häufig fehlen z. B. folgende Unterlagen: Businessplan: Wo will das Unternehmen überhaupt hin? Finanzplanungen: Wie entwickelt sich die Liquidität? Einbindung der Finanzierung in die Planung: Mit welchen Kosten ist zu rechnen? Können die Kosten in den Preisen verkraftet werden? Fehlende Investitionsrechnungen: Amortisiert sich das Finanzierungsvorhaben? 8

9 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Auch erlebt man, dass die Notwendigkeit der Finanzierung nicht plausibel erklärt werden kann. Die Planung ist unklar, der Kapitalbedarf unscharf. Tipp: Arbeiten Sie mit Checklisten! Erstellen Sie sich doch einfach eine Checkliste zur Finanzierungsplanung und nutzen Sie auch die Checkliste aus Kapitel 7 Unterlagen für ein Ratinggespräch. In diesem Buch finden Sie noch viele weitere Checklisten, die Sie in Ihrem Finanzierungsvorhaben unterstützen. Das Finanzierungsvorhaben ist nicht transparent Fehler 2: Die Finanzierung erfolgt überstürzt Viele meinen, bei der Finanzierung müsse schnell gehandelt werden. In der Eile wird dann vieles übersehen: Konditionen: Man prüft nur oberflächlich. Alternativen werden nicht geprüft. Man kümmert sich nicht um Investitionsrechnungen. Eckdaten wie Marktentwicklung, Konjunktur usw. werden vergessen. Beispiel: Eine Bäckereikette will expandieren Eine Bäckereikette in einer süddeutschen Großstadt will der Konkurrenz zuvorkommen und weitere Filialen eröffnen. Wir müssen schnell handeln, sagt der Besitzer und drückt auf den Knopf: Ein schneller Bankkredit, es werden überhastet Standorte gesucht, bauliche Maßnahmen angestoßen, Personal angestellt usw. Auf halber Strecke werden die Mittel knapp, es muss nachfinanziert werden. Die Bank wird skeptisch: Finanzierungsalternativen waren nicht geplant. Erste eröffnete Filialen laufen zunächst zäh an. So hatte man sich die Expansion nicht vorgestellt, auch wenn sie später erfolgreich war. Ein weiteres ernst zu nehmendes Problem: Erst in der Krise und dann natürlich unter Zeitdruck wird über Finanzierung nachgedacht. Beispiel: Eine Brillenhersteller braucht frisches Geld Ein mittelständischer Brillenhersteller finanzierte sich in der Vergangenheit weitestgehend über eigene Mittel (aus dem laufenden Geschäft und aus den Gewinnen). Jetzt gab es aber Schwierigkeiten mit der neuen Kollektion: Sie wurde zu spät fertig und kam darüber hinaus bei den Schnell handeln ist gut, aber aufpassen... Problem: Die Krise finanzieren 9

10 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Kunden wenig an. Die Rückmeldungen von den Fachmessen waren katastrophal. Nun mussten schnell Liquiditätsengpässe überwunden werden. Man wählte einen (überteuerten) Kredit der Hausbank. Dann sollten Forderungen verkauft werden, was nicht klappte. Eine stille oder andere Beteiligung war auf die Schnelle nicht zu realisieren. Am Ende stand die Insolvenz! Tipp: Denken Sie auch an einen Notfall-Finanzierungsplan. Fehler 3: Die Finanzierung ist zu eng geplant Es fehlt schlicht Geld Diese unangenehme Erkenntnis müssen leider viele machen: Man braucht mehr Geld als zunächst geplant. Beispiel: Die Galvanik GmbH braucht mehr Geld Ein bestehendes Galvanikunternehmen (Galvanik = eine Methode der Oberflächenbearbeitung, z. B. Goldüberzug) übernahm eine Galvanikanlage aus der Konkursmasse eines Unternehmens. Oberflächlich gesehen schien die Anlage recht billig, so dass sich das Finanzierungsvolumen in Grenzen hielt. Aber dann: Die Anlaufkosten fielen höher aus, es gab zusätzlich teure Umweltauflagen. Erste Umsätze aus der Investition flossen später usw. Finanzpuffer waren nicht eingeplant! Es wurde eng. Was behindert die Realisierung Ihrer Planung? Schönrechnen Denken Sie also immer daran, dass sich Ihre Planungen möglicherweise nicht realisieren lassen. In den folgenden Bereichen kann es zu unvorhergesehene Behinderungen Ihrer Finanzplanung kommen: Im Bereich Folgekosten, z. B. Betriebskosten einer Investition Zinsen und Tilgung müssen auch getragen werden, wenn noch keine Umsätze erwirtschaftet wurden. Es gibt unvorhergesehene Auflagen, z. B. durch Gewerbeaufsicht, Berufsgenossenschaft usw. Weiterführende Informationen finden Sie in Kapitel 2. Und was auch schon vorgekommen ist: Falscher Ehrgeiz gegenüber übergeordneten Stellen. Man rechnet sich schön und verkündet stolz: Chef, wir brauchen nicht soviel Geld. Und dann braucht man es doch! 10

11 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Fehler 4: Die Finanzplanung ist zu optimistisch Dies ist ein ewiges Problem bei der Finanzierung: Man ist begeistert von den Zukunftsaussichten des Unternehmens und sieht nicht die graue Realität. In der Folge gehen völlig falsche Eckdaten in die Finanzierung ein: Falsche Planung bezüglich Umsätze, Kosten, Zinsen, Konjunktur, Marktrisiken usw. Keinen oder nur geringen Rückfluss aus der Finanzierung; eine Investition amortisiert sich z. B. nicht oder viel später als geplant. Grundsätzlich wird immer nur an den Best Case (besten Fall) gedacht und kein Worst-Case-Szenario eingeplant. (Was tun, wenn der schlechteste Fall eintritt?) Siehe hierzu Kapitel Frühwarnung. Ein weiteres Problem in diesen Zusammenhang ist, dass man meint, die Finanzierung wäre leichter als gedacht. So denkt man: Einen Kredit zu bekommen, ist kein Problem für uns. Die Bank sieht dies möglicherweise ganz anders! Man meint, jeder müsste doch interessiert an einer Unternehmensbeteiligung sein und später findet man niemanden, der sich beteiligen will. Man denkt: Im Notfall kann ich immer noch meine Forderungen verkaufen. Und dann lehnen alle Factoringgesellschaften ab. Diese Beispiele ließen sich fortführen. Tipp: Bleiben Sie realistisch. Manche Vorstellungen lassen sich deutlich schwerer realisieren als zunächst gedacht! Manchmal gibt es mehr Probleme als gedacht Fehler 5: Unrealistische Finanzierungsvorstellungen Finanzierung ist häufig ein Sonderfall, z. B. bei größeren Investitionen, Erweiterungen usw. Deswegen fehlt häufig auch einer professionellen Geschäftsführung die Erfahrung mit aufwändigeren Finan- Es fehlt Erfahrung 11

12 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Die Wirklichkeit ist oft hart! zierungsvorhaben. Schnell schleichen sich jetzt unrealistische Finanzierungsvorstellungen ein: Falsche Vorstellungen über Bedingungen. Man meint, die Finanzierung wird billiger als gedacht (weil man sich z. B. an der Werbung für billige Verbraucherkredite orientiert hat). Aber auch unrealistische Vorstellungen über mögliche Konsequenzen aus der Finanzierung sind verbreitet: z. B. Unterschätzung des Mitspracherechts eines Kapitelgebers bei Private Equity (vgl. Kapitel 2.3.2). Allzu oft herrschen unrealistische Vorstellungen über vorhandene Sicherheiten. So wundert sich mancher, wenn das Aktienpaket nur mit 30 % des aktuellen Kurswertes zum Ansatz kommt und selbst das Grundstück von der Bank nicht zum vollen (angeblichen) Verkehrswert bewertet wird. Auch der Aufwand für größere Finanzierungsvorhaben wird unterschätzt. Man sollte nicht ohne eingehende Vorbereitung zur Bank gehen und einen Kredit aufnehmen. Ein Rating z. B. nimmt viel Zeit in Anspruch. Insbesondere die Finanzierung über Beteiligungen ist mit hohem administrativen und zeitlichen Aufwand verbunden (vertragliche Vereinbarungen, notarielle Beurkundungen usw.). Und vom ersten Kontakt mit einer Factoringgesellschaft bis zum Fließen des ersten Geldes können Monate vergehen. Achtung: Beachten Sie immer auch den Zeitfaktor bei Finanzierungen. Monate können vergehen, bis das Finanzierungsvorhaben abgeschlossen ist. Fehler 6: Die Konditionen der Finanzierung wurden nur mangelhaft geprüft Informieren Sie sich ausgiebig! Finanzierungskonditionen über ein und dieselbe Summe können sehr unterschiedlich ausfallen. Prüfen Sie deswegen immer die Konditionen sehr sorgfältig. Seien Sie skeptisch, wenn Ihre Hausbank oder andere behaupten, dass die Konditionen optimal seien. Prüfen und vergleichen Sie stattdessen unterschiedliche Angebote. 12

13 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Beachten Sie das Kleingedruckte, z. B. Kosten bei Sondertilgungen, Nebenkosten usw. Prüfen Sie die Konditionen bei Beteiligungen sorgfältig: Was bedeutet es z. B., wenn ein Externer sich am Unternehmen beteiligt? Welches Mitspracherecht haben die Venture-Kapitalgeber? Wie weit geht die Abhängigkeit von einem Factoringgeber, wenn man seine Forderungen verkauft hat? Beispiel: Vergleichen lohnt sich Ein Bauunternehmen benötigte neue Anlagen. Sogar in einer Stadt von nur Einwohnern, wo das Unternehmen seinen Standort hatte, gab es Zinsdifferenzen bei den Banken von bis zu 1,5 % zwischen dem billigsten und teuersten Angebot. Dies waren bei einem Finanzierungsvolumen von rund ca im Jahr, über die Finanzierungszeit würden sich diese Differenzen dann auf über summieren. Auch als kleines oder mittleres Unternehmen lohnt sich der Blick über die Grenzen Ihrer Region. Prüfen Sie z. B. die Konditionen ausländischer Banken! Heute sind räumliche Entfernungen kaum noch ein Problem. Fehler 7: Es wurde nicht nach Alternativen gesucht Häufig ist es so: Man benötigt eine Finanzierung, denkt sofort an einen Kredit und macht sich gleich auf den Weg zum Berater der Hausbank. Wussten Sie, dass es hunderte (!) von Förderungsprogrammen gibt, die möglicherweise günstige Finanzierungen anbieten? Haben Sie wirklich ernsthaft alternative Finanzierungsinstrumente, z. B. Mezzanine-Kapital, geprüft? (siehe Kapitel 2.3) Haben Sie ernsthaft Alternativen zur Finanzierung geprüft, z. B. den Verzicht auf Investitionen durch externen Zukauf? Oder denken Sie doch mal an folgende Alternative: Kostensenkung statt teurer Fremdfinanzierung! Denken Sie z. B. an ausländische Banken! 13

14 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Beispiel: Ein Unternehmen steigert seine Liquidität Bei einem hessischen Werkzeugbauer mussten immer wieder Überbrückungskredite aufgenommen werden, immer wieder signalisierte die Finanzplanung Engpässe. Fazit: Man brauchte Geld. Vielleicht ein Polster durch eine stille Beteiligung? Oder Verkauf des ungenutzten Grundstückes? Oder aber Kostensenkung! Infolge wurde ein Kostensenkungsprogramm aufgelegt: Man realisierte unter anderem folgende Maßnahmen: 1. Zunächst als Feuerwehrmaßnahme eine Deckelung der Kosten. Niemand durfte mehr ausgeben als im Vorjahr. 2. Dann einige Wertanalysen: Welche Prozesse (z. B. interner Transport) können billiger werden. Und auf was kann man gar ganz verzichten (z. B. den Pförtnerdienst). 3. Potenziale im Einkaufsbereich wurden geprüft. Muss es immer vom Feinsten sein? 4. Der Personalbereich wurde kritisch durchleuchtet. Ergebnis war z. B. eine flexible Arbeitszeitregelung. Wenn es nichts zu tun gab, blieben einige Mitarbeiter zu Hause. Im Ergebnis kam es zu einer Kostenersparnis von über 5 % und dadurch wurde die Finanzsituation deutlich entlastet. Unabhängig von hilfreichen Kosteneinsparungen wird mit derartigen Maßnahmen auch der Bank signalisiert: Wir tun was! Dieser Eindruck kann sich auf die nächste Finanzierung sehr positiv auswirken. Fehler 8: Das Know-how zu Finanzierungsfragen fehlt Als Fachmann auftreten Nicht jeder kann ein Finanzierungsspezialist sein. Trotzdem ist es problematisch, wenn jegliches Handwerkszeug zur Finanzierung fehlt. Fehlendes Know-how kann sich wie folgt zeigen: Man ist nicht in der Lage, auch nur einigermaßen qualifiziert mit der Bank oder Investoren zu reden. Man beherrscht z. B. keinerlei Terminologie über Finanzierungsfragen, z. B. Disagio, Zinsbindung, Venture Kapital usw. Das Know-how über Instrumente, die die Finanzierung begleiten, fehlt: Man weiß z. B. nicht, wie man eine plausible Investitionsrechnung oder einen aussagekräftigen Finanzplan erstellt. Im Finanzierungsgespräch merken die Gesprächspartner schnell, dass jegliches betriebswirtschaftliche Grundwissen fehlt. 14

15 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Es liegt auf der Hand, dass das Vertrauen der Geldgeber nicht gefördert wird, wenn gravierende Know-how-Defizite vorliegen. Vertrauen ist wichtig Tipp: Sie müssen gegenüber der Bank nicht als Finanzierungsprofi oder als begnadeter Betriebswirt auftreten. Aber versuchen Sie, sich zumindest ein Basiswissen anzueignen, wenn Sie in Finanzierungsgespräche eintreten. Fehler 9: Unseriöse Beratung bzw. Finanzierung Jeder kennt es, zumindest bei Privatkrediten: Es gibt Kredithaie und unseriöse Kreditvermittlungen usw. Aber auch im Geschäftsbereich muss man in dieser Beziehung vorsichtig sein. Auch hier gibt es schwarze Schafe. Achtung: Haben Sie immer den Hintergedanken: Warum machen es bei diesen vermeintlich günstigen Konditionen nicht alle so und wählen genau dieses Kredit-Schnäppchen? Fragen Sie sich immer: Wo ist der Haken? Schwarze Schafe Wo müssen Sie vorsichtig sein? Beim Kredit: Zunächst müssen die Konditionen transparent sein. Seien Sie vorsichtig, wenn nicht ausgiebig beraten wird, z. B. über die Optimierung der Bankkredite: Ist z. B. der langfristige Kredit günstiger als der mittelfristige? Lohnt sich das Disagio? die Nebenkosten: Wundern Sie sich nicht, wenn beim vermeintlich günstigen Kredit auf einmal eine Bearbeitungsgebühr anfällt. Auch die Bank will verdienen und zeigt Ihnen nicht immer die für Sie günstigste Finanzierungsmöglichkeit auf. Beteiligung: Was bedeutet Beteiligung für die Führung des Unternehmens? Wer Geld gibt, will in der Regel mitreden! Ist dies deutlich gesagt worden? Ausnahme: Man vereinbart die stille Beteiligung. Dort hat der stille Gesellschafter vertraglich kaum Mitspracherechte. Ansonsten Vorsicht! Wer redet später mit? 15

16 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Ein gesundes Misstrauen schadet nie! Auch das sonstige betriebswirtschaftliche Know-how muss stimmen Effektive betriebswirtschaftliche Instrumente Innovative Finanzierungsinstrumente können teuer werden: Man wundert sich vielleicht, wenn Private Equity deutlich teurer als jeder Bankkredit wird. Natürlich hört sich das Versprechen gut an: Sie sind unabhängig von Ihrer Bank. Aber was kostet diese Unabhängigkeit? Und in welche anderen Abhängigkeiten begeben Sie sich? Fehler 10: Andere betriebswirtschaftliche Instrumente werden nicht eingesetzt Gute Finanzierung ist nicht alles! Auch sonst muss die Welt im Unternehmen in Ordnung sein. Beispiel: Gut finanziert und trotzdem pleite! Durch eine gute Finanzierung ist es einer Kommanditgesellschaft (ein Lebensmittelunternehmen in Niedersachsen) gelungen, eine akzeptable Eigenkapitalquote zu erreichen (größer 30 %). Die Kommanditisten haben viel Eigenkapital gegeben, Kredite sind durchgängig zu günstigen Bedingungen gelaufen. Fazit: Die Finanzierung war o. k. Und trotzdem kam dieses Unternehmen in eine Krise: Es gab wenig Transparenz im Unternehmen. Das Controlling war kaum ausgebaut. Konkret: Man wusste nicht, mit welchen Produkten man Geld verdiente oder verlor. Marktforschung war kein Thema in diesem Unternehmen. Mit der Begründung Wir sind seit Jahrzehnten erfolgreich kümmerte man sich nicht um die wachsende Konkurrenz. Die Kosten liefen aus dem Ruder. Die Preise mussten steigen, nur der Markt ließ diese Kosten nicht mehr zu. In der Folge kam es zu Umsatzeinbrüchen. All dies führte letztlich zur Krise, die auch durch Eigenmittel nicht mehr aufgefangen werden konnte. Erst kam die Insolvenz, dann wurde das Unternehmen von einem Konkurrenten übernommen. Und all dies, obwohl die Finanzierung doch so in Ordnung war! Gute Finanzierung ist nur ein Baustein neben anderen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wichtig ist das übergreifende Knowhow. Und genau aus diesem Grund werden im Rahmen eines Ratingprozesses alle relevanten Faktoren des Unternehmens geprüft, auch z. B. die Qualität des Managements oder die Qualität der eingesetzten betriebswirtschaftlichen Instrumente (im Bereich Marketing/Vertrieb, Personal, Logistik, Controlling, EDV usw.). 16

17 Die 10 häufigsten Fehler bei der Finanzierung Checkliste: Fehler und Fallen bei der Finanzierung Prüfen Sie einmal grundsätzlich, wie kritisch Ihre Finanzierung ist. Gibt es große Risiken? Beurteilen Sie Ihre Finanzierung auf einer Skala von 1 bis 5. 1 = sehr kritisch, prüfen! 2 = hohes Risikopotenzial 3 = verbesserungswürdig 4 = weitestgehend o. k. 5 = optimal! Checkliste: Fehler und Fallen bei der Finanzierung 1. Wie gut sind Sie vorbereitet auf die Finanzierungsgespräche mit der Bank, Beteiligungsgebern usw.? 2. Muss bzw. musste Ihre Finanzierung überstürzt durchgeführt werden? 3. Ist Ihre Finanzierung eng geplant? 4. Haben Sie eine realistische Geschäftsentwicklung bei den Finanzierungsfragen unterstellt? 5. Meinen Sie, dass Ihre Finanzierungsvorstellungen im Kern realistisch sind? 6. Haben Sie alle Konditionen der Finanzierung kritisch überprüft? 7. Haben Sie ausreichend nach Alternativen für Ihre Finanzierung gesucht? 8. Sind Ihnen alle Bedingungen der Finanzierung bekannt und reicht Ihr Know-how für die Beurteilung? 9. Sind Sie sicher, dass alle Beteiligten an Ihrer Finanzierung (Berater, Kreditvermittler usw.) seriös sind? 10. Auch wenn vielleicht die Finanzierung stimmt: Haben Sie auch die anderen betriebswirtschaftlichen Instrumente im Griff? Siehe CD-ROM Checkliste 1: Fehler und Fallen bei der Finanzierung 17

18 1 Grundlagen der Finanz- und Liquiditätsplanung Finanz- und Liquiditätsplanung als Basis der Existenzsicherung Von Banken und Unternehmensberatern hört man immer wieder Klagen, dass Unternehmen sich zu wenig Gedanken um ihre Finanzierung und Liquidität machen. Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen wird dieses Thema oft sträflich vernachlässigt. Viele Unternehmer kümmern sich nur um das Tagesgeschäft und die Finanzierung überlassen sie der Hausbank. Erkennt man schließlich, dass die Liquidität zu Ende geht, ist es oft schon zu spät. Ziele eines Unternehmens Die Finanz- und Liquiditätsplanung stellt eine unabdingbare Voraussetzung für die Existenzsicherung eines Unternehmens dar. So zählt eine ausreichende Liquidität zu den wesentlichen drei Unternehmenszielen: 1. Liquidität: Ist ein Unternehmen nicht liquide (nicht zahlungsfähig) und kann daher seinen laufenden Verpflichtungen nicht mehr nachkommen (Gehaltszahlungen, Lieferantenrechnungen etc.), droht ein Insolvenzverfahren (frühere Bezeichnung: Konkurs). 2. Rentabilität: Ein Unternehmen muss rentabel arbeiten, d. h. das eingesetzte Kapital muss sich verzinsen. 3. Wachstum: In einer auf Wachstum ausgerichteten Gesamtwirtschaft muss ein einzelnes Unternehmen in der Regel mitwachsen, sonst gehen Marktanteile verloren. Auf lange Sicht besteht die Gefahr, dass ein Unternehmen ohne Wachstum vom Markt verdrängt wird. Fazit: Die Planung und Steuerung der finanziellen Balance eines Unternehmens ist eine der Hauptaufgaben der Unternehmensführung. 18

19 Strategische und operative Unternehmensplanung Strategische und operative Unternehmensplanung Ein Geschäftsführer eines Unternehmens sagte einmal: Die Erkenntnisse, die während des Planungsprozesses gewonnen werden, sind mir sogar wichtiger als die Ergebnisse der Planung selbst, denn im Rahmen der Planung werden alle Bereiche unseres Unternehmens lückenlos durchleuchtet. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Planung. Das vorrangige Ziel jeder Planung ist aber, zukünftiges Handeln gedanklich vorwegzunehmen, Handlungsalternativen zu bewerten und zielgerichtete Entscheidungen bestmöglich vorzubereiten. Die Sicherung der Liquidität ist im Zusammenhang mit der Finanzplanung dabei ein wesentlicher Aspekt. Unterhält man sich in den Unternehmen über Planung, wird strategisch oft mit langfristig, operativ mit kurzfristig gleichgesetzt. Das ist so nicht richtig bzw. nicht ausreichend. Strategische Planung ( Die richtigen Dinge tun ) fragt: Was ist meine Kernkompetenz? Habe ich die richtigen Produkte? Wo stehe ich im Markt? Wo soll es hingehen? Und nicht zuletzt: Sind Finanzen und Liquidität gesichert? Operative Planung bedeutet dagegen: Die Dinge richtig tun. Abgeleitet aus der Strategie wird gefragt, was die nächsten Schritte sind. Die Strategie wird in Maßnahmen übersetzt, das bedeutet die Umsetzung der Strategie durch kurzfristige, aber auch langfristige Maßnahmen, z. B. die Realisierung von Materialkostensenkung durch eine aktive Einkaufspolitik oder die Erreichung einer gesicherten Finanzierung durch günstige Kredite. Die konkrete Finanz- und Liquiditätsplanung ist abhängig von der strategischen Planung eines Unternehmens, u. a. Betriebsgröße des Unternehmens, Rechtsform, Anzahl der Mitarbeiter, Produktpolitik, Produktionskapazität usw. Die Finanz- und Liquiditätsplanung legt nun als Ergebnis dieser strategischen Rahmenbedingungen die Finanzierungswege für das Unternehmen fest. Strategisch heißt nicht immer langfristig Operativ heißt nicht immer kurzfristig Die strategische Planung gibt den Rahmen für die Finanzplanung vor 19

20 1 Grundlagen der Finanz- und Liquiditätsplanung Strategische Planung des Unternehmens Marktanteile Standorte Vertriebswege Mitarbeiteraufbau Umsatzsteigerungen Investitionen Technischer Fortschritt Produktpolitik Konkurrenzverhalten Konjunktureinschätzung Produktionsplanung Personalplanung Finanz- und Liquiditätsplanung Absatzplanung Investitionsplanung Abb. 1: Finanz- und Liquiditätsplanung als Ergebnis der strategischen Planung Die richtigen Dinge richtig tun Beispiel: Strategische und operative Planung eines Unternehmens für Gebäudemanagement Ein Unternehmen für Gebäudemanagement stellt sich im Rahmen der Strategiediskussion die folgenden Fragen: Wo liegt die Kernkompetenz unseres Unternehmens? Haben wir die richtigen Produkte? Wo stehen wir im Markt und in welche Richtung möchten wir uns entwickeln? Wie erreichen wir eine sichere Finanzierung unseres geplanten Wachstums? Im Rahmen der strategischen Unternehmensplanung wird festgehalten: Unsere Kernkompetenz ist das Gebäudemanagement. Wir sind Allroundanbieter aller Dienstleistungen im Zusammenhang mit Gebäudeverwaltung, -reinigung und technik. Unser Ziel ist es in drei Jahren regionaler Marktführer zu werden. In der operativen Planung für das nächste Geschäftsjahr wird entschieden: Im nächsten Geschäftsjahr planen wir die Betreuung von vier neuen Gebäudeobjekten. Wir erhöhen damit den Umsatz um 8 % mit lediglich 3 % Kostenerhöhung. Im Rahmen des geplanten Wachstums wird geprüft, ob es sinnvoll ist, neue Gesellschafter aufzunehmen oder eine Fremdfinanzierung durch Banken vornehmen zu lassen. 20

21 Aufgaben der Finanz- und Liquiditätsplanung Aufgaben der Finanz- und Liquiditätsplanung Der betriebliche Leistungsprozess löst eine Reihe Zahlungsströme aus. Gehälter und Waren müssen bezahlt werden, Umsatzerlöse gehen demgegenüber als Zahlungseingänge wieder ein. Ein Unternehmen muss die finanzielle Balance finden: Es müssen immer genügend liquide Mittel für Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung stehen. Zu viele liquide Mittel sind aber auch nicht vorteilhaft, da sie z. B. als Geld in der Kasse oder Sichteinlagen (Guthaben auf Bankkonten mit täglicher Verfügbarkeit, z. B. Girokonto) keine bzw. nur eine sehr niedrige Verzinsung erbringen. Sicherung der finanziellen Balance Die Aufgabe der Finanz- und Liquiditätsplanung ist die Beschaffung und Bereitstellung finanzieller Mittel. Konkret bedeutet dies, die Zahlungsbereitschaft eines Unternehmens kurz-, mittel- und langfristig zu erhalten, die günstigste Finanzierungsalternative zu wählen und das Risiko der Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit) zu minimieren. Das finanzielle Gleichgewicht ist gewahrt, wenn in einer Planperiode die Auszahlungen durch Einzahlungen gedeckt sind. Zu Deckungslücken kommt es dann, wenn die tatsächlichen Einzahlungen geringer ausfallen als die geplanten Einzahlungen, oder die Auszahlungen höher sind als geplant. Deswegen muss schon in der Finanz- und Liquiditätsplanung dafür gesorgt werden, dass eine Deckungslücke in der Realität gar nicht erst auftritt. Im Zweifel sorgt ein Liquiditätspolster dafür, das Risiko der Illiquidität zu vermeiden. Beispiel: Anpassungsmaßnahmen, wenn das finanzielle Gleichgewicht schwankt In einem Unternehmen der Metallindustrie wurden neue Maschinen durch Aufnahme neuer Bankkredite gekauft. Die Planung sah vor, dass die Zinsen und Tilgung für die neuen Maschinen durch den gesteigerten Absatz der Produkte, also durch höhere Umsatzeinnahmen, bezahlt werden könnten. Diese Einnahmen fielen jedoch deutlich niedriger aus als erwartet. Das Unternehmen drohte in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Man musste handeln. Das Unternehmen verkaufte seine Forderungen (Factoring), um schnell wieder finanziellen Spielraum zu bekommen. Ziel: Einzahlungen > Auszahlungen 21

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