Abschlussbericht. Hessen-Queensland Programm

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1 Januar 2007 Abschlussbericht Hessen-Queensland Programm Im September 2006 habe ich die Fachhochschule Frankfurt am Main für vier Monate verlassen um ein Trimester lang an der Bond University zu studieren. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt! Das Vorbereitungstreffen in Wiesbaden begleitet von sehr gutem Kuchen fand für mich in respektablem Abstand zur eigentlichen Abreise nach Australien statt, da einige Teilnehmer bereits im Frühling nach Queensland gingen. Das und die ersten Berichte derer, die dann im Sommer bereits in Australien waren, heizten die Vorfreude natürlich weiter an. Im Nachhinein kann ich bestätigen, dass sich so ziemlich alles bewahrheiten sollte, das an diesem Tag gesagt wurde, insbesondere von den anwesenden Studenten, die diese Erfahrung bereits gemacht hatten. Besonders möchte ich dabei drei Punkte hervorheben: Erstens, man findet eine Wohnung. Ich selbst habe wenige Wochen vorher eine Wohnung per reserviert, die etwa 5 Fußminuten vom Campus entfernt war und die von sehr wenig Ungeziefer bewohnt wurde. Zweitens, das Visum zu beschaffen ist kein Problem. Fällt man nach australischen Maßstäben in Assessment Level 1 (abhängig von der Staatsangehörigkeit), kann man sein Studentenvisum online beantragen. Der ganze Vorgang ist wirklich denkbar einfach. Man nimmt sich etwa eine Stunde Zeit, um die Formulare auszufüllen, zahlt ein paar hundert Euro mit der Kreditkarte und bekommt ein bis zwei Tage später eine Bestätigungsmail. Dann ist der Reisepass registriert und man kann nach Australien einreisen ohne irgendwelche Klebezettel im Pass und ohne einmal ein Konsulat besucht zu haben. Drittens, und das ist ganz besonders wahr, das Niveau ist so, dass man den Stoff noch in der Vorlesung verstehen kann. Dafür muss man aber etwas mehr und vor allem konstanter arbeiten als an einer deutschen Hochschule. Die Vorbereitungsveranstaltung ist also unersetzbar um schon mal einen Eindruck von den australischen Studien- und Lebensverhältnissen zu bekommen. Danach gab es für mich einige Monate zu überbrücken, bis dann eine zum Abreisetermin hin zunehmende leichte Nervosität einsetzte. Der Flug nach Australien ist lang, aber das sollte jetzt niemanden mehr überraschen. Mein Flug ging abends um 23 Uhr in Frankfurt los und ich kam morgens gegen 9 Uhr Ortszeit (zwei Tage später) in Brisbane an. Es spricht also alles (außer dem In-Flight Entertainment Programm) dafür, auf den Flügen möglichst viel zu schlafen. Die Einreise war eigentlich kein Problem; den Reisepass und den im Flugzeug ausgefüllten Zettel vorzeigen und man ist durch Immigration durch. Danach muß ich allerdings besonders gut in ein Fahndungsraster gepasst haben: männlich, Mitte 20, alleinreisend. Während ich auf meinen Koffer wartete, fragten mich fünf verschiedene Beamte nach meinem Paß und meinem Grund für die Einreise. Jetzt darf man von diesen Beamten aber nicht erwarten, daß sie auf Völkerverständigung geschult wurden oder gar wissen, was ein Auslandssemester ist und so kann man sich schon mal mit der Frage Sie kommen also zum Studieren nach Australien. Können sie nicht auch in Deutschland studieren? konfrontiert sehen. Aber mit etwas Geduld lässt sich auch das überstehen. Das größere Problem war, daß die Immigration und Customs Prozedur am ersten australischen Flughafen stattfindet, da alle weiteren Flüge Inlandsflüge sind. In meinem Fall musste ich also in Sydney auf mein Gepäck warten, durch den Zoll, der mit Menschen, Hunden und Maschinen nach organischem in jedem Gepäckstück sucht und schließlich zu meinem Anschlußflug nach Brisbane. Im Gegensatz zu meinem Gepäck habe ich diesen Flug auch noch bekommen. Glücklicherweise fliegt jede Stunde ein Flugzeug von

2 Sydney nach Brisbane, und so kam meine Tasche zwei Flüge später nach. Es empfiehlt sich also, am ersten australischen Flughafen etwas mehr Zeit als gewöhnlich einzuplanen. An die Flugreise schließt sich noch eine 1,5-stündige Zugreise an die Gold Coast sowie eine etwa halbstündige Busreise zur Bond Uni an. Bei der Bond Uni gibt es drei primäre Wohnoptionen: On-campus, University Place und Varsity Shores. On-campus bedeutet Mensaessen, das durchaus nicht zu verachten ist, denn kochen auf den Zimmern ist nicht erlaubt, sowie viele US-Amerikaner als Nachbarn. University Place und Varsity Shores bieten kleine Häuser für je 2-6 Leute, liegen genau gegenüber und wie schon erwähnt etwa 5 Fußminuten von der Uni entfernt. Preislich sind beide sehr vergleichbar, allerdings ist Varsity Shores neuer und sieht auch neuer aus. Wenn man also die Wahl hat, sollte die Entscheidung leicht fallen. Ich habe in University Place gewohnt, wo es allerdings eine sehr nette und hilfsbereite Managerin gab. Die Miete ist für die Lage neben der Uni vernünftig und durchaus auf dem Niveau Frankfurter Mietpreise. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass Haus in Australien meistens zusammengenagelte Holzbrettersammlung bedeutet, lässt es sich dort ganz gut für ein halbes Jahr leben. Wenn man die Küche sauber hält, bleiben sogar die Kakerlakenbesuche aus. Besonders angenehm ist auch die Anbindung an das Busnetz. Zwischen beiden Wohnanlagen und direkt vor der Uni ist jeweils eine Bushaltestelle und die Busse fahren direkt zum Bahnhof, von wo aus es Züge nach Brisbane gibt, zum Robina Town Centre (großes Shoppingzentrum), Pacific Fair (ebenfalls großes Shoppingzentrum), an den Strand und nach Surfer's Paradise, der Party Location an der Gold Coast. Zudem sind die Fahrkarten für Studenten sehr günstig. Ich bin drei Tage vor Beginn der Orientation Week angekommen. Viel früher würde ich nicht anreisen, denn es gibt erstmal nicht viel, was man unternehmen könnte und nach spätestens zwei Nächten ist man auch wieder in der Lage, einen Tag wach zu überstehen. Ich hatte das Glück, mit einer anderen Teilnehmerin des Hessen-Queensland Programms, die bereits eine Woche früher ankam, in einem Haus zu wohnen, so dass ich gleich am Anfang eine Einführung in das Leben in Robina bekam. Unser dritter Mitbewohner war ein australischer Fliesenleger Mitte dreißig. An dieser Stelle möchte ich vorwegnehmen, daß er der einzige war, mit dessen Englisch ich am Anfang Schwierigkeiten hatte. Alle anderen, insbesondere die Dozenten, sprachen ein gut verständliches Englisch, und nach zwei Monaten hatte ich mich auch an den Slang unseres Mitbewohners gewöhnt. Doch nun endlich zur Universität selbst. Der erste Eindruck ist enorm. Wenn man auf dem Campus steht, wirken die Gebäude noch monumentaler als auf den Fotos. Kurz gesagt, auf dem Campus kann man sich bei schönem Wetter (und wann gibt es dort unten mal nicht schönes Wetter) einfach nur wohl fühlen. Auch die inneren Werte stimmen, so hat die Uni 17 rund um die Uhr geöffnete Computerräume für gerade einmal Studenten. Auch für die kulinarische Verpflegung ist gesorgt mit einer Mensa, einem Restaurant, einer Bar und vier weiteren Essensausgabestellen. Es ist aber nicht immer nötig sein Essen zu kaufen, denn jeden Mittwoch und zu besonderen Anlässen findet mitten auf dem Campus am See ein kostenloses BBQ statt. Des weiteren befindet sich auf dem Campus neben den üblichen Einrichtungen ein Fitneßstudio mit Kursangebot, ein Schwimmbecken, eine Sauna und ein Arzt. Auch die Bibliothek mit großem Aufenthaltsbereich und guter WLAN Abdeckung lockt regelmäßig viele Studenten an. Ein weiterer Pluspunkt der Bibliothek ist die DVD Sammlung, die ausgewählte Kinohits und etliche Fernsehserien enthält. Für die Abendunterhaltung war also auch schon gesorgt. Meine erste Erfahrung mit dem administrativen Teil der Bond University war leider weniger positiv. Durch ein offenbares Kommunikationsproblem zwischen der School of Information Technology und Student Administration wurden mir nur Kurse angeboten, für die es keine Voraussetzungen gibt, also durchgehend Erstsemesterkurse. Daher konnte ich die Kurse von Deutschland aus noch nicht wählen, und ich bekam die ersten Tage erstmal einen Teilzeitstudentenstatus, der weder für das Visum noch für die ermäßigten Busfahrten reicht. Nach einer Reise vom Studentenbüro über Study Abroad und einige Lehrende der Informatik bin ich schließlich zu meinem Academic Advisor gekommen, der mir nach einem kurzen Gespräch meine gewünschten Kurse freigegeben hat. Das Informatikkursangebot ist nicht zu verachten und ich habe ohne weiteres zwei Kurse für meinen Netzwerkschwerpunkt gefunden. Aber auch kreativere Kurse wie 3D-Animation und Spieleprogrammierung standen zur Verfügung. Austauschstudenten steht es sogar offen, Kurse aus allen Fakultäten zu wählen, auch wenn diese nichts mit dem eigentlichen Studienfach zu tun haben. Das war aber auch schon die einzige organisatorische Panne, die ich mit der Universität erlebt habe. In allen anderen Belangen war die Bond University vorbildlich. So gibt es für alle Fragen einen Ansprechpartner oder ein Büro auf dem Campus. Egal ob man zur Campus Security geht, weil man wissen möchte, wo der

3 nächste Geldautomat ist oder IT Services fragt, wie man an seine Mails kommt. Außerdem gibt es an der Uni wenige Ungewissheiten. Vieles steht lange vorher bereits fest, wie zum Beispiel die Termine, an denen die Klausurtermine oder die Noten bekannt gegeben werden, und an diese Termine halten sich auch alle. So wusste ich bereits vor meinem Abflug, daß ich am 8. Januar meine Noten bekommen würde. Auch die Klausurtermine standen einen guten Monat vor der Klausurwoche fest und wurden nicht mehr geändert. Das sind nur zwei Beispiele für organisatorische Glanzleistungen, die ich von meiner Hochschule nicht gewohnt bin. Ein weiterer großer Vorteil ist, daß man vieles online erledigen kann. Dazu gehören Kurswahl, Abgabe von Assignments und Noteneinsicht. Wird eine Vorlesung verlegt oder fällt sie ganz aus, steht das auch rechtzeitig im Internet und man steht nicht verloren oder umsonst in der Uni. Die Orientation Week sollte man nicht verpassen, denn hier lernt man natürlich die Uni und die Kommilitonen kennen. Wer jetzt allerdings, wie ich, erwartet hat, an der Bond University viele australische Studenten kennen zu lernen, hat sich geirrt. Trotz der kleinen Kursgrößen war ich in keinem Kurs der einzige Deutsche und auch auf dem Campus hat man ständig jemand deutsch sprechen hören. Das ist Folge der sehr internationalen Ausrichtung der Bond Uni, die nur 50% australische Studenten hat. Auch in der nahen Umgebung unseres Hauses in University Place gab es mindestens sieben Deutsche, mit denen ich mich oft getroffen habe. Es war wirklich kaum nötig Englisch zu reden. Um dennoch etwas für ihre Sprachkenntnisse zu tun, sind einige Nicht-Englisch-Muttersprachler dazu übergegangen, auch untereinander Englisch zu sprechen. Ansonsten lernten wir bereits in der Orientierungswoche bei den Willkommensreden, daß die Uni einiges von ihren Studenten verlangt, aber auch für die nötige Unterhaltung sorgt. Auch auf diesem Gebiet dachte ich, ich wäre in einer anderen Welt. Es kam mir ja schon ein wenig seltsam vor, als mich mein Academic Advisor nach der Kurswahl fragte, ob die Kurse auch in Ordnung für mich wären, da ja zwei auf Donnerstag und Freitag fallen und mich das ja bei den Wochenendreisen einschränken würde. Dementsprechend fand auch die von der Uni angepriesene Hauptreise nach Great Keppel Island von Mittwoch Abend bis Sonntag Nacht statt. Auch die Partybegeisterten kommen nicht zu kurz. In dem offiziellen Booklet zur Orientation Week von der Uni standen Events wie 3 nights of absolute non-stop fun, Drink the pub dry und der Pub Crawl. Wer die Einführungswoche überstanden hatte, durfte sich dann auf den Donnerstag Abend freuen, wo die Party in der unieigenen Bar Don's Tavern begann mit anschließendem Bus-Shuttle nach Surfer's Paradise zum Weiterfeiern. Die Uni war einfach nicht organisiert für Vorlesungen am Freitag Morgen. Sollte in all dem Trubel doch mal etwas sehr schiefgehen, so versicherte uns die Campus Nurse, habe sie die Pille für den Morgen danach und Bond University Studenten bekommen eine Ermäßigung auf Emergency Contraceptives bei der nächsten Apotheke. Die vermutlich wichtigste Botschaft der Orientation Week war aber, dass wir nicht im Campussee schwimmen dürfen, weil es darin Haie gibt. Der gute Eindruck geht auch in den Vorlesungen und Übungen nicht verloren. Nachdem sich nach den ersten beiden Wochen, in denen man noch kostenlos Kurse wechseln darf, die Kursgrößen eingependelt haben, bleiben die Studentenzahlen in den Vorlesungen angenehm klein. In meiner größten Vorlesung waren wir etwa 20 Studenten, in der kleinsten drei (sic!). Um den nötigen Status eine Vollzeitstudenten zu bekommen, braucht man mindestens 30 Credit Points pro Trimester, was in den meisten Fällen drei Kursen entspricht. Man darf höchstens vier Kurse belegen. Ich belegte drei Kurse und war damit gut ausgelastet. Wie bereits erwähnt, hat man an einer australischen Uni ein bisschen was zu tun als Student. Das liegt daran, dass sich die Kursnote nicht aus einer Klausur am Ende des Semesters ergibt, sondern aus in der Regel drei Assignments, einem mid-term exam und einem final exam. Die Gewichtung ist jedem Dozenten selbst überlassen, aber meistens sind die Assignments und das mid-term je 10-20% und das final um die 40% der Endnote wert. Ab der dritten Woche, in der die ersten Assignments verteilt wurden, hatte ich also bis zur zwölften Woche stets etwas zu tun. Hier sieht man gleich eine weitere Besonderheit. Wir haben während des Semesters nicht nach Tagen und Monaten sondern nach Wochen gelebt. Woche 0 ist die Orientation Week, Woche 1 die erste Vorlesungswoche und Woche 13 weitgehend frei um für die Klausuren in Woche 14 zu lernen. Assignments sind zum Beispiel fällig Ende Woche 9 und der Ausflug nach Keppel Island ist in Woche 5. So lange man sich mit niemandem außerhalb der Uni unterhält funktioniert das auch einwandfrei. Die drei Kurse, die ich belegt hatte, waren Multimedia 1, Network Computing 2 und Networking Technologies. Aus Interesse habe ich noch die Vorlesungen zu Australian History besucht, die auch

4 weiterempfehlen kann, allerdings ohne den Schein zu machen oder an den Übungen teilzunehmen. Ich hatte mit den anderen drei Kursen schon genug Beschäftigung und mir ist auch jetzt noch unklar, für welchen Kurs an der FH ich mir das hätte anrechnen lassen sollen. Multimedia 1 ermöglichte es mir, mal etwas über den Tellerrand hinauszuschauen und etwas Kreativeres im Bereich Informatik zu versuchen. Der Kurs bestand aus einem theoretischen Teil mit Kunstgeschichte, Farblehre, Typographie und vielen Designregeln. Im praktischen Teil haben wir gelernt, mit Adobe Illustrator und Photoshop umzugehen. Statt den Assignments gab es in Multimedia 1 zwei Projekte, in denen wir die gelernte Theorie mithilfe der genannten Programme in die Praxis umsetzen mussten und ein practical exam, in dem wir unsere Photoshop- und Illustrator-Fähigkeiten unter Klausurbedingungen unter Beweis stellen mussten. In den Projekten sollten wir eine Visitenkarte und ein DVD Case designen. Die dazugehörigen Übungen fanden bei einer Tutorin statt, und die drei Stunden pro Woche verliefen sehr angenehm, nachdem sie uns versicherte, daß wir während der Übung mit Kopfhörern Musik hören oder etwas essen können. Die Dozentin war britischen Ursprungs, so daß man sie ohne Probleme verstehen konnte. Neben Multimedia 1 hält sie auch alle Folgekurse wie 3D Animation und Spieleprogrammierung und es war offensichtlich, dass sie wusste, wovon sie spricht. Für Multimedia 1 war ein Buch für $88 vorgeschrieben, in dem wir als Hausaufgabe jede Woche ein, zwei Artikel lesen durften. Der Kurs war für mich eine angenehme Abwechslung und ich habe auf jeden Fall gelernt, was ich mir vorgenommen hatte und noch etwas mehr. Network Computing 2 war schon aufgrund der Größe ein besonderer Kurs. Wir waren drei Studenten, zwei Deutsche, ein Australier und der Dozent war Österreicher. Trotzdem fand die Vorlesung, sehr zur Erleichterung des Australiers, auf Englisch statt. Schwerpunkte waren Linux und C, was mir sehr entgegen kam. Alle drei Assignments waren Programmieraufgaben, die auch alle etwas anspruchsvoller waren, als ich es von der FH gewöhnt war. Das hatte allerdings sein Gutes, denn so musste man über die Aufgabe nachdenken, sich an die RFCs (Standarddokumente) halten und konnte so an einer eher praxisnahen und weniger konstruierten Aufgabe arbeiten. Auch hier hatte der Dozent absolut die nötige Fachkompetenz und er war konsequent genug, gleich in der ersten Vorlesung allen Anwesenden klarzumachen, welche Vorkenntnisse man zum Bestehen mindestens haben müsse. Daraufhin schrumpfte der Kurs von sechs auf drei Studenten innerhalb der ersten beiden Wochen. Networking Technologies ist mit Sicherheit der Kurs, in dem ich am meisten gelernt habe. Die Vorlesung lässt sich am besten als fortgeschrittene Rechnernetze Vorlesung beschreiben, nach der man sehr solide Grundkenntnisse über gegenwärtige Netzwerktechnologien hat und nicht nur solche, die man täglich antrifft. Der Kurs knüpfte somit perfekt an die Rechnernetze Vorlesung an, die ich ein Semester zuvor an der FH gehört hatte. Da es an der FH allerdings keinen entsprechenden weiterführenden Kurs gibt, war ich froh, in Australien die Gelegenheit zu bekommen. Die Assignments in Networking Technologies waren die anspruchsvollsten. Gefordert waren Recherchen, Analysen von Problemfällen und Lösungsmöglichkeiten und Transferleistungen kombiniert mit einigen Fangfragen in den exams. Der Dozent hatte vor seiner Lehrtätigkeit jahrelang praktische Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt und ist außerdem Cisco CCNA Ausbilder. Es gelang uns in dem Semester vielleicht zweimal, ihn mit Fragen in Verlegenheit zu bringen und Fragen stellten wir viele. Durch die geringe Kursgröße, die gemütlich eingerichteten Computerräume und die sehr umgängliche Art des Dozenten sahen die Übungsstunden mehr aus wie Kaffeekränzchen. Das soll aber nicht heißen, der Kurs hätte nichts gebracht. Durch den Humor des Dozenten und seine Begabung, komplexe Sachverhalte anschaulich zu vermitteln, war Networking Technologies die ergiebigste Vorlesung, die ich an der Bond University belegt hatte. Seine Vorliebe dafür, Punkte in Assignments und exams abzuziehen spornte noch mehr an, ihm keine Gelegenheit dazu zu geben. In beiden Netzwerkkursen waren eigentlich jeweils zwei Bücher vorgeschrieben, die man sich hätte kaufen müssen. Zum Glück bestanden die Dozenten jedoch nicht darauf, was zu einer erheblichen Verringerung der Ausgaben führte. Ich konnte auch nicht sehen, an welcher Stelle die Bücher notwendig gewesen wären, denn eigentlich reichten immer die Vorlesungsmaterialien sowie das Internet, im Notfall auch die Bibliothek. In allen drei Kursen war das Feedback zu den abgegebenen Arbeiten hervorragend. Zu größeren Projekten bekamen wir vom Dozenten eine jeweils zweiseitige Rechtfertigung für jeden abgezogenen Punkt. Dies war natürlich sehr hilfreich, um die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen, ist aber sicher nur aufgrund der sehr kleinen Kursgrößen möglich. Die Vorlesung Australian History, die ich zusätzlich besuchte, führte von der Entdeckung Australien durch

5 die Europäer über die Buschmänner und die Staatsgründung bis in die politische Gegenwart und verlieh dem Semester die australische Note. Bei allen Vorzügen dieser Hochschule sollte man sich jedoch trotzdem fragen, ob einem das die circa Euro im Jahr, die das Studium an der Bond University normalerweise kostet, wert wäre. Soziale Integration in nur einem Trimester ist nicht leicht. Natürlich bildeten alle deutschen Studenten, die in unmittelbarer Nähe zueinander wohnten, ein solides Grüppchen, aber in den Vorlesungen lernten wir uns erst in den letzten Wochen kennen. Und für die meisten war es dann auch wieder vorbei, denn am Ende jedes Trimesters lautet die Frage der Längerbleibenden: Bist du nächstes Semester auch noch hier?. Trotzdem reicht die Zeit natürlich aus, um sich mit Leuten aus anderen Ecken der Welt auszutauschen. So waren wir die ersten Wochenenden unterwegs zum Strand, nach Brisbane und zu nahe liegenden Nationalparks, was recht leicht möglich war, da sich eine Kommilitonin dankenswerterweise ein Auto gekauft hatte. Von Freitag bis Sonntag fühlten wir uns wie im Urlaub und den Rest der Woche als Studenten. Dazu kommt, daß der Strand in etwa 15 Minuten mit dem Bus zu erreichen ist und die Temperaturen von September bis Dezember zwischen 25 und 30 Grad bei niedriger Luftfeuchtigkeit lagen. Inlandsflüge sind verhältnismäßig billig und viele interessante Ziele wie Sydney, Fraser Island, die Whitsundays oder Cairns sind in erreichbarer Entfernung. Das Great Barrier Reef vor der Küste Nordqueenslands eignet sich natürlich hervorragend zu tauchen und wer noch keinen Tauchschein hat, kann einen von der Uni organisierten Tauchkurs besuchen. Nach den ersten paar Wochen habe ich mich an den Wochenenden allerdings eher um die Assignments gekümmert. Natürlich steht es hier jedem frei, zwischen Endnote und Ausflügen abzuwägen und man kann auch noch eine gute Note bekommen ohne jedes Assignment abzugeben, aber ich hatte für die Zeit nach der Klausurwoche ohnehin noch einen dreiwöchigen Urlaub eingeplant. Um so etwas zu ermöglichen ist das Studentenvisum noch einen Monat nach Ende der Vorlesungszeit gültig. Die auf einen zukommenden Kosten sind überschaubar. Den Löwenanteil macht die Miete aus. Lebensmittel und viele andere Sachen sind in Australien entsprechend den dort üblichen Gehältern billiger als in Deutschland. Ebenso sind CDs und DVDs deutlich billiger als hier. Dafür sind Computer- und Elektronikartikel meist teurer. Strom kostet zwischen $0,80 und $1,00 pro Tag und Person. Ein Festnetzanschluß $20 wobei ein Ortsgespräch $0,50 kostet, egal wie lange es dauert. In Kombination mit International Calling Cards, die teilweise nur 0,5 Cents die Minute berechnen, ermöglicht das sehr günstige Gespräche nach hause. Im Gegensatz dazu sind Internetanschlüsse nicht gerade günstig. Flatrates sind eher unüblich und auch die Bandbreite ist geringer als man es von Deutschland gewohnt ist. Für $60 bekommt man eine quälend langsame (256kbit) Flatrate. Daher ist es wohl sinnvoller seine Internetgeschäfte in der Uni zu erledigen, was Dank 17 Computerräumen und WLAN aber auch kein Problem sein sollte. Bei einer Unterkunft im University Place kommt zum Schluss noch eine Endreinigung mit $100 pro Person dazu. Ein australischer Dollar ist schon seit Jahren etwa 0,60 Euro wert. Zu dem kommt natürlich noch der Flug, der oberhalb von Euro liegen dürfte, den man ja aber anteilig auf den anschließenden Urlaub umrechnen darf. Für mich war das Auslandssemester eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe eine andere Hochschule erlebt, gesehen, wie weit ich mit meinem Englisch komme und wie gut ich allein am anderen Ende der Welt leben kann. Am schwierigsten war es sicherlich, dreieinhalb Monate auf meine Freundin verzichten zu müssen, aber dank Internet und Telefon ließ sich die Zeit doch überstehen. Am Ende war das Auslandssemester einfacher und unkomplizierter, als ich dachte. Andreas Renner, Student der Fachhochschule Frankfurt am Main

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