Betriebliches Energiemanagement

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1 Georg Pfeifer Betriebliches Energiemanagement EDITION TÜV AUSTRIA Einführung eines Energiemanagements nach EN und ISO Aufbau Implementierung und Betreuung Zertifizierung

2 Georg Pfeifer Betriebliches Energiemanagement Einführung eines Energiemanagements nach EN und ISO Auflage, 2011 Stand: Juli 2011 Aufbau Implementierung und Betreuung Zertifizierung

3 Impressum Betriebliches Energiemanagement Einführung eines Energiemanagements nach EN und ISO Auflage, 2011 Stand: Juli 2011 Autor: Dipl.-Ing. Georg Pfeifer, BSc Medieninhaber: TÜV AUSTRIA AKADEMIE GMBH Leitung: Mag. (FH) Christian Bayer 1100 Wien, Gutheil-Schoder-Gasse 7a/3. OG Tel.: +43 (1) Fax: +43 (1) Produktion: MetroCom Marketing, 1180 Wien Produktionsleiter: Michael Thomas Layout: studio rothbauer Druck: HOLZHAUSEN Druck GmbH, 1140 Wien Fotos: Cover: bilderbox.com, Hans Ringhofer, BMLFUW/Newman 2011 TÜV AUSTRIA AKADEMIE GMBH Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die Rechte der Verbreitung, der Vervielfältigung, der Übersetzung, des Nachdrucks und der Wiedergabe bleiben auch bei nur auszugsweiser Verwertung dem Verlag vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anders Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Medieninhabers reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Trotz sorgfältiger Prüfung sämtlicher Beiträge in diesem Werk sind Fehler nicht auszuschließen. Die Richtigkeit des Inhalts ist daher ohne Gewähr. Eine Haftung des Herausgebers oder des Autors ist ausgeschlossen. UZ 24 Schadstoffarme Druckerzeugnisse UW 680 HOLZHAUSEN Druck GmbH

4 Vorwort Mein Ziel für Österreich ist die Energieautarkie bis zum Jahr Bis zum Jahr 2020 werden wir 34 Prozent des Gesamtenergiebedarfs mit Erneuerbaren Energieträgern decken. Darüber hinaus werden wir den CO 2 -Ausstoß in den Bereichen Verkehr, Raumwärme und Industrie um 16 Prozent verringern. Damit wir diese Ziele erreichen können, erarbeiten wir Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz insbesondere im Bereich der Gebäudewärme, der Warmwasserbereitung und der Gebäudekühlung. In Summe macht dieser Bereich in Österreich mehr als ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs aus. Daher forcieren wir die Umstellung auf erneuerbare Energieträger. Und das ist machbar, wie jetzt auch Studien belegen. Energieautarkie ist ein Gesamtkonzept, bei dem alle profitieren: die Menschen, die Umwelt und das Klima, der Arbeitsmarkt und die österreichische Wirtschaft. Daher setze ich mich auch weiterhin für den Ausbau der erneuerbaren Energiesysteme und mehr Energieeffizienz ein. Damit wir die Energieautarkie erreichen können, braucht es ein grundsätzliches Umdenken und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen. Mit der Klimaschutzinitiative klima:aktiv, dem Klima- und Energiefonds und der Umweltförderung setzt das Lebensministerium bereits wirksame Maßnahmen für eine nachhaltige Energiezukunft. Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger bedeutet dabei nicht, dass wir auf etwas verzichten müssen. Dienstleistungen, wie Mobilität, Wärme und Stromversorgung werden auch in einem energieautarken Österreich angeboten. Wir müssen nur Alternativen nutzen und effizienter sein. Dafür brauchen wir auch technologische Entwicklungen, wie effiziente Elektrofahrzeuge, oder Geräte. Die Klimaschutzinitiative klima:aktiv bietet Betrieben und Gemeinden Unterstützung bei der Einführung von betrieblichen Energiemanagementsystemen an. In den Schulungen des klima:aktiv Programms energieeffiziente Betriebe werden Energieberaterinnen und Energieberater, sowie Energiemanagerinnen und Energiemanager mit den Grundlagen zur Einführung von Energiemanagement vertraut gemacht. Geschulte Beraterinnen und Berater bieten dabei ihre Unterstützung. Nutzen Sie die umfangreichen Angebote des klima:aktiv Netzwerks und optimieren Sie noch heute ihren Energiehaushalt. Damit erreichen Sie eine dauerhafte Senkung Ihrer Energiekosten und liefern einen bedeutenden Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. DI Niki Berlakovich Umweltminister

5 Vorwort des Herausgebers Energie-Effizienz ist das Thema der nächsten Jahre. Die Energiekosten steigen kontinuierlich und werden immer unberechenbarer. Der bevorstehende Ausstieg aus der Kernenergie wird die Kosten- und Versorgungssituation verschärfen. Nicht nur energieintensive Betriebe müssen sich mit ihrer eigenen Energiepolitik und dem effizienten Einsatz von Ressourcen beschäftigen. Dazu hat der langjährige Auditor und TÜV-Experte Dipl.-Ing. Georg Pfeifer dieses Buch erstellt. Ein funktionierendes Energiemanagement im Unternehmen muss geplant, umgesetzt, kontrolliert und adaptiert werden. Für Betriebsleiter, Geschäftsführer, Energiemanager, -Auditoren und weitere Personen, die für Energieeffizienz verantwortlich sind, enthält dieses Buch grundlegendes Wissen und Anforderungen für die Einführung eines Energie-Management-Systems nach EN und ISO Christian Bayer TÜV AUSTRIA Akademie GmbH Geschäftsführer

6 Vorwort Der weltweite Bedarf an Energie scheint ungebremst zu steigen. Auch wenn die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre in einigen Volkswirtschaften zu Rückgängen des Energiebedarfs geführt hat, zeigt der langfristige Trend nach oben. Gestillt wird der Hunger nach Energie zum überwiegenden Teil über fossile Rohstoffe. Die damit verbundenen Problematiken, wie Endlichkeit der Ressourcen und Ausstoß an CO 2 - Emissionen, beschäftigen die Wissenschaft, die Politik, Wirtschaftsunternehmen und nicht zuletzt die privaten Haushalte. Unser Wohlstand ist eng mit der Verfügbarkeit an Energieträgern verbunden womit das Thema Energie die Wirtschaft und die Privatpersonen gleichermaßen betrifft Energie geht uns alle an! Wie die Verfügbarkeit der Energieversorgung auch in Zukunft sichergestellt werden kann, wird seit Jahren wissenschaftlich und öffentlich untersucht und diskutiert. Hier treffen verschiedenste Meinungen aufeinander. Eines scheint klar und unumstritten: mit den derzeit zur Verfügung stehenden Technologien ist es ein Gebot der Stunde den spezifischen und absoluten Energiebedarf zu senken. Dies ist über die Optimierung des Energieeinsatzes und über die Steigerung der Energieeffizienz zu realisieren. Energiemanagement zielt exakt darauf ab, die betriebliche Energiesituation zu verbessern, die Treibhausgasemissionen zu verringern und Kosten für Energie zu reduzieren. Somit ist ein Energiemanagementsystem als erforderliches Werkzeug für jedes Unternehmen zu sehen. Steigende Energiekosten bedingen zwangsläufig, dass sich Unternehmen mit den Themen Energieversorgung und Energieeffizienz auseinanderzusetzen. Der Aufbau, die Implementierung und die Betreuung eines Energiemanagementsystems werden im vorliegenden Buch aufgezeigt. Georg Pfeifer Vorau, 1. Juli 2011

7 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 1.1 Allgemeines Begriffsbestimmungen Allgemeines Begriff Managementsystem Begriff Energie Begriff Energiemanagementsystem Begriff Energieeffizienz Begriff Audit Begriff Akkreditierung Begriff Zertifizierungsstelle Begriff Zertifizierung Begriff Auditor Geschichte des Energiemanagements 2.1 Literaturrecherche Auswertung der Ergebnisse Anforderungen an Energiemanagementsysteme 3.1 Allgemeine Anforderungen Einführung eines Energiemanagementsystems Beschluss der obersten Leitung Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten festlegen Energiepolitik festlegen Erstes Energieaudit / Überprüfung der Energiesituation Energieaspektermittlung Energiemanagementhandbuch / Dokumentation erstellen Ziele und Programm festlegen Maßnahmen umsetzen Schulung, Bewusstsein und Kommunikation Überprüfung der Zielerreichung / internes Audit Bewertung durch die oberste Leitung Zusammenfassung Anforderungen gemäß ÖNORM EN Allgemeines Anforderungen an ein Energiemanagementsystem Energiepolitik Planung Verwirklichung und Betrieb Überprüfung Überprüfung des Energiemanagementsystems durch das Top-Management Besonderheiten der EN Anforderungen der ISO Allgemeine Anforderungen Allgemeine Verantwortung des Managements Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnis... 58

8 3.4.4 Energiepolitik Energieplanung Rechtliche und andere Anforderungen Energetische Bewertung Energetische Ausgangsbasis Energieleistungskennzahlen Strategische und operative Ziele sowie Aktionspläne Verwirklichung und Betrieb Ablauflenkung Kommunikation Auslegung Beschaffung von Energiedienstleistungen, Produkten und Einrichtungen Beschaffung von Energie Überwachung, Messung, Analyse Bewertung der Einhaltung rechtlicher und anderer Vorschriften Interne Auditierung des Energiemanagementsystems Nichtkonformitäten, Berichtigungen, Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen Lenkung von Aufzeichnungen Management-Review Systembetreuung Identifizierung von wesentlichen Energieaspekten 4.1 Allgemeines Elektrische Energie Allgemeines Energiebuchhaltung Datenerhebung - Technik Lastmanagement Kennzahlen Zusammenfassung Gebäudetechnik Allgemeines Werkzeuge zur Erhebung der Istsituation Kennzahlen Zusammenfassung Sonstige Leitfäden / Checklisten Sonstige Kennzahlen zur Messung der Energieeffizienz Zusammenfassung Fördermöglichkeiten 5.1 Allgemeines Betriebliche Umweltförderung Inland (UFI) Forschungsförderung Innovationsscheck des FFG Basisprogramme des FFG

9 5.3.3 Jahresprogramme des Klima- und Energiefonds EU-Förderungen 7. EU Rahmenprogramm (ER7) Förderung für die Einführung von Energiemanagementsystemen Investitionsförderung Beratungsförderung Zusammenfassung Zertifizierung 6.1 Allgemeines Zertifizierungsstellen Zertifizierungsverfahren Informationsgespräch Voraudit (optional) Auditstufe Prüfung der EM Unterlagen Festlegung des Auditprogramms Zertifizierungsaudit Nachaudit Erteilung des Zertifikates Ausblick Ergebnisse und Schlussfolgerungen Zusammenfassung Verzeichnisse 9.1 Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Formelzeichen, Indizes und Abkürzungen TÜV AUSTRIA Verantwortung für Generationen TÜV AUSTRIA Adressen

10 Einleitung EDITION TÜV AUSTRIA

11 1 Einleitung 1.1 Allgemeines Energieeffizienz ist innerhalb der Europäischen Union zunehmend ein bedeutendes Thema, da die EU über 50% ihres Rohölbedarfs importiert und davon ausgegangen wird, dass dieser Anteil auf 70% innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre steigen wird (BAT-Document Energy Efficiency, 2009). Weiters zeigen die Statistiken der Industrienationen, dass der Gesamtbedarf an Energie, mit Ausnahme der letzten beiden Krisenjahre, jährlich um rund 3% steigt. Abbildung 1.1 veranschaulicht den Anstieg des weltweiten Primärenergiebedarfs seit Abbildung 1.1: Gesamter weltweiter Primärenergieverbrauch (Quelle: iea) Das Thema Energiemanagement wird seit mehreren Jahrzehnten wissenschaftlich betrachtet. Wobei die ersten Publikationen zu diesem Fachthema verstärkt dem Umweltschutzgedanken folgten und damit schwerpunktmäßig die Umweltbelastungen in Zusammenhang mit der Energienutzung betrachteten. Diese Ansätze fanden auch in den diversen Umweltschutzgesetzgebungen Eingang. Energieeffizienz gewinnt aber auch in der europäischen Gesetzgebung mehr und mehr an Bedeutung. Als Beispiel sei hier die Richtlinie 2006/32/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2006 über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen, welche eine Energieeinsparung von 9% vorsieht, oder die Mitteilung der Kommission 20 und 20 bis 2020 Chancen Europas im Klimawandel zu nennen. Ziele dieser gesetzlichen Vorgaben sind, unter anderem, die CO 2 -Emissionen zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und den Anteil erneuerbarer Energien zu steigern. Energieeffizienz hat neben dem allgemeinen Umweltschutzgedanken für die Betreiber von (Industrie-)Anlagen den Kosteneinsparungsaspekt. So zeigen Beispiele aus den frühen 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, dass Energiemanagementsysteme aktiv betrieben worden sind. 10 Energiemanagement Einleitung

12 Mit dem Aufkommen der Umweltmanagementsysteme und der Möglichkeit, diese zertifizieren zu lassen, wurde in einem Großteil der Betriebe Energiemanagement als Teil des Umweltmanagements betrachtet. Mit der Veröffentlichung der ÖNORM EN bzw. der ISO haben eigenständige Energiemanagementsysteme an Bedeutung gewonnen. Die Möglichkeit, diese Systeme zertifizieren zu lassen, wird deren Anwendung stark verbreiten. Der Nutzen eines Managementsystems für ein Unternehmen hängt in erster Linie von der Identifikation der Obersten Leitung mit dem System ab und kann nur erfolgreich sein, wenn das Managementsystem als Werkzeug zur Lenkung und Leitung des Unternehmens verstanden wird. Die Einführung von Energiemanagementsystemen bedarf in einem ersten Schritt auch finanzieller Ressourcen. Die aktuellen Fördermöglichkeiten für die Einführung von Energiemanagementsystemen werden mit dem vorliegenden Buch, im Kapitel 5, aufgelistet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es, die wesentlichen Energieaspekte in einem Unternehmen zu identifizieren. Diese sollen herangezogen werden, um die kontinuierliche Verbesserung voranzutreiben und die Energieeffizienz zu heben. In diesem Buch werden Methoden aufgezeigt, welche geeignet sind, wesentliche Energieaspekte (elektrische Energie, Wärmeenergie, allgemeiner Ressourceneinsatz, Energieverluste, etc.) zu identifizieren. Die Anforderungen an Aufbau, Implementierung und Betreuung eines Energiemanagementsystems werden im vorliegenden Buch behandelt. Als Rahmen für den Aufbau eines Energiemanagementsystems können die Anforderungen der ÖNORM EN (Kapitel 3.3) bzw. der ISO Kapitel (3.4) herangezogen werden. Möglichkeiten, wie ein Energiemanagementsystem in einem Unternehmen / einer Organisation implementiert werden kann, behandelt das Kapitel 3.2 Einführung eines Energiemanagementsystems. Um ein Energiemanagementsystem zu zertifizieren, sind bei der Implementierung die Anforderungen, wie in Kapitel 6 Zertifizierung beschrieben, zu berücksichtigen. Welche Hauptaufgaben und Tätigkeiten zur Betreuung eines Energiemanagementsystems notwendig sind, beschreibt Kapitel 3.5 Systembetreuung. Die Einführung eines Energiemanagementsystems bedarf auch finanzieller Ressourcen. Die Fördermöglichkeiten für Energiemanagementsysteme werden im Kapitel 5 behandelt. Die Anwendung von Energiemanagementsystemen trägt somit bei, die Energieeffizienz zu erhöhen und den allgemeinen Ressourceneinsatz in den (produzierenden) Betrieben zu senken. Energieeinsparungen von Betrieben sind ein wesentlicher Beitrag, um die jeweiligen nationalen Energiestrategien zu erfüllen und in weiterer Folge die Abhängigkeit von Rohöl zu minimieren. Daraus ergeben sich gesamtökologische Vorteile und Kosteneinsparungen für das Einzelunternehmen. Einleitung Energiemanagement 11

13 1.2 Begriffsbestimmungen Allgemeines Grundidee eines jeden Managementsystems ist der Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung. Alle einschlägigen ISO Managementnormen folgen diesem Grundgedanken. Abbildung 1.2 veranschaulicht den Ansatz der ständigen Verbesserung. Dieser Prozess wird auch PDCA Zyklus genannt, wobei P für den englischen Begriff Plan, D für den englischen Begriff Do, C für den englischen Begriff Check und A für den englischen Begriff Act steht. Kontinuierliche Verbesserung Energiepolitik Planung Management Review Einführen und betreiben Internes Audit Kontrolle und Korrekturmaßnahmen Überwachen und Messen Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen Abbildung 1.2: PDCA Zyklus eines Energiemanagementsystems (ÖNORM EN 16001:2009) Im Sinne der ÖNORM EN 16001:2009 werden die Begriffe Plan (Planen), Do (Einführung/Umsetzung), Check (Überprüfung) und Act (Verbesserung) wie folgt definiert: Plan (Planung): Definition der erforderlichen Ziele und Prozesse zur Erzielung der Ergebnisse in Übereinstimmung mit der Energiepolitik der Organisation. Do (Einführung/Umsetzung): Einführung der Prozesse. Check (Überprüfung): Überwachung und Messung der Prozesse mit Blick auf energiepolitische Grundsätze, strategische und operative Ziele, gesetzliche Anforderungen und andere Verpflichtungen, welche die Organisation eingegangen ist, sowie Dokumentation der Ergebnisse. Act (Verbesserung): Ergreifen von Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Leistung des Energiemanagementsystems. 12 Energiemanagement Einleitung

14 1.2.2 Begriff Managementsystem Ein Managementsystem (MS) wird definiert als ein Satz zusammenhängender Elemente, der gebraucht wird, um eine Politik und Zielsetzungen zu formulieren und diese Zielsetzungen zu erreichen. (ISO 14001:2005, Punkt 3.8, Anmerkung 1) Ein Managementsystem umfasst eine Organisationsstruktur, Planungsaktivitäten, Verantwortlichkeiten, Praktiken, Verfahren, Prozesse und Ressourcen. (ISO 14001:2005, Punkt 3.8, Anmerkung 2). In Anlehnung an die ISO 9000 kann ein Managementsystem als ein Werkzeug zur Leitung und Lenkung eines Unternehmens bezeichnet werden (ISO 9000:2000, Punkt 3.2.3) Begriff Energie Energie wird nach der EN als Elektrizität, Brennstoff, Dampf, Wärme, Druckluft und vergleichbare Medien beschrieben. Des Weiteren wird Energie als abstrakter Begriff angesehen und in der internationalen SI-Einheit, Joule (J), angegeben. (ÖNORM EN 16001:2009, Kapitel 2) Begriff Energiemanagementsystem Ein Energiemanagementsystem (EMS) ist die Gesamtheit von miteinander zusammenhängenden oder in Wechselwirkung zueinander stehenden Elementen einer Organisation zur Erstellung einer Energiepolitik sowie strategischer Ziele zur Erreichung dieser Ziele. (ÖNORM EN 16001:2009, 2.5) Begriff Energieeffizienz Energieeffizienz wird definiert als Verhältnis zwischen dem Ergebnis der Tätigkeiten, Waren oder Dienstleistungen einer Organisation und der eingesetzten Energie (ÖNORM EN 16001:2009, 2.10) Begriff Audit Ein Audit ist ein systematischer, unabhängiger und dokumentierter Prozess zur Erlangung von Auditnachweisen und zu deren objektiver Auswertung, um zu ermitteln, inwieweit bestimmte Auditkriterien erfüllt sind (ISO/IEC 17000: 2005, Kapitel 4.4, S.8). Das Audit stellt im Falle der Zertifizierung von Managementsystemen die fachkompetente Begutachtung durch fachkundige Auditoren dar. Ein Audit ist die Grundlage und Voraussetzung der Zertifizierung, nämlich der (bloß) förmlichen Konformitätsaussage eines unparteiischen Dritten ( 7 Z 9 AkkG:2002). Die Durchführung von Audits ist ein umfangreicher Prozess der in 3 Hauptschritte eingeteilt werden kann. Diese sind Auditvorbereitung oder Auditplanung, Auditdurchführung und Auditnachbereitung (Berichterstellung). Auditnachweise werden aufgrund von Zahlen, Daten und Fakten erhoben. Mit dieser Vorgehensweise soll die Objektivität sichergestellt werden. Auditnachweise werden durch Einsicht in Unterlagen, Gespräche mit MitarbeiterInnen und durch Begehungen vor Ort erhoben. Abbildung 1.3 zeigt eine Auditsituation im Zuge einer Begehung vor Ort. Einleitung Energiemanagement 13

15 1.2.7 Abbildung 1.3: Auditsituation Begriff Akkreditierung Eine Akkreditierung ist die formelle Anerkennung durch eine maßgebliche Stelle, dass eine Stelle kompetent ist, bestimmte Tätigkeiten auszuüben ( 7 Z 1 AkkG:2002). Maßgebliche Stelle, welche in Österreich Akkreditierungen durchführt, ist der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit ( 8 AkkG:2002). Er wird im Akkreditierungsverfahren durch Mitarbeiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) vertreten Begriff Zertifizierungsstelle Anforderungen an Stellen, die Managementsysteme zertifizieren sind in der ÖNORM EN ISO/IEC 17021:2006 definiert. Die ÖNORM EN ISO/IEC bildet somit die bedeutsamste Grundlage im Akkreditierungsverfahren zur Zertifizierungsstelle für Managementsysteme und stellt auch im Falle der Leistungserbringung durch eine Gewerbeberechtigung den Rahmen allgemeiner technischer Grundlagen und Sorgfaltspflicht dar. Hinsichtlich des Betriebes einer Zertifizierungsstelle ist in diversen Fachnormen eine Vielzahl von Anforderungen definiert. Die Einhaltung der Anforderungen ist vorgesehen um sicherzustellen, dass Zertifizierungsstellen die Zertifizierung inklusive Auditierung von Managementsystemen kompetent, konsistent und unparteilich durchführen und dadurch die Akzeptanz der Zertifizierung erhöht wird (ISO/IEC 17021:2006, S.7). 14 Energiemanagement Einleitung

16 Anforderungen an Energiemanagementsysteme EDITION TÜV AUSTRIA

17 3 Anforderungen an Energiemanagementsysteme 3.1 Allgemeine Anforderungen Für alle Managementsysteme gilt, dass sie als Instrumente zur Leitung und Lenkung eines Unternehmens dienen sollen (ISO 9000:2000). Ein Managementsystem funktioniert nur dann, wenn es auf den wesentlichen Säulen: Organisationsstruktur Planungsaktivitäten Verantwortlichkeiten Praktiken Verfahren Prozesse und Ressourcen ruht (ISO 14001:2005). Weiters folgen alle Managementsysteme dem Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung. Der Prozess der ständigen Verbesserung wird auch als PDCA Zyklus oder Deming-Kreis bezeichnet, wie in Abbildung 3.1 dargestellt. Plan Do Act Check Abbildung 3.1: PDCA Zyklus oder Deming Kreis (eigene Darstellung) Von einem Energiemanagement spricht man nach Kaiser & Starzer (1999), wenn zumindest folgende Punkte berücksichtigt sind: ökonomischer Umgang mit Energie (kostengünstiger Einkauf und effizienter Einsatz); laufende Identifizierung von Möglichkeiten zur Energieeinsparung; und Beeinflussung von menschlichem Verhalten (Licht ausschalten, ökonomische Fahrweise etc.). Gemäß dem BESS Handbuch wird Energiemanagement derart definiert, dass auf organisatorische und technische Abläufe sowie auf Verhaltensweisen, unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit Einfluss genommen wird, mit dem Ziel den Gesamtenergieverbrauch (auch für die Produktion erforderliche Energie) und den Verbrauch von Grund- und Zusatzstoffen zu senken (Lackner, P.; Holanek, N.; 2007). Das Handbuch für betriebliches Energiemanagement von Sven Kaiser und Otto Starzer (1999) berücksichtigt bei den Empfehlungen für die Einführung eines Energiemanagementsystems besonders die organisatorischen Zuständigkeiten und die personellen Verantwortlichkeiten sowie die jeweilige betriebliche Situation. 30 Energiemanagement Anforderungen an Energiemanagementsysteme

18 Im Zuge des BESS Projekts, Benchmarking and Energy Management Schemes in SMEs Intelligent Energy Europe (EIE), wurde von der Österreichischen Energieagentur im Jahr 2007 das Handbuch Energiemanagement mit dem Titel Schritt für Schritt: Anleitung für die Implementierung von Energiemanagement herausgegeben. Dieses Handbuch versucht in erster Linie KMU s zu unterstützen, welche ein Energiemanagement einführen wollen. Ein Energiemanagementsystem hat laut BESS Handbuch das Ziel der Verankerung des sorgsamen Umgangs mit Energie in der Alltagspraxis. Dies wird so interpretiert, dass der Erfolg vom guten Willen der Betroffenen abhängt. Aus Sicht des Verfassers ist es aus dessen 12-jähriger Erfahrung als externer Auditor für Qualitäts-, Umwelt- und Sicherheitsmanagementsysteme unumgänglich den Erfolg zusätzlich zum guten Willen tatsächlich zu planen. Die Planung muss bei der obersten Leitung eines Unternehmens beginnen und es müssen Verantwortlichkeiten, Ziele und Programme im Detail vorgegeben und vor allem mit den notwendigen Personal- und sonstigen Ressourcen ausgestattet werden. Auch wenn die Motivation der MitarbeiterInnen von großer Bedeutung ist und sich wenig kostenintensive Energieeinsparung oft mit rein organisatorischen Maßnahmen erreichen lassen, ist es erfahrungsgemäß so, dass erstens nicht darauf gebaut werden kann, dass die selben MitarbeiterInnen auf Dauer in den selben Positionen verbleiben und zweitens jede Anfangsmotivation im Laufe der täglichen Alltagspraxis wieder abnimmt. Die stetige Auffrischung des Themas Energieeffizienz und Energieeinsparung ist unumgänglich. Jedoch müssen, wie oben erwähnt, die Rahmenbedingungen in Form von System-, und Personal- sowie Ressourcenplanung gegeben sein. Diese Planung soll ebenfalls dem PDCA Zyklus folgen. Wenn man von einem Energiemanagementsystem spricht, so geht es unter anderem darum ein Gesamtenergiekonzept aufzustellen. Ein Gesamtenergiekonzept umfasst (Schöffer, W.; 2009): störungsfreie innerbetriebliche Energiebereitstellung optimale Tarifausnutzung sichere Versorgung transparente Energiekosten bestmögliches Zusammenwirken der Energieträger größtmögliche Wirtschaftlichkeit maximale Produktion umweltgerechte Energienutzung. Ein Energiemanagement kann hinsichtlich dessen Laufzeit eingeteilt werden in: permanent (langfristige Minimierung und Optimierung) zeitlich befristet (nur punktuelle Maßnahmen, Einführung permanenten Monitorings) (Schöffer, W.; 2009). Spricht man von einem Energiemanagementsystem so ist jedenfalls ein permanentes Energiemanagement (EM) gemeint. Andererseits kann ein zeitlich befristetes EM als Basis für ein permanentes EM verstanden werden. Ein zeitlich befristetes EM umfasst (Schöffer, W.; 2009): Die Verbrauchserfassung und -kontrolle jährlicher Heizenergie-, Strom- und Wasserverbrauch, Kosten, mindestens der letzten 3 Jahre Anforderungen an Energiemanagementsysteme Energiemanagement 31

19 Die Gebäudeanalyse Erfassung der wichtigsten Gebäudedaten wie Name, Anschrift, Kontaktpersonen, Nutzungsart, Baujahr, Energiebezugsfläche, Heizungssystem, Warmwasserbereitung, Heiz-, Kühllastlast, k- (U)-Werte, Normenergieverbrauch, interne Gewinne, Ermittlung der verschiedenen Energiekennzahlen, Grob- und Feinanalyse bzw. -diagnose Zur Gebäudeanalyse kann auch die Ermittlung von Schwachstellen unter Zuhilfenahme einer Wärmebildkamera verstanden werden. Abbildung 3.2 zeigt eine Aufnahme einer Gebäudehülle mittels Wärmebildkamera. Abbildung 3.2: Aufnahme einer Gebäudehülle mittels Wärmebildkamera (eigene Darstellung) die Planung und Realisierung von organisatorischen, anlagen- und bautechnischen Einsparmaßnahmen Prioritätenlisten, Sanierungsplanung, Finanzierungsplanung, Beratung bei Neubauplanung gemeinsam mit Haustechnikabteilungen/Betrieb, unabhängigen externen Beratern und Firmen die Überprüfung von Energielieferverträgen Kontrolle der Abrechnungen, Optimierung des Öleinkaufs die Planung und Durchführung von Energiemanagementanlagen/-systemen und Energiemanagementprogrammen 32 Energiemanagement Anforderungen an Energiemanagementsysteme

20 Verzeichnisse EDITION TÜV AUSTRIA

21 9 Verzeichnisse 9.1 Literaturverzeichnis BAT Document Energy Efficiency (2009): Integrated Pollution Prevention and Control, Reference Document on Best Available Techniques for Energy Efficiency, June 2009; European IPPC Bureau; abgerufen am um 21:57 Uhr B-UHG (2009); Bundes-Umwelthaftungsgesetz; Bundesgesetz über Umwelthaftung zur Vermeidung und Sanierung von Umweltschäden, BGBl. I Nr. 55/2009 vom BMWFJ, WKO (2009): Leitfaden Energiemanagement in der Hotellerie und Gastronomie; Herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend und der Wirtschaftskammer Österreich; Wien Oktober 2009; archive/27684/; abgerufen am um 21:47 Uhr DIN EN ISO 19011: 2002 (2002): Leitfaden für Audits von Qualitätsmanagement- und/ oder Umweltmanagementsystemen DIN ISO 50001: 2011 (2011): Energiemanagementsysteme Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung (ISO ) EMAS III (2009): Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 761/2001, sowie der Beschlüsse der Kommission 2001/681/EG und 2006/193/EG ENERGIEINSTITUT (2009): Energieinstitut der Wirtschaft GmbH; Beratungsund Förderungsangebote zur Energieeinsparung für Österreichische Klein- und Mittelbetriebe; Mag. Mario Jandrokovic und DI Friedrich Kapusta; Wien 2009; beratung_foerderung.pdf ; abgerufen am um 12:36 Uhr ENGINE (2009): EU Projekte ENGINE Energy Efficiency in SMEs ; ENERGY AGENCY, Wien 2009; download am um 21:43 Uhr EVAG (2006): Bundesgesetz: Energieausweis-Vorlage-Gesetz EVAG; BGBl. I Nr. 137/2006 ausgegeben am 3. August 2006 EU Richtlinie 2002/91 EG: Richtlinie 2002/91/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden FfE (1997): Leitfaden für das betriebliche Energiemanagement der Forschungsstelle für Energiewirtschaft; München 1997; Fink, S. et al. FREY, K., et al. (1994): Handbuch für Energieberater; Joanneum Research, Institut für 130 Energiemanagement Verzeichnisse

22 9 Verzeichnisse 9.1 Literaturverzeichnis Energieforschung; ISBN ; Frey, K., Haas, J., Könighofer, K.; Ausgabe Jänner 1994 GASTL R. (2005): Kontinuierliche Verbesserung im Umweltmanagement; Die KVP Forderung der ISO in Theorie und Unternehmenspraxis; vdf; Hochschulverlag AG an der ETH Zürich; Universität St. Gallen IEA Internationale Energieagentur (2010): IEA Energy Statistics; Total primary energy supply* World; IVU Richtlinie (2002): Richtlinie 96/61/EG des Rates vom über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung in der kodifizierten Fassung vom KAISER, S.; STARZER, O. (1999): Handbuch für betriebliches Energiemanagement, Arbeitsgemeinschaft ÖEKV und E.V.A im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, Wien KANZIAN R. (2001): Umwelt-, Gesundheits-, Sicherheits-, Managementsysteme; Band 13 der Schriftenreihe Telekommunikation, Information und Medien; Donauuniversität Krems Klima:aktiv LEITFADEN (2009): Schritte zur Verbesserung der Energieeffizienz in Betrieben; ; Download am ; 13:50 Uhr KAPUSTA, F.; STARNBERGER S. (2009): Energieeffizienzsteigerung Begleitstudie 2009; Kennwerte zur Energieeffizienz in KMU, Zwischenbericht Teil I: Österreichische und internationale Aktivitäten zur Erhebung von Branchenkennzahlen; Teil II: Überblick über existierende Branchenkennzahlen; Verfasser: Energieinstitut der Wirtschaft GmbH; Mag. Sonja Starnberger; DI Friedrich Kapusta; Auftraggeber: Klima- und Energiefonds; Herausgeber: Energieinstitut der Wirtschaft GmbH; Wien 2009; kennwerte_energieeeffizienz_1.pdf ; abgerufen am um 21:41 Uhr KMU-SCHECK (2010): Homepage: ; abgerufen am um 15:50 Uhr KPC (2010): Homepage der Österreichischen Kommunalkredit Public Consulting GmbH, Türkenstraße 9, 1092 WIEN; umweltfoerderung; abgerufen am um 11:50 Uhr Kreuzer, D., et al. (2010): Paper Energiemonitoring von industriellen Anlagen integrierter Hüttenwerke am Beispiel ausgeführter Systeme; 11. Symposium Energieinnovation, , Graz/Austria; Kreuzer, D., Schaumlechner K., Haider K., Werner A., Haider M.; Verzeichnisse Energiemanagement 131

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