Kapitel 4 Energiemanagement als Teil des Facility Managements

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1 Kapitel 4 Energiemanagement als Teil des Facility Managements 1 Inhalt 4.1 Definition und Einordnung 4.2 Energie-Controlling 4.3 Energiekennzahlen 4.4 Benchmarking 4.5 Rationelle Energieanwendung 2

2 4.1 Definition Energiemanagement Energiemanagement ist die vorausschauende, organisierte und systematisierte Koordinierung von Beschaffung, Wandlung, Verteilung und Nutzung von Energie zur Deckung der Anforderung unter Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Zielsetzungen. Quelle: VDI-Richtlinie 4602, S. 2 3 Prozesse des Energiemanagements Energiemanagement Energiemanagem Anforderungen Strategische, operative Führungsprozesse Ständiger Verbesserungsprozess Realisierungs- - prozesse Unterstützende Prozesse Konzept/Strategie Ziele, Planung Konzept/Strategie Ziele, Organisation Verantwortung Planung Organisation Sicherheit Controlling Verantwortung Sicherheit Controlling Fehlermanagement Maßnahmen Fehlermanagement Controlling-Controlling Maßnahmen Überprüfung Ziele/EMS Ziele/EMS Beschaffung Umwandlung Beschaffung Verwendung Verteilung, Bereitstellung Umwandlu Verwendung ng Verteilung, Entsorgung Bereitstellung Entsorgun g Finanzwesen Verwaltung Finanzwesen Personalwesen Marketing Verwaltung Personalwesen Marketing Feed Back (Ökonomisch und ökologisch) - Quelle: VDI

3 Definition Energiemanagementsystem Der Begriff Energiemanagementsystem (EMS) umfasst somit die zur Verwirklichung des Energiemanagements erforderlichen Organisations- und Informationsstrukturen einschließlich der hierzu benötigten technischen Hilfsmittel (z. B. Soft- und Hardware). Quelle: VDI Wirkungskreis Energiemanagementsystem Strategische Aufgaben/Planung Verantwortung der Leitung z.b. : Festlegung d. Energie - politik /-Ziele Bewertung des Systems Taktische Aufgaben/Planung Planung z.b.: Ist- Analyse, Festlegung v. Maßnahmen, Ressourcenbereitstellung Kommunikation Aufgaben Controlling Kontroll - u. Korrekturmaßnahmen z.b.: Abweichungen, Fehlermanagement, Controlling Implementierung, Durchführung Umsetzung der Maßnahmen Operative Aufgaben/Planung Quelle: VDI

4 Überblick 4.1 Definition und Einordnung 4.2 Energie-Controlling 4.3 Energiekennzahlen 4.4 Benchmarking 4.5 Rationelle Energieanwendung Energie-Controlling Definition Controlling: ist die Unterstützung der Unternehmensführung durch Koordination von Planung, Kontrolle und Informationsversorgung der Controllingbereich liefert Informationen und Instrumentarien, mit deren Hilfe das Management die betrieblichen Prozesse besser steuern kann Controlling ist somit Führungshilfe 8

5 Energie-Controlling Definition Energie-Controlling: Energie-Controlling ist eine Teilfunktion des betrieblichen Energiemanagements, die Energieplanung, Energieflusssteuerung und -kontrolle und ein funktionsspezifisches Energieinformationsversorgungssystem koordiniert und auf diese Weise eine rationelle betriebliche Energiebewirtschaftung unterstützt. (Quelle: Wohinz, J.-M.; Moor, M. (1998): Betriebliches Energiemanagement, S. 207) 9 Energie-Controlling die Energie-Controlling-Funktion stellt eine Servicefunktion des Energiemanagements dar die Zielsetzungen der Energie-Controlling-Funktion haben sich an den Zielen des betrieblichen Energiemanagements und der Gesamtunternehmung zu orientieren und evtl. eine Angleichung derselben herbeizuführen 10

6 Ziele des Energie-Controlling Verbesserung der Reaktionsfähigkeit auf Störungen im betrieblichen Energiefluss Verbesserung der Anpassungsfähigkeit an das sich ändernde Energie-Umfeld Verbesserung der innerbetrieblichen Koordinationsfähigkeit unter dem Aspekt rationeller Energiebewirtschaftung Förderung der Motivation zu energiesparendem Denken und Handeln 11 Teilbereiche im betrieblichen Energiefluss Energieträger-Bezug Energieum- und niveauwandlung Energiefortleitung und verteilung Energieumwandlung bei der Nutzung Energieentsorgung Energie-Rückgewinnung Energie-Verkauf 12

7 Teilbereiche im betrieblichen Energieflusses Energieträger-Bezug umfasst alle innerhalb eines bestimmten Zeitraumes dem Betrieb zugeführten Energieträger (Energie-Input), sowohl die am Markt zugekauften Endenergieträger als auch die aus der Umwelt aufgenommenen Energiemengen Energieum- und niveauwandlung umfasst diejenigen energietechnischen Versorgungsanlagen (Energiewandler und niveauwandler), die zur Umwandlung der dem Betrieb zugeführten Primär- bzw. Endenergieträger in die innerhalb des Betriebes benötigten Einsatz-Energieträger notwendig sind 13 Teilbereiche im betrieblichen Energieflusses Energiefortleitung und verteilung Transport der benötigten Einsatz-Energieträger von den meist dezentral installierten Um- und Niveauwandlungsanlagen zu den im Betrieb verteilt aufgestellten energieverbrauchenden Maschinen und Anlagen mit Hilfe entsprechender Energieübertragungs- und verteilungseinrichtungen mit einer Vielzahl von Hilfsaggregaten Energieumwandlung bei der Nutzung die nach der innerbetrieblichen Umwandlung und Verteilung zur Verfügung stehenden Einsatz-Energieträger werden dem Produktionsprozess bzw. den Hilfssystemen zugeführt und mit den dortigen Maschinen, Anlagen und Geräten (Einzelwandler) in die zur Erstellung der nachgefragten Energiedienstleistungen benötigten Nutzenergien umgewandelt 14

8 Teilbereiche im betrieblichen Energiefluss Energie-Entsorgung ist die eingesetzte Energie im jeweiligen Verbrauchssektor für einen bestimmten Zweck genutzt worden, liegt meist nur noch minderwertige und verteilt anfallende Restwärme vor, die wieder an das Umsystem abgegeben (Energie-Output) oder neuerlich im innerbetrieblichen Energiefluss bzw. zur Verwertung durch Verkauf eingesetzt werden kann 15 Teilbereiche im betrieblichen Energieflusses Energie-Rückgewinnung je nach Quantität, Qualität, Zeitgleichheit und Ort des Anfalles von Abwärme ist deren wiederholte Einsatzmöglichkeit im betrieblichen Energiefluss möglich mit Hilfe geeigneter Anlagen (Energierückgewinnungsanlagen) können die Abwärmeströme wieder für eine energetische Verwendung nutzbar gemacht werden 16

9 Teilbereiche im betrieblichen Energieflusses Energie-Verkauf ist die Verwertung von ausgekoppelter oder rückgewonnener Energie in der eigenen Unternehmung nicht möglich oder nicht vorgesehen, so kann ein Verkauf an Dritte überlegt werden neben der Berücksichtigung der energietechnischen Kriterien sind hierbei insbesondere betriebswirtschaftliche und rechtliche Aspekte zu beachten 17 Teilfunktionen im Energie-Controlling (1) die Verbesserung der Reaktionsgeschwindigkeit auf Störungen und Ineffizienzen im betrieblichen Energiefluss erfordert eine detaillierte Analyse des betrieblichen Energieflusses die konsequente Überwachung des Energieeinsatzes in Produktion und Haustechnik in Abhängigkeit relevanter Einflussfaktoren langfristig sind die Produktionsprozesse selbst und der Bereich der Komfortenergie bezüglich des notwendigen Energieeinsatzes in Frage zu stellen 18

10 Teilfunktionen im Energie-Controlling (2) zur Erfüllung dieser Zielsetzung ist ein zu Energieflusssteuerungsund kontrollinstrumentarium installieren dies ermöglicht es, den für die Energiebereitstellung und die Energienutzung verantwortlichen Entscheidungsträgern, die ablaufenden Prozesse in der Form zu steuern, dass die realisierten Ergebnisse mit den vorgegebenen Richtwerten (Planwerten) in Einklang stehen das Energie-Controlling hat das dafür erforderliche Informationssystem zu entwerfen, zu installieren und zu betreuen sowie ggf. den Bereichsverantwortlichen bei der Durchführung von Korrekturmaßnahmen beratend zur Seite zu stehen 19 Teilfunktionen im Energie-Controlling (3) die Verbesserung der Anpassungsfähigkeit der Unternehmung a. d. gesteigerte Dynamik und Diskontinuität des Energie-Umfeldes kann durch den Aufbau und den Unterhalt eines Systems zur Ermittlung, Beobachtung und Prognose der Umfelddaten (Energie-Umfeld-Analyse) erreicht werden erfordert allerdings die genaue Kenntnis der Zusammenhänge und Determinanten im innerbetrieblichen Energiefluss (energetische Betriebsanalyse) aus der laufenden Beobachtung des Energie-Umfeldes und der Kenntnis der internen Energiebedarfs- und Energieversorgungsstruktur lassen sich i.s.e. längerfristigen Energieplanung zweckmäßige Energiekonzepte und Maßnahmen ableiten, mit deren Hilfe sich die Unternehmung auf ungünstige Entwicklungen im Energie-Umfeld frühzeitig einstellen kann 20

11 Teilfunktionen im Energie-Controlling (4) Aspekte, unter denen die Möglichkeiten zur Verbesserung d. innerbetrieblichen Koordinationsfähigkeit hinsichtlich einer möglichst rationellen Energiebewirtschaftung gesehen werden können: 1. Überprüfung der geplanten Projekte im Produktionsprozess oder in der Haustechnik hinsichtlich ihres Nutzenergiebedarfs bei schwerwiegenden Verstößen gegen die Grundsätze einer rationellen Energiebewirtschaftung sind die Projekte ggf. zu modifizieren Forderung bedeutet ein schrittweises Abgehen vom Postulat der uneingeschränkten Versorgungspflicht der betrieblichen Energiebewirtschaftung gegenüber der Produktion d.h. die Energieversorgung hat die benötigten Energien nicht mehr einfach nur bereitzustellen, sondern übernimmt durch das Energie- Controlling auch eine beratende Funktion bei der Beurteilung der Zweckmäßigkeit des Energieeinsatzes aus 21 Teilfunktionen im Energie-Controlling (5) Aspekte, unter denen die Möglichkeiten zur Verbesserung der innerbetrieblichen Koordinationsfähigkeit hinsichtlich einer möglichst rationellen Energiebewirtschaftung gesehen werden können: 2. Überprüfung und Koordination der Auswirkungen von Neu-, Erweiterungs- oder Rationalisierungsinvestitionen im Prozess auf die gesamte Energieversorgungsstruktur ( bereits in der frühen Planungsphase) 22

12 Teilfunktionen im Energie-Controlling (6) Aspekte, unter denen die Möglichkeiten zur Verbesserung der innerbetrieblichen Koordinationsfähigkeit hinsichtlich einer möglichst rationellen Energiebewirtschaftung gesehen werden können: 3. Abstimmung der geplanten Maßnahmen im Bereich der Energieversorgung (Energieumwandlungs-, -verteilungs- und rückgewinnungsanlagen) untereinander und mit vorhersehbaren Entwicklungen auf dem Produktions- und Gebäudesektor hierzu muss das Energie-Controlling als zentrale Informations- und Koordinationsstelle in Energiefragen installiert und seine Mitwirkung im betrieblichen Planungsprozess durch Schaffung von Mechanismen zur Abstimmung der Teilfunktionen sichergestellt werden 23 Teilfunktionen im Energie-Controlling (7) Förderung der Motivation zu energiesparendem Denken und Handeln wird durch das institutionalisierte Einfließen energiesparender Aspekte in den betrieblichen Planungsprozess durch die ständige Konfrontation der beteiligten Mitarbeiter mit den aktuellen Ergebnissen der Energieflusskontrolle (energetischer Soll-Ist- Vergleich) indirekt herbeigeführt Änderung im Einstellungsstand der Mitarbeiter zur Energie durch gezielte Aufklärungsarbeit über energiebewusstes Verhalten hierbei kommt dem Energie-Controlling eine Informations- und Beratungsfunktion zu 24

13 Aufgabeninhalte der Teilfunktionsbereiche des Energie- Controlling: Planungsfunktion Kontrollfunktion Informations- und Koordinationsfunktion Beratungs- und Sonderfunktion 25 Planungsfunktion laufende Sicherung der Planungsarbeit Schwerpunkte der Tätigkeit: zentrale Festlegung des Planungsprocedere Erarbeitung einheitlicher Planungsgrundlagen (Informationsfunktion) Erarbeitung der Energiekonzepte und der Energiepläne (Koordinations- und Beratungsfunktion) Keine Verantwortung für die Durchführung der Planungsaufgaben Aufgabe besteht nun darin dafür sorgen, dass zu einem festgesetzten Termin, aufbauend auf den Energiekonzepten ein verbindlicher Energiebedarfs- und -bewirtschaftungsplan vorliegt. 26

14 Aktivitäten der Planungsfunktion Funktion Ziele Verbesserung der Reaktionsfähigkeit Verbesserung der Anpassungsfähigkeit Verbesserung der Koordinationsfähigkeit Förderung der Mitarbeitermotivation Planungsfunktion - Erstellung des Planungssystems - Erstellung der Planungsgrundlagen, z.b. energetische Betriebsanalyse, Energieverbrauchsbezirke, mathematische Modelle, Kennzahlen usw. - Formelle Prüfung der Pläne - Inganghaltung der Planungstätigkeit - Erstellung des Planungssystems - Erstellung der Planungsgrundlagen, z.b. energetische Betriebsanalyse, Energie-Umfeld- Analyse usw. - Inganghaltung der Planungstätigkeit - Formelle Prüfung der Pläne - Abstimmung des Energieplanungssystems mit den formellen Grundsätzen der Unternehmensplanung - Abstimmung der strategisch orientierten mit der Betriebsstättenund Betriebsmittelplanung -Abstimmung des Energiebedarfs- und Energiebewirtschaftungsplanes -Zusammenarbeit mit dem zentralen Controller 27 Kontrollfunktion Institutionalisierung eines geeigneten Energieflussplanungs- und -kontrollsystems Keine Verantwortung für die Durchführung der unmittelbaren Kontrollaufgaben Entscheidungsträgern Hilfestellung bei der Ausübung der Kontrollpflichten geben 28

15 Aktivitäten der Kontrollfunktion Funktion Ziele Verbesserung der Reaktionsfähigkeit Verbesserung der Anpassungsfähigkeit Verbesserung der Koordinationsfähigkeit Förderung der Mitarbeitermotivation Kontrolle - Ausgestaltung des Kontrollsystems -Wahl der Kontrollobjekte und Kontrollhäufigkeit -Installierung und Betreuung des Energiemesswesens -evtl. Ist-Wert- Erfassung -Durchführung von Soll-Ist-Vergleichen -Durchführung von Abweichungsanalyse n -Erarbeitung von Korrekturvorschlägen 29 Informations- und Koordinationsfunktion Stellt das wesentliche Koordinationsinstrument von Informationsanwendungen und Informationsversorgung im Rahmen des Betrieblichen Energiemanagements dar. Soll dafür sorgen, dass ein abgestimmtes Energieplanungs- und -kontrollsystem existiert und auch funktioniert. Hat aber auch die Aufgabe, ein koordinierendes Informationsversorgungssystem aufzubauen und laufend zu betreuen, damit die Entscheidungsträger dezentral ihre eigentlichen Planungsund Steuerungsaufgaben wahrnehmen können. Beeinflusst somit auch die anderen Teilfunktionen wesentlich maßgeblich verantwortlich für die Lieferung von Steuerungs- und Kontrollinformationen 30

16 Informations- und Koordinationsfunktion INFORMATIONSANWENDUNG durch die Führungsinstanz INFORMATIONSVERSORGUNG durch das Energie-Controlling KOORDINATIONSAUFGABE des Energie-Controllings 31 Aktivitäten der Informations- und Koordinationsfunktion Funktion Ziele Verbesserung der Reaktionsfähigkeit Verbesserung der Anpassungsfähigkeit Verbesserung der Koordinationsfähigkeit Förderung der Mitarbeitermotivation Information und Koordination -Aufbau eines Informationsversorgungssystems -Ermittlung des Informationsbedarfes -Ermittlung betriebsinterner Planungsgrundlagen -Ermittlung von Vergleichsmaßstäben - Bereitstellung von Methoden und Modellen -Lieferung von Steuerungs- und Kontrollinformationen -Speicherung der Informationen -Energieberichtswesen -Aufbau eines Informationsversorgungssystems -Ermittlung des Informationsbedarfes -Ermittlung von Energie-Umfeld- Informationen -Bereitstellung von Methoden und Modellen - Speicherung der Informationen - Koordination von Informationsversorgung und Informationsverwendung - Ermittlung von Informationen über energiesparende Technologien und Produkte -Lieferung von Steuerungs- und Kontrollinformationen -Lieferung von Informationen über energiesparendes Verhalten 32

17 Aktivitäten der Beratungs- und Sonderfunktion Funktion Ziele Verbesserung der Reaktionsfähigkeit Verbesserung der Anpassungsfähigkeit Verbesserung der Koordinationsfähigkeit Förderung der Mitarbeitermotivation Beratung - Hilfestellung bei der Erarbeitung des operativen Energieplanes -Hilfestellung bei der Interpretation von Soll- Ist- Abweichungen -Empfehlung von Korrekturmaßnahmen -Sonderanalysen -Hilfestellung bei der Planung von Energieverrechnungspreisen und Energiekosten -Hilfestellung bei der Erarbeitung des Energieversorgungsphilosophie und der Energiekonzepte -Hilfestellung bei der Interpretation von Energie- Umfeld- Analysen und energetischen Betriebsanalysen - Beratung bei der Anlagenplanung -Energetische Analysen zur Beurteilung der energietechnischen Qualität von Neuanlagen -Beratung beim Abschluss von Energiebezugsverträgen -Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen -Betriebsvergleiche -Erfahrungsaustausch -Schulungsprogramme -Aktionsprogramme -Aktivierung des betrieblichen Verschlagswesens für Zwecke des Energiesparens 33 Überblick 4.1 Definition und Einordnung 4.2 Energie-Controlling 4.3 Energiekennzahlen 4.4 Benchmarking 4.5 Rationelle Energieanwendung 34

18 4.3 Energiekennzahlen Begriffsabgrenzung und Systematisierung Datenerfassung und Anwendung Fallstudie Automobilindustrie Energiekennzahlen für Unternehmen & Betriebe Energiekennzahlen für Unternehmensbereiche Energiekennzahlen für Prozesse und Anlagen Energiekennzahlen - Begriffsabgrenzung Kennzahlen, die technische und betriebswirtschaftliche Aussagen über energetische Sachverhalte beinhalten Also nicht unbedingt nur Energiegrößen Kennzahlen sind Verhältniszahlen und absolute Zahlen, die in kondensierter Form über einen zahlenmäßig erfassbaren Tatbestand informieren Weitgehend synonym werden auch die Begriffe Energiekennwerte Energiekenngrößen Energiekennziffern verwendet 36

19 Beispiele für Energiekennzahlen Spezifischer Energieverbrauch bzw. spezifischer Energiebedarf, Wirkungs- und Nutzungsgrade, Leistungs- und Arbeitszahl, Nennleistungen, Benutzungsdauer, Benutzungs- und Belastungsgrad sowie Ausnutzungsdauer und Arbeitsausnutzung. Begriff ist zunächst sehr allgemein, für die Anwendung ist Spezifizierung erforderlich 37 Systematisierung von Energiekennwerten Energiekennwerte lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien systematisieren, z. B. nach Art des Kennwerts, Energiefluss durch das System, Art der beschriebenen Systeme und nach Zweck ihres Einsatzes 38

20 Unterscheidung von Energiekennzahlen nach Energiefluss Energiekennwerte für Input bilden den Energiebezug ab, z. B. den Anteil der Energiekosten bezogen auf die gesamten Faktorkosten oder die Anteile einzelner Energieträger am gesamten Energiebezug. Energiekennwerte für Throughput charakterisieren die betriebliche Prozesse, z. B.die Aufteilung des Endenergiebezugs auf einzelne Nutzenergien, den Endenergiebezug bezogen auf die Produktionsmenge oder den Wirkungs- bzw. Nutzungsgrad von Anlagen Energiekennwerte für Output bilden die Energieströme ab, die das System Betrieb verlassen, also entweder abgegebene Energie, z. B. Einspeisung elektrischer Energie ins öffentliche Netz, oder die an die Umgebung abgegeben Energie, z. B. die Wärmeverluste der Gebäude oder die über Kühlsysteme abgegebene Wärme. 39 Beispiel: Energieversorgungsstruktur in Automobilwerken 40

21 Ebenen der Energieumwandlung von der Primär- bis zur Nutzenergie 41 Unterscheidung von Energiekennzahlen nach Art des Kennwerts Absolutzahlen z. B. 450 MWh Verhältniszahlen, z. B. Spezifische oder bezogene Kennzahlen (z. B. kwh/m²) Anteile (z. B. 45 %) Indexwerte (z. B. 115 mit 1995 = 100) 42

22 Unterscheidung von Energiekennzahlen nach Art des beschriebenen Bereichs Energiekennzahlen für Unternehmen & Betriebe Energiekennzahlen für Unternehmensbereiche Energiekennzahlen für Prozesse und Anlagen Datenerfassung und Anwendung Energiekennzahlen und Datenerfassung You can t control what you can t measure Adäquate Struktur von Zählern erforderlich für Energieverbrauchszuordnung 44

23 Anhaltswerte für Investitionskosten pro Zähler bei Einbau in vorhandene Versorgungsnetze 45 Anwendungsmöglichkeiten für Energiekennzahlen 46

24 Ziele für ein System von Energiekennzahlen Realitätsnahe Zuordnung des Energieverbrauchs, der Energiekosten und der Emissionen zu (Produktions-)Bereichen oder Verrechnungskostenstellen Gewährleistung der Vergleichbarkeit zwischen einzelnen Werken, Bereichen und Anlagen (zur Bewertung der Energieeffizienz und zum Benchmarking) und Überwachung und Reduzierung des Energieverbrauchs (Rationelle Energieanwendung). 47 Weitere Anforderungen an ein System von Energiekennzahlen Verwendung möglichst weniger aussagekräftiger Kennwerte, Auswahl weniger relevanter Einflussgrößen, Verwendung von im Betrieb vorhandenen Daten, Begrenzung des Bedarfs neuer Messstellen und einfache Anpassung an sich ändernde Produktionsstrukturen. 48

25 4.3.3 Fallstudie Automobilindustrie Struktur der Automobilproduktion nach Bereichen 49 Produktion der Fahrzeugwerke in Deutschland (jeweils Mittelwerte der Jahre 1997 bis 2001 ohne Fahrzeugteilesätze) 50

26 Typische Aufteilung des elektrischen Energieverbrauchs in Fahrzeugwerken 51 Produktionsmenge und absoluter Energieverbrauch nach Energieträgern der Fahrzeugwerke in Deutschland für den Zeitraum 1996 bis

27 Kapazitätsauslastung des Kraftwagenbaus in Deutschland 53 Systematisierung von Energiekennwerten am Beispiel der Automobilindustrie Systematisierung von Energiekennwerten am Beispiel der Automobilindustrie Energiekennwerte auf Werksebene Energiekennwerte auf Bereichsebene Energiekennwerte für einzelne Prozesse/Anlagen Quelle: die Ausführungen zu diesem Abschnitt basieren weitgehend auf Leven (2005) 54

28 4.3.4 Energiekennzahlen für Unternehmen und Werke Energieverbrauch pro Pkw nach Energieträgern der Fahrzeugwerke in Deutschland (jeweils Mittelwerte der Jahre 1996 bis 2001) 55 Anteil der Elektrizität am gesamten Energieverbrauch der Fahrzeugwerke in Deutschland (jeweils Mittelwerte der Jahre 1996 bis 2001) 56

29 Primärenergieaufwand und kumulierte CO2-Emissionen des Energieverbrauchs pro Pkw der deutschen Fahrzeugwerke (jew. Mittelwerte der Jahre ) 57 Energieverbrauch pro Pkw auf Ebene der Gebrauchsenergie der Fahrzeugwerke in Deutschland (jeweils Mittelwerte der Jahre 1996 bis 2001) 58

30 Produktionsbereiche der deutschen Fahrzeugwerke 59 Energieverbrauch pro Pkw und pro Mitarbeiter der deutschen Fahrzeugwerke (jeweils Mittelwerte für die Jahre 1996 bis 2001) 60

31 Koeffizienten der Regressionsmodelle zum produktionsbezogenen elektrischen Energieverbrauch 61 Erklärung des Energieverbrauchs durch Kausalmodelle Spezifizierung von Regressionsmodellen Erklärende Variablen: q Anzahl der produzierten Pkw [Pkw] a Auslastung der Branche Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren g 80 Altersgruppe der Werke (Produktionsbeginn vor 1980 = 0 bzw. ab 1980 = 1) n B,el Gewichtungsfaktor zur Anzahl und Art der Produktionsbereiche hinsichtlich elektrischer Energie t Kalenderjahr 62

32 Koeffizienten der Regressionsmodelle zum produktionsbezogenen thermischen Energieverbrauch 63 Energiekennzahlen auf Werksebene - Fazit Aussagekraft begrenzt Strukturunterschiede zu beachten Eigenerzeugung Fertigungstiefe Mit Regressionsansatz Korrektur prinzipiell möglich Bereinigte Werte 64

33 Bereinigter Energieverbrauch der Fahrzeugwerke auf der Ebene der Gebrauchsenergie Energiekennzahlen auf Bereichsebene 66

34 Produktionsbezogener Energieverbrauch pro i. O. lackierter Karosserie im Bereich Oberfläche ausgewählter Automobilwerke in Deutschland 67 Einflussfaktoren Energieverbrauch pro Karosserie Produktionskapazität des Bereichs Auslastung Geradeauslauf bzw. Ausschussrate Art und Qualität des Produktes Klima bzw. Standort 68

35 Standardprozess der Pkw-Serienlackierung (Beispiel: Lackiererei A) 69 Produktionsbezogener Energiebedarf einzelner Teilprozesse des Standard-Lackierprozesses (Lackiererei A, 2-Schicht-Betrieb) 70

36 Erwartungswerte und Messwerte des produktionsbezogenen Wärmeverbrauchs der Lackiererei E 71 Produktionsbezogener Energiebedarf für die Lackierkabinen bei der Applikation ausgewählter Klarlacksysteme 72

37 Produktionsbezogener Erdgasverbrauch der Trockneranlagen im Bereich Oberfläche der Werke A und E 73 Energieverbrauch pro Motor im Bereich Motorenbau ausgewählter Motorenwerke in Deutschland und Österreich 74

38 4.3.6 Energiekennzahlen für Anlagen/Prozesse 75 Mittlere spezifische Leistungsaufnahme der Druckluftanlage bzw. bezogener Energieverbrauch der Druckluftversorgung 76

39 Anteile einzelner Bereiche am gesamten Druckluftverbrauch des Werks 77 Druckluftverbrauch pro produziertem Pkw von sechs Fahrzeugwerken in Deutschland 78

40 4.4 Benchmarking Wunderwaffe der Manager vs. einfacher Vergleich betrieblicher Kennzahlen Benchmarking als kurzfristiger Modetrend vs. Benchmarking als fester Bestandteil eines umfassenden Managementkonzepts 79 Benchmarking Def.: Benchmarking ist ein Instrument der Wettbewerbsanalyse und charakterisiert durch einen kontinuierlich durchzuführenden, systematischen Prozess, der dem Verstehen von Produkten, Prozessen, Funktionen und insbesondere den dahinter stehenden Praktiken und dem anschließenden Vergleichen mit internen und externen Partnern sowie der bedarfsweisen, adaptiven Übernahme von Praktiken dient. 80

41 Benchmarking Gezielte Auswahl der Vergleichspartner Klassenbeste Benchmarks sind Bestleistung bspw. in Form von Kennzahlen Ziel: absolut oder im betrachteten Bereich Klassenbester werden 81 Benchmarking Inhaltliche Abgrenzung In der Praxis sind die Grenzen zwischen Benchmarking, Betriebsvergleich und Controlling fließend Grund: Verwendung von Kennzahlen und Kennzahlsystemen Identifikation von Handlungsmöglichkeiten anhand von qualitativen und quantitativen Informationen wesentlicher Bestandteil: Erarbeitung von Maßnahmen 82

42 Abgrenzung Benchmarking, Betriebsvergleich, Controlling Kriterium Benchmarking Betriebsvergleich Controlling Ziel Leistungssteigerung bis zur Bestleistung Bestimmung der Wettbewerbsposition Unternehmenssteuerung Vergleich Inhalt qualitativ und quantitativ quantitativ quantitativ Handlungsorientierung Konsequente Umsetzung von Maßnahmen Keine institutionelle Umsetzung von Maßnahmen Kann Auslöser von Maßnahmen sein Vergleichsmaßstab Exzellente Organisation (Klassenbester); intern oder extern Wettbewerber oder Branchendurchschnitt; (intern oder) extern Vorjahreswerte, Planungswerte; intern Häufigkeit Kontinuierlich Gelegentlich Kontinuierlich 83 Benchmarking-Arten nach Referenzklassen Benchmarking Internes Benchmarking Externes Benchmarking Unternehmensbezogen Konkurrenzbezogen (=Marktanalyse) Konzernbezogen Branchenbezogen (=Trendforschung) Branchenunabhängig (=Geschäftsprozessorientierung) 84

43 Internes Benchmarking vergleicht Betriebe oder Betriebsteile innerhalb eines Unternehmens oder Konzerns Durchführung und Datenzugriff sind einfach der Informationsgewinn ist aber relativ gering häufig nur Grundlage für externes Benchmarking 85 Externes Benchmarking Durchführung des Benchmarking mit Partnern außerhalb der Organisation konkurrenzbezogenes Benchmarking Vergleich mit direkten Wettbewerbern Problem: gleichwertiger Austausch wettbewerbsrelevanter Informationen häufig: Durchführung von unabhängigen Dritten branchenbezogenes Benchmarking hauptsächlich Trendforschung Gruppe von Unternehmen mit vergleichbarem Leistungsspektrum häufig unter Einbeziehung der Zulieferer 86

44 Externes Benchmarking Durchführung des Benchmarking mit Partnern außerhalb der Organisation branchenunabhängiges Benchmarking birgt häufig das größte Innovationspotential aber Eignung nur für Optimierung von Prozessen Bsp.: Logistik der Automobilbranche ist der Benchmark für die Logistik der Computerindustrie besondere Beachtung der verschiedenen Randbedingungen der einzelnen Branche notwendig Vorteil: die Unternehmen verschiedener Branchen haben einen geringeren Anreiz Informationen zurückzuhalten als bei Unternehmen der gleichen Branche 87 Benchmarkingobjekte Gliederung des Benchmarking nach der Art des Gegenstands ( Benchmarkingobjekt) Unterscheidung nach Produkt- Prozess- Organisations- Strategie-Benchmarking 88

45 Produkt-Benchmarking Vergleich von Produkteigenschaften Bewertung nach Kosten Bedeutung für den Kunden Ggf. Unternehmensphilosophie Energieverbrauch Umweltaspekte (CO 2 -Ausstoß, Abfall, Abwasser ) danach häufig Überarbeitung des Produkts 89 Prozess-Benchmarking Vergleich ähnlicher Prozesse Geschäfts- Technologie- Dienstleistungs- Arbeits-Prozesse Präzisierung, Strukturierung und Quantifizierung anhand geeigneter Messgrößen entscheidend: Vergleichbarkeit der Prozesse und die Übertragbarkeit der Praktiken anderer Unternehmen 90

46 Prozess-Benchmarking (2) Bezogen auf das betriebliche Energie- und Umweltmanagement können Ziele des Prozess-Benchmarking sein: Energetische Optimierung (Verbrauch und Kosten) des Produktionsablaufs oder einzelner Fertigungsverfahren Verbesserung der Transparenz von Stoff- und Energieströmen und verbrauchergerechte Zuordnung der damit verbundenen Kosten 91 Organisations-Benchmarking Vergleich von Organisations- und Projektstrukturen insbesondere die Aufbauorganisation bezogen auf das betriebliche Energie- und Umweltmanagement können Ziele des Organisations-Benchmarking sein: Aufbau und Optimierung der Managementstrukturen Vergleichsbasis kann ein Unternehmen mit hohem Energiekostenanteil sein Übertragung unter Beachtung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses für den eigenen Betrieb 92

47 Strategie-Benchmarking Zweck des Strategie-Benchmarking: Entwicklung und Überprüfung von Unternehmensstrategien Zweck einer Unternehmensstrategie: Finden einer Position am Markt für das Unternehmen, wobei die spezifischen Eigenschaften des Unternehmens Vorteile gegenüber anderen Wettbewerbern darstellen Bsp.: gutes Image im Umweltschutz In der Energiewirtschaftspraxis sind Organisations- und Strategie- Benchmarking im Gegensatz zu Produkt- und Prozess-Benchmarking von untergeordneter Bedeutung 93 Phasen bei Benchmarking-Projekten 1. Zielsetzung 6. Überprüfung 2. Interne Analyse 5. Umsetzung 3. Vergleich 4. Verbesserungsmaßnahmen 94

48 Vorgehensweise bei Benchmarking-Projekten 1. Zielsetzung Auswahl des Benchmarking-Objekts (z.b.: Prozess oder Anlage) grundlegende Informationsbeschaffung Festlegung der Ziele 2. Interne Analyse Erstellen eines Abstraktionsmodells Zerlegung in Teilprozesse Festlegen von (aussagefähigen) quantitativen Kennzahlen 95 Vorgehensweise bei Benchmarking-Projekten (2) 3. Vergleich unter Berücksichtigung der Zielsetzung werden adäquate Vergleichspartner ausgewählt wichtig Vergleichbarkeit und Übertragbarkeit der Erkenntnisse und das zu erwartende Lernpotential Benchmarkingpartner können intern oder extern gewählt werden Abstimmung des Informationsaustauschs mit den Partnern Festlegung der Erhebungsrichtlinien und der Bezugsgrößen Benutzung eventuell vorhandener Kennzahlensysteme Ermittlung von Ursachen für Abweichungen der qualitativen und quantitativen Merkmale steht im Vordergrund 96

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