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1 Deutsche Bank mednachrichten Die Quartals-Zeitung für niedergelassene Ärzte und Zahnärzte Ausgabe 3/2014 Steigende Arztzahlen, dennoch Ärztemangel Die Zahl der Ärzte in der ambulanten Versorgung wächst auf Rekordniveau. Trotzdem nimmt die Konkurrenz aufgrund sinkender Leistungskapazität je Arzt tendenziell ab. Insgesamt können Praxisinhaber daher mit einer weiter steigenden Nachfrage rechnen. Immer wieder wird das Szenario eines drohenden Ärztemangels beschrieben, doch die Zahl der Ärzte in Deutschland steigt noch. Zum Jahresende 2013 ist ihre Gesamtzahl um 2,5 Prozent auf gestiegen. Dennoch gibt die aktuelle Ärztestatistik der Bundesärztekammer Ärzten, die sich mit dem Gedanken an eine Ausweitung ihrer Praxis oder an eine Niederlassung beschäftigen, Rückenwind. Denn die Konkurrenz nimmt tendenziell ab von einigen Ballungszentren abgesehen. Junge Ärzte als Praxisnachfolger zu finden fällt in Kooperationen leichter. nyul/fotolia.com Zu dieser auf den ersten Blick widersprüchlichen Entwicklung trägt der starke Generationswechsel bei. Die Zahl der Ärzte im Ruhestand wächst stärker als die Zahl der berufstätigen Ärzte waren Ärzte im Ruhestand, 3,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der berufstätigen Ärzte wuchs um 2,5 Prozent auf Das aktuell hohe Durchschnittsalter der Praxisinhaber wird diese Entwicklung weiter verstärken die studienstarken Jahrgänge der 1970er Jahre kommen an das Ende der Berufslaufbahn. Auf frei werdende Stellen rücken verstärkt Teilzeitkräfte nach: Die Zahl der in Teilzeit arbeitenden Ärzte ist zwischen 2001 und 2011 von auf gestiegen. Treiber dieser Entwicklung ist eine zunehmende Zahl von Ärztinnen. Da es in Kooperationen leichter fällt, Teilzeitmodelle umzusetzen, könnte es sich für Ärzte, die ihre Praxis bald abgeben wollen, lohnen, ihre Praxis noch vor dem Verkauf in eine Berufsausübungsgemeinschaft oder ein MVZ einzubringen. Der Verkauf des Anteils an einer Gemeinschaft ist eher erfolgversprechend als die Abgabe einer Einzelpraxis. Ungenutzte IV-Potenziale Verträge zur integrierten Versorgung erfüllen noch nicht die in sie gesetzten Hoffnungen. Dies zeigt eine Auswertung des Bundesversicherungsamtes (BVA). Danach bezieht nur jeder zehnte der beim BVA ausgewerteten Verträge den stationären Sektor ein. Reha-Kliniken sind nur an fünf Prozent der Vereinbarungen beteiligt. Die Verträge betreffen hauptsächlich Ballungszentren. In vielen Flächenländern bleiben die mit der IV verbundenen Chancen ungenutzt. Patienten erhalten damit nicht die erhoffte abgestimmte Versorgung über Sektorengrenzen hinweg. Ärzte vergeben somit die Chance auf extrabudgetär vergütete Zusatzverträge. In dieser Ausgabe Gesundheitsmärkte Konjunktur macht Mut 2 Aus den Regionen MVZ in Thüringen auf Erfolgskurs 3 Aus aller Welt Österreich geht bei E-Health voran 4 Honorar ASV bietet Fachärzten Chancen 5 Praxis Netze entdecken Betriebsmedizin 6 Steuern, Recht, Finanzen Basisrente: Förderung oder Flexibilität? 7 Finanzen Altersversorgungs konzepte unter Druck 8 Weitere Informationen: Seite Modell für kürzere Wartezeiten bewährt sich Die von der Koalition geplante Begrenzung der Wartezeiten für Patienten in Deutschland durch eine zentrale Terminvergabestelle hat Diskussionen ausgelöst. Mehrere Umfragen haben das Thema trotz mancher Unterschiede bei gesetzlich und privat Versicherten jüngst versachlicht. Nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts waren in den beiden vergangenen Jahren 15 Prozent der privat versicherten Patienten und 38 Prozent der gesetzlich versicherten Patienten von längeren Wartezeiten betroffen. Eine Erhebung der Kassenärzte konkretisiert, dass in dringenden Fällen jedoch zeitnah Termine vergeben werden konnten. Dazu tragen Modelle wie die abgestufte Überweisung bei. In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel priorisieren Ärzte ihre Überweisungen an Fachärzte. Damit wird erreicht, dass Patienten in dringenden Fällen innerhalb eines Tages einen Facharzttermin erhalten. Auf weniger dringende Termine warten die Patienten länger. Ein vergleichbares Modell ist im Saarland in der Erprobung. Die Kassenärztlichen Vereinigungen suchen damit nach Alternativen zu den von der Großen Koalition geplanten Terminvergabestellen. Diese sollen Patienten innerhalb von vier Wochen einen Termin bieten. Geschieht dies nicht, sollen Kliniken die ambulante Behandlung zu Lasten des ambulanten Budgets übernehmen können. Seite 1

2 GESUNDHEITSMÄRKTE Deutsche Bank mednachrichten Ausgabe 3/2014 Konjunktur macht Mut Sehr guter Jahresstart für die deutsche Wirtschaft: Das Wachstum hat sich deutlich beschleunigt. Die Honorarentwicklung bei Ärzten und Zahnärzten liegt auf ähnlichem Steigerungsniveau wie die Gesamtwirtschaft. Die Aussichten sind weiter gut. Die optimistischen Hoffnungen der Analysten auf eine anziehende Konjunktur im ersten Quartal hat die deutsche Wirtschaft auch dank der milden Witterung noch übertroffen. Im Vergleich zum Vorjahr lag das Wachstum bei 2,5 Prozent. Die Chancen auf ein nennenswertes Wirtschaftswachstum in diesem Jahr stehen auch nach den Prognosen der Bundesregierung weiterhin gut, wobei die positiven Impulse bislang vorwiegend aus dem Inland kommen. Gestiegene Löhne und die gute Beschäftigung beflügeln den Konsum und die Bereitschaft, mehr Geld für Gesundheit auszugeben. Hinzu kommt, dass die niedrigen Zinsen wenig Sparanreize bieten. Markt Honorarentwicklung 1. Quartal 2014 GKV und privatärztlich (vorläufig) 5,5 5 4,5 4 3,5 3 2,5 % 0 Arznei- und Verbandsmittel +4,5 % Krankenhausbehandlung +2,8 % Behandlung durch Zahnärzte +2,6 % Bruttosozialprodukt +2,5 % Ärztliche Behandlung +2,3 % Quelle: REBMANN RESEARCH Der Gesundheitssektor darf mit der Entwicklung im ersten Quartal zufrieden sein. Die Ausgaben für ärztliche Behandlungen lagen mit plus 2,3 Prozent etwa auf Höhe des Durchschnittswachstums der Wirtschaft in Deutschland. Die Honorare der Zahnärzte stiegen um 2,6 Prozent, der Kliniksektor legte sogar um 2,8 Prozent zu, und das stärkste Wachstum gab es bei den Ausgaben für Arznei- und Verbandmittel im ersten Quartal (plus 4,5 Prozent). Die gute Entwicklung der Branche spiegelt sich auch im jüngsten Medizinklimaindex wider, der halbjährlich im Auftrag der Stiftung Gesundheit erhoben wird. Der Index stieg im Frühjahr zum dritten Mal in Folge und erreichte erstmals seit Beginn der Erhebung vor acht Jahren einen positiven Wert. Besonders die Gruppe der Zahnärzte zeigt sich bei dieser Erhebung optimistisch. Von ihnen erwarten 20 Prozent eine weitere Verbesserung der Lage, bei den Ärzten sind es 11,5 Prozent. 57 Prozent der Zahnärzte und jeder dritte Humanmediziner bezeichneten die derzeitige wirtschaftliche Situation ihrer Praxis als gut. Letztlich profitieren auch die Gesundheitsberufe von der guten Wirtschaftslage die Zahlungsbereitschaft der Patienten ist höher, und auch in den Sozialkassen herrscht kein Sparzwang. Arbeitsmarkt beeinflusst PKV Pflegemarkt verspricht Wachstum 8,89 Millionen Menschen waren zum Jahresende 2013 privat krankenversichert. Dies sind 0,7 Prozent oder weniger Versicherte als ein Jahr zuvor. Die Zahlen gab der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) in diesem Frühjahr bekannt. Den leichten Rückgang erklärt der Verband mit einer abwartenden Haltung vieler potenzieller Kunden, nachdem im vergangenen Jahr viel über die Einführung einer Bürgerversicherung diskutiert worden war. Aber auch die sinkende Zahl der Selbstständigen in Deutschland (minus ) bei zugleich steigender Zahl der Arbeitnehmer (plus ) hat nach Einschätzung des PKV-Verbandes eine Rolle gespielt. Denn viele vormals Selbstständige mussten sich bei einer Anstellung unterhalb der Versicherungspflichtgrenze zwangsläufig wieder gesetzlich versichern. Hinzu kommt, dass sich viele Anbieter von den sogenannten Billigtarifen verabschiedet haben und damit das Neugeschäft schwächer ausgefallen ist. Einen deutlichen Zuwachs hat die Branche im vergangenen Jahr dagegen bei Zusatzversicherungen verzeichnet. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Pflegemarktes ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Die gesetzlichen Pflegekassen geben inzwischen jährlich rund 23 Milliarden Euro für Leistungen aus. Hinzu kommen rund 0,8 Milliarden Euro der privaten Pflegekassen. Pflegeleistungen werden in Deutschland in mehr als Heimen und von ebenso vielen ambulanten Pflegediensten erbracht. Als Arbeitgeber sind sie besonders für Teilzeitkräfte attraktiv. Fast eine Million Menschen sind in der Branche beschäftigt. Sowohl in den Pflegeheimen als auch in Beschäftigte im Pflegemarkt Heime Ambulante Dienste Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes den ambulanten Diensten haben mehr als zwei Drittel von ihnen eine Teilzeitstelle. Die wachsende Bedeutung des Pflegemarktes zeigt sich im Vergleich: 1997, dem ersten vollständigen Jahr mit Pflegeleistungen, gaben die gesetzlichen Pflegekassen rund 15 Milliarden Euro aus. Seitdem sind die Ausgaben um mehr als 50 Prozent gestiegen. Ein weiteres Wachstum ist zu erwarten, weil die Zahl der Pflegebedürftigen (aktuell 2,5 Millionen) in den kommenden Jahren zunehmen wird. Im Jahr 2030 geht man von 3,2 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland aus. In Deutschland gibt es bei der Versorgungsdichte von Pflegeanbietern ein Nord-Süd-Gefälle. Das dichteste Pflegenetz weisen Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern auf, am dünnsten ist das Angebot im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Bayern. Der Pflegemarkt wird insgesamt dominiert von Wohlfahrtsverbänden und privaten Anbietern und ist besonders im ambulanten Sektor noch sehr kleinteilig. Der größte Betreiber verfügt über bundesweit 34 Standorte. Seite 2

3 Deutsche Bank mednachrichten Ausgabe 3/2014 AUS DEN REGIONEN MVZ auf Erfolgskurs Ein ambulant geführtes, großes standortübergreifendes MVZ setzt die knappe Ressource Arzt effizient ein: In Thüringen hat ein Allgemeinmediziner bewiesen, dass Praxisinhaber Erfolg mit großen Einheiten haben können. Ein Praxisinhaber, neun Standorte, 30 angestellte Ärzte, davon 70 Prozent Frauen, behandelte Patienten pro Jahr: Das MVZ Kielstein ist für die ambulante Versorgung der Region Erfurt und darüber hinaus ein wichtiger Player. Die für Hausärzte ungewöhnlich große Einheit mit insgesamt 100 Mitarbeitern managt der Inhaber und Allgemeinmediziner, der nach dem Medizinstudium noch Betriebswirtschaft studiert hat, von Erfurt aus. Hier hat das MVZ zwei weitere Standorte. Außerdem gibt es drei Standorte in Jena und jeweils einen in den Orten Rothenstein, Eisenberg und Schkölen. Die angestellten Ärzte konzentrieren sich auf die medizinische Versorgung in den Sprechstunden. Alle Tätigkeiten rund um die Abrechnung, im Zusammenhang mit Direktverträgen mit Krankenkassen oder zur Praxisorganisation gehören nicht zum Aufgabenprofil. Damit erreicht das MVZ, dass sich die Ärzte auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können. MVZ-Standort in Erfurt: Angestellte Ärzte können sich auf die Patienten konzentrieren. Kielstein Der Allgemeinmediziner hat gute Erfahrungen mit dem Modell gemacht. Die weit verbreitete Ansicht, dass angestellte Ärzte weniger leisten als Freiberufler, teilt er nicht. Nach Angaben des MVZ-Inhabers liegen viele der bei ihm angestellten Ärzte mit ihren Leistungen über dem Fachgruppendurchschnitt, was die Praxisleitung auf die Entlastung der Ärzte von bürokratischen Aufgaben zurückführt. Die telefonischen Terminanfragen werden für alle Standorte zentral in Erfurt bearbeitet. Die interne Kommunikation geschieht komplett papierlos. Der Notdienst wird im Pool organisiert. Ein internes Controlling gibt bei Überschreitungen in der Verordnung Warnhinweise und hilft damit, Regresse zu vermeiden. Eine weitere Expansion des MVZ ist möglich. Nach Angaben des Inhabers gibt es Anfragen von Ärzten, die ihre Praxis einbringen möchten. Aus der Erfahrung heraus sei es aber besser, nachhaltig zu wachsen, als zu schnell zu expandieren. Wohnortnähe für Praxen nicht immer ausschlaggebend Eine Analyse des Zentralinstituts der KBV zur Wahl der Praxisstandorte in Hamburg zeigt, dass für Patienten die Wohnortnähe nicht das einzige Kriterium der Praxiswahl ist. Laut Studie finden Patienten in der Hansestadt im Durchschnitt schon nach 430 Metern eine Hausarztpraxis. Mit steigendem Spezialisierungsgrad der Ärzte werden die Wege länger. Im Durchschnitt über alle Fachgruppen beträgt die Entfernung zur nächsten Praxis 1,44 Kilometer. Für den schon nach 430 Metern erreichbaren Hausarzt legen die Patienten tatsächlich im Durchschnitt 1,85 Kilometer zurück. Für den Gynäkologen fahren Patientinnen im Schnitt 3,11 Kilometer, auch wenn sie bei dem Besuch der nächstgelegenen Praxis lediglich 0,97 Kilometer zurücklegen müssten. Laut Studie ist die Arztdichte in Stadtteilen mit gut erreichbaren Einkaufszentren deutlich höher als in reinen Wohnbezirken. Deshalb kann man davon aus - gehen, dass Ärzte bei der Standortwahl die typischen Wege der Patienten und die Erreichbarkeit der Praxis mit berücksichtigen. In ländlichen Regionen ist bei der Neubildung von Ärztezentren eine ähnliche Tendenz zu beobachten. Einzelpraxen werden immer seltener an einen Nachfolger vor Ort übergeben, sondern häufiger von bereits niedergelassenen Ärzten aufgekauft. Die neue Berufsausübungsgemeinschaft hat ihren Sitz üblicherweise an einem gut erreichbaren größeren Ort in der Region. Praxen im Umland werden allenfalls als Filialen weitergeführt. Praxischef und Chefarzt: Urologen in Lübeck expandieren Den Trend zur Kooperation nutzen seit 2011 mehrere Urologen in Lübeck erfolgreich. Sechs von ihnen haben sich zu einer Gemeinschaftspraxis (Berufsausübungsgemeinschaft) zusammengeschlossen, ein siebter ist Praxisgemeinschaftspartner. Damit ist das Urologische Zentrum Lübeck (UZL) die größte Praxis dieser Fachgruppe in Schleswig-Holstein. Angesiedelt ist die Praxis in einem Facharztzentrum direkt neben der örtlichen Sana Klinik. Für die niedergelassenen Ärzte hat dies einen besonderen Vorteil: Sie alle haben sich neben der Praxis ein weiteres Standbein im stationären Sektor geschaffen. Mit ihrer Hilfe gründete das Krankenhaus eine urologische Abteilung, für die drei der UZL-Partner als Chef- und vier als leitende Oberärzte fungieren. Dafür sind sie beim Klinikkonzern Teilzeit angestellt. Insgesamt kommen die Urologen aus dem UZL auf rund operative Eingriffe im Jahr. Die Kooperation halten die zuvor in Einzeloder kleinen Gemeinschaftspraxen niedergelassenen Ärzte für einen Trend, der viele Vorteile bietet. Neben der Vertretung im Krankheitsfall schätzen sie die permanent einholbare Zweitmeinung von Kollegen und die hohe Präsenz für Patienten das UZL hat außer am Wochenende täglich von 7 Uhr bis 19 Uhr Sprechstunden. Ein weiterer Vorteil ist die Verteilung der Kosten auf mehrere Schultern. Pro Arzt hat das UZL geringere Kosten, als wenn die Ärzte in kleineren Einheiten organisiert wären. Möglich macht dies unter anderem die Raumaufteilung: Weil die Ärzte Sprechstunden zu unterschiedlichen Zeiten leisten, können sie sich Sprechzimmer teilen. Die Räume sind stets gleich eingerichtet, so dass jeder Arzt jeden Raum nutzen kann, ohne sich an fremde Ausstattung gewöhnen zu müssen. Einen der früheren Praxisstandorte hat das UZL übernommen, um dort privatärztliche Sprechstunden anzubieten, örtlich und zeitlich getrennt von denen für gesetzlich Versicherte. Das Konzept geht auf: Jede fünfte vom UZL erbrachte Leistung wird privat bezahlt. Seite 3

4 AUS ALLER WELT Deutsche Bank mednachrichten Ausgabe 3/2014 Österreich geht bei E-Health voran Österreich ist bei der Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen schon weiter vorangekommen als Deutschland. Nach der elektronischen Gesundheitskarte (egk) wird jetzt die Elektronische Gesundheitsakte ELGA sukzessive eingeführt, die jedoch ähnlich umstritten ist wie die egk in Deutschland. Im Zentrum eines vernetzten Gesundheitssystems in Österreich soll schon bald die Elektronische Gesundheitsakte ELGA stehen. Sie ist ein Informationssystem, das Patienten, Ärzten und anderen an der Behandlung beteiligten Gesundheitsanbietern Zugang zu den Gesundheitsdaten erleichtert. Die vorliegenden Daten sollen elektronisch zusammengeführt werden. Das dafür erforderliche gesicherte Zugangsportal im Internet steht seit Jahresbeginn zur Verfügung. Ab dem kommenden Jahr sollen die Leistungsanbieter schrittweise die bei ihnen erstellten Patientendaten zur Verfügung stellen und auch abrufen können wenn die Patienten zugestimmt haben. Ein 2013 verabschiedetes Gesetz sieht einen stufenweisen Rollout bis 2022 vor. Für den Zugang zu ELGA dient unter anderem die seit 2005 flächendeckend ausgegebene E-Card, mit der sich die Patienten in Arztpraxen authentifizieren. Die Karte wird wie ein Schlüssel verwendet, auf ihrem Chip werden keine medizinischen Daten gespeichert. Die Einführung der E-Card war in Österreich wie in Deutschland von technischen Pannen begleitet und unter Ärzten umstritten. Die für das Einlesen der Karte erforderliche Erstausstattung in den Praxen inklusive Installation und Wartung hatte zunächst der Hauptverband der Sozialversicherungen befristet übernommen. Auch Patienten sollen Zugang zu ELGA bekommen und ihre eigenen Befunde, Entlassungsberichte, Labordaten, Röntgenbilder und eine Medikamentenübersicht über einen sicheren Internetzugang zeit- und ortsunabhängig ausdrucken und speichern können. Aus Datenschutzgründen erhalten Ärzte in staatlichen Einrichtungen, in Behörden oder bei Versicherungen sowie der betriebsärztliche Dienst dagegen keinen Zugang. Dennoch ist ELGA umstritten. Der Hausärzteverband des Landes rät Patienten, nicht teilzunehmen. Er verlangt mehr Datenschutz, hält den Aufwand für die Ärzte für zu hoch und vermisst Qualitätssteigerungen. Wer nicht teilnehmen möchte, muss seinen Widerspruch schriftlich oder elektronisch bekannt geben. Obwohl das Verfahren als zu kompliziert kritisiert wird, haben in den ersten Wochen Österreicher davon Gebrauch gemacht. Der Auch in Österreich soll eine Chipkarte Zugang zu den Daten verschaffen. contrastwerkstatt/fotolia.com Hausärzteverband unterstützt dies, indem er das Verfahren in einer Broschüre erklärt. Ziel der Gesundheitsakte ist es letztlich, Mehrfachuntersuchungen und ihre Belastungen zu vermeiden sowie Wartezeiten und Wege für Patienten zu verringern. Außerdem sollen sich Patienten besser als bislang über ihren eigenen Gesundheitszustand informieren können und damit besser in die Lage versetzt werden, Entscheidungen zu treffen. Befürworter sehen so Patientenautonomie und Patientenrechte gestärkt. Die österreichische Patientenanwaltschaft befürwortet ELGA daher auch. Rezeptgebühr ist illegal Wartezeiten für Hausarzttermine Zuzahlungen für Patienten stehen in vielen Ländern in der Kritik: Das spanische Verfassungsgericht hat eine 2012 in Katalonien eingeführte Rezeptgebühr, die sich auf maximal 61 Euro pro Jahr und Patient belief, für illegal erklärt. Der wirtschaftsstarken, aber zugleich am höchsten verschuldeten Region Spaniens drohen nun Rückforderungen von Patienten von bis zu 45 Millionen Euro. Diese Summe hatte die Region ein halbes Jahr lang von Patienten eingezogen, bis die damit nicht einverstandene spanische Regierung die strittige Frage vom Madrider Verfassungsgericht klären ließ. Das Gericht stimmte der Zentralregierung zu: Die Erhebung solcher Rezeptgebühren sei alleinige Kompetenz der Zentralregierung. Damit steht nun auch eine ähnliche Gebühr, die die Regionalregierung in Madrid eingeführt hatte, vor dem Aus. Britische Patienten brauchen Geduld, wenn sie einen Hausarzttermin benötigen. Nach Angaben des Royal College of General Practitioners (RCGP) mussten Patienten im vergangenen Jahr in 47 Millionen Fällen länger als eine Woche auf einen Termin warten. Diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr (40 Millionen) deutlich gestiegen. Für das laufende Jahr erwartet der Verband eine weitere Steigerung um 16 Prozent. Langfristig wird wegen der älter werdenden Bevölkerung mit einer weiteren Verschärfung des Problems gerechnet. Der einflussreiche RCGP sieht in der jüngsten Entwicklung einen Zusammenhang zwischen Etatkürzungen im staatlichen Gesundheitswesen und den steigenden Wartezeiten. Seit der Finanzkrise vor fünf Jahren stehen die britischen Primärärzte vor der Herausforderung, neben der Patientenbehandlung Aufgaben wie etwa Ver- waltungsarbeiten zu erledigen. Zusätzliche Brisanz erhalten die längeren Wartezeiten durch die Lotsenfunktion der Hausärzte. Der Zugang zu Fachärzten, Kliniken und weiteren Leistungen erfolgt im staatlichen National Health Service grundsätzlich über die rund Hausärzte. Das Londoner Gesundheitsministerium bestreitet den von den Hausärzten vermuteten Zusammenhang, weil die Etatkürzungen hauptsächlich andere Gesundheitsbereiche wie etwa den stationären Sektor beträfen. Der Hausärzteverband dagegen erwartet, dass die Kürzungen viele Hausarztpraxen auch wirtschaftlich gefährden. Insgesamt stünden rund 100 Hausarztpraxen vor dem Aus, warnte der Verband. Direkt betroffen wären davon rund Patienten. Um das zu verhindern, fordert der Verband von der Regierung einen Notetat, in dem rund 20 Millionen Euro für Hausärzte zur Verfügung gestellt werden. Seite 4

5 Deutsche Bank mednachrichten Ausgabe 3/2014 HONORAR ASV bietet Chancen Im April ist die erste Indikation für die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) gestartet. Für Fachärzte kann die ASV zu einer Option werden, extrabudgetäre Leistungen zu erbringen. Mit Inkrafttreten des Versorgungsstrukturgesetzes im Jahr 2012 ist durch die ASV ein neuer Versorgungsbereich entstanden. Dieser umfasst die Behandlung von seltenen sowie schweren Erkrankungen. Die Bedingungen für die ersten beiden Indikationen sind vom Gemeinsamen Bundesausschuss definiert worden. Seit April ist die Tuberkulose für die ASV freigegeben. Gastrointestinale Tumoren folgen noch im Sommer, weitere Indikationen zum Jahresende. Grundgedanke der ASV ist eine interdisziplinäre Behandlung von Patienten durch ein Team von erfahrenen Fachärzten. Bei der Tuberkulose gehören außer Pneumologen und Infektiologen im erweiterten Kreis Augenärzte, HNO, Gastroenterologen, Urologen, Orthopäden, Neurologen, Pathologen, Laborärzte und Radiologen zum Team. Alle Leistungen werden zu festen Preisen bezahlt, extrabudgetär und ohne Mengenbegrenzung. Wer an der ASV teilnehmen will, sollte folgende Punkte beachten: Kooperationsvertrag: Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der ASV ist die Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team mit einem ärztlichen Leiter. Die jeweilige Anlage zur ASV- Richtlinie regelt die erforderlichen Fachgruppen und die Qualifikationen des Teams. Nach der Anzeige bei dem erweiterten Bundesausschuss erhält das Team, bei Erfüllung der Voraussetzungen, die Zulassung sowie eine Team- Nummer zur Abrechnung. Arbeit im Team: Für die ASV ist im April der erste Startschuss gefallen. Robert Kneschke / fotolia.com Leistungen: Die Leistungen, die bisher nicht im EBM sind, werden vorläufig nach GOÄ abgerechnet. Der GBA veröffentlicht noch zu jeder Indikation eine Liste von Ziffern. Der Bewertungsausschuss bewertet die bereits im EBM definierten Leistungspositionen für die ASV teilweise neu, es können bei Bedarf auch neue Leistungspositionen geschaffen werden. Abrechnung: Jeder ASV-Teilnehmer rechnet einzeln direkt mit der Kasse des Patienten ab, wobei immer die Team-Nummer angegeben werden muss. Je nach Zahl der Patienten ist es empfehlenswert, mit einem Dienstleister zusammenzuarbeiten. Für Vertragsärzte bietet sich neben der extrabudgetären Vergütung auch die Chance, mit der ASV die Schnittstellen zwischen der ambulanten und der stationären Versorgung besser mitzugestalten. Verwaltungsgericht klärt Streitfrage aus der GOZ Der aktuelle Honorartipp Zwei Termine für Impfberatung Die reisemedizinische Beratung gehört in Praxen mehrerer Fachgruppen zum Standard-Repertoire von Leistungen, die auf Wunsch des Patienten erbracht werden. Ein wichtiger Teil davon ist die Impfberatung, besonders bei Fernreisen. Sie ist auch deshalb besonders wichtig, weil dabei immer wieder Impflücken auffallen, die dann durch Nachimpfung teils auf Kassenkosten, teils auf Basis der GOÄ geschlossen werden. Zu beachten ist, dass Impfberatung und Impfung bei der Umsatzsteuer unterschiedlich zu werten sind. Vor allem bei Patienten, die sich über ihren Impfstatus nicht sicher sind, ist eine Reiseimpfberatung über zwei Termine zu legen. Beim ersten Termin erfolgt die allgemeine Reiseberatung, die mit der GOÄ-Nr. 3 (eingehende Beratung) oder bei besonders hohem Beratungsbedarf auch mit der höher bewerteten Nr. 34 angesetzt wird. Da hier kein Indikationsbezug vorliegt, sind diese Leistungen vom Grundsatz her umsatzsteuerpflichtig. Die dann zu einem anderen Termin folgende Impfung kann mit den GOÄ-Nrn. 1 und 6 (oder 7, zur Feststellung, ob Erkrankungen vorliegen, die eine Impfung ausschließen) und 375 für die eigentliche Schutzimpfung abgerechnet werden. Die Impfung und die Beratungs- und Untersuchungsleistung sind indikationsbezogen und führen, bei entsprechender Dokumentation, zu umsatzsteuerfreien Einnahmen. Honorar für Gutachten erhöht Immer wieder kommt es bei der Interpretation der Gebührenordnungen der Ärzte (GOÄ) und Zahnärzte (GOZ) zu Auseinandersetzungen darüber, ob eine Leistung als Teil einer anderen Leistung (Zielleistung) zu bewerten ist oder ob sie als selbstständige Leistung gilt. Ein solch streitiger Fall ist auch die Trepanation, also die Eröffnung des Pulpencavums. In der GOZ ist vermerkt, dass die Trepanation als selbstständige Leistung berechenbar ist. Sie wird laut Gebührenordnung nach Nr berechnet (3,66 Euro bei einfachem Satz). In der Kommentierung des Bundesgesundheitsministeriums zur GOZ heißt es nun, dass die Trepanation nicht neben den Nrn. 2410, 2430 (medikamentöse Einlage) und 2440 berechenbar sei. Es gibt aber keine ausdrücklichen Ausschlüsse für die Leistung. Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat jetzt zugunsten eines Zahnarztes entschieden, dass die Trepanation auch neben Wurzelkanalaufbereitung (GOZ-Nr. 2410, 22,05 Euro bei einfachem Satz) und Wurzelkanalfüllung (Nr. 2440, 14,51 Euro bei einfachem Satz) abgerechnet werden kann (Az.: 6 K 4261/12). Das Gericht hat somit ein Urteil zugunsten der Zahnärzte gefällt. Ärzte, die Gutachten für die Unfallversicherung erstellen, bekommen mehr Geld. Die Partner des Vertrages Ärzte / Unfallversicherungsträger haben sich zum 1. April auf neue Sätze für Gutachten geeinigt. Nach vielen Jahren ohne Erhöhung ist das Honorar kräftig gestiegen: Für das erste Rentengutachten z. B. (UV-GOÄ-Nr. 146) gibt es statt bisher 67,13 Euro jetzt 120 Euro. Für die UV-GOÄ-Nrn (zweites Rentengutachten etc.) wurde der Satz von 58,82 auf 100 Euro erhöht. Bei freien Gut - achten (Nrn. 160, 161, 165) fallen die Gebührenspannen weg. Die neuen Honorare liegen jedoch alle oberhalb des alten Höchstsatzes. Seite 5

6 PRAXIS Deutsche Bank mednachrichten Ausgabe 3/2014 Praxis-Kalender Berlin 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie Leipzig 110. Jahrestagung der Dt. Ges. für Kinder- und Jugendmedizin Leipzig 112. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft Düsseldorf 66. Kongress d. Dt. Ges. f. Urologie Umfangreiches Angebot von Praxisseminaren für Ärzte und Zahnärzte: Netze entdecken Betriebsmedizin Was Werksärzte für Großbetriebe leisten, können Arztpraxen oder Ärztenetze für Mittel- und Kleinbetriebe übernehmen: das betriebliche Gesundheitsmanagement. Erste Verbünde haben den Markt als Betätigungsfeld entdeckt. in der mittelständischen Wirtschaft entdeckt. Um überhaupt als Anbieter für betriebliches Gesundheitsmanagement wahrgenommen zu werden, empfiehlt das Netz zur Akquisition von Unternehmen die Veranstaltung eines Gesundheitstages direkt im Betrieb. Im Nachgang könnten dann passgenaue Angebote auf die Firmen zugeschnitten werden. Online-Check zur Hygiene Das Hygienegesetz macht Praxen zwar viele Vorgaben, gibt aber keine praktischen Tipps. Diese Lücke füllt ein Online-Check, den die KBV zusammen mit Vertragsärzten entwickelt hat. Anhand von 19 Fragen erhalten Praxisinhaber einen Eindruck, wo ihre Praxis auch im Vergleich mit anderen Praxen noch Optimierungsbedarf in der Hygiene hat. Zum Beispiel haben zwar 60 Prozent der Teilnehmer einen schriftlichen Hygieneplan, aber erst ein Drittel bereits ein Risikomanagement umgesetzt. Der Statusbericht wird zudem um Vorschläge ergänzt, wie Praxisinhaber den Optimierungsbedarf heben können. Infos: Gesunde Arbeitsbedingungen werden wichtiger eine Aufgabe für Ärzte. DOC RABE Media/fotolia.com Krankheitsbedingte Fehlzeiten sind teuer für Unternehmen. Auf einen fest angestellten Betriebsarzt müssen mittlere und kleine Firmen wegen der Personalkosten zwar in der Regel verzichten, nicht aber auf betriebliches Gesundheitsmanagement als solches. Diese Leistung übernehmen in der Regel externe Anbieter. Auch niedergelassene Ärzte können sich den Markt erschließen. Die Chancen von Ärzten als Anbieter steigen, wenn sie im Praxisverbund auftreten und so ein breites Leistungsspektrum abdecken können. Bedarf für solche Angebote hat das Ärztenetz Eutin-Malente aus Schleswig-Holstein Das Netz regt zudem zur Abrundung des Angebotes an, auch Mitstreiter vor Ort zu suchen, etwa Rehakliniken, Ernährungsberater oder Physiotherapeuten. Als hilfreich für die Positionierung als Anbieter haben sich auch Kontakte zu Unternehmensverbänden in der Region herausgestellt, die vom Netzmanagement geknüpft werden. Auch Betriebsräte sind wichtige Ansprechpartner. Das Netz in Eutin-Malente betreut nach eigenen Angaben inzwischen mehrere Firmen. Der kontinuierliche Anstieg der krankheitsbedingten Fehlzeiten von Beschäftigten in Unternehmen, insbesondere wegen Rückenleiden und psychischer Erkrankungen, verspricht weiteres Marktwachstum für derartige Aktivitäten. Gute Vorbereitung ist Erfolgsfaktor für Kooperationen Erfolgreiche Kooperationen sind auf gute Vorbereitung, klar abgegrenzte Verantwortlichkeiten und einen kontinuierlichen Austausch der kooperierenden Praxispartner zurückzuführen. Bei der Umwandlung von Einzelpraxen in Gemeinschaftspraxen ist eine reibungslose Zusammenarbeit erst nach rund neun Monaten zu erwarten. Diese Rückschlüsse lassen sich aus einer Untersuchung des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategieentwicklung (IFABS) ziehen. Das Institut hat die Effekte von Kooperationen analysiert und dafür 278 Einzelpraxen, die sich zu 119 Gemeinschaftspraxen zusammengeschlossen hatten, einbezogen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Praxisinhaber berücksichtigen sollten, dass die Gemeinschaftspraxis mehr bedeutet als Bündelung von Ressourcen und gemein same Nutzung von Räumen, rät IFABS-Leiter Klaus-Dieter Thill. Ein Zusammenschluss sollte als komplette Neugründung ver standen werden. Dazu sollten die be teilig ten Ärzte einen Inte grationsplan erstellen, der die unterschiedlichen Arbeitsweisen, Abläufe und Systeme der Partner harmo nisiert und klare Verantwortlich keiten zuweist. Damit nicht jeder Praxispartner auf seine eigenen Mitarbeiter setzt, sollten die Mit arbeiter als gemeinsames Team geführt werden. Um eine gelungene Kooperation zu realisieren, sollten regelmäßige Team besprechungen stattfinden und sich die Ärzte in kurzen Abständen treffen. Erfahrungen des Instituts zeigen, dass viele Mitarbeiter nach der Zusammenführung nicht zufrieden sind. Die Stimmung sei ein Jahr nach der Fusion bei zwei Dritteln der Mitarbeiter schlechter als vorher. Bei einer unzureichenden Vorbereitung drohen auch negative Auswirkungen auf die Patientenstimmung. Nur in jeder achten Praxis war die Patientenzufriedenheit gestiegen. Hauptkritikpunkte waren unaufmerksames Personal, lange Wartezeiten und mangelnde Informationen mit geringen Gesprächsmöglichkeiten Punkte, die durch gute Vorbereitung der Kooperation vermieden werden können. Seite 6

7 Deutsche Bank mednachrichten Ausgabe 3/2014 STEUERN, RECHT, FINANZEN Basisrente: Förderung oder Flexibilität? An die steuerliche Förderung der Basisrente hat der Staat bestimmte Bedingungen geknüpft. Mit dem richtigen Konzept müssen Ärzte und Zahnärzte auf Flexibilität dennoch nicht verzichten. Es gibt einen breiten Konsens zur Förderung der privaten Altersvorsorge in der Politik. Um zu verhindern, dass in geförderten Produkten gebildetes Vermögen z. B. für Reisen oder Autos zweckentfremdet wird und später nicht für die Rente zur Verfügung steht, hat der Gesetzgeber bestimmte Bedingungen an geförderte Produkte geknüpft. Für die Basisrente heißt das: keine Möglichkeit der Kapitalauszahlung, sondern eine lebenslange Leibrente, Vererbung lediglich an Ehebzw. Lebenspartner und kindergeldberechtigte Kinder möglich und der Vertrag kann nicht als Kreditsicherheit verwendet werden. Aber mit dem richtigen Konzept sind Förderung und Flexibilität machbar. Dafür bedarf es einer frühzeitigen, individuellen Planung, die einen ausgewogenen Mix zwischen Kapitalauszahlung und monatlichen Rentenzahlungen in der Vermögensplanung zum Ziel hat. Damit können Ärzte auf der einen Seite ausreichend regelmäßige und lebenslange Einkünfte im Alter und auf der anderen Seite freies Kapital für konkrete Anlässe oder Unvorhergesehenes aufbauen und sicherstellen. Die Basisrente unterstützt ganz klar das Ziel der regelmäßigen Einkünfte. Bestehende Kapitallebensversi- Flexibilität und Förderung im Netto-Netto-Vergleich Klassische Variante Basisrente (Rürup) private Rente Beitrag brutto , ,86 Nettoaufwand , ,86 zzgl. Beitrag für Risikolebensversicherung (inkl. Überschüsse) 4.463,40 0,00 Gesamtaufwand , ,86 mtl. Rente (garantiert), brutto 380,00 234,30 mtl. Rente (garantiert), netto bei 35 % Steuersatz 254,98 219,54 mtl. Rente (voraussichtlich), brutto 642,69 396,93 mtl. Rente (voraussichtlich), netto bei 35 % Steuersatz 431,24 371,92 Netto-Netto-Vorteil der Basisrente 16 % cherungen, Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht oder Depotvermögen können beiden Zielen dienen. Das Thema breitere Vererbbarkeit erscheint schwieriger zu lösen, ist es aber nicht entscheidend ist auch hier die Gesamtlösung. Der Vorteil der Basisrente ist die steuerliche Förderung der Beiträge. Die daraus resultierende Steuerrückzahlung führt im Vergleich mit einer alternativen Besparung einer privaten, nicht geförderten Rente zu einem Liquiditätsgewinn. Setzt der Arzt einen kleinen Teil dieser gewonnenen Summe für eine ungeförderte Risikolebensversicherung ein, lohnt sich die Basisrente im Netto-Netto- Vergleich noch immer. Trotz der Kosten für den zusätzlichen Todesfallschutz liegen die Leistungen der Basisrente netto 16 Prozent über der nicht geförderten Alternative. Im Todesfall wird neben der Witwen- oder Waisenrente aus dem Basisrentenvertrag zusätzliches Kapital zur Auszahlung fällig, das als Versicherungsleistung unversteuert bleibt und frei vererbt werden kann. Je nach Größe des Nachlasses und nach Verwandtschaftsgrad wird hier lediglich Erbschaftsteuer fällig. Auf die Förderung der Basisrente muss deshalb nicht verzichtet werden. Fonds-Variante Basisrente (Rürup) private Rente Beitrag brutto , ,66 Nettoaufwand , ,66 zzgl. Beitrag für Risikolebensversicherung (inkl. Überschüsse) 6.233,20 0,00 Gesamtaufwand , ,66 mtl. Rente (garantiert), brutto 307,10 194,54 mtl. Rente (garantiert), netto bei 35 % Steuersatz 206,06 182,28 mtl. Rente (voraussichtlich), brutto 788,63 501,83 mtl. Rente (voraussichtlich), netto bei 35 % Steuersatz 529,17 470,21 Netto-Netto-Vorteil der Basisrente 13 % Quelle: Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG, eigene Berechnungen, Berechnungsgrundlagen: Freiberuflicher Arzt, männlich, verheiratet, keine Kinder, Ehepartner nicht erwerbstätig, 45 Jahre, Splittingtabelle Tarif 2014, keine Kirchensteuer, zu versteuerndes Einkommen in der Ansparphase Euro, Jahresbeitrag Euro (20 Jahre), Rentenzahlung mit 65, 10 Jahre Rentengarantiezeit, Garantie-Plus-Rente, voraussichtliche Rente: Rente inkl. aktueller Überschüsse bzw. 6 % Fondswertentwicklung, Basisrenten steuerpflichtig zu 94 % (2034), Privatrenten steuerpflichtig zu 18 %, angenommener Steuersatz in der Rentenphase 35 %, Risikolebensversicherung: Tarif pur, Nichtraucher, kein Motorrad. Aktuelle Finanzmarktthemen Aktien & Anleihen Best of Two Ein Vermögensmanagement, das ohne prognosebasiertes Fondsmanagement auskommt: Die Best of Two -Strategien der Deutschen Bank liefern seit fünf Jahren überzeugende Wertentwicklungen auch in turbulenten Marktphasen. Grund dafür ist unter anderem der völlige Verzicht auf Emotionen. Mehr dazu und zu weiteren Kapitalmarktthemen erfahren Sie unter / perspektiven, dem Investment- Journal PERSPEKTIVEN von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privatund Firmenkunden der Deutschen Bank. Anstellung kann Gewerbesteuer auslösen Um die Befreiung von der Gewerbesteuer nicht zu gefährden, sollten Ärzte vor der Anstellung von Kollegen für eine Zweigpraxis die Bedingungen und Folgen der Anstellung sorgfältig abwägen. Die Befreiung von der Gewerbesteuerpflicht setzt voraus, dass der Praxisinhaber die volle fachliche Verantwortung für alle Leistungen übernehmen kann und in ausreichendem Umfang an der praktischen Arbeit teilnimmt. Deshalb löst die Beschäftigung eines Arztes in einer Filiale nach Ansicht von Steuerberatern die Gewerbesteuerpflicht aus. Die eigenverantwortliche Leitung der Filiale wird dem Arzt abgesprochen, wenn der angestellte Arzt fachfremd tätig ist. Der Praxisinhaber soll trotz des angestellten Arztes Bezugsperson für die Patienten sein. Die Anstellung eines Arztes am Hauptsitz der Praxis gilt dagegen als unproblematisch. Nur bei der Beschäftigung von Ärzten anderer Fachrichtungen ist selbst dann Vorsicht angebracht. Hier gehen die Finanzbehörden davon aus, dass die fachliche Verantwortung nicht für alle Leistungen übernommen werden kann. Vermieden wird die Gewerbesteuer, wenn der angestellte Arzt Mitgesellschafter der Praxis wird. Vor einer möglichen Anstellung ist aber auch zu bedenken, dass zu zahlende Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechenbar ist. Die zusätzliche Steuerlast durch Gewerbesteuer fällt daher in der Regel eher niedrig aus, wäre also im Zweifel kein entscheidendes Argument gegen eine Einstellung. Seite 7

8 FINANZEN Deutsche Bank mednachrichten Ausgabe 3 / 2014 Bewährte Altersversorgungskonzepte verstärkt unter Druck Die Altersversorgung von Ärzten fußt in der Regel auf drei Säulen: der Rente aus dem berufsständischen Ver sorgungswerk, dem Verkaufserlös aus der Praxis und der privaten Altersvorsorge. Insbesondere die zwei erstgenannten geraten immer mehr unter Druck. Ein fehlender Ausgleich über die private Vorsorge kann im Alter zu finanziellen Einschnitten führen. Berufsständische Versorgungswerke unter doppeltem Druck Die berufsständischen Versorgungswerke sehen sich aktuell zwei Herausforderungen ge genüber: den Auswirkungen der demografischen Entwicklung und der Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten. Die durchschnittliche Lebenser war tung der deutschen Bevölke rung wird nach Schät zungen in dem Zeitraum von 2002 bis 2050 um rund 6 Jahre ansteigen.¹ Diese generelle Entwicklung der Bevölkerung wird bei Ärzten durch einen steigenden Frauenanteil noch verstärkt. Die finanziellen Mittel müssen damit für einen immer längeren Zeitraum ausreichen. Das heißt: Die Schere zwischen Beitragszahlern und -empfängern geht immer weiter auseinander, den Beitragszahlern stehen immer mehr Leistungsempfänger gegenüber.¹ Der zweite Faktor die seit 2009 anhaltende Niedrigzinsphase 2 an den Kapital märkten wirkt sich negativ auf die Ren dite erwartungen der Versor gungswerke aus und schmälert das zur Ver fügung stehende Kapital. 3 Die Konse quenz aus den Belas tungen der demo - grafischen Ent wicklung und der Niedrigzinsphase könnte in den kom menden Jahren ¹ Quelle: Arbeitsgemeinschaft berufsstän discher Versorgungseinrichtungen, Freiberufler leben länger, ² Quelle: EZB-Leitzins. 3 Quelle: Capital , Finanzen: Versorgungswerke. 4 Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Impressum Herausgeber: Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG, Theodor-Heuss-Allee 72, Frankfurt am Main Vorsitzender des Aufsichtsrats: Rainer Neske Vorstand: Wilhelm von Haller (Co-Sprecher), Thomas Rodermann (Co-Sprecher), Rainer Burmester, Alp Dalkilic, Joachim von Plotho Redaktion: Springer Medizin, Postfach 2131, Neu-Isenburg, Hauke Gerlof (V. i. S. d. P. für S. 1 bis 7), Caroline Roos, Zielgruppenmanagement Heilberufe, Deutsche Bank AG (V. i. S. d. P. für S. 8), Nina Dabringhausen, Silke Jung / heilberufe Konzeption und Gestaltung: Christa Marek, Köln Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Trotz sorgfältiger Prüfung der veröffentlichten Inhalte kann keine Garantie für die Richtigkeit der Angaben gegeben werden. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, sind nur mit Genehmigung der Deutsche Bank Privatund Geschäfts kunden AG erlaubt. die Redu zie rung der Aus zahlungen an Ärzte im Ruhe stand sein. 3 Praxisveräußerung wird schwieriger Neben den berufsständischen Versorgungs - werken ist für einen Großteil der niedergelassenen Ärzte der Erlös aus dem Praxisverkauf eine weitere wichtige Säule der Altersvorsorge. Aus heutiger Sicht stehen trotz steigender Anzahl an Ärzten nicht genügend Nachfolger zur Verfügung. Denn bis 2020 werden rund Praxen zur Übergabe stehen und nur noch jeder vierte Arzt macht sich selbst stän dig. 4 Während in Ballungsgebieten sogar weiterhin lukrative Verkaufserlöse erzielt werden können, ist es in Mittel- bzw. Kleinstädten, vor allem aber in den ländlichen Regionen weniger oder gar nicht mehr sicher, ob die Praxis veräußerbar ist. Fazit: Für viele Ärzte be steht die reale Gefahr, durch den vollstän digen oder teilweisen Ausfall des Verkaufs erlöses der Praxis einen bedeuten den Teil des geplanten Vorsorgekapitals zu verlieren.⁴ Drei Bausteine der Altersvorsorge für Ärzte Bewährte Bausteine der Altersvorsorge werden sich in den nächsten Jahren ändern. Die Bedeutung der privaten Vorsorge wird steigen. Private Vorsorge Praxisverkaufserlös Versorgungswerke heute Private Vorsorge Praxisverkaufserlös Versorgungswerke zukünftig Quelle: Deutsche Bank, schematische Darstellung Ausgleich über private Vorsorge möglich Mit Blick auf diese Entwicklungen ist der gezielte Ausbau der privaten Vor sorge, wozu auch Immobilienvermögen und Kapitalanlagen zählen, wichtig. Ärzte sollten zunächst ihre zu erwartenden Renten- und Kapitalleistungen ihrer Altersvorsorge identifizieren und auf Anpassung, z. B. durch Aufstockung der Verträge bzw. ergänzende Maßnahmen, prüfen. Steuer liche Aspekte so wie Sicherheit oder Rendite sind dabei zen trale Faktoren. Ein geeignetes Instru ment kann Der Staat fördert privaten Rentenaufbau mit großzügigen Möglichkeiten des Sonderausgabenabzugs Steuerrückerstattung Einzahlungen im Jahr 2014 Einzahlungen in die Basisrente sind 2014 zu 78 % steuerlich absetzbar. Zur vereinfachten Darstellung angenommener Steuersatz für die Ersparnis von 35 %. Leistungen einer Rürup-Rente sind im Gegenzug zunehmend steuerpflichtig. Quelle: Eigene Berechnungen hier z. B. die staat lich geförderte Rürup-Rente dar stellen. Die Beiträge zu die ser pri vaten Rente können im Rahmen be stimm ter Grenzen als Son derausgaben in der Steuer erklärung gel tend gemacht wer den. Die steuer - liche Abzugsfähigkeit der Rürup-Beiträge liegt 2014 bei 78 Prozent und steigt jährlich um 2 Prozent auf 100 Prozent im Jahr Pro Jahr sind Beträge bis bzw Euro (bei steuerlich zusammen veranlagten Ehepaaren) steuerlich abzugsfähig inklusive der Beiträge zum Versorgungs werk. Zu beachten ist, dass in der Auszahlungs phase die Rentenbeträge versteuert wer den müssen: 2014 mit einem Anteil von 68 Prozent. Dieser Anteil steigt bis 2040 auf 100 Prozent an. Es kann jedoch davon ausge gangen werden, dass im Ruhestand der persön liche Steuer satz in der Regel nied riger ist als zu Erwerbs zeiten. Deutsche Bank Praxisservice Der erste Schritt zu einem tragfähigen Altersvorsorgekonzept ist die Analyse des Status quo. Im Fokus stehen hier die persönliche Situa tion, das Erkennen von Deckungs lücken sowie die Umsetzung eines geeigneten Altersversorgungskonzepts auch unter steuer lichen Aspekten. Ihr Heilberufe Berater stellt Ihnen gern verschiedene Konzepte vor. Vereinbaren Sie einfach einen persönlichen Gesprächstermin unter (069) Seite 8

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