Gottesdienst in Ronsdorf am Predigt zu Johannes 5,24-25

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1 1 Gottesdienst in Ronsdorf am Predigt zu Johannes 5,24-25 von Pfr. Dr. Jochen Denker 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, da werden die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören, werden leben. Johannes 5,24-25 am Ewigkeitssonntag liegt die Frage nach Leben und Tod unausweichlich vor uns. Heute erinnern wir an die Verstorbenen des letzten Kirchenjahres in unserer Gemeinde. Die Kirche und in ihr der Gottesdienst ist heute einer der ganz wenigen Orte, an dem wir lernen, dass uns die Frage immer begleitet so erfolgreich wir sie auch im Alltag meinen, verdrängen zu können. Wenn wir es mit Gott zu tun bekommen, dann geht es immer um Leben und Tod, weil alle vorläufigen Fragen, die wir unter uns zu verhandeln haben, in seinem Angesicht werden, was sie sind: Vorläufige Fragen. Die wirklich wichtigen sollen und müssen wir mit Ernst stellen, sie dürfen aber nie einen letzten Ernst bekommen. Denn unter uns Menschen sollte nichts eine Entscheidung über Leben und Tod werden, denn wir haben beides nicht in unserer Hand. In dem Bibeltext den wir gehört haben, hören wir aber nun nicht irgendeinen Menschen, sondern Jesus Christus von Leben und Tod sprechen. Von ihm möchte ich mir etwas sagen lassen, der er kennt beides. Um recht zu verstehen, was er sagt, um eine biblische Antwort auf die Frage nach Leben und Tod zu bekommen, müssen wir aber zwei Dinge unterscheiden, ohne sie auseinander zu reißen. 1. Die Entscheidung über Leben und Tod fällt nicht bei uns Menschen. Sie fällt bei Gott. Und sie ist durch Jesus Christus gefallen. 2. Die Entscheidung über Leben und Tod wird nicht einfach über uns hinweg gefällt, sondern wir werden daran beteiligt. Diesen beiden Gedanken möchte ich nachgehen. Ich glaube, dass sie trostreiche Lehre des Evangeliums sind. Das Johannesevangelium erzählt uns von heftigen Diskussionen Jesu mit jüdischen Religionsvertretern. Im Kern geht es um eine Frage: Wer ist Jesus von

2 Nazareth? Ist er der Messias? Ist er Gottes Sohn? Oder ist er ein Scharlatan, ein Populist, ein Revoluzzer? Die Antwort des Johannes ist klar: Jesus ist Gottes Sohn. Bei ihm bekommen wir es mit dem lebendigen Gott zu tun. Er ist Gottes Gegenwart in Menschengestalt, damit niemand mehr sagen kann: Ich verstehe Gott nicht. Ich sehe ihn nicht. Ich höre ihn nicht. Ich weiß nicht, was er wirklich will. Er ist so fern und unnahbar. Mit Jesus bekommen wir es mit dem lebendigen Gott zu tun, der allein über Leben und Tod zu entscheiden hat, weil er der einzige ist, der Leben aus dem Nichts schaffen kann und darum auch der einzige, der Leben nehmen darf. Über Leben und Tod entscheidet niemand anderes als ER. Jesus Christus spricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Die Entscheidung über Leben und Tod fällt bei Gott. Sie fällt durch Jesus. Sie fällt nicht mit unserer Entscheidung so oder so zu leben oder zu glauben. Sie fällt nicht mit unserer Entscheidung diesen oder jenen Weg zu gehen. Sie fällt nicht mit unserer Wahl einer bestimmter Partei, eines Programms oder einer Weltanschauung. Die Entscheidung über Leben und Tod fällt überhaupt nicht in einem Bereich, der in unserer Entscheidungsgewalt liegt. Sie ist schon gefallen. Gott sei Dank, kann man nur sagen! Gott hat sie getroffen. die Entscheidung über Leben und Tod fällt bei Gott. Sie fällt durch Jesus Christus und damit fällt sie, darf man das so steif sagen: objektiv. Darüber werden wir durch das Evangelium in Kenntnis gesetzt. Dass ist die gute Nachricht: Ohne uns, ist da etwas für uns geschehen. Das ist Gnade, gratia gratis gegeben. Vom Tod zum Leben hindurchgedrungen sind wir aus Gnade! Die Frage nach Leben und Tod kann, soll und darf allein Gott stellen und allein Gott darf sie beantworten. Und er hat sie mit Christus beantwortet. Die Antwort Gottes heißt: Leben für dich und für mich. Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben. (Joh 14,6) und er sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben (14,19). Die Frage, die über Leben und Tod entscheidet, heißt nicht: Wie stehst Du zu Christus? Sondern: Wie steht Jesus Christus zu dir. Und aufs Ganze gesehen antwortet das Neue Testament eindeutig: 2

3 Er ist für uns. Sein Leben soll unser Leben, sein Sterben unser Sterben, seine Auferstehung unsere Auferstehung sein. Die Entscheidung über Leben und Tod ist gefallen: Gott will das allen Menschen geholfen werde (1.Tim. 2,4). Christus ist der Retter der Welt! Das ist das Erste! Und dann gilt auch das Zweite: Die Entscheidung über Leben und Tod wird nicht einfach über uns hinweg gefällt, sondern wir werden daran beteiligt. An manchen Stellen der Bibel scheint es ja nun doch so, als würden nur diejenigen gerettet, die glauben. Und viele von uns werden die Predigten oder Evangelisationen kennen, in denen mit großem Nachdruck darauf hingewiesen wird, dass man glauben muss, um nicht verloren zu gehen. Ich kenne solche Predigten nur zu gut und erinnere mich, dass ich früher in meiner Jugendarbeit selber so geredet habe. Da wurde mit Hölle und Teufel gedroht, um die Menschen zu Gott zu treiben. Glaube und Nachfolge aus Angst das war die Folge. Ich habe damals nichts davon gehört, dass die Entscheidung über Leben und Tod schon gefallen ist, bei Gott, durch Christus, allein und wirklich allein aus Gnade. Ich bekam den Eindruck vermittelt, alles hinge irgendwie doch noch in der Schwebe. Es hinge doch noch an mir, ob ich gerettet werde oder nicht. Und dann hab ich geglaubt im wahrsten Sinne auf Teufel komm raus. Und immer wieder kam der Zweifel hoch: Glaub ich genug? Glaub ich richtig? Wenn s doch alles an mir hängt um Himmelswillen, hoffentlich mach ich nichts falsch. Heute denke ich: Was würde Jesus dazu sagen? Und: Wozu eigentlich Reformation? Nicht-Glauben schlägt Christus und die Gnade. Das ist das bittere Ergebnis. Aber wir sind hier nicht beim Schnick-Schnack-Schnuck. Oder wenn schon in dem Bild, dann so: Christus und die Gottes Gnade schlagen den Unglauben. das Erste, was also zu sagen war und ist, ist noch mal: Gott entscheidet über Leben und Tod. Und er hat entschieden. Aber nun werden wir ja doch aufgefordert, das Wort Jesu zu hören und zu glauben. Es nicht bedeutungslos, wie wir uns Gott und Christus gegenüber stellen. Die entscheidende Frage ist: Wie steht Jesus Christus zu mir. Aber es ist da auch die ernste Frage über unserem Leben, die lautet: Wie stehst Du zu Jesus Christus? Gott will, dass alle Menschen gerettet werden auch Du und durch Christus hat er es getan. Und nun fragt er uns: Vertraust du mir? Glaubst du das? Wie stellst Du Dich zu meiner Liebe? Lässt Du Dich durch sie verändern? 3

4 Hier hat der Glaube seinen Ort! Das ist unsere Glaubensentscheidung: unsere Stellungnahme. Geben wir Gott Recht in dem, was er sagt und tut oder lassen wir ihn links liegen? Hören wir auf das was Jesus und sagt und vorlebt, tun wir Gottes Willen im Vertrauen darauf, dass er gut ist oder meinen wir, das ginge uns persönlich nichts an und es genüge, irgendwie relativ anständig durchs Leben zu kommen? Setzen wir unser Vertrauen und unsere Hoffnung mitten im Leben und im Sterben auf ihn oder lassen wir Gott einen guten Mann sein und Christus eine nette Idee. Am Ende leben und sterben wir ja doch für uns selbst. Ob wir glauben oder nicht entscheidet nicht über Leben und Tod aber darüber wie wir leben und sterben, wie wir mit Höhen und Erfolgen unseres Lebens und mit seinen Brüchen und Niederlagen umgehen. Seht, jeder Mensch hängt an seinem nackten physischen Leben. Aber wir werden es, wie jeder andere, loslassen müssen ob wir uns darüber klargeworden sind, bevor die Zeit da ist, oder ob wir von dieser Erkenntnis umgehauen werden, weil wir meinten, ihr unbegrenzt aus dem Weg gehen zu können. Unser Leben hier ist geprägt von Abschieden, bis wir einmal selber abscheiden. Was tröstet uns da? Denn selbst wenn wir bereit sind, Unabänderliches hinzunehmen, suchen wir Trost. Manche finden ihn in schönen Erinnerungen, die das Leben bietet. Andere werden zynisch. Manche resignieren und werden im wahrsten Sinne des Wortes todtraurig. Seht, in der Bibel hören wir von einer Hoffnung, die da nicht Halt machen muss, wo allem menschlichen Leben eine Grenze gesetzt ist. Christus hören wir, der uns von jenseits dieser Grenze zuruft: Ich lebe und ihr sollt es auch. Vertraut mir! In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost. Ich habe die Welt überwunden. Wer die Angst vor dem Tod verlieren darf, der findet zur Fülle des Lebens, denn er sucht sie gerade dort, wo der Tod keine Macht hat: in der Liebe. Er findet sie bei Gott, der die Liebe ist. der Glaube ist für dieses Leben, und in diesem Leben ist er die Art und Weise in der wir schon den Anfang der ewigen Freude in unserem Herzen empfinden wie der Heidelberger in Frage 58 sagt. Damit unser Leben schon hier und jetzt ein erfülltes Leben ist, damit wir unser mehr oder weniger kurzes Leben auf Erden nicht verschwenden, sondern in ihm schon Gottes Gegenwart erkennen und empfinden, den Beginn des ewigen Lebens, darum ist die Frage so entscheidend: Wie stehst Du zu Jesus Christus? Leben im rein biologischen Sinn können wir auch ohne Christus wir können sogar gut leben ohne ihn. Und doch ist es ein armes und ein von Geburt an mit dem Geruch des Todes behaftetes, trostloses Leben, weil es keinen Trost kennt, keinen Sinn, kein Ziel, 4

5 keine Hoffnung, die nicht mit unseren vergänglichen Körpern ins Grab gesenkt würden. Wir glauben nicht, um ewiges Leben zu bekommen, sondern wir haben das ewige Leben im Glauben schon heute. Ist das nicht wunderbar? Schon heute! Es kommt nicht erst! Im Glauben ist es schon da, verborgen, mitten in diesem zerbrochenen und oft scheinbar so sinnlosen Gewusel, das wir unser Leben nennen. Gott ist da. Seine Liebe, seine Geborgenheit im Glauben ist das alles schon mein und Dein und dann wünschte man doch, alle hätten sie. Du musst nicht glauben, Du darfst es. Es ist ein Segen. So möchte ich zum Glauben einladen. Jeden Menschen. So möchte ich werben: Setz Dein Vertrauen auf Gott. Bitte ihn um das Geschenk, dass Du glauben kannst. Der Himmel tut sich auf. Ich bin der festen Überzeugung: Es lebt sich anders im Glauben. Mein Vertrauen auf Christus, die Worte Gottes, die ich ernst nehme, geben mir Orientierung und Mut, sie lassen mich die Welt und die Menschen mit anderen als meinen eigenen Augen sehen und sie setzen meinem Leben Sinn und Ziel. Und es stirbt sich anders im Glauben. Das hoffe ich jedenfalls auch wenn ich s noch nicht ausprobiert hab. Aber ich hab es schon miterlebt. Und es lebt sich mit dem Sterben anders, wenn der Tod einem nicht mehr mit dem Sterben drohen kann. Meine Lieben in Gott geborgen zu wissen mir schenkt das bei aller Traurigkeit einen tiefen Frieden. Es nimmt mir die Angst um mich und um sie. Es ist Ewigkeitssonntag. Wir erinnern heute an die Verstorbenen des letzten Jahres. An die Menschen, die sterben mussten oder sterben durften. Dass sie alle nicht in den Tod, sondern ins Leben starben, dürfen wir fest glauben, weil die Entscheidung über Leben und Tod in Gottes Hand liegt und er in Tod und Auferweckung Jesu Christi gezeigt hat, was sein letztes Wort ist: Ihr und unser Leben. Wer im Glauben lebt und stirbt, dem darf das ein Trost sein. Wer ohne den Glauben stirbt, dem gilt die Verheißung dennoch: Gottes Gnade ist größer als unser Klein- und Unglaube. Schenke Gott, dass niemand trostlos sterben musste und sterben wird. Und schenke er uns die Gewissheit, dass, gleich wie gestorben wird, für alle das Evangelium gilt: Christus ist der Retter der Welt. Er ist es nicht, weil wir an ihn glauben, sondern wir glauben an ihn, weil er es ist. Amen 5

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