Heißbegehrte Zahlenprofis

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1 Wer heute Wirtschaft studieren möchte, benötigt solide mathematische Kenntnisse. Wem Mathe leicht fällt, sollte überlegen, ob er nicht gleich Wirtschaftsmathematiker werden will. Eine Studienrichtung, die bei vielen Unternehmen heißbegehrt ist. Auch Wirtschaftsstatistiker finden in einigen Branchen wie der Marktforschung schnell einen guten Job. Job-Report G eschäfte zu machen bedeutet auch, rechnen zu können. Wer besonders fette Gewinne einstreichen will, muss das meist sogar besonders gut können. Und so mancher BWL-Anfänger, der sein Studium nach dem Ausschlussprinzip gewählt hat (Physik und Chemie zu schwierig, Medizin zu blutig, Jura zu langweilig, Pädagogik erinnert an die Schulzeit, für Sprachen nicht talentiert genug), stellt entsetzt fest, dass die Grundrechenarten dafür nicht ausreichen. Denn die hätte man ja noch drauf. Doch komplizierte Gleichungen, die nicht selten an ägyptische Hieroglyphen erinnern, und hochkomplexe Modelle so hatte man sich das Wirtschaftsstudium nicht vorgestellt. Kein Wunder also, wenn sich so mancher bereits während der Propädeutik-Kurse vom BWL- Studium verabschiedet. Oder spätestens dann, wenn er sich von der überzogenen Ansicht des einen oder anderen Profs ins Bockshorn jagen lässt, ohne höhere Mathematik könne man gar kein Wirtschaftswissenschaftler werden. Dann bleiben denjenigen, die das Wirtschaftsstudium vor allem als Sprungbrett zu schnellem Reichtum sehen, als Trost eigentlich nur noch Bill Gates, Michael Dell und Richard Branson. Haben sie und natürlich noch einige andere der Welt nicht gezeigt, wie man auch ohne ein solches Studium Milliardär und sogar der reichste Mann der Welt werden kann? Andererseits: Hat nicht sogar Muskelprotz Arnold Schwarzenegger einen MBA gemacht? Der musste doch auch mit den verdammten Gleichungen klarkommen. Ist es vielleicht doch falsch, die Flinte so schnell ins Korn zu werfen? Und überhaupt: Ist Mathematik nicht Heißbegehrte Zahlenprofis eine wunderbare Sache? Kein Flugzeug würde jemals in die Lüfte steigen, kein Handy die Stimme des Gesprächspartners ins Ohr und kein Smartphone das Internet auf seinen kleinen Screen zaubern, hätten sich zuvor nicht Mathematiker dieser Herausforderungen angenommen. Jeder von uns nutzt jeden Tag viele Dinge und hängt sogar von ihnen ab, die es ohne die Mathematik gar nicht gäbe. Mit anderen Worten: Ohne Mathematik wäre unsere moderne Gesellschaft gar nicht möglich. Weltweit gibt es über Mathematiker, die Forschung betreiben und ihre Erkenntnisse auf über einer Million Seiten pro Jahr veröffentlichen. Was sie ohne Frage zu einer zentralen Säule des zivilisatorischen Fortschritts macht. Und ist nicht letztlich das gesamte Universum eine gigantische Gleichung? Mit Gott als dem absoluten Übermathematiker? In der Tat gibt es viele Bereiche, wo Mathematik und Philosophie verschmelzen. Und es gibt auch Fragen wie die, ob wir Menschen die mathematischen Gesetze entdecken oder einfach nur erfinden. Ist Mathematik also eine künstliche Art, die Umwelt zu sehen? Würde sich Gott, sollte es ihn oder etwas Ähnliches geben, vielleicht vor Lachen den Bauch halten, sollte er eines Tages die Formelsammlungen auf diesem Planeten durchblättern? Denn und das machte der bekannte Logiker Kurt Gödel durch seine Arbeiten klar: Die Mathematik hat inhärente Begrenzungen, und für manche Probleme gibt es keine mathematische Lösung. Das führte zu einem profunden Wechsel, was mathematische Wahrheiten anbelangt. Mathematik ist also kein Beispiel absoluter Wahrheit, wie man zuvor stets angenommen hatte. Meint der Mathematiker Ian Stewart: Es ist besser, man ist sich dieser Beschränkungen bewusst, als sich falscher Hoffnungen hinzugeben. Gödel wies zum Ärger von David Hilbert, einem großen Mathematiker, und zur Verblüffung vieler anderer nach, dass eine Mathematik, die in sich logisch konsistent ist, nicht bewiesen werden kann. Er zeigte auch, dass einige mathematische Erklärungen nicht widerlegt werden können, also nicht falsifizierbar sind. Weshalb die Mathematik ebenso wie Philosophie und Religion laut Karl Popper nicht zu den empirischen Wissenschaften gehört. Dennoch sind die Mathematiker an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, die letzten Rätsel des Kosmos zu lösen. Etwa mithilfe der String-Theorie, wonach wir in einem Multiversum leben, das nicht nur aus vielen Paralleluniversen besteht, sondern auch neun oder noch mehr Dimensionen hat. Keine Sorge, niemand kann sich darunter etwas vorstellen. Dennoch könnte es so sein. Dieser kleine Ausflug in die Tiefen der Mathematik zeigt, welche Welten sich da auftun. Jedenfalls bietet sie, auch durch die enge Vernetzung 479

2 Als eine der größten Rückversicherungen bietet die Hannover Rück Wirtschaftsmathematikern ein vielseitiges Betätigungsfeld. Assistant Underwriter Heike Bossert stieg nach ihrem Studium in Ulm ins Unternehmen ein. Hannover Rück Menschen, Märkte, Analysen S ie sind Wirtschaftsmathematikerin und arbeiten im Referat Lateinamerika, Karibik & Spanien der Hannover Life Re. Welche Aufgaben haben Sie dort? Bossert: Die Hannover Life Re, bei der sich alles um Personen-Rückversicherung dreht, ist eine Marke der Hannover Rück. Meine wichtigsten Aufgaben als Assistant Underwriter sind aktuarielle Analysen, Quotierungen von Lebensrückversicherungsgeschäften sowie die Entwicklung neuer Versicherungsprodukte für Spanien und die lateinamerikanischen Länder. Was muss man sich unter einer Quotierung vorstellen? Bossert: Man stellt Berechnungen an, wie hoch die Prämie für ein Versicherungsportfolio sein muss, damit der Vertrag für beide Seiten akzeptabel ist. Auch die bestehenden Verträge werden einmal im Jahr analysiert und die Prämien gegebenenfalls angepasst. Bei der Produktentwicklung geht es darum, maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Kunden zu finden. In meinem Fall sind es Kunden aus Spanien und Lateinamerika. Das setzt genaue Kenntnisse der jeweiligen Märkte und Gegebenheiten voraus. Können Sie dafür ein Beispiel nennen? Bossert: Zusammen mit einem mexikanischen Unternehmen entwickle ich gerade eine Unfallversicherung für Senioren, die es auf dem mexikanischen Markt bislang noch nicht gibt. Heike Bossert Sind mit Ihrer Tätigkeit auch Reisen in die betreffenden Länder verbunden? Bossert: Seit ich bei der Hannover Rück bin, war ich bereits dreimal im spanischsprachigen Ausland. Zwei Reisen dienten dazu, unsere Büros in Madrid und Mexico City kennenzulernen. Dazwischen reiste ich zu Kundenseminaren nach Argentinien und Mexiko. Außerdem war ich im Herbst in Prag, wo eine interne Aktuarskonferenz stattfand. Als Underwriter lernt man offenbar auch die Welt kennen und sitzt nicht nur am Schreibtisch. Bossert: Einer der Gründe, weshalb es mich nach dem Studium in diese Branche zog, ist der internationale Charakter des Rückversicherungsgeschäfts. Man arbeitet mit Menschen Kunden und Kollegen aus vielen Ländern zusammen, womit man es tagtäglich mit unterschiedlichen Mentalitäten zu tun hat. Hinzu kommt, dass die Versicherungsbranche in jedem Land anders strukturiert ist. Das sorgt für viel Abwechslung, Langeweile kommt da nicht auf. Ihr Beruf erfordert also auch einige Sprachkenntnisse? Bossert: Ohne Fremdsprachen geht es nicht. Meine guten Spanischkenntnisse, die ich auch zwei Semestern an der Universität in Valencia verdanke, waren sicher einer der Gründe, weshalb man mich seinerzeit zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat. Dass man fit in Englisch sein muss, versteht sich von selbst. Wie ging das Bewerbungsverfahren weiter? Mussten Sie sich auch in einem Assessment Center beweisen? Bossert: Nein, bei Direkteinsteigern wie mir werden keine ACs durchgeführt. Eine Woche nach dem Bewerbungsgespräch folgte vielmehr ein Schnuppertag im Unternehmen. Eineinhalb Wochen später unterschrieb ich dann bereits den Arbeitsvertrag. mit anderen Wissenschaften, reichlich Stoff für intellektuelle Abenteuer. Das mussten kürzlich auch die Ökonomen erleben, deren (noch) herrschendes Theoriegebäude, die Neoklassik, und die damit einhergehenden Modelle durch die Finanz- und Wirtschaftskrise massiv erschüttert wurden. Doch auch die Risikomodelle der Banken, eine beliebte Spielwiese der Wirtschaftsmathematiker, waren plötzlich massiver Kritik ausgesetzt. Nassim Taleb, Professor für Risk Engineering in New York und Autor des Bestsellers Der Schwarze Schwan, forderte sogar, Robert Merton und Myron Scholes, die zusammen mit Fisher Black das Black- Scholes-Modell entwickelt haben, den Nobelpreis für Ökonomie abzuerkennen. Wer keine Angst vor Mathe und sich deshalb gleich für das Fach Wirtschaftsmathematik entschieden hat, segelt also keineswegs durch ruhige Gewässer. Schon gar nicht, wenn er im Risiko-Management der Banken tätig ist und Anfang April lesen Viele Jobs rund ums Risiko musste, dass Bob Diamond, Chef der britischen Barclays Bank, der Ansicht ist, sein Unternehmen müsse wieder mehr Appetit auf Risiken entwickeln, um seine Gewinnziele zu erreichen. Ins selbe Horn hatte zuvor schon Oswald Gübel, Chef der Schweizer UBS Bank, gestoßen. Die UBS war nur dank massiver Staatshilfe durch die letzte Krise gekommen. Gut möglich, dass noch andere Banken verstärkt ins Risiko gehen werden. Die Risiko-Manager könnten also noch viel zu tun bekommen. Doch nicht nur im Risk Management der Banken sind Wirtschaftsmathematiker gefragt (s. Kasten S. 482). Man findet sie auch in Versicherungen und Rückversicherungen, wo die Einschätzung der Risiken und die entsprechende Berechnung der Versicherungsprämien zum A und O gehören (s. nebenstehenden Kasten). Welche Zahlungen katastrophale Ereignisse auslösen können, haben gerade wieder das Erdbeben und der Tsunami in Japan deutlich gemacht. Auch viele Consulting-Firmen haben regelmäßigen Bedarf an Wirtschafts- 480

3 Durchstarten als Unternehmensberater für Financial Services Direkteinstieg (m/w) bei Oliver Wyman Financial Services Consulting Wir bieten: Internationale Projekte im In- und Ausland vom ersten Tag an Branchenspezialisierung und einen schnellen Weg zum Experten ohne künstliche Hierarchien Zufriedenheit durch anspruchsvolle und abwechslungsreiche Projektarbeit Wir erwarten: Intellektuelle Neugier gepaart mit Selbstbewusstein Leidenschaft für Financial Services Bereitschaft in internationalen Teams zu arbeiten Oliver Wyman Financial Services Consulting berät weltweit Finanzdienstleister zu ihren strategischen Herausforderungen im Retailbanking, Investmentbanking, Trading, Asset Management, Risikomanagement und im Versicherungsbereich. Bitte bewerben Sie sich unter Oliver Wyman is an international management consultancy. Visit us at oliverwyman.com.

4 Die Grupo Santander ist einer der erfolgreichsten internationalen Bankenkonzerne. Weltweit werden rund Mitarbeiter beschäftigt. Die Santander Consumer Bank in Mönchengladbach sucht laufend Wirtschaftsmathematiker, Statistiker und Ökonometriker. Corinna Großmann leitet den Bereich Risk Decision Methodology. Santander Consumer Bank Risiken berechenbar machen S ie haben Ihr Diplom in Wirtschaftsmathematik an der Universität Siegen gemacht. Was hat Sie zur Santander Consumer Bank geführt? Großmann: Meine Diplomarbeit befasste sich bereits mit der Bewertung von Finanzprodukten. Außerdem machte ich während des Studiums ein Praktikum bei der Deutschen Börse, was mein Interesse an der Finanzwelt weiter verstärkte. Fühlten Sie sich durch die Uni gut auf die Praxis vorbereitet? Großmann: Die theoretische Ausbildung war sehr gut. Sie musste jedoch durch Erfahrungen in der Praxis abgerundet werden. Womit befassen Sie sich heute in erster Linie? Großmann: Der Bereich Risk Decision Methodology entwickelt statistische Modelle, mit denen sich Kreditrisiken bewerten lassen. Das führt auch zu Systemen, die die Risiken bei den Kreditentscheidungen berücksichtigen. Wie viele Mitarbeiter arbeiten im Risikomanagement? Großmann: Derzeit über 80, und die Zahl nimmt weiter zu. Und wie viele in Ihrem Methodenbereich? Großmann: Zurzeit zehn. Fällt es leicht, Nachwuchskräfte für diese Aufgaben zu finden? Großmann: Leider nicht. Zum einen weil Wirtschaftsmathematiker und Statistiker heute nicht nur von Banken, sondern auch von vielen anderen Branchen und Unternehmen gesucht werden. Zum anderen werden diese Studiengänge nicht ausreichend frequentiert. Kommen für diese Tätigkeit auch Mathematiker in Betracht? Großmann: Ja, wenn sie sich für angewandte Mathematik und außerdem für praktische Aufgaben interessieren. Eignen sich dafür auch Betriebswirte mit ausgeprägten quantitativen Fähigkeiten? Großmann: Grundsätzlich schon, wobei wir es bevorzugen, wenn sie einen Schwerpunkt in Statistik oder Ökonometrie haben. Die meisten Betriebswirte wählen jedoch andere Schwerpunkte und sind deshalb auf statistischem Gebiet nicht so versiert, wie es für unseren Bereich erforderlich ist. Können Sie bei neuen Themen und Aufgabenstellungen auf das weltweite Know-how Ihrer Bankengruppe zurückgreifen? Großmann: Ja, wir sind Teil einer der größten Banken weltweit und profitieren damit auch von dem Know-how, das Santander in über 40 Ländern erfolgreich macht. Was erwarten Sie von den Bewerbern? Großmann: Gute Studienergebnisse, und dass sie bereits über erste praktische Erfahrungen verfügen, Corinna Großmann die sie etwa durch Praktika erworben haben. Wünschenswert sind auch erste Projekterfahrungen. Idealerweise sollte man auch gewohnt sein, mit der SAS-Software zu arbeiten. Wie kann man bei Ihrer Bank einsteigen? Großmann: Zum einen ist ein Direkteinstieg möglich. Die Santander Consumer Bank bietet aber auch 18-monatige Trainee-Programme an, unter anderem mit dem Schwerpunkt Finance & Risk Management. mathematikern. Insbesondere diejenigen, die sich auf die Beratung von Banken und Versicherungen spezialisiert haben wie etwa Oliver Wyman Financial Services (s. Kasten S. 484) oder ZEB in Münster, eine Unternehmensberatung, die von den BWL- Professoren Bernd Rolfes und Henner Schierenbeck gegründet wurde. Auch bei vielen anderen finden sich meist Quants im Team, wie Spezialisten mit ausgeprägten quantitativen Fähigkeiten, seien es Mathematiker, Wirtschaftsmathematiker, Physiker oder Betriebswirte mit starker mathematischer Neigung, in den USA genannt werden. Überall, wo mathematische Modelle entworfen werden und viel gerechnet wird, findet man neben diplomierten Wirtschaftsmathematikern auch andere Rechen- und Zahlenkünstler. So sind gerade im Investment Banking und bei Consulting- Firmen immer wieder Physiker anzutreffen, denen der Ruf vorauseilt, brillante Analytiker zu sein. Voraussetzung ist jedoch, dass sie gut kommunizieren können. Was bei Communication Skills sind besonders wichtig Physikern und reinen Mathematikern nicht immer der Fall ist. Haben Letztere zuvor theoretisch und weniger anwendungsorientiert gearbeitet, fällt es ihnen oft schwer, ihre Gedanken mathematisch weniger Versierten verständlich zu vermitteln. Für einen Berater, der laufend mit Kunden sprechen muss, ein echtes Handicap. Wirtschafts- und Finanzmathematiker, die von vornherein anwendungsorientiert arbeiten, sind deshalb oft auch die besseren Kommunikatoren, was ihnen bei Bewerbungen einen Vorsprung gibt. Auch Wirtschaftsstatistik, eine Verwandte der Wirtschaftsmathematik, spielt in einigen Branchen eine bedeutende Rolle. Etwa in der Marktforschung und damit auch bei der GfK. In über hundert Ländern sind mehr als Mitarbeiter für das Nürnberger Unternehmen tätig. Betriebswirt Ralph Wirth, der am Statistik-Lehrstuhl der Uni Erlangen-Nürnberg promoviert hat, ist stellvertretender Leiter der Abteilung Marketing Sciences, der Methoden- Abteilung, in der 25 Mitarbeiter be- 482

5 Growth from Knowledge Helle Köpfe mit Ausstrahlung für die Marktforschung erwünscht. Mit Marktgespür und Energie. Marketingberatung in einem der weltweit führenden Marktforschungsunternehmen reizt Sie? Neben Ihrem Hochschulabschluss bringen Sie auch Marktexpertise mit? Und jede Menge Wissensdurst? Worauf warten Sie dann noch? Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung und auf Sie! It s your chance to grow. GfK SE Human Resources Management Nordwestring Nürnberg Tel

6 Wirtschaftsmathematiker sind auch in der Beratungsbranche gefragt. Vor allem, wenn Finanzinstitute zum Kundenkreis gehören. Senior Consultant Clemens Prestele, der als Wirtschaftsmathematiker an der Uni Ulm promoviert hat, zur Arbeit bei Oliver Wyman Financial Services. Oliver Wyman Financial Services Als Mittler zwischen zwei Welten M it welchen Themen ist man als Wirtschafts- und Finanzmathematiker derzeit bei Ihnen befasst? Prestele: Es gibt eine ganze Reihe von Themen. Ich beschäftigte mich zuletzt mit der Modellierung und strategischen Steuerung verschiedener Risikoarten bei Banken und Versicherungen, insbesondere hinsichtlich Liquidität und Solvenz. Ihre Kunden stammen also vor allem aus der Finanzdienstleistungsbranche? Prestele: Ja. Es sind Banken, Versicherungen und andere Finanzinstitute sowie öffentliche Institutionen. Dabei geht es neben den genannten Themen noch um vieles andere. Etwa um Investment Banking, Wealth und Asset Management und auch um Vertriebs- und Entlohnungsfragen. Da Oliver Wyman ein internationales Unternehmen ist, können Sie dabei sicher auf Erfahrungen rund um den Globus zurückgreifen. Prestele: Zum einen findet ein sehr intensiver Meinungs- und Wissensaustausch zwischen unseren Consultants statt. Zum anderen haben wir Mitarbeiter, die sich auf spezielle Themen konzentrieren und auf deren Wissen man jederzeit zugreifen kann. Jeder Kunde hat jedoch individuelle Anforderungen, die auch individuelle Lösungen erfordern. Haben bei Ihnen nur Wirtschaftsund Finanzmathematiker eine Anstellungschance? Prestele: Wir sind an allen Fachrichtungen interessiert. Unsere Berater durchlaufen von Anfang an viele Trainings. Bei der Projektarbeit ist man zudem in Teams eingebunden, womit man weitere Erfahrungen sammelt. Es ist wichtig, den richtigen Mix aus Mitarbeitern zu haben, da genau dies zu kreativen Lösungen führt. Allerdings erwarten wir von Bewerbern, dass sie ein deutlich erkennbares Interesse an der Finanzbranche haben. Man hört immer wieder, dass Mathematiker zwar abstrakte Modelle entwerfen, sie jedoch den Anwendern nicht immer vermitteln können. Prestele: Kommunikationsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für die Arbeit als Consultant. Das von Ihnen angesprochene Problem tritt bei Wirtschaftsmathematikern seltener auf, da sie sich von Anfang an intensiv mit praktischen ökonomischen Fragestellungen befassen, was in der Regel auch ihre Kommunikationsfähigkeit schult. Im Übrigen sind Wirtschaftsmathematiker ähnlich wie Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsingenieure eine Art Vermittler zwischen zwei Welten, was gutes Kommunikationsvermögen von vornherein einschließt. Welchen Ratschlag würden Sie jemandem geben, der später einmal als Financial Services Consultant arbeiten möchte? Prestele: Grundlage sind natürlich solide analytische Fähigkeiten, aber auch Freude an der Beratung, am Reisen und starkes Interesse an der Finanzbranche. Wichtig ist auch ein Clemens Prestele Auslandssemester oder -praktikum, bei dem man lernt, im internationalen Umfeld zu arbeiten. Dabei sollte man möglichst auch seine Englischkenntnisse perfektionieren. Denn das Arbeiten in internationalen Teams gehört bei uns zum Alltag. Wie überprüfen Sie, ob ein Bewerber zu Ihnen passt? Prestele: Einmal anhand der Bewerbungsunterlagen. Dann folgen Interviews mit Case Studies. Nicht zuletzt muss auch seine Persönlichkeit zum Unternehmen passen. schäftigt sind. Wir sind hier nicht nur Statistiker, einige haben Mathematik, Soziologie, Psychologie, BWL oder VWL studiert. Doch jeder hat sich während seines Studiums oder später mit Statistik beschäftigt. Sie verbindet uns alle, erklärt er. Und: Dieses geballte Wissen garantiert letztlich, dass bei allen Fragen und Aufgaben, mit denen wir befasst sind, stets alle Aspekte berücksichtigt werden. Die GfK hilft den Unternehmen herauszufinden, wie die Verbraucher ticken: Was sie warum gut finden und was nicht. Und das ist lebensnotwendig. Denn wer am Kunden vorbeiproduziert, sei es eine Kosmetikserie oder ein Auto, hat schlechte Karten. Je teurer die Entwicklung eines Produkts, desto wichtiger ist es zu wissen, ob man damit richtig liegt. Nichts anderes gilt für den Preis. Eine wichtige Säule der Konsumforschung sind Erhebungen der unterschiedlichsten Art, womit die Statistik ins Spiel kommt. Die Methoden entwickeln sich immer weiter, die Daten werden immer vielfältiger, Ein zahlenverliebter Number Cruncher zu sein, reicht nicht meint Ralph Wirth. Damit sind heute auch immer genauere Analysen und Prognosen möglich. Wer bei der GfK methodisch arbeiten möchte, muss weit mehr als ein zahlenverliebter Number Cruncher sein. Er muss pragmatisch denken und arbeiten. Außerdem muss er den hauseigenen Consultants, die die Kundenprojekte leiten, und auch den Kunden selbst erklären können, was Marktforschung kann und was nicht. Guten Nachwuchs zu finden ist nicht einfach, meint Ralph Wirth. Derzeit suchen wir wieder zahlreiche neue Mitarbeiter. Die gute Konjunktur hierzulande wirkt sich auch positiv auf unser Geschäft aus. Die GfK bietet übrigens auch Praktika und Themen für praktische Abschlussarbeiten an. Wirtschaftsmathematiker und -statistiker werden in einer immer komplizierteren Welt immer mehr gebraucht. Ihre Berufschancen sind hervorragend. Womit auch ihre intellektuellen Anstrengungen reichlich belohnt werden. 484

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