Unsere Vision. Zukunft für Kinder!

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1 Zukunft für Kinder! Unsere Vision Unsere Vision ist eine gerechtere Welt, in der alle Menschen in Würde leben und ihr Dasein sinnvoll gestalten können. Eine Welt, die Hunger und Elend nicht toleriert und die geprägt ist vom Willen zur Versöhnung. Eine Welt, in der Menschen in geheilten Beziehungen leben: zu sich selbst, miteinander, zu Gott und seiner Schöpfung. Eine Welt, in der die Völker zu Verständigung und Frieden finden. Als Christen unterschiedlicher Konfessionen wollen wir durch tätige Nächstenliebe materielle, seelische und geistige Not lindern. Uns eint die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und die Verantwortung für das Wohl der Menschen. Dabei gilt unsere besondere Aufmerksamkeit den Kindern dieser Welt. Jahresbericht 2009

2 Bericht des Präsidiums Inhalt Über World Vision Deutschland e. V. Bericht des Präsidiums 2 Bericht des Vorstands 3 Organisation und Trägerschaft 4 Vorgestellt: World Vision 6 Informationen für Paten und Spender 7 Projektarbeit Übersicht der geförderten Projekte 8 Globale Herausforderungen 10 Entwicklungszusammenarbeit 12 Humanitäre Hilfe 14 Entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit 16 Beispiele aus der Projektarbeit 17 Forschung und Innovation 22 Projektmanagement 23 Projektcontrolling 25 Risiken wirksam begegnen 26 Rückschläge und Krisen in der Projektarbeit 27 Kontrollmechanismen 28 Wirkungsbeobachtung den 29 Projekterfolg messen Gestern Patenkind, heute Lehrer 31 Finanzen Finanzbericht Bilanz zum Erträge im Finanzjahr Mittelverwendung im Finanzjahr Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers 39 zum vollständigen Jahresabschluss 2009 Ausblick auf das Geschäftsjahr Selbstverpflichtungen 43 Wilfried Bohlen Hertha-Maria Haselmann 2009 war für World Vision Deutschland e. V. ein besonderes Jahr wir feierten unser dreißigjähriges Bestehen. Dankbar blicken wir auf Gottes Segen in der Zeit seit der Gründung im Jahr 1979 zurück. Die Projektarbeit hat sich in diesen 30 Jahren stetig weiterentwickelt. Zu Beginn stand vor allem die Hilfe für Waisenkinder im Vordergrund. Doch Kinder können nicht ihr volles Potenzial entfalten, wenn ihr Umfeld von Hunger und Not geprägt ist. Schrittweise wurde daher die Hilfe ausgeweitet auf Kinder mit Familien, auf die Familien selbst und in den 80er Jahren dann auf ganze Dörfer. Mit der positiven Veränderung ihrer Umgebung sollte so der größtmögliche Nutzen für die Kinder in den Projektgebieten erzielt werden. Mitte der 90er Jahre wurde der Wirkungsbereich der Projekte dann noch einmal vergrößert. Die neuen Regional-Entwicklungsprojekte umfassen Bezirke oder Verwaltungseinheiten und sind bis heute Schwerpunkt der Arbeit von World Vision geblieben. Ergänzt werden sie durch die humanitäre Hilfe und die entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit. Gemeinsames Ziel aller Arbeitsbereiche ist nach wie vor, bedürftigen Menschen vor allem den Kindern Einnahmen in den Finanzjahren (FJ) 2005 bis 2009 in Mio. Euro zu helfen und ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Zu den Grundsätzen unserer Arbeit zählt dabei, dass wir die Menschen in den Entwicklungsländern als Partner verstehen, die im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe von der Planung bis zum Projektabschluss aktiv in die Projektarbeit eingebunden sind (vgl. k Dass dieses Konzept greift, zeigen unsere Untersuchungen im Bereich der Wirkungsbeobachtung. Besonders erfreulich ist für uns, dass dies auch von den Paten und Spendern gewürdigt wird. Alleine im letzten Jahrzehnt gab es hier eine sehr positive Entwicklung, denn die Zahl unserer Patinnen und Paten ist von im Jahr 2000 auf inzwischen über angewachsen. Allein im Berichtsjahr lagen die privaten Spenden bei über 60 Millionen Euro (vgl. Grafiken). Für ihre Unterstützung möchten wir allen Spendern und Förderern anlässlich dieses Jubiläums ganz besonders herzlich danken! Anzahl der Patenkinder zum Ende der Finanzjahre Mit dem vorliegenden Bericht möchten wir Ihnen interessante Einblicke in die Arbeit von World Vision gewähren. Transparenz ist uns dabei sehr wichtig, und daher haben wir uns besonders darüber gefreut, dass unser letzter Jahresbericht im Rahmen des Transparenzpreises von PricewaterhouseCoopers mit dem zweiten Platz (unter 60 teilnehmenden Organisationen) ausgezeichnet wurde. Wir möchten unseren Patinnen und Paten, Spendern und öffentlichen Gebern für das Vertrauen in unsere Arbeit danken. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Vision einer besseren Zukunft für Kinder Wirklichkeit wird! Wilfried Bohlen, Vorsitzender des Präsidiums Hertha-Maria Haselmann, Stellv. Präsidiums-Vorsitzende 2

3 Bericht des Vorstands Christoph Waffenschmidt Christoph Hilligen im letzten Jahresbericht schauten wir mit etwas Sorge auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Rückblickend sind wir umso dankbarer, dass trotz der schwierigen Rahmenbedingungen im Finanzjahr 2009 nur leichte Rückgänge bei den Einnahmen zu verzeichnen waren. Diese sind insbesondere auf geringere Einnahmen bei den Spenden für Katastrophenhilfeprojekte zurückzuführen, aber auch bei den Patenschaften gab es das erste Mal seit vielen Jahren einen leichten Rückgang (vgl. Grafiken auf Seite 2). Die Einnahmen aus öffentlichen Mitteln sind etwa gleich geblieben. Auch bei der Förderung nach Regionen haben sich im Vergleich mit dem Vorjahr kaum Veränderungen ergeben. Der starke Asien-Fokus in den Finanzjahren 2006 und 2007 (vgl. Grafik unten) hing mit der Arbeit im Tsunami-Gebiet in Südostasien zusammen. Nach Änderungen der Vereinssatzung und der Bestellung des Vorstands im Jahr 2008 wurde im Geschäftsjahr 2009 die weitere Organisationsstruktur an die geänderten Anforderungen, u. a. auch an die Größe des Vereins, angepasst (vgl. Organigramm auf Seite 4). Dies hatte zur Folge, dass auch interne Arbeitsprozesse auf die Struktur abgestimmt und optimiert wurden. Weiterhin standen die Abfolge unserer Strategie und erste Entwicklungsschritte zur Einführung einer sogenannten Balanced Scorecard als zusätzliches Steuerungsinstrument für den Verein im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Die Weiterentwicklung der Projektarbeit bleibt eines unserer wichtigsten Anliegen. In diesem Zusammenhang kommt schon seit Jahren den Wirkungsindikatoren eine besondere Bedeutung zu. Sie sollen aufzeigen, wie die Projektarbeit über den Zeitraum der Projektlaufzeit verändert werden muss, um im Sinne von Nachhaltigkeit die größte Wirkung zu erzielen gab es hier wichtige Veränderungen; bei der Erhebung der Indikatoren werden nun noch wesentlich stärker die Gesundheit und Entwicklung von Kindern erfasst (vgl. Seite 29). Die Arbeit von World Vision wird immer wieder neu von globalen Herausforderungen geprägt. Unsere Antwort auf all diese Fragen muss eine Perspektive für Kinder beinhalten, deren Wohl der Maßstab unserer Projektarbeit ist. Da sich vor allem Versäumnisse in der ersten Lebensphase später kaum noch ausgleichen lassen, stehen bei unserer Arbeit zunehmend jüngere Kinder unter fünf Jahren im Mittelpunkt. Ein Thema, das ihre Zukunft dramatisch beeinflussen wird, ist die globale Erwärmung. In den Entwicklungsländern gibt es kaum Ressourcen, um sich gegen die zunehmenden Dürren und Überflutungen zu schützen. Um den Kindern zu helfen, müssen wir daher unbedingt die wirtschaftliche Situation der Armen verbessern. Ein bewährtes Mittel dazu sind Kleinkredit- und Gewerbeförderungsprogramme, die World Vision bereits seit vielen Jahren durchführt. Derzeit sind weltweit 45 Mikrofinanzinstitutionen im Auftrag von World Vision tätig. Sie vergeben jährlich Kredite und sichern oder schaffen rund eine Million Arbeitsplätze. Das verbesserte Familieneinkommen bewirkt nicht nur eine bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln, sondern auch, dass Kinder häufiger zur Schule gehen können, weil sie seltener arbeiten müssen. Der gezielten Förderung von Kleinkindern haben wir in diesem Bericht zusammen mit den Themen Klimawandel und Kleinkredite einen eigenen Artikel gewidmet (vgl. Seite 10). Nach den leichten Rückgängen bei den Einnahmen im Finanzjahr 2009 hoffen wir nun, dass wir im kommenden Jahr die Projektarbeit zugunsten bedürftiger Menschen in den Entwicklungsländern auch wieder quantitativ ausweiten können. Auf jeden Fall wünschen wir Ihnen mit diesem Bericht interessante Einblicke in unsere Arbeit. Christoph Waffenschmidt Vorstandsvorsitzender Förderung nach Regionen in den Finanzjahren (FJ) 05 bis 09 in Euro Christoph Hilligen Stellv. Vorstandsvorsitzender 3

4 Organisation und Trägerschaft World Vision Deutschland e. V. ist als eingetragener Verein rechtlich, organisatorisch und finanziell selbstständig und hatte im Finanzjahr 2009 (Stand: ) 19 Vereinsmitglieder. Sitz des Vereins ist Friedrichsdorf. Träger des Vereins nach 32 ff. BGB ist die Mitgliederversammlung. Ihre Aufgabe liegt insbesondere in der Wahl des Präsidiums, in der Entgegennahme des Jahresberichts und in der Entlastung von Präsidium und Vorstand. Die Mitglieder erhalten für ihre ehrenamtliche Tätigkeit keine Vergütung, allerdings werden nachgewiesene Auslagen vom Verein erstattet. Das Präsidium von World Vision Deutschland bestand im Finanzjahr 2009 aus acht Mitgliedern. Es ist unter anderem zuständig für die strategische Ausrichtung des Vereins, die Genehmigung der jährlichen Haushaltsplanung und die Überwachung der Geschäftsführung des Vorstands. Die Mitglieder des Präsidiums mindestens sieben, höchstens aber elf Personen werden von der Mitgliederversammlung für einen Zeitraum von drei Jahren gewählt. Es sind maximal zwei Wiederwahlen eines Präsidiumsmitgliedes möglich. Die Mitglieder des Präsidiums erhalten für ihre ehrenamtliche Tätigkeit keine Vergütung, nachgewiesene Auslagen werden vom Verein erstattet. Im Berichtsjahr wurden den Vereins- und Präsidiumsmitgliedern Reisekosten in Höhe von Euro erstattet. Der Vorstand bestand im Finanzjahr 2009 aus zwei Personen, dem Vorstandsvorsitzenden Christoph Waffenschmidt und dem stellvertretenden Vorsitzenden Christoph Hilligen. Der Vorstand wird vom Präsidium ernannt und ist verantwortlich für die operative Führung des Vereins. Die Mitglieder des Vorstands nach Satzung mindestens zwei Personen sind hauptamtlich tätig. Der Finanzausschuss ist ein Unterausschuss des Präsidiums. Die ehrenamtlichen Mitglieder werden vom Präsidium ernannt und beraten es insbesondere in Finanzfragen und hinsichtlich des Risikofrüherkennungssystems. Im Finanzjahr 2009 bestand der Finanzausschuss aus zwei Mitgliedern: Harald Dürr (Vorsitzender) und Wilfried Bohlen. Details zu den Organen von World Vision Deutschland e. V. sind in der Satzung geregelt, die Sie im Internet finden: k Mitgliederversammlung Präsidium Finanzausschuss Medien Vorstandsvorsitzender Stellv. Vorstandsvorsitzender Controlling Anwaltschaft World Vision Institut Marketing Internationale Programme Paten-und Spenderservice Fundraising Werbung & Kommunikation Fachberatung & Quaitätssicherung Regionalabteilung Afrika / Lateinamerika Personal & Unternehmenskultur IT & Systeme Finanzen Administration Projekt-Finanzen Regionalabteilung Asien / Osteuropa Humanitäre Hilfe Organigramm von World Vision Deutschland e. V. Vereinsorgane und Abteilungen 4

5 Unser Präsidium Wilfried Bohlen Vorsitzender Pastor i.r., Leichlingen Theologe, Groß- und Außenhandelskaufmann Hertha-Maria Haselmann Stellvertretende Vorsitzende Leiterin Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige, Frankfurt, Betriebswirtin Harald Dürr Direktor, Deutsche Bank, Frankfurt Betriebswirt Heino Masemann Geschäftsführer Landesverein für Innere Mission, Hannover Theologe Elke Werner Autorin und Referentin, Marburg Pädagogin für Kunst und Religion Bärbel Wilde Pfarrerin i.r., Lüdenscheid Theologin Dr. Thomas Kreuzer Geschäftsführer Dt. Fundraising Akademie Frankfurt am Main Theologe und Kommunikationswissenschaftler Dr. Dean Hirsch Kooptiertes Präsidiumsmitglied, Monrovia (USA) Präsident World Vision International Informatiker Unsere Vision für jedes Kind: Leben in Fülle. Unser Gebet für jedes Herz: Tatkraft und Wille. 5

6 Vorgestellt: World Vision Unsere Ziele World Vision ist ein christliches Hilfswerk mit den Arbeitsschwerpunkten nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Unterstützung von Kindern, Familien und ihrem Umfeld im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit. Als Christen unterschiedlicher Konfessionen helfen die Mitarbeiter von World Vision weltweit Menschen in Not, unabhängig von ethnischer Herkunft, Religion oder Nationalität. World Vision Deutschland e. V. World Vision Deutschland e. V. wurde 1979 gegründet. Im Finanzjahr 2009 hat World Vision Deutschland 236 Projekte in 47 Ländern gefördert. Christliche Motivation World Vision hat christliche Wurzeln, Werte und Arbeitsgrundsätze. Die Arbeit von World Vision folgt dem diakonischen Auftrag der Bibel, sich in christlicher Nächstenliebe für die Benachteiligten, Notleidenden und Entrechteten dieser Welt einzusetzen. Entwicklungszusammenarbeit Unsere Projekte der Entwicklungs zusammenarbeit sind als umfassende und nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert. Ermöglicht werden diese Projekte vor allem durch Kinderpatenschaften eine Unterstützungsform, die durch die Kontakte zwischen Menschen in Deutschland und in den Entwicklungsländern auch einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leistet. Lesen Sie mehr zur Entwicklungszusammenarbeit ab Seite 12. Entwicklungszusammenarbeit Projekte der humanitären Hilfe Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit von World Vision bildet die Versorgung von Katastrophenopfern sowie Kriegs- und Hungerflüchtlingen. Die Finanzierung dieser Projekte erfolgt zum Teil über private Spenden, vor allem aber über Kooperationen mit Aktion Deutschland Hilft, dem Auswärtigen Amt, der Europäischen Union und dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Weitere Informationen dazu finden Sie ab Seite 14. Entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit Der dritte Arbeitsbereich von World Vision Deutsch land ist die entwicklungspolitische Anwalt schaftsarbeit. Mit diesem Arbeitszweig möchten wir die Menschen in Deutschland über die Ursachen von Hunger, Armut und Benachteiligung in den Entwicklungsländern aufklären und sie zum verantwortungsvollen Handeln motivieren. Lesen Sie mehr dazu ab Seite 16. World Vision-Partnerschaft World Vision Deutschland ist Teil der weltweiten World Vision-Partnerschaft, die in derzeit 96 Ländern aktiv ist. Weltweit wurden im Finanzjahr 2009 mehr als 3,1 Millionen Patenkinder von World Vision-Paten gefördert. Humanitäre Hilfe Entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit Arbeitsbeziehungen World Vision International unterhält offizielle Arbeitsbeziehungen zur Welt gesundheitsorganisation (WHO) und zu UNICEF und hat Berater status beim Flüchtlingskommissariat (UNHCR) sowie beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC). Vom Weltkirchenrat ist World Vision als ökumenische Organisation anerkannt. Weitere Informationen über Verpflichtungen und Mitgliedschaften finden Sie auf den Seiten

7 Informationen für Paten und Spender Um unsere Projekte der Entwicklungszusammenarbeit mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausstatten zu können, ist Öffentlichkeitsarbeit und Werbung unverzichtbar. Auch Opfern von Naturkatastrophen können wir nur helfen, wenn wir mit Spendenwerbung die erforderlichen Mittel einwerben. Dabei möchten wir Spender nicht emotional überrumpeln, sondern sie von der langfristigen Sinnhaftigkeit der Arbeit von World Vision überzeugen. Daher legen wir bei unserer Werbung großen Wert darauf, die Würde bedürftiger Menschen nicht zu verletzen, und verzichten beispielsweise auf Bilder, die Personen in entwürdigenden Situationen zeigen. Transparenz durch Informationen Über umfassende Informationen wollen wir dann eine größtmögliche Transparenz für unsere Paten und Spender erreichen. Beispielsweise erhalten Patinnen und Paten regelmäßig Informationen über das Projektgebiet, in dem ihr Patenkind lebt. Dieser Fortschrittsbericht hält die Leser darüber auf dem Laufenden, welche Maßnahmen in den einzelnen Sektoren, etwa medizinische Versorgung, Wirtschaftsförderung oder Bildung, durchgeführt werden. Zweimal im Jahr senden wir unseren Förderern außerdem das Magazin Hilfe Direkt, das ebenfalls über aktuelle Entwicklungen der Projektarbeit informiert. Direkt aus dem Projektland erhalten die Paten auch die sogenannten Entwicklungsberichte der Patenkinder, in denen zum Beispiel die schulische und gesundheitliche Entwicklung beschrieben wird. Natürlich können die Patinnen und Paten auch über Briefe in direkten Kontakt mit dem Patenkind treten und sich so ein besseres Bild von den Wirkungen der Projektarbeit verschaffen. Auch Besuche beim Patenkind sind eine gute Möglichkeit, das Patenkind und sein Land besser zu verstehen und sich vor Ort mit eigenen Augen vom sinnvollen Einsatz der Spendengelder zu überzeugen. Bausteine zur Selbsthilfe Bericht aus unserem Regional-Entwicklungsprojekt Dialla in Mali (MLI ) Hilfe Direkt August 2008 Magazin für Förderer von World Vision Deutschland e.v. Im Zentrum Malis, etwa 800 Kilometer von der Landeshauptstadt Bamako entfernt, startet das neue World Vision- Regionalentwicklungsprojekt Dialla. Die meisten der rund Einwohner leben hier in einfachsten Verhältnissen. Geringe Ernten, unzureichende Gesundheitsversorgung und ein mangelhaftes Bildungssystem machen den Familien zu schaffen und verhindern, dass Kinder sich optimal entwickeln können. Doch das soll sich in den kommenden Jahren ändern: Nach intensiven Vorbereitungen ist die Planungsphase des Projekts abgeschlossen. Nun wollen die Bewohner mithilfe der Patinnen und Paten aus Deutschland und gemeinsam mit den einheimischen World Vision-Mitarbeitern die Lebensbedingungen in ihrer Heimat Schritt für Schritt verbessern. Wissenswertes zum Projekt Laufzeit 2009 bis voraussichtlich 2021 etwa , knapp die Hälfte unter Bewohner 15 Jahre Geförderte Dörfer 84 Dörfer in 5 Gemeinden Ethnische Gruppen: Dogon, Fulani, Mosso, Dafing, Samago Sprachen: Dogon, Fulani Religion: überwiegend Muslime Lebensgrundlage: Landwirtschaft und Viehzucht heiß und trocken; durchschnittlich Klima: 500 bis 600 mm Niederschlag im Jahr Wenn Sie sich detailliert über unser Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit informieren möchten, können Sie die Broschüre Entwicklung gestalten bestellen oder im Internet herunterladen (www.worldvision.de). Grund zur Hoffnung: Vor allem den Kindern von Dialla will das Entwicklungsprojekt neue Chancen eröffnen. Hier lebt Ihr Patenkind mit seiner Familie Nahrungsmittelkrise Ursachen der Nahrungsmittelknappheit und Wege aus der Krise (S. 4) Projektarbeit Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Vietnam (S. 16) Anwaltschaftsarbeit Rückblick auf den G8-Gipfel im japanischen Hokkaido (S. 18) Paten unterwegs Zu Besuch beim Patenkind in Mosambik (S. 24) Katastrophenhilfe Nothilfe und Wiederaufbau nach Wirbelsturm in Myanmar (S. 26) Spendenaufruf Aufbaunahrung für unterernährte Kleinkinder in Somalia (Rückseite) Transparenz durch Informationen (v. l.): Paten erhalten jährlich einen Bericht über ihr Patenkind aus dem Projektgebiet. Unser Patenmagazin Hilfe Direkt informiert halbjährlich Paten und Spender über unsere Arbeit. Mit Projekt- und Länderinformationen halten wir unsere Paten über die Projektarbeit auf dem Laufenden. Der Jahresbericht bietet transparent alle wichtigen Zahlen und Fakten über World Vision Deutschland. Der monatliche Newsletter versorgt Interessierte mit Aktuellem. Informationen zur Arbeit von World Vision gibt es übrigens auch auf Facebook, Xing und Youtube. 7

8 Übersicht der geförderten Projekte Über Paten und Spender haben im Finanzjahr 2009 mit ihren Spenden unsere Arbeit zugunsten bedürftiger Menschen ermöglicht. Insgesamt konnten so 236 Projekte in 47 Ländern durchgeführt werden. Wir unterscheiden vier verschiedene Projekttypen: RegionalEntwicklungsprojekte werden durch persönliche Kinderpatenschaften ermöglicht. Bei Projekten in der Startphase handelt es sich um neue Regional-Entwicklungsprojekte, aus denen Lateinamerika Bolivien Dominikanische Republik Guatemala Honduras Nicaragua Peru Lateinamerika gesamt 8 RegionalEntwicklungsprojekte Projekte in der Startphase 1 noch keine Patenkinder vermittelt wurden. Schwerpunktprojekte widmen sich der Lösung einzelner Probleme in den Entwicklungsländern, darunter AIDS-Bekämpfung oder Gewerbeförderung. Projekte der humanitären Hilfe unterstützen Opfer und Betroffene von Naturkatastrophen oder kriegerischen Auseinandersetzungen. Diese Projekte werden maßgeblich durch öffentliche Zuschüsse finanziert, erfordern aber auch Eigenmittel von World Vision. SchwerpunktProjekte der projekte humanitären Hilfe Patenkinder Zahl der Begünstigten Förderung in Euro

9 Asien Projekte in der Startphase Projekte der humanitären Hilfe Patenkinder Zahl der Begünstigten Förderung in Euro Bangladesch Indien Indonesien Kambodscha Mongolei Myanmar Papua Neuguinea Philippinen Sri Lanka Thailand Vietnam Länderübergreifend Asien gesamt Osteuropa, Naher und Mittlerer Osten Projekte in der Startphase Projekte der humanitären Hilfe Patenkinder Zahl der Begünstigten Förderung in Euro Afghanistan Armenien Georgien Jerusalem, Westjordanland, Gaza Jordanien Kosovo Pakistan Rumänien Russische Föderation Usbekistan Osteuropa/Naher und Mittlerer Osten gesamt Afrika Projekte in der Startphase Regional- Entwicklungsprojekte Schwerpunktprojekte Regional- Entwicklungsprojekte Schwerpunktprojekte Regional- Entwicklungsprojekte Schwerpunktprojekte Projekte der humanitären Hilfe Patenkinder Zahl der Begünstigten Förderung in Euro Angola Äthiopien Burundi DR Kongo Ghana Kenia Lesotho Malawi Mali Mauretanien Mosambik Senegal Sierra Leone Simbabwe Somalia Sudan Swasiland Tansania Tschad Uganda Länderübergreifend Afrika gesamt Überregionale Förderung Zugesagte Förderung, die zu Beginn des nachfolgenden Geschäftsjahres transferiert wird (vgl. Verbindlichkeiten, Seite 34) Gesamtsumme

10 Globale Herausforderungen Globale Entwicklungen wie die internationale Finanzkrise, die weltweite Nahrungsmittelknappheit und der Klimawandel bedrohen die gesunde Entwicklung von Kindern in den Entwicklungsländern stärker als je zuvor. Um den Kindern und vor allem den Kleinsten unter ihnen nachhaltig zu helfen, müssen wir ihre Bedürfnisse noch stärker als bisher in den Mittelpunkt unserer Projektarbeit stellen. Dazu gehört neben der direkten Unterstützung auch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Menschen in den Entwicklungsländern und, vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung, auch ein stärkerer Fokus auf die Prävention von Katastrophen. Kleinkinder: Frühe Förderung Die Weltbevölkerung wächst und damit die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Gleichzeitig mehren sich durch zunehmende Dürreperioden Produktionsausfälle in der Landwirtschaft. Das Ergebnis ist eine weltweite Nahrungsmittelkrise, unter der vor allem Kleinkinder leiden. Sie brauchen für eine gesunde Entwicklung nicht nur genügend, sondern vor allem protein- und nährstoffreiche Lebensmittel. Andernfalls drohen Entwicklungsdefizite, die kaum wieder aufgeholt werden können. Jedes Jahr sterben fast 9 Millionen Kinder noch vor ihrem fünften Lebensjahr, wobei Fachleute davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Todesfälle mit unzureichender Ernährung zusammenhängen. Fatalerweise liegt die Staatengemeinschaft bei der Verwirklichung der Millenniumsziele bezüglich der Kinder- und Müttergesundheit (Ziele 4 und 5) besonders weit zurück. World Vision konzentriert sich daher noch stärker auf die Bedürfnisse von Schwangeren, Kleinkindern und jungen Müttern. Ernährungsprogramme und eine medizinische Grundversorgung sollen Kinder vor Langzeitschäden bewahren, spezielle Frühförderprogramme die Entwicklung unterstützen (siehe auch Projektbeispiel Seite 21). Entwicklungsdefizite in der ersten Lebensphase lassen sich später kaum ausgleichen. World Vision hilft deshalb verstärkt Schwangeren und Kleinkindern. 10

11 Klimaschutz: Neue Konzepte für die Projektarbeit Der globale Klimawandel trifft zuallererst die Armen. World Vision Deutschland arbeitet nun verstärkt daran, seinen Beitrag zur globalen Erwärmung Schritt für Schritt zu reduzieren. Dazu erfassen wir künftig unsere eigenen CO 2 -Ausstöße und stellen unsere Entwicklungsarbeit auf den Prüfstand. Mittelfristig streben wir die Klimaneutralität an, indem wir für jede emittierte Tonne CO 2 entsprechende Programme zur CO 2 -Absorption anstoßen. Eines unserer bereits jetzt erfolgreichen Projekte zum Ausgleich von CO 2 -Emissionen ist das Beysatol Project im Senegal: An den Rändern der Felder werden Laub- und Obstbäume gepflanzt, die nicht nur CO 2 absorbieren, sondern auch das Ackerland vor Erosion schützen und den Bauern ein Zusatzeinkommen durch die Gewinnung von Pflanzenöl und Obst ermöglichen. Darüber hinaus beinhaltet das Projekt ein Wiederaufforstungsprogramm, bei dem Baumstümpfe und Reststräucher beschnitten, verjüngt und zu neuem Wachstum angeregt werden. Diese Methode ist wirksamer als neue Bäume zu pflanzen. Die Fachleute vor Ort gehen davon aus, dass sich durch diese Art der schnellen Wiederaufforstung auf einer Fläche von Hektar Land Tonnen CO 2 absorbieren lassen. Kleinkredite: Wirksames Mittel der Armutsbekämpfung Die Finanz- und Wirtschaftskrise, für deren Bewältigung in den westlichen Ländern Hunderte Milliarden Euro bereitgestellt wurden, wirkt sich dramatisch auf die Armen aus. Die Zahl der absolut Armen ist um bis zu 150 Millionen gestiegen. Unterdessen haben sich Kleinkredite als wirksames Mittel der Armutsbekämpfung bewährt. Ziel dieses Instruments ist es, armen Familien mit guten Ideen und unternehmerischem Talent Startkapital zu bieten, das sie bei klassischen Banken nicht bekämen. Diese Familien nutzen die Kredite, um Geschäfte zu starten und auszubauen. Das eigene Einkommen aus einem Kleinunternehmen ist nach der Erfahrung von World Vision der effektivste und zugleich kostengünstigste Ansatzpunkt zur Armutsminderung, zumal es oft der ganzen Familie zu einem besseren Lebensstandard, einer besseren Ausbildung und einer besseren Gesundheit verhilft. Das weltweite Kleinkreditportfolio der internationalen World Vision-Partnerschaft beläuft sich derzeit auf knapp 350 Mio. US- Dollar. Es sind inzwischen 45 Mikrofinanzinstitute weltweit im Auftrag von World Vision tätig. Mithilfe der jährlich vergebenen Kleinkredite werden fast eine Million Jobs geschaffen oder gesichert. Rund 1,7 Millionen Kinder werden durch das gestiegene Familieneinkommen besser ernährt und können länger die Schule besuchen. Alle Mikrofinanzinstitutionen sind unter der globalen World Vision-Dachorganisation VisionFund zusammengefasst und werden von dieser begleitet und kontrolliert (Siehe Projektbeispiel Seite 20). Mit Fischfang das Familieneinkommen steigern: Ein Kleinkredit kann helfen, die notwendige Ausrüstung dafür zu erwerben. 11

12 Entwicklungszusammenarbeit Im Finanzjahr 2009 wurden 93 Regional-Entwicklungsprojekte in insgesamt 29 Ländern durchgeführt. 5 Projekte befanden sich in der Startphase. Regional-Entwicklungsprojekte, die vor allem durch Kinderpatenschaften ermöglicht werden, leisten umfassende und nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe in verschiedenen Bereichen wie Trinkwasser, Ernährung, Gesundheit und Bildung. Zusätzlich wurden auch 59 Schwerpunktprojekte durchgeführt. Diese Projekte sind in der Regel in die regionalen Entwicklungsprojekte eingebunden und richten ihren Fokus auf einen besonderen Problembereich, wie etwa HIV/AIDS- Aufklärung oder Kinderrechte. Schwerpunktprojekte werden häufig neben Privatspenden auch durch Unternehmenskooperationen und öffentliche Geber finanziert. Das Geld, das in die Entwicklungszusammenarbeit fließt, kommt nicht nur einzelnen Kindern zugute. Obwohl sie im Zentrum unserer Arbeit stehen, profitieren auch ihre Familien, ihr Umfeld und sogar ganze Gemeinden von der Unterstützung. Unsere Arbeit basiert dabei auf Konzepten, in die über 50 Jahre Erfahrung aus der Entwicklungszusammenarbeit eingeflossen sind. Wir sind Partner Ein Kernelement unserer Arbeit ist das Prinzip der Partnerschaft. Die Menschen im Projektgebiet werden eng in die Entwicklung und Durchführung der Maßnahmen einbezogen und bringen, je nach ihren Möglichkeiten, auch eigene finanzielle Ressourcen ein. So wird sichergestellt, dass nur Maßnahmen durchgeführt werd en, die wirklich notwendig sind. Außerdem wird die Ei genverantwortung bedürftiger Menschen gestärkt. Sie lernen in Selbsthilfegruppen und Projektkomitees, neue Entwicklungsmöglichkeiten zu erschließen und ihre Interessen zu vertreten. Wir stärken die se Gruppen und Strukturen und helfen ihnen, während der Projektlaufzeit immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Denn die positiven Entwicklungen sollen auch ohne uns weitergeführt werden das trägt außerdem zum Aufbau einer aktiven Zivilgesellschaft bei, die auf demokratischen Grundsätzen basiert. Durch diese Hilfe zur Selbsthilfe erzielen wir eine nachhaltige Wirkung. Ebenfalls auf partnerschaftlicher Ebene arbeiten wir mit lokalen Behörden und anderen Nichtregierungsorganisationen zusammen. Mehr zu unserem Projektmanagement finden Sie auf Seite 23. Unsere Partnerschaft mit deutschen Spendern und Paten verpflichtet uns dazu, Einblicke in die Arbeit zu geben und regelmäßig über Aktivitäten und besondere Herausforderungen zu informieren. So können wir der Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen und um Verständnis für die besonderen Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit werben. Auch hilft uns der Dialog mit unseren Paten und Spendern, die Arbeit immer wieder anzupassen und zu verbessern. Umfassende Hilfe und Kleinkindfokus Armut kann viele Ursachen haben. Unsere Projektmaßnahmen sollen dieser Komplexität der Verhältnisse in den Entwicklungsländern 12

13 Rechnung tragen. Wichtigster Maßstab für den Erfolg unserer Programmarbeit ist das Wohlergehen der Kinder, das wir durch Wirkungsindikatoren wie die sogenannten Child Well-Being- Outcome Indicators beobachten, messen und auswerten (vgl. Seite 29). Da die frühen Entwicklungsjahre für die kindliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind, wollen wir noch stärker als bisher die Mütter während der Schwangerschaft und die Kleinkinder im Alter bis 59 Monaten fördern (vgl. Seite 10). Entwicklungszusammenarbeit, die weitergeht Wir machen den Menschen in den Projektgebieten deutlich, dass unser beratendes und finanzielles Engagement ein zeitlich begrenzter Beitrag zur Entwicklung ihrer Region ist. Durch unsere Unterstützung möchten wir die Menschen befähigen, Engpässe und Hindernisse zu überwinden und Eigeninitiative zu entwickeln. Nach rund 15 Jahren zieht sich World Vision aus dem Projektgebiet zurück, die Entwicklungsarbeit führen die Menschen vor Ort weiter. Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung Unsere wirtschaftliche Förderung zielt auf die langfristige Einkommenssicherung für die arme Bevölkerung. Wachsender Wohlstand darf dabei aber nie auf Kosten von Entwicklungschancen zukünftiger Generationen gehen. Nachhaltigkeit muss demzufolge nicht nur wirtschaftlich sein, sondern auch sozial und ökologisch verträglich. So suchen wir nach Entwicklungswegen, die die natürlichen Ressourcen schonen. Aufforstung und kleinbäuerliche Landwirtschaft nach ökologischen Gesichtspunkten tragen beispielsweise dazu bei, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Projektförderung nach Sektoren 2009 Bildung 22,83 % Landwirtschafliche Entwickung und Ernährungssicherung 17,44 % Sonstiges 4,36 % Kinderschutzmaßnahmen 2,84 % Gesundheit und HIV/AIDS- Bekämpfung 15,65 % Qualifizierung/Aufbau Zivilgesellschaft 6,22 % Einkommen schaffende Maßnahmen 7,33 % Nothilfe und Katastrophenschutz 14,34% Wasserbeschaffung und sanitäre Anlagen 8,99 % 13

14 Humanitäre Hilfe Humanitäre Hilfe Im Finanzjahr 2009 hat World Vision Deutschland 79 Projekte der humanitären Hilfe in 26 Ländern durchgeführt. Die humanitäre Hilfe von World Vision Deutschland wird hauptsächlich finanziert über öffentliche Mittel von Bundesregierung und Europäischer Union, aber auch durch Spenden von Unternehmen und Einzelpersonen sowie durch das Bündnis Aktion Deutschland Hilft. Schnelle Hilfe weltweit Als internationales Hilfswerk mit Büros und lokalen Strukturen in fast einhundert Ländern kann World Vision in den allermeisten Fällen in kürzester Zeit auf Krisen und Katastrophen reagieren. Dabei stellt das lokale Personal sicher, dass die Hilfe bedarfsgerecht und an die sozialen und kulturellen Gegebenheiten angepasst geleistet wird. Im Rahmen der Soforthilfe wird bei World Vision darüber hinaus ein internationales Netzwerk von Nothilfeexperten aktiviert, das innerhalb von 24 bis 72 Stunden Hilfsmaßnahmen organisieren kann. Zur Finanzierung der Soforthilfe steht ein Nothilfefonds zur Verfügung. Außerdem hat World Vision ein weltweites Netzwerk von Lagerhäusern aufgebaut, in denen die wichtigsten Hilfsgüter bereitgehalten werden. World Vision Deutschland beteiligt sich mit seinem Lager in Frankfurt/Main an diesem Netzwerk. Hilfe für Opfer von chronischen Krisen Im Berichtsjahr 2009 hat World Vision Deutschland die Hilfe für Menschen in chronischen Krisen- und Konfliktgebieten weiter ausgebaut. Besonders engagiert haben wir uns im Nordund Südsudan, in Norduganda, Somalia, im Osten der DR Kongo, in Simbabwe, Afghanistan und Sri Lanka. Unser Schwerpunkt liegt auf komplexen Krisen, die sich nicht (mehr) im Fokus der Weltöffentlichkeit befinden und durch menschliches Handeln entstehen, oft verschärft durch Naturereignisse wie etwa Dürren. Wesentliche Merkmale solcher Krisen sind meist andauernde, gewalttätig ausgetragene Konflikte zwischen verschiedenen Parteien, teilweise mit gezielter Gewalt gegen Zivilisten, der Zusammenbruch staatlicher Strukturen, viele Vertriebene und große Flüchtlingsströme, extreme wirtschaftliche Not, die Entstehung von Kriegsökonomien sowie eine schlechte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Hilfe für Kinder in Krisen Unter solchen Bedingungen leiden ganz besonders die Kinder. World Vision Deutschland hilft daher gezielt Kindern und Kleinkindern in Krisengebieten, etwa durch Zusatzernährungsprogramme für Kleinkinder oder durch spezielle Kinderbetreuungs- und Schutzeinrichtungen ( Child Friendly Spaces ). Hier erhalten Kinder Nahrung, Pflege und eine medizinische Grundversorgung. Darüber hinaus können die Jungen und Mädchen spielen, singen, basteln, oft auch lesen, schreiben und rechnen lernen. Viele Kinder haben Gewalt und Zerstörung erlebt hier bieten die Helfer behutsame Betreuung und Zuwendung und damit die Möglichkeit, traumatische Erlebnisse zumindest teilweise zu verarbeiten. So sind die Child Friendly Spaces Orte der Hoffnung und der Zuversicht. Naturkatastrophen im Jahr 2009 Vor allem die großen Naturkatastrophen in Südostasien standen 2009 im Vordergrund: das Erdbeben auf Java in Indonesien, danach die schweren Stürme und Überflutungen in Vietnam und auf den Philippinen und schließlich das zweite schwere Erdbeben auf der Insel Sumatra, das einen großen Teil der Stadt Padang zerstörte. World Vision leistete in den Katastrophengebieten Soforthilfe und ist weiterhin mit umfangreichen und län- 14

15 Herkunft der öffentlichen Zuschüsse im Finanzjahr 2009 Europäisches Amt für humanitäre Hilfe (ECHO) 25,9 % Welternährungsprogramm (WFP) 42,50 % Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) 0,60 % EuropeAid 6,20 % Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) 8,20 % Auswärtiges Amt 16,50 % gerfristigen Wiederaufbauprogrammen vor Ort tätig. Das gilt auch für die ebenfalls andauernde Instandsetzung öffentlicher und privater Infrastruktur und die Unterstützung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in Myanmar, wo im Vorjahr ein Zyklon große Zerstörung brachte. Abschluss von Sonderprojekten World Vision beteiligte sich an einem Forschungsvorhaben von Transparency International, Tufts University, Overseas Development Institute sowie sieben internationalen Hilfsorganisationen. Abschluss und Ergebnis der Kooperation ist ein Handbuch zur Vermeidung von Korruption in Projekten der humanitären Hilfe (Preventing Corruption in Humanitarian Operations, Handbook of Good Practices, Veröffentlichung 2010). Es bietet richtungsweisende Orientierung für die Praktiker der humanitären Hilfe und hat das Potenzial, in Zukunft Standards zu setzen. Ebenfalls abgeschlossen wurde eine Wirkungsanalyse der Wiederaufbauprogramme nach der Tsunami-Katastrophe Beteiligt waren die Mitgliedsorganisationen der Aktion Deutschland Hilft. Diese umfassende Evaluierung der Maßnahmen aller Mitgliedsorganisationen in Indien, Sri Lanka und Indonesien kommt zu insgesamt positiven Ergebnissen (vgl. k Konfliktsensible Projektarbeit Experten aus Wissenschaft und Hilfsorganisationen wissen heute, dass Projekte der humanitären Hilfe insbesondere in Krisenregionen Konflikte verschärfen können. Daher müssen Hilfsorganisationen auf eine konfliktsensible Umsetzung ihrer Programme achten. Sie müssen genau analysieren, wem die Hilfe nützt oder eventuell schadet. Dabei helfen Instrumente der Konfliktanalyse sowohl auf der Makro-Ebene (nationaler/regionaler Kontext) als auch auf der Mikro-Ebene (lokaler Kontext des Einsatzgebietes). Auf der Makro-Ebene wird das von World Vision selbst entwickelte Analyseinstrument Making Sense of Turbulent Contexts / MSTC verwendet. Auf Projektebene arbeitet World Vision regelmäßig mit der sogenannten Do No Harm -Analyse, die potenziell konfliktverstärkende und konfliktmindernde Faktoren erkennen hilft. Die Mitarbeiter von World Vision werden regelmäßig entsprechend geschult. 15

16 Entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit Mit Veranstaltungen, Kampagnen und politischen Gesprächen ist es dem inzwischen drei Jahre alten Hauptstadtbüro von World Vision Deutschland gelungen, den Armen dieser Welt in Berlin eine weitere Stimme zu geben. In Gesprächen mit Verantwortlichen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Auswärtigen Amtes, des Bundespräsidialamtes und mit Bundestagsabgeordneten setzen sich die Kolleginnen und Kollegen dafür ein, dass Politiker und Wirtschaftsvertreter bei ihren Entscheidungen stärker die Bedürfnisse von Kindern und Familien in den Entwicklungsländern berücksichtigen. Die entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit dient aber auch dazu, die Menschen in Deutschland über die Ursachen der Armut aufzuklären und ihnen Möglichkeiten des Engagements aufzuzeigen b. d. Gesunde Kinder weltweit Gesunde Kinder weltweit, das ist unser Ziel und auch der Name der ersten weltweiten World Vision-Kampagne, die sich in den nächsten fünf Jahren gezielt und global für ein einziges Thema einsetzen wird: die Reduzierung vermeidbarer Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Jede Stunde sterben weltweit mehr als Kinder in dieser Altersklasse, die meisten von ihnen an vermeidbaren oder heilbaren Krankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall, Malaria oder Komplikationen bei der Geburt. Das ist der Grund, warum World Vision Deutschland diese Kampagne mit vielen anderen World Vision Büros im Norden und im Süden Ende 2009 ins Leben gerufen hat. Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie im Internet unter k G8-Gipfel 2009 Den G8-Gipfel im Juli 2009 im italienischen L Aquila hat World Vision Deutschland genutzt, um sich gegen die Armut und für die Kinder dieser Welt einzusetzen. Erstmals fand im Vorfeld eines solchen Gipfels eine gemeinsame Aktion der World Vision- Büros aus Großbritannien, Kanada und Deutschland statt, die am Abend vor Beginn des G8-Gipfels in Rom durchgeführt wurde. Diese Aktion, angelehnt an den amerikanischen Hollywood- Film Italian Job, sollte einen Raubüberfall der G8-Führer auf einen Geldtransporter darstellen und darauf hinweisen, dass die G8-Länder nicht bereit sind, den Armen von ihrem Wohlstand abzugeben (siehe Bild rechts unten). Durch diese gemeinsame Aktion konnte World Vision den Fokus der Medien auf die Situation von Millionen in Armut lebender Menschen lenken. World Vision verfasste auch in diesem Jahr einen Bericht mit konkreten Empfehlungen und Forderungen an die G8-Staaten ( Warum die G8 für Kinder wichtig ist ). In Berlin überreichte World Vision Deutschland dieses Dokument Staatssekretär Dr. Bernd Pfaffenbach, der es stellvertretend für Bundeskanzlerin Angela Merkel entgegennahm (oberes Bild). Zu diesem G8-Gipfel haben sich wieder Tausende unserer Patinnen und Paten an die Seite der Benachteiligten dieser Welt gestellt und sich mit knapp Postkarten und 900 s an die Bundeskanzlerin für die Rechte der Armen eingesetzt. Ein Friedenspfahl für Friedrichsdorf Friedrichsdorf im Taunus, Sitz von World Vision Deutschland, hat seit dem 21. September 2009 einen eigenen Friedenspfahl eines von Mahnmalen gegen Kriege und Konflikte auf dieser Welt. Anlässlich des Weltfriedenstages stellte World Vision Deutschland einen 2,50 Meter hohen Pfahl aus Lärchenholz auf den Houiller Platz. Der Friedenspfahl, den wir als Kinderhilfswerk ganz bewusst in der Nähe eines Spielplatzes aufgestellt haben, soll mit seiner Botschaft Möge Friede auf Erden sein in Englisch, Deutsch, Arabisch und Hebräisch daran erinnern, dass wir einen Beitrag dazu leisten wollen, Frieden in der Welt zu schaffen. An der Aufstellung des Friedenspfahls nahm auch der Bundestagsabgeordnete Holger Haibach, stellvertretender Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestages, teil. 16

17 Beispiele aus der Projektarbeit er Me tes Ro ÄGYPTEN TSCHAD Wadi-Halfa Port Sudan Atbara SUDAN Kassala ERITREA Khartoum Wad Medani El Fasher El Obeid Nubische Wüste ÄTHIOPIEN e Weiß r Nil Z.A.R. Projektbeispiel: Nothilfe für Binnenflüchtlinge im Sudan Begünstigte: etwa registrierte Flüchtlinge Projektpartner: World Vision Nord-Sudan Projektlaufzeit: März 2009 bis voraussichtlich Mai 2010 Finanzierung: Europäische Union (ECHO), World Vision Deutschland Förderung 2009: Euro Budget 2010: Euro ZAIRE SUDAN Ausgangslage: Die Region Süd-Darfur im Nordsudan ist seit dem Jahr 2003 Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen. Folter, Plünderungen, Afrika Zerstörung der Lebensgrundlagen der Bevölkerung und systematische Vertreibungen sind an der Tagesordnung. Etwa Menschen fielen bisher den Gewalttaten zum Opfer; 2,5 Millionen wurden vertrieben, und etwa 1,8 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele Lager für die Binnenvertriebenen existieren inzwischen seit mehr als fünf Jahren und sind hoffnungslos überfüllt. Die Menschen, die dort leben müssen, sind zum größten Teil abhängig von der Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms (WFP). Da sie kein eigenes Einkommen haben, müssen sie ihre Nahrungsmittelration aber teilweise wieder verkaufen, um mit dem Erlös dann das Mahlen des ihnen zugeteilten Getreides bezahlen zu können. Projektziel: Ziel des von der Europäischen Kommission finanzierten Milling Voucher Project ist es, die Nährstoffzufuhr der Binnenflüchtlinge in Süd-Darfur zu erhöhen. Dafür erhalten registrierte Flüchtlinge neben Nahrungsmitteln auch Gutscheine, die sie bei örtlichen Getreidemühlen einlösen können. Auf diese Weise sind sie nicht mehr gezwungen, einen Teil ihres Getreides zu verkaufen, um mit dem Erlös das Mahlen der restlichen Ration zu bezahlen. Statt dessen können sie die Getreiderationen nun komplett verzehren oder aber gegen Obst und Gemüse eintauschen. Die wichtigsten Maßnahmen Binnenflüchtlinge aus den drei Lagern Otash, Mosey B und Al Salam erhielten zusammen mit Nahrungsmitteln Gutscheine für das Mahlen ihres Getreides. Jeder Gutschein erlaubt das Mahlen von 2 Malwa (ca. 6,75 kg) Getreide und hat den Nennwert in Englisch und Arabisch aufgedruckt. Die Anzahl der Gutscheine richtet sich nach der Haushaltsgröße. Sie müssen innerhalb von 15 Tagen nach dem Verteilungsmonat, der auf dem Schein aufgedruckt ist, bei zuvor ausgewählten Müllern eingelöst werden. Die Müller sind mit Informationstafeln an ihren Mühlen als Projektpartner von ECHO und World Vision ausgewiesen. Die Müller werden ausgezahlt nach dem Wert der eingereichten Bezugsscheine, die sie innerhalb von 30 Tagen nach dem aufgedruckten Monat einlösen müssen. Die Modalitäten sind in einem Vertrag zwischen dem Müller und World Vision festgehalten. Pläne für 2010: Angesichts der Notlage in den Flüchtlingslagern plant World Vision, das Projekt 2010 fortzuführen. 17

18 N G Z A N G TA N G S H A A L N Mt Everest GU LA SH C H I N DA B A S H A N A Ch AY AN To HA ng R tia SH n AN H e HOH XI I Chengdu AN Qamdo RED BASIN an Wuhan iang g J Changsha Chongqing D A L O U S H A Guiyang BHUTAN a N Prome LAOS R. M ek on A A Golf von Bengalen EN TAN M U YO I r rawad d y Mandalay PEG M Y O g patnam Akyab N K A A R A di MYANMAR Henzada Bassein Yangon Moulmein Fuzhou Hengyang Shantou Projektbeispiel: Regional-Entwicklungsprojekt Guangzhou Liuzhou Hlegu in Myanmar Hong Kong Macau Nanning BANGLADESCH Poyang Hu Nanchang Dongting Hu Dongsha Qundao Begünstigte: etwa Personen Zhanjiang Projektpartner: World Vision Myanmar Haikou Projektlaufzeit: 2009 bis voraussichtlich 2023 Hainan Finanzierung: World Vision Deutschland Förderung 2009: Euro Budget 2010: Euro THAILAND VIETNAM KAMBODSCHA CHINA Mergui MYANMAR INDIEN S O U T H C H I N A S E A Bunguran Ausgangslage: Das Projektgebiet liegt 47 Kilometer nordöstlich von Yangon (auch Rangun oder Rangoon), der ehemaligen Hauptstadt Myanmars. Die meisten Familien leben hier von Reisanbau, Tierzucht und Gelegenheitsbeschäftigungen. 70 Prozent der Bevölkerung gelten als arm, was sich fatal auf den Alltag der Kinder auswirkt: Unhygienische Wohnverhältnisse, Unterernährung und tropische Krankheiten wie Malaria tragen zu einer erhöhten Kindersterblichkeit bei. Auch eine gute Schulbildung bleibt vielen Kindern verwehrt. Im Mai 2008 hat der verheerende Tropensturm Nargis die ohnehin schwierige Lage der Menschen dramatisch verschärft. Projektziele: In der ersten Projektphase stehen Verbesserungen der Gesundheits- und Bildungssituation im Vordergrund. Darüber hinaus will World Vision die Bewohner Hlegus dazu befähigen, die Entwicklung ihrer Heimat mehr und mehr selbst zu gestalten. Nur so ist eine nachhaltige Sicherung der Projekterfolge möglich. Die wichtigsten Maßnahmen im Jahr 2009 Verhandlungen mit Regierungsvertretern, Gründung von Dorfkomitees zur Vorbereitung der eigentlichen Projektarbeit Werbung für die Wahrung von Kinderrechten Organisation von Sport-, Kultur- und Bildungsevents mit dem Ziel, Kinder für Gesundheits-, Ernährungs- und Umweltthemen zu sensibilisieren Durchführung gründlicher Gesundheitsuntersuchungen bei allen Kindern des Projektgebiets Ausstattung des örtlichen Krankenhauses mit chirurgischem Material Ausgabe von Moskitonetzen an die ärmsten Familien zum Schutz vor Malaria Durchführung von Informationsveranstaltungen zu Themen wie Tuberkulose, Malaria, Dengue-Fieber, Ernährung und Hygiene 18 Sanierung einer Grundschule Bau von Latrinen und Trinkwasserreservoirs auf dem Gelände von Grundschulen Erneuerung der Zufahrtsstraße zu einer Grundschule Ausgabe von Schulmaterial an besonders bedürftige Schüler Sensibilisierung der Eltern für die Wichtigkeit von Bildung Pläne für 2010 sind unter anderem: Aufklärung junger Mütter mit dem Ziel, Säuglinge zum Schutz vor Unterernährung und Infektionskrankheiten in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen Förderung von Viehzucht und Gemüseanbau als einkommensfördernde Maßnahmen Verbesserung beim Zugang zu sauberem Trinkwasser Bau einer Grundschule Entwicklung alternativer Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche, die aus dem Schulsystem ausgestiegen sind Ausweitung der Projektmaßnahmen auf sechs weitere Dörfer

19 Al az an i GEORGIEN TÜRKEI Projektbeispiel: Regional-Entwicklungsprojekt Vardenis in Armenien Vanadzor Dilidschan Giumri ARMENIEN Eriwan Ar EUROPA ARMENIEN as Sevan-see Begünstigte: etwa Personen ASERBAIDSCHAN Projektpartner: World Vision Armenien Projektlaufzeit: 2004 bis voraussichtlich 2018 Finanzierung: World Vision Deutschland/ World Vision Frankreich Förderung 2009: Euro Budget 2010: Euro IRAN Ausgangslage: Im äußersten Osten Armeniens, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Eriwan entfernt, liegt Vardenis. Die se isolierte, hochgelegene Region leidet immer noch unter den Folgen des armenisch-aserbaidschanischen Krieges. Verschärft werden die wirtschaftlichen Herausforderungen durch die geschlossene Grenze zu Aserbaidschan, die verfallene oder zerstörte Infrastruktur sowie eine tragische Vertreibungs- und Neuansiedlungsgeschichte. Diese Faktoren haben einen erheblichen negativen Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktivität, die aufgrund der kalten Temperaturen in Vardenis ohnehin eingeschränkt ist. Die angespannte wirtschaftliche Lage wirkt sich auf die Gesundheit der Menschen aus. So litten zu Projektbeginn viele Kinder an Mangelernährung. Die Infrastruktur von Kin- dergärten und Schulen ist dringend sanierungsbedürftig. Häufig müssen die Kinder im Winter in kalten Klassenräumen lernen. Projektziele: Die Lebensbedingungen der Kinder und Familien in Vardenis sollen sich nachhaltig verbessern, und zwar durch Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung, Gesundheitsvorsorge und die Stärkung von Zivilgesellschaft und Kinderrechten. Die wichtigsten Maßnahmen 2009 Gründung und Schulung von Landwirtschaftsgenossenschaften, die 209 Bauern einen besseren Marktzugang und effizienteres Wirtschaften ermöglichen Durchführung eines Schafzuchtprojekts mit 106 bedürftigen Familien Gründung einer zivilgesellschaftlichen Basisorganisation, welche die World Vision-Aktivitäten sukzessive übernehmen und nachhaltig weiterführen soll Regelmäßige Besuche aller schwer zugänglichen Dörfer der Region mit einer mobilen Klinik Weiterbildungen für Gesundheitspersonal und Bevölkerung in Gesundheitsfragen Durchführung von Aufklärungskampagnen zu Gesundheitsfragen an sechs Schulen Ausstattung kultureller Einrichtungen für Kinder Pläne für 2010 sind unter anderem: Anlegen von Obstplantagen in drei Dörfern Realisierung von Infrastrukturmaßnahmen gegen Schlammlawinen Wiederherstellen des Trinkwasserzugangs für ein Dorf Gesundheitsschulungen für Kinder und Familien Organisation von Kinderrechtskampagnen an fünf Schulen Instandsetzung von Heizungen und Ausstattung der Räume von Kindergärten Unterstützung von Kindergruppen bei der Organisation eigener Kleinprojekte 21 19

20 Projektbeispiel: VisionFund Mongolia Kleinkredite für Frauen in der Mongolei RUSSLAND MONGOLEI CHINA RUSSLAND CHINA Ulaangom t ai Al Ulaanbaatar MONGOLEI Altay Baruun Urt Wüste Gobi CHINA Begünstigte: ca Klienten (direkt) und Familienangehörige (indi- rekt) Projektpartner: World Vision Mongolei Projektlaufzeit: 2006 bis voraussichtlich 2011 Finanzierung: World Vision Deutschland Förderung 2009: Euro Budget 2010: Euro TAJIKISTAN Ausgangslage: Mit der Ablösung des sozialistischen Wirtschaftssystems in der Mongolei in den 90er Jahren ist auch die Beschäftigungsgarantie entfallen. Insbesondere Frauen finden seitdem kaum genügend Einkommen in der neuen privat organisierten Wirtschaft. Für viele Frauen in den Stadtrandsiedlungen der Hauptstadt Ulaanbaatar ist ein kleines Einkommen aus Handel, Viehzucht oder Gartenbau der einzige Ausweg aus der Armut. Hier greift VisionFund Mongolia ein und stellt Gründerinnenkredite in der Größenordnung von 50 bis 600 Dollar pro Kredit zur Verfügung. Projektziele: Frauen soll ermöglicht werden, ein kleines Unternehmen zu gründen, um damit die Armut in der Familie zu reduzieren. Dafür erhalten sie günstige Kleinkredite, aber auch Schulungen, die ihnen helfen, erfolgreich zu wirtschaften. Mit Eisverkauf die Bildung der Kinder ermöglichen Frau Densmaa, 51 Jahre, kommt aus einem Nomadendor f und siedelte mit ihrem Mann und 5 Kindern in einen Stadtrandslum nach Ulaanbaatar um. Ihr Mann konnte als Lehrer keine Beschäf tigung finden, und so begann sie, durch Kleinhandel etwas für die Fam ilie hinzuzuverdienen. Zuerst verkaufte sie Speiseeis, dies sicherte aber nur die Grundversorgung mit Nah rungsmit teln für die Familie. Durch drei Kredite von Visi onfund Mongolia über 165, 230 und 300 Euro hat sie inzwischen einen eigenen kleinen Laden. Ihr Erfolg als Geschäf tsfrau hat sich durch begleitende Schulungen stark verbessert. So kann sie heute ca. 250 Euro mon atlich zum Familien einkommen beisteuern und die Bild ung ihrer Kinder sicherstellen. Die wichtigsten Maßnahmen 2009 Aufstockung des Kreditfonds von VisionFund Mongolia Vergabe von über 600 Krediten Training der Kreditnehmer und Organisation in Gruppen Betreuung der Kreditnehmer, Sicherstellung ihres Betriebserfolges und der Rückzahlung der Kredite Durchführung einer Studie mit der Freien Universität Berlin zur Armutsminderung Einwerbung von weiteren US-Dollar an ergänzenden Kreditmitteln von einem Großpender In den Armensiedlungen am Stadtrand der mongolischen Metropole Ulaanbaatar hilft World Vision vor allem Frauen mit Kleinkrediten. 20 Pläne für 2010 sind unter anderem: Weitere Aufstockung des Kreditfonds Ausdehnung der Aktivitäten auf weitere ländliche Gebiete Sicherstellung der Rückzahlung und des begleitenden Trainings Umsetzung der Empfehlungen aus der Studie

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