Innovation & Mittelstand

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1 Das servicemagazin der UIK.austria Innovation & Mittelstand Rezepte gegen die Krise ACR-Kooperationspreis 2009 Polytechnik Luft-und Feuerungstechnik Bio-Energie für den Weltmarkt Geolyth Mineral Technologie Grüner Baustoff für Öko-Dämmung Ansteckplaketten Hannes Schmitz Buttons aus Holz AiQA Getränke Gesunde Drinks vom Reißbrett Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend

2 Unternehmer.inhalt Kooperationspreis MIT VISIONEN DURCH DIE KRISE Österreichs Mittelstand erweist sich als Stabilitätsfaktor in der Rezession. Forschung und Entwicklung sind dabei dynamisierende Faktoren: Unternehmen mit innovativem Anspruch nehmen stärkere Marktpositionen ein als ihre konservativen Mitbewerber. Der Kooperationspreis 2009 der ACR lenkt das Licht auf vier Erfolgsbeispiele, die unterstreichen, dass Forschung und Entwicklung kein Vorrecht der Großen sind. 04 8AiQA GETRÄNKE Das junge Unternehmen aus Innsbruck entwickelt gesunde Erfrischungsgetränke ohne Dickmachereffekt. Die ersten Design-Durstlöscher für Kinder und Sportler stehen in den Regalen der Supermärkte. 07 8ANSTECKPLAKETTEN HANNES SCHMITZ Der Wiener Marktführer für Ansteckplaketten entwickelte bioverträgliche Buttons auf der Grundlage eines Holz- Plastik-Verbundstoffes. Die Folierungen basieren auf Maisstärke und verrotten ebenso wie das Trägermaterial aus flüssigem Holz. 09 8GEOLYTH MINERAL TECHNOLOGIE Das Trauner Unternehmen bringt einen völlig neuartigen Mineralschaum mit hervorragenden Brandschutz- und Wärmedämmungseigenschaften auf den Markt. Das recyclebare Baumaterial härtet von selbst aus POLYTECHNIK LUFT- UND FEUERUNGSTECHNIK Das Unternehmen aus Weissenbach an der Triesting entwickelte eine Feuerungsanlage, die dem Anlagenbetreiber die flexible Erweiterung seines Brennstoff-Portfolios ermöglicht. 13 8INTERVIEW REINHOLD MITTERLEHNER Der Wirtschaftsminister verantwortet einen Großteil der Forschungsförderungsbudgets in Österreich. Er erklärt, wie er die Kluft zwischen mittelständischen Unternehmern und heimischen Forschungsinstitutionen schließen möchte und warum er kein drittes Konjunkturpaket schnüren will KOOPERATIVE FORSCHUNG Das Förderprogramm CORNET macht heimische Unternehmen zu Forschungspartnern nationaler und internationaler Innovationsagenturen und Forschungslaboratorien. Unternehmensgröße spielt dabei keine Rolle. 16 8DAS SERVICE DEr ACR Die ACR berät kleine und mittlere Unternehmen, welche Programme und Institute ihnen bei ihrem Forschungsvorhaben behilflich sein können und lotst sie zu den richtigen Adressaten. 18 8ADRESSEN UND ANSPRECHPARTNER 24 impressum Herausgeber: UIK-austria, Für den Inhalt verantwortlich: Austrian Cooperative Research ACR Chefredakteur: Josef Ruhaltinger, Medieninhaber: KGV Marketing Verlagsgesellschaft m.b.h. Altmannsdorferstraße 104, 1120 Wien, Tel.: +43/1/ , Geschäftsführung: Germanos Athanasiadis, Peter Hirschfeld, Verlagsleitung: Sascha Zelenka, Kooperation und Marketing: Monika Walter, Layout und Grafik: Max Niederschick, Fotos: UIK-austria, Kurt Keinrat, Josef Ruhaltinger, dreamstime.com, Michael Hetzmannseder, Sascha Osaka, Pleon Publico 8Liebe Leserin, lieber leser! Österreichs Unternehmer in den mittelständischen Betrieben realisieren, dass Innovation helfen kann, sich vor der herbeigeführten Krise zu wappnen. Leider haben die Kleinen zwar die Ideen für Innovationen, aber leider selten die Ressourcen, diese selbst umzusetzen. Es ist seit vielen Jahren das Leistungsmerkmal und die Aufgabe der ACR, den kleinen und mittleren Unternehmen aus diesem Dilemma zu helfen. Im Jahr 2008 wurden von den Mitgliedern der ACR über KMUs mit umfangreichen Dienstleis-tungen bedient. Im nationalen Innovationssystem gibt es keine Einrichtungen außer der ACR weder auf universitärer noch auf außeruniversitärer Ebene, die einen so engen Kontakt zu KMUs nachweisen kann. Seit 2006 zeichnet die ACR besonders innovative Projekte mit dem Kooperationspreis aus. Es werden Innovationen prämiert, die von einem KMU in Zusammenarbeit mit einem ACR-Institut entwickelt worden sind. Ein paar solcher Highlights sind auf den folgenden Seiten dargestellt und stehen als Beispiele für die vielen Innovationen, die österreichische Unternehmen laufend durchführen. Der Wettbewerb ist die Triebfeder für Neues und das macht unsere KMUs innovativ. Die Unterstützung eines ACR-Institutes ist für das Projekt die halbe Garantie, dass es eine brauchbare Lösung geben wird. Herzlichst Ihr Johann Jäger, Geschäftsführer der ACR

3 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Innovativer Mittelstand: Rezepte gegen die Krise Die Politik begegnet der Rezession mit prallgefüllten Fördertöpfen für Forschung und Entwicklung. Denn innovative Unternehmen erweisen sich als krisenresistent. 4 unternehmer

4 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Polenta muss man mögen. Die Speise aus Maisgrieß war einst das Ergebnis stundenlangen Kochens und Rührens vorzugsweise in einem großvolumigen Kessel, bis die Masse eine glatte Konsistenz erhielt. Heute ist die Speise in der Regel das Resultat eines Kaufaktes im Supermarkt: Vorgegarter Polentagrieß ist in 15 Minuten zubereitet und zählt zu den Fixbestandteilen praktisch jeder Vorratskammer. Für anspruchsvollere Geschmäcke mit wenig Zeit hat die Getreide- und Ölmühle der Berghofer-Schwestern Diana und Liane aus dem oststeirischen Fehring eine kulinarische Weiterentwicklung auf den Markt gebracht: Seit März dieses Jahres wird im betriebseigenen Mühlen-Shop der Polentatraum in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen Schinken, Steinpilz und Kürbiskern angeboten. Die Maisgrießmischungen werden durch die Beigabe von Wasser oder Milch essfertig und kommen in Form von Sterz, Knödeln oder Polentaschnitten auf den Tisch. Attraktion Mühle Die Schwestern Berghofer betreiben die Mühle in sechster Generation. Seit 1845 wird an den Ufern der Raab im Namen der Familie gemahlen, geröstet und gepresst. Dass dem immer noch so ist, ist nicht selbstverständlich. Das traditionelle Geschäft der Öl- und Getreidemühlen ist spätestens seit dem EU- Beitritt Österreichs schwierig geworden. Hunderte kleiner Mühlen, die meisten im Familienbesitz, mussten seither schließen. Die Berghofer-Mühle trat unter der jüngsten Generation, die seit 1999 am Mahlstein steht, die Flucht nach vorn an. Die Schwestern erweiterten das Geschäftskonzept. Sie suchten den direkten Zugang zum Endkunden über Spezialprodukte wie Dinkelmehl, hochqualitatives Kürbiskernöl und Eigenkreationen wie Polentatraum. Damit die Kunden den Weg in die wuchtige, viergeschossige Mühle und ihren Shop finden, wurde ein umfangreiches Besichtigungskonzept entwickelt, das in Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern und Tourismusvereinen ganze Busse lockt. Der Besuch im Mühlengeschäft ergibt sich von selbst. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Produkten, beschreibt Liane Berghofer eine Grundhaltung des Familienbetriebs. Maisgrießmischungen zählen dabei zu den typisch regionalen Produkten der oststeirischen Thermenlandschaft und harmonieren mit den restlichen regionalen Naturprodukten des Mühlenangebotes. Es war uns wichtig, mit dem neuen Angebot eine frische Kundenschicht anzusprechen. Die Spezialfertigmischungen richten sich an gestresste Hausfrauen und Hausmänner, die ab- Die Schwestern von der Berghofer-Mühle: Liane (l.) und Diana haben das Geschäftskonzept ihres Familienunternehmens vollkommen umgedreht. Sie wenden sich mit ihrem Mühlen-Shop direkt an den Endkonsumenten. Tourismuskooperationen sorgen für die nötige Besucherfrequenz, innovative Regionalprodukte für das richtige Angebot im Laden. Die Berghofer-Mühle an den Ufern der Raab wurde bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. unternehmer 5

5 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Das steirische Start-up-Unternehmen Plasmait ist mit dem Verlauf des Krisenjahres zufrieden. Es konnte heuer seine Neuentwicklung an mehrere Großbetriebe verkaufen. Die vorjährigen Preisträger des Kooperationspreises sind überzeugt, dass sie ohne kostensparende Neuentwicklungen keine Chance am Markt gehabt hätten. seits der herkömmlichen Convenience-Gerichte Lust auf wertvolle und regionaltypische Speisen haben, ohne dabei großen Aufwand treiben zu müssen. Seit März 2009 stehen die Polentatraum-Mischungen in den Regalen des Mühlen-Shops und zeitigen die erhoffte Wirkung. Der Kundenzuwachs ist ebenso gestiegen wie der gesamte Mühlenumsatz, resümiert Liane Berghofer. Die unkonventionellen Ideen sorgen im Unternehmen für die notwendige Dynamik auch in Krisenzeiten. Liane Berghofer: Unser Betrieb ist durch die neuen Erfahrungen in seiner Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Öffentlicher Beistand Die Entwicklung der Polenta-Mischungen war für die Berghofer-Mühle kein Selbstläufer. Für Diana Berghofer war die Herstellung der vorgegarten Maisgrieß-Mischung als Müllermeisterin zwar kein Problem, um den Polentatraum allerdings als kochfertiges Convenience-Produkt in den Laden stellen zu können, waren viele Fragen zu klären vor allem musste die Maisgrießmischung den gesetzlichen Auflagen entsprechen. Die maximale Haltedauer von Vorprodukt und Produkt war zu klären. Außerdem mussten Dinge wie Nährwertanalyse oder Sensorik bestimmt werden, erinnert sich Ewald Kurath, Mitarbeiter der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung VFG, eines Partnerinstituts der ACR. Sensorik nennen Lebensmitteltechniker Geschmackstests sowie die geschmackliche Beschreibung des Produkts. Die Familie Berghofer setzte sich mit der VFG in Verbindung, um diese Probleme zu lösen. Ein Innovationsscheck im Gegenwert von Euro erleichterte den Fehringer Müllers-Töchtern den Einstieg in die Innovationspartnerschaft. Liane Berghofer: Durch die Zusammenarbeit mit dem ACR-Institut werden Fragestellungen gelöst, die wir aus eigener Kraft nicht hätten beantworten können. Ihre Erfahrung macht sie sicher: Wir setzen auf neue Entwicklungen in unserem Mühlengeschäft, weil wir die Kunden immer wieder überraschen müssen. Krisenfester Mittelstand Der Ausdruck Krise hat gute Chancen, zum Unwort des Jahres 2009 gekürt zu werden. Der Terminus findet sich in jedem Artikel, der sich nur annähernd mit der Beschreibung der ökonomischen und politischen Realität beschäftigt. Und dennoch besteht die absurde Situation, dass weite Teile der Bevölkerung außer steigender Nervosität von der Krise noch nichts gespürt haben. Massenentlastungen und Serienpleiten blieben bislang aus. Bislang konnten Konjunkturpakete und Kurzarbeitsprogramme die gröbsten Auswirkungen kaschieren. Große Industrieunternehmen mit starken internationalen Verflechtungen wurden dabei von der Rezession stärker betroffen als kleine und mittelständische Unternehmen, deren Geschäftsbeziehungen noch über mehrheitlich regionalen Fokus verfügen. Der Großteil der Klein- und Mittelbetriebe zeigt sich bislang von den Entwicklungen unbeeindruckt. Der große Unterschied zwischen Jahresbeginn und jetzt ist, dass die Unternehmen langsam lernen, mit der Krise zu leben, ortet Helmut Maukner, Country Managing Partner von Ernst & Young in Österreich, ein spürbares Aufatmen. Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen erstellt halbjährlich einen Mittelstandsbarometer, bei dem 900 österreichische mittelständische Unternehmen zu ihren Stimmungen und Perspektiven befragt werden. Der erste Schock ist vorbei, beschreibt Maukner die Ergebnisse der Umfrage. Den aktuellen Zustand ihres Unternehmens bezeichnen 94% der befragten Unternehmen als stabil. Für 6% ist die Lage bereits kritisch: Insgesamt 2% der Unternehmen droht derzeit, die Luft auszugehen. Knapp die Hälfte der Befragten kann allerdings noch gut mehr als sechs Monate durchhalten. Bei darüber hinaus anhaltender Krise wären aber auch ihre Unternehmen gefährdet. Das sind jene Unternehmen, die prinzipiell richtig aufgestellt sind und ihre Finanzen im Griff haben. Aber ewig können auch diese Betriebe einer Krise nicht standhalten, so Maukner. Die Gesamtheit der mittelständischen Unternehmen weise aber eine hohe Krisenresistenz auf. Unübersichtlichkeit der Krise Walter Bornett, Geschäftsführer des ACR-Institutes KMU Forschung Austria, sieht die Gründe für die offensichtliche Stabilität der Mittelständler sicher nicht in ihrer besonderen wirtschaftlichen Beständigkeit. Die Bilanzen der heimischen Klein- und Mittelunternehmen grundeln laut jüngster KMU- Forschung-Analyse auf noch niedrigerem Niveau als letztes Jahr, so Bornett (siehe Kasten Hellgraue Zahlen ). Vielmehr liege die Ursache für die Beschäftigungsstabilität in der schlichten Tatsache, dass viele Kleinbetriebe niemanden entlassen können, ohne selbst zusperren zu müssen. Die Unternehmen seien entschlossen, sich durchzuwurschteln, bis es nicht mehr geht. Daher reagieren KMUs auf eine schwächere Auftragslage eher mit Überstunden- und Urlaubsabbau als mit Kündigungen. 6 unternehmer

6 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Durstlöscher vom ReiSSbrett Am Anfang stand eine Studienerfahrung in Großbritannien. Jens Häfner lernte in den britischen Supermärkten eine Art von Sport- und Erfrischungsgetränken kennen, die im deutschen Sprachraum unbekannt waren: Diese Durstlöscher waren keine Dickmacher und wurden nach ernährungswissenschaftlichen Prinzipien gemischt, ohne dabei an Geschmack zu verlieren, erinnert sich Häfner. Als sich herausstellte, dass eine Importlizenz für diese Art von Getränken nicht zu haben war, beschloss der gebürtige Deutsche, selbst gesunde und wirksame Getränke für Sportler und Kinder anzubieten. 34% des heutigen Nachwuchses kämpfen mit Fettleibigkeit. Der hohe Konsum an gesüßten Limonaden ist mit dafür verantwortlich, weiß Häfner. Seine Marke AiQA setzt auf Fruchtsüße als Süßstoff: Der wird, wie der Name schon sagt, zu 100% aus Früchten gewonnen. Das Besondere an dieser Zuckerart ist, dass sie langsam vom Körper aufgenommen wird und so einen schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels verhindert. Rasches Hungergefühl oder der bei Sportlern gefürchtete Hungerast kann durch niedrig glykämische Kohlenhydrate deutlich verringert werden. Dazu kommen sogar Abstimmungen nach Geschlechtern, nachdem Frauen und Männer im hochfrequenten Pulsbereich andere Stoffwechselmerkmale aufweisen. AiQA Sports Women verfügt über einen erhöhten Vitamin-B9-Gehalt (Folsäure), da Frauen beim Sport einen viermal so hohen Bedarf als Männer aufweisen. Vollgas am Start. Häfner bringt derzeit AiQA in sechs Varianten in die Geschäfte, die sich in die Produktgruppen Kindergetränke, Optimaler Trainingspartner für Sportler und Kalorienarmer Durstlöscher für jede Gelegenheit aufteilen. Häfner argumentiert den breiten Markteintritt mit der Überzeugung, als Gesundheitsmarke in allen Märkten vertreten zu sein. Im Westen Österreichs wird AiQA bereits in den ersten Supermärkten vertrieben und steht in Regalen von Tankstellen und Restaurants. Durststrecke. Als Branchenfremder machte sich Häfner 2006 auf die Suche nach Entwicklungspartnern, die seine Idee eines Designer-Getränkes mitverwirklichen wollten. Neben Medizinern und Ernährungsberatern stieß er auf die Wissenschaftler und Techniker des ACR- Miglieds Lebensmittelversuchsanstalt (LVA) in Wien. Die Entwicklungsphase mit Gesamtkosten von Euro war für die junge AiQA- Getränke GmbH in Innsbruck nicht immer einfach. Preise bei Business-Planwettbewerben halfen, das Projekt über die Runden zu bringen. Durch das Förderinstrument des Innovationsschecks erhielt er eine professionelle Projektplanung. Zusammen mit der LVA wurden die notwendigen Aktivitäten von AiQA definiert. Die Hinweise auf Produktanforderungen und gesetzliche Rahmenbedingungen durch die LVA waren für unsere weitere Vorgangsweise entscheidend, erinnert sich Häfner. Basierend auf den wissenschaftlichen Konzeptstudien der Lebensmittelversuchsanstalt konnte ein Versuchsplan für Rezepturen entwickelt werden, die dann von einem deutschen Aromastoffhersteller labortechnisch produziert wurden. Daraus wurden anschließend die Entscheidungen für die Charakteristik der finalen Produkte getroffen. Mitarbeiter und Freunde wurden immer wieder mit neuen Geschmacksrichtungen zum Testen versorgt. Aus dieser Phase stammt die Erfahrung, dass viele Geschmacksrichtungen bei Durstlöschern eine denkbare Variante sein können, für Sportgetränke aber nur bestimmte empfehlenswert sind. Das Empfinden ist bei Anstrengungen anders als im Ruhezustand, musste Häfner lernen. Mit der Marktreife der Getränke ist der gebürtige Deutsche überzeugt, das Gröbste überstanden zu haben: Es gibt ja erfolgreiche Beispiele am Markt. Jens Häfner will den Getränkemarkt mit gesunden und wirkungsvollen Durstlöschern erobern. Hauptzielgruppen sind Kinder und Sportler. Nach einer harten zweijährigen Entwicklungsphase stehen die ersten AiQA-Getränke in den Regalen von Supermärkten und Tankstellen. unternehmer 7

7 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Hellgraue Zahlen: Betriebswirtschaftliche Situation der KMUs Es ist das alte Lied: Zu viele Kleinunternehmen haben zu wenig Eigenkapital und verdienen zu wenig, um generellen Anforderungen an Stabilität in Bonität standzuhalten. Aber in jeder Branche finden sich Top-Performer. Das ACR-Institut KMU Forschung Austria hat die Bilanzen 2008 der mittelständischen Unternehmen analysiert. Die Top-Performer: Insgesamt zählen 15% der KMUs zur (betriebswirtschaftlichen) Elite. Sie haben mehr als 20% des Betriebsvermögens mit Eigenkapital finanziert und erwirtschaften betriebswirtschaftliche Gewinne von mehr als 5% der Betriebsleistung. Weitere 10% der KMUs haben gute Voraussetzungen für eine Positionierung im Spitzenfeld (Umsatzrendite über 2,5%, Eigenkapitalquote über 10%). Die Minderverdiener: 27% der KMUs haben vor allem Ertragsprobleme; sie verfügen zwar über mehr als 10% Eigenkapital, machen aber zu wenig Gewinn (0 2,5% der Betriebsleistung) bzw. arbeiten sogar mit Verlust. Die Sandbau-Unternehmer: 12% der KMUs erwirtschaften zwar ausreichende Gewinne (über 2,5% der Betriebsleistung), haben aber zu wenig Eigenkapital (0 10% des Gesamtkapitals). Die Löcherstopfer: 13% der KMUs haben sowohl Finanzierungs- als auch Ertragsprobleme. Gewinne zwischen 0 und 2,5% bedeuten, dass real Substanz verloren geht. Die ohnehin niedrige Eigenkapitalausstattung (0 10%) verschlechtert die Überschuldungssituation. Die Insolvenz-Kandidaten: 23% der KMUs befinden sich in einer betriebswirtschaftlich sehr schlechten Situation: Sie sind überschuldet und können die Kosten nicht decken. In dieser Position sind in der Regel weitreichende Sanierungsmaßnahmen (Zuführung von Eigenkapital, Reduzierung der Fixkosten, strategische Neuausrichtung des Unternehmens etc.) erforderlich Kleinstbetriebe Kleinbetriebe Mittelbetriebe KMUs gesamt Großbetriebe Eigenkapitalquote in % 9,2 19, ,5 34,3 Umsatzrendite in % 1,6 2,4 2,3 2,3 4 Es gelte, die qualifizierten Fachkräfte im Betrieb zu halten. In Kurzarbeit seien nur etwa bis Arbeitnehmer, wie die Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer wissen ließ. Dabei seien die Krisenfolgen unübersehbar. Die Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria weist unter den heimischen Gewerbe- und Handwerksbetrieben für das dritte Quartal des Jahres einen Rückgang des durchschnittlichen Auftragsbestandes um 7% aus. Verantwortlich dafür wäre sowohl die negative Entwicklung der privaten und gewerblichen Aufträge ( 7,2%) als auch der öffentlichen Nachfrage ( 5,7%). Die Entwicklung werde aber von den Unternehmen bislang abgefangen. Mit Jahresende werde sogar ein geringer Zuwachs um Beschäftigte erwartet. Unübersichtlichkeit prägt die Situation. Während KMU-Forscher Walter Bornett von sehr zurückhaltenden Erwartungen für das vierte Quartal spricht, veröffentlicht das Innsbrucker Meinungsforschungsinstitut SOFFI eine Umfrage unter Tiroler KMUs, bei der 72 bis 82% aller befragten Unternehmen je nach Wirtschaftssparte keine oder nur minimale Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Subjektive Erfahrungen stärken den Eindruck der individuellen Unverwundbarkeit: Häuslbauer, die für ihre Baustelle noch bis Jahresende Professionisten suchen, sehen sich einem leergekauften Angebotsmarkt gegenüber. Wer vor Weihnachten einen Installateur oder Elektriker braucht, wird sich sehr anstrengen müssen. Bankenvorstände, sonst Seismografen der unternehmerischen Befindlichkeit, geben sich in Bezug auf Prognosen vorsichtig. Wir wissen nicht, was kommt, meint Thomas Uher, Kommerzkundenvorstand der Erste Bank. Für ihn stehe die Stabilisierung auf dünnem Eis, das leicht brechen kann. Die Volkswirte der OenB sehen es ähnlich: Sie prognostizieren für das dritte und vierte Quartal jeweils 0,4% Wirtschaftswachstum in der Alpenrepublik, um sofort wieder zu relativieren: Angesichts der noch ausstehenden Bestätigung durch Hard Facts wie Industrieproduktion und Exporte ist das Prognoserisiko überdurchschnittlich groß. Niemand traut dem Frieden. Innovation als Krisenmedizin Peter Ziger hat beruflich ein spannendes Jahr hinter sich. Der technische Leiter des steirischen Hightech-Unternehmens Plasmait blickt auf 12 Monate zurück, in denen sein Unternehmen die ersten Produkte mit neuer Plasmait-Technologie liefern konnte. Die Apparate können Drähte, Rohre und andere Endlosmaterialien reinigen und thermisch behandeln, ohne den Zustand der behandelten Materialien zu verändern. Mit Plasma behandelte Oberflächen sind chemisch rein und verfügen über eine äußerst feine Struktur. All diese Eigenschaften sind bei nachfolgenden Beschichtungen des Materials unverzichtbar. Oberflächenreinigung und Behandlung können mit Plasmait-Geräten bis zu 20 Mal schneller und mit mindestens 50% höherer Ener- 8 unternehmer

8 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Auf dem Holzweg Der Start war politisch aufgeregt. Anfang der 1980er Jahre erkannten friedensbewegte Atomkraftgegner, dass Ansteckbuttons ein massenkompatibles Medium darstellen. Es gab kaum einen 18-Jährigen, der damals nicht ein Statement per Sticker abgeben wollte. Heute finden sich die Anstecker immer noch auf politischen Kundgebungen, wenn auch mehr innerparlamentarisch. Parteien zählen zu unseren wichtigen Kunden, erzählt Hannes Schmitz. Erste Ansprechpartner für sein 6-Mitarbeiter-Unternehmen seien aber Werbefirmen: Über Agenturen platzieren wir unsere Buttons in praktisch jedem Gesellschaftsbereich, so Schmitz. Die Kundenpalette umfasst Schulen, Kindergärten bis hin zu Jugendrotkreuz und Jungschar. Drei Millionen Anstecker heften sich die Österreicher jährlich an die Brust, rund ein Drittel davon kommt aus den Pressen des Wiener Unternehmens (www.buttons4you.at). Es war mir immer ein Dorn im Auge, dass unsere Produkte nicht kompostierbar waren, beschreibt Schmitz den Grund, warum er begann, nach biologisch verträglichen Alternativen zum gängigen Rohmaterial Blech zu suchen. Der Anstieg der Rohstoffpreise hat die Umsetzung der Idee beschleunigt. Es gab Zeiten, wo es bei der Versorgung mit Rohlingen zu unakzeptablen Lieferverzögerungen gekommen ist, erinnert sich Schmitz an vergangenen Ärger. Zelluloser Ausweg. Schmitz suchte nach Lösungen und stieß dabei auf flüssiges Holz oder wie es unter Experten heißt Wood Plastic Composites (WPC). Dabei handelt es sich um Verbundmaterialien aus thermoplastischen Kunststoffen und Holzfasern, die im Fall der Buttons über Spritzguss verarbeitet werden. Das Problem, das es zu lösen galt: Die Ober- und Unterteile, die bislang aus Blech kalt gepresst wurden, mussten durch WPC-Teile ersetzt werden, die alle Funktionen der Metallteile erfüllen und sich in weit verbreiteten Buttonpressen verarbeiten lassen. Schmitz fand auch für die Plastikhüllen Ersatz, in die herkömmliche Blech-Anstecker verschweißt werden. Folien aus Maisstärke zeigen den gleichen Transparenzeffekt wie Kunststoff und verrotten ohne jeden Rückstand. Die Idee war in ihren Grundzügen geboren. Ich suchte professionelles Feedback, ob meine Überlegungen überhaupt Sinn machen, so Schmitz. Forschungspartner ACR. Das ACR-Institut Holzforschung Austria zählt zu den Wegbereitern des Werkstoffes WPC. Die Wissenschaftler waren logische Ansprechpartner für eine Machbarkeitsstudie, die klären sollte, ob die technischen Voraussetzungen der WPC-Materialien ausreichend sein werden. Der Haken lag bei dem von Schmitz erdachten neuartigen WPC-Verschluss, dessen Funktionsfähigkeit evaluiert werden sollte. Wir haben von der Zusammenarbeit mit dem ACR-Institut sehr profitiert, lobt der Wiener Unternehmer die Partnerschaft. Die Untersuchung der Holzforschung Austria brachte etliche Hinweise, wie das Konzept von Schmitz verbessert umgesetzt werden kann. Das Feasibility-Programm der FGG übernahm einen Großteil der Studienkosten. Hohe Akzeptanz. Hannes Schmitz will mit Beginn des Jahres mit der Produktion der Öko- Buttons starten. Es war immer Bestandteil des Konzepts, dass der Umstieg auf Holzbuttons für die Kunden ohne große Mehrkosten bleibt, kennt der Wiener Unternehmer die Endlichkeit der ökologischen Begeisterung. Der Markt scheint bereit: 125 Werbeagenturen sagten nach einer ersten Produktpräsentation bereits Pilotaufträge zu. Der Businessplan von Hannes Schmitz nennt dazu auch Zahlen: Wir gehen von einem Bedarf an Holzbuttons bei unseren Abnehmern von etwa Stück für das Jahr 2010 und von etwa Stück für das Jahr 2011 aus. Gute Ideen zahlen sich aus. Hannes Schmitz hat den ersten Öko-Ansteckbutton aus abbaufähigen Holzverbundstoffen auf den Markt gebracht. Kommendes Jahr sollen bereits Holzsticker ihre Botschaften ins Land tragen. unternehmer 9

9 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Für Walter Bornett, Geschäftsführer der KMU Forschung Austria, ist die Krise noch nicht ausgestanden: Derzeit erwirtschaften 15% der KMUs ausreichenden Ertrag bei stabilem Eigenkapital. Der Rest ist stabil bis gefährdet. Der Übergang zwischen Substanzverzehr und Insolvenzantrag ist nur ein schmaler. gieeffizienz durchgeführt werden, trommeln die Lebringer Unternehmer. Die chemische Reinigung der Metalloberflächen durch Säuren, Laugen und Lösungsmittel könne aus der Produktion verbannt werden. Die Idee gefiel auch den Juroren des ACR- Kooperationspreises, die Plasmait im November des Vorjahres auszeichneten. Wir bieten auf unserem Gebiet Technologie, die den Unternehmen Geld sparen hilft, zeigt sich Ziger mit dem ersten operativen Geschäftsjahr sehr zufrieden, wir haben Geräte an Zielkunden verkauft, von denen wir wissen, dass sie mehr als eines brauchen. Sind die Tests bestanden für Ziger nur eine Frage der Zeit rechnet er mit namhaften Folgeaufträgen bei Anschaffungswerten weit über Euro pro Gerät. Ziger Wir haben einfach die bessere Technologie. Innovative Produkte sind das beste Mittel gegen Krisenkater. Forschung und Entwicklung sind für das Unternehmen wie für die Staatskasse ein Geschäft. In Österreich spült ein Forschungseuro den Unternehmen 26 Umsatzeuro in die Kassa, ergab eine Analyse der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Wie wichtig Innovationsförderung der öffentlichen Hand ist, unterstreicht eine andere Berechnung der Joanneum Research: Ein Euro Forschungsförderung induziere mittelfristig 0,85 zusätzliche Gesamtausgaben für F&E des Unternehmens, heißt es dort in einer Untersuchung. Walter Bornett teilt die Ansicht seiner Grazer Kollegen: Unternehmen, die Forschung betreiben, stehen auf gesünderen Beinen als jene, die nur reaktiv ihre Geschäfte verstehen. für innovationsbegeisterte KMUs zur Verfügung. In der vergangenen Ausschreibungsphase wurden rund 70 Projekte mit 17 Millionen Euro unterstützt. Das Interessante an COIN: Es werden zu 60% der Forschungskosten gefördert. Voraussetzung ist, dass sich ein Konsortium findet, bestehend aus mindestens drei Unternehmen, davon mindestens zwei KMUs. Optional können sowohl weitere Unternehmen als auch Forschungseinrichtungen dazustoßen. Rudelbildung ist ausdrücklich erwünscht. Wie COIN funktionieren kann, zeigt das Projekt der Mobilen Energietankstelle (ETS). Ein Konsortium von Unternehmens- und wissenschaftlichen Partnern konzipierte im Vorjahr ein flexibles, modular gestaltbares und kostengünstiges Tankstellensystem, das in einer Pilotphase erprobt wird. Die mobilen Tankstellen sollen Elektrofahrzeuge und Hybridautos mit Strom und Wasserstoff versorgen. Die Forschungsgruppe besteht aus sechs Unternehmen (Automotive Solutions, Bitter, Ferrobotics, Fronius, Graf, Peak Technology), fünf davon sind KMUs, aus zwei wissenschaftlichen Partnern (LKR Ranshofen und FH OÖ F&E) und dem Technologiezentrum TIC Steyr als Netzwerkkoordinator. Diese Tankstellen sind als Containerlösung ausgelegt und deshalb rasch aufstellbar, erhalten rasch die behördlichen Bewilligungen und sind mobil. Dabei sollen die Tankstellen sowohl strom- als auch wasserstoffseitig mit primär regenerativer Energie beschickt werden (so wird der Wasserstoff aus Photovoltaik gewonnen). Solide Subventionen Der Zusammenhang zwischen Innovationskraft und Krisenresistenz bleibt der Wirtschaftspolitik nicht verborgen. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner plant in seinem KMU-Paket 09 einen Ausbau maßgeschneiderter Förderprogramme (siehe Interview S. 13). So soll der erfolgreiche Innovationsscheck, der KMUs an Projekte und Forschungskooperationen heranführen soll, ab dem Jahr 2010 in einer höheren Fördersumme von 10- bis Euro ausgegeben werden. Bislang berechtigte der Scheck zum Bezug von Forschungsdienstleistung im Gegenwert von Euro. Allerdings soll es künftig einen Selbstbehalt für den Antragsteller geben. Neben dem Innovationsscheck plant das Wirtschaftsministerium eine Aufstockung des Innovationsförderprogramms COIN (Cooperation & Innovation). Dabei steht ein Volumen von 21,8 Millionen Euro Forschen trotz Krise Krisenzeiten bergen die Gefahr, dass F&E-Budgets gekürzt werden. Für heuer prognostiziert die Industriellenvereinigung bei Investitionen in Forschung und Entwicklung ein Minus von 6%. Die schwierige Ertragslage sowie höhere Hürden bei der Kreditaufnahme seien dafür die Hauptgründe, meinen die Lobbyisten vom Schwarzenbergplatz. Die Großen beugen sich dem Spartrend. Nachdem jahrelang der private Unternehmenssektor die treibende Kraft für die steigenden Finanzierungsvolumina von Forschung und Entwicklung in Österreich darstellte, geht diese Dynamik nun abrupt zu Ende. Der Forschungs- und Technologiebericht 2009 ortet einen Rückgang der österreichischen F&E-Ausgaben aus dem Ausland. Diese Verringerung sei auf die sinkende Finanzierung multinationaler Konzernunternehmen für die F&E-Aktivitäten ihrer österreichischen Töchter zurückzuführen. 10 unternehmer

10 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Der grüne Baustoff Die Idee ist bestechend: Bauteile für Wärmedämmung oder Brandschutz auch direkt auf der Baustelle gießen. Jeder Bauherr soll sich seinen Bauteil selbst gießen können. Füllungen sollen ebenso auf der Baustelle machbar werden wie die Herstellung von formgebenden Baukörpern. Bislang gab es dabei stets ein Problem: Die bekannten Materialien wie Ton oder andere Mischungen mussten gebrannt werden und bei Mineralschaumprodukten in sogenannten Autoklaven bei mindestens 180 Grad ausgehärtet werden. Neben dem erheblichen Energieaufwand war eine Vor-Ort-Verarbeitung von diesen Mineralschaumprodukten bisher nicht möglich, erklärt Michael Schmid die Bedarfslücke für aushärtende Mineralschäume. Schmid ist Leiter der Geolyth Mineral Technologie GmbH und gerade dabei, nach jahrelanger Entwicklungszeit den Baustoff Geolyth auf den Markt zu bringen. Geolyth ist ein aus Mineralstoffen hergestellter, recyclebarer Mineralschaum, der in jede Form gegossen und je nach eingestellter Dichte und Porosität für Dämmungen, tragende Bauteile oder als Brand- oder Schallschutz verwendet werden kann. Das in zäh- bis dünnflüssiger Form verarbeitete Baumaterial härtet ohne Brennvorgang von selbst aus. Neben seiner leichten Einsetzbarkeit setzt Schmid auf die speziellen Eigenschaften von Geolyth: Das Material verfügt über eine hohe Hitzebeständigkeit und erfüllt alle Anforderungen für die Füllung von Brandschutztüren oder Brandschutzwänden. Zudem weist es hervorragende Eigenschaften speziell für Innendämmungen auf: Es findet in Plattenform oder als frei aufgetragene Außenbeschichtung von Kellerwänden oder Mauern Verwendung. Geolyth zeigt gleich gute oder bessere Isoliereigenschaften auf wie herkömmlicher Dämmschutz auf Kunststoffbasis. Für Schmid ist das Kern-Asset von Geolyth aber seine Umweltverträglichkeit. Unsere Technologie erlaubt eine sichere Entsorgung und Verwertung der mineralischen Abfallstoffe, unterstreicht der Baustoffexperte. Die aktuell verwendeten Dämmungen auf Kunststoffbasis haben den großen Nachteil, dass sie mehr oder minder das Haus in eine Schicht aus Plastik einpacken, die als Sondermüll zu entsorgen ist. Das Trauner Unternehmen mit sechs Mitarbeitern steht jetzt am Ende seiner fünfjährigen Entwicklungszeit. Wir sind markt- und lieferfähig, betont Schmid. Zurzeit werden Baustoffhersteller und Messen besucht, um den atmungsaktiven Mineralschaum vorzustellen. Außerdem ist die Lizenzvergabe für Produktionsprozesse samt Verkauf der Geolyth-Pulver-Mischung an Betriebe geplant, die diese Schäume dann selbst erzeugen und in deren Bauteile einbringen. Risikokapital. Die Geolyth Mineral Technologie ist dabei, erstmals seit ihrem fünfjährigen Bestehen Umsätze zu machen. Bislang wurde das Unternehmen mittels Private-Equity-Beteiligung und Fördermittel finanziert. Mittel des FFG-Basisprogramms machten dabei die finanziellen Bürden etwas leichter. 25% der 1,4 Millionen Forschungskosten wurden von öffentlicher Hand übernommen. Wesentlich für den Projekterfolg war die Kooperation mit dem ACR-Mitglied Bautechnisches Institut (BTI) Linz. Durch das Know-how und die Erfahrungen des BTI konnten wir immer wieder Kosten und Zeit sparen, lobt Schmid die Kooperation, die Zusammenarbeit füllte Lücken, die sonst zu einer Verzögerung der Marktreife geführt hätten. Die Partnerschaft werde auch künftig Früchte tragen, versichert der Geolyth-Manager. Gute Entwicklungspartnerschaften haben immer Zukunft. Geolyth soll die gebräuchliche Palette an Baumaterialien völlig umkrempeln. Der selbst aushärtende Baustoff verfügt über hervorragende Dämm- und Brandschutzeigenschaften und kann vor Ort verarbeitet werden. GF Michael Schmid (unten) betont die Recyclebarkeit und Atmungsaktivität des neuen Materials. unternehmer 11

11 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Forschungsquoten im Internationalen Vergleich Schweden Finnland Österreich Dänemark Deutschland Frankreich EU 27 Großbritannien Niederlande Norwegen Irland Spanien USA 3,6 3,47 2,56 2,55 2,54 2,08 1,85 1,79 1,7 1,64 1,31 1,27 2,67 Aber es findet sich Ersatz: Der Bund (und auf niedrigerem absolutem Niveau auch die Länder) übernimmt nunmehr die Vorreiterrolle, was die Entwicklung der F&E-Finanzierung in Österreich betrifft. Trotz oder wegen der Krise hat der öffentliche Sektor seine Innovationsausgaben weiter erhöht und zwar mit ca. 9% in beachtlichem Ausmaß. Der Bund hat heuer rund 210 Mio. Euro mehr in die Hand genommen als letztes Jahr, um den heimischen Innovationsdrang mit insgesamt 2,5 Mrd. Euro am Leben zu halten ein Faktum, das international beachtlich ist. In Deutschland und Großbritannien wird die F&E-Quote 2009 abnehmen. Insgesamt gelingt es Österreich in Verein mit dem sinkenden BIP, das ja als Divisor in die Berechnung eingeht die Forschungsquote auch im Jahr 2009 auf prognostizierte 2,73% zu steigern. Damit liegt Österreich europaweit an dritter Stelle nur Schweden und Finnland investieren relativ zu ihrer Wirtschaftsgröße mehr als die Alpenrepublik. 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 Angaben in %, Quelle: Eurostat, Stand 2007 Bruttoinlandsausgaben für F&E ,73 Bruttoinlandsausgaben für F&E (in Mio. EUR) Bruttoinlandsausgaben für F&E in % des BIP ,27 Quelle: Statistik Austria 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 Es hat sich etwas getan im Staate Österreich. Das einstige Kellerkind in Sachen Forschung und Entwicklung ist seit Mitte der 1990er Jahre dabei, seine Innovationskraft durch gesteigerte Aufwendungen in den Betrieben und besser dotierte Forschungseinrichtungen deutlich zu stärken. Die österreichischen F&E-Ausgaben übertreffen heute den Durchschnitt der EU-Mitglieder von 1,85% (Werte 2007) bei weitem betrug die entsprechende Quote 1,1% des BIPs gegenüber einem Schnitt der EU-15 von 1,64%. Mit rund 7,65 Milliarden Euro nehmen Österreichs Unternehmen und staatliche Agenturen mittlerweile gehöriges Kapital in die Hand. Strukturell zeigt sich aber ein Defizit. Kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern tätigen nur 44% aller Forschungsausgaben, obwohl sie 99% aller heimischen Betriebe und 70% der Wirtschaftsleistung repräsentieren. Knut Consemüller, Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, beschrieb die Situation im Gespräch mit dem UN- TERNEHMER als unbefriedigend. Wir haben volle Fördertöpfe und zu wenig Projekte, für die das Geld verwendet werden kann. Zumindest 2009 könnte sich die Sachlage ändern. Wir haben ein Realbild, das dem negativen Wirtschaftszyklus nicht entspricht, erzählt Klaus Pseiner, Geschäftsführer der FFG, vom regen Zuspruch an die Förderprogramme des Bundes. Er berichtet von einem diesjährigen Anstieg der Nachfrage nach öffentlichen Forschungsfinanzierungen um 10%. Innovation ist die beste Medizin gegen die Krise. 12 unternehmer

12 Rezepte gegen die Krise Kooperationspreis 2009 Biomasse-Energie für den Globus Polytechnik steht dort, wo Österreichs Wirtschaftspolitik seine Unternehmen immer hinbringen will. Das Unternehmen aus Weissenbach an der Triesting zählt mit seinen 100 Mitarbeitern in Österreich zu den Technologieführern im Bereich der Hersteller von biogenen Verbrennungsanlagen und zwar weltweit. Anlagen in Japan, Korea, Chile und anderen nahen und fernen Exportmärkten zeugen von globaler Präsenz. Die Exportrate liegt bei 90%. Derzeit wichtigster europäischer Markt ist Frankreich: Im Atomstromland Nummer 1 setzen immer mehr Kommunen und Betriebe auf Biomasse-Energie. Innovation ist in unserer jungen Branche der wesentliche Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb, weiß Leo Schirnhofer, Gründer und Lenker des Unternehmens. Polytechnik wurde der Kooperationspreis 2009 für die Entwicklung einer neuen Feuerungsanlage zuerkannt, die den jeweiligen Ansprüchen der Anlagenbetreiber folgt. Der Kessel kann an die Beschaffenheit der eingesetzten pelletierten bzw. rieselfähigen Brennstoffe aus Holz oder aus landwirtschaftlicher Produktion (Elefantengras, Triticale, Mais,...) angepasst werden. Die Befeuerung sowie die Geometrie des Feuerraums orientieren sich an Art und Qualität des verwendeten Brennmaterials. Dadurch erweitert sich das Brennstoffportfolio und erlaubt dem Betreiber die größtmögliche Flexibilität in seiner Rohstoff- Versorgung. Wirkungsgrad und Emissionen werden stets auf optimalem Level gehalten. Dies bedeutet einen wesentlichen Vorteil zu herkömmlichen Biomasseanlagen im mittleren Leistungsbereich (300 kw 20 MW Einzelkessel). Rasche Marktreaktion. Zweiter großer Vorteil der prämierten Polytechnik-Entwicklung ist die modulare Anlagenkonzeption mit definierten Schnittstellen. Leo Schirnhofer: Wir sind dadurch in der Angebots- und Produktionsphase wesentlich schneller beim Kunden. Je nach gewünschter Nennwärmeleistung kann dem Kunden rasch ein optimiertes Produkt mit einem günstigen Preis-Leistungs- Verhältnis angeboten werden. Schirnhofer: Damit punkten wir in den neuen Zielmärkten Asiens, wo wir oft mit Billiganbietern zu tun haben. Die Schnelligkeit der Abwicklung bringt große Vorteile. Polytechnik-Anlagen gehen früher ans Netz als andere. Kooperation mit ACR-Partner. Die variablen Biomasse-Feuerungsanlagen aus Weissenbach wurden nach einem zweijährigen Entwicklungsprozess zur Marktreife gebracht. In Summe wurden rund 40% der Euro Entwicklungskosten über das Basisprogramm des FFG gefördert. Leo Schirnhofer: Wir hätten das Programm auch ohne Förderung durchziehen müssen. Aber dann wäre dies nur über Learning by Doing gegangen und hätte uns viel später in den Markt gehen lassen. Für die Entwicklung des modularen Aufbaus waren Berechnungsparameter für den Kessel notwendig, die nur über wissenschaftliche Vorgaben und Testreihen zu ermitteln waren. Hier kam es zum wiederholten Mal zu einer Kooperation mit dem ACR-Partner Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik (ofi) in Wien, das wichtige Untersuchungen bei der Rostentwicklung, Brennstoffanalysen und -auswahl sowie Vor-Ort-Messungen des Emissionsvolumens einbrachte. Von großer Bedeutung war der ofi-beitrag zur Entwicklung der selbst lernenden CO-lambda-Regelung, das Herzstück der flexiblen und modular zu installierenden Verbrennungsanlage: Sie ermöglicht die optimale Verbrennung (Ausbrandoptimierung) und somit die höchstmögliche Flexibilität des Systems. Leo Schirnhofer: Wir sind stolz, dass wir in unserer Branche die Standards setzen. Innovationskraft ist auch eine Frage der richtigen Partner. Der Aufbau einer Biomasse- Anlage im russischen Lesozavod (Inbetriebnahme 2008) sorgte bei den Polytechnik-Ingenieuren bei minus 40 Grad für klamme Finger. Das Weissenbacher Unternehmen hat gemeinsam mit ACR-Instituten eine Befeuerungsanlage entwickelt, die mit verschiedensten rieselfähigen Bio-Brennstoffen beschickt werden kann. Die aufwändige Forschungsstrategie von Gründer Leo Schirnhofer (im Bild mit Tochter Pia, Projektmanagerin im Unternehmen) machte Polytechnik zum Technologieführer einer noch jungen Branche. unternehmer 13

13 Innovation für KMUs Interview Neues Kraftpaket für den Mittelstand Starke Impulse für den Aufschwung: Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner setzt auf die erweiterte Förderung von Innovationen und verbessert die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Betriebe. Viele KMUs brauchen bei ihren F&E-Projekten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern benötigen auch Entwicklungspartner. Die ACR vermittelt erfolgreich beides. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Herr Minister, praktisch jede Regierung der vergangenen 20 Jahre hat betont, dass ihr Forschung und Entwicklung (F&E) ein besonderes Anliegen sei. Aktuell haben Sie große Bereiche der nationalen Innovationspolitik in Österreich zu verantworten. Wie erfolgreich sind Sie? Reinhold Mitterlehner: Die Förderung von Innovationen ist ein zentrales Ziel des Wirtschaftsministeriums. Denn gerade Erfolge im Forschungs- und Entwicklungsbereich können Österreich wieder auf einen starken Wachstumskurs bringen. Dass wir hier bereits richtig unterwegs sind, hat im September auch die Europäische Union bestätigt. Laut einer Eurostat-Untersuchung liegt Österreich bei der Forschungsquote bereits auf dem dritten Platz unter den 27 EU-Mitgliedsländern. Ebenfalls unter den Top drei ist unser Land beim Anteil der Unternehmen mit Innovationstätigkeit. Darauf ruhen wir uns aber nicht aus, wir arbeiten an einer weiteren Verbesserung unserer Position. Stehen für Innovationsförderungen ausreichend Mittel zur Verfügung? Die für diese Erfolge notwendigen Fördermittel werden trotz der in vielen Bereichen angespannten Budgetlage nicht gekürzt, sondern um weitere Impulse ergänzt. So unterstützt das Wirtschaftsministerium weiterhin den erfolgreichen Innovationsscheck, über den KMUs Euro für Machbarkeitsstudien sowie zur Vorbereitung von Forschungstätigkeiten erhalten. Angesichts der großen Erfolge ist sogar eine Ausweitung angedacht. Schon 27% der geförderten kleinen und mittleren Betriebe haben zusätzliche Innovationsaktivitäten gesetzt. Hier kooperieren die Austria Cooperative Research (ACR) und die Partnerinstitute sehr erfolgreich mit den mittelständischen Unternehmen. Langfristig wird Österreich jedenfalls keinen Kostenwettbewerb, sondern nur einen Qualitäts-, Technologie- und Innovationswettbewerb gewinnen können. Dabei ist die Vernetzung unserer F&E-Ressourcen von enormer Bedeutung. Kritiker monieren, dass Forschungsförderung ein Instrument sei, dessen Bedienung nur der Großindustrie vorbehalten bleibe? Ein Vorurteil, dem wir schon lange mit aller Vehemenz entgegentreten. Viele Forschungsförderungs- Angebote wie etwa die steuerlichen Freibeträge und die Forschungsprämie sind für KMUs genauso geeignet wie für Großbetriebe. Spezielle KMU-Initiativen wie der Innovationsscheck oder das Förderprogramm COIN (Cooperation and Innovation) runden das Angebot ab. Des Weiteren sind die Kooperativen Forschungsinstitute zusammengefasst in der ACR wichtige Partner der Klein- und Mittelbetriebe. Gerade die ACR ist eine Einrichtung, die für die Bedürfnisse des Mittelstandes eingerichtet wurde. Dadurch können kleine und mittlere Unternehmen ohne Schwellenängste mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Zudem kommen KMUs über die ACR auch mit universitären und internationalen Forschungseinrichtungen in Kontakt, die sonst für einen Kleinbetrieb nicht unbedingt zum ersten Adressatenkreis zählen. Besonders die Preisträger des Kooperationspreises liefern anschauliche Beispiele dafür, wie Kleinunternehmen mit 5 bis 10 Mitarbeitern erstaunliche Innovationsleistungen abliefern. Gerade weil wir mit diesen Initiativen am besten die Bedürfnisse des Mittelstandes im Innovationsbereich abdecken, ist das Wirtschaftsministerium der wichtigste finanzielle Förderer der ACR. Viele KMUs brauchen bei ihren F&E- Projekten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern benötigen auch Entwicklungspartner. Die ACR vermittelt erfolgreich beides. Die Wirtschaftskrise scheint ihren Tiefpunkt erreicht zu haben. Was kommt jetzt auf uns zu? Trotz der bisherigen Erfolge im Krisenmanagement wird der Weg zu gesunden Wachstumsraten ein 14 unternehmer

14 Innovation für KMUs Interview langer und steiniger werden. Um gestärkt aus der Krise hervorzugehen, müssen die Unternehmen den Strukturwandel vorantreiben und sich in zahlreichen Bereichen anders positionieren. Umso erfreulicher ist es, dass gut geführte Firmen die Krise auch als Chance wahrnehmen und sich von der Markt- und Angebotsseite her neu aufstellen. Zugleich investieren sie massiv in Forschung und Entwicklung, um die wichtigsten Zukunftstrends in ihren Branchen selbst prägen zu können. Jedenfalls ergeben sich gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen zusätzliche Geschäftsfelder und Chancen etwa in der Umwelt- und Energietechnik. Was erwarten Sie sich vom neuen KMU-Paket des Wirtschaftsministeriums? Es ist ein echtes Kraftpaket für den unternehmerischen Mittelstand. Das KMU-Paket 09 erleichtert Finanzierungen, reduziert Bürokratie, sorgt für mehr Innovationsförderung und bringt ein besseres Image durch ein neues Gütesiegel für Meisterbetriebe. Darüber hinaus streben wir eine schnelle GmbH- Reform an, um zusätzliche Impulse gegen die Rezession zu setzen. Die Kosten einer Unternehmensgründung und deren Dauer sollen deutlich sinken. Große Erwartungen haben wir auch in die bereits umgesetzte Reform des öffentlichen Vergabeverfahrens. Davon profitieren besonders regional aktive Kleinund Mittelbetriebe, weil etwa Gemeinden Aufträge bis Euro direkt also ohne komplizierte Ausschreibung an sie vergeben können. Welche Rolle wird in Hinkunft die aws übernehmen? Die Finanzierungsunterstützungen sollen von Unternehmen noch leichter in Anspruch genommen werden können. Es wird straffere Verfahren, Zinssenkungen und spätere Kredit-Rückzahlungen geben. Die aws hat am 1. Oktober beispielsweise bei den stark nachgefragten ERP-Kleinkrediten den Fixzinssatz von 2 auf 1,5% gesenkt. Dazu kommt, dass die Unterstützungen schon ab dem ersten Verwendungsnachweis und nicht erst nach Fertigstellung der Investition angewiesen werden. Das bedeutet, dass die Mittel rascher im Unternehmen ankommen. Zudem verhandeln wir mit dem Finanzministerium, inwiefern wir bei Haftungen für Kreditvergaben mehr Risiko nehmen können. Wir sind ja nicht mehr in einer Liquiditäts-, sondern in einer Bonitätskrise. Geld steht bei Banken mittlerweile wieder zur Verfügung, allerdings sind deren Anforderungen an die Sicherheiten gestiegen. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hat ein drittes Konjunkturpaket zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen gefordert. Sie haben sich in mehreren Interviews ablehnend geäußert. Warum? Konjunkturpakete muss man richtig dosieren und zum richtigen Zeitpunkt einsetzen. Wir haben zwei umgesetzt; wenn jetzt schon wieder ein neues am Horizont auftaucht, werden Investitionen möglicherweise in der Hoffnung auf dieses Paket aufgeschoben. Außerdem soll der Staat so wenig wie möglich in die Marktwirtschaft eingreifen. Wenn man immer weitere Impulse zur Ankurbelung der Nachfrage setzt, erzeugt das eine Künstlichkeit auf dem Markt, die zu einem noch größeren Problem führen kann. Aber Maßnahmen wie die Förderung der thermischen Sanierung haben einen privaten Investitionsboom gebracht, der für mittelständische Unternehmen des Bau- und Baunebengewerbes stark wirksam wurde. Dafür gibt es keine Fortsetzung? Die Förderungsaktion war ein großer Erfolg bei den privaten Haushalten: Die 50 Millionen Euro waren innerhalb weniger Wochen ausgebucht und wir haben kurzfristig auf 64 Millionen aufgestockt. Rund Haushalte haben damit ihren Energieverbrauch reduziert. Die Förderung betrug durchschnittlich Euro pro Haushalt, womit die Haushalte an Österreichs Unternehmen Aufträge von 520 Millionen Euro vergeben haben. Darüber hinaus haben wir die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema Energiesparen gelenkt. Das sehe ich auch als wichtige Aufgabe einer Regierung: die Konsumausgaben der privaten Haushalte in die richtige Richtung zu lenken, ohne neue Vorschriften zu erlassen. Also keine Fortsetzung? Wir arbeiten derzeit gerade am Gesamtenergieplan. Der soll bis Ende des Jahres fertig werden. In diesem Zusammenhang sind auch weitere Anreize für die thermische Sanierung, aber natürlich auch für alternative Energien angedacht, weil damit neue Zukunftsfelder im technologischen Bereich eröffnet werden. Die Mittel dafür sind aufgrund unserer vorangegangenen Konjunkturanstrengungen limitiert. Aber es wird etwas geben. Am Schluss zur Kehrseite der Medaille: Zusammen mit den Bundesländern hat die Regierung 4,2% des Bruttoinlandsprodukts in Konjunkturmaßnahmen sowie in die Stärkung der Kaufkraft investiert. Wie wird die Rechnung beglichen? Die bequemste Art, diese Schulden loszuwerden, wäre ein einigermaßen konstantes Wirtschaftswachstum. Wir brauchen mindestens 2% Wachstum, was wir mittelfristig durchaus erreichen können. Der zweite Ansatzpunkt ist der Verwaltungsbereich, hier müssen wir kostendämpfend agieren auch um international konkurrenzfähig zu bleiben. Langfristig wird Österreich keinen Kostenwettbewerb, sondern nur einen Qualitäts-, Technologie- und Innovationswettbewerb gewinnen können. Dabei ist die Vernetzung unserer F&E-Ressourcen von enormer Bedeutung. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. unternehmer 15

15 Innovation für KMUs Kollektive Forschung Gemeinsame Stärken Mitbewerber müssen zu Partnern werden. Kollektive Forschung bringt mittelständischen Unternehmen den Zugang zu grundlegenden Innovationen ihrer Branche. Die Entwicklungen bringen entscheidende Wettbewerbsvorteile auf der Produktions- und Produktebene. Das CORNET-Projekt TATTOO entwickelte für die boomende Branche der Hautkünstler wissenschaftlich fundierte Qualitätskriterien für Material und Hygiene. Bis dahin wurden Farben verwendet, die auch als Autolacke eingesetzt werden konnten. Wir suchten nach Standards, die diese höchst anspruchsvolle Tätigkeit auf einem zufriedenstellenden Niveau regelt, erklärt Hermann Talowski, Bundesinnungsmeister der Kosmetiker, Fußpfleger und Masseure (Bild unten) wurde in einer Verordnung des Wirtschaftsministeriums die Beschaffenheit von unbedenklicher Tätowierfarbe auf Basis der CORNET-Ergebnisse geregelt. Holz hat Charakter. Es lässt sich nicht beliebig verbiegen. Und es geht nur selten Verbindungen ein. Der Verbund von Holz mit Kunststoffbeschichtungen kennt unzählige Facetten. Er reagiert unter verschiedenen Bedingungen sehr unterschiedlich, beschreibt Robert Putz seine berufliche Herausforderung. Er ist Leiter des Forschungsbereiches Holz-Polymer-Verbundwerkstoffe der ober-österreichischen Kompetenzzentrum Holz GmbH, die sich mit Erforschung und Entwicklung des Werkstoffes Holz auseinandersetzt. Die Erhöhung der Witterungsbeständigkeit von Holz ist dabei ein ständiges Thema. Ziel ist es, den natürlichen Werkstoff als Terrassendiele oder Fassadenverkleidung ohne mittelfris-tige Ablaufzeit einsetzen zu können. Verbundwerkstoffe aus Holz und Kunststoff gelten als mögliche Lösung, die Haltbarkeit des biogenen Werkstoffes dramatisch zu erhöhen. Die Schwierigkeit dabei ist die große Abneigung, die die beiden Materialien von Natur aus zueinander hegen. Wir forschen und testen, unter welchen Bedingungen Holz und Kunststoff am besten harmonieren, erklärt Putz. Dem hohen Forschungsbedarf bei Holz steht europaweit eine klein strukturierte Möbel-, Holzbau- und Tischlereibranche gegenüber, in der es nur wenige große Leitbetriebe gibt. Für die klein- und mittelständischen Betriebe unserer Branche sind große Investitionen in den Forschungs- und Entwicklungsbereich aus eigener Kraft kaum finanzierbar, weiß Jürgen Müller, Manager des Möbel- und Holzbau- Clusters in Oberösterreich. Seine Aufgabe ist es, durch Vernetzungen kleinen Unternehmen Zugang zu den großen Entwicklungen der Holz- und Möbelbranche zu bringen. Auf Vermittlung der ACR wurde unter Federführung des oberösterreichischen Holz- Clusters das CORNET-Programm Wood Composites Project (WCP) gestartet: Gemeinsam mit einer deutschen und zypriotischen Innovationsagentur wurde in einem zweijährigen Test- und Entwicklungsprogramm nach Oberflächentechnologien gesucht, die Bodenbeläge im Außenbereich widerstandsfähiger machen. Die Ergebnisse des im Sommer 2009 ausgelaufenen Projektes werden anfangs unter den beteiligten Unternehmen, später aber auch öffentlich zugänglich gemacht. Forschung für die Zukunft Innovation ist einer der wesentlichen Wachstumstreiber der Wirtschaft. Das CORNET-Programm des European-Research-Area-Netzes wurde ins Leben gerufen, um die Kluft zwischen klein- und mittelständischen Unternehmen und deren ungestilltem Wissensbedarf zu schließen. Im Vordergrund steht dabei die Methode der grenzüberschreitenden kollektiven Forschung, die über Fach- und Berufsverbände organisiert wird. Finanziert werden die Programme aus den Budgets der nationalen Fördertöpfe. Im Fall des WCP-Projektes waren neben dem ober-österreichischen Möbel- und Holzbau-Cluster, der das Lead-Management stellte, zwei weitere Innovations-agenturen aus Deutschland und Zypern eingebunden (Deutsche Gesellschaft für Holzforschung/München und die Cyprus Union of Furniture Makers and Carpenters/Nikosia). Die operative Forschungs- und Entwicklungsarbeit wurde von nationalen Forschungsinstituten geleistet, die von den Cluster-Gesellschaften eingeladen werden. In sämtlichen CORNET-Programmen wird die Einbindung mittelständischer Unternehmen auf nationaler Ebene durch User Committees sichergestellt. Hier bringen Partnerunternehmen ihre Interessen ein 16 unternehmer

16 Innovation für KMUs Kollektive Forschung und profitieren unmittelbar von den Forschungsergebnissen. Im Gegenzug beteiligen sie sich je nach nationaler Regelung entweder finanziell an den Projektkosten und/oder bringen sich nach ihren Möglichkeiten in den Forschungsaufgaben ein. Viele KMUs haben Test- und Analysemöglichkeiten, die in den Forschungseinrichtungen nicht vorrätig sind. Durch diese Form der Kooperation zwischen Unternehmen und Forschungspartnern können unternehmensspezifisch Verarbeitungs- oder Herstellungsprobleme mit Hilfe internationaler Forschungsinstitute gelöst werden. Die beteiligten Partnerunternehmen profitieren außerdem vom bevorzugten Zugang zu den Forschungsergebnissen, die auf Jahrestagungen und in schriftlichen Endberichten publiziert werden. Dabei ist CORNET nur ein Beispiel, wie Collective Research organisiert werden kann. EurotransBIO und etra-net sind vergleichbare Programme auf dem Gebiet der Biotechnologie und Telekommunikation. Hautnah Wenn David Beckham sich den Namen seiner Ehefrau Victoria in Hindi-Schrift auf den Unterarm tätowieren lässt, ist das europaweit eine Schlagzeile wert. Wenn es dabei zu einem Übersetzungsfehler kommt ( Vihctoria ), dann ist das freilich unangenehm. Tattoo-Korrekturen sind immer noch ein Fall für die Dermatologen. Das einstige Medium einer Subkultur ist heute Allgemeingut. Tattoos sind schick und gefragt ebenso wie Permanent-Make-up. Mit der Nachfrage nach Tattoos stieg europaweit das Angebot an entsprechenden Dienstleistungen und damit das Qualitätsbedürfnis. Es gibt keine internationalen Standards, die diese hygienisch höchst anspruchsvolle Tätigkeit auf einem zufriedenstellenden Niveau regelt, klagt Hermann Talowski, Inhaber eines Kosmetiksalons bei Graz (6 Mitarbeiter) und Bundesinnungsmeister der Kosmetiker, Fußpfleger und Masseure. Neben gemeinsamen Hygienestandards fehlen der frisch gewachsenen Tattoo-Branche zuverlässige Kenntnisse über die Zusammensetzung ihres wichtigsten Werkstoffes: der Farben. Die Hautkolorierungen wurden mitunter über Mittel herbeigeführt, die ursprünglich als Autolacke oder Schreibtinte konzipiert waren. Die Fragen lagen auf dem Tisch. Ein CORNET-Programm liefert die Antworten. Das Projekt Health Safety in Connection with the Use of Tattoo and Permanent Make-up lieferte die wissenschaftliche Basis für verpflichtende Qualitätsregeln. Das Tattoo- Konzept zählte 2006 zu den ersten CORNET-Programmen, die wissenschaftliche Innovation für das klein- und mittelständische Segment in Europa verfügbar machten. Die Ergebnisse fanden in Österreich bereits legisti-sche Umsetzung. Im Jänner 2009 wurde in einer Verordnung des Wirtschaftsministeriums Das CORNET-Programm Wood die Beschaffenheit von unbedenklicher Tätowierfarbe bestimmt. Witterungsbeständigkeit von Composites Project will die Verbundstoffen aus Holz und Luft nach oben Kunststoff verbessern. Lange Kollektive Forschung ist für kleine Unternehmen der Testreihen und neue Beschichtungen brachten die gesuchte naheliegende Ausweg aus der Innovationsklemme. Gemeinsame Anstrengungen der KMUs, gepaart Innovation. Der österreichische mit dem Forschungsinteresse von inner- und außeruniversitären Einrichtungen sowie der Moderation und der Wissenschaftler Robert Projektkoordinator Jürgen Müller und Subvention nationaler Forschungsagenturen, Putz (v.l.n.r.) vom Kompetenzzentrum Holz unterstreichen die ebnen den Zugang zu wettbewerbsentscheidenden Entwicklungen. Das Problem dabei: Mittelständische Bedeutung der internationalen Unternehmer sehen in branchennahen Mitbewerbern in erster Linie den potenziellen Konkurrenten Forschungspartnerschaften, Zusammenarbeit: Es entstehen und nicht den Forschungspartner. Diese europaweit die auch nach dem Projektende gültige Grundhaltung hat für Österreich zur Folge, gepflogen werden. dass Eurostat unter heimischen KMUs durchaus noch Nachholpotenzial in Sachen Gemeinsame Entwicklung sieht: Das europäische Statistikamt erhob, in welchem Ausmaß KMUs zwischen 2002 und 2004 mit anderen Partnern im Innovationsbereich zusammengearbeitet haben. Österreich lag in einem Ranking der EU-27 plus Norwegen an schwacher 20. Stelle. Die Anstrengungen der ACR und sämtlicher Innovationsagenturen, Formen der Kollektivforschung unter den heimischen Clustern bekannt zu machen, sind seither massiv ausgebaut worden. Kooperierende Unternehmen entwickeln Lösungen, die ein einzelnes Unternehmen nicht einmal andenken kann. Das CORNET-Programm Zielgruppe: Unternehmen, kooperative Forschungseinrichtungen und Forschungseinrichtungen mit Intermediärsfunktion, Interessenvertretungen Konsortium: Projektkonsortien müssen aus mindestens einer Interessenvertretung, mindestens fünf Unternehmen und mindestens einem Forschungsinstitut bestehen. Förderungshöhe: max. bis zu 60% mit einem Zuschuss Downloads und weitere Informationen: Menüpunkt Basisprogramme/Collective Researchunternehmer 17

17 Innovation für KMUs Das Service der ACR Das Service der ACR Die 16 Forschungsinstitute der ACR sind Spezialisten für Entwicklungsfragen in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ihre Servicestelle weist dabei den KMUs den Weg zum richtigen Ansprechpartner und zur passenden Förderung. 18 unternehmer

18 Innovation für KMUs Das Service der ACR Am Anfang stand der Kampf gegen die Nager. Klaus Käsmeier ärgerte sich, dass Mäuse immer wieder die Kabeldurchführungen seines Lagers nutzten, um es sich in Büro- und Werkshallen bequem zu machen. Er berichtet von wahren Biotopen, die sich in den Leitungstrassen breitgemacht hatten. Neben der unerwünschten Nachbarschaft waren vor allem die Schäden an den Kabeln eine Katastrophe, ärgert sich Käsmeier immer noch. Die Weichmacher in den Kabelisolierungen standen bei den grauen Spitzgesichtern hoch im Kurs. Käsmeier machte sich daran, Lösungen für das leidige Problem zu suchen: Spätestens, wenn wieder neue Netzwerkkabel oder Telefonanschlüsse durch Wände verlegt werden mussten, war das Problem der Mäuse wieder da, erinnert sich der gebürtige Deutsche an vergebliche Abschottungsversuche. Die Lösung ließ er sich 2007 patentieren: Ein siphonförmiger Blechkasten wird in den Mauerdurchlass eingepasst, die Leitung durchgezogen und der Kasten mit Granulat oder Quarzsand gefüllt. Für das Verlegen neuer Kabel wird der Sand einfach abgelassen, Kabel werden installiert und der Durchlass wird wieder befüllt. Bei Tests zeigte das Konzept verblüffende Wirkung: Es hinderte nicht nur sämtliches Getier an der zwischenräumlichen Migration, sondern erwies sich als feuerhemmend und rauchgasundurchlässig. Der Zusatznutzen des Brand-und Rauchgasschutzes verlieh dem Projekt CableProtec neue Dynamik. Käsmeier und sein Kompagnon Heinz Reitzinger suchten professionellen Beistand, um die notwendigen Brandschutz-Zertifikate zu besorgen. Beim Linzer Institut für Brandschutz und Sicherheitsforschung IBS, einem ACR-Institut, kamen sie an die richtige Adresse. Cable- Protec war ein Projekt mit erstaunlichen Brandschutzeffekten, erinnert sich der IBS-Bereichsleiter Thomas Trauner an das ursprünglich als Mäuseschreck konzipierte Vorhaben. Dazu lieferten die IBS-Techniker die notwendigen Untersuchungen und Ratschläge, um CableProtec mit dem T120-Zertifikat auszustatten, das eine 2-stündige Feuerbeständigkeit zusichert. Ein mit Hilfe der ACR mobilisierter Innovationsscheck half, die Kosten der Entwicklung und Zertifizierung für das Start-up CableProtec moderat zu halten. Das war gut investiertes Kapital, ist Klaus Käsmeier zufrieden. Seine Entwicklung ist bereits im gut sortierten Bauhandel zu finden. Lotse in der Finsternis Das Institut für Brandschutz und Sicherheitsforschung ist Mitglied der Austrian Cooperative Research ACR, einer Dachorganisation von 16 hochspezialisierten außeruniversitären Forschungsinstituten der unterschiedlichsten Fachrichtungen. Die ACR-Mitglieder haben sich allesamt in ihrer Arbeit auf Problemstellungen von kleinen und mittleren Unternehmen konzentriert. Dabei erfolgt die Forschungstätigkeit in enger Kooperation mit den Unternehmen, was nicht selten zu weiteren gemeinsamen Aktivitäten führt. Johann Jäger ist Geschäftsführer der ACR und ausgewiesener Kenner der österreichischen Förderlandschaft: Wir sind Ansprechpartner aller Entscheidungsträger in kleinen und mittleren Unternehmen, die nach Forschungspartnern suchen. Jäger sieht es als seine Aufgabe, den innovativen Unternehmern die richtigen Kontakte zu vermitteln. Er beschreibt sich und sein Team als die Servicestelle innerhalb der ACR, Klaus Käsmeier (l.) und Heinz Reitzinger checken ihr erstes Serienmuster einer Deckendurchführung nach ihrem eigenen Patent. Sie sind bis zur Marktreife einen weiten Weg gegangen. Die ACR hat sie dabei ein Stück begleitet. Gutschein für alle Fälle Der Innovationsscheck soll Unternehmer an ihre ersten Forschungsprojekte heranführen. Seit dem Start des Programms vor zwei Jahren wurden rund Genehmigungen erteilt. 73% aller Antragsteller hatten zuvor keinen Kontakt mit Forschung und Entwicklung. Mit dem Innovationsscheck können sich die Unternehmen an Forschungseinrichtungen (außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen und Universitäten) wenden und je nach Bedarf deren Leistungen bis zu einer Höhe von Euro mit diesem Scheck bezahlen. Angesichts der positiven Bilanz wird derzeit ein Ausbau des Innovationsschecks um eine zweite Förderschiene geprüft: Dabei soll ab dem Jahr 2010 eine höhere Fördersumme (z.b Euro) ausgegeben werden jedoch mit einem Selbstbehalt für den Antragsteller. Mehr dazu unter Mehr kooperative Forschung in KMUs Das neue Programm COIN (Cooperation & Innovation) zielt darauf ab, die kooperative Forschungs- und Technologieentwicklungstätigkeit von mittelständischen Unternehmen im Zusammenspiel mit universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu stimulieren. Während die Programmlinie Aufbau auf die Stärkung und Kooperation von Forschungseinrichtungen abzielt, wendet sich die zweite Programmlinie Kooperation und Netzwerke an mittelständische Unternehmen, Einrichtungen des Technologietransfers (Technologie-, Innovations- und Gründerzentren,...) sowie F&E-Einrichtungen (universitär und außeruniversitär). Voraussetzung für die Einreichung eines Förderungsantrags ist ein Konsortium bestehend aus mind. 3 Unternehmen (davon mind. 2 KMU), die Integration einer Forschungseinrichtung ist erwünscht. Das Mindestprojektvolumen liegt bei Euro, gefördert werden max. 60 % oder Euro. COIN wird im Auftrag des bmvit und des BMWFJ durchgeführt. Informationen über CORNET, ein weiteres Programm aus dem Bereich der kollektiven Forschung, finden sich auf Seite 16.

19 Innovation für KMUs Das Service der ACR die den Unternehmern zeigt, wer ihre Lösungen hat. Finden sich im eigenen Verbund nicht die richtigen Adressen für ein Projekt, werden die Verbindungen zu anderen nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen aktiviert. In Österreich wurde während der vergangenen zehn Jahre ein gut dotiertes Forschungsförderungssystem aufgebaut, wo sich für ACR-Geschäftsführer Johann gute Ideen immer ein Förderprogramm und ein Forschungspartner finden. Sehr häufig ist es aber mit Jäger ermuntert die mittelständischen Unternehmer, der Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut sich in Innovationsfragen an nicht getan. Bei derartigen Projekten laufen Jäger und die Geschäftsstelle der ACR seine Mitarbeiter zu großer Form auf: Große Projekte zu wenden: Eine gute Idee ist mit mehreren Schwerpunkten können von kleinen und immer Anlass für ein Gespräch. mittleren Unternehmen nur gemeinsam angegangen werden. Sobald ein Konsortium aus mehreren Und kostenlose Information ist nie umsonst. KMUs und Forschungseinrichtungen gezimmert wurde, kann unter mehreren grenzübergreifenden Förderprogrammen gewählt werden (siehe Bericht auf S. 16). Die Fördergrenzen reichen dabei bis zu 60% des Projektvolumens. Johann Jäger wird nicht müde, die mittelständischen Unternehmer aufzufordern, sich in allen Fragen der betrieblichen Innovation an die Geschäftsstelle der ACR zu wenden: Wir haben hier einen Überblick über die gesamte Struktur an Forschungsinstitutionen und Förderprogrammen Österreichs. Eine gute Idee ist immer Anlass für ein Gespräch. Und kostenlose Information ist nie umsonst. Die Grenzen des Machbaren Mit der Programmlinie Feasibility Studies wird die Erstellung von Machbarkeitsstudien unterstützt, die von Klein- und Mittelbetrieben bei Forschungsinstitutionen und anderen qualifizierten Einrichtungen in Auftrag gegeben werden. Voraussetzung für die Förderung einer Feasibility-Studie sind die Idee eines Klein- und Mittelbetriebes, die näher untersuchenswert erscheint, sowie ein Angebot eines externen Studienerstellers, der die nötige fachliche Kompetenz und Erfahrung dafür nachweisen kann. Antragsberechtigt sind Klein- und Mittelbetriebe bis 250 Mitarbeiter mit Sitz in Österreich. Die Kosten der externen Studie können mit bis zu 75% gefördert werden, maximal jedoch mit Euro. Die Auszahlung der Förderung erfolgt in zwei Raten: bei Vertragsabschluss und nach Ende der Studie. Mehr dazu unter Multi unter den Förderprogrammen Die Projektförderung im Rahmen der Basisprogramme der FFG ist weder an bestimmte Forschungsthemen noch an Ausschreibungstermine gebunden. Daher gilt das Basisprogramm als das universellste unter den Forschungsförderungsprogrammen mit Zielgruppe KMUs. Gefördert werden eigene Personalkosten, Anschaffungen von Forschungsgeräten und -einrichtungen sowie sonstige Kosten (Leistungen Dritter, Materialkosten, Reisekosten, Patentanmeldekosten). Die Förderung umfasst bis zu 50% (für Start-ups bis zu 70%) der insgesamt anerkennbaren Projektkosten mittels eines Mix aus drei verschiedenen Instrumenten: Zuschüsse, zinsbegünstigte Darlehen und Haftungen für Bankkredite plus Zinsenzuschüsse. In den meisten Bundesländern erfolgt noch eine Aufstockung der Förderung durch Landesmittel. 20 unternehmer Mehr dazu unter Mobilisierung von Förderungen Forschung und Entwicklung fordern ihren Preis Kapital, das in mittelständischen Betrieben selten im Überfluss vorhanden ist. Der Bund (und in deutlich geringerer Form auch die Länder) hat eine Förderlandschaft aufgebaut, die er in diesem Jahr mit 7,65 Mrd. Euro dotiert. Dieses Kapital wird in Form zahlreicher Programme kanalisiert. Johann Jäger: Es gehört zu unseren Aufgaben, den kreativen Unternehmen nicht nur die richtigen Forschungspartner zu nennen, sondern auch den Zugang zu den passenden Förderungen zu ebnen. Im Wesentlichen gedeihen im Förderdschungel vier Subventionsprogramme für innovationswillige Mittelständler: der Innovationsscheck die Machbarkeitsstudie die Basisprogramme das CORNET-Programm im Rahmen der Collective Research COIN (Cooperation & Innovation) Programmlinie Kooperation und Netzwerke Trotz aller Unterstützung sind Eigenmittel unverzichtbar. Es gibt keine 100-prozentigen Förderquoten. Nichts für Zauderer Daher braucht Innovation Mut. Forschung und Innovation verlangen dem Unternehmer sehr viel ab. Es gibt Verzögerungen, Schwierigkeiten und finanzielle Engpässe. Für Klaus Käsmeier sind die Tage noch nicht allzu fern, an denen ich mich fragte, wozu das alles gut sein soll. Dennoch wagen immer mehr Unternehmer den Schritt ins Ungewisse haben exakt Unternehmen die wissenschaftliche Expertise und die Forschungsinfrastruktur der ACR-Einrichtungen genutzt. Der Übergang von Innovation und Entwicklung zu Hightech-Forschung ist fließend, schreibt der Präsident der ACR, der oberösterreichische Unternehmer Martin Leitl, im Jahresbericht 2008, und gerade KMUs brauchen entsprechende Unterstützung, die sie von den gemeinnützigen ACR-Instituten in besonderer Weise erhalten. Der Reiz in der mittelständischen Forschung liegt in der besonderen Kombination aus Altem und Neuem. Martin Leitl: Die von ACR-Instituten durchgeführten Forschungsprojekte zeigen, dass der größte Fortschritt dort entsteht, wo traditionelles Handwerk und neueste Technologie zusammenkommen: Wenn man beispielsweise Mikrowellen für die Holzforschung nutzt oder Computertomographie in der Gießerei einsetzt. Oder Quarzsand zur Mäuseverhütung.

20 Innovation für KMUs Das Service der ACR Wir müssen mit Innovation punkten Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern finden wesentlich schwerer in die Innovationsförder-Programme als mittlere und große Unternehmen. Wie kann man Klein- und Kleinst- Unternehmen auf Augenhöhe mit den großen Förderprofis bringen? Christoph Leitl: Es zeichnet Unternehmer aus, dass sie Initiative ergreifen, Neues wagen, Ressourcen mobilisieren. Dass eine Förderung nicht kompliziert sein muss, zeigt seit mehr als zwei Jahren der Innovationsscheck, den bisher mehr als Betriebe genutzt haben. Zugleich stehen den Betrieben die Förderberater der Wirtschaftskammern oder des Austria Wirtschaftsservice mit Rat und Tat zur Seite. Wo beginnt im Bereich der Forschung & Entwicklung (F&E) die unternehmerische Eigenverantwortung und wo endet die staatliche Aufgabe, Innovationstätigkeit zu stimulieren? Es nützt allen, dass sich Unternehmen in Forschung & Innovation engagieren und neues Wissen erfolgreich am Markt umsetzen. Wenn die öffentliche Hand Anreize dort setzt, wo sie dieses Engagement über die rein betriebswirtschaftlichen Grenzen hinausführen kann, können Unternehmen größere Innovationsschritte bewältigen. Österreich kann einen Kostenwettbewerb nicht gewinnen. Daher müssen wir mit Innovation und Qualifikation punkten. Jetzt gilt es, diese Anstrengungen antizyklisch zu unterstützen. Unser Wohlstand hängt davon ab, dass der Staat auch in schwierigen Zeiten konsequent in F&E investiert. Hier ist uns aber in den vergangenen Jahren auch einiges gelungen. Im Bereich der Innovation befindet sich Österreich unter den Top-Nationen Europas. Zur heimischen Wirtschaftsverfassung: Haben Österreichs kleine und mittlere Unternehmen den Talboden der Krise bereits kennengelernt? Die Talsohle ist erreicht, es herrscht aber noch Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Deshalb ist es für eine Entwarnung zu früh. Um eine Initialzündung für einen echten Aufschwung zu setzen, sollte es einen Handwerkerbonus geben, bei dem ein Teil der Handwerkerkosten steuerlich abgesetzt werden kann. Das nützt den Betrieben und den Konsumenten und hilft uns im Kampf gegen den Pfusch. Dazu kommen thermische Sanierung, die Abschaffung der Kreditvertragsgebühr oder eine Investitionszuwachsprämie. Was ist in den kommenden Monaten an Auswirkungen und Folgen noch zu erwarten? Vorsicht und Realismus sind angebracht. Es gibt eine leichte Erholung, aber sie ist moderat und holprig. Nicht ausgenützte Kapazitäten und die hohe Arbeitslosenquote bleiben bis auf Weiteres ein Problem. Eine Rückkehr zu business as usual in der Wirtschaftspolitik wird es nicht so schnell spielen. Die Konjunkturpakete haben viel Geld gekostet. Haben Sie auch etwas gebracht? Und ob. In der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre war Österreich eines der am stärksten betroffenen Länder. Jetzt liegen wir beim BIP- Rückgang viel besser als die USA, der Euro- Raum und speziell unser wichtigster Handelspartner Deutschland. Die 12 Milliarden Euro zur Konjunkturstabilisierung sind gut angelegt. Die Alternative wären ein noch tieferer Wirtschaftseinbruch und viel mehr Arbeitslose gewesen. Unternehmer wissen, dass heutige Schulden in Zukunft beglichen werden müssen. Rechnen Sie in naher Zukunft mit einer Steuererhöhung? Österreich liegt bei Steuern und Abgaben schon jetzt international im Spitzenfeld. Jetzt müssen die Ausgaben gedrosselt werden Stichwort Staats- und Verwaltungsreform, Schulreform, Gesundheitsreform. Wer an höhere Steuern denkt, versündigt sich an den Leistungsträgern unseres Landes. Wirtschaftsforscher meinen einhellig, ausgabenseitig allein wird eine Sanierung nicht zu machen sein... Ich weigere mich, über höhere Steuern auch nur zu diskutieren, solange in der Verwaltung, im Schul- und Gesundheitswesen Milliardeneinsparungen schlummern. Dieser Schatz muss endlich gehoben werden. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl fordert staatliche Innovationsprogramme auch in schwierigen Budgetzeiten. Und er weigert sich, über neue Steuern auch nur zu diskutieren. unternehmer 21

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