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1 P.b.b. Verlagspostamt 1010 W ien Zulassungsnummer: GZ 04Z M INFORMA T IONEN DER ÖSTERREICHISCHEN ENT W ICKLUNGS- UND OSTZUSAMMENARBEIT Nr Mikrokredite Bausteine für Entwicklung BHUTAN MOLDAU EUROPÄISCHE UNION Strom durch Wasserkraft Das größte Projekt der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist abgeschlossen. Ende März wurde das Kraftwerk Basochhu eingeweiht. Beginn einer Partnerschaft Seit eineinhalb Jahren baut die Österreichische Entwicklungs- und Ostzusammenarbeit die Kooperation mit dem neuen Partnerland auf. Stufenplan zu 0,7 Prozent Die EU-Staaten wollen ihre Mittel für Entwicklungszusammenarbeit bis 2015 insgesamt verdoppeln.

2 STELLUNGNAHME editorial Liebe Leserinnen und Leser! Laut jüngster Eurobarometer- Umfrage halten 91 Prozent der Bevölkerung in der EU Entwicklungszusammenarbeit für wichtig. Nur 12 Prozent der Befragten kennen allerdings die Millenniums-Entwicklungsziele. Um dieses 8-Punkte-Programm der UNO umzusetzen, bedarf es sowohl der breiten Unterstützung der Bevölkerung als auch mehr Mittel. Außenministerin Plassnik versicherte bei ihrem Treffen mit UN-Generalsekretär im April, dass Österreich ,51 Prozent des Bruttonationalkommens der EZA widmen werde. Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen die Redaktion inhalt Thema Mikrokredite: Bausteine für Entwicklung 3 Perspektiven Entwicklungsfaktor Biomasse 7 Österreich Burkina Faso: Neues Abkommen 8 Moldau: Beginn einer Partnerschaft 9 Panorama Uganda: Konflikt bremst Entwicklung 10 Bhutan: Nachrichten aus Servus La 12 International EU-Lateinamerika: Fokus Regenwald 14 EU: Stufenplan zu 0,7 Prozent 15 Forum Eurobarometer: Millenniums- Entwicklungsziele 16 Reise: Von Ägypten nach Uganda 18 Service Personalia/Impressum 20 Harmonisierung und Abstimmung Mehr Qualität in der Entwicklungszusammenarbeit Wie kann Entwicklungshilfe gestaltet werden, damit Partnerländer optimal davon profitieren? Die OECD-Mitgliedsländer haben sich jetzt auf konkrete Schritte zur Verbesserung der Entwicklungszusammenarbeit geeinigt. Eine Chronologie. Botschafterin Dr. Irene Freudenschuss-Reichl leitet die Österreichische Entwicklungs- und Ostzusammenarbeit im Außenministerium. Die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen geben ein ehrgeiziges Programm zur Reduzierung der weltweiten Armut vor. Der Europäische Rat setzte deshalb schon im März 2002 einen ersten Schritt und beschloss, die EU-Entwicklungshilfeleistungen stufenweise anzuheben. Wenige Wochen später kamen auf der internationalen Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Monterrey, Mexiko, die Mitglieder des Entwicklungshilfeausschusses (DAC) der OECD überein, dass zusätzlich zur Erhöhung der Mittel die Geberpraktiken effektiver und effizienter zu gestalten seien. In der Deklaration von Rom 2003 wurde dieser Entschluss weiter konkretisiert. Die DAC-Mitglieder, internationale Finanzinstitutionen und UN-Organisationen verpflichteten sich darin, ihre Programme mit den armutsbezogenen Entwicklungsplänen der Partnerländer abzustimmen und länderspezifische Aktionspläne mit HOPI MEDIA konkreten Maßnahmen für diese Anpassung zu erarbeiten. Mehr Effizienz wurde auch Österreich infolge der Überprüfung seiner Entwicklungshilfeleistungen durch die OECD letztes Jahr empfohlen. Vereinbarungen mit Partnerländern Vergangenen März einigten sich schließlich mehr als 100 Staaten, internationale Entwicklungsorganisationen und maßgebliche NGO- Verbände auf folgende Vereinbarungen mit den Partnerländern: Die Partnerländer steuern ihren Entwicklungsweg gemäß ihren eigenen politischen Prozessen selbst (Ownership Eigenverantwortung). Die Geberländer halten sich in ihren programmatischen Schwerpunktsetzungen an die Vorgaben der Partnerländer, insbesondere an deren Armutsbekämpfungsstrategien (Alignment Anpassung). Regeln, Vorschriften, Berichtspflichten, Abrechnungsmodalitäten usw. für die Abwicklung von Entwicklungsprojekten werden vereinfacht und angeglichen (Harmonisation Harmonisierung). Das Management muss überprüfen, ob die angepeilten Resultate auch wirklich erzielt wurden (Managing for Results Ergebnisorientierung). Geber- und Partnerländer sind gleichermaßen für den Erfolg der Programme und Projekte verantwortlich (Mutual Accountability gegenseitige Rechenschaftspflicht). Die Umsetzung dieser Vereinbarungen soll anhand von Fortschrittsindikatoren auf Landesebene gemessen werden. Die konkreten Zielgrößen werden bei der Fünf- Jahres-Konferenz zu den Millenniums-Entwicklungszielen kommenden September in New York festgelegt. ifr 2

3 THEMA Nahrungsmittel statt Drogen. Das UNO- Büro für Drogenund Verbrechensbekämpfung (UNODC) unterstützt ehemalige Kokabauern. UNODC Mikrokredite: Chance für die Armen Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2005 den Mikrokrediten gewidmet. Schon 100 US-Dollar können helfen, den täglichen Überlebenskampf zu überwinden, die Zukunft zu planen und in bessere Ernährung, Gesundheit und Bildung zu investieren. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden mit Kleinstkrediten unzählige kleine Betriebe gegründet und Arbeitsplätze geschaffen. Mikrofinanzierung zielt zwar auf einzelne Haushalte ab, erhöht aber insgesamt die Zukunftschancen einer ganzen Gesellschaft. Sie weicht in ihren Grundzügen nur wenig vom herkömmlichen Bankgeschäft ab, ist aber an die spezifischen Bedürfnissen armer Bevölkerungsgruppen angepasst. Dadurch stehen Kredite, Hypotheken, Sparkonten, Zahlungsverkehr und Versicherungen auch wirtschaftlich aktiven, armen Menschen in Entwicklungsund Schwellenländern zur Verfügung, die sonst keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, weil ihnen die erforderlichen Sicherheiten fehlen. Besonders groß ist der Bedarf an Kleinkrediten in ländlichen Regionen, die von den Institutionen des formellen Finanzsektors oft nur mangelhaft oder gar nicht betreut werden. Es hat sich gezeigt, dass auch arme Menschen durchaus in der Lage sind, solche Kleinkredite zuverlässig zurückzuzahlen. Profit muss sein Mikrofinanzierung hat sich in vielen Entwicklungsländern als Instrument im Kampf gegen Armut und Hunger bewährt. Anders als noch vor einigen Jahren gilt Mikrofinanzierung heute nicht mehr als Wohltätigkeit, sondern sie muss profitabel sein, um nachhaltig zu wirken. In dieser Hinsicht ist sie zu einem Teil des globalen Finanzsystems geworden. Das Internationale Jahr der Mikrokredite soll daher auch den Brückenschlag zwischen Investoren und Kleinstunternehmern in armen Ländern fördern. Der Ausbau des Angebots ist ein wichtiges Element in den gemeinsamen Anstrengungen zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele. Österreich als Nischenplayer Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützt seit den 90er Jahren erfolgreich Mikrofinanzinstitutionen. Sie war einer der ersten bilateralen Geber in diesem Bereich und hat damit internationale Pionierarbeit geleistet. Mit einem ständig erweiterten Produktportfolio, wie zum Beispiel Mikroversicherung, hat sich die OEZA 3

4 THEMA Konrad Edelbacher Oliver Indra Bankensektor und in die Kapital märkte. Dadurch können der Zugang zu weiteren Refinanzie rungsmitteln gesichert und die Nachhaltigkeit von Mikrofinanzierungen erreicht werden. Die OEZA stellt sich dieser Herausforderung und den damit verbundenen Chancen und Risiken, insbesondere der Absicherung der entwicklungspolitischen Ziele in kommerziellen Fonds. mittlerweile als innovativer Nischenplayer positioniert. Rund fünf Millionen Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren in diesen Bereich investiert. Mit österreichischer Unterstützung baut die Uganda Microfinance Uni on (UMU) im Südwesten Ugandas ein flexibles Mikrofinanzservice auf. In derselben Region erarbeitet MicroCare Ltd. gemeinsam mit zwei Spitälern Gesundheitsfinanzierungs pläne, die einer Krankenversiche Die OEZA unterstützt laufende Mikrokreditprogramme mit Management-Informationssystemen, Risiko- und Liquiditätsmanagement, Ausbildung von Kreditberatern und der Organisation von Netzwerken. Mikrokredite werden auch als integrierter Bestandteil im Rahmen von größeren Projekten angeboten, falls dieses Service nicht bereits von anderen Institutionen wahrgenommen wird. Die aktuellen Entwicklungen der Mikrofinanzinstitutionen gehen national und international in Richtung Integration in den formalen Gesundheit versichern Mit EFBH-Krediten wird in Bosnien neuer Wohnraum geschaffen. rung ähnlich sind. Die Kliniken verrechnen nach der Behandlung die für die Versicherten erbrachten Leistungen mit MicroCare. UMU fördert den Aufbau dieses Systems, indem sie den VersicherungsnehmerInnen Kleinkredite zur Verfügung stellt und die Krankenversorgungspläne von MicroCare begleitet. Durch die Kombination der Leistungen dieser beiden Anbieter haben benachteiligte Bevölkerungsgruppen Zugang zu verschiedenen finanziellen Serviceangeboten und kommen gleichzeitig als Versicherte in den Genuss einer besseren Gesundheitsversorgung. Kredite für Wohnbau und Kleinbetriebe Seit 1998 finanzieren die Europäische Union, Deutschland, Schweiz, inf o Am 2. Juni hat die Austrian Development Agency gemeinsam mit dem Informationsdienst der Vereinten Nationen (UNIS) in Wien ein Symposium zum Thema Mikrofinanzierung veranstaltet. Zusammenfassung: (Länder & Themen/Themen & Sektoren/MKMB) Internationales Jahr der Mikrokredite: Kapitalentwicklungsfonds der Vereinten Nationen: Starthilfe für Klein- und Mittelbetriebe. Niederlande und Österreich den Europäischen Fonds für Bosnien und Herzegowina (EFBH). Der Fonds vergibt Kreditlinien für Wohnungsbau und Kleinunternehmen an lokale Finanzinstitute. In den vergangenen sieben Jahren wurden Wohnbaukredite und Kredite für Klein- und Mittelbetriebe abgeschlossen. Der EFBH soll noch dieses Jahr in einen Investitionsfonds umgewandelt werden, um an internationalen Finanzmärkten platziert werden zu können und in Folge kommerzielle Investoren anzusprechen. Die zusätzlich lukrierten Mittel fließen wieder in die Mikrofinanzierung zurück und erhöhen insgesamt das Volumen. red 4

5 THEMA Familie Chanthone baut mit einem UNODC-Kredit ihre Seidenweberei aus und ist nicht mehr vom Opiumanbau abhängig. Mikrofinanzierung: Vorteil für Frauen? Mikrokredite werden seit den 90er Jahren gezielt Frauen angeboten. Alternative Finanzdienstleistungen gelten in der Entwicklungszusammenarbeit nicht nur als Mittel zur Armutsminderung, sondern auch als Strategie zur Stärkung von Frauen. Arme Frauen verfügen über keine Sicherheiten wie Grundbesitz oder Häuser. Sie können nur dann Kleinkredite aufnehmen, wenn sie in Gruppen organisiert sind, die für die Rückzahlung garantieren. Frauen gelten als besonders kredit- würdig. Sie sind leichter erreichbar als Männer, fühlen sich für das Überleben der Familie verantwortlich, haben wenig alternative Einkommensmöglichkeiten und erscheinen generell vertrauens würdiger als männliche Kreditnehmer. Frauen nehmen Mikrokredite UNODC auf, um in akuten Situationen, wie Krankheit oder Nahrungsmittelknappheit, das Überleben der Familie zu sichern oder das Schulgeld für die Kinder zu bezahlen. Sie verwenden die Kredite aber auch als soziales Kapital, etwa für die Finanzierung von Begräbnissen oder für Spenden bei Gemeinmit dem geliehenen Geld Klein schaftsfesten. Oder sie schaffen vieh, Saatgut oder Nähmaschinen an und nützen es als Startkapital für einen Kleinbetrieb. Viele Hürden Die Erfahrungen mit Mikrofinanzprogrammen sind sehr unterschiedlich. Kritisch beurteilt werden die hohen Zinsen, die mit 20 bis 30 Prozent weit über jenen der kommerziellen Bankkredite liegen. Ein großer Gruppendruck wird erzeugt, da nur neue Kredite vergeben werden, wenn alle Gruppenmitglieder ihre laufenden Kredite zurückgezahlt haben. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Kontrolle über den Kredit. Studien besagen, dass zwei Drittel der Mikrokredite, die an Frauen vergeben werden, von den männlichen Haushaltsmitgliedern kontrolliert und für ihre eigenen Zwecke verwendet werden. Manchmal entziehen sich Männer ihren traditionellen Pflichten und überlassen zum Beispiel die Schulkosten ihren Kredit nehmenden Frauen. Die Arbeitsbelastung der Frauen steigt, weil sie extra arbeiten müssen, um den Kredit zurückzuzahlen. KritikerInnen sprechen damit die asymmetrischen Geschlechterbeziehungen im Haushalt an und heben hervor, dass Mikrokredite an sich weder zur sozialen Gleichheit noch zur Geschlechtergleichheit beitragen. Die BefürworterInnen hingegen betonen, dass die Mikrofinanzie 5

6 THEMA Oliver Indra rungsprogramme das Selbstbewusstsein der Frauen steigern und ihnen zu größerer Entscheidungsbefugnis im Haushalt verhelfen. Darüber hinaus verringern Mikrokredite ihrer Meinung nach die häusliche Gewalt, fördern die Fähigkeit zu sparen und zu investieren, führen zu häufigerem Schulbesuch von Kindern und zu weniger Kinderarbeit. Mit diesen positiven Erfahrungen wird argumentiert, dass mit der ökonomischen Stärkung der Frauen gleichzeitig auch ihre gesellschaftliche Position verbessert wird. Kein Allheilmittel Bäuerinnen in pativ beschlossen und nicht durch sehen werden, sondern als das, Burkina Faso haben den Kreditgeber allein vorgegeben was sie sind: kleine Kredite, die einen Kleinkredit werden. Außerdem ist eine Armut lindern und Überleben für eine gemein- Koppelung der Kreditvergabe mit sichern können. Mikrokredite same Mühle aufge- Business-Training, Buchhaltung stärken Frauen nur dann, wenn nommen. und ökonomischer Wissensver- sie mit Sorgfalt angewendet wer- mittlung sinnvoll. ada Mikrokredite sollten weniger als Instrument zur Emanzipation geden. Doch für strukturelle Armutsminderung und strukturelle Geschlechtergleichheit ist mehr als ein Mikrokredit nötig. bh BRIGITTE HOLZNER ist seit September 2004 Genderreferentin der ADA. Ihre umfassenden Erfahrungen im Bereich Frauen, Gender und Entwicklung sammelte sie bei Entwicklungsprojekten in Asien und Mittelosteuropa sowie durch sozialwissenschaftliche Lehre und Forschung im universitären Bereich in den Niederlanden, wo sie die vergangenen 20 Jahre lebte. Brigitte Holzner hat sich mit vielen Themen auseinander gesetzt: mit ländlicher und industrieller Entwicklung, Kleinkrediten, reproduktiver Gesundheit, sozialer Sicherheit sowie mit Handelspolitik und Menschenrechten. Bis zu ihrem Umzug nach Wien war sie Vorsitzende des internationalen Netzwerkes Women in Development Europe (WIDE). 6 Mikrokreditprogramme stärken Frauen nur dann, wenn mögliche negative Auswirkungen bedacht werden. So kann eine Gruppenkasse den Zugriff von männlichen Familienmitgliedern auf den Kredit verhindern. Die Zinsen sollten nicht über 10 Prozent liegen und die Rückzahlungsmodalitäten partizi

7 PERSPEKTIVEN Alternative Energien Entwicklungsfaktor Biomasse Das Global Forum on Sustainable Energy (GFSE) hielt im Mai die fünfte internationale Tagung in Wien ab. Mehr als 150 ExpertInnen aus 50 Entwicklungsländern diskutierten über Biomasse als einzige erneuerbare Energieform, die einfach gespeichert werden kann und vor allem in armen Haushalten verwendet wird. Von Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen, können wir kein großes Umweltbewusstsein erwarten, so Rex Haylock von Biodiesel Technologies Tanzania. Es liege nun bei den Experten und staatlichen Stellen, den Menschen die Vorteile von moderner Biomasse-Nutzung verständlich zu machen. So hat die OEZA in Bhutan parallel zum Ausbau der Wasserkraft mit der Entwicklung von energiesparenden Öfen begonnen, die in Haushalten zum Einsatz kommen werden. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu modernen Energieformen und ist auf Biomasse wie Holz, Ernteabfälle, Holzkohle und Dung zum Heizen und Kochen angewiesen. Jährlich sterben aber rund 1,6 Millionen Menschen, davon eine Million Kinder, an den Folgen des Rauchs und der Abgase der traditionellen Feuerstellen. Laut Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) sind in den Staaten südlich der Sahara 89 Prozent der Bevölkerung von Biomasse abhängig. Während etwa 51 Prozent der Stadtbevölkerung Zugang zu elektrischem Strom haben, beträgt der Anteil in ländlichen Gebieten nur acht Prozent. Für die Österreichische Entwicklungs- und Ostzusammenarbeit (OEZA) zählt die nachhaltige Energieversorgung zu den wichtigsten Voraussetzungen zur Armutsbekämpfung. Funktionierende Energie-Dienstleistungen, Kühlungen, Beleuchtung, Mobilität etc. haben große Wirkung auf andere Bereiche, zum Beispiel Gesundheit, Wasserversorgung oder den Aufbau von Kleinund Mittelbetrieben, berichtete Botschafterin Irene Freudenschuss- Reichl, Leiterin der OEZA im Außenministerium und seit Gründung des GFSE Convenor des Forums. Vor dem Hintergrund des steigenden Ölpreises brachte Besim Islami von der Albanischen Energieagentur Max Santner (2) die politische Dimension in die Diskussion ein. Durch den verstärkten Einsatz von biologischen Treibstoffkomponenten und erneuerbaren Energieressourcen könne die Abhängigkeit von Ölimporten verringert und eine Diversifizierung der Energiequellen erreicht werden. Dies sichere die Konkurrenzfähigkeit der albanischen Energiewirtschaft und darüber hinaus auch die zuverlässige Energieversorgung der Bevölkerung, führte Besim Islami weiter aus. Unter den derzeitigen Bedingungen wird der steigende Biomasse-Bedarf mittelfristig zu gravierenden Umweltproblemen führen. Abholzung und Übernutzung der Wälder gefährden das ökologische Gleichgewicht in wasserarmen Regionen und treiben damit die Verwüstung voran. Moderne Energiesparöfen verhindern auch Atemwegserkrankungen. Traditionelle Feuerviel Holz, viel stellen in Bhutan Ruß. Das GFSE hat sich seit seiner Gründung vor sechs Jahren als neutraler Ort der Begegnung für die internationale Energie-Gemeinde etab liert. Die Ergebnisse der GFSE- Konferenz werden an die UNO weitergeleitet und fließen in die Vorbereitung der Verhandlungsrunden über Energie im Rahmen der Kommission für Nachhaltige Entwicklung der Jahre 2006 und 2007 ein. Dipl.- Ing. Rudolf Hüpfl ist Konsulent für Energiefragen der OEZA im Außenministerium und der Austrian Development Agency Global Forum on Sustainable Energy: 7

8 PERSPEKTIVEN Finanzminister Jean-Baptiste Compaore und Botschafterin Irene Freudenschuss- Reichl unterzeichnen das neue Kooperationsabkommen. Österreich Burkina Faso Kooperationsabkommen erneuert Außenministerin Ursula Plassnik empfing am 29. April den Außenminister von Burkina Faso, Youssef Ouédraogo. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die bilateralen Beziehungen und die regionalen Entwicklungen in Afrika. Durch die intensive Zusammenarbeit ist Burkina Faso ein wertvoller politischer Gesprächspartner Österreichs auf dem afrikanischen Kontinent geworden, betonte Außenministerin Plassnik im Gespräch mit ihrem Amtskollegen. Die Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Burkina Faso und Österreich bis 2007 legt ein neues bilaterales Kooperationsabkommen fest. Dieses wurde am 4. Mai in Wien von Jean-Baptiste Seit zehn Jahren ist Burkina Faso eines der Partnerländer der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika. Ein neues Kooperationsabkommen führt die Zusammenarbeit fort und vertieft sie. Compaore, Finanzminister von Burkina Faso, und Botschafterin Dr. Irene Freudenschuss-Reichl, Leiterin der OEZA im Außenministerium, unterzeichnet. Mehr Unterstützung Das westafrikanische Burkina Faso ist nach wie vor eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Regierung von Burkina Faso bemüht sich gemeinsam mit ihren Partnern und internationalen Institutionen um die nachhaltige Verringerung der Armut. Diese steht daher auch im Zentrum des neuen bis 2007 laufenden Kooperationsabkommens mit Österreich, ADA/Frank Helmrich das eine signifikante Steigerung der Mittel um 30 Prozent auf 13 Millionen Euro vorsieht. Die Mittel werden vor allem in die ländliche Entwicklung, die Förderung von Kleinbetrieben sowie in den Aufbau und die Verbesserung des Bildungssystems investiert. Ländliche Entwicklung Bei der ländlichen Entwicklung stehen die Handwerkerförderung und der Aufbau von Kleinbetrieben im Vordergrund. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Frauen und anderen benachteiligten Gruppen werden besonders gefördert. Die OEZA unterstützt unter anderem lokale Entwicklungsfonds, die Geld für Investitionen bereitstellen. Entsprechend dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe entscheidet die Bevölkerung vor Ort über die Verwendung der Mittel. 80 Prozent der Burkinabé leben von der Landwirtschaft. Häufige Dürren und das Vordringen der Wüste erschweren die Ernährungssituation der ländlichen Bevölkerung in Burkina Faso. Daher sind auch Maßnahmen zum Schutz vor Austrocknung und Erosion des Bodens zentrale Punkte des neuen Kooperationsabkommens. Im Bildungsbereich konzentriert sich die Zusammenarbeit auf die Berufsausbildung, um jungen Menschen neue Jobchancen und damit einen Ausweg aus der Armut zu ermöglichen. Burkina Faso schätze Österreichs Expertise besonders in diesem Bereich, wie Außenminister Ouédraogo betonte. Deshalb wird das langjährige Engagement in den nächsten Jahren um eine technische Ausbildung von Frauen erweitert werden. red 8

9 Moldau Beginn einer Partnerschaft Vor 15 Jahren war Moldawien noch eine der wohlhabendsten Sowjetrepubliken. Doch seit der Unabhängigkeit führten strukturelle Probleme zur Verarmung der Bevölkerung. Die Österreichische Ostzusammenarbeit wird die heutige Republik Moldau verstärkt unterstützen. Das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine ist abhängig von den traditionellen Absatzmärkten der GUS und steckt in massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im Rahmen der Neuen Nachbarschaftspolitik versucht die EU, Moldau näher an sich heranzuführen, und unterstützt die Republik mit umfangreichen Programmen. Erste Maßnahmen Österreich unterbildung von Land- stützt die Auswirten in Moldau. KulturKontakt Austria völkerung. Ein Jahr später führte die OEZA ein erstes technisches Projektvorhaben in Moldau durch. Das defekte Heizungssystem eines deraußerhalb der Hauptstadt Chisinau matologisch-venerologischen Spitals wurde erfolgreich saniert. Dadurch konnten die Betriebskosten wesentlich gesenkt werden. Das eingesparte Geld investiert die Klinik in Medikamente und Therapien zur Behandlung infektiöser Hauterkrankungen und HIV/Aids. Bildungs- und Sozialprogramme Später kamen drei weitere Projekte in den Bereichen Soziales und Bildung hinzu. Ein Programm, das auf drei Jahre angelegt ist und in den von Armut am schlimmsten betroffenen Regionen durchgeführt wird, sieht bauliche Maßnahmen zur unmittelbaren Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen vor. Parallel dazu entwickeln österreichische Experten gemeinsam mit dem moldauischen ada PERSPEKTIVEN Bildungsministerium Ausbildungsstandards, die gesetzlich verankert werden sollen. Um größtmögliche Breitenwirkung und Nachhaltigkeit zu erzielen, entstehen Netzwerke, die eine tragfähige Zusammenarbeit zwischen Politik und Zivilgesellschaft fördern. In einem gemeindeeigenen Spital von Chisinau werden weiters zwei Notfallräume medizinisch ausgestattet. Es ist dies die einzige medizinische Versorgungs einrichtung, in der auch Kinder akut behandelt werden können. Die Republik Moldau ist nach wie vor ein agrarisch dominiertes Land, 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden in diesem Sektor erarbeitet. Die OEZA unterstützt deshalb ein Projekt, das die Kompetenz der Landwirtschaftsschulen steigert. Diese Projekte legen den Grundstein für den schrittweisen Ausbau der Kooperation zwischen Moldau und Österreich. Derzeit wird ein Landesprogramm ausgearbeitet, das die künftigen Schwerpunkte der Zusammenarbeit definiert. kh Seit Jänner 2004 wird Moldau als neues Partnerland der Österreichiwurden bereits im Jahr 2002 gesetzt. schen Entwicklungs- und Ostzusammenarbeit aufgebaut. Erste Schritte Gemeinsam mit der internationalen Organisation Pharmaciens sans Frontières finanzierte Österreich damals Medikamentenlieferungen zur Versorgung der moldauischen Be- MAG. KARIN HOLZER betreut seit Jänner 2004 in der Abteilung Programme und Projekte Rumänien, Bulgarien, Moldau und seit Februar 2005 Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien. Hilfswerk Austria Zuvor war sie Geschäftsführerin bei GPR Consult und unter anderem im Auftrag der OEZA für die Verwaltung der Koordinationsbüros zuständig. Ihr besonderes Interesse liegt darin, die von ihr betreuten Länder auf dem Weg in die Europäische Union zu begleiten. 9

10 P ANORAMA Uganda Konflikt bremst Entwicklung Franz Breitwieser Im Lacor Hospital sind Mütter und Kinder in der Nacht in Sicherheit. Der Aufstand der Lord s Resistance Army (LRA) gegen die Regierung in Kampala verschlingt jedes Jahr schätzungsweise drei Prozent des Wirtschaftswachstums in Uganda. Ein Lokalaugenschein im Krisengebiet. Aus dem Norden Ugandas kommt ein Hilferuf. Die Bewohner flehen: Stoppt endlich diesen Krieg! Der seit 19 Jahren andauernde Konflikt hat inzwischen 1,5 Millionen Menschen zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht. Sie leben in 190 Lagern ohne Perspektive. Dass die internationale Gemeinschaft diesen vergessenen Konflikt nicht länger ignorieren dürfe, sagen übereinstimmend die entwicklungspolitischen Sprecherinnen der im österreichischen Nationalrat vertretenen Parteien. Karin Hakl (ÖVP), Petra Bayr (SPÖ), Ulrike Lunacek (Grüne) und Elke Achleitner (BZÖ) konnten sich bei einer Reise Mitte Mai ein genaues Bild von der Situation in dem ostafrikanischen Land machen und hatten dabei auch Gelegenheit, selbst mit den wichtigsten politischen Akteuren zu sprechen. Friedens-Hilfe John Baptist Odama, Erzbischof von Gulu, beschreibt den Konflikt im Norden Ugandas als eine der weltweit größten humanitären Katastrophen. Er plädiert für einen Dialog zwischen Regierung und Rebellen und hält vor allem Vertrauensbildung für vordringlich. Betty Bigombe, frühere Ministerin für Nord-Uganda, vermittelt zwischen beiden Seiten und bittet die Welt um Beistand für ihre Bemühungen. Notwendig seien, sagt sie, wirksame Reintegrationsprogramme, um die Rebellen zu bewegen, ihre Waffen niederzulegen. Der Moment sei günstig für Österreich, fügt sie hinzu, durch einen Sondergesandten die Friedensgespräche zu unterstützen. Die Abgeordneten konnten erkennen, dass die Projekte der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Norden Ugandas den Menschen zuallererst helfen müssen, ihr Überleben zu sichern. Zu erschütternd sind die Eindrücke im Lacor Hospital in Gulu, das Nacht für Nacht zur Zufluchtsstätte von Tausenden Kindern und Jugendli Christine Jantscher chen wird, weil sie Angst vor Überfällen der Rebellen haben. Psychologische Betreuung ist vonnöten für Tausende Traumatisierte: für Jungen, die als Kindersoldaten zwangsrekrutiert worden sind; für Mädchen, die verschleppt und vergewaltigt worden sind. Die Ausbildung in einer Schneiderwerkstätte oder in der Landwirtschaft trägt dazu bei, dass sie wieder Halt finden. Fortschritte mit Hindernissen Uganda ist heute, wie es allenthalben heißt, mitten in einer Zeit des Übergangs, und das ist offenbar auch eine Zeit der Unsicherheit. Zwei Stunden lang nimmt sich Präsident Yoweri Museveni Zeit für ein Gespräch mit den Besuchern aus Österreich. Der Mann, der das Land seit 1986 mit seinerm National Resistance Movement (NRM) regiert, hat dem Land, mit Ausnahme des Nordens, eine Phase relativer Stabilität beschert; und niemand in Uganda will zurück in die Schreckenszeiten eines Idi Amin 10

11 PANORAMA Helmut Müller oder eines Milton Obote. Aber der Theater für den beredt über die Benachteiligung Unmut über autoritäre Allüren des Frieden. Im der Frauen: Wir sind machtlos. Machthabers wächst. Livingstone Flüchtlingslager Wir haben keine Rechte, kein Sewanyana von der Stiftung für Awer werden Kon- Eigentum, kein Einkommen. Menschenrechte berichtet offen flikte spielerisch von Drohungen gegenüber Kräften aufgearbeitet. Im Kampf gegen die Armut hat der zivilen Gesellschaft. Und Ex- Uganda in der Ära Museveni Fortschritte Ministerin Miriam Matemba klagt erzielt. Nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) ist der Anteil der absolut Armen von 58 Prozent (1992) auf 35 Prozent (2000) gesunken. Aber es gibt große regionale Unterschiede: Während sich das Zentrum und der Süden des Landes vorwärts entwickeln, bleibt der Norden abgehängt. Überall spürbar ist der Wille der Menschen, aktiv zu werden und die Lage im Land zu verbessern. Aber diesem Humankapital stünden große Mängel in der Infrastruktur gegenüber, berichtet Wolfgang Kutschera vom OEZA-Koordinationsbüro in Kampala. Beispiel: Kaum ein Zehntel der Bevölkerung ist an die Stromversorgung angeschlossen. Präsident Museveni empfängt die entwicklungspolitischen Sprecherinnen Hakl, Lunacek, Bayr, Achleitner (v.l.n.r.) und ADA-Geschäftsführer Linhart. Besseres Leben Die Abgeordneten des Nationalrats konnten sich davon überzeugen, dass das Geld aus Österreich genau dort ankommt, wo es am dringendsten gebraucht wird: bei den ärmsten Menschen, bei Kindern und Frauen. Dass die Mittel sinnvoll und effizient eingesetzt werden, beweisen gerade die Projekte zur Wasserversorgung im Südwesten Ugandas. Im Gebiet von Kisoro erhalten rund Menschen sauberes Trinkwasser. Wasser bedeute (besseres) Leben, sagen die Einheimischen. Sauberes Wasser innerhalb der Siedlungen verbessert die Gesundheit und bedeutet für Tausende Kinder, nicht jeden Tag stundenlang Wasser schleppen zu müssen, sondern in die Schule gehen zu dürfen. Frauen, von der Bürde des Wasserholens befreit, können sich mehr der Bestellung ihrer Felder widmen. Die Ausbildung einheimischen Personals soll sicherstellen, dass diese Projekte nachhaltig sind, also auf Dauer der Bevölkerung zugute kommen. Dr. Helmut L. Müller ist Redakteur bei den Salzburger Nachrichten und begleitete die österreichische Delegation nach Uganda. 11

12 P ANORAMA Bhutan: Nachrichten aus Servus La unsere Die zweite Staustufe des Wasserkraftwerks Basochhu ist fertig. Damit ist das bisher größte Projekt der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit abgeschlossen. Außenministerin Plassnik und österreichische JournalistInnen reisten zur Einweihungsfeier ins Königreich. Kurven, Kurven und Kurven. Die Gesichtsfarben der Reisenden changieren grünlich. Die Berge werden immer höher. Der Fahrer kaut Betelnuss. Deki Choden Dorji, Begleiterin, erzählt vom König, vom kürzlich erlassenen Rauchverbot in Bhutan, von den Anstrengungen, die das kleine Land zwischen den Giganten China und Indien unternimmt, um sich zu entwickeln. Die Lautsprecher des Airbus Zentimeter Rollbahn wird ge 319 knistern. Erschrecken braucht. Willkommen in Paro. Sie nicht, wenn wir den Willkommen in Bhutan. Bergen etwas näher kom men, sagt der Pilot. Die Berge im Himalaya sind zugegeben Kurven höher als die daheim. Der Druk Die Ankunft im Land des Donner- Air-Jet dreht sich jäh um einen drachens ist einigermaßen spek- Bergrücken. Die Tragflächen ste- takulär. Die Weiterreise detto. Es hen fast senkrecht in der Luft. Der geht in die Hauptstadt Thimphu Pilot hat fünf Sekunden, um zu und dann weiter nach Basochhu. entscheiden: landen oder durch- Das Flugfeld in Paro, heißt es, sei starten? Das Wetter ist gut genug. die längste gerade Strecke im Die Maschine kommt in die Waag- Land. Wer im Landcruiser vorne rechte, sackt ab, schlägt auf. Jeder sitzt, hat Glück. Denn es geht um 12

13 PANORAMA Das Kraftwerk Basochhu liefert mehr Strom als geplant. Buddhistische Mönche begleiten die Zeremonie. Wohlstand für alle Thimphu ist die einzige Hauptstadt der Welt, die keine Ampeln hat. Den Job erledigen geschmeidige Verkehrspolizisten. Das ist nicht die einzige Eigentümlichkeit. Die Bhu taner wollen ihr bitterarmes Land nach dem Konzept des Brutto sozialglücks aufbauen: ganz heitlicher Wohlstand für alle und nachhaltige Entwicklung mit Rück sicht auf die Umwelt. So will es die buddhistische Ethik, so will es vor allem der König, Jigme Singye Wangchuck. Die Bhutaner setzen dabei auf den Tourismus und auf die Energiegewinnung als Schlüsselbe reiche. Trekking- und Kulturtouris ten sowie Energieexporte vor allem nach Indien sind die größten De visenbringer des Landes. Im Touris mus entwickeln derzeit österreichi sche Experten einen Masterplan, der möglichst schonend Kapazitäten für mehr als die zuletzt knapp Reisenden pro Jahr schaffen soll. Strom durch Wasserkraft Im Energiesektor hat die Republik in Bhutan das größte Einzelprojekt verwirklicht, das die Österreichische Außenministerin Plassnik und König Wangchuck bekräftigen die Zusammenarbeit. Entwicklungszusammenarbeit je angepackt hat: Basochhu. Das Wasserkraftwerk produziert knapp 60 Prozent des bhutanischen Stromverbrauchs. Ober- und Unterstufe haben an die 65 Millionen Euro gekostet. Finanziert ist das Werk aus Finanzhilfen, Krediten und vor allem bhutanischen Eigenmitteln, gebaut haben die Anlage die VA-Tech, ALSTOM Power und Alpine- Mayreder. Basochhu liegt eine halbe Tagesreise östlich von Thimphu. Die Werkshalle ist bunt geschmückt, ein Grasteppich für die Gäste ausgelegt. Die bhutanische Regierung ist beinahe geschlossen anwesend, Außenministerin Ursula Plassnik hält die Eröffnungsrede: Mit Basochhu ist uns ein Musterbeispiel für die Entwicklungszusammenarbeit gelungen, sagt sie. Das Werk leiste einen nachhaltigen Beitrag zur Energieeigensicherung und Selbstständigkeit. Die Kooperation zwischen Österreich und Bhutan erleichtern viele Gemeinsamkeiten. Seit Jahrzehnten arbeiteten beide Länder zusam men. Einfach sei die Kooperation aber nicht immer gewesen, heißt es auf beiden Seiten. Aber man habe sich darauf geeinigt, nicht im legendären Shangri La, sondern in Servus La zusammenzuarbeiten. Seither funktioniert alles blendend, erst recht beim Feiern in Basochhu. Die Mönche murmeln Mantras. Tänzer besänftigen die Geister. Es gibt Geldscheine, Früch te und Nüsse als Präsent. Die Gäste tanzen den Glücksreigen. Im Werk summen die Turbinen. Bis 2020 soll ganz Bhutan elektrifiziert sein. Über ein neues Kraftwerk beraten Wien und Thimphu bereits. Christoph Prantner ist Redakteur für Der Standard und nahm an der Eröffnung der Unterstufe des Kraftwerks Basochhu im März teil. Christoph Prantner (3) 13

14 INTERNA TIONAL EU Lateinamerika: Fokus Regenwald Im Dialog zwischen Europa und Lateinamerika hat in Buenos Aires der erste von drei regionalen Workshops stattgefunden. Diese werden von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) und dem Lateinamerikainstitut (LAI) unterstützt und bereiten den großen EU- Lateinamerikagipfel im Mai 2006 in Wien vor. COAMA hilft, den Lebensraum der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet zu bewahren. COAMA Armut? Wie kann man jemanden arm nennen, der sein Land hat, im Wald und in den Flüssen genug zu essen findet, der seine Tradition hat und sein Wissen?, so schilderte Helga Dworschak von COAMA, dem Programm zur Konsolidierung des Amazonasgebietes von Kolumbien, die Reaktion von Angehörigen der dort lebenden indigenen Völker auf Fragen Außenstehender. Wir sind nicht arm, sagen sie, was wir nicht haben, ist Geld. Wie COAMA mit Förderung der EU und via Global 2000 der OEZA in dieser 20 Millionen Hektar großen Region des Regenwalds die rund dort in weitgehender Autonomie lebenden Indigenen beim Aufbau der Verwaltung sowie bei Gesundheits- und Erziehungsprojekten unterstützt, berichtete Dworschak im März bei der Konferenz in Buenos Aires. Schwierige Verhandlungen Prof. Wolfgang Dietrich, der wissenschaftliche Leiter des Workshops, hatte zu dem Treffen von Wirtschafts- und Rechtsexperten auch Aktivisten von NGOs eingeladen, um den Dialog der beiden Weltregionen um bisher vernachlässigte Sozial- und Umweltthemen zu erweitern. Im Kern ging es bei den auf argentinischer Seite vom Ökonomen Andrés Musacchio geleiteten Gesprächen um die Beziehung der EU zur südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur. Die optimistisch begonnenen Verhandlungen zur Schaffung einer Freihandelszone von EU und Mercosur sind ins Stocken geraten. Staaten wie Argentinien und Brasilien haben derzeit mit dem Export von Agrarprodukten, speziell Soja, global große Erfolge. Sie fordern von der EU die Öffnung inf o DISKUSSIONSBEITRÄGE DER KONFERENZ: des Agrarmarkts und weisen den Vorschlag zurück, zunächst in anderen Bereichen zu kooperieren. Zwischen den Welten Martin von Hildebrand, Gründer der COAMA in Kolumbien, zeigte in Buenos Aires, wie er versucht, mit den kulturell so verschiedenen Minderheiten im tropischen Regenwald eine Verständigung aufzubauen. Als seine Gesprächspartner etwas über den Winter wissen wollten und der Anthropologe mit abstrakten Erklärungen gescheitert war, nahm er zur griechischen Mythologie Zuflucht. Er erzählte mit Erfolg die Geschichte der Persephone, die von Hades aus Liebe in die Unterwelt entführt wurde. Weil ihre Mutter, die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, deshalb trauerte, kam Dürre und Kälte über die Erde. Schließlich kam es zu einem Kompromiss: Persephone verbrachte einen Teil des Jahres bei Demeter und einen weiteren, den Winter, bei Hades. Mehr Soja weniger Regenwald In Buenos Aires holte Carlos Macedo, der dort die Anliegen der indigenen Völker Brasiliens vertrat, die Mythologie in die Aktualität zurück: Wegen der enormen Ausbreitung der Soja-Produktion werde der Regenwald zurückgedrängt und im gesamten Amazonasgebiet der Lebensraum der Ureinwohner bedroht. Die Zerstörung des Regenwalds könne letztlich auch das Weltklima negativ beeinflussen. Werner Brandstetter, Österreichs Botschafter in Brasilien, meinte beim Workshop in Buenos Aires, dass die Gespräche zwischen der EU und Lateinamerika auch solche Fragen einschließen sollten. Erhard Stackl ist Redakteur für Der Standard und nahm am Workshop in Buenos Aires teil. 14

15 Europäische Union: Stufenplan zu 0,7 Prozent Die EU-Mitgliedstaaten haben mit ihrem Beschluss beim Rat für auswärtige Angelegenheiten am 24. Mai ein altes Versprechen eingelöst. Bis 2015 sollen die Entwicklungshilfeleistungen jedes einzelnen Staates auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) angehoben werden. Das ist auch für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit ein neuer Meilenstein, sagte Außenministerin Ursula Plassnik bei ihrem Treffen mit EU-Entwicklungskommissar Louis Michel. Strenge Vorgaben Michel hat einen Stufenplan vorgegeben. Bis zum Jahr 2010 sollen die alten Mitgliedstaaten einen nationalen Prozentsatz von 0,51 Prozent des BNE erreichen. Für die zehn neuen Mitgliedstaaten lautet die Vorgabe 0,17 Prozent. Insgesamt würde die Union 2010 dann rund 67 Milliarden Euro in den Kampf gegen Armut investieren, rechnet Michel vor waren es etwa 43 Milliarden Euro. Nichtregierungsorganisationen in ganz Europa begrüßen diesen Vorstoß der EU, doch vielen wie etwa Oxfam International kommt dieser Stufenplan zu spät. Reiche Nationen haben bereits vor Jahrzehnten eine Steigerung der Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent versprochen, heißt es in einer Aussendung. Im Jahr 2004 brachte es die EU gemäß Angaben der Die EU-Staaten wollen ihre Entwicklungshilfeleistungen in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Trotz knapper Kassen soll 2015 insgesamt doppelt so viel Geld zur Verfügung stehen, um die Armut weltweit zu bekämpfen. Europäische Kommission OECD im Durchschnitt lediglich auf 0,36 Prozent. Nur Schweden, Dänemark, die Niederlande und Luxemburg lagen bereits über der 0,7-Prozent-Schwelle. Das österreichische Budget für Entwicklungshilfeleistungen erreichte im Vorjahr nach vorläufigen Berechnungen 556 Millionen Euro oder 0,24 Prozent des BNE wird es laut aktuellen Prognosen mit 1,47 Milliarden Euro rund doppelt so hoch sein. Schlechte Aussichten Ziel Brüssels ist es, einen Beitrag zur Erfüllung der Millenniumsziele der Vereinten Nationen zu leisten. EU-Entwicklungskommissar Louis Michel hat seinen Stufenplan durchgesetzt. Schulbildung für alle Kinder in Afrika bis 2015 nur, wenn alle Industrienationen ihre finanziellen Versprechen einhalten. INTERNA TIONAL Ein Bericht des renommierten US- Ökonomen Jeffrey Sachs verdeutlicht, dass die Vorgaben nur durch eine drastische Erhöhung des Mitteleinsatzes seitens der Industrienationen eingehalten werden könnten. Eines der Vorhaben ist, die Zahl der Menschen, die von weniger als einem US-Dollar am Tag leben müssen, bis 2015 gegenüber 1990 zu halbieren. In Afrika südlich der Sahara werde das ohne weltweite Anhebung der Entwicklungshilfe frühestens 2147 erreicht werden, stellt Michel fest. Brigitte Pilz Ebenso schlecht sei es um die Vorgaben in Sachen Bildung bestellt. Anstatt bis 2015 werde es bis 2129 dauern, bis alle afrikanischen Kinder die Chance auf eine Volksschulbildung haben. Eine derart lange Wartezeit hält Michel für moralisch und politisch nicht akzeptabel. Die Konsequenz: Afrika südlich der Sahara muss unsere Priorität bei der Entwicklungszusammenarbeit sein, sagt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Nach Vorstellung der Brüsseler Behörde soll sich die EU verstärkt für bessere Regierungsführung, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Gerechtigkeit in Afrika einsetzen. red 15

16 FOR U M EZA wirkt. Die Hälfte der EU-BürgerInnen glauben, dass die staatlichen Entwicklungshilfeleistungen ihres Landes die Lebensqualität in den Entwicklungsländern verbessern. Eurobarometer Die Millenniums-Entwicklungsziele Erstmals wurde EU-weit die Einstellung der Bevölkerung zu den Millenniums-Entwicklungszielen erfragt. Die ÖsterreicherInnen sind überdurchschnittlich optimistisch, dass diese Ziele erreicht werden. inf o Europaweit sind die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) zu wenig bekannt: Im EU-Durchschnitt haben sogar 88 Prozent der Befragten noch nie etwas von ihnen gehört. Am stärksten im Bewusstsein verankert sind die Ziele in Schweden (27 Prozent), das bereits seit ERGEBNISSE DER EUROBAROMETER UMFRAGE: index_en.htm längerem entsprechende Informationsinitiativen gesetzt hat, am wenigsten in Frankreich und Malta (4 Prozent). In Österreich kennen die MDGs immerhin 18 Prozent. Österreich ist optimistisch Im Vergleich mit anderen EU-Ländern sind die ÖsterreicherInnen relativ zuversichtlich, dass das erste Ziel, die Halbierung der extremen Armut und des Hungers bis 2015, erreicht werden kann (36 Prozent). Im EU-Durchschnitt zeigen sich nur 29 Prozent davon überzeugt. Ähnlich optimistisch äußern sich die ÖsterreicherInnen (47 Prozent) zum Erreichen allgemeiner Grundschulbildung (EU: 41 Prozent). Bei der Analyse der österreichischen Detaildaten heben sich hier die 15- bis 24 Jährigen stark vom Rest der Altersgruppen ab (61 Prozent), wobei auch Befragte mit einem höheren Bildungsstand eher an die Erreichbarkeit dieses Ziels glauben (55 Prozent). Eher skeptisch sehen 34 Prozent der ÖsterreicherInnen die erfolgreiche Förderung der Gleichheit der Geschlechter und die Aufwertung der Frauen (EU: 41 Prozent). Interessant ist, dass sowohl Männer als auch Frauen im gleichen Ausmaß an der Erreichbarkeit dieses Ziels zweifeln (61 bzw. 62 Prozent). Der allgemeine Pessimismus erstreckt sich dabei über praktisch alle demografischen 16

17 FOR U M Niederlande 77% lenniums-entwicklungsziele zu er- tung durch Personen mit sehr niedrireichen. Finnland 77% Dass der Reduzierung von gem Einkommen/Arbeitslose. Luxemburg 74% bewaffneten Konflikten höchste Schweden 71% Priorität eingeräumt wird, erscheint Hinsichtlich der im Allgemeinen sehr Dänemark 70% wenig überraschend (Österreich: 60 positiven Einstellungen der Österrei- Deutschland 68% Prozent, EU: 65 Prozent). Ähnlich cherinnen zu entwicklungspolitisch Irland 62% wie im EU-Schnitt wird Training und zentralen Fragen erscheint es zieltechnischer Österreich 62% Expertise die zweit- führend, wenn sich Politik und Belgien 59% höchste Priorität eingeräumt (Öster- Öffentlichkeitsarbeit verstärkt darum Slowenien 55% reich: 56 Prozent, EU: 49 Prozent), bemühen, das Wissen über östergefolgt EU 25 51% von der Erhöhung der EZA- reichische und internationale Maß Frankreich Großbritannien 50% 48% Mittel für Länder, die sich der Armutsbekämpfung verschrieben nahmen zum Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele zu verbreiten. Griechenland 47% haben (Österreich: 42 Prozent, EU: Die Arbeitsgruppe Public support Italien 47% 41 Prozent). Freierem Marktzugang for development cooperation wird Portugal 45% und Schuldenstreichungen werden sich mit den Ergebnissen dieser Umdagegen Spanien 44% eine geringere Bedeutung frage auseinander setzen und deren Zypern 42% beigemessen. Bedeutung für die Weiterentwicklung Ungarn 42% der entwicklungspolitischen Malta 39% Öffentlichkeitsarbeit analysieren. Slowakei 34% Vertrauen in die OEZA Jedenfalls ermutigen die österreichi- Litauen 32% schen Ergebnisse des Eurobarodie österreichische Regierung armen Auf die Frage Glauben Sie, dass Tschechien 30% meters zur Fortsetzung breit Estland 28% angelegter Informationsinitiativen Völkern in Afrika, Lateinamerika, Polen 28% zu den MDGs. Asien usw. hilft, sich zu entwickeln? Lettland 19% antworten 80 Prozent der Dr. Erich Andrlik ÖsterreicherInnen mit Ja. Damit ist Direktor des Wiener Instituts Kategorien, selbst die BefürworterIn- reiht sich Österreich in die Spitzen- für Entwicklungsfragen und Zunen der OEZA haben Bedenken. gruppe aller EU-Staaten ein. Die sammenarbeit (VIDC) österreichischen Detaildaten bestäti- Für eher möglich halten es die gen auch eine positive Korrelation befragten ÖsterreicherInnen, dass zwischen der Bejahung der Wirk- Haben Sie schon von den Millenniumszielen gehört? Angaben in % die Sterblichkeitsraten bei Kindern samkeit der OEZA und des Nein Ja (54 Prozent) und Müttern (57 Pro- wahrscheinlichen Erreichens der EU zent) innerhalb der nächsten zehn Millenniums-Entwicklungsziele. Frankreich 96 4 Jahre gesenkt werden können. Malta 96 4 Große Fortschritte bis 2015 werden Bei der Einschätzung der Wichtigkeit Zypern 95 5 auch bei der Erhöhung der Estland 94 6 von Entwicklungszusammenarbeit Lettland 93 7 Entwicklungsfinanzierung (60 Pro- liegen die ÖsterreicherInnen im EU- Polen 93 7 zent), der Entwicklung eines ge- Trend einer stärkeren Befürwortung Großbritannien 92 8 rechteren Marktzugangs für die dieser Thematik (Österreich: 86 Pro- Litauen 92 8 Entwicklungsländer (50 Prozent) zent, EU: 91 Prozent), allerdings ist Dänemark 91 9 und bei Entschuldungsmaßnahmen für sie Entwicklungszusammenarbeit Litauen 91 9 (57 Prozent) für wahrscheinlich weniger sehr wichtig als im EU- Slowenien gehalten. Was den Glauben an die Schnitt. Die österreichischen Detail- Belgien Erreichbarkeit des letzt genannten ergebnisse zu dieser Frage zeigen in Tschechien Ziels anbelangt, liegt Österreich mit sozio-demografischer Hinsicht eine Deutschland den Niederlanden sogar an der ähnliche Konfiguration, wie sie auch Niederlande Spitze der EU-25. Portugal praktisch alle vorangegangenen Spanien nationalen Umfragen zur EZA- Irland Thematik aufweisen: eine stärkere Prioritäten setzen Luxemburg Befürwortung der EZA ( sehr Finnland Die Umfrage zeigt auch die Präfe- wichtig ) durch Jüngere, bei höhe- Ungarn renz für mögliche Aktionen, welche rem Bildungsstand, durch Frauen, Slowakei die jeweiligen nationalen Regierun- BewohnerInnen größerer Städte Österreich gen unternehmen könnten, um Ent- und OstösterreicherInnen. Interes- Italien wicklungsländern zu helfen, die Mil- sant ist auch die stärkere Befürwor- Schweden

18 FOR U M Reise Von Ägypten nach Uganda Der Schauspieler Harald Krassnitzer engagiert sich seit vielen Jahren für die österreichische Hilfsorganisation African Medical and Research Foundation (AMREF). Er nützt seine Bekanntheit, um die ÖsterreicherInnen für die Anliegen der Entwicklungszusammenarbeit zu gewinnen. Ein persönlicher Reisebericht. Sechs Männer, drei Geländewagen und Kilometer zwischen Alexandria und Kampala. 40 Tage Wüste, Hitze, kalte Nächte im Zelt, Autopannen und schlechte Straßen dann war das Ziel erreicht: die Übergabe der Geländewagen für AMREF-Projekte in Uganda. Von diesem Abenteuer auf den Spuren berühmter Österreicher durch Ägypten, den Sudan, Äthiopien, Kenia und Uganda ist aber vor allem die Erinnerung an viele interessante Begegnungen und faszinierende Landschaften geblieben. Rätsel Afrika Diese Reise hatte mit einem Traum, einer Sehnsucht von mir zu tun. Afrika hat auf mich immer schon eine große Faszination ausgeübt. Bevor ich zu AMREF gekommen bin, war dieser Erdteil für mich wie für viele andere auch ein vergessener, ein verlorener Kontinent, von dem man so gut wie gar nichts weiß. Fünfhundert Jahre nach den ersten Entdeckungsreisen oder eigentlich lange nach den ersten Anfängen, die die Europäer dort gemacht haben, ist dieser riesige Kontinent für uns nach wie vor ein großes Rätsel. Afrika... Dieser Kontinent ist zu groß, als dass man ihn beschreiben könnte. Er ist ein regelrechter Ozean, ein eigener Planet, ein vielfältiger, reicher Kosmos. Wir sprechen nur der Einfachheit, der Bequemlichkeit halber von Afrika. In Wirklichkeit gibt es dieses Afrika gar nicht, außer als geographischen Begriff, schreibt der polnische Journalist Ryszard Kapuscinski in seinem Buch Afrikanisches Fieber. Die Bilder, die viele Menschen in Europa noch immer im Kopf haben, wenn von Afrika die Rede ist, sind 18

19 FOR U M Hungersnöte, Kinder, die aussehen wie Skelette, trockene Böden, Dürrekatastrophen, Massaker, Aids und Millionen von Flüchtlingen. Wir wissen noch immer viel zu wenig darüber, wie die Menschen dort leben, was sie denken und was sie vorhaben. Begegnungen Deswegen hat mir die Idee, ein Road Movie über unsere Reise durch den Norden und Osten Afrikas zu drehen, sofort gefallen. Es ist uns wichtig, die Länder, durch die wir gereist sind, vor allem auch in ihrer positiven Entwicklung darzustellen. Wir zeigen Menschen mit ihren Hoffnungen, mit ihren Energien, mit ihren Fähigkeiten, mit ihrer Fröhlichkeit, mit ihren Familien, atemberaubend schöne Landschaften, aber manchmal auch so unwirtliche Gegenden, dass es für uns Europäer unvorstellbar wäre, dort zu über-leben. Blick über den Tellerrand Ich glaube, die größte Hilfe, die wir diesem Kontinent angedeihen lassen können, wäre unsere Bereitschaft, von Afrika zu lernen und den Kontinent in seiner Verschiedenheit endlich als richtigen und ernst zu nehmenden Partner anzuerkennen. Karl Kraus hat einmal gesagt: Wo wir den Wert zerschlagen, dort schaffen wir den Schein. Wir leben schon viel zu lange in einer Welt, die zu einem sehr großen Teil nur vom Schein regiert wird. Vielfach haben wir kein wirkliches Interesse mehr, über unseren Tellerrand hinaus zu schauen, um mitzubekommen, was auf der Welt sonst noch los ist und in welchem Zusammenhang manche Dinge zu uns stehen. Ich hoffe, dass die Fernsehdokumentation dazu beiträgt, Interesse an unserem südlichen Nachbarkontinent zu wecken und vor allem an den Menschen in Afrika. hk Die Dokumentation Abenteuer Afrika Unterwegs mit Harald Krassnitzer wurde am 1. Juli auf ORF 2 gesendet. Der Film zeigt auch Österreicher und Österreicherinnen, die dort hervorragende Aufbauarbeit leisten. Eine Arbeit, die hierzulande immer noch ein wenig im Schatten steht und kaum gewürdigt wird. Dadurch wird deutlich, dass der schwarze Kontinent ganz unmittelbar auch etwas mit Österreich zu tun hat und dass die Hilfe für Afrika in erster Linie zuerst bei jedem und jeder Einzelnen von uns beginnen muss. Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell drückt seine Zuneigung so aus: Warum Afrika?... Ich glaube, Afrika hat mich zu einem besseren Europäer gemacht. AMREF Austria unter wegs Harald Krassnitzer besuchte auf seiner Reise auch Projekte der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Äthiopien: Verbesserte Landwirtschaft In Nord Gondar, einer Region, die besonders von Dürre betroffen ist, verbessern Programme der OEZA die Einkommenslage der bäuerlichen Familien. Tierärztliche Betreuung, Viehzucht- und Mastprogramme, verbesserte Fütterung, Milchverarbeitungs- und Vermarktungsmethodass sie bescheidene Reserven erwirtschaften können und dadurch den sowie Schulungen der Bäuerinnen und Bauern tragen dazu bei, weniger krisenanfällig sind. Bienenzucht, Gemüse- und Fruchtanbau erweitern das Nahrungsmittelangebot. Uganda: Schwierige Wasserversorgung Das Gebiet um den Mount Elgon im Nordosten Ugandas ist mit seinen steilen Hängen und glitzernden Wasserfällen landschaftlich sehr reizvoll. Bisher war die Gegend dünn besiedelt, bis Binnenflüchtlinge dort eine neue Heimat fanden. Eine bescheidene Infrastruktur gibt es bereits: Häuser mit Blechdächern, Straßen und Brücken. Das Wasser schöpfte die Bevölkerung bis vor kurzem aus den Flüssen und Wasserlöchern, Gesundheitsprobleme waren die Folge. Jetzt werden Zisternen und Regenwasserfassungen für Menschen gebaut. Im Rahmen des Projektes erfolgt auch eine Ausbildung für den Zisternenbau, damit die gesamte Region langfristig von den Verbesserungen profitiert. 19

20 SERVICE Kurzmeldungen EZA-LEISTUNG 2004: Der OECD- Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) hat am 11. April die vorläufigen Vergleichszahlen für die staatlichen Entwicklungshilfe-Leistungen 2004 seiner Mitglieder veröffentlicht. Österreich hat nach ersten Berechnungen 2004 insgesamt 556 Mio. Euro (0,24 Prozent des BNE) in Entwicklungszusammenarbeit investiert. Im Vergleich zu 2003 (0,20 Prozent des BNE) sind die österreichischen Leistungen um 22 Prozent angestiegen. Österreich liegt damit an 17. Stelle der 22 DAC- Mitgliedstaaten. Mit insgesamt 63,3 Mrd. Euro erreichten 2004 die Ausgaben der DAC-Staaten für Entwicklungszusammenarbeit einen bisherigen Höchststand. Die Statistik im Detail: WIEDERAUFBAU NACH TSUNAMI: Die Flutkatastrophe im Indischen Ozean hat viele Ortschaften zerstört, Menschen getötet, verwundet oder obdach- und arbeitslos gemacht. Rasche Hilfe war gefragt. Um die Lebenssituation der Bevölkerung zu verbessern, ohne soziale Ungleichheiten zu verschärfen oder neue Umweltprobleme zu schaffen, ist eine gute Koordination der Hilfsorganisationen und eine strukturierte Projektplanung notwendig. Die OEZA unterstützt zur Zeit mit rund Euro vier Projekte von Jugend Eine Welt, Missio, Caritas Vorarlberg, Hilfswerk Austria in Südindien und Sri Lanka. Die Maßnahmen helfen den Menschen, wieder arbeiten und sich selbst versorgen zu können. Unterkünfte werden geschaffen, medizinische und psychologische Betreuung bereitgestellt, zerstörte Fischerboote und -netze ersetzt oder Berufsausbildungsprogramme speziell für verwaiste Jugendliche durchgeführt. Weitere 1,6 Millionen Euro werden in den Wiederaufbau investiert. Die Gelder für die laufenden Programme und Projekte der Austrian Development Agency in anderen Regionen der Welt wurden durch diese Maßnahmen nicht gekürzt. personalia Außenstelle Chisinau DIPL. BETRIEBSWIRTIN TATIANA ZBANCA hat am 1. Mai 2005 ihre Tätigkeit als lokale Programmreferentin für die ADA in der Republik Moldau aufgenommen. Davor war sie bei einem Wirtschaftsprojekt der GTZ beschäftigt und arbeitete an der Deutschen Botschaft in Chisinau. Unterstützung in Brüssel MAG. WOLFGANG LEHOFER beginnt am 1. Juli im Auftrag der ADA für österreichische Entwicklungsorganisationen impressum Zugangsmöglichkeiten zu EUakquisition zu finanzierten Programmen und Projekten zu recherchieren, sie bei der Projektbzw. Interessen unterstützen und die Anliegen der Entwicklungszusammenpäischen arbeit bei Euro Institutionen zu vertreten. Wolfgang Lehofer lebt seit 2001 in Brüssel und arbeitet in der Abteilung für Politische Koordination und Strategie der Europäischen Kommission. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Klagenfurt absolvierte er einen Postgraduate Lehrgang zu internationaler Wirtschaft in Frankreich. Diesen Sommer wird er sein Doktoratsstudium in Österreich und einen weiteren internationalen Lehrgang in Paris beenden. Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Austrian Development Agency, Zelinkagasse 2, 1010 Wien, DVR Konzept, Gestaltung und Produktion: Trimedia Communications Austria Redaktion: Heidi Frank, Sabine Krings, Christine Jantscher (f.d.i.v.) Titelfoto: UNCDF, Adam Rogers Layout: graficde'sign. Pürstinger, Claudia Köck Hersteller: Salzburger Druckerei, 5020 Salzburg Verlagsort: 1010 Wien. Juni

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