future Schöne, neue Arbeitswelt Utopie und Ausblick Das Zukunftsmagazin der Nr Oktober 2014

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1 future Das Zukunftsmagazin der Nr Oktober 2014 Schöne, neue Arbeitswelt Utopie und Ausblick

2 DIE GANZE GESCHICHTE: BARBARA UND STEVE ZWISCHEN WIEN UND BERLIN: UNSER FLUGHAFEN BRINGT MIR MEINEN MANN JEDEN ABEND WIEDER HEIM. Morgens hin, abends wieder daheim: Mit den Tagesrandverbindungen in die wichtigsten Städte Europas bleibt mehr Zeit für die Familie. UNSER FLUGHAFEN BRINGT UNS JEDEN TAG WEITER. Mehr Geschichten und Informationen gibt es auf Entgeltliche Anzeige

3 Inhalt 3 Editorial Liebe Leserin, lieber Leser! 4 8 Die Automation hat seit jeher zwei Seiten Wir und/oder Roboter 6 Diskussion: Können wir uns kürzere Arbeitszeiten leisten? Weniger arbeiten, mehr Wohlstand? Neue Balance: Freizeit am Arbeitsplatz Über Zeiten und Kulturen hat sich die Bedeutung der und der Blick auf die Arbeit immer wieder stark verändert. Dieser Wandel ist immer stärker technologiegetrieben. Forscher des Massachusetts Institute of Technology in den USA arbeiten derzeit an einem einheitlichen Standard für Sensoren, der phänomenale Folgen für die Arbeitswelt hat. Schon in wenigen Jahren soll sämtliche Elektronik den gleichen Signalen gehorchen. So, wie die Programmiersprache HTML das Internet erst ermöglichte, indem sie digitale Inhalte weltweit lesbar machte, wird Handy-Signale, die beim Fernsehen dazwischenfunken, werden damit etwa zur Vergangenheit. Für die Arbeitswelt bedeutet der Sensor-Standard, dass Maschinen mehr Tätigkeiten ausführen können als heute. Roboter sollen einander erkennen, miteinander kommunizieren und somit ganze Arbeitsabläufe selbständig erledigen, während die Menschen die Prozesse nur noch über Internet am Tablet-PC steuern. Was das für die Beschäftigung zur Folge haben wird, analysieren wir in diesem Heft. Zu erwarten für Fachkräfte. Experten stellen aber auch in Aussicht, dass neue Technologien Hilfskräften dazu ermächtigen könnten, Facharbeit zu erledigen. Mehr darüber auf den Seiten 4 und 5. Wenn uns Maschinen künftig noch mehr Arbeit abnehmen, könnten wir vielleicht die Wochenarbeitszeit verkürzen. In welchem Maß das mit Lohnausgleich geschehen wird, bleibt eine veretilungspolitische Frage. Jedenfalls könnten wir eine bessere Balance zwischen Arbeit und bereit, ihr Privatleben für die Karriere zu opfern. Über den wachsenden Stellenwert von Freizeitangeboten bei Jobverhandlungen lesen Sie auf den Seiten 6 und 7. Auf den Folgeseiten diskutieren der Soziologe Jörg Flecker und der Ökonom Christian Keuschnigg, ob wir uns kürzere erstmals den größten Anteil der Personen im Erwerbsalter darstellen. Folglich sollen und müssen ältere Arbeitnehmer länger im Betrieb gehalten werden. Wie das geht, zeigen verschiedene Unternehmen vor, deren Initiativen wir auf Seiten 10 und 11 beschreiben. Ist Arbeit Last oder Lust, lediglich Mittel zum Broterwerb oder ein mit ganz unterschiedlichen Karrieren erklären auf Seiten 12 bis 14, was ihnen Arbeit bedeutet. Und zum Abschluss des Hefts rufen wir einige Berufe in Erinnerung, die die Automation bereits verdrängt hat. 10 Auch im Alter neue Chancen Eine spannende Lektüre mit Denkanstößen über die wünscht Ihnen Eva Stanzl Impressum 12 Sechs Vertreter aus drei Was ist Arbeit für Sie? 15 Der technische Fortschritt hat einige Berufe entbehrlich gemacht Verdrängt durch Automation Telegramm...16 future erscheint als Verlagsbeilage der Wiener Zeitung. Medieneigentümer und Herausgeber: Media Quarter Marx 3.3 Tel.: 01/ Redaktionelle Verantwortung Verlagsbeilagen: Prof. Paul Vécsei Marketingleitung: Wolfgang Renner, MSc. Anzeigenleitung: Harald Wegscheidler Idee, Konzeption und Koordination: Eva Stanzl Redaktion: Sophia Freynschlag, Harald Hornacek, Cathren Landsgesell, Helmut Ribarits, Petra Tempfer Artdirection: Richard Kienzl Druck: Niederösterreichisches Pressehaus A-3100 St. Pölten ständig abrufbar.

4 4 Wir und/oder Roboter Helfende Hände oder technischer Durchgriff auf den Menschen: Die Automation hat seit jeher zwei Seiten. Foto: apa/sebastian Kahnert Wo früher 100 Menschen tätig waren, sind heute oft nur noch zehn Arbeitsplätze vorhanden. Künftig könnten es noch weniger werden. Denn nicht nur die Nachfrage nach sondern auch die Technologie. Die Weiterentwicklung der Robotik, so glauben manche Experten, könnte Millionen Arbeitskräfte und zig Berufe die Existenz kosten. Andere widersprechen und glauben an einen Wachstumsschub durch die automatisierten Helfer. Future ging der Frage nach, wie weit die Entwicklung wirklich ist und ob der Mensch in Zukunft nur noch den koordinierten Tanz der Maschinen in menschenleeren Hallen über PC und Internet choreographieren wird. Von Eva Stanzl Linz, im Herbst dieses Jahres: Beim Kunst-Festival Ars Electronica zeichnen fünf Roboter das Porträt einer Frau. Ihre Körper bestehen aus hölzernen Schulschreibtischen, auf denen Papier aufgespannt ist. Ihre beweglichen - züge ihres Modells skizzieren. Alle fünf sehen gleich aus bis auf ihre elektronischen Augen, die aus unterschiedlichen Digitalkameras und Webcams bestehen. Die Zeichnungen Qualität, die professionellen Zeichnern durchaus ebenbürtig ist. Ist das der Fall der letzten Bastion exklusivmenschlicher Fähigkeit? Kreativität aus dem dürren, bi- Ihr Schöpfer, der französische Künstler und Roboterbau- Man merkt, wie ausgeklügelt und anpassungsfähig der und Wissenschaftern an, die erforschen, ob der Computer auch tun kann, was bisher dem Menschen vorbehalten war, nämlich kreativ zu sein. Ihr Ziel sind schöpferische Roboter und Programme, die neue Kochrezepte entwickeln, Bilder malen oder Musik komponieren können. Aus mals eine Maschine von der schöpferischen Kraft eines Michelangelo gelingt. Es kann auch bezweifelt werden, ob bei allen Einschränkungen steht fest: Roboter werden dem Menschen zunehmend repetitive, stark strukturierte Tätigkeiten abnehmen und dadurch zu seinem Konkurrenten um Arbeit, der auch noch den Lohn drückt. Diese Erkenntnis ist freilich nicht neu auf dem Höhepunkt der Weltwirtschafskrise schrieb der Ökonom John Maynard Keynes einen optimistischen Es- onen größeren Wohlstand bescheren würde. Doch der Pfad zum Reichtum würde auch Schwierigkeiten mit sich - schneller ökonomisieren, als wir neue Formen der Arbeit turtheorien bekannte Brite erwies sich damit als treffsicherer Prophet: Ob Fabrik, Supermarkt, Postamt oder Bank: Wo früher 100 Menschen tätig waren, haben heute nur zehn einen Arbeitsplatz. Künftig werden es wohl noch weniger sein. Millionen Arbeitsplätze und ganze Berufsgruppen sind dem technischen Fortschritt, insbesondere der Digitalisierung zum Opfer gefallen. Freilich sind aber auch Millionen neuer Jobs ebenso entstanden wie neue Berufe. Die Crux ist bloß: Die neuen Jobs verlangen Diejenigen also, die ihren Job an eine neue Technologie Arbeitsplätzen, die durch eben diese Technologie geschaffen werden. Evolution der Informationstechnologien Viele Wirtschaftsforscher argumentieren, dass jede Automatisierung Kosten verringere und die Produktivität erhöhe, was mehr Nachfrage und mehr Wohlstand schaffe. Alles andere sei fortschrittsfeindlich und erinnere an die Maschinenstürmer, die im 19. Jahrhundert die neuen automatischen Webstühle zerstörten, weil diese sie arbeitslos Industrialisierung genug Wachstum und genügend Jobs, tern zu beschäftigen. Doch seit den 1980er Jahren stagnieren die realen Löhne weitgehend in den westlichen Industrieländern Europas und in den USA. die Bezahlung von Arbeit, sondern in deren Automatisierung zu investieren, geht ein immer höherer Anteil des Welteinkommens an Kapitaleigentümer und ein immer größere Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Arbeit. Wer nicht der Elite angehört, macht zunehmend loge an der London School of Economics, im britischen de Menschen, für die die Wirtschaft immer weniger Verwendung hat, in schlecht bezahlte maschinenorientierte Jobs und repetitive Bildschirmarbeiten abdrängen. Doch selbst diese Fron könnte bald der Beschäftigungslosigkeit weichen. Die britischen Ökonomen Carl Benedict und Michael Osborne von der Universität Oxford pro-

5 5 gnostizieren, dass in 20 Jahren fast die Hälfte aller aktuellen Berufsbilder von Maschinen übernommen werden könnten. Automatisiert würden sogar Arbeiten, die heute Angestellte erledigen - etwa Buchhaltung, Rechnungswesen, manche Tätigkeiten im Rechtsbereich und das Schreiben von Fachtexten. In der neon läuft die Zukunft quasi schon im Testbetrieb. Schon jetzt ist der Villacher Fertigungsort hochautomatisiert: Jeder Chip, der hier hergestellt wird, kann auf 30 Zentimeter genau geortet werden. Jeder Mitarbeiter muss sich anmelden, wenn er eine Maschine bedienen will, während die Produkte steuerungsrelevante Daten per Funk aussenden. Nun will man noch einen Schritt weiter gehen: In einem neuen Fabriksgebäude soll eine Fertigungslandschaft mit hypermo- Anlagen präventiv warten und Operatoren die Maschinen schreibt eine Szene aus dem Alltag eines neuen Berufsbildes, für das eine abgeschlossene technische Berufsausbildung erforderlich ist: Ein Instandhalter betritt einen Reinraum, um eine Maschine zu warten, die einige Millionen Euro kostet. Anweisungen zu den zu behebenden Störungen schleppt er Informationen darüber, was zu tun ist, auf einem Handheld- PC. Braucht der Mann beide Hände frei, dann trägt er eine - on verantwortlich ist. Variantenreiche Serienfertigung - eine konsequente Weiterentwicklung der modernen In- Halbleiter-Industrie, sondern in allen Branchen Einzug halten soll. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel verspricht sich der stärkeren Automatisierung ein zusätzliches jährliches - globalen Lead übernehmen kann, darf mit einer ordentlichen Sonderkonjunktur rechnen. Wenn einzelne Komponenten ähnlich der Reproduktion eines DNA-Stranges während wann sie gewartet werden müssen, ist der Verschleiß geringer. Und wenn die Steuerungselektronik Schnittstellen zum Internet hat, damit Kunden Änderungswünsche bis zur letzten Minute online mitteilen können, sind mehr Sonderanfertigungen möglich. Die deutsche Industrie 4.0 könnte Fa- sei sogar noch mehr drin, ist Deutschlands Regierungsspitze tage des Bosch-Konzerns die Fabriken von morgen verant- Auch Österreich will in diesem Spiel mit dabei sein. Mit 250 Millionen Euro unterstützt das Verkehrsministerium in Wien die modernen Fertigungs- und Automatisierungstechnologien bis Ende 2015, danach will man neue Förderungen beschließen. Derzeit sind Unternehmensförderungen und drei Stiftungsprofessuren im Budget enthalten, um die nötigen Fachkräfte an die Universitäten Wien und Innsbruck und die Montanuni Leoben zu locken und weitere auszubilden. Weiters sollen Pilotfabriken der neuen Technologieinfrastruktur Modell stehen. Fernab vom Wettbewerb sollen Firmen, Studenten, Forschungsinstitute und Klein- und Mittelbetriebe austesten können, wie die neuartigen Systeme zu errichten sind und wie sie am sinnvollsten funktionieren. Millionenmarkt für Österreich gehen, dann reden wir mindestens von einem hohen drei- Sihn, Leiter des Bereichs Betriebstechnik und Systempla- - für die Pilotfabrik Wien, die in den kommenden Wochen gestartet werden soll. Sie soll einen weiteren Aspekt der - Serien von 50 bis 500 Stück am klügsten hergestellt wer- wo jeder Einzelteil ein anderes Muster hat, oder andere intelligente Produkte, wie etwa Händetrockner in Stadien, Ein Kunstprojekt, das Grenzen sprengt: Bei der Ars Electronica in Linz zeichneten Roboter Porträts - auf höchstem Niveau. Sihn typische Anwendungsbeispiele. Auch hier geht es um - - ter, keine Handlanger. Viel weniger Tätigkeiten für schlechter - - zu steuern und Maschinen zu warten, weiß heute niemand. Nicht jeder ist zur Arbeit mit Computern berufen und ob es jeder lernen kann, muss sich weisen. Offen ist auch, wie das Ausbildungssystem umstrukturiert werden muss, damit es genug Fachkräfte gibt, die in den Informationstechnologien ographieren. inks liegen die Holzklötze, rechts sind sie schon zu einer rechteckigen Fläche mit aufgesetzten Pfeilern angeordnet. Nur: Links, das sind die echten Klötze, rechts, das ist eine Einblendung in die Datenbrille des Betrachters. Die Aufgabe: Baue die Figur nach, am Ende soll eine Pyrami- eine derzeit in der Deutschen Arbeitsschutzausstellung in - - heißt es weiter. Nach der ersten Lage Bauklötze würde sich - einfach zu den Steinen greifen und die gewünschte Position auf der Anzeige überprüfen und ihr Bauwerk ergänzen. Mit der Brille könne jeder Ungelernte schon nach einem kurzen langjähriger Erfahrung erbringen. sant, bei denen man mehr als nur eine Schraube festziehen max im deutschen Bremen entwickelt industrielle Anwen- Körper tragen. Aber auch Logistiker im Lager, Kraftfahrzeug- spontan Anweisungen von außen holen. Nicht Hightech ohne Menschen, sondern Hightech mit Menschen ist die derzeit wohl realistischste Vision der Zukunft der Arbeitswelt. Steuerung mit Hilfe von Datenbrillen: Damit erzielen auch Ungelernte Ergebnisse, die heute nur sehr erfahrene Arbeitskräfte schaffen. Foto: apa/ Britta Pedersen Foto: Ars Electronica

6 6 Neue Balance: Freizeit am Arbeitsplatz Jüngere Arbeitnehmer sind nicht bereit, ihr Privatleben für die Karriere zu opfern. Unternehmen lassen indes mit Privat und Beruf verschwimmen. Von Sophia Freynschlag Karriere um jeden Preis? Das war ein- teils nicht bereit, sich jahrelang für den ren zwischen den Jahren 1980 und 1995) eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) unter Beschäftigten ergeben hat: Neben der Arbeit soll genug Zeit für Freizeitaktivitäten, Freunde und Fa- Arbeit und Freizeit ist laut der Studie einer nehmer im Unternehmen zu halten. teressen im Leben unterbringen. Sogar an Hobbies wie Laufen oder Backen stel- Senior Manager Human Capital beim Unternehmensberater Deloitte. Das bestätigt auch eine die Jugendmilieustudie der Meinungsforschungsinstitute Integral und T-Factory: Der derzeit im Arbeitsleben und angepasst gelten und für die Arbeit die Weltreise statt Anstellung heißt es von PwC Österreich. Viele Millennials sind nicht überzeugt, dass es sich lohnt, beim Einstieg ins Berufsleben Opfer zu bringen und auf das Privatleben zu ver- beeren in Form von einem gut bezahlten die letzten Jahre zu sehen, dass Karriere um jeden Preis für jüngere Arbeitnehmer nicht Leader bei PwC Österreich. Da verwundert es nicht, dass Praktikanten eine Anstellung ablehnen, weil sie vorher noch eine Weltreise unternehmen möchten, wie Marion McDonald s Österreich und zuständig für Personalagenden, erzählt. Jüngere Arbeitnehmer sind aber nicht fauler Foto: Corbis/ Tomas Rodriguez

7 7 investieren. Sie wollen aber den Sinn und die - Den Wunsch nach einer sinnerfüllenden Tätigkeit hegen jedoch nicht nur Jüngere, sondern er macht sich auch unter den älteren Kollegen breit. Die Einstellung zum Beruf wird bereits in - danken erzogen wurden, dass sie hart arbeiten und einen langem Atem beweisen müssen, um Karriere zu machen, erwarten viele Millennials - gement dieser Arbeitnehmer hängt davon ab, ob sie Anerkennung für ihre Tätigkeit bekommen. Unternehmen sollten sich auf diese Veränderung in der Arbeitskultur einstellen, raten Experten: Schließlich werden im Jahr 2025 laut dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte weltweit 75 Prozent des messen Produktivität an den Ergebnissen und nicht an den Stunden, die sie am Arbeitsplatz Arbeitnehmer schaffen mehr in der gleichen lange im Büro sein zu müssen, um gesehen zu - zeiten und -orte. Sie wollen den Arbeitstag später beginnen können oder, wenn nötig, abends noch etwas erledigen. Nicht zuletzt kann das auch dem Unternehmen zugutekommen, weil viele innovative Ideen außerhalb des Büros und nicht am Schreibtisch entstehen. PwC hat bei- Flex-Work-Policy eingeführt, nachdem das Arbeiten von zuhause aus zuvor informell geregelt war. In der Policy wird schriftlich vereinbart, dass der Mitarbeiter erreichbar sein muss, die technischen Voraussetzungen fürs Arbeiten zuhause vorhanden sind und sich die Teamkollegen über Tage abstimmen, in denen sie ihre Aufgaben von zuhause aus erledigen. Foto: Corbis/ James Brittain Yogakurs und Wäscherei Manche (vor allem große) Unternehmen reagieren auf den Wunsch nach Work-Life-Balance, indem sie Freizeitaktivitäten am Arbeitsplatz fußballtische im Büro führen letztlich dazu, dass die Mitarbeiter mehr Zeit am Arbeitsplatz ver- ze zwischen Privatleben und Firma, die gerade sehr angenehmes Ambiente am Arbeitsplatz schäftsführer der Personalberatung Pendl & Piswanger. Bei PwC gibt es beispielsweise eine Fußball- te für die Kinder der Mitarbeiter. Auf die Spitze treiben es IT-Konzerne, deren Zentralen einem Campus gleichen. In der Facebook-Zentrale im kalifornischen Palo Alto kann sich das Personal Fahrräder ausborgen, einen Spielsalon, ein Fitnessstudio und Restaurants besuchen und gleichzeitig die Bedürfnisse des Alltags erledigen, wie die Wäsche waschen, zum Arzt oder können in der kalifornischen Zentrale ihre Wäsche am Campus gratis waschen oder am Beachvolleyballplatz, in Fitnessstudios oder an der Kletterwand sporteln. Neben Ärzten gibt es Masseure, Friseure und Psychologen am Campus. Beschäftigte können sogar das Auto waschen und Öl wechseln, ohne das Firmen- sieren ihre Anonymität mit Angeboten vom Sportturnier bis zum Chor, um ein Zusammen- Wichtig sei allerdings immer die Wahlmög- angebote nützen möchte oder lieber zu Hau- Eingehen auf individuelle Bedürfnisse steht an erster Stelle, und das funktioniert nur bei einer sich ein Mitarbeiter über Kinderbetreuung im Unternehmen, so möchte ein anderer möglichst viel reisen und zieht daher zusätzliche Urlaubstage Bonuszahlungen vor. Im Wettbewerb um die besten Köpfe haben so- Asse im Ärmel: Während große Unternehmen mit Freizeitangeboten punkten, gelten Start- - wirken gut im Lebenslauf. Lieber noch möchten die Jüngeren aber für kleinere Unterneh- als Arbeitgeber im Vorteil, wenn sie familiären Krennmair. Millennials sehen Arbeit als eine Sache und nicht einen Ort, wie die PwC-Studie ergeben hat. Sie Neben einem Entgegenkommen bei Arbeits- aber nicht allein entscheidend für die Bewer- wie viel man in der künftigen Position bewegen und gestalten kann und welche persönlichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten einem of- ich bewirken und wie ist mein Team zusam- Diensthandy oder Auto verlieren dabei ebenso an Bedeutung wie ein Doktortitel und der Entwicklungsmöglichkeiten und das Arbeitskli- sich beispielsweise Überstunden lieber gesondert abgelten, statt einen höher dotieren All-in- Vertrag zu unterschreiben. Millennials erwarten Weiterbildungsmöglichkeiten und Feedback. Die Herausforderung für Führungskräfte besteht darin, Feedback zur Selbsteinschätzung zu geben und auch zu bremsen, wenn ein Mitarbeiter zu schnell zu viel erreichen will. Denn die Personalexperten beschreiben die Jüngeren als selbstbewusst: Jüngere Kollegen glauben mehr an sich selbst und trauen sich mehr zu als ältere, so Maurer. In der PwC-Studie geben 41 Prozent der Millennials an, dass sie möglichst monatlich für ihre Arbeit gelobt werden wollen. Unter den 30 Prozent der Befragten. Fehlende Anerkennung und Flexibilität wäre für Millennials ein sen als für ältere Arbeitnehmer, die vor allem wechseln würden, wenn sie nicht angemessen entlohnt werden. Wer folgt auf die Millennials? Arbeitgeber werden es künftig jedenfalls schwer haben, Mitarbeiter an sich zu binden: Verbundenheit mit der Identität des Unterneh- - - Internet, Smartphone und Co aufgewachsen Anforderungen an die Kommunikationskultur in Unternehmen stellen, erwartet Hull. Sie rät daher, eine Coaching- und Feedbackkultur zu fördern. Krennmair rechnet damit, dass die sozialer Absicherung suchen wird. Vor allem Unternehmen, die Mitarbeiter langfristig im Betrieb halten wollen und nachhaltig ökosozial denken, werden seiner Einschätzung als Arbeitgeber attraktiv. Deutsch erwartet hingegen, dass Pools an Talenten künftig an gemeinsamen tion arbeitet lieber selbständig, als die Identität Freizeitatmosphäre soll zum Beispiel bei Google die Mitarbeiter an das Unternehmen binden: Leseraum, Tischtennistisch und Kaffeehaus mitten im Betrieb. Foto: Corbis/ William Perlman/Star Ledger Foto: Corbis/ Talia Herman

8 8 Weniger arbeiten, mehr Wohlstand? Wenn es nach den Österreichern geht, sind 30 Stunden in der Woche genug. Allerdings bei vollem Lohnausgleich. Ist das eine Kostenfalle oder der Weg aus der Krise? Der Soziologe Jörg Flecker und der Ökonom Christian Keuschnigg diskutierten, ob wir uns kürzere Arbeitszeiten Moderation: Cathren Landsgesell Future: Wie lang ist Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit, Herr Keuschnigg? Christian Keuschnigg: Ich habe eine Pro- rektor des IHS. Das sollten eigentlich 100 Prozent sein, aber ich komme sicher leicht auf 50 Stunden und mehr in der Woche. Es ist auch schwer, abzugrenzen, was Arbeitszeit ist und was nicht. Zählt dieses Gespräch dazu? Keuschnigg: Sicherlich. Ich muss mich vorbereiten, und es ist letzlich auch im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit. Jörg Flecker: Die Abgrenzung fällt mir auch schwer. Meine Tätigkeit im Vorstand des Forba (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, Anm.), das ich früher geleitet keit. Es wird ja auch nicht bezahlt. Ich schätze, ich arbeite etwa 45 Stunden in der Woche. Ich versuche aber, das zu reduzieren. Mein Traum wäre eine gemeinsame Reduktion der Arbeitszeit, um eine zusätzliche Stelle zu schaffen. In Österreich werden jährlich über alle Branchen hinweg 270 Millionen Überstunden geleistet. Die vereinbarte Arbeitszeit liegt bei 38,8 Stunden. Gearbeitet wird aber 42 Stunden. Ist das zu viel, insbesondere vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise? Flecker: Ich denke schon. Angesichts der Arbeitslosigkeit in Österreich, die zuletzt in den 1950er Jahren so hoch war, sind die Arbeitszeiten von vielen Vollzeitbeschäftigten oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist das zu lang. Die langen Arbeitszeiten bei den Männern sind auch unter dem As- blematisch, denn die unbezahlte Hausarbeit bleibt bei den Frauen. Sind das Kriterien, die für Sie Relevanz haben, Herr Keuschnigg? Keuschnigg: Die Arbeitszeiten sind ja ein wohl auf Seiten der Arbeitnehmer als auch bei den Unternehmen. Je nachdem, was die xible Arbeitsverhältnisse zu haben. Es gibt Arbeitsverhältnisse, wo das Jobsharing nicht so leicht zu bewältigen ist wie in anderen Branchen. Viele Frauen in Teilzeit wünschen sich ja auch längere Arbeitszeiten, weil Teilzeit mit vielen Nachteilen verbunden ist: geringe Bezahlung, eine schlechtere soziale Absicherung, schlechtere Aufstiegschancen. Das spricht aus meiner Sicht für einen neuen Arbeitszeit-Standard. Jörg Flecker Flecker: Diese Unterschiede gibt es, keine Frage. Viele Frauen in Teilzeit wünschen sich ja auch längere Arbeitszeiten, weil Teilzeit mit vielen Nachteilen verbunden ist: geringe Bezahlung, eine schlechtere soziale Absicherung, schlechtere Aufstiegschancen. Das spricht aus meiner Sicht für einen neuen Arbeitszeit-Standard. Eine neue kurze Vollzeit tigkeit. Ein anderer Aspekt ist die technische Ausstattung: Man sieht in den Branchen mit einem hohen Automatisierungsgrad, dass die Arbeitszeiten viel kürzer sein können. Lohnkosten spielen da eine geringere Rolle, weil die Maschinen durchlaufen und die Menschen im Schichtsystem arbeiten. Man sieht, dass die Frage der Arbeitszeit eine Verteilungsfrage ist: Es geht um Kosten und Wie viel Verteilungsspielraum ist denn da? Flecker: Den Spielraum kann man zum Beispiel anhand der Lohnquote (Anm.: der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen) ermessen, die ja in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist. Das heißt, dass die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen immer weniger vom gesellschaftlichen Reichtum bekommen, während die Unternehmensgewinne steigen. Man hat aber errechnet, dass wir bei einer Lohnquote wie in den 1970er Jahren die Arbeitszeit um mehr als drei Stunden in der Woche bei vollem Lohnausgleich. Noch eine Anmerkung zur Schweiz: Die niedrige Arbeitslosigkeit in manchen Ländern ist durch die enormen wirtschaftlichen Ungleichgewichte bedingt. Daher empfehlen manche Ökonomen, dass zum Beispiel Deutschland und Österreich entweder mit den Löhnen rauf oder mit der Arbeitszeit stimmt gesamteuropäisch nicht. Keuschnigg: Da würde ich Ihnen ja in Bezug auf Deutschland fast zustimmen. Nur: Der sein, dass alle Arbeitnehmer eine Beschäftigung erzielen, die für die Unternehmer auch rentabel ist. Manche Länder sind reicher, weil sie systematisch in Innovation und Produkti- nen dann in Form von höheren Löhnen auch an die Arbeitnehmer weitergegeben werden, aber die Lohnhöhe muss mit der Produktivität im Einklang stehen. Verteilungsspielraum sehe ich eher auf individueller Ebene. Sehen Sie grundsätzlich den Zusammenhang zur Arbeitslosigkeit? Keuschnigg: In der Schweiz, wo ich wohne, sind die Arbeitszeiten sehr lang und die Arbeitslosigkeit liegt bei drei Prozent. Aus meiner Sicht gibt es keine Notwendigkeit, die Arbeitszeit zu verkürzen, um Jobs zu schaffen. Notwendig ist aber Flexibilität. Auch in der Wirtschaft muss die Unterschiedlichkeit der Bedürfnisse zum Zuge kommen können. Sie meinen, dass eine kürzere Vollzeit nur mit Lohnverzicht möglich ist? Eine sinkende Lohnquote heißt ja, dass Löhne bereits gesunken sind. Keuschnigg: Die Lohnquote ist für mich kein Kriterium, um die Verteilungsgerechtigkeit zu bewerten. Wenn man der Ungleichheit also entgegenwirken will, muss die Politik in Bildung investieren, um niedrig men zu verhelfen. Zugleich muss sie über Vor dem Gespräch auf dem Gelände der ehemaligen Schlachthöfe Wiens: Christian Keuschnigg (links) ist Wirtschaftswissenschafter und lehrt an der Universität St. Gallen. Er ist außerdem seit 2012 der Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien. Jörg Flecker leitete von 1991 bis 2013 die Forschungsstelle Berufs- und Arbeitswelt Forba in Wien und hat seit März 2013 die Professur für Allgemeine Soziologie an der Universität Wien inne.

9 9 eine progressive Besteuerung, Lohnersatz- und Sozialleistungen bei den unteren Einkommensgruppen einen Ausgleich schaffen. Ich bin aber dagegen, umzuverteilen, indem man alle Unternehmen über einen Kamm schert und über die Arbeitszeit Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich ist ja de facto eine Lohnerhöhung. Wären Sie dann damit einverstanden, dass die Lohnsteuern gesenkt werden und eine Vermögensbesteuerung eingeführt wird, um eine Arbeitszeitverkürzung zugunsten von Beschäftigung zu ermöglichen? Keuschnigg: Das ist eben die Frage, wie viele Staatsaufgaben und soziale Sicherung man aus den Kapitalbesteuerung dazu beitragen kann. Ich würde die Vermögensquelle nicht besteuern, weil ja aus dem Vermögen auch Investionen und Wachstum Einkommen nicht unterbesteuert. Das Kapitaleinkommen eines Unternehmers wird ja durch die Körperschaftssteuer und die Kapitalertragssteuer lastung bei der Lohnsteuer, zum Beispiel für die Managergehälter. Und dass sich das Vermögen konzentriert, hat ja durchaus auch positive Aspekte. Es gibt Vermögen, die tausende von Arbeitsplätzen schaffen. Dietrich Mateschitz ist vielleicht so ein Beispiel. Flecker: Die Studien der Europäischen Zentralbank zeigen, dass die privaten Reichtümer in Österreich sehr groß sind und die Ungleichheit entsprechend ausgeprägt ist. Private Reichtümer sind ein Problem für die Wirtschaft, weil sie Kaufkraft entziehen. Die massive Ungleicheit ist auch durch sehr niedrige Löhne entstanden. In Deutschland hat sich unter anderem durch Hartz IV ein Niedriglohnsektor etabliert, der mittlerweile 23 Prozent aller Beschäftigungverhältnisse umfasst. In Österreich sind es noch zwölf bis 13 Prozent. Das ist ist eine wachsende prekäre Beschäftigung, die Nun stagnieren die Wachstumsraten in Europa muss man die Wirtschaft durch mehr Arbeit ankurbeln, damit die Arbeitslosigkeit zurückgeht? Flecker: Wachstum ist offensichtlich nicht die Lösung für die Arbeitsmarktkrise. Man bräuchte zudem mindestens drei bis fünf Prozent, damit sich am Arbeitsmarkt wirklich was bewegt. Das ist unrealistisch. Also kommt man um eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht herum. Das ist nicht als kurzfristige Reaktion auf die Krise zu verstehen, sondern im Sinne der Angleichung an die Produktivität. Die Arbeitszeit wurde im 20. Jahrhundert immer wieder schrittweise verkürzt, nur in den 1980er Jahren hat man damit aufgehört. Wir können es uns nicht länger leisten, die Arbeitszeitverkürzung weiterhin auszusetzen. Jörg Flecker Keuschnigg: Das ist eine Frage der Kosten. Man kann die Arbeit auf zwei Arten teurer machen: Indem man die Löhne erhöht oder die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich verkürzt. Wenn ein Land aufgrund seiner technologischen Entwicklung zu höheren Löhnen oder Arbeitszeitverkürzung in der Lage ist, gut. Die Exportquote in Österreich liegt bei 60 Prozent. Das heißt, ich muss im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben. Flecker: Trotz Konkurrenz Aktionäre ausgeschüttet, und es entstehen enorme Reichtümer. Wenn zum Beispiel Herr Wlaschek den sehr wenig verdienenden Handelsangestellten ein höheres Einkommen ermöglicht hätte, wäre sein Vermögen vielleicht kleiner, aber es hätte mehr Nachfrage Manche Länder sind reicher, weil sie in Innovation und Produktivität investiert haben. Diese Gewinne können in Form von höheren Löhnen auch an die Arbeitnehmer weitergegeben werden, aber die Lohnhöhe muss mit der Produktivität im Einklang stehen. Christian Keuschnigg Keuschnigg: Wenn Sie eine niedrigere Normalarbeitszeit durchsetzen wollen, dann geht das nur, wenn die Leute dann auch weniger verdienen. Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich ist eine Kostenexplosion. Man muss zuerst durch Innovationen Produktivitätsgewinne schaffen... Flecker:... oder die Arbeitgeber über eine Erhöhung der Löhne zur Investition in arbeitssparende Technologien oder zu besseren Produkten und Dienstleistungen zwingen. Die Reallohnentwicklung ist in Österreich in den letzten zwanzig Jahren niedriger als im OECD- Durchschnitt. Also wäre für Arbeitszeitverkürzung durchaus was drin. Die Lebensarbeitszeit ist in Europa in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich drei Jahre gestiegen. Aufgrund der demo- werden wir auch im Alter noch arbeiten müssen. Wie soll das gehen? Keuschnigg: Um die Beschäftigungsfähigkeit im Alter zu erhalten, ist es Fähigkeiten investieren. Die Sozialpartner wiederum müssen sich fragen, ob es sinnvoll ist, dass das und Weise steigt, die die Alten auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, weil sie deren Arbeitskraft zu teuer macht. Christian Keuschnigg Flecker: Die Frage ist dennoch wie die Menschen gesund bleiben. Die psychischen Belastungen sind aufgrund des Zeitdrucks und der Intensivierung der Arbeit stark gestiegen. Eine Arbeitszeitverkürzung würde es den Leuten ermöglichen, länger im Arbeitsleben zu bleiben. Die Lebensarbeitszeit ist in Österreich aber schon über dem europä- nehmern sind einfach nicht mehr gesund genug, um noch länger zu arbeiten. Das betrifft vor allem den Niedriglohnsektor, im Bereich der niedrigen sehr hoch. Man muss daher an den Arbeitsbedin- Arbeitszeit. Keuschnigg: Ich würde sagen, ein erfolgreiches beiter investieren, aber es muss sich das leisten können. Es gibt hoffentlich in jedem mittelständischen Unternehmen einen Human Ressources Manager, der darauf achtet, dass die Mitarbeiter terstützt, indem sie auch mal freigestellt werden. Flecker: In Skandinavien setzen Unternehmen bereits erfolgreich auf einen Sechs-Stunden-Tag, um Krankenstände zu reduzieren. Um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, muss man aber auch im Sinne der Unternehmen zu kollektiven Lösungen kommen und auf europäischer Ebene harmonisieren. Ein Instrument wäre, die Höchstarbeitszeit von derzeit 48 Stunden abzusenken. Was ist denn Ihre Perspektive auf die Zukunft der Arbeit? Werden wir in zwanzig Jahren komplett deregulierte Arbeitsverhältnisse haben oder zu einer neuen Verteilung der Arbeit mit weniger Stunden für alle gekommen sein? Keuschnigg: Schwer zu sagen. Das ist ein langer Zeitraum. Flecker: Dann sind wir schon lang in Pension. Keuschnigg: Viel Wohlstand setzt Innovation voraus und die braucht Flexibilität. Die Beschäftigung muss in neue Formen gelenkt werden, die Arbeitsinhalte ändern sich schneller. Diese Dynamik wird sich noch weiter beschleunigen, sodass der Bedarf an Flexibilität steigt. Flecker: Ich denke, der lange Zyklus der Flexibilisierung und der Deregulierung des Arbeitsmarktes die Folgeprobleme der Deregulierung deutlicher werden. Das war im 19. Jahrhundert auch so. Man wird die heutigen prekären Arbeitsverhältnisse, die kommen. Ich bin optimistisch, dass nicht alles den Bach runtergeht.

10 Arbeitswelt: 10 Auch im Alter neue Chancen erstmals den größten Anteil der Personen im Erwerbsalter bilden. zurü ck. Folge: Ältere Arbeitnehmer sollen und müssen länger als bisher im Betrieb gehalten werden. Dass dies geht, zeigen verschiedene Unternehmensinitiativen. Von Harald Hornacek Österreichs Arbeitnehmer werden immer älter: Seit 2005 ist jeder zweite Mitarbeiter in heimischen Betrieben ü ber 40 Jahre alt waren bei uns 76,4 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter beschäftigt, in der EU 73,7 Prozent. Bei den 55- bis 64-jährigen waren hingegen nur 43,1 Prozent erwerbstätig ringe Erwerbsbeteiligung Älterer ist das frühe Pensionsantrittsalter in Österreich. Aber auch Arbeitsrecht und höhere Lohnansprüche gemein entwickelt sich die Beschäftigung der Personen von 50+ allerdings positiv: So legte die Beschäftigung im September 2014 um Menschen gegenüber dem Vorjahreszeitrum zu. Die Arbeitslosenquote 50+ liegt trotz der starken Zunahme des Arbeitskräftepotenzials nur geringfügig über der allgemeinen Zahl der Arbeitslosen. Diese leicht überdurchschnittliche Entwicklung ist eine der über 50-Jährigen. Somit ist die Situation der älteren Arbeitnehmer nicht so dramatisch, wie man es aufgrund mancher medialer Berichterstattung vermuten würde. Maria Kaun von der Abteilung für Sozialpolitik Arbeitslosenquote der Älteren ist tendenziell leicht höher als die Arbeitslosenquote am allgemeinen Arbeitsmarkt, verläuft im Zeit- Jugendlichen und Personen im Haupterwerbsalter die Beschäftigung gesunken sei. Die Entwicklung hätte sich dann im ersten Halbjahr 2014 fortgesetzt. Menschen ab 50 seien derzeit die einzige Altersgruppe unter den arbeitslosen Personen, die steigende Beschäftigungsaufnahmezahlen vorweisen könne: Trotz schlechter Arbeitsmarktlage seien bei ihnen die Beschäftigungsaufnahmen um 1,4 Prozent oder 1294 Menschen gestiegen. Qualitätskontrolle von Stahlbändern bei der Voest in Linz. Im Unternehmen gibt es seit Jahren ein eigenes Förderungsprogramm für ältere Arbeitnehmer. tigen fast 70 Prozent aller Arbeitnehmer. Aber bei einem Fünftel die ihrer Verantwortung nachkommen und ältere Arbeitnehmer beschäftigen, gefördert werden. Finanziert werden sollte dies durch mer und in der Industriellenvereinigung naturgemäß wenig Anklang. In einem sind sich die Sozialpartner aber einig: Um ein höheres faktisches Pensionsantrittsalter zu erreichen, müssen Maßnahmen gesetzt werden, damit Arbeitnehmer gesund und produktiv bleiben. Unternehmen werden immer aktiver ist es, die tatsächliche Verweildauer im Unternehmen so zu gestalten, dass diejenigen Mitarbeiter, die eine schwere körperliche Tätig- hat der Flughafen ein Programm für ältere Arbeitnehmer initiiert schwierigen Bedingungen. Wir haben in den letzten Jahren weniger Mitarbeiter aufgenommen und den Mitarbeiterstand in Summe reduziert. Daraus folgt, dass das Durchschnittsalter steigt, aber die

11 11 Beim Flughafen Wien ist man bemüht, das Durchschnittsalter der Belegschaft konsequent anzuheben. Das Programm für ältere Arbeitnehmer am Flughafen sei komplex angelegt und umfasse Themen wie Organisations- und Prozessplanung, Arbeitsplatzgestaltung, Aus- und Weiterbildung und Prävention. Neben der generellen längeren Verweildauer im Unternehmen sollen die Krankenstandzeiten bei älteren Mitarbeitern deutlich ge Jahre dauern, das geht nicht von heute auf te man das Programm vor rund vier Monaten, Krankenstände oder eine höhere Bereitschaft zu Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen gäbe es bereits. Für den Flughafen-Vorstand ist es wichtig, dass entsprechende Initiativen vom Unternehmen Unternehmenskultur. Es ist aus meiner Sicht eine men zu setzen, bevor sie von außen verordnet eigene Aktivitäten setzen und daraus lernen kön- Industrie besonders gefordert Nicole Berkmann, Sprecherin des Handelskon- sind beim Thema Beschäftigung älterer Arbeitnehmer alle gefordert: die Arbeitgeber, die aufgerufen sind, das Wissen und das Know-how der älteren Mitarbeiter entsprechend einzusetzen. Die Arbeitnehmer, die aufgerufen sind, aufgeschlossen für neue Ideen und Zugänge zu bleiben. Dann kann man Junge und Ältere gut miteinander vernetzen und das Unternehmen Führungskräfte-Workshops auch für langge- sind, dass man nie auslernt und sich immer wei- Aufgrund der schweren körperlichen Tätigkeiten ist vor allem die Industrie gefordert, ein alternsgerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen. Nicht zuletzt deshalb war die Industriellenvereinigung ternsgerechte Arbeitsgerechte Arbeitsorganisa- - & Alter ist die Sicherung der Produktivität älter werdender Mitarbeiter. Durch Sammeln und Aufarbeiten erfolgreicher Beispiele und internationaler Erfahrungen will man ein nützliches Informationsinstrument für Unternehmensführung, Personalverantwortliche, Betriebsräte und Unternehmensberater schaffen, das wertvolle Anregungen und konkrete Maßnahmenvorschläge für eigene Maßnahmen zur Verfügung stellt. Zudem verleiht das Sozialministerium etwa das men und Organisationen ausgezeichnet und sichtbar gemacht werden, die sich für Alter(n)sgerechtigkeit engagieren. Bisherige Preisträger und Sonnentor, die umfassende Programme zur Sensibilisierung, Aus- und Weiterbildung, indivi- sundheits- und Ernährungsangebote umsetzen. Ein Beispiel aus der Industrie, das von der Platt- rium besonders gelobt wurde, ist das Arbeitsfähigkeits-Programm des Baumaschinenherstellers Liebherr, der damit den Erhalt von Arbeitsfähigkeit fördern und die Zahl vorzeitiger krankheitsbedingter Ausstiege aus dem Arbeitsprozess senken will, um die Produktivität zu fördern. Zahlreiche Maßnahmen setzt das Unternehmen auch für Monteure, die oft bei extremer Kälte, starker Hitze oder in Schwindel erregenden Höhen arbeiten. Späterer Pensionsantritt Als einer der wichtigsten Vorreiter gilt auch che typischen frühen Pensionsantritte zu ver- Fit, Erfolgreich und umfasst unter anderem die te, dass alle Mitarbeiter an Weiterbildungsmaß- Vergleich zu den Jüngeren deutlich weniger an Entwicklungsmaßnahmen mitwirkten. Auch im Ergonomie-Bereich wurden gemeinsam zahlreiche Schritte entwickelt. Bei Böhler Edelstahl in Kapfenberg ist man noch einen Schritt weiter gegangen und ermöglicht Mitarbeitern, die kurz vor der Pensionierung stehen, kurzfristig auch ganz neue Arbeitszeitmodelle. So änderte Klaus Rosenblattl, Produktionsmitarbeiter in der Wärmebehandlung, seinen Lebensplan: Als ihm zur Pensionierung trotz 23 Jahren Nacht- und Schwerarbeit einige Monate Versicherungszeiten fehlten, um mit 57 in Pension gehen zu können, stieg er mit Unterstützung der Betriebsleitung auf Tagesdienst um. ist und mir die Arbeit Spaß macht, arbeite ich als Schichtarbeiter ohne Nachtschicht bis zu alle Kollegen konnten diesen Schritt verstehen. Aber für Böhler-Edelstahl-Personalchef Josef Luipl ist es ein Beweis, dass die Strategie des Unternehmens aufgrund der demographischen Entwicklung und einer zunehmend älteren Be- rechtes Arbeiten tragen wir auch zu einer Kultur leisten einen wertvollen Beitrag, wenn man sie Bei Böhler in Kapfenberg wurden für ältere Mitarbeiter eigene Arbeitszeit-Modelle entwickelt. Ausreißer auf dem Arbeitsmarkt 2012 waren in Österreich Personen über 50 beschäftigt und damit um 5,9 Prozent mehr als Der Trend hält an: Zwischen September 2012 und September 2013 stieg die Beschäftigung in der Altersgruppe um Personen, während die Beschäftigung in den anderen Altersgruppen um Personen zurückging. 50+ ist derzeit die einzige Altersgruppe unter den arbeitslosen Personen, die steigende Beschäftigungsaufnahmezahlen vorweisen kann: In der Altersgruppe 50+ stiegen die Beschäftigungsaufnahmen im ersten Halbjahr 2014 trotz schlechter Arbeitsmarktlage um +1,4 % oder Menschen. Um die Beschäftigung Älterer zu sichern, hat die Bundesregierung heuer ein Beschäftigungspaket beschlossen, das von insgesamt 370 Mio. Euro bereitstellt. Damit werden Eingliederungsbeihilfen an jene Betriebe bezahlt, die Arbeitnehmer der Altersgruppe 50+ einstellen, die länger als 180 Tage beim AMS gemeldet sind. Aus diesem Topf werden auch Kombilohnmodelle bezahlt sowie Förderungen für sozialökonomische Betriebe und gemeinnützige Beschäftigungsprojekte.

12 Anspruch auf Spaß Robert Rainer (23) entwickelt eine Software für Bewerbermanagement und ist Mitbegründer des Wiener Start-up-Unternehmens Pre Screen, das Betriebe bei der Auswahl von Personal unterstützt. edieninformatik war mein Studium an der Tech- Universität Wien. Soeben habe ich meine nischen Bachelor-Arbeit zum Thema Muster-Erkennung abge- partner ein Computer. Ich entwickle eine Webapplikation für Bewerbungen. Einerseits bieten wir eine Plattform im Internet mit einem psychologischen Test, mit dem Be- cher Job, welche Branche und Firma zu ihnen passt. Andererseits können auch Unternehmen die geeignetsten Personen, die nicht alle Ausbildungskriterien erfüllen, aber die passende Persönlichkeit und die passenden Werte mitbringen, einen Job zu bekommen. Unser Unternehmen haben wir im Juni 2012 gegründet. Wir sind zu sechst beteiligt, gehören aber mehrheitlich einem Investor. Bisher war ich etwa 50 Stunden die Woche im Büro, nun mache ich etwas mehr von zu Hause, weil meine Lebensgefährtin eine Ausbildung begonnen hat und ich in dieser Zeit bei unseren beiden Töchtern bin. Freizeit und Beruf sind nicht leicht zu trennen, aber da unser Service hauptsächlich unter der Woche genutzt wird, ist das Wochenende eher Familienzeit. Es macht mir richtig Spaß, Dinge zu entwickeln, die funktionieren. Für mich ist Programmieren ein kreativer Prozess: Man hat ein Problem, für das es viele Lösungsmög- 12 nicht machen, wenn es mir keinen Spaß machen würde. Am Anfang war die Firma eine Spielwiese, auf der ich das, was ich an der Uni gelernt hatte, verwirklichen Verantwortung, denn wenn das Spiel schief geht, gibt es Probleme. Aber wenn es ein Riesenerfolg wird, hätten meine Familie und ich keinen Einkommenszwang. dazu sagen, dass mir selbst relativ leicht etwas Spaß macht, solange ich Menschen habe, mit denen ich reden kann. Nur wenige meiner Schulkollegen arbeiten in dem Bereich, den sie studiert haben und werden auch angemessen bezahlt. Viele jobben als Museumswärter oder bei Manpower für acht Euro die Stunde oder reihen ein Praktikum an das nächste. Ich könnte mit zwei Kindern gar nicht als ter werden immer von Menschen programmiert gen, die Menschheit durch Computer zu entlasten. Denn welchen Sinn hat es, wenn Menschen Daten in Excel-Tabellen eintragen? Ich bin überrascht über Statistiken zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen im Beruf. In meinem Freundeskreis machen Frauen dassel- der Uni mehr Frauen das Fach inskribieren, als ich 18 war. Ich selbst möchte noch viel machen, Wirtschaft studieren, Jus oder Medizin. Ich kann mir auch vorstellen, Softwareentwicklung zu koordinieren, aber ich sehe derzeit keinen Entschei- Was ist Arbeit für Sie? Ist Arbeit Last, wie für den römischen Philosophen Seneca, oder Lust, wie für den Reformator Calvin? Ist es Mittel zum Broterwerb oder ein Weg zur Selbstverwirklichung? Über Zeiten und Kulturen hat sich die Bedeutung der und der Blick auf die wart. Eva Stanzl Karrieren, was ihnen Arbeit bedeutet. Engagement für etwas Bleibendes Jürgen Tatzer (34) ist Filialleiter einer neuen Bank-Austria-Filiale in Wien-Wieden. Ursprünglich hat er ein Handwerk gelernt. Zum Studium des Finanzwesens im zweiten Bildungsweg ging er in die Bank, wo er alle Herausforderungen einer Branche im Umbruch erlebt. ach der Schule habe ich eine Lehre als Au- abgeschlossen. Es war nicht, was tospengler ich für längere Zeit tun wollte, daher wechselte ich in den Außendienst und später in die Bank. Ich habe Kundenberatung und dann Top-Kunden-Betreuung gemacht, bis mir die Bank einen Führungskräfte-Lehrgang ermöglichte. Berufsbegleitend besuchte ich verschiedene Lehrgänge, die ich mit dem Diplomierten Finanzberater im Finanzwesen abschloss übernahm ich meine erste kleine Filiale, später nahm ich ein Angebot der Bank Austria an. Seit Mai 2014 leite ich die modernste Filiale in Wieden mit 16 Mitarbeitern, die erste mit neuen Öffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr. In einer Themengruppe hatten wir herausgearbeitet, was wir im Arbeitsablauf ändern können, damit die geänderten Öffnungszeiten umsetzbar sind. Nachdem wir das ausgeklügelt hatten, war es für mich ein absolutes Muss, dass unsere Filiale die neuen Öffnungszeiten bekommt. Veränderung spielt eine große Rolle in meinem Leben. Es ist für mich nicht vorstellbar, ein- und denselben Job 40 Jahre lang zu machen, sondern es muss sich alle drei bis vier Jahre etwas ändern und wenn es nur die Örtlichkeit ist. Wir haben Ende Mai aufgesperrt und mein persönlicher Plan wäre, einige Jahre hier zu sein und einen wirklich guten Job zu machen. Danach würde ich gerne den nächsten Karriereschritt anpeilen und noch mehr Verantwortung übernehmen. Mich interessiert die Finanzbrache sehr und ich kann mich darin verwirklichen. Ich denke, dass wir das Bankwe- haben. Wenn ich nochmal bei einer ähnlichen Veränderung dabei sein kann, wäre es toll. Denn irgendetwas Bleibendes hätte ich schon gerne, wo ich sagen kann: Das habe ich mitgestaltet. Was ich bei Frauen im Beruf zunehmend wahrnehme, ist, dass sie aktiv auf eine Karriere hinarbeiten und im Unterschied zu unserer Elterngeneration keinen Stress haben, Kinder zu bekommen. Aber wenn dann ein Kind kommt, passt das, und danach gehen sie meist auch schnell wieder arbeiten, weil auch der Partner sich um das Kind kümmert. Ich selbst habe geregelte Abläufe und ein gutes Familienleben und das zu erhalten, wäre ein Highlight. Das Einzige, was noch etwas besser sein könnte, ist die Work-Life-Balance, also Familie und Job noch besser zu verknüpfen. Ich bin außerdem ein sehr sportlicher in vollem Ausmaß ausleben. Ich gehe auch nicht hier raus und schalte ab, sondern strukturiere meinen Tag immer stärker. Ich gehe in der Früh laufen, bin um halb zehn im Büro, fahre um 18 Uhr nach Hause, lege meinen Sohn nieder und drehe um 20 Uhr zu Hause nochmal den Computer auf. Aber es geht mir ganz gut damit.

13 Glaube an die Sache Martina Fineder (42) ist Designhistorikerin, Kulturwissenschafterin und Ausstel- 13 ch arbeite und andererseits angestellt in Weimar und pendelt zwischen Österreich und Deutschland. Mein Alltag ist divers. Ich wechsle oft die Arbeit, die Arbeitsorte, Projektteams und auch die Arbeitgeber. Außerdem habe ich Familie und arbeite auch von zu Hause. In der Praxis sieht mein Tag in Wien so aus: Wir stehen um halb sieben auf, machen Frühstück und bereiten vor, was die Kinder für ihren Tag brauchen. Danach bringen entweder mein Mann oder ich die Kinder in die Schule und in den Kindergarten. Mein Arbeitstag in Wien beginnt um neun, manchmal früher. Viele Tage beginne am Schreibtisch mit Mails checken und beantworten, danach plane, recherchiere und/oder schreibe, oder bereite Vorlesungen und Seminare vor. An anderen Tagen erledige ich die Arbeit außer Haus: Meetings, Recherchen und vor allem Unterrichten. Um 16 Uhr hole ich abwechselnd mit meinem Mann entweder meine Tochter oder meinen Sohn oder beide ab. Wenn die Kinder abends im Bett sind, arbeite ich oft weiter. Alles in allem komme ich auf rund 50 Arbeitsstunden in der Woche. Mein Alltag ist dicht, aber auch bunt. Mein Beruf erlaubt mir, meine Neugier zu befriedigen. Familie und Arbeit zu koordinieren ist nicht immer leicht, ebenso wie verbesserungsbedürftig sind. Ob man davon leben kann ist eine Frage des Anspruchs, letztlich auch eine Frage des Arbeitspensums. Mein Monatseinkommen ist äußerst variabel. Meine neue universitäre Anstellung mit Lehrtätigkeit in Weimar macht die Lage berechenbarer, allerdings ist der Vertrag auf ein Jahr befristet. Dankenswerterweise lebe ich in einer sehr stabilen Partnerschaft und wir tragen die Dinge gemeinsam, wobei mein Partner auch selbstständig ist und ein ebenso variables Einkommen hat, aber persönlichkeitsbedingt kommen wir damit zurecht. Als ich Industriedesign zu studieren begann, waren wir etwa 70 Prozent Studenten und nur 30 Prozent Studentinnen. Später, im Studium der Designgeschichte und -theorie wie auch den Kulturwissenschaften waren es vermittelnden, beschreibenden, forschenden Tätigkeiten im Design- und Kulturbetrieb. Meine jungen Kolleginnen sind froh, zu sehen dass ich Kinder habe und dass beides irgendwie geht. Arbeit ist ein wichtiger Teil meines Lebens, auch weil sehr dieser Zeit einer Tätigkeit nachzugehen, die mir unwichtig ist. Das Fachgebiet sozial und ökologisch motiviertes Design habe ich mir ausgesucht, weil ich die Erforschung, Weiterentwicklung und Verbreitung einer nachhaltigen Verwirklichung in Etappen Pascale Ehrenfreund (53) ist Astrophysikerin bei der US-Weltraumbehörde Nasa und Präsidentin des Wissenschaftsfonds FWF. Sie leitet schung vergibt. Berufsbedingt pendelt sie zwischen den Kontinenten. ch würde meinen Arbeitsalltag nicht als normal bezeichnen, denn ich habe bis zu sieben Tage der Woche bis in die Nacht hinein zu tun. Wenn ich von Abendveranstaltungen als FWF-Präsidentin nach Hause komme, warten s und Telefonate aus Amerika auf mich. Berufsbedingt reise ich viel und habe gelernt, in fast jeder Lebenslage zu arbeiten. Ich habe wenig Freizeit, schaffe aber Zeit für Sport, auch weil es gesundheitlich notwendig ist, um die vielen Flüge auszugleichen. Vielleicht würden mich andere als Workaholic bezeichnen, aber das liegt wohl auch am Beruf, denn Wissenschaft nimmt einen ein: Man hört nicht auf, über ein Experiment nachzudenken, wenn warum ich nun die Doppelbelastung mit dem FWF-Präsidium auf mich nehme, ist, dass ich die Situation für die Wissenschaft verbessern möchte. Jahrelang bekam ich mit, wie selten sich Synergien zwischen Fachrichtungen ergeben und wie schwer Forscher sich tun, einheitlich gegenüber der Politik für ihre Interessen einzutreten. Ich habe im zweiten Studium Management und International Relations studiert, um mich zu engagieren. Ich habe mich mit dem Ursprung des Lebens und der Suche nach Leben auf anderen Planeten beschäftigt. Meine Meilensteine sind Instrumente, für die ich arbeite, die dann zum die Missionen lange dauern, ich verwirkliche Instrument liefern, erste Tests im Weltraum machen oder die Sonde mit dem Instrument landet. Wissenschaft ist Faszination, daher erforscht man am liebsten, was man möchte. Somit ist ein gutes Einkommen zwar wichtig, besonders wenn man Familie hat, aber letztlich ist in der Wissenschaft der Sicherheitsgedanke dem Freiheitsgedanken gegenübergestellt. Ich selbst habe einen Fixposten einmal verlassen, weil ich mich anderswo besser weiterentwickeln konnte. Als ich jung war, studierten nur wenige Frauen technische Fächer, doch es ändert sich: Heute bewerben sich fast nur Frauen für Post-Doc-Stellen. Besonders in hohen Positionen hängt viel davon ab, wie man sich seine Karriere baut. Wichtig ist auch die Selbstsicherheit, dass das alles möglich ist: Karriere und Familie. Wichtig sind mir langfristige Ziele. Eine Wissenschafterin benötigt Durchhaltevermögen und Belastbarkeit, denn es geht oft lange alles schief. Eine Managerin muss einen Schritt zurücktreten können, sich einen Überblick verschaffen, und synergetisch denken, denn der Versuch, etwas aufzubauen, erzeugt oft Wi- und Enthusiasmus dafür errungen wird. Wissenschaftlich ist es mir wichtig, die Resultate der Instrumente, an denen ich arbeite, zu be-

14 Hassliebe, weil es sein muss in Wien. Der Beruf hat ihm schon viele interessante Stunden beschert, einem Zuwachs an Taxis immer weniger einträglich. ch bin kein Frühaufsteher. Ich fange um zehn Uhr an und arbeite in die Nacht hinein, auch weil dann weniger Verkehr ist und mehr lustige Leute unterwegs sind. Ich muss 12 bis 14 Stunden fahren, um auf einen ausreichenden Umsatz zu kommen. Früher hat man 30 Liter Benzin für 20 Euro bekommen und nur wenige Stehzeiten, heute ist es umgekehrt. Bei einem Einsatz von 14 Stunden komme ich auf acht bewegte Stunden und einen Netto-Stundenlohn von sechs oder sieben Euro. Meine Frau sagt schon lange, ich soll das Taxifahren an den Nagel hängen. Aber mit 52 frage ich mich, was ich anderes machen soll, wohl ich genug Material hätte: Mir erzählen alle etwas. Kürzlich habe ich eine Frau geführt, die für das Arbeitsmarktservice arbeitet. Sie hat mir sagt, dass sie ein Computerprojekt machen, aber keine ausge- man sich vorstellen: Die Computerbranche ist ein eigenen Kunden keine Arbeitslosen, die es beschäftigen könnte, denn es kommen sich keine guten Leute vorstellen. Im Taxigewerbe ist es ähnlich: Taxifahrer Menschen. Es ist toller, schöner Job, aber es gibt immer weniger gute Taxifahrer. Motors. Dann wollte ich den Industriemeister machen, aber es hatten sich bereits fertige Industriemeister beworben. Ich ließ mich abfertigen, meine Frau begann wieder zu arbeiten und ich hatte ein schönes Jahr mit meiner kleinen Tochter, bis mein Bruder, ein Taxiunternehmer, sagte: Mach den Taxischein. Damals gab es in Wien 3000 Taxis und die 14 U-Bahn war noch nicht so stark ausgebaut: Man und 800 Botendienst-Autos, plus Mietwägen und fahrten. Diese Fuhren machten früher wir. Früher haben uns auch Firmen zwei bis drei Mal die Woche auf Botenfahrten mit Technik oder Wertgegenständen quer durch Österreich geschickt, aber das gibt es nicht mehr. Mein Bruder ging in Pension und trieb wäre mir zu teuer gewesen, man hätte mehr investieren müssen, als ich hatte. Außerdem ist das gene Tasche. Und um ehrlich zu sein sollte ich aufhören, wegen meiner Rückenprobleme, aber das wird vor 60 nicht gehen. vation. Dementsprechend unmotiviert bin ich als einziger Dienstleister meiner eigenen Firma. Ich arbeite, weil ich muss. Es ist eine Hassliebe: Wenn es geht, ist es super, aber wenn ich fünf Stunden stehe, man muss immer locker bleiben. Ich habe mir mein lichung. Und ich habe meine Kinder wohlerzogen, meine Frau ist mir trotz aller Schwierigkeiten nicht davongelaufen und ich hätte mir eigentlich nicht gedacht, dass beide Kinder studieren würden: Ich selbst habe meinen schulischen Erfolg verbockt, weil mir das damals nicht interessant erschien. Heute ist Den Lebensunterhalt verdienen Franz Nagl (64) begann1964 eine Bäcker-Lehre in seinem Ort und blieb dort bis zur Pension. Der Backstubenleiter arbeitete gerne, stellte aber nicht den Anspruch, sich im Beruf zu verwirklichen. An manchen Tagen buken er und seine Kollegen bis zu 1500 Kilo Brot. ach der Schule ging ich bei der Bä- Schiel in Herrnbaumgarten ckerei (Anm.: im niederösterreichischen Weinviertel) in fung. Danach musste ich zum Bundesheer. Als ich zurückkam, wurde die Bäckerei umgebaut und später sogar vergrößert, der Senior-Chef ging in Pension, der Junior-Chef übernahm und führt es bis heute. Ich war zuerst Mischer und später Backstubenleiter und habe etliche Lehrlinge ausgebildet, sah um die 20 Mitarbeiter kommen und gehen. Ich hatte die Verantwortung, als Erster in der Backstube zu sein. Den Teig habe ich schon am Vortag zusam- mischen an. Danach kamen die Arbeiter und dann ging es richtig los. Unter der Woche war Arbeitsbeginn um halb eins in der Nacht, am Wochenende um halb zwölf und dann ging es durch bis halb acht in der Früh. Ab halb fünf hat der Chef mit dem Auto ausgeliefert. Wir haben die ganze Umgebung versorgt, weil ein Bäcker nach dem anderen zugesperrt hat. Ende der 1990er Jahre gab es am Land ein richtiges Bäckersterben, weil die großen Supermärkte hatten wir mindestens 15 Sorten Brot, aber jetzt gab es noch viel mehr. Dadurch verloren es aber immer noch. und in den besten Zeiten Anfang der 1990er Jahre waren wir zu sechst. Wir sind ein Weinbaugebiet und zur Lesezeit haben wir an Samstagen 1500 Kilo Brot gebacken. Mir hat den Leuten muss man halt zusammenarbeiten und kooperativ sein, aber es gab Lohnerhöhungen und es ist gut gelaufen. Es war keine schwere Arbeit, aber sie hat sehr stressig sein können, wenn wir im Arbeitsablauf durcheinanderkamen, bevor das erste Auto liefern fuhr. Selbstverwirklichung spielte für mich keine große Rolle, denn ohne Arbeit geht es ja nicht, man verdient ja den Lebensunterhalt. Ich habe mich auch unter den Kollegen nie hervorgetan oder darauf bestanden, dass etwas genau so ist, wie ich es mir vorstelle. In der Arbeit muss noch im Hausbau. Aber auf dem Land ist es ja selbstverständlich, dass man sich alles, was man kann, selbst macht. Bäckerinnen gab es keine bei uns, wir waren nur Burschen. Bäckerinnen gibt auch heute eher nur, wenn sie einen Betrieb zu Hause haben. In der Nacht und am Wochenende zu arbeiten ist nämlich schon hart der Samstag ist sogar ein sehr stressiger Tag. Dann bleibt nur der Sonntag zum Erholen und von Sonntag auf Montag geht es schon wieder los. Dafür konnte ich unter Tags etwas anderes machen, zum Beispiel ein Haus bauen. Nach dem Bundesheer war es kurz Thema, ob ich einen anderen Beruf ausübe. Aber ich bin geblieben und wollte auch später nicht mehr von vorne an-

15 15 Harzer Der Arbeitsplatz des Harzers war der Wald mit dem Unterschied, dass ein Harzer die Bäume nicht fällte, sondern sie nur verletzte. Mit einem scharfen Messer schälte er einen Teil der Rinde (meist von Schwarzkiefern) ab und schnitt den Stamm so ein, dass er das Harz auffangen konnte. Daraus wurden Teer und Terpentin gemacht. Das Handwerk nenden 20. Jahrhundert verlor der Beruf an Bedeutung, weil man immer erfolgreicher mit Kunstharz experimentierte. Heute wird im industriellen Bereich vorwiegend Kunstharz verwendet. Das österreichische Sozialversicherungssystem kennt allerdings noch immer den Beruf des selbständigen Pechers, wie der Harzer auch genannt wurde wurde die Pecherei in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen. Durch Automation verdrängt waren früher ganz anders als heute. Ob der Köhler, der Ruß und tungen aufspürte: Beide gibt es nicht mehr. Der technologische nen erledigen die Arbeit in einem Bruchteil der Zeit, oder wir brauchen die damals hergestellten Produkte einfach nicht mehr. Einige dieser Tätigkeiten leben allerdings in der Sprache oder in Familiennamen weiter. Von Petra Tempfer Schriftsetzer Sie galten als die Intellektuellen unter den Handwerkern, als pingelige Verfechter der Rechtschreibung. Schriftsetzer mussten früher eine vier-, später eine dreijährige Lehre absolvieren, bevor sie aus Blei gegossene Schriften setzen durften. Dabei hielten sie einen Winkelhaken (eine verstellbare Schiene zum Zusammensetzen einer Zeile) in der einen Hand und steckten mit der anderen die Buchstaben und Zeichen hinein. Diese pickten sie aus dem Setzkasten, in dem penible Ordnung herrschte. Erfahrene Schriftsetzer schafften auf diese Weise bis zu 1500 Zeichen pro Stunde. Das Schwierige daran war, dass sie den Text spiegelverkehrt und auf dem Kopf stehend setzen mussten, damit er nach dem Druck lesbar war. Da die Lettern aus Blei bestanden, bargen sie die reiche Betriebe versorgten ihre Angestellten daher mit einem halben Liter Milch oder Kakao täglich, weil das darin enthaltene Calci- sie nannten, vorzubeugen. Seit 1998 gibt es den Lehrberuf des Schriftsetzers nicht mehr. Heute erledigen Layouter und Mediengestalter in Digital und Print deren Arbeit. Kupferstecher Noch gibt es Künstler, die sich mit diesem Begriff schmücken. Früher war der Kupfer- fahrens der Lithographie im 19. Jahrhundert war der Kupferstich das Illustrationsmittel schlechthin. Kupferstecher vervielfältigten Bilder für Malerwerkstätten oder Verlagshäuser, indem sie diese durch spanabhebende Verfahren auf Kupferplatten übertru- scher gute Kupferstecher sein mussten. Gasriecher Ihr wichtigstes Werkzeug war ihre Nase. Die des vergangenen Jahrhunderts unterirdische men sie auch Hunde auf ihren Patrouillen mit. Mit dem Aufkommen technischer Lecksuchgeräte starb der Beruf aus. Wagner Lumpensammlerin/ Haderlump Wer in abgerissener Kleidung durch die Straßen zieht, ist ein Haderlump. Was wir nur noch als Schimpfwort kennen, war früher ein Beruf. Der Haderlump war ein Lumpensammler, der Städte und Dörfer durchwanderte, um alte Kleidung zu sammeln und weiterzuverkaufen. Manchmal waren es auch Stoffreste, die er in prallen Säcken auf seinem Wagen sammelte und an die nächsten Papiermühlen veräußerte. Im 18. Jahrhun- aus Leinen, Hanf, Baumwolle oder Wolle zusammen mit Spinnerei- und Seilerabfällen den einzig verfügbaren Faserrohstoff bei der Papiererzeugung dar. Zeitweise waren sie so begehrt und rar, dass für sie ein Exportverbot bestand, das mitunter mit Waffengewalt durchgesetzt wurde. Heute gibt es zahlreiche Rohstoffe und etwa 3000 Papiersorten. Buchbinder haben Buchbinder die Aufgabe, losen Schriften ein gebührendes Kleid zu geben. Obwohl der Bucheinband so alt ist wie das erst im späten Mittelalter entstanden. Im 19. Jahrhundert wurde es durch die maschinelle Massenproduktion verdrängt. Heute ist Buchbinder ein Lehrberuf. Die meisten Absolventen werden dazu ausgebildet, die industrielle Fertigung zu begleiten. Eine ausgewählte Minderheit stellt noch immer Bücher von Hand her. Köhler Sie wohnten, wo sie arbeiteten: im Wald. Köhler stellten aus Holz Holzkohle her. Dafür zerhackten sie die Baumstämme, um sie mussten ständig bei den rußenden Öfen bleiben, weil die Temperatur nicht sinken durfte. Als man ab dem 18. Jahrhundert zunehmend auf Steinkohle setzte, hatten die Köhler immer weniger zu tun, bis der Beruf schließlich ganz verschwand. Die Letzten ihrer Art fertigen noch heute Wagen und Wagenteile wie Räder und mehr in dem Ausmaß, in dem sie es vor der Blüte der industriellen Fließbandfertigung taten. Wagner oder auch Stellmacher waren die Autohersteller des Mittelalters. Einfache Pferdekarren, Wagen und Kutschen zählten zu ihrem Repertoire. Während des Eisenbahnbooms des späten 19. Jahrhunderts waren sie noch als Waggonbauer begehrt und fanden auch in landwirtschaftlichen Betrieben ein Betätigungsfeld. In den Produktionsgenossenschaften der DDR war der Stellmacher noch bis zur Wende 1989 ein verbreiteter Beruf. Heute fristet er ein Nischendasein.

16 future Telegramm von Helmut Ribarits 16 London-New York in einer Stunde Mini-Roboter für heikle Aufgaben Sie könnten künftig Menschen ersetzen, die unter enormem Risiko die große Brücken, Dächer oder Fassaden nach Schwachstellen absuchen. Geforscht wird schon seit einiger Zeit, um die Winzlinge im Kollektiv Aufgaben erfüllen zu lassen. Das Micro Robotics Center der US-Universität Maryland meldete jüngst einen Durchbruch: Eine neue Art von Mini-Schwarmrobotern kann in jede Richtung mit einer enorm hohen Geschwindigkeit im Kollektiv denken und handeln. Dazu lassen sie sich von keiner Hürde stoppen. Ziel ist, die Racker von der Größe einer Zwei-Euro-Münze so zu programmieren, dass sie auf Brücken klettern können, um sie auf Schäden und Schwachstellen zu untersuchen. Roboter als Barkeeper auf dem ersten Smart-Kreuzfahrtschiff Sie heißt Quantum of des Seas, fasst über 4000 Passagiere, begibt sich im November 2014 auf ihre Jungfernfahrt und soll nach Angaben der US-Schiffsgesellschaft Royal Caribbean das technologisch fortschrittlichste Kreuzfahrtschiff aller Zeiten sein. Nicht nur, dass die Drinks an der Bar von Robotern zubereitet werden, sondern in der Galerie Two70 werden die Passagiere auch mit allen Facetten der Videotechnologie unterhalten. Kabinen ohne Blick aufs Meer besitzen virtuelle Balkone. Dabei handelt es sich um einen Bildschirm, der vom Boden bis zur Decke reicht und auf dem eine Echtzeit-Außenansicht des Meeres dargestellt ist. Dazu wurden mehrere Apps für das Schiff entwickelt, die das Leben der Passagiere erleichtern sollen. Schiff ahoi! Der britische Milliardär Richard Branson, der nicht nur den Weltraumtourismus, sondern auch sehr schnelle Reisen für Privatpersonen mit seinem Unternehmen Virgin Galactic ermöglichen will, möchte jetzt die Reisezeit von London nach New York stark verkürzen, indem er einen Abstecher über den Weltraum macht. Mit einem Trägerflugzeug wird ein Transportobjekt gestartet. Eine Hybridraketenantrieb katapultiert die Reisenden ins All und sorgt für eine sensationelle Reisegeschwindigkeit. Eine äußerst visionäre Vorstellung, gilt es doch noch die technischen Voraussetzungen und die entsprechende Infrastruktur (Bahnhöfe) zu schaffen. Aber, bei Richard Branson lässt sich ein Spruch aus der Glückspielindustrie anbringen: Alles ist möglich. Ein Pflaster zum Fiebermessen Transformer aus Salzburg Die Salzburger Firma Kormaran Gmbh setzt neue Maßstäbe im Bootsbau. Eine Zukunftsvision soll demnächst wassertauglich sein. Das High-Tech-Konzept punktet mit seinem Facettenreichtum und vereinigt verschiedene Bootsklassen in einem schnittigen Gefährt mit drei Sitzplätzen. Mithilfe verschiedener Mechanismen ist es nach sieben Jahren der Tüftelei möglich, den Kormaran als Segelboot, Katamaran, Trimaran aber auch Speedboot zu nutzen. Das 500 PS starke Antriebsaggregat beschleunigt den 1500 Kilo schweren Transformer auf bis zu 70 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Wann es den Flitzer zu kaufen gibt, steht noch nicht fest. Ein Heftpflaster ist ein extrem nützliches Utensil zur Wundbehandlung, zur Schmerztherapie und sogar zur Bekämpfung der Nikotinsucht. Nun kann es auch Fieber messen. Colin Hill und seinen Kollegen von der US-Universität Pennsylvania statteten das Pflaster mit einem Chip aus und funktionierten es mit einem Handy zum Babyphone um. Ein Segen für viele Eltern, die anstelle des Fieberthermometers ein Pflaster unter der Achsel ihres Kindes anbringen. Es ist über Bluetooth mit einer Messeinheit verbunden, welche die Temperatur-Daten per WLAN weiter leitet. So können die Informationen über die Cloud mit dem Smartphone jederzeit abgerufen werden. Gesammelte Daten lassen sich auch leicht zum Arzt übermitteln. Das System soll für rund 110 Dollar Anfang nächsten Jahres erhältlich sein. Comeback des Zeppelins Der Traum, ein leistungs- und funktionsfähiges Transportluftschiff zu konstruieren, ist noch lange nicht ausgeträumt vor allem nicht in den USA. Igor Pasternak, Gründer von Aeroscraft, und seine Mitarbeiter wollen den Luftfrachtverkehr revolutionieren. Aufgrund seiner Helium-Füllung soll das Aeroscraft vertikal starten und landen, aber auch im Schwebezustand be- und entladen werden können. Ein internes Ausgleichssystem (Sinken durch Verdichtung des Heliums) ermöglicht es dem neuen Luftschiff, ohne Flughafeninfrastruktur und Bodenpersonal auszukommen. So wäre es möglich, entlegene Ziele, Ölplattformen, Offshore-Windkraftwerke oder Katastrophengebiete anzufliegen und große Lasten zu befördern. Be- und Entladungsvorgänge wurden bereits an Prototypen getestet. Eigenheim unter Wasser Was hatten wir an dieser Stelle nicht schon alles im Angebot Hotels, die Zimmer unter Wasser vermieten, oder Luxusappartements in Spezial- U-Booten. Die Firma U.S. Submarine Structures LLC treibt es nun mit dem H2OME Hightech-Gebilde an die Spitze, oder besser gesagt auf den Meeresgrund. Wenn es nach diesen Architekten geht, ist futuristisches Wohnen auf 340 Quadratmetern, umgeben von Fischschwärmen und Korallen, keine Zukunftsvision, sondern Wirklichkeit. Wer an die zehn Millionen Dollar erübrigen kann und sich auf dem Grund eines Ozeans, einer verträumten Lagune oder eines idyllisches Bergsees zurückziehen möchte, dem kann geholfen werden. In welchen Dimensionen sich die Grundstückspreise bewegen, ist allerdings noch zu klären. www. ussubstructures.com

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