Arbeiten mit Hand, Herz und Kopf

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1 Fachtagung Produktionsschulen Arbeiten mit Hand, Herz und Kopf Leitideen und Prinzipien von Produktionsschulen,

2 Leitideen & grundlegende Merkmale von Produktionsschulen Zielgruppen Ziele Zugang & Verweildauer Pädagogisches Konzept Kompetenzfeststellung und Entwicklungsplanung Arbeits- und Lernkultur Fachkräfte der Produktionsschule Regionale Einbindung Finanzierung

3 Zielgruppen Förderschüler/innen über Hauptschüler/innen bis hin zu Realschüler/innen Schulabbrecher/innen und schulmüde junge Menschen junge Menschen ohne Ausbildungsplatz und Ausbildungsabbrecher/innen arbeitslose junge Menschen und Jugendlichen Jugendliche mit besonderem individuellen sozialpädagogischem Hilfebedarf sowie Jugendliche mit Sprachproblemen lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Personen noch nicht ausbildungsreife Jugendliche und junge Erwachsene Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren

4 Zielgruppen (berufs-)schulpflichtige Jugendliche (BVJ) ohne Hauptschulabschluss (Plätze: 16, Alter: Jahre) Jugendliche ohne Job oder Ausbildungsplatz aus dem Rechtskreis SGB II (Plätze: 44, Alter: Jahre)

5 Ziele fördern und unterstützen die Entwicklung der Persönlichkeit und den Erwerb sozialer und personaler Kompetenzen unterstützen bei der beruflichen Orientierung und der Entwicklung eigener Lebens- und Zukunftsperspektiven Unterbreiten pädagogische Settings mit zugeschnittenen integrierten Bildungs- und Unterstützungsangeboten, die zur Stabilisierung der Lebensführung bei zunehmender Beschäftigungs- und Ausbildungsfähigkeit führen vermitteln Kenntnisse, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die für die Aufnahme einer Berufsausbildung und einer Erwerbstätigkeit notwendig sind bereiten auf externe Prüfungen zum Nachholen von Schulabschlüssen vor

6 Ziele Orientierung, Stabilisierung, Motivierung und Qualifizierung als übergeordnete Ziele Berufsorientierung und -vorbereitung für 16 berufsschulpflichtige Jugendliche (16-17 J.) Berufsorientierung und vorbereitung (AGH) für 24 Jugendliche im SGB II-Status (18 25 J.) Berufsausbildung (BaE integrativ u. kooperativ) für 20 Jugendliche im SGB II-Status (18 25 J.)

7 Zugang & Verweildauer freiwillige Entscheidung, i.d. Regel bewerben sich die Jugendlichen Ein- bzw. Ausstieg jederzeit möglich Verweildauer: grundsätzlich an den individuellen Erfordernissen der Jugendlichen orientiert

8 Zugang und Verweildauer Jugendliche entscheiden sich nach Vorstellungsgespräch für die Produktionsschule schulpflichtige Jugendliche: zu Beginn des Schuljahres oder später für max. 1 Jahr SGB II-Jugendliche (Berufsvorbereitung): jederzeit für 6 bis 12 Monate SGB II-Jugendliche (Berufsausbildung): zu Beginn des Ausbildungsjahres für mind. 24 Monate

9 Zugang & Verweildauer: Stolpersteine Prinzip der Freiwilligkeit: Spannungsfeld zwischen Zuweisungspraxis (z.b. ARGEn) und aktiver Entscheidung des Jugendlichen Akquise von potentiellen Produktionsschülern: Abstimmungsprozesse mit abgebenden Schulen und Einrichtungen; Bekanntheitsgrad und Anerkennung der PS in der Region Verweildauer: Vorgaben des Fördergebers -> zwischen 6 Monaten und bis zu 2 Jahren; individuelle Erfordernisse und Einzelfallentscheidungen Übergänge gestalten Anschlüsse nach der PS-Zeit

10 Pädagogisches Konzept eine Produktionsschule produziert für den Verkauf bzw. bietet Dienstleistungen an; Marktorientierung und (annähernd) reale betriebliche Bedingungen Lernort, an dem Arbeiten und Lernen sich gegenseitig bedingen; Lernprozesse an einer Produktionsschule finden über Produktionsprozesse statt -> Produktion ist Ziel und gleichzeitig Mittel zum Zweck transparente Entlohnung für die Jugendlichen (geringes, leistungsabhängiges Entgelt)

11 Pädagogisches Konzept ernsthafte Aufträge: keine Bastelarbeit; keine Projektarbeit, an deren Ende die Jugendlichen ihre Produkte mit nach Hause nehmen (Kunde als pädagogischer Dritte, Rapp 2005, S. 357) Lernerfahrungen an sinnbesetzten Gegenständen & Verknüpfung des Lernens über die Produktionsprozesse ermöglichen wiederholbare Erfolgerlebnisse -> Abbau von Versagens- und Misserfolgserleben Novizen lernen von Experten

12 Pädagogisches Konzept: Vermittlung fachlicher & methodischer Kompetenzen Erstellung von Produkten und Dienstleistungen in drei Produktionsbereichen: - Gastronomie und Hauswirtschaft - Haustechnik und Gebäudeunterhaltung - Büroservice Aufträge von externen u. internen Kunden Praktika in Betrieben und anderen Ausbildungsbereichen der Werk-statt-Schule

13 Pädagogisches Konzept: Förderung personaler und sozialer Kompetenzen Gruppen- und Teamarbeit stehen im Vordergrund Jugendliche sind Arbeitnehmer/-innen und keine Schüler/-innen ältere Jugendliche erziehen jüngere Jugendliche jeden Tag gemeinsames Frühstück Projekte und Kreativangebote

14 Pädagogisches Konzept: Stolpersteine (1) reale Aufträge und richtige Kunden (z.b. Aufträge aus der Kommune, von örtlichen Betrieben und privaten Kunden) Akzeptanz in der regionalen Wirtschaft geeignete Produkte und Dienstleistungen -> mit Blick auf die regionalen Gegebenheiten transparente Entlohnung für die Jugendlichen (geringes, leistungsabhängiges Entgelt)

15 Pädagogisches Konzept: Stolpersteine (2) Lernen an Produktionsaufgaben -> sorgfältige Erfassung der pädagogischen Perspektiven und Bedingungen: geeignete Produkte & Dienstleistungen; Spagat zwischen Produktion (Qualität, Zeit) und pädagogischem Auftrag muss immer wieder neu gestaltet werden Werkstätten = pädagogisch vorbereitete Umgebungen keine Monotonie in den Arbeitsabläufen oder langfristige Serienproduktionen; klare und überschaubare Arbeits- und Lernzusammenhänge gestalten (z.b. tägliche Arbeitsbesprechungen, Wochenpläne) Produktionsschulprinzip und Vorbereitung auf das Nachholen von Schulabschlüssen

16 Kompetenzfeststellung & Entwicklungsplanung statt Defizitorientierung: Stärken und Fähigkeiten der Jugendlichen sind Ausgangspunkt individualisierte Kompetenzfeststellung Kompetenzfeststellung untrennbar mit individueller Entwicklungsplanung verbunden Entwicklungsplan enthält arbeitswelt-, fachbezogene und sozialpädagogische Lernschritte

17 Kompetenzfeststellung & Entwicklungsplanung individuelle Förderung als pädagogisches Herzstück regelmäßige Förderplangespräche mit Zielvereinbarungen Profilpass und Bewerbungstraining Dokumentation des Entwicklungs- und Förderprozesses Beratung und Hilfe bei Problemen Elterngespräche

18 Kompetenzfeststellung & Entwicklungsplanung: Stolpersteine geeignete Kompetenzfeststellungsverfahren systematische & transparente Erfassung und Dokumentation der an der PS erworbenen berufspraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten Kommunikation & Kooperation aller Beteiligten (Jugendlichen selbst, Fachkräfte der PS, Fachkräfte außerhalb der PS) -> abgestimmtes Zusammenwirken der individuellen Förder- und Unterstützungsangebote

19 Arbeits- und Lernkultur offene Lern- und Arbeitssituationen: Bedürfnisse, Probleme und Interessen können repressionsfrei artikuliert werden besondere Atmosphäre und Kultur: respektvoller Umgang, empathische Zuwendung; gegenseitige Achtung und Wertschätzung transparente Tages- und Wochenstrukturen mit wiederkehrenden orientierenden Punkten/ Ritualen (z.b. tägliche Morgenbesprechung; gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Arbeits- und Lernalltages); Schaffung von Heimat

20 Arbeits- und Lernkultur 500 qm für Küche, Hauswirtschaftsraum, Bistro, Großraumbüro, Besprechungsraum, Verwaltungsund Sozialräume - keine Klassenzimmer erkennbare klare Strukturen, Regeln und Rituale durch Jugendliche gestaltete Einrichtungen und Räume familiäre Atmosphäre und Einrichtungskultur

21 Arbeits- und Lernkultur: Stolpersteine Schaffung anregender und förderlicher Arbeits- und Lernumgebungen und räumliche & finanzielle Rahmenbedingungen Regelwerk einer Produktionsschule: nachvollziehbare Regeln, transparente Tages- und Wochenstrukturen mit wiederkehrenden orientierenden Punkten und Ritualen -> Strukturierung des pädagogischen Alltags Partizipationsmöglichkeiten für alle Beteiligten einer Produktionsschule

22 Fachkräfte an einer Produktionsschule existiert Mix verschiedener Professionen erfahrene Werkstattpädagogen/-innen Engagement und Zuneigung Förderung einer Kultur der pädagogischen Reflexion, der Selbstevaluation, des professionellen Erfahrungsaustauschs und der Weitergabe guter Erfahrungen und Praxis innerhalb und zwischen den Produktionsschulen

23 Fachkräfte 12 pädagogische Mitarbeiter/-innen praktisches Know-How und (sozial-) pädagogische Kompetenz offene entwicklungsorientierte Haltung Doppel- bzw. Mehrfachqualifikationen

24 Regionale Einbindung regionale Kooperationsbeziehungen (und Beirat) Aufträge aus der Kommune, von örtlichen Betrieben und privaten Kunden Zusammenarbeit und Abstimmung in der regionalen Wirtschaft Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, Beratungsstellen, Trägern der Jugendhilfe sowie Einrichtungen der Arbeitsverwaltung und der jeweiligen Kommunen

25 Regionale Einbindung Land, Kommune, JobCenter Berufs-, Haupt- und Förderschulen Jugendwerkstätten, Bildungsträger und Beratungseinrichtungen Auftraggeber, Kunden

26 Regionale Einbindung: Stolpersteine Zusammenarbeit und Abstimmung in der regionalen Wirtschaft Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen, Beratungsstellen, Trägern der Jugendhilfe sowie Einrichtungen der Arbeitsverwaltung und der jeweiligen Kommunen Produktionsschulen als Teil der regionalen Bildungsund Qualifizierungsnetzwerke (zur Schaffung von Anschlussperspektiven, als Erweiterung traditioneller Formen der Lernortkooperation und -vernetzung)

27 Finanzierung i.d. Regel: Mischfinanzierungen, z.b.: aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), von der Bundesagentur für Arbeit, aus Landesmitteln der Arbeits-, Sozial-, Jugend- und Kultusministerien, aus kommunalen Mitteln der Jugendberufshilfe oder der JobCenter ebenso private Finanzmittel von Stiftungen oder Sponsoren aus der Wirtschaft

28 Finanzierung Land, Kommune und JobCenter Stiftungen, Spenden, Eigenmittel Einnahmen aus Produktionsbereichen

29 Finanzierung: Stolpersteine zur finanziellen und rechtlichen Absicherung bedürfen Produktionsschulen besonderer administrativer und politischer Unterstützung in Bund, Länder und Kommunen -> neben Kerngeschäft dauerhaft: Öffentlichkeitsarbeit, Überzeugungs- und Lobbyarbeit, Mittelbeschaffung Mischfinanzierungen verlangen Phantasie und personelle Ressourcen dem PS-Träger ab Erlöse aus der Veräußerung von Produkten und Dienstleistungen: Höhe? Begrenzung?

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