Industrieller Mittelstand: Spitzenstellung in Gefahr?

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1 Industrieller Mittelstand: Spitzenstellung in Gefahr? Analyse zur Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in der Metropolregion Stuttgart

2 Herausgeber Konzeption Autoren Redaktion Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart Jägerstraße 30, Stuttgart Postfach , Stuttgart Telefon Telefax Abteilung Industrie und Verkehr Dr. Christoph Zanker, Dr. Oliver Som, Daniela Buschak Unter Mitarbeit von Angela Jäger, Nadezda Weidner Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI Breslauer Straße Karlsruhe Manfred Müller, IHK Region Stuttgart Stand April Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Vervielfältigung auf Papier und elektronischen Datenträgern sowie Einspeisungen in Datennetze nur mit Genehmigung des Herausgebers. Alle Angaben wurden mit größter Sorgfalt erarbeitet und zusammengestellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts sowie für zwischenzeitliche Änderungen übernimmt die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart keine Gewähr. Unterstützung

3 Inhaltsverzeichnis Vorwort 5 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform Ergebnisüberblick Ausgewählte Handlungsempfehlungen an die Unternehmen Ausgewählte Handlungsempfehlungen an die Politik und Intermediäre Einleitung Problemverständnis und Zielsetzung Untersuchungsdesign Methodisches Vorgehen Innovations- und Modernisierungsstrategien im regionalen Vergleich Beschreibung der Datenbasis und der Stichproben Die Datenbasis Die Stichproben in den Vergleichsregionen Analysefelder Innovationsfähigkeit Leistungskennzahlen Ergebnisse Wettbewerbs- und Innovationsstrategie Techniknutzung Organisationskonzepte Produktinnovation Dienstleistungsinnovation Leistungsindikatoren Zwischenfazit Strategische Handlungsfelder und Bedarfe der KMU in der Metropolregion Untersuchungsdesign und Datenbasis Analysen zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Handlungsfeld Markt/Kunden Handlungsfeld Produktion 68

4 Inhaltsverzeichnis Handlungsfeld Technologie Handlungsfeld Innovationsmanagement Handlungsfeld Beschäftigte Hemmnisse bei der Umsetzung von Innovationen Zwischenfazit Technologische Leistungsfähigkeit im regionalen Vergleich Methodisches Vorgehen Abgrenzung unterschiedlicher Technologiefelder Betrachteter Zeitraum Datenbasis Ergebnisse der Patentanalyse Patentanmeldungen von KMU der Metropolregion Stuttgart Allgemeiner Trend bei KMU Patentanmeldungen von 2000 bis Zwischenfazit Schlussfolgerungen aus Perspektive der Innovationsund Technologiepolitik Zusammenfassung der Ergebnisse Handlungsempfehlungen Anhang Literatur Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Anschriften 150

5 0. Vorwort Die Spitzenstellung der Metropolregion Stuttgart beruht nicht nur auf der hohen Wettbewerbsfähigkeit global agierender Konzerne und international erfolgreicher mittelständischer Unternehmen, sondern insbesondere auf einem dichten Netzwerk von hochspezialisierten Zulieferern und Dienstleistern unterschiedlicher Größenordnungen und deren ausgeprägte Verknüpfung mit Hochschulen, Forschungsinstituten, wissenschaftlichen Einrichtungen. Über die künftige Innovationsfähigkeit der Region entscheiden somit kleine und mittlere Unternehmen mit. Doch steht die Frage im Raum, ob diese bei der technologischen Entwicklung weiterhin Schritt halten und ihren Beitrag zum Gesamterfolg leisten können. Vor diesem Hintergrund hat die IHK Region Stuttgart das Fraunhofer ISI beauftragt, zu prüfen, wie es um die Innovationsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bestellt ist. Die Studienergebnisse belegen zwar, dass die mittelständischen Betriebe hinsichtlich ihrer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Metropolregionen teilweise noch an der Spitze liegen. Doch die Gefahr ist groß, dass die KMU den Anschluss in wichtigen Hightech-Feldern verlieren. Nach wie vor ist und bleibt es die Aufgabe der Betriebe selbst, Innovationen voranzutreiben. Dabei benötigen sie Partner, Dienstleister, Berater, Formen des gegenseitigen Austauschs, Kooperationen sowie einen noch besseren Zugang zu Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Herausforderungen bestehen insbesondere in der betrieblichen Organisation und bei der Gewinnung und dauerhaften Bindung von Fachkräften. Notwendig ist ebenso eine Neuausrichtung der staatlichen Förder- und Finanzierungsprogramme. Die vorliegende Studie richtet sich an kleine und mittlere Betriebe wie auch an jene politischen Entscheidungsträger, die über die Ausgestaltung von Fördermaßnahmen und Beratung mit entscheiden. Auch für IHKs liefert sie wertvolle Hinweise, auf welchen Feldern die Beratung von KMUs ausgebaut werden sollte. Die IHKs Heilbronn- Franken, Nordschwarzwald, Ostwürttemberg, Reutlingen und Region Stuttgart, die die Studie begleitet haben, setzen darauf, dass die bewährte Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Wirtschaft in der Metropolregion Stuttgart gute Voraussetzungen bietet, kleinen und mittleren Unternehmen die erforderliche Unterstützung für deren weitere Entwicklung geben zu können. Stuttgart, im April 2014 Andreas Richter Hauptgeschäftsführer 5

6 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform 1.1 Ergebnisüberblick Die Ergebnisse der vorliegenden Studie belegen, dass die in der Metropolregion Stuttgart beheimateten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hinsichtlich ihrer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Metropolregionen in Deutschland überwiegend an der Spitze liegen. Allerdings stellt sich aufgrund der Analyseergebnisse die dringende Frage, wie lange noch? Die Analysen zeigen nämlich gleichfalls, dass die KMU der Metropolregion Stuttgart Gefahr laufen, von wichtigen technischen wie auch nicht-technischen Entwicklungen abgekoppelt zu werden. In einigen Bereichen deuten sich strukturelle Fehlentwicklungen an, die auf die Zukunftsfähigkeit der KMU einen merklichen Schatten werfen. Zunächst kann aber festgehalten werden, dass trotz der zurückliegenden globalen Finanz- und Wirtschaftskrise die Innovationsaktivitäten gemessen an den angemeldeten Patenten über alle Technologiefelder hinweg in den Jahren 2008 und 2009 über denen der Metropolregionen München, Rhein-Ruhr und Sachsendreieck lagen. Die Innovationsstärke der KMU in der Metropolregion Stuttgart liegt vor allem in den im Land traditionell wichtigen Branchen des Maschinenbaus und hier insbesondere im Bereich der Werkzeugmaschinen. Diese technologische Spezialisierung konnte trotz der zurückliegenden Krise sogar weiter ausgebaut werden. Keine der übrigen Metropolregionen weist eine hiermit vergleichbar starke Spezialisierung auf. Die durchschnittlichen Aufwände der KMU für Forschung und Entwicklung liegen bei etwa 3,7 Prozent. Zwar liegen die kleinen und mittleren Betriebe sehr deutlich unter dem Durchschnittswert des gesamten Verarbeitenden Gewerbes in der Metropolregion Stuttgart - der zuletzt bei etwa 7,1 Prozent lag (Dispan et al. 2013) lag und sich maßgeblich von den Ausgaben der großen Unternehmen speist - aber im regionalen Vergleich liegt die Region dennoch im Spitzenfeld. In der Region betrieben vergleichsweise viele KMU - wenn auch auf niedrigem Niveau - Forschung und Entwicklung. Zudem können die KMU der Metropolregion mit der höchsten Arbeitsproduktivität aufwarten und verfügen über ein durchaus umfassendes Angebot an produktbegleitenden Dienstleistungen sowie über sehr eingespielte Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten und Abnehmern. Bei der effizienten Gestaltung der Produktion sind die Unternehmen der Region führend. Der heutige Erfolg ist das verdiente Ergebnis der Anstrengungen der Vergangenheit. Richtet man den Blick jedoch über diese aus heutiger Sicht durchaus erfreulichen Befunde hinaus, so geben die Ergebnisse der vorliegenden Studie auch Anlass zur Sorge. Aufgrund des vergleichsweise engen Spezialisierungsmusters besteht für die KMU der Metropolregion Stuttgart eine technologische Monokultur. Andere Metro- 6

7 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform polregionen wie München und Rhein-Ruhr sind mit ihren Spezialisierungen breiter aufgestellt. Diese Monokultur könnte langfristig zu fehlenden Impulsen und wechselseitigen Befruchtungen aus anderen Technologiefeldern führen, was im Kontext der zunehmenden Integration und Verschränkung technologischer Felder in neuen Anwendungskontexten (beispielsweise IT-technische Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette, Einsatz von bio- oder nanotechnologischen Materialien und Werkstoffen) gravierende Wettbewerbsnachteile in der Zukunft nach sich ziehen kann. Mehr noch: Im Vergleich zu den übrigen Metropolregionen laufen KMU der Metropolregion Stuttgart Gefahr, den Anschluss in sogenannten Zukunfts- oder Hightech- Feldern wie neue Materialien, Optik, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik oder der Medizintechnik zu verlieren. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden steigenden Bedeutung dieser Technologiefelder für die deutsche Industrie sollte diese Entwicklung sehr ernst genommen werden. Mögliche Gründe hierfür finden sich sowohl in struktureller Hinsicht als auch in innerbetrieblichen Aspekten des Innovations-, Technologie- und Wissensmanagements. Strukturelle Fehlentwicklungen zeigen sich in der Tatsache, dass die Innovationsleistung in der Metropolregion Stuttgart maßgeblich durch Großunternehmen und Großkonzerne getragen wird, auf die das Gros der Patentanmeldungen entfällt. Der Anteil an KMU-Patenten stagnierte für den Großteil der betrachteten Technologiefelder weitgehend im analysierten Zeitraum und hat auch jüngst weiter abgenommen. Besonders gravierend ist die Situation im Fahrzeugbau, wo die Patentanmeldungen von KMU mit einem Anteil von nur noch etwa 1,4 Prozent an allen von Unternehmen aus der Region angemeldeten Patenten quasi zum Erliegen gekommen sind. Zum einen kann dies bedeuten, dass die in Großunternehmen entwickelten neuen technologischen Lösungen aufgrund mangelnder Kanäle des Wissens- und Technologietransfers nicht oder kaum in KMU diffundieren. Zweitens besteht die Möglichkeit, dass die Innovations- und vor allem technische Umsetzungsleistung neuer Lösungen zwar in den Zuliefer-KMU der großen Unternehmen erfolgen (beispielsweise über Entwicklungsaufträge oder -partnerschaften), das erarbeitete Wissen sowie die technologischen Lösungen nach erfolgreicher Umsetzung jedoch aufgrund der hohen Marktmacht und der damit verbundenen Abhängigkeit der kleinen und mittleren Zulieferbetriebe in die großen Unternehmen abfließen und dort patentiert werden. In beiden Fällen könnten die KMU der Metropolregion Stuttgart im Falle eines technologischen Umbruchs oder einer Verschiebung der Märkte das Nachsehen haben, da beide Vernetzungsmuster einen kontinuierlichen Ausbau eigener technologischer Kompetenzen auf Spitzenniveau langfristig blockieren beziehungsweise die bestehende Kompetenzbasis der KMU zunehmend erodieren. 7

8 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse der vorliegenden Studie, dass die KMU der Metropolregion Stuttgart hinsichtlich ihrer Lern- und Kompetenzorientierung im Regionenvergleich schlechter aufgestellt sind. So werden Organisationskonzepte zum Ausbau der unternehmensinternen Wissens- und Kompetenzbasis im Vergleich zu anderen industriestarken Metropolregionen eher unterdurchschnittlich genutzt. Die KMU der Metropolregion Stuttgart neigen dazu, die Komfortzone der bestehenden, über Jahrzehnte hinweg eingespielten Wertschöpfungs- und Innovationsnetzwerke mit ihren bestehenden Stärken nur ungern zu verlassen. Doch die zunehmende Komplexität und Wissensintensivierung, die aufgrund der skizzierten technologischen Entwicklungen absehbar ist, wird auch vor KMU der Metropolregion Stuttgart nicht Halt machen. Im Gegenteil: Es wird entscheidend sein, inwiefern es den Unternehmen aus eigener Kraft heraus gelingt, einerseits wichtige neue technologische Lösungen außerhalb ihres Unternehmens frühzeitig zu erkennen und diese andererseits in Form passfähiger Anwendungen oder neuer Produkte und Dienstleistungen zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit umzusetzen. Die KMU der Metropolregion Stuttgart werden sich zukünftig vermehrt neuen Wettbewerbern und Wertschöpfungspartnern aus bislang fachfremden Wirtschaftszweigen (beispielsweise Chemie, Informations- und Kommunikationsbranche) - und damit neuen Kompetenzanforderungen - stellen müssen. Dies erfordert vor allem den frühzeitigen Auf- und Ausbau lernförderlicher Arbeitsstrukturen, zukünftig relevanter Fähigkeiten und Kompetenzen der Beschäftigten, die Professionalisierung von Innovationsprozessen für Eigenentwicklungsprojekte sowie eine Steigerung der Kooperationsfähigkeit mit Wertschöpfungspartnern und Forschungseinrichtungen - auch außerhalb der eigenen Branche oder des eigenen Technologiefelds. Auch wenn die KMU der Metropolregion Stuttgart bereits in einigen Bereichen erfolgreich aufgeholt haben (beispielsweise Optik), sollte es der Anspruch gleichermaßen der Metropolregion Stuttgart und des Landes sein, sich als Heimat der Tüftler und Erfinder und führender Innnovations- und Industriestandort nicht mit einer durchschnittlichen Leistung oder Positionierung im Mittelfeld - gerade bei den angesprochenen Zukunftsfeldern - zufrieden zu geben. Es sollte vielmehr das Ziel sein, die KMU der Metropolregion auch in diesen Technologiefeldern an die Spitze zu bringen. Die bestehenden Stärken der KMU bilden hierfür eine exzellente Ausgangsbasis und vielfältige Anknüpfungspunkte. Die nachfolgenden Handlungsempfehlungen richten sich ebenso an Akteure, die die Innovations- und Technologiepolitik maßgeblich bestimmen, wie an Intermediäre, zu denen besonders die Industrie- und Handelskammern sowie Verbände und sonstige Cluster- und Netzwerkakteure im Land zählen. 8

9 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform Diese Akteure können die kleinen und mittleren Unternehmen durch die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen und Informationsangebote allenfalls unterstützen. Die Hauptaufgabe liegt bei den Unternehmen selbst. Die relevanten Entwicklungen im Unternehmensumfeld müssen erkannt und die entsprechenden Schlüsse für das eigene Unternehmen abgeleitet werden. Die richtigen Weichenstellungen für eine erfolgreiche Zukunft können nur die Unternehmen selbst vornehmen. 9

10 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform 1.2 Ausgewählte Handlungsempfehlungen an die Unternehmen ERGEBNISSE DER STUDIE HANDLUNGS- EMPFEHLUNGEN FÜR KMU BEISPIELE FÜR UNTER- STÜTZUNGSANGEBOTE KMU in der Metropolregion Stuttgart: Innovationsdefizite identifizieren und systematisch abbauen, Unterstützungsmaßnahmen nutzen Innovations- und Technologiemanagement Starke Orientierung auf das bestehende Geschäft. Geringe Neigung zur Erschließung neuer Technologiefelder und Zukunftsmärkte. Wissensaustausch mit anderen Branchen jenseits bestehender Märkte ist verbesserungsfähig. Interne Innovationsprozesse sind verbesserungswürdig. Beratungs-, Informations- und Weiterbildungsangebote zu Querschnittthemen des Innovations- und Technologiemanagements zum Aufbau neuer Kompetenzen in mittelständischen Unternehmen systematisch nutzen. Veranstaltungen und Workshops der IHKs und anderer Akteure zum Innovationsmanagement. Innovationsberatung der IHKs. Angebote der verschiedenen Landesagenturen. Nutzung neuer Technologie Deutliche Zurückhaltung im Hinblick auf den Einsatz neuer Bearbeitungstechnologien, die nicht unmittelbar die eigenen bestehenden Kernprozesse und -produkte betreffen. Verarbeitungstechnologien für Leichtbauwerkstoffe werden wenig eingesetzt. Geringer Einsatz von Techniken zur Energie- und Ressourceneffizienz. Vorhandene Unternehmensnetzwerke und Technologiecluster gezielt nutzen. Vorhandene Qualifizierungsangebote nutzen. Optionen prüfen. Maßnahmen entwickeln. Informationsveranstaltungen zu neuen Technologie der IHKs, der WRS sowie der Steinbeis-Transferzentren. Technologietransferberatung der IHKs. Energieberatung und Energietische der IHKs. Angebote der Landesagenturen(z.B. Umwelttechnik oder Leichtbau). Entwicklungskooperationen Geringe Neigung zu Kooperationen mit externen Forschungseinrichtungen und bei der Entwicklungspartnersuche innerhalb der Branche. Organisation und Personal Geringe Nutzung von innovationsorientierten Ansätzen der Organisationsgestaltung wie auch der Personalentwicklung. Defizite bei personalpolitischen Konzepten, um qualifizierte Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Schwächen beim systematischen Erschließen von neuem Wissen. Systematisch prüfen, welche Kooperationen sinnvoll sein könnten. Vorhandene Cluster und Netzwerke besser nutzen. Vorhandene Qualifizierungsangebote nutzen. Beratung einholen. Konzepte entwickeln. Netzwerk- und Clusterangebote der IHK, WRS und weiterer Akteure. Clusterportal des Landes (www.clusterportalbw.de). Veranstaltungen und Workshops der IHKs zum Personal- und Wissensmanagement. Beratungs- und Weiterbildungsangebote der IHKs und weiterer Akteure. 10

11 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform 1.3 Ausgewählte Handlungsempfehlungen an die Politik und Intermediäre ERGEBNISSE DER STUDIE HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN WER AKTIV WERDEN SOLL? Erschließung KMU-spezifischer Anwendungs- und Marktpotenziale von Zukunftstechnologien und Verhinderung der zunehmenden Abkopplung der KMU der Metropolregion Stuttgart von wichtigen technologischen Entwicklungen Bei einer Abwanderung großer Unternehmen und ihrer Innovations- und Produktionskapazitäten in neue Märkte oder einem grundlegenden Wechsel ihres Technologiepfades wären der Fortbestand und die Wettbewerbsfähigkeit der KMU in ihren eingespielten Innovations- und Wertschöpfungsketten massiv gefährdet. Die Patentschere zwischen KMU und Großunternehmen geht in den letzten Jahren mehr und mehr auseinander, vor allem in der Automobilindustrie. Innovation und die technische Umsetzungsleistung neuer Lösungen erfolgen zwar häufig in den Zuliefer-KMUs, doch die erarbeiteten technologischen Lösungen fließen aufgrund der Abhängigkeit der kleinen und mittleren Zulieferbetriebe in die großen Unternehmen ab. Innovationswissen in Zukunftstechnologien kann aufgrund mangelnder Kanäle des Wissens- oder Technologietransfers von Großunternehmen nicht oder kaum in KMU diffundieren. KMU der Metropolregion Stuttgart könnten im Falle eines technologischen Umbruchs oder einer Verschiebung der Märkte das Nachsehen haben, da ein kontinuierlicher Ausbau eigener technologischer Kompetenzen auf Spitzenniveau langfristig blockiert wird. Stärkere Ausrichtung der Förderinstrumente für Zukunftstechnologien - wie etwa neue Materialien und Werkstoffe oder Mikroelektronik - auf die Bedarfe von KMU. Stärkere Fokussierung der Förderinstrumente auf die regionalen Stärken der KMU wie innovative Fertigungs- und Bearbeitungstechniken. Dadurch könnten neue Anwendungs- und Marktpotenziale dieser Zukunftstechnologien erschlossen werden. Förderinstrumente weniger auf neue technologische Lösungen durch Grundlagenforschung ausrichten, sondern auf die gezielte Weiterentwicklung und Nutzbarmachung von Ergebnissen der Hightech-Förderung in neue oder verbesserte Herstellungsverfahren oder Produkte in KMU. Förderinstrumente dahingehend evaluieren, dass in Verbundprojekten alle Wertschöpfungspartner (auch KMU) vertreten sind. Damit kann der vertikale Wissenstransfer stimuliert und auch die spätere Anwendungs- und Markreife der entwickelten Lösungen erhöht werden. Erweiterung des Weiterbildungsangebotes um Querschnittthemen des Innovations- und Technologiemanagements zum Aufbau neuer Kompetenzen in mittelständischen Unternehmen. Bessere Stimulierung der technologischen Innovationsaktivitäten in KMU durch die Schaffung von Unternehmensnetzwerken, die bestehende Grenzen und Branchen überspannen und gezielt den horizontalen Wissenstransfer fördern. Schaffung einer moderierten Partner-Plattform im Sinne eines Open-Innovation-Ansatzes, auf der KMU und größere Unternehmen ihre Problem- und Fragestellungen einstellen können. KMU, Akteure aus der Innovations- und Technologiepolitik (insbesondere Land Baden-Württemberg) KMU, IHKs sowie weitere Netzwerk- und Clusterakteure im Land 11

12 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform ERGEBNISSE DER STUDIE HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN WER AKTIV WERDEN SOLL? Nicht-technische Innovationsfelder in KMU stärken, vor allem im Bereich der organisatorischen Lernfähigkeit und Kompetenzentwicklung Deutliche Schwächen der KMU in der Metropolregion Stuttgart im Hinblick auf ihre Lern-, Wissens- und Zukunftsorientierung. Organisationskonzepte zum Ausbau der unternehmensinternen Wissens- und Kompetenzbasis werden im Vergleich zu anderen industriestarken Metropolregionen eher unterdurchschnittlich genutzt. Zunehmende Komplexität und Wissensintensivierung, ist aufgrund der technologischen Entwicklungen absehbar und wird auch vor den KMU der Metropolregion Stuttgart nicht Halt machen. KMU sollten in der Lage sein, wichtige neue technologische Lösungen außerhalb ihres Unternehmens frühzeitig zu erkennen und diese in neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen umzusetzen. Die KMU der Metropolregion Stuttgart müssen sich zukünftig vermehrt neuen Wettbewerbern und Wertschöpfungspartnern aus bislang fachfremden Wirtschaftszweigen (beispielsweise Chemie, Informations- und Kommunikationsbranche) - und damit auch neuen Kompetenzanforderungen - stellen. Der demographische Wandel signalisiert dringlichen Handlungsbedarf für KMU im Bereich der strategischen Kompetenzentwicklung, des Nachfolgemanagements, der langfristigen Bindung von Beschäftigten sowie der Schaffung lernförderlicher Arbeitsstrukturen zur Sicherung von Wissen und Kompetenzen. Förderangebote so konzipieren oder anpassen, dass sie technische und nicht-technische Innovationen in geförderten Projekten stärker als bisher integrieren und verzahnte Entwicklungsarbeiten in technischen und nicht-technischen Innovationsfeldern stimulieren. Schaffung spezifischer Förderangebote zur Stärkung der organisatorischen Lernfähigkeit und Kompetenzentwicklung in KMU. Ein Förderprogramm, das sich nicht auf Technologie, sondern auf die Entwicklung und Verbesserung nichttechnischer Prozesse, Kompetenzen und die Lernfähigkeit von KMU richtet, könnte in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels zukunftsweisende Impulse setzen. Erweiterung bestehender Unterstützungsangebote überregionaler Netzwerke und Plattformen um spezielle Wissenstransferangebote zu nicht-technischen beziehungsweise organisatorischen Innovationen. Beispielsweise: Einrichtung von moderierten, branchenübergreifenden lernenden Innovations- Netzwerken nach dem Vorbild der "30 Pilot-Netzwerke", die im Bereich Energieeffizienzlösungen bereits mit Erfolg umgesetzt wurden. In solchen lernenden Innovationsnetzwerken wird es den beteiligten Unternehmen ermöglicht, sich jenseits vom technologischen Kern- Know-how auf Augenhöhe über mögliche organisatorische Lösungen und deren Erfolgsfaktoren und Herausforderungen bei der Umsetzung auszutauschen im so systematisch und praxisbezogen gegenseitig voneinander zu lernen. KMU, Akteure aus der Innovations- und Technologiepolitik (insbesondere Land Baden-Württemberg) KMU, IHKs sowie weitere Netzwerk- und Clusterakteure im Land 12

13 1. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in Kurzform ERGEBNISSE DER STUDIE HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN WER AKTIV WERDEN SOLL? Sensibilität für kritische Umfeldentwicklungen fördern und Investitionen in Zukunftstechnologien erleichtern Starke Fokussierung auf bestehende Märkte und Technologien. Schwächen im systematischen Erkennen bestimmter Entwicklungen im Umfeld und deren Relevanz für das eigene Unternehmen sind erkennbar. Starke Innen- und Gegenwartsorientierung: KMU unterschätzen die Chancen von Kooperationspartnern in anderen Branchen oder durch den Zukauf von neuer Technologie. Finanzielle Engpässe: Eine geringe Eigenkapitalquote und Probleme, an Kredite zu kommen, sind bekannte Probleme bei KMU. Allerdings ist der identifizierte bereits existierende beziehungsweise drohende Investitionsstau bei Anlagen und Maschinen bedenklich. Sensibilisierung von KMU durch thematisch passfähige Informationsangebote zu technologischen Trends und Entwicklungen in relevanten Anwendungsfeldern. Den unternehmensinternen Aufbau von Kapazitäten zur strategischtechnologischen Frühaufklärung unterstützen. Ausbau der Maßnahmen zur zielgerichteten Vernetzung von Unternehmen untereinander wie auch zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Metropolregion Stuttgart. Weiterentwicklung des Zugangs von KMU zu Innovationskrediten und Entwicklung spezieller, auf die Innovationsfinanzierung von KMU zugeschnittenen Angeboten. Überprüfung der Wirksamkeit der Innovationsgutscheine des Landes und gegebenenfalls Weiterentwicklung des Förderkonzepts. KMU, IHKs sowie weitere Netzwerk- und Clusterakteure im Land KMU, Akteure aus der Innovations- und Technologiepolitik (insbesondere Land Baden-Württemberg) 13

14 2. Einleitung 2. Einleitung 2.1 Problemverständnis und Zielsetzung Die Metropolregion Stuttgart ist der führende Innovations- und Industriestandort in Deutschland. Die Spitzenposition der Metropolregion zeigt sich unter anderem in den Ausgaben für Forschung und Entwicklung, dem überdurchschnittlich hohen Anteil an Beschäftigten mit akademischem Abschluss und der höchsten Anzahl von Patentanmeldungen (IAW/McKinsey 2010, Dispan et al. 2013). Der baden-württembergischen Wirtschaft wird heute eine Art Vorbildcharakter für Deutschland und Europa beigemessen. Nicht zuletzt wird häufig der industrielle Mittelstand als das Rückgrat des Industriesektors hervorgehoben, dort, wo die schwäbischen Kerntugenden Fleiß und Tüftlergeist zuhause sind. Neuere Erkenntnisse werfen jedoch ein anderes Schlaglicht auf die Innovationsfähigkeit des Mittelstands. So zeigen gerade Untersuchungen für das Patentierungsverhalten der Unternehmen, dass die große Mehrheit der Patentanmeldungen von großen Unternehmen vorgenommen wird (IHK Stuttgart 2013; Frietsch et al. 2013). Eine Gesamtbewertung aller ansässigen Unternehmen verdeckt somit unterschiedliche Entwicklungen in den verschiedenen Größenklassen. Eine ähnliche Verzerrung zeigt sich bei den Investitionen der Unternehmen in Forschung und Entwicklung (Stahlecker et al. 2011). Trifft das gemeinhin gezeichnete Bild der hohen technologischen Leistungsfähigkeit der baden-württembergischen Wirtschaft, insbesondere der in der Metropolregion Stuttgart, auch für den Mittelstand zu? Oder spielen die kleinen und mittleren Unternehmen hinsichtlich ihrer Innovationsfähigkeit eher in der Regionalliga als in der Champions League? In den folgenden Untersuchungen werden daher speziell kleine und mittlere Unternehmen in der Metropolregion betrachtet und ihre Innovationsfähigkeit umfassend untersucht. Kleine und mittlere Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes spielen eine herausragende Rolle sowohl im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit einzelner Branchen als auch im gesamtwirtschaftlichen Kontext. Im Bundesdurchschnitt zählt mit rund zwei Millionen die überwiegende Mehrheit (99,3 Prozent) der Unternehmen zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) (Statistisches Bundesamt 2011). Gerade Baden-Württemberg verzeichnet einen hohen Anteil an KMU innerhalb Deutschlands. Knapp jedes fünfte Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland mit 10 bis 249 Beschäftigten ist in Baden-Württemberg angesiedelt (Abb. 2-1). 14

15 2. Einleitung Abb. 2-1: Unternehmensanteile nach Betriebsgröße von allen Unternehmen im deutschen Verarbeitenden Gewerbe (Quelle: GENESIS 2012; eigene Berechnung und Darstellung) Von dementsprechender Bedeutung ist die Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Metropolregion Stuttgart. Die Industrie steht vor vielfältigen Herausforderungen, wie beispielsweise die zunehmende Internationalisierung von Märkten und Wertschöpfungsketten, die Verkürzung von Produktlebenszyklen, Reduktion des Materialeinsatzes, der demografische Wandel oder die Verbreitung neuer Technologien (vgl. Kinkel et al. 2008; VBW 2008). Dadurch stellen sich drängende Fragen nach der langfristigen Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit von baden-württembergischen KMU. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, vor denen die Industrie steht, wie beispielsweise die zunehmende Internationalisierung von Märkten und Wertschöpfungsketten, die Verkürzung von Produktlebenszyklen, Reduktion des Materialeinsatzes, der demografische Wandel oder die Verbreitung neuer Technologien, stellen sich 15

16 2. Einleitung drängende Fragen nach der langfristigen Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen. Ziel der Untersuchung ist es daher, die Innovationsfähigkeit der in der Metropolregion Stuttgart ansässigen kleinen und mittleren Betriebe jenseits punktueller Innovationsindikatoren in einer ganzheitlichen Weise zu beschreiben und die Lage vergleichend zur Situation in anderen Metropolregionen darzustellen; zu analysieren, welche technischen wie auch nicht-technischen Handlungsfelder kleine und mittlere Unternehmen zukünftig als prioritär und als strategisch wettbewerbsrelevant eingeschätzt werden; darzustellen, welche politischen Maßnahmen die Bedarfslage der kleinen und mittleren Unternehmen in der Metropolregion bestmöglich unterstützen könnten. Die Metropolregion Stuttgart nimmt im nationalen wie auch internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Um hier Schwächen und Verbesserungspotenzial eruieren zu können, ist ein Vergleich mit anderen Spitzenregionen erforderlich, in denen das Verarbeitende Gewerbe auch eine herausragende Rolle einnimmt. Als Vergleichsregionen wurden die Metropolregion München, die Metropolregion Rhein-Ruhr sowie die Metropolregion Sachsendreieck ausgewählt. 2.2 Untersuchungsdesign Methodisches Vorgehen Für die Analyse der Innovationsfähigkeit von KMU der Metropolregion Stuttgart werden drei methodische Zugänge herangezogen. Diese Vorgehensweise erlaubt eine ganzheitliche Erfassung und Bewertung des Innovationsverhaltens mit einem hohen Maß an empirischer Evidenz, da nicht nur eine umfassende Betrachtung verschiedener Indikatoren vorgenommen wird, sondern auch verschiedene empirische Zugänge die Ergebnisse absichern. Innovations- und Modernisierungsstrategien Zunächst wird auf Basis der repräsentativen Erhebung Modernisierung der Produktion 2012 des Fraunhofer ISI das Innovationsverhalten von KMU der Metropolregion Stuttgart in vier verschiedenen Innovationsfeldern untersucht. Im Detail werden Indi- 16

17 2. Einleitung katoren zur Nutzung von neuen Produktionstechniken, neuen Organisationsprinzipien der Entwicklung neuer Produkte sowie neuer industrieller Dienstleistungen untersucht. Des Weiteren werden zusätzlich Performance-Kennzahlen wie Nachbearbeitungsquote, Termintreue und die Wertschöpfung analysiert. Mit diesem Ansatz soll es gelingen, ein umfassendes Bild der Innovations- und Leistungsfähigkeit der Betriebe zu zeichnen, das neben technischen Schwerpunkten auch organisatorische oder dienstleistungsbasierte Innovation umfasst. Zukunftsthemen der Unternehmen Um die spezifischen Bedarfe von kleinen und mittleren Unternehmen im Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen zu erfassen, wird im zweiten Schritt eine originäre Befragung der IHK-Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Die Befragung adressiert neben den zukünftigen Herausforderungen im Hinblick auf die Markterschließung durch neue Produkte und Dienstleistungen auch technologische Handlungsfelder der Produkt- und Prozessentwicklung sowie organisatorische Bereiche. Patentanalysen Die konkreten Forschungs-, Entwicklungs- beziehungsweise Innovationsaktivitäten von KMU der Metropolregion Stuttgart im Sinne der marktreifen Entwicklung neuer Technologien und Verfahren lassen sich durch Patentanalysen quantitativ erfassen und mit anderen Metropolregionen in Deutschland vergleichen. Dies erfolgt im abschließenden Schritt. Durch die Berechnung eines Spezialisierungsindex für einzelne Technologiefelder sollen dabei insbesondere die technologischen Stärken und Schwächen der KMU in der Metropolregion Stuttgart transparent gemacht und Ausganspunkte für mögliche Handlungsempfehlungen identifiziert werden. Abschließend erfolgt eine Zusammenführung der drei Teilergebnisse - gegenwärtige Innovationsstrategien, technologische FuE-Aktivitäten und Schwerpunkte und zukünftige Herausforderungen - zu einem umfassenden Gesamtbild, das einen guten Eindruck von der Innovations- und Leistungsfähigkeit der kleinen und mittleren Betriebe in der Metropolregion Stuttgart vermitteln soll. Die Ergebnisse werden zum Ausgangspunkt genommen, um Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Verbände und Politik abzuleiten. Vergleichsregionen Die Bewertung der Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer Betriebe in der Metropolregion Stuttgart erfolgt durch den Vergleich mit weiteren Metropolregionen. Die Metropolregion Stuttgart umfasst die Regionen Stuttgart, Heilbronn-Franken, Nordschwarzwald, Ostwürttemberg und Neckar-Alb und hat rund 5,3 Millionen Ein- 17

18 2. Einleitung wohner. Die Region ist in fünf Kammerbezirke eingeteilt (vgl. Tab. 2-1). Sie gilt als eines der wichtigsten Industriezentren in Deutschland und Europa. Die Gegenüberstellung mit weiteren Metropolregionen ermöglicht eine vergleichende Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit wirtschaftlicher Bereiche mit Antriebsfunktion in Deutschland. Der Heterogenität wirtschaftlicher Tätigkeiten im Bundesgebiet Rechnung tragend, wurden drei Metropolregionen zum Vergleich ausgewählt, die sich traditionell durch eine starke und leistungsfähige industrielle Basis mit Schwerpunkten im Maschinenbau und in der Automobilindustrie auszeichnen. Die Metropolregion München, die 25 südbayerische Landkreise und die sechs kreisfreien Städte Augsburg, Ingolstadt, Kaufbeuren, Landshut, München und Rosenheim umfasst. Die Metropolregion Rhein-Ruhr, die mit fast 12 Millionen Einwohnern die größte Metropolregion in Deutschland ist. Sie umfasst den Siedlungsraum innerhalb der Metropolregion Rhein-Ruhr, der auch Siedlungsflächen links des Rheins, etwa im Kölner, Mönchengladbacher und Krefelder Raum, oder die Siedlungsflächen der rechtsrheinischen Großstädte Wuppertal, Remscheid und Solingen einschließt, aber auch Räume an den Grenzen ins Bergische Land, Sauerland und Münsterland. Die Metropolregion Sachsendreieck, die vom räumlichen Zuschnitt etwa der Metropolregion Mitteldeutschland entspricht, aber neben den kreisfreien Oberzentren Dresden, Leipzig/Halle, Chemnitz und Zwickau auch die Landkreise innerhalb dieses Siedlungsraums umfasst. Die Zusammensetzung der jeweiligen Gruppen im Sample weist dabei ähnliche Branchenschwerpunkte auf. Für weitere strukturelle Größen wie Branche und Größenverteilung liegen im Sample insoweit Ähnlichkeiten zwischen den Regionen vor, dass ein Vergleich zwischen den Regionen durchführbar ist. 18

19 2. Einleitung Name der Kammer Sitz Landkreise IHK Region Stuttgart Stuttgart Stadt Stuttgart, Landkreis Böblingen, Landkreis Esslingen, Landkreis Göppingen, Landkreis Ludwigsburg, Rems-Murr-Kreis IHK Heilbronn-Franken Heilbronn Stadt Heilbronn, Landkreis Heilbronn, Hohenlohekreis, Main-Tauber-Kreis, Landkreis Schwäbisch Hall IHK Nordschwarzwald Pforzheim Stadt Pforzheim, Landkreis Calw, Enzkreis, Landkreis Freudenstadt IHK Ostwürttemberg Heidenheim Landkreis Heidenheim, Ostalbkreis IHK Reutlingen Reutlingen Landkreis Reutlingen, Landkreis Tübingen, Zollernalbkreis Tab. 2-1: IHK-Bezirke der Metropolregion Stuttgart 19

20 3. Innovations- und Modernisierungsstrategien im regionalen Vergleich 3. Innovations- und Modernisierungsstrategien im regionalen Vergleich 3.1 Beschreibung der Datenbasis und der Stichproben Die Datenbasis Die Erreichung der beschriebenen Ziele und Forschungsfragen erfolgt schwerpunktmäßig auf Basis der Umfragedaten der Erhebung Modernisierung der Produktion aus dem Jahr 2012, die das Fraunhofer ISI unter Betrieben des deutschen Verarbeitenden Gewerbes seit 1993 regelmäßig durchführt. Die Erhebung Modernisierung der Produktion 2012 umfasst insgesamt Betriebe des deutschen Verarbeitenden Gewerbes mit mehr als 20 Beschäftigten und stellt in Bezug auf Unternehmensgröße und Branchenabdeckung einen repräsentativen Querschnitt der Grundgesamtheit dar (Jäger/Maloca 2013). Die Erhebung Modernisierung der Produktion des Fraunhofer ISI umfasst Indikatoren zur wirtschaftlichen und technologischen Lage, zu Innovations- und Modernisierungsaktivitäten sowie zu detaillierten strukturellen Betriebscharakteristika. Die Indikatoren decken dabei das Innovationsverhalten der betreffenden Betriebe in ganzheitlicher Weise ab, indem neben dem Innovationsfeld Produktinnovation auch die Bereiche Prozessinnovation, organisatorische Innovation und industrielle Serviceinnovation adressiert werden Die Stichproben in den Vergleichsregionen Metropolregion Stuttgart In dem Datensatz sind 316 Betriebe aus Baden-Württemberg vertreten. Um ein aussagekräftiges Untersuchungs-Sample zu konstruieren, erfolgt die Zuordnung der Betriebe zur Metropolregion Stuttgart über die hierin angesiedelten IHK-Bezirke (Tab. 2-1). Im Ergebnis ergibt sich ein Untersuchungssample von insgesamt 162 Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes, die in der Metropolregion Stuttgart ansässig und in der Datenbasis des Fraunhofer ISI erfasst sind (Abb. 3-1). Wie aus der Darstellung ersichtlich wird, enthält die Stichprobe damit einen KMU-Anteil von 91 Prozent, wenn man der erweiterten, in Deutschland gängigen KMU-Definition des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) folgt. 1 Abzüglich der großen Unternehmen mit mehr als 499 Beschäftigten ergibt sich somit ein Untersuchungssample der Studie von 148 kleinen und mittleren Betrieben. 1 ( ). Die Gruppe der KMU umfasst dieser Definition folgend Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten. 20

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