A) Daten. Durchführung. Schulzimmer von Herrn Köng. Datum Beginn Ende Dauer 25 Minuten

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1 Wahlfach Deutsch, 3. Sek Textsorte Interview A) Daten Interviewerin Gesprächspartner Lehrperson für Jeannine Freiburghaus Henrique Köng Sekundarstufe Thema des Interviews Tätigkeiten von Herrn Köng Durchführung Ort Schulzimmer von Herrn Köng Datum Beginn Ende Dauer 25 Minuten

2 Interview mit Herrn Köng Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um mit mir das Interview zu führen. Gern geschehen. Wieso erlernten Sie genau den Beruf des Lehrers? Ich habe den Beruf erlernt, weil ich gerne die Schüler begleite in dem, was sie machen. Das heisst auch, dass ich eine Leidenschaft für das habe. Wirklich, wie lernt man, wie lerne ich selber auch. Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf? An meinem Beruf gefällt mir gut, dass ich mit Jugendlichen in einer Phase zusammen arbeiten kann, die wichtig ist für sie, nämlich im Alter von Da passiert so viel, auch mit den Schülern und Schülerinnen und für mich ist das ein ganz spannender Zeitabschnitt. Im Prinzip habe ich die Stufe auch sehr gern. Was für Ausbildungen haben Sie abgeschlossen? Als erstes studierte ich Sprachen, ich hatte aber immer parallel dazu eine andere Ausbildung gemacht. Ich habe also als erstes Ausbildungen als Schauspieler und Regisseur gemacht und parallel dazu ging ich an die Uni und habe die Sprachen Englisch, Französisch und Geschichte studiert. Nach einiger Zeit habe ich die Richtung Sekundarschule gewählt, weil ich diese Stufe einfach am interessantesten finde. Da kommen so viele andere Fächer noch dazu, die ich auch mag wie zum Beispiel Gestaltung, Singen oder Turnen. Ich habe auch ein Diplom als Turnlehrer, weil ich mich gerne bewege. Würden Sie heute wieder die gleiche Ausbildung machen? Ja, Ich würde wieder das Gleiche machen. Ich studierte auch mal Physik, weil ich da einfach stark war, aber ich brach das dann wieder ab, weil ich merkte, dass das nicht das ist, was ich will. Mir ist es auch wichtig, im Beruf mit Menschen zu tun zu haben. Wie bei meinem zweiten Beruf. Da geht es darum, etwas zu ermöglichen wie einen Theaterabend oder Theateraufführungen zustande zu bringen. Ein Büroberuf wäre nichts für mich, weil ich da nicht viel mit Leuten zu tun hätte. Zum Thema Ferien: Wo verbringen Sie Ihre Ferien am liebsten? Seit Urzeiten immer am Meer, weil ich selber am Meer aufgewachsen bin. Ich habe das Wasser einfach wahnsinnig gern. Sicher bin ich auch gerne in der Schweiz in den Bergen, wo es Schnee hat, aber was ich wirklich brauche, sind im Minimum einmal im Jahr Ferien am Meer. Ob das dann Brasilien oder Sardinien ist, wo auch immer auf der Welt, ist fast egal. Gibt es einen Lieblingsort, an dem Sie Ihre Freizeit verbringen wie z.b. am See? Meine Freizeit, denk ich, hat sich wirklich verändert, in der letzten Zeit verbringe ich meine Freizeit sehr viel mit Bewegung. Ich tanze jetzt schon jahrelang als Hobby. Ich gehe auch gerne ins Kino oder Theater. Fussball ist mir auch sehr wichtig. Im Moment gibt es nichts

3 Wichtigeres als die WM. Viel Zeit verbringe ich auch einfach mit Leuten, die mir am Herzen liegen wie mein Sohn, meine Tochter oder meine Liebste. Freizeit ist für mich, Zeit verbringen mit Leuten, die ich gerne mag und schätze. Was ich nicht gerne mache in meiner Freizeit ist, den Entschuldigungen der Schüler nachrennen. Denn ich brauche auch meine Freizeit, vor allem auf das Alter hin, habe ich gemerkt. Beschreiben Sie sich in wenigen Worten als Privatperson. Voller Leben, neugierig und ich will etwas ermöglichen, etwas erreichen. Würden Sie sagen, dass die Schüler dasselbe über Sie sagen? Ich weiss nicht genau, weil ich spreche nicht für sie, aber ich würde sagen, vielleicht den Aspekt, dass es mir wichtig ist, dass der Unterricht lebendig ist. Ich denke, dass sie es schon merken. I do my best! Als Sie von Brasilien in die Schweiz zogen, waren Sie ja noch ein Jugendlicher. War es da für Sie schwierig, sich anzupassen? Das war schwierig für mich, weil ich in einem Alter her zog, wo es nicht einfach ist, in ein anderes Land zu gehen. Es wäre für mich einfacher gewesen, wenn ich mit 10 Jahren gekommen wäre. Darum war es am Anfang sehr schwierig für mich. Vor allem am Anfang habe ich immer, wenn mich jemand fragte, wie lange ich schon in der Schweiz sei, ein wenig gelogen. Also wenn ich 4 Jahre in der Schweiz war, sagte ich immer erst 2 Jahre lang. Später als ich 10 Jahre in der Schweiz, war sagte ich 8 Jahre. Am Anfang versuchte ich immer die Zeit von Brasilien zu verlängern und die in der Schweiz zu verkürzen. Damit habe ich jetzt aufgehört. Am Anfang war es schwierig, vor allem mit der Sprache. Portugiesisch ist eine lateinische Sprache und Deutsch eine germanische. Aber es war für mich extrem wichtig, weil ich in Brasilien ein katastrophaler Schüler war. Ich flog aus der Schule und da in der Schweiz konnte ich meine Chance packen. Das war unglaublich wichtig für mich. Würden Sie gerne wieder in Brasilien leben? Ich würde mal so sagen, am Anfang habe ich mehr davon geträumt in Brasilien zu sein. Jetzt habe ich gelernt, ich kann an beiden Orten leben. Die Schweiz ist auch mein Land, es ist meine Identität. Ich liebe die Schweiz, aber ich liebe auch Brasilien. Ganz klar versuche ich, von beidem das Beste zu nehmen. Nicht dass ich nichts gebe, das ist klar, ich gebe auch etwas. Ich kann nicht hier in der Schweiz sein und nichts geben. Aber ich denke, in Brasilien hätte ich nicht den Weg gemacht, den ich hier gemacht habe und da bin ich der Schweiz dankbar. Was für Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit in Brasilien? Erzählen Sie von einem speziellen Moment oder irgendetwas, was Ihnen noch geblieben ist. Ich weiss nicht, wie ich in den ersten vier Primarstufen überhaupt lesen und schreiben gelernt habe. Ich kann mich nur noch an die Pausen erinnern, weil wir waren 50 Kinder in der Klasse und es war unmöglich, dort eine Ordnung zu haben, aber das bleibt mir in Erinnerung. Einfach die unendlich schönen Pausen, die wir hatten, einfach das Lebendige an dem Land, dass die Leute wirklich viel, viel Freude haben. Ob man zusammen Fussball spielt, in die Schule geht oder einfach etwas unternimmt, das ist das, was mir bleibt. Die Lebensfreude und die Spontanität von den Leuten untereinander.

4 Welches war Ihr grösster Traum als Kind? Mein Grösster Traum? Ich wollte Tarzan sein. Damals faszinierte mich der Film. Ich wollte einfach Tarzan sein. Ich wusste, dass es ihn nicht gibt, aber ich glaube, ich wollte ihn sein, wegen der Bewegung. So von Liane zu Liane schwingen, gefährliche Dinge machen und auch abenteuerlich sein, das wünschte ich mir immer. Der Beruf, den ich mit euch Schülern ausübe, finde ich manchmal auch abenteuerlich. Was war Ihr Wunschberuf als Kind? Ich wusste bis 16 nicht, was ich werden will. Ich wusste eher, was ich nicht will, das wusste ich. Bis 15 wusste ich nur, dass ich noch weiter in die Schule gehen möchte. Ich hatte Lust, noch mehr zu lernen und erst später wusste ich dann, in welche Richtung es gehen sollte. Wie viele Berufe haben Sie jetzt insgesamt erlernt mit Abschluss? Ich habe den Lehrerberuf an der Uni mit Abschluss gemacht. Dann ging ich vier Jahre lang tagtäglich an die Schauspielakademie und schloss die Schule ab als Regisseur und Theaterpädagoge. Das sind die zwei Ausbildungen, die ich mit einem guten Abschluss gemacht habe. Sonst habe ich, glaube ich, eigentlich alles gemacht, von Auto waschen bis zum Kellner. Ich habe viele Dinge gemacht, die für mich auch selbstverständlich sind. Ich bin froh, dass ich auch andere Berufe erlernt habe, die wichtig sind. Ich will nicht sagen, dass die Schule nicht wichtig ist. Ich finde es einfach wichtig, dass man als Lehrer auch einmal in einem anderen Bereich gearbeitet hat. Wie viele Jahre unterrichten Sie nun schon als Lehrer? Als Lehrer arbeite ich insgesamt, glaube ich, schon gut 30 Jahre. Nur ich habe von den 30 Jahren gut 15 Jahre am Theater gearbeitet. Ich habe auch an einem Theater mit professionellen Schauspielern gespielt, Stücke gemacht und bin unterstützt worden. Mich interessierten immer beide Berufe, ich hatte nie das Gefühl, als Schauspieler etwas Besseres zu sein als als Lehrer. Hatten Sie als Lehrer schon solche Momente, in denen Sie dachten, lieber einen anderen Beruf zu haben? Ich glaube nicht, darum habe ich auch den Theaterberuf erlernt. Ich konnte immer in zwei Berufen arbeiten, die ich gerne mache. Es gibt in beiden, im Theater wie im Schulegeben Momente, in denen ich dachte oh Gott, warum hani de Bruef gwählt?. Aber wenn ich zurück schaue, merk ich, es sind die Dinge, die ich gerne mache. Es lässt einem so viel Freiraum für die Dinge, in denen ich denke, ich bringe ein gewisses Wissen und Erfahrung mit. Ich weiss in beiden Dingen, was ich mache. Als Kind gingen Sie eher nicht so gerne in die Schule? Nein, mich interessierte alles andere mehr, also was in der Freizeit lief. Ich denke auch, das war wegen der katastrophalen Schule, weil sie oft nicht stattfand. Die Schule hat bei mir nur in den Pausen stattgefunden. Weil wir zu viele Kinder in der Klasse waren. Die, die sich nicht selbst das Lesen und Schreiben beigebracht haben, sind unter die Räder gekommen. Und dann war ich sehr dankbar, dass ich in die Schweiz gekommen bin und die Möglichkeit hatte, ins Gymnasium zu kommen. Dort merkte ich dann, dass ich Vollgas geben muss, sonst hätte

5 ich es nicht geschafft. Ich hatte sogar eine Lehrstelle als Polymechaniker. Ich entschied mich dann aber, weiter in die Schule zu gehen. Unterrichten Sie lieber Theater (mit Erwachsenen) oder Deutsch/Französisch (mit Schülern)? Ich glaube, mit Erwachsenen ist es manchmal einfacher, weil sie freiwillig ins Theater kommen, das ist dann schon etwas ganz anderes als in der Schule. Hatten Sie schon Tage, an denen alles schief gelaufen ist? Ja sicher, und dann gibt es auch Tage, an denen ich sage: So eine Katastrophe. Was mich dann am meisten aufregt, wenn es nicht mit den Schülern zu tun hat, sondern mit mir selber. Ich habe einfach etwas nicht gut gemacht. Manchmal, wenn ich merke, dass ich mich in einer Klasse nur mit ein oder zwei Schülern beschäftige, nervt es mich. Die nehmen mir dann so viel Energie weg. Wenn ich manchmal in einer Sitzung bin und auch mehrere Stunden zuhören muss, verstehe ich die Schüler auch. Da habe ich mich auch plötzlich so gelangweilt. Ich versuche, solche Tage gut zu überstehen. Es ist sicher nicht immer leicht, ruhig zu bleiben, wenn die Schüler laut sind oder nicht richtig zuhören. Oder? Ich schaffe es nicht immer, normal zu bleiben. Ich versuche, ruhig zu bleiben, aber manchmal, ist es von mir auch authentisch, laut und wütend zu werden. Ich glaube schon, dass ich ein gewisses Temperament habe. Ich brauche viel Energie, wenn jemand nicht zuhört. Eine Stunde, in der immer jemand reinschwatzt und ich nicht so weit komme, wie ich möchte, raubt mir Energie. Gibt es etwas, was Sie immer motiviert? Ihr. Mich motiviert auch das, was ihr erreicht habt. Wie zum Beispiel eure Lehrstellen oder auch gute Prüfungen von euch. Ich bekomme viel zurück, ich bekomme eine Wertschätzung von euch. Würden Sie nicht gerne wieder mehr mit Theater zu tun haben? Ja, ich habe in den letzten Jahren mehr Schule gegeben. Bis vor vier, fünf Jahren arbeitete ich nicht zu 100%. Ich habe immer einen Teil gehabt, wo ich Theater gemacht hab. Ich denke, das wird jetzt in der nächsten Zeit auch wieder so sein, dass ich mir manchmal erlaube, vielleicht nicht gerade das nächste Schuljahr, aber dass ich das Gewicht wieder mal stärker beim Theater und den Erwachsenen habe. Ich danke Ihnen viel Mal für die Zeit, die Sie sich für mich genommen haben und wünsche Ihnen weiterhin einen schönen Tag. Bitte gern geschehen.

6 Auswertung Befragter: Wie hat die Interviewerin ihre Aufgabe erfüllt, auch gemäss Anleitung aus dem Lehrmittel S ? Jeannine hat das gut gemacht, nahm sich die Zeit, wusste, was sie tut, was und wie sie fragt. Was empfand ich beim Interview gut - was nicht so? Gut: Ihre Vorbereitung, das Interview verging im Fluge, auch gefiel mir ihre ruhige Art. Inwiefern wurde das Thema besprochen - oder nicht? Es gelang ihr, mein Interesse zu wecken. Es waren lebendige 20 Minuten. Interviewerin: Wie hat der Befragter sich verhalten? Herr Köng nahm sich die Zeit, mir alle Fragen ausführlich zu beantworten. Was empfand ich beim Interview gut - was nicht so? Die Antworten interessierten mich und ich lernte meinen Hauptlehrer durch das Interview noch besser kennen. Inwiefern konnte ich mein Thema besprechen - oder nicht? Es kamen immer passende Antoworten.

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