Die Sehnsucht des kleinen Sterns wurde grösser und grösser und so sagte er zu seiner Mutter: Mama, ich mache mich auf den Weg, um die Farben zu

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2 Es war einmal ein kleiner Stern. Er war gesund und munter, hatte viele gute Freunde und eine liebe Familie, aber glücklich war er nicht. Ihm fehlte etwas. Nämlich die Farben. Bei ihm zu Hause gab es nur Licht und Dunkelheit, aber keine leuchtenden Farben. Manchmal sah er weit entfernt Planeten oder andere Sterne und Gesteine, die farbig leuchteten, aber das war ihm zu wenig. Er wollte unbedingt die Farben kennenlernen, denn schon oft haben ihm die älteren Sterne davon erzählt. Sie wussten, dass es sie gibt, aber hatten sie selbst noch nie aus der Nähe gesehen oder berührt oder geschmeckt. 2

3 Die Sehnsucht des kleinen Sterns wurde grösser und grösser und so sagte er zu seiner Mutter: Mama, ich mache mich auf den Weg, um die Farben zu suchen. Wenn ich sie gefunden habe, kehre ich zurück und bringe dir die Farben mit. Ich muss mich unbedingt auf die Suche machen. Die Mutter war traurig, denn sie war sich sicher, dass wenn ihr kleiner Stern so weit weg geht, um die Farben zu suchen, er nicht mehr zurückkommen wird. Traurig, aber auch ein bisschen stolz, liess sie ihn ziehen, denn sie hatte verstanden, dass er gehen musste und sie ihn nicht zurückhalten konnte. 4

4 Der kleine Stern war lange unterwegs, da sah er plötzlich weit entfernt eine kleine, farbige Kugel. Sie war hauptsächlich blau und grün, so viel konnte erkennen. Das sind aber schöne Farben, dachte er sich. Da muss ich unbedingt hin! Auf der farbigen Kugel, unserer Erde, angekommen, war er überwältigt. So viele Farben sah er da, mehr als er sich jemals erträumt hatte. 6

5 Zuerst zog ihn das Wasser an. Er bewegte sich über das Meer. So viel blau. So schön. Und da bewegten sich noch Dinge, Tiere, im Wasser. Aber das interessierte ihn nicht. Die Farben zogen ihn in ihren Bann. 8

6 Nach einiger Zeit sah er am Horizont einen Berg aus dem Meer aufragen. Es zog Rauch auf und viele Wolken umgaben den Berg. Plötzlich sah er eine rote Flüssigkeit den Berg herunterfliessen. Fasziniert beobachtete er, wie sie sich die Felsen hinabschlängelte. 10

7 Auf einmal entdeckte er hinter dem Berg eine riesige grüne Fläche. Er erkannte bald, als er sich näherte, dass es ganz viele Blätter waren, die diese grüne Fläche ergaben. Das musste also ein Wald sein, dachte er sich. 12

8 Er beobachtete noch lange die Blätter, bis er zwischen den Blättern hindurchspähte und etwas Braunes erkannte. Lehmerde. Er roch und roch daran, denn der Duft dieser Erde war so aussergewöhnlich. Noch nie hatte er etwas Ähnliches gerochen. 14

9 Da wurde es dunkel und er sah die Sonne untergehen. Schnell ging er ihr nach, denn das goldene Licht zog in regelrecht zu sich hin. Lange noch betrachtete er die Sonne und plötzlich merkte er, dass für ihn die Zeit gekommen ist, um nach Hause zurückzukehren. 16

10 Doch etwas wollte er noch erledigen. Er hatte seiner Mutter ja schliesslich versprochen, die Farben mitzubringen. So versuchte er, die Farben einzufangen. Als erstes probierte er, etwas Wasser mitzunehmen, aber im Behälter verlor das Wasser ihre blaue Farbe. Die rote Lava kühlte ab und wurde schwarz war nicht mehr rot. Die grünen Blätter verwelkten und zerfielen und waren nicht mehr grün. Die braune Lehmerde verfärbte sich schwarz, da sich das Stück Erde nicht mehr am Boden neben all der anderen Erde befand. Auch das Gold musste der Stern zurücklassen. Von der Sonne konnte er nichts nehmen, da das Stück vom goldenen Licht der Sonne erlosch, als er es einpacken wollte. Ganz enttäuscht machte er sich auf den Nachhauseweg. So gerne wollte er seiner Mutter zeigen, wie schön die Farben auf der Erde waren. 18

11 Während er sich seinem Zuhause näherte, hielt er kurz inne und verstand plötzlich, dass er nicht traurig und enttäuscht sein musste. Denn er erinnerte sich ganz genau an die Farben, sah sie vor sich, wenn er die Augen schloss und konnte von ihnen erzählen, als wäre er direkt neben ihnen. Eigentlich ist es ja gar nicht so schlimm, konnte ich die Farben nicht mitnehmen. Die haben ihr Zuhause und ich meines. Ich habe sie in meinem Herzen, das kann mir niemand nehmen. Ich werde mich immer daran erinnern und noch meinen Grossenkeln davon erzählen. Da überkam ihn ein wohliges Gefühl und zufrieden legte er den Rest seines Weges zurück. Zuhause angekommen, umarmte er seine vor Freude weinende Mutter und sagte ihr, sie solle die Augen schliessen, wenn er ihr von den Farben erzählt. Etwas enttäuscht tat sie, was ihr kleiner Stern sagte, obwohl sie gehofft hatte, er bringe die Farben mit. Sie schloss die Augen und der kleine Stern begann zu erzählen. Er erzählte und erzählte und die Mutter konnte nicht aufhören zu staunen, denn der kleine Stern beschrieb die Farben so exakt, dass sich die Mutter diese genau vorstellen konnte, ohne sie jemals gesehen zu haben. Als der kleine Stern fertig war mit dem Erzählen, umarmte sie ihn und war voller Stolz. Von nun an musste der kleine Stern allen anderen Sternen von den Farben erzählen und er konnte sich noch lange, lange an die Farben erinnern. Sie blieben in seinem Herzen und waren ein Teil von ihm geworden. 20

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