LLP/ERASMUS ERFAHRUNGS BERICHT (ausformulierte Version)

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1 LLP/ERASMUS 2012/13 Zeitraum: SoSe 2013 Gastland: Norwegen Gastuniversität: Universitetet i Oslo Programm: Erasmus via Fachbereich 03 studierte Fächer an Gasthochschule: Politikwissenschaft Name:* * (* Angaben werden vor Veröffentlichung auf unserer Webseite gelöscht.) Datum: LLP/ERASMUS ERFAHRUNGS BERICHT (ausformulierte Version) Vorbereitung Die Entscheidung ein Auslandssemester zu absolvieren kam relativ spontan und kurz vor Bewerbungsfristende. Im Januar 2012 recherchierte ich und reichte schließlich meine Bewerbungsunterlagen ein. Ich entschied mich aufgrund der Klimabedingungen in Skandinavien mich für das Sommersemester zu bewerben. Dadurch hatte ich nach der Zusage eine lange Vorbereitungszeit und konnte mich durch Erfahrungsberichte, Informationen im Internet und die bereitgestellten Informationen der Gasthochschule umfassend informieren. Außerdem nahm ich Kontakt mit zwei Austauschstudenten auf, die sich zum WS 12/13 in Oslo befanden. Die Universitetet i Oslo (UiO) bietet eine sehr übersichtliche Internetseite, zum Großteil auf Englisch. Zudem ist alles sehr durchorganisiert und man muss sich um die wenigsten Dinge vollkommen selbstständig kümmern. Man bekommt zur rechten Zeit ein Informationspaket mit allerlei Broschüren und einer Checkliste, was nun zu tun ist, per Post zugesandt. Darin ist alles genauestens beschrieben und man wird sozusagen mit der Planung und Organisation an die Hand genommen. Die entsprechenden Fristen darf man allerdings auf keinen Fall verpassen (z.b. zur Beantragung vom Studentenwohnheimplatz)! Da Norwegen kein EU-Mitglied ist, benötigt man eine Aufenthaltserlaubnis, die für EU-Bürger sehr leicht zu bekommen ist. Vor dem Aufenthalt meldet man sich online bereits an und sobald man dort ist, reicht man einige Unterlagen bei der Polizei ein. Eine genaue Anleitung lässt sich ebenfalls den durch die Uni zugeschickten Informationen entnehmen. Wohnsituation Die meisten internationalen Studierenden wohnen in den Studentenwohnheimkomplexen Kringsjå oder Sogn, da diese vergleichsweise günstig sind und durch internationales Flair einfach und schnell Kontakt mit anderen Studierenden bieten. Während Sogn zentraler

2 gelegen ist und etwas persönlicher ist, liegt Kringsjå im Norden Oslos wenige Gehminuten vom See Sognsvann entfernt. Die Plattenbauten sind nicht besonders schön, die Lage dafür umso mehr. Die Küche wird mit sechs anderen Personen geteilt, das Bad mit einer anderen Person oder man hat es für sich allein (kann bei Ankunft vor Ort entschieden werden, Mietpreis entsprechend höher). Man bewirbt sich online über die Internetseite der Organisation SiO für die Studentenwohnheime (Achtung: unbedingt für ein möbliertes Zimmer bewerben). Als Austauschstudent wird einem ein Platz im Studentenwohnheim zugesichert vorausgesetzt man bewirbt sich fristgerecht. Bei Ankunft kann man sich dann aussuchen, in welchem Gebäude, in welchem Stockwerk usw. man wohnen möchte (je nach Verfügbarkeit). Ich kann diese Wohnmöglichkeit nur empfehlen, da das Mietpreisniveau auf dem freien Markt erheblich höher liegt und sich die Wohnungssuche zudem sehr schwierig gestaltet. Allerdings hängt im Studentenwohnheim das meiste von den Mitbewohnern ab, da muss man einfach Glück haben. Als ich in mein Zimmer in Kringsjå eingezogen bin, war die Gemeinschaftsküche äußerst dreckig, beinahe eklig, ich habe tagelang keinen meiner Mitbewohner zu Gesicht bekommen und auch auf eine Notiz meinerseits hat keiner reagiert. In den darauf folgenden Wochen hat sich diese Situation allerdings durch den Auszug alter und Einzug neuer Mitbewohner gewendet. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir ein sehr gutes WG-Klima, haben sehr viel Zeit miteinander verbracht und wurden zu guten Freunden. Auch der Zustand der Küche besserte sich erheblich. Allerdings gab es auch Austauschstudenten, die ihr ganzes Auslandssemester über mit schwierigen und heruntergekommenen Wohnumständen zu tun hatten. Erste Tage vor Ort Ich bin von Frankfurt aus zum Hauptflughafen Oslo Gadermoen geflogen. Von dort kommt man am besten mit dem Flytoget, einem Expresszug, der alle 10 Minuten abfährt, in die Osloer Innenstadt (Oslo S). Karten (Einzelfahrt 85 NOK für Studenten) kann man vor Ort an Automaten mit Bargeld (Norwegischen Kronen) oder mit Kreditkarte zahlen. Um zu seinem Studentenwohnheim zu gelangen, nutzt man die T-Bane (U-Bahn). Für die öffentlichen Verkehrsmittel ( ruter ) braucht man Tickets, die man an Automaten oder an den Kioskstationen der Kioskkette Narvesen kaufen kann. Die ersten paar Fahrten habe ich durch Einzeltickets abgedeckt, bis ich meinen norwegischen Studierendenausweis hatte und dadurch vergünstigte Monatskarten kaufen konnte (zweiter Tag). Zuerst fährt man zu dem für sein Wohnheim zuständigen SiO-Wohnungsbüro (das für das Wohnheim Kringsjå befindet sich praktischerweise mitten auf dem Wohnheimgelände, Achtung: Auf Öffnungszeiten achten!). Dort bekommt man seinen Schlüssel und alle anderen nötigen Unterlagen. Im Zimmer angekommen war ich (nach dem Schock über den Küchenzustand) etwas geplättet von der Kargheit des Zimmers sehr unpersönlich und dadurch ungemütlich. Da ich auch

3 keine Bettdecke & Kissen mitgenommen hatte, fuhr ich am Nachmittag zu IKEA. Etwa 3 Gehminuten von der Zentralstation (Jernbanetorget / Oslo sentralstasjon) entfernt befindet sich eine Bushaltestelle für einen kostenlosen IKEA-Shuttlebus. Nach einem nötigen IKEA- Einkauf ging es mit dem Shuttlebus wieder zurück. Ich empfehle dringend ein LAN-Kabel mitzunehmen, da es in den Studentenwohnheimen kein WLAN gibt und Internet gerade in den ersten Tagen ziemlich wichtig ist, um sich Informationen zu beschaffen, nachzugucken, wo was ist, Öffnungszeiten nachzulesen, sich zu vernetzen etc. Am folgenden Tag habe ich das SiO-Büro auf dem Campus Blindern (T-Bane-Station Blindern) aufgesucht, um mir meinen Studierendenausweis ausstellen zu lassen und den Semesterausweis zu erhalten (zwei verschiedene Dokumente in Oslo). Dort kann man sich auch gleich eine (für Studierende) vergünstigte Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel (ruter card) kaufen. Es ist empfehlenswert während der Orientierungswoche anwesend zu sein und an allen Veranstaltungen teilzunehmen. Es werden einem hilfreiche Informationen mitgeteilt, z.t. Behördengänge abgenommen und der Papierkram erleichtert. Auch hier wird einem - wie schon bei der Vorbereitung viel Unterstützung geboten, allerdings muss man an den Infoveranstaltungen teilnehmen und die Fristen einhalten, ansonsten muss man sich anschließend um alles selbstständig kümmern, was einen erheblichen Mehraufwand erfordert. Austauschstudenten werden (soweit ich mich erinnere) automatisch zu Buddygroups formiert (nach Studienfach) und pro Gruppe gibt es 4 (norwegische) Buddies, die einem in der ersten Woche (und oftmals auch darüber hinaus) mit Rat und Tat zur Seite stehen, Fragen beantworten, Stadtrundgänge und Pubabende machen und so weiter. Im Grunde ist man eine komplette Woche mit seiner Buddygroup unterwegs, entdeckt die Stadt, lernt Leute kennen und gewöhnt sich ein. Studium Bereits im Vorfeld hatte ich mir über die Internetseite der UiO die verfügbaren Veranstaltungen angeschaut, ein paar herausgesucht und im Learning Agreement mit der UiO und der Uni Frankfurt vereinbart. Man kann aus allen verfügbaren Kursen auswählen, die der Fachbereich anbietet. Wenn das Semester anfängt, meldet man sich online über die Plattform StudentWeb (etwa wie OLAT) für seine gewählten Kurse an. Wenn man auf Bachelor studiert, kann man sich selbstständig auch nur für Bachelorkurse eintragen. Möchte man Masterkurse belegen, so ist man auf die Hilfe des Fachbereiches angewiesen. Es gibt eine Veranstaltung in der Orientierungswoche, wo Mitarbeiter aller Fachbereiche vertreten sind und sich um Kurseinschreibungsprobleme kümmern. Ich musste ein Transcript mit meinen im Studium bisher besuchten Veranstaltungen vorlegen und habe glaubhaft versichert, dass ich mich nicht am Anfang meines Studiums befinde, woraufhin ich von einer Mitarbeiterin des Fachbereichs manuell für die entsprechenden Kurse eingetragen wurde.

4 Das Gleiche gilt für interdisziplinäre Veranstaltungen oder solche, die von anderen Fachbereichen angeboten werden. Für internationale Studierende werden außerdem fachbereichsübergreifend Sprachkurse sowie eine Vorlesungsreihe Norwegian Life & Society angeboten. Es wird mit ECTS gearbeitet und die Benotungsskala reicht von A (bestes Ergebnis) bis E (schlechtestes Ergebnis) bzw. F (durchgefallen). Die Hauptbibliothek, die auch für den Fachbereich Sozialwissenschaften zuständig ist, befindet sich zentral auf dem Hauptcampus Blindern. Sie ist sehr modern, mit vielen Sitzplätzen und Internetzugang ausgestattet und bietet auch Gruppenräume. Die Atmosphäre ist hervorragend und ich kann die Bibliothek nur wärmstens empfehlen. Allerdings sind die eingeschränkten Öffnungszeiten zu beachten (beispielsweise hat sie sonntags geschlossen). Alltag Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel über den Betreiber ruter ist sehr gut ausgebaut und man erreicht nahezu jedes Ziel mit den Linien der Busse, der Boote, der Tram und der T- Bane. Nachts fahren Nachtbusse (manche Linien werden nur am Wochenende gefahren). Wer in Kringsjå wohnt, hat die T-Bane-Station gleich um die Ecke und den Supermarkt Kiwi auch auf dem Wohnheimareal. Dort habe ich meistens eingekauft, bis auf Obst&Gemüse. Das bekommt man besonders günstig in einem Laden im Stadtteil Grønland (gleichnamige T-Bane-Station), den man nicht übersehen kann und an die ausländischen Lebensmittelläden im Frankfurter Bahnhofsviertel erinnert. Falls man einmal ärztliche Versorgung braucht, kann man zu dem auf dem Campus Blindern ansässigen Arzt gehen. In der Regel hat man automatisch einen europäischen (Basis-)Krankenschutz, wenn man in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist. Die Kommunikation mit den anderen (Austausch-)Studierenden und mit den Organisationen (z.b. ESN [Erasmus Student Network]) läuft größtenteils online, vor allem über Facebook ab. Aber auch eine norwegische SIM-Karte sollte man sich zulegen. ESN organisiert in der ersten Woche einen Verkauf von Prepaid SIM-Karten von der Marke Chess. Ich habe mit dem Anbieter gute Erfahrungen gemacht; relativ günstige SMS- und Anruf-Preise sowie sehr gute Konditionen ins Ausland. Aufladen kann man sein Guthaben online oder über Nummern, die man in vielen Geschäften (Narvesen, Kiwi,...) kaufen kann. Zu dem Thema online zahlen lässt sich hinzufügen, dass in Norwegen Bargeldzahlungen nicht so üblich sind wie in Deutschland. Meine deutsche EC- Karte hat meistens funktioniert, die gängigste Zahlungsmethode ist jedoch mit Abstand per Kreditkarte. Ich hatte mit extra für das Auslandssemester eine solche angeschafft und sehr oft davon profitiert. Ohne Kreditkarte ist man manchmal aufgeschmissen, daher rate ich zur Anschaffung bzw. Mitnahme einer Kreditkarte.

5 Freizeit & Reisen Man sollte keine guten Clubabende erwarten, wenn man nach Oslo kommt. Meist laufen einfallslose amerikanische Hits, die Norweger sind oftmals unhöflich, Getränke kann man sich nicht leisten, viele Clubs haben 21 oder gar 23 als Mindestalter und um spätestens 3 Uhr nachts macht alles zu (Sperrstunde). Nur private Parties sind davon ausgenommen. Da kann man dann auch eigene (importierte) Getränke mitbringen und so ist es kein Wunder, dass sich die meisten Partyabende in den Studentenwohnungen abspielen: Die legendären Kitchenparties. Der einzige Club, den ich immer wieder gern besucht habe, an dem man nette Leute kennenlernt und so gut wie immer auf bekannte Erasmusgesichter stößt, heißt Blå. Sonntags ist hier immer viel los, es spielt eine bunte und heitere Live-Band mit wechselnder Besetzung und der Eintritt ist frei. Im Sommer gibt es auch einen schönen Außenbereich mit Tischtennis. Allerdeings sollte man (gerade bei gutem Wetter) frühzeitig auftauchen, denn sonst steht man lange an bzw. kommt gar nicht mehr rein. Wer in Kringsjå wohnt, wird schnell Bekanntschaft mit dem Kringsjåpub machen, der auf dem Wohnheimareal liegt und Mittwochs, Freitags und Samstags bis 1 Uhr geöffnet hat. Hier gibt es Getränke zu einigermaßen bezahlbaren Preisen und Mittwochs ein englischsprachiges Quiz, an dem man in Gruppen mit Freunden teilnehmen kann. Das Haus der Norwegischen Studentengesellschaft Chateau Neuf bietet ab und zu Parties an, sowie regelmäßig Filmabende, Vorträge, einen Debattierclub, ein norwegisches Quiz und ist Treffpunkt für viele Studentenclubs. Das Special Events Programme der UiO veranstaltet wöchentlich kostenlose Filmabende in einem Hörsaal mit skandinavischen Filmen und bietet darüber hinaus in unregelmäßigen Abständen Veranstaltungen wie Museumsbesuche mit Führungen, Tagesausflüge, einen Scavenger Hunt usw. Für die meisten Veranstaltungen muss man sich allerdings rechtzeitig online anmelden. Ich habe mir immer gern die kostenlosen (meist klassischen) Kurzkonzerte in der Aula der Hauptbibliothek angesehen. Die Veranstaltunsreihe heißt Lunsj med kultur und hat im SS2013 immer Freitagmittag stattgefunden. Wer eine Chess SIM-Karte besitzt, kann beim Kinoeintritt sparen, da das Unternehmen einen 2-für-1-Deal anbietet (immer dienstags, in speziellen Kinos, siehe Chess Website). Voller skurriler Dinge, aber mit nettem Flair ist der immer sonntags stattfindende Birkelunden Flohmarkt im Stadtteil Grünerløkka. Dies ist der hippe Stadtteil Oslos, in dem viele Künstler, Studenten und Intellektuelle wohnen und wo es viele kleine Boutiquen, Cafés und Bars gibt. Als Cafétipp auf dem Campus kann ich das Studentencafé Ulgebo empfehlen. Es befindet sich im Keller des Gebäudes der humanistischen Fakultät (Sophus Bugges Hus auf dem Campus Blindern). Dort bekommt man dienstags und donnerstags günstige Waffeln und heiße Schokolade/Tee/Kaffee. Sie haben eine Auswahl an Brettspielen und abends ab und zu Partyabende.

6 Einen schönen Ausblick über die Stadt hat man von der Skiprungschanze Holmenkollen und wenn man das Dach der Oper hochläuft und sich oben hinsetzt, kann man den Blick über den Oslofjord genießen. Die Oper bietet im Übrigen auch Karten zu Studentenpreisen an, die wenn man sich mit mittelmäßigen Plätzen zufrieden geben kann auch wirklich bezahlbar sind. Im Oslofjord liegen einige Inseln, zu denen man gut mit Linienbooten gelangt (im ÖPNV-Ticket inklusive). Dort oder an einem der Seen rund um Oslo kann man hervorragend spazieren, sich sonnen, baden oder grillen. Der See Sognsvann und das angrenzende Waldgebiet Nordmarka liegen nur wenige Minuten vom Studentenwohnheim Kringsjå entfernt und bietet nicht nur Erholung, sondern auch fabelhafte Sportmöglichkeiten. Im Sommer joggen sehr viele Menschen um den See oder schwimmen eine Runde. Im Winter verwandelt sich das Gebiet zum Langlaufparadies. Skier, Stöcke und Skischuhe können über SiO Athletica in deren Fitnessstudio auf dem Campus Blindern ausgeliehen werden. Ansonsten gibt es noch weitere Trainingscenter von SiO mit vielen Angeboten, z.t. mit Schwimmhalle und Mannschaftssport. Die Mitgliedschaft ist im Vergleich zu deutschen Verhältnissen günstig. Generell werden Sport und eine gesunde Lebensführung in Norwegen groß geschrieben und sind ein wichtiger Bestandteil der sozialen Integration. Während eines Auslandssemesters kann man jedoch nicht nur die Region entdecken, sondern auch etwas herumreisen. Günstige Flüge bekommt man mit Ryanair und Norwegian; Widerøe fliegt selbst die kleinsten norwegischen Flughäfen an und ist die Nummer 1, wenn es um inländische Verbindungen geht. Ich habe im Februar eine einwöchige organisierte Reise über den Veranstalter Scanbalt nach Lappland in Nordschweden gemacht (Infos siehe Scanbalt-Website). Im April wurde von ESN ein Wochenendtrip nach Kopenhagen angeboten (mit der Fähre). Darüber hinaus war ich (selbstständig) vier Tage lang in Island (die Flüge sind von Oslo aus günstiger, als von Deutschland) und am Ende meines Aufenthaltes bin ich anderthalb Wochen durch Norwegen in Richtung Norden bis zum Nordkapp gereist. Bucht man früh genug, gibt es sehr günstige Sparpreise (Minipris) von der Bahn (NSB). Im nördlichen Teil des Landes habe ich mich größtenteils mit Schiffen der berühmten Hurtigruten-Flotte fortbewegt. Auch über Nacht kann man dort ohne Kabine mitfahren, ich habe dann jeweils ein paar Stunden in einer der Lounges geschlafen, als die anderen Gäste verschwunden waren. Während man bei den Transportkosten noch sparen kann, geht das bei den Unterbringungskosten nicht mehr. Jugendherbergen liegen oft so weit ab vom Schuss, dass man sie nur mit dem Auto erreichen kann, Zelten ist angesichts der unvorhersehbaren und moderaten Temperaturen auch nicht erste Wahl und die Gastgeber auf couchsurfing.org sind oft auf lange Zeit hin ausgebucht. Ich habe generell die Erfahrung gemacht, dass alles im Voraus geplant werden sollte, denn spontan bekommt man oft kein Zimmer/kein Ticket mehr.

7 Kosten Das Preisniveau liegt in Norwegen sehr viel höher als in Deutschland. Oslo ist laut des Personalberatungsunternehmens ECA International die teuerste Stadt der Welt (Studie von 2013). Das macht sich gerade für ausländische Student_innen bemerkbar, die die hohen Kosten nicht durch ein entsprechend hohes norwegisches Gehalt abfedern können. Einen Job zu ergattern ist schwierig, wenn keine oder nur geringe Norwegischkenntnisse vorhanden sind. Für wen möglicherweise Auslandsbafög greifen könnte, sollte frühzeitig einen Antrag stellen. Ich habe meine Kosten durch eigene Ersparnisse und finanzielle Unterstützung der Familie gedeckt. Der Mobilitätszuschuss von in meinem Fall 150 pro Monat seitens des Erasmusprogramms ist zwar besser als nichts, aber reicht bei weitem nicht aus. Um eine Vorstellung davon zu geben, welche Kosten in Oslo auf einen zukommen, gebe ich im Folgenden einen Überblick über ungefähre monatlichen Ausgaben: Mietkosten ca. 400 (günstigste Variante im Studentenwohnheim), Studierendenticket für die öffentlichen Verkehrsmittel 50, Lebensmittel ca Die Ausgaben für Lebensmittel variieren stark je nach persönlichem Standard und Vorlieben, Fleisch und Süßigkeiten sind beispielsweise extrem teuer und die Preise für Alkohol übersteigen jeglichen Vorstellungshorizont. Dazu kommen hohe Preise für Kosmetik, Dienstleitungen (z.b. Frisör) und Freizeit (z.b. Kino). Am Anfang des Aufenthaltes muss auch ein Budget für Lernmaterialien eingeplant werden, da Bücher und Kompendien viel teurer als in Deutschland sind, aber vorausgesetzt wird, dass sie gekauft werden. Insgesamt ist man aufgrund der hohen Kosten sehr eingeschränkt und kann nicht in dem Maße wie Einheimische oder wie man es von Deutschland gewöhnt ist am sozialen und kulturellen Leben teilhaben. Wer sich für Norwegen entscheidet, sollte sich so früh wie möglich um einen Finanzierungsplan kümmern und hohe Kosten einplanen. Fazit In meiner Zeit im Ausland habe ich vieles erlebt und viele interessante Erfahrungen gesammelt. Zu einem Großteil kommt es auf die Leute an, die man kennenlernt, was man erlebt und wie wohl man sich fühlt. In diesem Punkt war ich glücklich, auch dass ich mit vielen Norwegern Kontakt hatte, hat meine Zeit sicher bereichert. Aber auch alle anderen Menschen aus den unterschiedlichsten kulturellen Kontexten haben meinen Horizont erweitert und mich toleranter werden lassen. Dies hat auch zur erneuten Reflexion über die eigenen Gewohnheiten, Traditionen und Auffasungen geführt. Ich denke, ein Auslandssemster dient vorrangig der persönlichen Entwicklung und zeigt einem andere Perspektiven auf. Enttäuscht war ich hingegen von der akademischen Komponente. In den Veranstaltungen waren kaum Diskussionsbereitschaft und kritische Ansätze zu erkennen, es

8 ging vielmehr um das Auswendiglernen von Fakten und das Vergleichen derselben. Eine Beurteilung oder Wertung wurde nie vorgenommen und mir fehlte die Überzeugung und Radikalität, die ich von Frankfurter Seminaren gewohnt bin. Norwegische Politikstudent_innen sind privat meist unpolitisch und engagieren sich weniger, als ich es von deutschen Kommilitonen kenne. Mir hat diese konsequente und beharrliche Einmischung und das kritische Engagement sehr gefehlt. Aber auch das lässt einen Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten und die Funktionsweise der Gesellschaft besser verstehen. Für mich war die Zeit im Ausland vorwiegend Lernprozess, in dem ich sowohl andere, als auch mich selbst besser kennen und verstehen gelernt habe.

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