Viel Lärm um Nichts - Rückblick auf ein Jahrzehnt empirischer Outsourcing-Forschung

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1 - 1 - Viel Lärm um Nichts - Rückblick auf ein Jahrzehnt empirischer Outsourcing-Forschung Prof. Dr. Wenzel Matiaske Universität Flensburg Dr. Thomas Universität Mainz Vortrag zur Kommissionstagung Organisation des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.v. Universität Lüneburg 02. März 2001

2 - 2 - Gliederung 1. Einleitung 2. Konzeptionen der empirischen Outsourcing-Forschung 2.1 Definitionen und Forschungsfragen 2.2 Theoretische Bezugsrahmen 2.3 Forschungsdesigns 3. Stand der empirischen Forschung 3.1 Funktionen und Formen des Outsourcing 3.2 Motive des Outsourcing 3.3 Erfolge des Outsourcing 4. Kritische Würdigung und Ausblick

3 - 3 - Einleitung Mode oder Trend? empirische Daten nicht-empirische Daten

4 - 4 - Konzeptionen der Outsourcing-Forschung Definition und Forschungsfragen! Outsourcing als Sonderfall der make-or-buy-entscheidung! Funktions- und Ressourcenneutralität des Outsourcing! Auslagerung und Ausgliederung als Outsourcing-Form

5 - 5 - Definitionen und Forschungsfragen! Welche empirischen Befunde liegen gegenwärtig vor?! Welche theoretischen, inhaltlichen und methodischen Schwerpunkte weisen die Studien auf?! Welche weißen Flecken lassen sich auf der Problemlandkarte des Outsourcing identifizieren?

6 - 6 - Theoretische Bezugsrahmen Das Angebot der Organisationstheorie zur Erklärung des Outsourcing ist vielfältig:! Situative Randbedingungen des Outsourcing! Outsourcing und Ressourcen-Abhängigkeit! Outsourcing als organisatorisches Arrangement! Outsourcing als strategische Management-Option Von Ausnahmen abgesehen bleibt die theoretische Fundierung der empirischen Outsourcing-Forschung bescheiden

7 - 7 - Forschungsdesigns Die vorliegenden Studien weisen folgende Charakteristika auf:! Ausschließlich Querschnittsstudien! Relativ kleine Fallzahlen bei ungesicherter Repräsentativität des Samples! Dominante Erhebungsform ist die schriftliche Befragung, selten finden sich Interviews oder Fallstudien! Die Auswertung bleibt nahezu durchgängig in der Deskription stecken

8 - 8 - Stand der empirischen Forschung! Funktionen und Formen des Outsourcing! Motive des Outsourcing! Erfolge (Chancen und Risiken) des Outsourcing

9 - 9 - Funktionen und Formen des Outsourcing! Vorwiegend werden Randgeschäfte und Bereiche mit hohem Fremdherstellungsanteil ausgegliedert/ausgelagert. Beispielsweise: - Versorgungs- und Sicherheitsdienste, Transport- und Anlagenwartung - Personalsicherung, Fort- und Weiterbildung! Neben der vollständigen Auslagerung werden verschiedene Formen der Ausgliederungen berichtet. Beispielsweise: - Cost- und Profit-Center, Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie Kooperationen

10 Motive des Outsourcing 1. Kostenvorteile! Kostendegression durch Economics of scale und Erfahrungskurveneffekte! Erhöhter Kostendruck! Branchenarbitrage! Variabilisierung der Fixkosten 2. Konzentration auf das Kerngeschäft 3. Leistungsverbesserungen 4. Finanzierungsvorteile und Risikoverlagerung

11 Motive des Outsourcing Empirische Befunde:! Kostensenkung als wichtigstes Outsourcing-Motiv (Heinzl 1991, Knüppel/Heuer 1994, Billeter 1995, Horchler 1996, Nagengast 1997, Schott 1997, Meckl 1999)! Konzentration auf das Kerngeschäft und Steigerung der Flexibilität als weitere wichtige Motive! Leistungsverbesserung und Risikoverlagerung nicht so bedeutend

12 Erfolge des Outsourcing! Outsourcing als Erfolgsfaktor?! Erfolg als Grad der Zielerreichung! Erfolgsmessung (Gerpott 1993) - quantifizierte Erfolgswahrnehmung Primärerhebung durch Befragung - quantitativ-objektive Erfolgsmessung Sekundärerhebung finanzwirtschaftlicher Daten aus Jahresabschluß oder über Kapitalmarkt

13 Erfolge des Outsourcing! Vergleichsweise wenig empirisch untersucht (7 Studien)! Messung ausschließlich auf Basis der quantifizierten Erfolgswahrnehmung! Keine Trennung zwischen erfolgreichen und nicht-erfolgreichen Unternehmen! Empirische Befunde: - Heinzl (1991) u. Nagengast (1997) ermitteln geringfügige Kostenvorteile - Esser (1994) zweifelt an, daß Einsparungen in erhofftem Umfang realisiert werden können - Billeter (1995): Outsourcing wird nur von Unternehmen eingesetzt, die Kostenvorteile realisieren können - Zahn/Soenle (1996): ca. 50% der Unternehmen bewerten Outsourcing positiv! Fazit: - Schwierigkeit Outsourcing-Vorteile zu realisieren - Kontextvariable Management des Outsourcing von Bedeutung

14 Erfolge des Outsourcing Risiken:! Höhere Gesamtkosten als bei der Eigenerstellung! Opportunistisches Verhalten des Dienstleisters! Demotivation und Verunsicherung des Personals! Know-how Verlust! Auslagerung von Kernkompetenzen! Qualitätsverlust! Abhängigkeit

15 Erfolge des Outsourcing Empirische Befunde zu Risiken vor bzw. während des Outsourcing- Projektes! Vertragsgestaltung - Langer Zeitraum der Vertragsfixierung problematisch (Schott 1997) - Vertragsgestaltung für auslagerndes Unternehmen schwieriger als für externen Dienstleister (Esser 1994)! Personalmanagement - Auseinandersetzung mit Belegschaft und Betriebsrat - Sozialplan für ausscheidende Mitarbeiter - Übernahme von Personal

16 Erfolge des Outsourcing Empirische Befunde zu Risiken nach der Durchführung eines Outsourcing-Projektes! Verlust von Know-how! Abhängigkeit vom Dienstleister! Verlust an Kontrolle! Risiken Höhere Gesamtkosten nach erfolgtem Outsourcing, Gefahr der Auslagerung von Kernkompetenzen und Qualitätsverlust wurden i.d.r. nicht erhoben

17 Kritische Würdigung und Ausblick! Inhaltliche Schwerpunkte - Untersuchungen zu Motiven u. Risiken des Outsourcing dominieren - Untersuchungen zur effizienten Gestaltung und zum Erfolg defizitär! Theoretische Erklärungsansätze - fast allen empirischen Untersuchungen fehlt eine theoretische Fundierung (Ausnahme: Dillmann 1997) - entscheidendes Defizit der bisherigen Outsourcingforschung - Erklärung: first mover advantage?! Methodische Konzeptionen - Mangelnde Formulierung von Hypothesen - Dominanz deskriptiver statistischer Verfahren

18 Kritische Würdigung und Ausblick Die betriebswirtschaftliche Organisationstheorie steht hinsichtlich der Erklärung und Prognose der Effizienzwirkungen von Gestaltungsmaßnahmen wie dem Outsourcing noch auf einem sehr brüchigen empirischen Fundament. (Frese 1996)

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