Arbeitsbeziehungen in europäischen Dienstleistungsunternehmen

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1 Arbeitsbeziehungen in europäischen Dienstleistungsunternehmen Probleme und Handlungsansätze Dr. Stefan Rüb, R Hochschule Fulda Forschungsgruppe Europäische und globale Arbeitsbeziehungen HBS-/ver.di ver.di-tagung Dienstleistungsforschung und Dienstleistungspolitik, April 2013 in DüsseldorfD Forum B6: Dienstleistungspolitik im europäischen Kontext

2 Europäischer Dienstleistungssektor Aufbau des Vortrags» Überblick über gewerkschaftliche Zuständigkeiten, EBR-Zahlen und EBR-Politik von UNI Europa» Strukturelle Charakteristika der europäischen Dienstleistungssektoren» Probleme und Handlungsansätze von EBR in Dienstleistungsunternehmen» Schlussfolgerungen für Gewerkschaften

3 Europäischer Dienstleistungssektor Gewerkschaftliche Zuständigkeiten» UNI Europa (Handel, Post/Logistik, ITK-DL, FDL, Zeitarbeit, soziale Sicherheit, Reinigung/Sicherheitsdienste, Grafik/Verpackung, Medien/Unterhaltung, Tourismus, Haar/Schönheit, Wetten, Sport)» EGÖD (Gesundheits-/Sozialdienste, kommunale und nationale Verwaltungen, Ver- und Entsorgung)» ETF (Eisenbahn-, Straßenverkehr, Schiff- und Luftfahrt, Fremdenverkehr)» EJF (Journalismus)» EFFAT (Lebensmittel, Landwirtschaft, Gastgewerbe, Tourismus)

4 Europäischer Dienstleistungssektor Verteilung der EBR nach Europäischen Gewerkschaftsverbänden IndustriAll EFBH EFFAT UNI Europa ETF EGÖD

5 Europäischer Dienstleistungssektor Verteilung der EBR im Dienstleistungssektor Finanz Grafik IT/Telekommunikation Handel Transport (ETF) Öffentlicher Dienst (EGÖD) Reinigung/Sicherheit Post/Logistik Tourismus Medien/Unterhaltung Zeitarbeit

6 EBR im Dienstleistungssektor EBR-Politik von UNI Europa Sektorübergreifende Koordinierung der EBR-Politik» für sektorübergreifende Koordinierung zuständige/r policy officer» sektorübergreifende EBR-Arbeitsgruppe» sektorübergreifende EBR-Richtlinien hohe gewerkschaftliche Präsenz in BVG/EBR BVG-/EBR-Koordinatorenkonzept Einbettung aller BVG/EBR in Gewerkschaftsallianzen

7 EBR im Dienstleistungssektor Unternehmenspolitik von UNI Europa bei prinzipiell autonomer Politikformulierung der Sektoren» generell geringe personelle Ressourcen für unternehmensbezogene Aktivitäten in den Sektorgliederungen von UNI Europa» vergleichsweise weit entwickelte Strukturen, Leitlinien und Praxen bei UNI Europa Grafik und Finanz ausformulierte MNU-Strategie übergreifendes EBR-Koordinierungsgremium systematische Benennung von EBR-KoordinatorInnen Leitlinien zum Umgang mit Unternehmensverhandlungen» einzelfallorientierte Vorgehensweise in Sektoren mit wenigen EBR (UNI Europa Reinigung/Sicherheit und Post/Logistik)» keine EBR-bezogene Strukturen und Leitlinien bei UNI Europa Handel und IT/Telekommunikation für viele EBR bislang keine KoordinatorInnen benannt

8 Dienstleistungsproletariat Einzelhandel / Property Services» Reihe von europaweit und global agierenden Unternehmen Carrefour, H&M, IKEA, Inditex, Metro / ISS, G4S» Intensiver Preiswettbewerb in Europa geringe Gewinnmargen Druck auf Arbeitsbedingungen Trend zur globalen Expansion bei Reduzierung der Präsenz in Europa» niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen hohe Fluktuation der Beschäftigten» Stellenrückgang infolge technischer Rationalisierungen (Handel) (z.b. Self-Scanning in Supermärkten)» geringer gewerkschaftlicher Organisationsgrad (etwa 10%) keine Durchsetzungskraft guter Tarifbedingungen» Geringer Stellenwert transnationaler Restrukturierungen

9 hochqualifizierte Dienstleistungen Banken / Versicherungen / IT-Sektor» hochgradig internationalisierter Sektor, der von transnationalen Konzernen dominiert wird» hoher Stellenwert transnationaler Restrukturierungen (Fusionen, Übernahmen, Offshoring etc.)» Reorganisation der Arbeitsabläufe (Industrialisierung, Outsourcing)» zunehmender Stress am Arbeitsplatz

10 privatisierte Dienstleistungen Beispiel Post / Logistik» äußerst arbeitsintensiver Sektor (bis zu 80% der Gesamtkosten)» Großteil der Arbeiten ortsabhängig; Verlagerungen kaum möglich» Strategie der Diversifizierung und internationalen Expansion der traditionellen Postunternehmen» Auslagerung von Dienstleistungen an Subunternehmer (z.b. scheinselbständige AusfahrerInnen)» Zweiteilung des Sektors: ehemals staatliche Postunternehmen einerseits, neue Dienstleistungsunternehmen andererseits Zweiteilung der Arbeitsbedingungen Zweiteilung des Verhältnisses zu Betriebsräten und Gewerkschaften Zweiteilung bei gewerkschaftlicher Organisierung

11 EBR im Dienstleistungssektor Generelle Probleme» heterogene Zusammensetzung der EBR wg. kleinbetrieblicher Struktur und hohem Stellenwert der Marktpräsenz, z.b. IKEA: 27 Mitglieder aus 21 Ländern, höchstens zwei pro Land» schwache gewerkschaftliche Anbindung der EBR hoher Anteil nicht gewerkschaftlicher EBR-Mitglieder, geringer gewerkschaftlicher Organisationsgrad und lose gewerkschaftliche Betreuung» Nominierungspraxis v.a. mittelosteuropäischer EBR-Mitglieder von Belegschaft gewählt oder vom Management benannt?» schwache nationale Unterfütterung der EBR-Arbeit geringe Ressourcen und geringe Professionalität aufgrund kleinbetrieblicher Organisation» hohe Heterogenität der Arbeits- und Durchsetzungsfähigkeit der EBR analog zur Heterogenität des Sektors» kaum Einfluss auf transnationale Restrukturierungen wg. Spezifik der Restrukturierungen und Schwäche der EBR

12 Handlungsansätze für EBR/Gewerkschaften Beteiligung an Restrukturierungsprozessen» Ausschöpfung des Rechts auf Unterrichtungs- und Anhörung Nachverhandlung der EBR-Gründungsvereinbarung auf Grundlage der neuen EBR-Richtlinie von 2009» Gute Praxis 1: Anticipation of Change-Vereinbarung (Axa) gemeinsame Antizipation möglicher Veränderungsprozesse und deren Auswirkungen Maßnahmekatalog zur Sicherstellung der Beschäftigungsfähigkeit und eines möglichst sozial verträglichen Arbeitsplatzabbaus» Gute Praxis 2: Restrukturierungsvereinbarungen (Allianz SE) vier Vereinbarungen als Schlusspunkt von Unterrichtungs- und Anhörungsprozessen generelle Zusagen des Mgts. hinsichtlich der Sicherung von Beschäftigteninteressen (Verhandlungen der Details auf nationaler/lokaler Ebene)» Gute Praxis 3: europäische gewerkschaftliche Koordinierung (Mayr Melnhof) erfolgreiche europäische gewerkschaftliche Kampagne im Zusammenhang mit der Schließung eines englischen Standorts strategisches Konzept der englischen Gewerkschaft Unite

13 Handlungsansätze für EBR/Gewerkschaften Themen für EBR im Dienstleistungssektor Beispiele:» Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz vereinbarte gemeinsame Empfehlungen und konkrete Maßnahmen (Ikea) Vereinbarung zu Stress am Arbeitsplatz (Allianz)» Aus- und Weiterbildung Vereinbarung zu Lebenslangem Lernen (Allianz) Gemeinsame Erklärung Schulung, Weiterbildung und berufliche Entwicklung (Unicredit)» Chancengleichheit / Nichtdiskriminierung Gemeinsame Erklärung (Unicredit)» Aufbau von Arbeitnehmervertretungs- und Gewerkschaftsstrukturen auf nationaler und lokaler Ebene Absprache bei Ikea

14 Handlungsansätze für EBR Schlussfolgerungen für Gewerkschaften EBR sind ein zentrales Instrument gewerkschaftlicher Unternehmenspolitik in transnationalen Dienstleistungsunternehmen.» Ressourcen für EBR-Betreuung bereitstellen» Gewerkschafttliche EBR-Strategie weiterentwickeln» KoordinatorInnenkonzept umsetzen» Konzept der Gewerkschaftsallianzen weiter ausbauen» Von Unite s europäischer Kampagnenstrategie lernen

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