ESC Emergency Service College in Kuopio, Finnland

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1 Be- und Entlüftung Workshop, ESC Emergency Service College in Kuopio, Finnland Erfahrungsbericht von Roland Gfeller und Sven Eggli Die Teilnehmenden waren Mitarbeitende aus den verschiedenen Standorten der Werkfeuerwehr Bosch. Roland Gfeller, Leiter Einsatz und Ausbildung der GVB, sowie Sven Eggli, Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr Biel und nebenamtlicher Instruktor der GVB, nahmen als Berater an diesem Kurs teil. Sonntag, Anreise mit der Finnair von Zürich via Helsinki nach Kuopio, Finnland. Am Flughafen wurden wir durch Dieter Schmidt und Sami Soininen abgeholt und in die Feuerwehrschule gefahren. Nach kurzer Begrüssung konnten wir die Zimmer beziehen. Die Schule verfügt über eigene zweckmässig eingerichtete Einzelzimmer mit Internetzugang und eigenem TV. Montag, Nach dem Morgenessen nahmen Roland Gfeller und Sven Eggli an der Sicherheitseinweisung teil. Danach wurden wir mit dem persönlichen Einsatzmaterial ausgerüstet. Ausser der Unterwäsche wird von der Schule alles zur Verfügung gestellt. Sämtliches Material ist in gutem und gepflegtem Zustand. Anschliessend wurden mit Dieter Schmidt und Raimo Savola, dem Kursverantwortlichen der Feuerwehrschule, die Lektionen für die folgenden drei Tage besprochen. Schwergewicht Tag 1: Demonstrationen Be- und Entlüften Schwergewicht Tag 2: Einsatztraining. Schwergewicht Tag 3: Industriehallenbrand mit Einsatz MGV Der MGV wurde extra für diesen Kurs von Deutschland nach Finnland transportiert. Am Nachmittag Besichtigung des Übungsgeländes. Das Gelände befindet sich rund 10 Fahrminuten von der Schule entfernt.

2 Ausbildungsgelände Dienstag, Mit den Kollegen von Bosch wird der Kurs mit der Einführung und einer Theorie eröffnet. Raimo Savola hat in Finnland ein Buch über die taktische Ventilation geschrieben. Dieses gilt als Grundlage für den ersten Tag. In Finnland wird die negative Belüftung bevorzugt. In einem mit Rauch gefüllten Raum wird ein Elektrolüfter vor dem Fenster platziert und der Rauch wird angesogen und hinausgeblasen. Damit wird der Rauch nicht unnötig in Zwischen- oder Hohlräume gedrückt. Gemäss ihren Aussagen war die Kontamination bei positiver Belüftung noch über längere Zeit messbar. Mit der negativen Belüftung kann die Kontamination verringert werden. Am Nachmittag ging es mit den zugeteilten Tanklöschfahrzeugen ins Übungsgelände. Erstaunlich war die Anzahl der zur Verfügung stehenden Tanklöschfahrzeuge. Jede Gruppe hatte ihr eigenes TLF. Nach einer kurzen Einführung konnte jeder die Pumpe und den Generator bedienen. Anschliessend ging es zu den drei Posten.

3 Posten 1: Negative Ventilation Der Elektrolüfter wurde in einem mit Rauch gefüllten Raum vor eine Austrittsöffnung positioniert. Der Rauch wurde angesogen und hinausgeblasen. Frischluft wird durch den Unterdruck über eine geöffnete Türe oder Fenster von aussen angesogen. Posten 2: Entlüften eines gefangenen Raumes Der Elektrolüfter wird in den gefangenen Raum gestellt. Mit dem Rauchvorhang wird die Ausbreitung des Rauchs verhindert. Am Elektrolüfter wird ein Plastikschlauch befestigt und bis nach draussen ausgerollt. Der Elektrolüfter saugt die Brandgase an und bläst den Rauch über den Plastikschlauch ins Freie. Frischluft wird von aussen in den Raum angesogen. Erkenntnis: Die Brandgase dürfen nicht zu heiss sein, ansonsten könnte der Plastikschlauch schmelzen. Benzinmotor wegen fehlendem Sauerstoff nicht geeignet. Der Rauch kann mit dieser Variante über eine längere Distanz durch eine rauchfreie Zone nach draussen transportiert werden. Posten 3: Einsatz MGV in Wohnung Mit dem MGV wurde von aussen in das Gebäude geblasen. Austrittsöffnung ist nahe beim Brandherd. Erkenntnis: Das Feuer wurde durch den starken Luftstrom rasch grösser. Der heisse Wasserdampf beim Löschen wurde durch den starken Luftstrom direkt nach draussen gedrückt. Die Hitzeeinwirkung auf die Einsatzkräfte konnte so verringert werden.

4 Mittwoch, Einsatzübungen Dachöffnung/Fognail/System COBRA: Einsatz Fognail mit Arbeiten am Seil auf einem Dach, System COBRA im Einsatz Brand Industriehalle: Brandbekämpfung in der Industriehalle Brand Container-Haus (Feststoff): Brandbekämpfung im 1. Stock mit noch vermissten Personen und Überdruckbelüftung. Brand Mehrfamilienhaus (Feststoff): Kellerbrand, Angriff über das Treppenhaus mit hydraulischer Entlüftung über den Aussenzugang. Brand Reiheneinfamilienhaus (Gas): Brandbekämpfung im EG mit vermissten Personen und Überdruckbelüftung. Industriehalle Mehrfamilienhaus

5 Donnerstag, Einsatztraining Industriehalle (mit MGV) Ausgangslage I:

6 Ziel Mit dem MGV die Hitze und den Rauch über die RWA an der Decke hinauszudrücken. Mit Wasserabgabe über MGV (ca. 260l/min) und Wasserwerfer (ca. 1'500l/min) kühlen und wenn möglich löschen. Mit Lüftern auf der Rückseite die sauberen Räume in Überdruck nehmen, damit eine Kontamination durch den Rauch verhindert werden kann. Erkenntnis Nur die 260 l/min Wasser ab MGV reichen zum Kühlen und Löschen eines Grossbrandes in einer grossen Halle nicht aus. Je nach Grösse des Ereignisses muss mit Druckleitungen mehr Wasser eingesetzt werden. Wichtig! Die Druckleitungen müssen links oder/und rechts direkt neben dem MGV positioniert werden. Sind die Trupps vor dem MGV positioniert, werden diese wegen der Wasserabgabe MGV unnötig nass. Je nach Situation kann ein Wasserwerfer vor dem MGV platziert werden. Damit kann die Wassermenge, Wurfweite und die Grösse der Wassertropfen eingestellt werden. In diesem Versuch konnte damit der hintere Teil der Halle gekühlt werden. Kann die Temperatur im vorderen Bereich soweit abgekühlt werden und ein Vorrücken mit Druckleitungen wird möglich, muss darauf geachtet werden, dass die Trupps nicht durch den Wassernebel vom MGV unnötig nass werden. Wenn möglich Wasser halt auf dem MGV. Der MGV kann bei einem Brand in einer grossen Halle zum Kühlen und Löschen eingesetzt werden. Wichtig zu wissen ist, dass die kleinen Tropfen vom MGV bei hohen Temperaturen frühzeitig verdampfen! Deshalb muss zur Unterstützung Druckleitungen oder/und Wasserwerfer eingesetzt werden. Ausgangslage II

7 Ziel Mit dem MGV über die Rückseite den Rauch und die Hitze über das grosse Tor vorne hinauszudrücken. Keine RWA vorhanden. Mit Lüftern auf der Rückseite die sauberen Räume in Überdruck nehmen, damit eine Kontamination durch den Rauch verhindert werden kann.

8 Erkenntnis Der MGV muss nahezu mit Volllast laufen. Der Luftstrom zwischen den Türrahmen ist extrem stark. Es besteht die Möglichkeit umgeblasen zu werden. Verletzungsgefahr durch stolpern oder herunterfallen. Die Wasserabgabe mit MGV macht keinen Sinn. Das Wasser kommt nicht um die Ecken. Die Angriffstrupps müssen immer wenn möglich im Luftstrom bleiben. Ausserhalb kann es durch die Luftverwirbelungen extrem heiss werden. Mit dem MGV kann der Angriffstrupp beim Vorrücken unterstützt werden. Im Luftstrom kann der Trupp mit Druckleitungen die Halle kühlen. Nach den Übungen ging es zum Retablieren. Wobei eigentlich alles Schmutzige nur ausgetauscht werden konnte. Den Rest haben die Mitarbeiter der Schule erledigt. Nur die Fahrzeuge wurden von uns gereinigt. Die eigene Waschstrasse für Lastwagen hat den grössten Teil der Arbeit übernommen. Nach der Schlussbesprechung war der Kurs für uns zu Ende. Am Abend ging es in die Sauna. Die Schule hat auf dem Übungsgelände eigens für die Ausbilder eine finnische Sauna mit Seeanstoss. Ein idealer Platz um sich von den Strapazen zu erholen und Erfahrungen auszutauschen.

9 Freitag, Rückreise mit dem Flugzeug via Helsinki nach Zürich. Fazit Grundsätzlich gab es nur Positives. Die Infrastruktur der Feuerwehrschule lässt keine Wünsche offen ausser, etwas Ähnliches sollte es auch in der Schweiz geben. Jeder Teilnehmer konnte in einem zweckmässig eingerichteten Einzelzimmer mit eigener Dusche/WC an der Feuerwehrschule übernachten. Verpflegt wurde an der Schule, oder in eigens dafür eingerichteten Holzbaracken im Übungsgelände. Sämtliches Feuerwehrmaterial ist in einem guten Zustand und entspricht der heutigen Zeit. Besonders hervorzuheben ist das Übungsgelände. Das Wohnhaus und die Industriehalle sind Übungsobjekte, die so in der Schweiz fehlen. Das Wohnhaus erinnert an das Rauchmodelhaus der GVB. Das Rauchmanagement wie es am Modelhaus trainiert wird, kann in Finnland 1:1 mit echtem Feuer und Rauch unter Einsatzbedingungen geübt werden. Das perfekte Trainingsobjekt für sämtliche Feuerwehren. In der Schweiz gibt es noch keine grössere Halle, in der mit Feuer und Hitze geübt werden kann. Dementsprechend fehlt es an Wissen und Erfahrung für den Einsatz MGV zur Brandbekämpfung. Der MGV aus Deutschland wurde der Schule zur Verfügung gestellt. Sehr wahrscheinlich werden die Finnen nun Tests damit durchführen. Die passende Infrastruktur ist ja vorhanden. Warten wir gespannt darauf, was sie uns an Erfahrungen weiter geben werden. Sven Eggli

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