Einführung in den Forschungsprozess und die Methoden der empirischen Kommunikations- und Medienforschung

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1 Einführung in den Forschungsprozess und die Methoden der empirischen Kommunikations- und Medienforschung Vorlesung 6: Untersuchungsplanung II Forschungsprozess und Methoden 6 1

2 Gliederung Vorlesung 6 1. Stichproben 2. Versuchsplanung i.e.s.: Untersuchungsdesigns Literaturempfehlungen: Diekmann Forschungsprozess und Methoden 6 2

3 Zwei Beziehungen o Auswahl (nach bestimmten, angebbaren Regeln Zufall oder Nicht-Zufall) o riskante Schätzung (der wahren Werte der GG durch Parameter der SP) Forschungsprozess und Methoden 6 3

4 1.1. Anforderungen an Stichproben 1. verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit (GG) Repräsentativität (Strukturgleichheit in wichtigen Merkmalen) 2. GG ist empirisch definiert (nicht: in allen Einzelheiten bekannt!) 3. Untersuchungs- und Erhebungseinheiten exakt definiert (z.b. GG: dt. Erwachsene ab 14 J. in Privathaushalten was ist jeweils deutsch, Privathaushalt usw. ) 4. Prüfung/Kontrolle von systematischen Verzerrungen (z.b. bei Ausfällen) Forschungsprozess und Methoden 6 4

5 1.2. Grundidee Idealfall: Zufallsauswahl, d.h. jedes Element der Grundgesamtheit hat die gleiche Chance, in die Stichprobe zu kommen ( Urnenmodell, einfache Zufallsauswahlen) Gesetz der großen Zahl: mit der Zahl aus Zufallsauswahlen nähert sich die empirische Verteilung immer mehr einer theoretischen Voraussage (Lotto, Münzwurf, Roulette) Forschungsprozess und Methoden 6 5

6 1.2. Grundidee Größe einer SP abhängig o o o von der Verteilung des Merkmals (siehe Tab. Schwankungsbreiten) vom eingegangenen Risiko (Irrtumswahrscheinlichkeit) von der Auswertungstiefe (Anzahl und Größe der Untergruppen)! und nicht von der Größe der GG! Forschungsprozess und Methoden 6 6

7 1.2. Grundidee Forschungsprozess und Methoden 6 7

8 1.2. Auswahlverfahren Forschungsprozess und Methoden 6 8

9 1.2. Auswahlverfahren Zufallsauswahlen einfache Zufallsauswahl: Lotterieprinzip komplexe Zufallsauswahlen: Klumpen, Schichten, Mehrstufigkeit o o o Klumpen-/Clusterauswahl: SP ist in festen Kollektiven (z.b. Schulen, Ortschaften) organisiert; Auswahl bezieht sich auf die Cluster, in denen alle Einheiten untersucht werden Schichtung: GG wird anhand von Vorannahmen und -kenntnissen in Untergruppen (sog. Schichten) zerlegt (z.b. Bundesländer, Ortsklassen... Geschlecht, Wohnort); die Zufallsauswahl erfolgt dann innerhalb dieser Schichten Mehrstufigkeit: hintereinander geschaltete Zufallsauswahlen auf verschiedenen Ebenen (siehe Beispiele 1 und 2) Forschungsprozess und Methoden 6 9

10 Zufallsauswahlen Beispiel 1: ADM-Mastersample (für bundesweite und regionale SP) Problem: kein Verzeichnis aller Mitglieder von großen GG Lösung: Bildung von Netzen aufgrund bekannter Daten (hier: Wahlstatistik) Schritt 1: Flächenstichprobe (zufällige) Auswahl von sample points aus Stimmbezirken ( Netze ) proportional oder disproportional Schritt 2: Haushaltstichprobe (zufällige) Auswahl von Haushalten innerhalb der sample points Random Route/Random Walk Schritt 3: Personenstichprobe (zufällige) Auswahl der Personen aus dem Haushalt Schwedenschlüssel, last/next birthday Forschungsprozess und Methoden 6 10

11 Zufallsauswahlen Beispiel 2: ZUMA-Verfahren für Telefonstichproben (Gabler& Häder) Problem: Lücken in Telefonbüchern (keine Liste der GG), nichtzufällige Nummernvergabe (z.b. Vorwahl-Nummern), Länge der Telefonnummern Lösung: Nachbildung des dt. Festnetzsystems durch Ersatz der letzten beiden Nummern von existenten Telefonanschlüssen (100er Blöcke) Schritt 1: Flächenstichprobe Blöcke (mit regionaler Zuordnung) Schritt 2: Haushaltstichprobe (zufällige) Auswahl von Haushalten durch Ziehung von Zahlen innerhalb der Blöcke Schritt 3: Personenstichprobe (evtl.: zufällige) Auswahl der Personen im Haushalt Forschungsprozess und Methoden 6 11

12 nichtzufallsgestützte Auswahlverfahren Grundidee: nicht alle Fragestellungen benötigen Zufallsauswahlen; nicht immer stehen Aufwand und Ertrag in angemessener Relation Quoten: einfache oder kombinierte Vorgabe von bekannten Parametern der GG für Bildung der SP bewusste (=theoretische begründete) Auswahl: typische Fälle, Extreme, Konzentrationsprinzip Sonderformen: Schnellball (bei kleinen, speziellen GG) Problemfälle: Willkür/ Geratewohl (Markt, Straßenkreuzung), durch die Einheiten selbst (TED, oft auch bei WWW-Befragungen) Forschungsprozess und Methoden 6 12

13 1.3 Ausfälle Problem: keine (Zufalls-) Stichprobe wird wie geplant realisiert Verweigerungen; Nicht-Erreichbarkeit zentraler Unterschied: stichproben-/qualitätsneutrale Ausfälle stichprobenrelevante bzw. systematische Ausfälle Ausschöpfung: Relation von angestrebter Stichprobe (-neutrale Ausfälle) und realisierter Stichprobe (= 100% - % der relevante Ausfällen) Forschungsprozess und Methoden 6 13

14 2. Wahl des Untersuchungsdesigns (Untersuchungsplanung im engeren Sinne) 2.1. experimentelle vs. nichtexperimentelle Designs (--V 7) Kontrolle der Bedingungen und ihrer Relationen zueinander experimentelle Designs: hoch nichtexperimentelle Designs: gering; im Nachhinein (ex post facto D.) 2.2. Labor vs. Feldstudien Realitätsnähe, Zugang zum Feld Labor: reine, aber u.u. lebensferne Studien Feld: realitätsnahe, aber u.u. ungenaue Studien (unkontrollierte Drittvariablen) Forschungsprozess und Methoden 6 14

15 2. Wahl des Untersuchungsdesigns (Untersuchungsplanung im engeren Sinne) 2.3. Querschnitts- vs. Längsschrittstudien Querschnittstudien: Erhebung zu einem Zeitpunkt t 1 Momentaufnahme Korrelationen, keine Kausalität Zufälligkeit der (zeitlichen) Kontexte und Situationen Längsschnittstudien: Erhebung zu den Zeitpunkten t 1, t 2... T x Zeitreihen: Entwicklungen Kausalitätsschätzungen Zufälligkeit der (zeitlichen) Kontexte und Situationen bei einzelnen Erhebungswellen Forschungsprozess und Methoden 6 15

16 2. Wahl des Untersuchungsdesigns (Untersuchungsplanung im engeren Sinne) 2.3. Querschnitts- vs. Längsschrittstudien: Längsschnittstudien Panel: jeweils gleiche Stichprobe Erhebung individueller Veränderungen Probleme: Mortalität, Lerneffekte, Panelbewusstsein Trend: jeweils neue Stichprobe (Aneinanderreihen von vielen Querschnitten) Erhebung von Veränderungen in Aggregaten Probleme: Verwechslung von individuellen und Gruppenprozessen Forschungsprozess und Methoden 6 16

17 2. Wahl des Untersuchungsdesigns (Untersuchungsplanung im engeren Sinne) 2.4 weitere Versuchspläne Einzelfallanalyse/Fallstudie Fall in Ganzheit und Komplexität exemplarische Relevanz des Falls? Sekundäranalyse Nutzung vorhandener Datenbestände geeignete Indikatoren und Stichproben? Meta-Analyse Vergleich von Studien nach Effektstärke Vergleichbarkeit der Studien? Forschungsprozess und Methoden 6 17

18 Übungsfragen Warum hängte die Größe der Stichprobe nicht von der Größe der Grundgesamtheit ab? Warum ist der Zufall bei (vielen) Stichproben der entscheidende Auswahlmechanismus? Was sind Gemeinsamkeiten, was die wichtigsten Unterschiede zwischen Trend und Panel? Forschungsprozess und Methoden 6 18

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