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1 Genuine ästhetische: Erlebnisse, Eigenschaften, Einstellungen 1 genuin ästhetische Eigenschaften: In manchen Kontexten lassen sich ästhetische Prädikate nicht ohne Sinnänderung durch lauter nicht-ästhetische Prädikate ersetzen. (40) 2 genuin ästhetische Einstellung: 1. Wann immer eine Person ein ästhetisches (Wahrnehmungs-) Erlebnis hat, nimmt sie in ästhetischer Einstellung wahr. 2. Wann immer eine Person in ästhetischer Einstellung wahrnimmt, hat sie ein ästhetisches (Wahrnehmungs-)Erlebnis. (41) In der Diskussion werden 1 oder 2 abgelehnt, aber nicht... 3 genuin ästhetische Erlebnisse: Eines leugnet (meines Wissens) niemand, der sich ernsthaft mit Ästhetik beschäftigt: nämlich, dass es genuin ästhetische Erlebnisse gibt. (41) Andreas Vieth 1

2 Subjektive Option: Interesseloses Wohlgefallen / psychische Distanz Genuin ästhetische Einstellungen (41) (A) genuin ästhetisches Wahrnehmungserlebnis erfordert ästhetische Einstellung (notw. Bed.) (B) Wahrnehmung in ästhetischer Einstellung bewirkt genuin ästhetisches Erlebnis (hinr. Bed.) Zwei Kandidaten für genuin ästhetische Einstellungen (1) Interesselosigkeit (2) psychische Distanz Ad 1 etwas mit einer»das interessiert mich nicht«-haltung rezipieren (43) etwas um seiner selbst willen rezipieren (43) Ad 2 etwas unter Abwesenheit von Emotionen rezipieren Für 1 und 2 spricht (44 f.): Interessen (Wollen, Begehren) und Emotionen können ästhetische Erlebnisse behindern oder befördern. Andreas Vieth 2

3 Zwei Kandidaten für genuin ästhetische Einstellungen (1) Interesselosigkeit (notw. und hinr. für ein ästhetisches Erlebnis) (2) psychische Distanz (notw. und hinr. für ein ästhtetisches Erlebnis) Contra 1 Contra 2 Arten der Interesselosigkeit: Kontemplation: Kontemplation beim Rockkonzert? (46) Wollen, Begehren: (i) Interesse am Musikerlebnis, (ii) Existenz der Musik Voraussetzung, (iii) Interesse an der Musik. (46 f.) Um seiner selbst willen / kein externes Interesse: ästhetisches Erleben von Wolken bei gleichzeitigem Bedauern des Ausfalls der Radtour. (49 f.) Arten der Distanz: Emotionen: Kunst ergreift uns! (48 f.) Nicht-Ästhetische Emotionen: man kann ästhetische von nicht-ästhetischen Emotionen unterscheiden, aber beide können beim selben Gegenstand, den wir genuin ästhetisch erleben vorkommen (auch wenn manchmal nicht-ästhetische Emotionen fehlen). (52) Irrelevante Bestimmungen der Distanz: Wahrnehmungsdistanz (räumlich): Ermöglichungsbedingung für genuin ästhetische Erlebnisse, aber kein psychische Distanz! (räumliche Distanz für Wahrnehmung relevant, aber nicht jede Wahrnehmung ist ein ästhetisches Erlebnis) Kognitive Distanz (explizites Wissen): Wissen ist weder notwendig noch hinreichend für genuin ästhetische Erlebnisse! (Zwei Kunsthistoriker, die Wissen haben können sich im Erleben unterscheiden. Ein Laie kann ohne Wissen denselben Gegenstand genuin ästhetisch erleben. (Wissen diskursiv, genuin ästhetische Erlebnisse nicht diskursiv) Andreas Vieth 3

4 Keine (rein) subjektive Option! Die rein subjektive Option für die Erklärung ästhetischen Erlebens setzt voraus, dass genuine ästhetische Einstellungen sowohl notwendige als auch hinreichende Bedingungen für genuine ästhetische Erlebnisse sind. (1) Bestimmte Einstellungen eines Subjekts können beispielsweise durch Interesse und/oder zu wenig/zu viel Distanz genuine ästhetische Erlebnisse behindern oder befördern. Soweit beruht die subjektive Option auf einer richtigen Beobachtung! (2) Trotzdem sind Einstellungen weder notwendige noch hinreichende Bedingungen für genuine ästhetische Erlebnisse. Die Subjektive Option zieht also übereilte Schlüsse! Fazit: Es gibt keine genuin ästhetische Einstellung! Eine rein subjektive Option der Erklärung ist nicht möglich. Da Einstellungen aber nicht (gänzlich) irrelevant sind, könnte es sein, dass auch die rein objektive Option nicht ausreicht, um genuin ästhetisches Erleben zu erklären. Andreas Vieth 4

5 Ästhetische Eigenschaften/Qualitäten versus Ästhetische Prädikate Ästhetische Prädikate: schön hässlich ausgewogen leblos Vielfalt der Prädikate unterschiedliche Klassen von Prädikaten Prädikate mehrdeutig Prädikate können klassifiziert werden Was kann man hieraus für die Konzeption ästhetischer Eigenschaften gewinnen? Jede Realistische Position muss Konzepte für (genuin) ästhetische Eigenschaften anbieten Man kann natürliche und nicht-natürliche (hier: ästhetische) Eigenschaften unterscheiden nicht-natürliche (hier: ästhetische) sind nicht»völlig unabhängig«von natürlichen (also:»abhängig«) Die Abhängigkeitsrelation ist die der Supervenienz: A superveniert auf B, C, D gdw gilt: Hat x die Eigenschaften B, C, D, dann hat x die Eigenschaft A Einbahnstraße: Nicht A B, C, D Andreas Vieth 5

6 Argumente des Antirealismus Argument für Realismus: Wahrmacher-Argument (1) Es gibt wahre genuine ästh. Urteile. (2) genuine ästh. Urteilen können nur wahr sein, wenn es ästh. Werteigenschaften gibt. Gegen 2: unbeachteter Weg (3) Also gibt es ästh. Werteigenschaften. Gegen 1: normaler Weg Aber zwei Optionen: Gegen A: Gefühle als Erkenntnisquelle Gefühl subjektiv, aber Sinnesempfindung Sinnesqualitäten: dispositionale Eigenschaften Normalbedingungen/Idealbedingungen (A) Es gibt genuine ästhethische Werturteile (B) Manche von ihnen sind wahr Gegen B: Irrtumstheorie Seltsamkeit Nichtübereinstimmung Kein Erkenntnismittel Andreas Vieth 6

7 Die Funktion des Dissenses in der Realismus-Antirealismusdebatte Es gibt Streit über eine Werteigenschaft Also erheben wir den Anspruch unsere Urteil rechtfertigen zu können (Kognitivismus). Non-Kognitivismus: Der Streit ist sinnlos! Realisten Antirealisten Die Weise wie wir streiten lässt darauf schließen, dass wir über die Welt streiten. Die Weise wie wir streiten lässt darauf schließen, dass wir nicht über die Welt streiten. Die Urteile können wahr sein (Korrespondenz) Man Eigenschaften sowohl stark als auch schwach realistisch konzipieren. Weil wir aber anders Streiten als bei natürlichen Eigenschaften, müssen wir Werteigenschaften»schwach realistisch«konzipieren. Denn über natürliche Eigenschaften können wir streit leichter schlichten als bei Werten. Wenn es Werteigenschaften gäbe, müssten sie»stark realistisch«sein. Die Urteile können also nicht wahr sein (es bleibt nur Rechtfertigung im Sinne intersubjektiven Konsenses). Nonkognitivistische Antirealisten müssen den Streit»umdeuten«(Sprachphilosophie) Realisten und kognitivistische Antirealisten streiten sich darüber ob es Eigenschaften gibt, die Werturteile wahrmachen Andreas Vieth 7

8 Realismus: Was ist Träger der Eigenschaften? Gegenstände sind Träger ästhetischer Eigenschaften transzendente Gegenstände naives Kausalmodell der Wahrnehmung Immanente Gegenstände Wahrnehmung als Interpretation des Bewusstseins (1) Wahrnehmendes Subjekt S 1 S 2 (2) transzendentaler Gegenstand G (3) immanenter Gegenstand I 1 I 2 Immanenztheorie Vorteile gegenüber dem Antirealismus Vorteile der Transzendenztheorie Konstruktivistischer Fehlschluss I 1, I 2 (i) (ii) numerisch distinkt qualitativ identisch oder distinkt Andreas Vieth 8

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