5. Die oene Volkswirtschaft

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1 5. Die oene Volkswirtschaft Lit.: Blanchard/Illing, Kap ; Romer, Kap. 5 In oener Wirtschaft kommt Groÿteil der Nachfrage aus dem Ausland bzw. Produktion erfolgt für ausländische Märkte. Wie beeinusst Handel auf Güter- und Finanzmärkten die Makroökonomie? Bsp.: Exporte hängen von ausländischem Einkommen ab: Konjunktur im Ausland beeinusst Konjunktur im Inland. Bsp.: Bei oenen Finanzmärkten müssen Renditen für Anlagen im Inland und Ausland gleich sein Beschränkung für Geldpolitik. 1

2 5.1. Die Zahlungsbilanz In oener Wirtschaft ist BIP Y = C + I + G + X IM/ε mit X: Exporte (Waren und Dienstleistungen), IM: Importe, ε: realer Wechselkurs (s.u.). Die Dierenz X IM/ε gibt den Auÿenbeitrag an. Die Kapitalbilanz misst die Kapitalströme zwischen In- und Ausland. Wenn Deutschland einen Leistungsbilanz-Überschuss hat (mehr Waren exportiert als importiert), muss die Kapitalbilanz dezitär sein, d.h. Deutsche investieren mehr im Ausland als Ausländer in Deutschland. 2005: Leistungsbilanzüberschuss betrug 92 Mrd. e, Kapitalibilanzsaldo -100 Mrd. 2

3 Tabelle 18-3 Die deutsche Zahlungsbilanz, 2005 (Mrd. ) Leistungsbilanz Warenexporte 786,2 Warenimporte -625,6 (1) Handelsbilanz 160,6 (1a) Ergänzungen zum Außenhandel -20,2 Dienstleistungsexporte 127,1 Dienstleistungsimporte -155,0 (2) Dienstleistungsbilanz -27,9 (3) Außenbeitrag: (1 + 1a + 2) 112,5 (4) Nettoerwerbseinkommen -1,6 (5) Nettovermögenseinkommen 10,2 (6) Saldo der Erwerbs- und Vermögenseinkommen (4 + 5) 8,6 (7) Laufende Übertragungen -28,9 (8) Saldo der Leistungsbilanz ( ) (9) Saldo der Vermögensübertragungen 92,2-1,3 3

4 Tabelle 18-3 (fortgesetzt) Die deutsche Zahlungsbilanz, 2005 (Mrd. ) Kapitalbilanz (10) Saldo der Direktinvestitionen (11) Wertpapiertransaktionen und Finanzderivate (Saldo) (12) Übriger Kapitalverkehr (Kredite) (13) Saldo der Devisenbilanz (Währungsreserven) (14) Saldo der Kapitalbilanz ( ) Statistische Diskrepanz ( ) -10,4-18,6-73,2 2, ,1 4

5 5.2. Gütermärkte Bedeutung des Auÿenhandels in Deutschland: 2005 betrugen die Exporte 36% und Importe 27.9% des BIP. Anteile sind doppelt so hoch wie noch vor 40 Jahren. Der Anteil der deutschen Exporte betrug 9% am gesamten Warenexport der Welt. Typischerweise exportiert Deutschland mehr als es importiert: Handelsbilanzüberschuss. Typischerweise ist die Dienstleistungsbilanz dezitär (v.a. wegen Auslandsreisen). 5

6 Abbildung: Deutsche Warenexporte und -importe 6

7 Wechselkurse Nominaler Wechselkurs in Mengennotierung (E): Wieviel ausländische Währung muss man für 1 Einheit inländischer Währung bezahlen ($/e) Preisnotierung: Wieviel inländische Währung für 1 Einheit ausländischer Währung (e/$) Im folgenden ist der WK immer in Mengennotierung. Bsp. WK zwischen Euro und Dollar 1.44 $/e. Das entspricht 0.69 e/$. Aufwertung des Euro bedeutet, dass der WK steigt (mehr Dollar für den Euro). 7

8 Realer WK sagt, wieviel inländische Güter man in Einheiten ausländischer Güter erwerben kann. Sei P das inländische und P das ausländische Preisniveau. Der Preis deutscher Güter in ausländischer Währung ist EP, und der Preis ausländischer Güter in inländischer Währung P /E. Der reale Wechselkurs ist das Verhältnis inländischer Preise zu ausländischen Preisen in heimischer Währung (oder inländische Preise in ausländischer Währung zu ausländischen Preisen): ε = P P /E = EP P (1) 8

9 Abbildung: Nominaler und realer WK D/USA 9

10 Arbitrage auf internationalen Gütermärkten impliziert, dass der reale WK gleich eins sein sollte. Das ist die Theorie der Kaufkraftparitäten (purchasing power parity PPP). Argument: Wenn inländische Güter in ausländischer Währung billiger als ausländische sind: EP < P dann sollten Ausländer solange Güter im Inland kaufen, bis entweder durch Aufwertung (E ) oder Preissteigerungen im Inland (P ) bzw. fallende Preise im Ausland (P )gilt: EP = P ε = 1 (2) Gesetz des einheitlichen Preises (law of one price). 10

11 Abweichungen von der Kaufkraftparitäten-Theorie. Aufgrund von Handelshemmnissen (Zölle oder nicht-tarifäre Hemmnisse) oder Transportkosten müssen reale Preise nicht gleich sein. Aber auch wenn ε 1 sollte der reale WK sich nicht verändern, wenn die Hemmnisse im Zeitablauf konstant sind. Dann folgt ε = const. oder 0 = ( EP ) P (3) 11

12 Oder: 0 = P (EP + P Ė) EP P (P ) 2 (4) ( 0 = EP P P P + Ė E P ) P (5) g E = π π (6) D.h. die heimische Währung sollte aufwerten, wenn die Ination im Ausland höher ist als im Inland. 12

13 5.3. Finanzmärkte Was beeinusst die Wahl zwischen in- und ausländischen Kapitalanlagen? Annahme: Investor ist risikoneutral und orientiert sich nur an den Erträgen in- und ausländischer Wertpapiere. Investition von 1 e im Inland: Ertrag (1 + i t ) nach einer Periode, wobei i den nominalen Zinssatz im Inland bezeichnet. Investition im Ausland: Ertrag (1 + i t )E t nach einer Periode in ausländischer Währung, mit i : ausländischer Zins. 13

14 Wenn der erwartete Wechselkurs in der nächsten Periode E e t+1 ist, dann muss die Arbitragebedingung gelten: (1 + i t ) = (1 + i t ) E t E e t+1 (7) Gleichung (7) ist die ungedeckte Zinsparität. Umschreiben ergibt i t i t Ee t+1 E t E t Wenn i < i müssen Investoren eine Aufwertung der inländischen Währung (Abwertung der ausländischen) erwarten. Intuition: Anlage im Ausland attraktiver, es sei denn, man bekommt (im Erwartungswert) in t + 1 weniger Euro für den Dollar. 14

15 Bei festen Wechselkursen müssen demnach die Zinsen in beiden Ländern gleich sein (solange die Zentralbanken keine Revaluation vornehmen). Ungedeckte ZP gilt, wenn die Investoren sich nicht gegen WK-Risiken absichern. Das WK-Risiko kann durch Geschäfte an Terminmärkten abgesichert werden: Der Investor schlieÿt in Periode t einen Vertrag zum Verkauf von (1 + i t )E t Einheiten ausländischer Währung in t + 1, die zum Terminkurs (forward rate) F t in inländische Währung getauscht werden. Wenn S t = E t den aktuellen Kurs (spot rate) bezeichnet, folgt die gedeckte Zinsparität: (1 + i t ) = (1 + i t ) S t F t (8) 15

16 Abbildung: Zinssätze (WP mit 1jähriger Laufzeit) in D und USA 16

17 5.4. Gütermarkt in der oenen Volkswirtschaft Nachfrage nach inländischen Gütern Y d = C(Y T ) + I(r) + G + X(Y, ε) IM(Y, ε)/ε = C(Y T ) + I(r) + G + NX(Y, Y, ε) (9) mit N X: Nettoexporte (Handelsbilanzsaldo). Exporte steigen mit ausländischem Einkommen Y und fallen mit realem WK ε (inländische Güter werden für Ausländer teurer): X Y > 0 > X ɛ. Importe steigen mit inländischem Einkommen Y und mit ε (ausländische Güter werden für Inländer relativ zu inländischen billiger): IM Y, IM ɛ > 0. Gegenüber geschlossener Wirtschaft: Gesamtwirtschaftliche Nachfrage verschiebt sich und wird acher. 17

18 Abbildung: Keynessches Kreuz in oener Volkswirtschaft 18

19 GGW auf dem Gütermarkt: Angebot gleich Nachfrage: Y = C(Y T ) + I(r) + G + NX(Y, Y, ε) (10) Dies bestimmt gleichzeitig den Handelsbilanz-Saldo. Hier ist HB zufällig ausgeglichen, dies ist aber i.a. nicht der Fall. 19

20 Fiskalpolitik Expansive Fiskalpolitik: Nachfrage nach inländischen Gütern steigt. Als Folge steigt der Output und der HB-Saldo sinkt, weil Teil der Nachfrage auf ausländische Güter fällt. Aus (10) folgt: dy dg = 1 1 C = NX Y 1 1 C + IM Y (11) Da Importe mit höherem Output zunehmen, ist Multiplikator kleiner als in geschlossener Volkswirtschaft. 20

21 Abbildung: Fiskalpolitik in oener Volkswirtschaft 21

22 Auswirkungen einer Aufwertung (ε ) auf die Handelsbilanz: NX = X(Y, ε) IM(Y, ε)/ε (12) 3 Eekte: (1) Exporte sinken, (2) Importe steigen, (3) realer Wert der Importe fällt. Es gilt dnx = dnx ε X = ( Xε ε X (X ε IM ε /ε + IMε ) 2 dε ) (13) dε (14) IM ε X + IM εx 22

23 Ausgehend von ausgeglichener HB X = IM/ε folgt dnx ε X = ( Xε ε X Bei Aufwertung wird HB-Saldo negativ, wenn X ε ε X ) IM εε IM + 1 dε (15) IM εε IM + 1 < 0 (16) ɛ }{{} M ɛ X > 1 }{{} (17) + Dies ist die Marshall Lerner Bedingung, von der wir im Folgenden ausgehen. 23

24 Folgen einer Abwertung: Wenn M-L Bedingung gilt, steigt N X für gegebenen Output. Damit steigt inländische Nachfrage und somit auch Output. Aber weil Teil der höheren Nachfrage auf Importe fällt, steigt GGW-Output um weniger als ursprüngliche Erhöhung der Nettoexporte. Im GGW: höherer Output und Auÿenbeitrag. 24

25 Abbildung: Eekte einer Abwertung 25

26 Die J-Kurve Dynamische Eekte einer Abwertung. Zuerst verändert Abwertung die Preise von Import- und Exportgütern. Da Importgüter relativ teurer werden, wird der Handelsbilanz-Saldo kurzfristig sinken; kurzfristig, für gegebene Mengen sinkt X IM/ε. Mittel- bis langfristig werden Exporte zu- und Importe abnehmen, so dass der Saldo steigt. Bsp: USA-D in den 80er Jahren: zunächst starke Aufwertung des Dollar, dann Abwertung. Handelsbilanzen reagierten mit Verzögerung. 26

27 Abbildung: Die J-Kurve 27

28 Ersparnis, Investition und Leistungsbilanz In oener Volkswirtschaft ist Y = C + I + G + NX Ersparnis ist S = Y C T und damit oder S = I + G T + NX NX = S + T G I Wenn Investitionen gröÿer als Ersparnis (S + T G) muss das Land sich im Ausland verschulden, und das bedeutet ein Handelsbilanz-Dezit. Anstieg der Staatsverschuldung G T führt zu entweder sinkenden Investitionen, steigender privater Ersparnis oder einem sinkenden HB-Saldo. 28

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