Finanzmärkte und Staatsbanken nach dem Flächenbrand

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1 Finanzmärkte und Staatsbanken nach dem Flächenbrand 8. Handelsblatt Jahrestagung Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken Mittwoch, 3. Februar 2010 Dorothea Schäfer Forschungsdirektorin Finanzmärkte Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

2 Gliederung 1. Krisenmanagement und Neuordnung der Finanzmärkte Die wesentlichen Etappen 2. Warum die Anzahl der Landesbanken bei weitem zu hoch ist? 3. Warum Förderbanken aber notwendig sind 4. Das Bad-Bank-Modell des DIW Berlin 5. Nach dem Brand: Was die neue Finanzmarktarchitektur leisten muss und was bisher erreicht ist 1

3 1. Krisenmanagement und Neuordnung der Finanzmärkte Die wesentlichen Etappen 2

4 Krisenmanagement und Neuordnung der Finanzmärkte Die wesentlichen Etappen (I) 17. Oktober 2008: Finanzmarktstabilisierungsgesetz - Gründung des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SOFFin) der mit Mitteln bis zu 400 Mrd. Euro bürgen kann, kalkulierte Ausfallrate 5 %. Auflagen bei Inanspruchnahme des Finanzmarktstabilisierungsfonds Auflage Inanspruchnahme Garantien Beteiligung Übernahme Risikoaktiva Solide Geschäftspolitik X X X Kreditvergabe an KMU X Boni- und Abfindungsverbot/ Begrenzung der Vorstandsgehälter auf Euro X X Dividendensperre X X 3

5 Krisenmanagement und Neuordnung der Finanzmärkte Die wesentlichen Etappen (II) Internationale Ebene 15. November 2008: G20-Finanzmarktgipfel in Washington Alle F-Märkte, Produkte, Akteure 2. April 2009: G20-Finanzmarktgipfel in London - Financial Stability Board (FSB) und Frühwarnsystem, - makro-prudentielle Risiken, alle systemisch Teile des Finanzsystems (auch Hedge-Fonds), - nachhaltige Vergütungsregeln, internationalen Vergleichbarkeit und Verbesserung des Bankkapitals - Steueroasen, Rechnungslegungsvorschriften, Rating-Agenturen. 26. September 2009: G20-Finanzmarktgipfel in Pittsburgh 3

6 Krisenmanagement und Neuordnung der Finanzmärkte Die wesentlichen Etappen (III) 21. Dezember 2008: Konjunkturpaket I - 50 Milliarden Euro für Investitionen und Aufträge von Unternehmen, privaten Haushalten und Kommunen - 20 Milliarden Euro zur Sicherung der Finanzierung und Liquidität bei Unternehmen - Maßnahmen u.a.: zusätzliches KfW-Finanzierungsinstrument, Innovationsförderung 20. Februar 2009: Konjunkturpaket II - 50 Milliarden Euro für Impulse zur Stützung der Binnenkonjunktur und für eine nachhaltige Stärkung des Landes - Maßnahmen u.a.: Kredit- und Bürgschaftsprogramm, nachhaltige Finanzpolitik für die zukünftigen Generationen 3

7 Krisenmanagement und Neuordnung der Finanzmärkte Stützung der Landesbanken Einige Beispiele... LBBW: ca. 5 Mrd. Euro Zuschuss durch Baden-Württemberg und die Sparkassen im Land, Garantien vom Land. West LB: Garantien von Nordrhein-Westfalen und den dortigen Sparkassen, Gründung einer Bad-Bank zunächst in Irland (Phönix mit Garantien der Eigentümer) HSH Nord: ca. 3 Mrd. Euro Zuschuss durch Schleswig-Holstein und Hamburg, Garantien von Ländern. Bayern LB: ca. 10 Mrd. Euro Zuschuss vom Freistaat, Garantien vom Land. 3

8 2. Warum die Anzahl der Landesbanken bei weitem zu hoch ist? 4

9 Warum die Anzahl der Landesbanken bei weitem zu hoch ist? (I) Struktur des deutschen Bankensektors (gemessen an der berichtspflichtigen Bilanzsumme an die Bundesbank) 24% 20% Landesbanken Sparkassen Private Geschäftsbanken 8% 3% 31% Quelle: Deutsche Bundesbank, DIW Berlin % Genossenschaftliche Zentralbanken Kreditgenossenschaften Sonstige 5

10 Warum die Anzahl der Landesbanken bei weitem zu hoch ist? (II) Originäre Aufgabe: - regionale Wirtschaftsentwicklung - Refinanzierung der Sparkassen - Ausführung von Geschäften für die Sparkassen zu klein sind (z.b. Verbriefung von Sparkassenkrediten und Verkauf der Tranchen) - Bereitstellung von ergänzenden Angeboten für die Sparkassen (z.b. Bausparverträge über eigene Bausparkassen) 5

11 Die Landesbanken in der Krise (I) Problem: geringe Rendite im Vergleich zu Privatbanken Im Jahr 2005: Wegfall der besonderen staatlichen Haftungsgarantien Bereits vor dem Jahr 2005: Abkehr von der originären Aufgabe: Engagement in den Bereichen Corporate Finance, Kapital- und Immobilienmärkten und in internationale Geschäfte 6

12 Die Landesbanken in der Krise (II) Investition in Subprime-Wertpapiere zu deren Zwecke eigens außerbilanzielle Zweckgesellschaften gegründet worden sind, welche sich der Bankenaufsicht entzogen. Im Laufe der Finanzkrise verloren die Landesbanken einen Großteils ihres Eigenkapitals. Ein Konkurs der Landesbanken ist aufgrund der Größe der Landesbanken und deren Verflechtung in den deutschen Bankensektor undenkbar. Notwendigkeit einer umfassenden Reform 7

13 Landesbanken sind zur Belastung geworden Quelle: Wirtschaftswoche 8

14 Reformierung der Landesbanken (I) Auswege: - Konzentration auf ein Kerngeschäft: Zentralbank der Sparkassen vs. Finanzierung des Mittelstandes - Mittel zur Hilfe sollten nur in Verbindung mit Auflagen erteilt werden, nicht zu letzt um auch Partikularinteressen einzudämmen (Vergleich: EU-Kommission verlangte Restrukturierungspläne der West-LB und HSH Nordbank) 9

15 Reformierung der Landesbanken (II) Restrukturierungsprozess Eine Sparkassen Zentralbank etablieren Säulenübergreifende Fusionen zulassen Integration in den europäischen Finanzmarkt forcieren 10

16 Verstärken die Auflagen der EU-Kommission eine drohende Kreditklemme? Durch Rettungsauflagen und der damit einhergehenden Bilanzverkürzung Marktanteil an der Kreditvergabe an Unternehmen 24% Landesbanken 36% Sparkassen Großbanken 9% 15% 16% Genossenschaftliche Institute Sonstige Quelle: VÖB, Stand Mitte

17 3. Warum Förderbanken aber notwendig sind 12

18 Warum Förderbanken aber notwendig sind Sollte sich der Staat aus dem Bankenmarkt zurückziehen als Konsequenz aus der Finanzkrise? Gilt das auch für Förderbanken? Legitimation einer staatlichen Intervention mittels einer Förderbank: - Marktversagen auf Finanz- und Kreditmärkten, insbesondere der Finanzierung von KMU: Adverse Selektion, Moral Hazard als Ursachen Finanzierungszugang gestört besonders für demographische Risikogruppen wie zum Beispiel für Ältere, Migranten und Frauen Stärker werdende Gruppen in der Unternehmerbevölkerung Begrenzte Wirksamkeit von privatwirtschaftlichen Gegenstrategien - Entstehung eines volkswirtschaftlichen Nettonutzens? Crowding-out Mitnahmeeffekte 13

19 4. Das Bad-Bank-Modell des DIW Berlin 14

20 Wie man die Krise nutzen kann, um den Landesbankensektor zu sanieren: Das Bad-Bank-Modell des DIW Berlin (I) Verpflichtende Abgabe von Problemaktiva an eine staatliche Bad-Bank zum Preis von Null Folge: Wertberichtigung bei den Banken, Reduktion des Eigenkapitals Rekapitalisierung durch den Bund eventuell in Verbindung mit den Sparkassen Summe der Problemaktiva bildet Höchstgrenze für die notwendige Rekapitalisierung 15

21 Wie man die Krise nutzen kann, um den Landesbankensektor zu sanieren: Das Bad-Bank-Modell des DIW Berlin (II) Staat bekommt relativ risikoarme Beteiligung an den Good- Banks nach Beruhigung kann der Staat die Beteiligung wieder verkaufen Verlust durch den Nullpreis tragen die Eigentümer der Banken sofort Eventuelle Gewinne der Bad Bank werden an Altaktionäre ausgeschüttet Landesbanken: ein Eigentümer Bund kann Konsolidierung/Privatisierung besser vorantreiben Die Bundesregierung hat einen anderen Weg eingeschlagen Zeit für Nachbesserung drängt! 16

22 Deutschlands erste externe Bad-Bank: West-LB Quelle: Wirtschaftswoche 17

23 5. Nach dem Brand: Was die neue Finanzmarktarchitektur leisten muss und was bisher erreicht ist 18

24 Nach dem Brand: Was die neue Finanzmarktarchitektur leisten muss und was bisher erreicht ist (I) Koordinationsversagen minimieren - Verbriefungsstufen reduzieren und Fristeninkongruenz erschweren - Internationale Koordination institutionalisieren und Krisenagentur etablieren - Europäische Finanzmarktaufsicht etablieren Subsidiarität forcieren Die richtigen Anreize setzen - Substanzieller Selbstbehalt beim Kreditverkauf - Boni-/Mali-Fonds und mehr Aktionärsmacht - Anreizkompatible Vergütung und Regulierung für Rating-Agenturen 19

25 Nach dem Brand: Was die neue Finanzmarktarchitektur leisten muss und was bisher erreicht ist (II) Glaubwürdigkeit des Staates nutzen: öffentliche europäische Rating-Agentur einrichten Staat nicht überfordern Missbrauch der staatlichen Verantwortung verhindern Nachverhandlungsanfälligkeit berücksichtigen Breitbandregulierung vermeiden Eigenkapitalfinanzierung stärker gewichten 20

26 US-amerikanische Konsumlust und deutsche Sparsamkeit sind eine Seite der Medaille, zweifelhafte Hypothekarkredite, massenhafter Kreditverkauf und Banken mit zahlreichen Schrottpapieren die andere. Am Ende der Kette stehen dramatische Rettungsaktionen á la Hypo Real Estate oder HSH Nordbank sowie komplette Bankensysteme, die ohne Staat nicht mehr überlebensfähig sind. Dieses Buch zeigt, - wodurch der Steuerzahler zur Geisel der Funktionsfähigkeit des internationalen Finanzsystems geworden ist, - wie Schrottpapiere entsorgt werden sollten, das neue deutsche Bad-Bank-Gesetz aber am Ziel vorbeischießt, - warum man keine sieben Landesbanken braucht, Förderbanken aber notwendig sind, - wie Immobilienfinanzierung und Solvenz von Privathaushalten zusammenhängen, - was die Regierung tun muss, damit der Flächenbrand auf den Finanzmärkten eine Jahrhundertkrise bleibt und sich nicht alle zehn Jahre wiederholt. 20

27 Vielen Dank für Ihr Interesse. 21

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