Saarbrücken, 2. Mai 2011

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1 Werner Abelshauser Weltwirtschaftskrisen. Was können wir aus der Geschichte lernen? Saarbrücken, 2. Mai

2 Gliederung Historische Einordnung Synthetische Krisenszenarien Schlussfolgerungen 2

3 Mögliche Referenzperioden Welthandelskrise von 1857 Gründerkrise mit anschließender Großer Depression (1873/ ) Kleine Weltwirtschaftskrise von 1920/21 Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre Kleine Weltwirtschaftskrise der 70er Jahre 3

4 4

5 5

6 Werner Abelshauser Wachstum der industriellen Nettoproduktion im Deutschen Reich und in der Bundesrepublik , Quelle: D. Petzina et al. Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch III, S. 61; Bevölkerung und Wirtschaft , S.176; OECD Stat. 6

7 in % Werner Abelshauser Lange Reihe Arbeitslosigkeit Werner Abelshauser Arbeitslosenquote a b

8 in % Werner Abelshauser. 15 Lange Reihe Konjunktur Werner Abelshauser

9 Historische Vergleichsebenen Ereignisebene: Geschichte wiederholt sich nur als Farce (Marx) Institutionelle Ebene: Zufälliges und Mögliches wird zu Wirklichem und Bestätigten (Hegel) 9

10 Synthetischer Vergleich Der diachrone Vergleich bewegt sich in der Geschichtswissenschaft nicht auf der Ebene der Ereignisse. Auch der Historiker kann nicht zweimal in denselben Fluss der Geschichte steigen. Historische Wirkungszusammenhänge sind vielmehr auf ihre elementaren Voraussetzungen und Abläufe zu reduzieren, um Szenarien von synthetischer Qualität zu gewinnen. Diese sind unabhängig von ihrer ursprünglichen ereignisgeschichtlichen Einbettung übertragbar, solange sich die Rahmenbedingungen gleichen. 10

11 Schmidts Szenarien 1974 Prolog Ende von Bretton Woods (1971/73) 1. Akt Ölpreiskrise (1973) 2. Akt Protektionismus & Depression 3. Akt Radikalisierung der Politik Keine apokalyptische Vision, sondern reale Möglichkeit der Weltwirtschaft 11

12 Synthesen Weltwirtschaftskrise Depression Bankenkrise Radikalisierung Staatsverschuldung 12

13 Synthese: Depression Unsicherheit vs Risiko Liquiditätsfalle Staat als Investor Pyramidenbauen oder produktive Ordnungspolitik? Geldmengenproblem 13

14 Synthese: Bankenkrise I Banken sind hoch gefährdete und zugleich gefährliche Unternehmen Sie lassen sich beherrschen durch Individuelle Ethik, weil Eigennutz verpflichtet (institutionelle Kontrolle) Kollektive Ethik (selbstverwaltete Kontrolle) 14

15 Synthese Bankenkrise II Vertrauenskrise Nötig: Frisches immaterielles Kapital Nationalstaat: lender of last ressort Der Staat als Bankier? 15

16 Synthese Bankenkrise III Finanzialisierung Gesamtwirtschaftlicher Verschuldungsgrad (Volumen aller Gläubigerpositionen des Finanzsektors an die Gesamtwirtschaft in vh des BIP) USA BRD

17 . Schuldenquote Bund/Reich in % des BIP 50,0% 45,0% 40,0% 35,0% 30,0% 25,0% 20,0% 15,0% 10,0% 5,0% 0,0% Reihe1 17

18 18. Verschuldung nach Gebietskörperschaften Millionen Gemeinden Länder Bund

19 Synthese Staatsverschuldung Wege aus der Staatsverschuldung: Staatsbankrott mit Währungsschnitt Rückzahlung Relativierung durch Konsolidierung Relativierung durch Wachstum und/oder Inflation 19

20 Wiss. Schlußfolgerungen Auch die wirtschaftshistorische Analyse liefert keine Krisenstrategien nach historisch bewährten Rezepten. Aber: Anschauungsstoff für analytisches Denken in Szenarien und damit für reale Möglichkeiten in der Zukunft. Umgang mit Unsicherheit (anstelle von Risiken) erfordert qualitative Ansätze. 20

21 Politische Schlußfolgerungen Zurück zur Sozialen Marktwirtschaft? Marktversagen ist möglich Starker Staat Im Normalfall: Ordnungspolitik Im Ernstfall: liberaler Interventionismus Staatliche Regulierung, wo nötig 21

22 Strategische Schlußfolgerungen Stärkung der eigenen komparativen institutionellen Vorteile im Wettbewerb Die EU braucht dringend gemeinsame Regeln Der Rheinischer Kapitalismus ist nicht obsolet, sondern reformwürdig 22

23 23

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