Sozialwissenschaftliches Institut Tübingen

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1 Sozialwissenschaftliches Institut Tübingen Forschung Beratung Konzepte Qualifizierung Köln

2 Gunter Neubauer und Reinhard Winter Jungengesundheit Symposium Männergesundheitsbericht Berlin,

3 Jungengesundheit? Zwei Kernergebnisse: a) Die meisten Jungen sind gesund! wichtig für Fachleute, die behaupten, männlich und gesund würde sich ausschließen ( Männlichkeit gefährdet die Gesundheit ) b) Der Gesundheitszustand von Jungen ist teils alarmierend! wichtig für Medien, Politik, Gesundheitsbildung, -versorgung und -verwaltung (reagieren bevorzugt auf Probleme und Dramatisierung)

4 Recherche-Ergebnis Insgesamt problematische Situation keine identifizierbaren Kompetenz-Orte kein Fachdiskurs in den zuständigen Organisationen und Institutionen (Ministerien, BZgA, Wissenschaft, Fachverbände, Praxis...) keine Monografie, lediglich verstreute Informationen die Praxis der Jungenmedizin funktioniert ohne explizit geschlechtsbezogenen Hintergrund bei Jungengesundheit fehlt weitgehend die Perspektive auf soziale und psychische Gesundheit

5 Doppelte Problemstellung Nicht gesund Gesundheitsprobleme von Jungen, Gesundheitsbildung und -versorgung von Jungen Problem 1: Gesundheit von Jungen Forschung und Wissensstand über Jungengesundheit ist flach (reduziert auf Mädchen-Jungen-Vergleich, keine soziale Differenzierung, keine genderbezogene Erklärung, keine Konsequenzen) Problem 2: Gesundheitsbildung und -versorgung keine Gesundheitsbildung, keine Ideen für Gesundheitsförderung und Prävention (z.b. Unfälle, Verletzungen, soziale Gesundheit); sehr wenig beschriebene gute Praxis allgemeine (= nicht geschlechtsqualifizierte) Angebote erreichen Jungen weniger; ihre Qualität hinsichtlich der Jungen ist teils ungenügend (z.b. Übergewicht, Suizid)

6 Einzelergebnisse: Mortalität von Jungen Sterbefälle: äußere Ursachen Unfälle und Suizide ( äußere Ursachen ) sind der häufigste Grund, warum Jungen und junge Männer sterben z.b. 15- bis 20-jährige Jungen: 66 % der Todesfälle durch äußere Ursachen Transportmittelunfälle (Verkehr): 40 % aller Todesfälle Suizid ist nach den Unfällen die zweithäufigste Todesursache (17 % aller Todesfälle)

7 Einzelergebnisse: Suizid von Jungen Suizide junger Menschen in Baden-Württemberg 18,0 16,0 Suizidrate (pro ) 14,0 12,0 10,0 8,0 6,0 4,0 2,0 Mädchen Jungen 0,0 0 bis 5 6 bis bis bis bis bis 30 Altersgruppen Quelle: Statistisches Bundesamt, Daten 2001

8 Einzelergebnisse: Suizid von Jungen Fehlanzeige: 18,0 16,0 Suizide junger Menschen in Baden-Württemberg jungenbezogene Suizidberatung und -prävention Suizidrate (pro ) 14,0 12,0 10,0 8,0 6,0 4,0 2,0 0,0 0 bis 5 6 bis bis bis bis bis 30 Mädchen Jungen Altersgruppen Eine geschlechterreflektierende oder -bezogene Ausrichtung in der Suizidberatung oder -prävention ist derzeit nicht erkennbar! Beratungsangebote erreichen mehr Mädchen/Frauen. Es gibt keine Beratungsangebote, die sich speziell an Jungen oder junge Männer richten!

9 Einzelergebnisse: Unfälle, Verletzungen Hohe Kosten durch Unfälle und Verletzungen 90% 80% 70% 60% 50% 40% Von allen durch Verletzungen entstandenen Kosten entfallen auf Jungen: 30% 20% 10% 0% Hüfte, Oberschenkel: 78% Ellenbogen, Unterarm: 64% Kopf: 60% Quelle: GBE Bund, Daten 2006

10 Einzelergebnisse: Übergewicht Übergewicht, Adipositas Von den 10-jährigen Jungen ist bereits zehnte übergewichtig; 6,7 % leiden an Adipositas (BMI >30) eder Übergewicht und Adipositas sind auch bei jungen Männern besorgniserregend: 5 % der unter 20- jährigen Männer und 7 % der Männer zwischen 20 und 30 Jahren leiden an Adipositas deutlicher Anstieg zwischen 20 und 25 Jahren: bei über 20 % BMI zwischen 25 und 30; 4,3 % BMI >30

11 Einzelergebnisse: Übergewicht Übergewicht, Adipositas Die Versorgungslage bei Prävention und Therapie von Übergewicht ist geschlechterbezogen ungleichgewichtig: Jungen werden insgesamt weit weniger erreicht schulische Präventionsmaßnahmen: bei Jungen ist nahezu kein Effekt festzustellen Therapieangebote erreichen Jungen weniger, obwohl häufiger betroffen (nur 37 % Jungen in den Angeboten) Ernährungsberatung: nur rund 4 % der OecotrophologInnen sind männlichen Geschlechts...

12 Einzelergebnisse: Körperzufriedenheit Körperzufriedenheit insgesamt höher aber: häufiger Bewertung des Körpers als zu dünn! Quelle: BZGA 2006

13 Einzelergebnisse: ADHS Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung höchste Prävalenz in der Pubertät: bei Jungen von zehn bis zwölf (6,2 % der Jungen) und von 13 bis 15 Jahren (4,5 %) fast 80% aller Behandlungen: ausschließlich Medikamente (empfohlen: multimodale Therapie = Kombination von Psycho-, Ergotherapie und medikamentöse Therapie) Der gravierende Geschlechterunterschied ist bekannt dennoch keine geschlechtsbezogen qualifizierte Perspektive in Diagnostik und Therapie keine geschlechtsbezogen ausgerichtete ADHS- Prävention für Jungen

14 Einzelergebnisse: Soziale Gesundheit Soziale Ressourcen gering bis defizitär 60% Mit Migrationshintergrund 50% Ohne Migrationshintergrund 40% 30% 31,8% 26,9% 35,4% 20% 10% 34,0% 28,4% 22,0% 0% Niedriger Sozialstatus Mittlerer Sozialstatus Hoher Sozialstatus Anteil von Jungen von Jahren mit auffällig geringen bis defizitären sozialen Ressourcen in Abhängigkeit von Sozialstatus und Migrationshintergrund. Quelle: KIGGS-Daten, Berechnung: Szagun/Keller

15 Notwendigkeit von Differenzierung Jungen und Jungengesundheit differenziert z.b. im Kontext von Migration niedriger Sozialstatus gefährdet Jungengesundheit noch stärker (mehr Fernsehen, Computer- und Konsolenspiele) hoher Bildungs- und Sozialstatus macht Migrantenjungen trotzdem einsam Suizidgefahr ist bei Migrantenjungen trotz hoher Belastung geringer

16 Notwendigkeit von Differenzierung Jungen differenziert: es gibt nicht die Jungen Alter von Jungen (z.b.: weniger Sport mit zunehmendem Alter der Jungen) Armut, soziale Randständigkeit (z.b. mehr Medienkonsum) expansive Jungen ( hochproblematisch ) Migration (z.b. nochmals geringere Versorgung durch Beratung) Region (z.b. unterschiedlich hohe Suizidraten) sexuelle Orientierung (z.b. schwule Jungen: mehr Depression, mehr Suizid)

17 Recherche-Ergebnis Fazit Das Thema Jungengesundheit wird gesellschaftlich nicht gesehen. Die Folge: Jungen nehmen ihre Jungengesundheit ebenfalls nicht wahr. Aber genauso: Institutionen der Gesundheitsbildung, -beratung und -versorgung schließen Jungen auch aktiv aus. Deshalb: Thema Jungengesundheit wahrnehmen und entgegenkommend kommunizieren Gesundheitsbildung, -beratung und -versorgung (auch) auf Jungen hin ausrichten und qualifizieren

18 Jungengesundheit im Hier und Jetzt Die Jungengesundheit von heute ist die Jungengesundheit von heute... und (auch) die Männergesundheit von morgen!

19 Danke für Ihr Verständnis für Jungen und für Ihre Aufmerksamkeit!

20 Köln

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