Ästhetik und Kommunikation. Prof. Dr. Anton Schlittmaier

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1 Prof. Dr. Anton Schlittmaier

2 Ästhetik und Kommunikation Philosophische Ästhetik Praxis der Ästhetik Kommunikationstheorie Kommunikation in der Praxis Medientheorie Medienanwendung

3 Definitionen Ästhetik kommt von aistesis (griech.) = Sinneswahrnehmung Philosophische Ästhetik = Philosophisches Nachdenken über die Sinneswahrnehmungen, das Schöne und die Künste

4 Definitionen Philosophie = philos; sophia; Suche nach Wahrheit; Klärung grundlegender Fragen, die den Menschen und die Welt betreffen Beispiele: Was ist Wirklichkeit? Was ist Erkenntnis? Was ist Wahrheit? Was ist das Gute (Ethik)? Was ist das Schöne (Ästhetik)?

5 Philosophische Ästhetik hat ihre Ursprünge in der Antike (Griechenland) Die Philosophen Platon und Aristoteles entwickeln bereits eine philosophische Ästhetik im weitesten Sinne

6 Kommunikation Übertragung von Bedeutung Ego greift Aspekt der Wirklichkeit heraus (Information) und gibt an Alter weiter (Mitteilung); Alter versteht im besten Fall Egos Ansinnen und bestätigt sein Verstehen

7 Kommunikationsarten: Direkte Kommunikation; von Angesicht zu Angesicht = face to face; nonverbale Kommunikation; Sprache Massenkommunikation; z.b. Buch; Zeitung; Zeitschrift; Fernsehen; Film; Internet Direkte Kommunikation sofortige Reaktion; Massenkommunikation; verzögerte Reaktion; z.b. Film wird erst Monate nach Herstellung gesehen; direkte Reaktion nicht möglich

8 Hier liegt der systematische Grund für den Zusammenhang von Ästhetik und Kommunikation Massenkommunikation bedient sich primär Materialien, die die Sinne ansprechen (ästhetisch); Sprache [Gedicht; Roman]; Malerei; Plastik usw.

9 Das bedeutet Ästhetik und Kommunikation sind immer auch zusammen zu sehen Ein Film ist z.b. unter dem Aspekt der Kommunikation zu sehen; er spricht aber auch unsere Sinne an (Ästhetik); gleichzeitig ist er ein Kunstwerk und realisiert in gewisser Weise das Schöne

10 Einschub Was hat das mit Soziale Arbeit zu tun? Soziale Arbeit: Sozialarbeit u. Sozialpädagogik

11 Sozialarbeit: Jugendsozialarbeit; Soziale Dienste Sozialpädagogik: Elementarpädagogik; Jugendarbeit; Hilfen zur Erziehung; Arbeit mit Behinderten In der gesamten Sozialen Arbeit wird künstlerische Gestaltung (z.b. Bilder malen; Schreiben; Filmarbeit) als Methode eingesetzt

12 Dies geschieht übrigens auch in der Pädagogik; z.b. Schulpädagogik Hier werden literarische Texte (z.b. Romane) gelesen. Man kann fragen: Warum macht man das? Was will man damit erreichen? Antworten, die erklären, warum man etwas Bestimmtes in der Pädagogik oder Sozialen Arbeit macht, um etwas Bestimmtes zu erreichen heißen Begründungszusammenhang

13 Warum künstlerische Gestaltung in der Sozialen Arbeit? Warum Kunstunterricht oder Lesen literarischer Texte in der Schule? Man will etwas erreichen: Bildungsziele; Persönlichkeitsentwicklung; Differenzierung der Wahrnehmung; neue Auffassungen kennen lernen; Perspektivenwechsel; Veränderung des Zusammenlebens; Veränderung der Gesellschaft

14 Arbeit an und mit den Sinnen und künstlerische Produktion sind Mittel, um Bildungsziele in der Pädagogik und der Sozialen Arbeit zu erreichen. Spannungsfeld zwischen Ästhetik und Pädagogik: Philosophische Ästhetik thematisiert sinnliche Wahrnehmung und künstlerische Produktion im Zusammenhang mit bedeutenden Kunstwerken. Genieästhetik; häufige Auffassung in der klassischen philosophischen Ästhetik; nur außerordentlich begabte Menschen können ästhetisch in vollem Sinne wahrnehmen und Kunst produzieren

15 Diese Auffassung ist insbesondere für Soziale Arbeit wenig geeignet Kunst ist hier in der Sozialen Arbeit - Alltagskunst und jeder soll animiert werden Kunst zu produzieren (z.b. Dichterworkshop) Jeder ist begabt zu ästhetischer Wahrnehmung; jeder hat Geschmack und kann ihn verfeinern

16 Beispiel Literaturwerkstatt; dichten Sie ein Haiku über ihr Erleben am ersten Tag in Breitenbrunn (Haiku: Silben) Silben: Er war so mü/de (5 Silben) Dass er in tie/fen Schlaf fiel (7 Silben) (15 Minuten)

17 Schreiben Sie auch auf, was es ihres Erachtens bringt, so etwas zu schreiben.

18 Problemexposition (Ästhetik) Zentrale Frage: Was heißt schön?

19 Beispiele aus Kunst und Natur; Plastik; Malerei; Gedichte Was heißt schön? Nach dem Schönen wird ganz allgemein gefragt Unterschied zur Literaturwissenschaft oder Kunstwissenschaft, die sich z.b. auf Malerei oder Plastik beschränkt

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23 Ingeborg Bachmann Reklame Wohin aber gehen wir ohne sorge sei ohne sorge wenn es dunkel und wenn es kalt wird sei ohne sorge aber mit musik was sollen wir tun heiter und mit musik und denken heiter angesichts eines Endes mit musik und wohin tragen wir am besten unsre Fragen und den Schauer aller Jahre in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge was aber geschieht am besten wenn Totenstille eintritt

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26 Auf dem See Und frische Nahrung, neues Blut Saug' ich aus freier Welt; Wie ist Natur so hold und gut, Die mich am Busen hält! Die Welle wieget unsern Kahn Im Rudertakt hinauf, Und Berge, wolkig, himmelan, Begegnen unserm Lauf. Aug', mein Aug', was sinkst du nieder? Goldne Träume, kommt ihr wieder? Weg, du Traum! so gold du bist; Hier auch Lieb' und Leben ist. Auf der Welle blinken Tausend schwebende Sterne ; Weiche Nebel trinken Rings die türmende Ferne; Morgenwind umflügelt Die beschattete Bucht, Und im See bespiegelt Sich die reifende Frucht.

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31 Ästhetisches Urteil: X ist schön; Vergleich mit: X ist wahr X ist gut Bitte definieren Sie die drei Begriffe wahr, gut und schön mit ihren Worten (20 Minuten)

32 Platon; eine erste Theorie des Schönen Platon vertrat die sog. Ideenlehre Ideen sind Musterbilder für konkrete Dinge Alle konkreten Dinge einer bestimmten Art, z.b. Stühle, haben dasselbe Musterbild (Idee) Konkrete Dinge ahmen Ideen nach; z.b. die vielen Menschen die Idee des Menschen

33 Kunstwerke, z.b. Bilder ahmen nicht Ideen, sondern konkrete Dinge nach; Kunstwerke stellen eine mimesis (Nachahmung) konkreter Dinge dar Nach Platon kommt Kunstwerken ein geringer Wert zu, da sie von den Ideen ablenken Kunstwerke binden uns durch ihre Schönheit an das Sinnliche, von daher sind sie eine Gefahr Platon sah die Kunst kritisch; sie gehört nicht in den wahren Staat

34 Die eigentliche philosophische Ästhetik beginnt ca mit Alexander Gottlieb Baumgarten ( ) Hochschätzung der Rationalität; Abwertung der Sinneswahrnehmung in der Zeit vor Baumgarten Nur das Vernunft- oder Verstandesurteil (Denken) ist rational; Gefühl (Sinnlichkeit) ist irrational, minderwertig

35 Baumgartens Ziel war es zu zeigen, dass auch das Gefühl (die Sinnlichkeit), die sinnliche Wahrnehmung [aisthesis] positiv zur Erkenntnis beiträgt Also neben der Wissenschaft sind auch die Sinne, das Gefühl, die Kunst in der Lage Erkenntnis zu schaffen Kunst schafft Erkenntnis eigener Art

36 Anwendung Durch sinnliche Wahrnehmung, durch künstlerisches Schaffen erkennt man wichtige Dinge über die Welt die gleichberechtigt neben der Wissenschaft stehen Bei einem Filmprojekt können Aspekte der Wirklichkeit erfahren werden, die kein wissenschaftlicher Bericht oder eine Statistik erfassen kann

37 Wichtige Vertreter sind z.b. - Immanuel Kant ( ) - Friedrich Schiller ( ) - Georg Friedrich Wilhelm Hegel ( ) - Th. W. Adorno ( ) - A.C. Danto (geb. 1924)

38 Literatur Eagleton, Terrry (1994). Ästhetik. Die Geschichte ihrer Ideologie, Stuttgart Hauskeller, Michael (1998). Was ist Kunst? Positionen der Ästhetik von Platon bis Danto, 2. Aufl., München Maijetschak, Stefan (2010). Ästhetik zur Einführung, 2. Aufl. Hamburg Liessmann, Konrad Paul (2009). Schönheit, Wien

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