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1 Sehr geehrter Herr Staatsrat Bonz, sehr geehrter Herr Schmidt-Trenz, sehr geehrte Damen und Herren, es ist für mich eine große Freude, Ihnen unser Institut vorzustellen. Wer sind wir? Welche Themen beschäftigen uns? Ich beginne mit unserer fachlichen Ausrichtung dem Unternehmens- und Kapitalmarktrecht. Diese Rechtsgebiete haben sich in den letzten Jahren in einer ungeheuren Geschwindigkeit entwickelt. Motor ist die internationale Wirtschaftspraxis. Unternehmen sind heute auf die Finanzierung durch organisierte Märkte im In- und Ausland angewiesen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass sich das Kapitalmarktrecht auch in Deutschland als eine eigenständige Disziplin herausgebildet hat. Von Kapitalmarktrecht war vor zehn Jahren in den Hörsälen juristischer Fakultäten wenig zu hören. Heute wird es allerorten gelehrt. Bei uns bildet es eine feste Größe im Curriculum. Es stößt bei unseren Studierenden auf sehr großes Interesse. Das Kapitalmarktrecht bildet nicht nur den Rechtsrahmen für die Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital. Es beeinflusst auch sämtliche Teilgebiete des Unternehmensrechts, insbesondere das Gesellschaftsrecht. Die Corporate Governance-Systeme und die Instrumente der Unternehmensfinanzierung werden maßgeblich durch die Wirkkräfte der hoch regulierten Kapitalmärkte geprägt. Eine weitere Folge der internationalen Finanzierungspraxis ist ein hohes Maß an Rechtsvereinheitlichung. Die Kapitalmarktteilnehmer agieren global und erwarten vertraute Rechtsregime. Deshalb genügt es nicht, für auftretende Probleme national

2 nach Lösungen zu suchen. Wenn in den USA im Zuge der Immobilienkrise Ratingagenturen in das Visier des Gesetzgebers geraten und über eine Regulierung diskutiert wird, so muss auch in Europa über das Thema und die andernorts favorisierten Lösungen nachgedacht werden. Schließlich ist es unerlässlich, dass die juristischen Problemlösungen wirtschaftswissenschaftlich fundiert sind. Kapitalmarktrecht ist ohne Kapitalmarkttheorie nicht vorstellbar. Die juristische Zunft muss sich damit auseinander setzen, wie Wertpapierpreise zustande kommen und wie Informationen auf entwickelten Kapitalmärkten verarbeitet werden. Wichtig ist auch die Erkenntnis der Behavorial Finance, dass Kapitalmarktteilnehmer keineswegs rational agieren. Zugespitzt formuliert: Darf sich dann das Kapitalmarktrecht am homo oeconomicus ausrichten? Meine Damen und Herren, die beschriebenen Entwicklungen stellen eine große Herausforderung an die rechtswissenschaftliche Forschung dar. Diese Forschung sollte rechtsvergleichend und interdisziplinär betrieben werden. Erforderlich ist zunächst eine Verständigung zwischen den Fachsäulen der Jurisprudenz. Dies geschieht in unserem Institut: Karsten Schmidt und ich vertreten das Privatrecht, unser Kollege Axel Kämmerer das öffentliche Recht. Wir wollen aber auch den Dialog mit Vertretern der Ökonomie und der Praxis führen. Dabei erfahren wir durch einen wissenschaftlichen Beirat eine tatkräftige Unterstützung. Mehrere Kollegen haben sich bereit erklärt, in diesem Beirat mitzuwirken: Ich darf nennen Klaus Hopt vom Hamburger Max Planck Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, Heribert Hirte von der Juristischen Fakultät der Hamburger Universität und Hanno Merkt von der Universität Freiburg, ferner Jens Wüstemann von der Mannheimer Fakultät für Betriebswirtschaftslehre sowie aus der rechtsberatenden Praxis Joachim Freiherr von Falkenhausen von der Anwaltssozietät Latham & Watkins und Christoph Seibt von der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer. 2

3 Wir sind Ihnen für Ihre freundschaftliche Bereitschaft, uns mit Ideen und Kontakten beratend zur Seite zu stehen, sehr verbunden und danken herzlich. Weitere Gespräche mit ausländischen Kollegen werden geführt. Die Idee einer konzentrierten Förderung des Unternehmens- und Kapitalmarktrechts entstand vor mehr als zwei Jahren im Gespräch mit Christoph Seibt. Seitdem hat das Projekt durch viele weitere Gespräche Konturen und Farbe bekommen. In dieser Zeit ist es Christoph Seibt außerdem gelungen, mehrere, am Forschungs- und Wirtschaftsstandort Hamburg interessierte Unternehmen für das Vorhaben zu gewinnen. Im Mai diesen Jahres gründeten Christoph Seibt für die Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer, Joachim Freiherr von Falkenhausen für die Sozietät Latham & Watkins, Ralph Liebke für die Aon Jauch & Hübener GmbH, Ronald Harder, Walter Höft und Gerhard Strate für die C.A.T. oil AG, Jörg Ohlsen für die Deloitte & Touche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Achim Plate für die D+S europe AG und Michael Haentjes für die edel AG eine Stiftung zur Förderung des Instituts. In den letzten Tagen sind als Förderer und Freunde die Evotec AG, die Hamburger Bank [das Notariat Bergstraße] und das Notariat Dr. von Kottwitz und Dr. Kleinstück hinzu gekommen. Liebe Stifter, liebe Förderer und liebe Freunde, wir sind sehr dankbar für Ihre Unterstützung. Ich betone: Wir begreifen Ihre Unterstützung auch als ein Angebot, mit Ihnen einen Dialog über die Praxis des Unternehmens- und Kapitalmarktrechts zu führen. Ich bin mir sicher, dass davon auch unser wissenschaftlicher Nachwuchs profitieren wird. Zurzeit beschäftigen sich mehr als 20 Doktorandinnen und Doktoranden mit kapitalmarktrechtlichen Themen. Ein bemerkenswerter Beleg für die Attraktivität dieses Rechtsgebiets! Die Arbeit des Instituts beginnt bereits heute Nachmittag. Das Erste Hamburger Forum für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht hat ein klassisches 3

4 gesellschaftsrechtliches Thema zum Gegenstand, nämlich das GmbH-Recht, das modernisiert werden soll, damit unsere GmbH im europäischen Wettbewerb der Rechtsformen bestehen kann. Die Bundesregierung hat einen Gesetzgebungsvorschlag unterbreitet, den wir heute auf den Prüfstand stellen. Meine Damen und Herren, diese Form einer rechtspolitischen Diskussion wollen wir auch in Zukunft führen. Die Auseinandersetzung mit Konzepten und dem Design zukünftiger Rechtsregeln wird wegen der Internationalisierung des Unternehmensund Kapitalmarktrechts erheblich an Bedeutung gewinnen. Das nächste Hamburger Forum wird dann dem Aktien- und Kapitalmarktrecht gewidmet sein. Auf der Agenda steht das brisante Thema Shareholder Activism. Wir wollen uns vor allem aus der Perspektive der Praxis mit dem Einfluss von Hedge Fonds und institutionellen Finanzinvestoren sowie mit der Rolle von Stimmrechtsberatern auseinander setzen. Auch hier steht die Rechtspolitik auf der Agenda. Hinweisen möchte ich noch darauf, dass für das nächste und übernächste Jahr eine Vortragsreihe zur Standortbestimmung und zu den Perspektiven des Unternehmensund Kapitalmarktrechts geplant ist. Es werden Wissenschaftlicher und Praktiker aus dem In- und Ausland zu vierzehn Themen aus den Bereichen Corporate Governance, Corporate Finance, Capital Markets Law und Corporate Mobility referieren. Lassen Sie mich auf fünf Themen aufmerksam machen, die ich exemplarisch herausgreife. Ich denke, sie vermitteln sehr gut die Faszination und Dynamik unserer Forschungsgebiete. In der Abteilung Corporate Finance wird ein Abend dem in der Praxis wichtigen Thema Leveraged Buyouts gewidmet sein. Ferner steht das Querschnittsthema Unternehmensfinanzierung durch risikoreiche Finanzinstrumente auf dem Programm. An ihm zeigt sich, wie eng verwoben das Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht sind. Eine weitere Abteilung wird ausführlich die Perspektiven des Kapitalmarktrechts behandeln. Hier soll unter anderem über das interdisziplinäre Thema Anleger im Modell und in der Wirklichkeit: Homo Oeconomicus oder Behavioral Finance? 4

5 gesprochen werden. Zwei weitere Referate werden sich mit Hybriden Organisationsformen zwischen Staat und Markt am Beispiel der Flugsicherung und der Deutsche Bahn AG auseinander setzen. Aber auch die soziale Verantwortung von Unternehmen neudeutsch Corporate Social Responsibility wird uns beschäftigen. In mehreren Vorträgen werden die Gemeinwohlverantwortung von Unternehmen und die Möglichkeiten einer (Selbst-) Regulierung durch Kodizes entfaltet werden. Sehr geehrte Damen und Herren, wir würden uns freuen, wenn Sie neugierig geblieben sind und unsere Arbeit mit Interesse verfolgen. Sie sind herzlich aufgerufen, den Dialog mit uns zu suchen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 5

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